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Kleine Stadtgeschichte Pilsen

Pilsen

Das Jahr 2015 ist für Pilsen ein ganz besonderes Jahr. Denn es bekommt die Möglichkeit sich einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren – weltweit. Als Kulturhauptstadt Europas. Zusammen mit dem belgischen Mons werden die Verantwortlichen für mehrere Monate ein Programm erstellen, dass Besucher anlocken, verzücken und beeindrucken wird.

Pilsen ist die zweitgrößte Stadt Böhmens. Und sie steht für zwei Begriffe: Skoda und Bier.

Zeit, um sich etwas genauer mit der Stadt zu beschäftigen. Tobias Weger führt in seinem kleinen Büchlein durch eine alte Stadt, eine schmucke Stadt und eine Stadt, die viel zu erzählen hat.

Pilsen – um der Verständigung Willen wird an dieser Stelle die deutsche Bezeichnung verwendet, Plzeň ist doch sehr gewöhnungsbedürftig – stand in der Geschichte immer hinter Prag. Die Hauptstadt war und ist immer noch die Nummer Eins in Tschechien und Böhmen. Das soll jedoch niemanden davon abhalten Pilsen zu besuchen. Und vor allem das leckerste Bier der Welt, am Originalbrauplatz zu probieren.

Apropos Pilsner Bier. Das, was heute so viele Menschen als eines der besten Getränke bezeichnen, verdankt seine Entstehung einem handfesten Skandal. Mehrere Fässer eines bierähnlichen Gebräus wurden Mitte des 19. Jahrhunderts wegen Ungenießbarkeit auf dem Hauptplatz ausgegossen. Ein Jahr später stand der Beschluss, eine Brauerei zu bauen fest. Von da an begann der Siegeszug des Pilsner Bieres um die Welt.

Tobias Weger hat Pilsen erlaufen und so manche Anekdote gehört. Diese lockern den Lesefluss des Buches gehörig auf. Immer wieder schiebt er kleine Histörchen zwischen die an sich schon spannenden Fortschritte der Pilsner Geschichte. Über dreißig Abbildungen untermauern das Bild, das der Autor von der Stadt Pilsen zeichnet. Von „catholica et semper fidelissima“ (katholisch und immer äußerst treu) über die Braukunst und die mobile Revolution bis hin zur Auswahl Pilsens als Europas Kulturhauptstadt 2015 schließt Tobias Weger den Bogen um eine Stadt, die dem Namen nach jeder kennt, aber nur wenige besuchen. Nach der Lektüre wird sich dies ändern. Es lohnt sich!

Paris

Paris MM City

Stadt des Lichtes, Seine-Metropole, Stadt der Liebe. Paris wird auf unterschiedliche Art und Weise beschrieben. Doch alle Bezeichnungen zeugen von dem unermesslichen Respekt, den Besucher vor dieser Stadt haben. Vor und nach ihrem Besuch.

Paris ist eine Stadt, die man nicht nur einmal besucht. Sie ist die lieb gewonnene Stadt der Freiheit, in der man immer wieder Neues entdeckt. So auch in der bereits neunten Auflage aus dem Michael-Müller-Verlag. Neu ist zum Beispiel auch die kostenlose App zum Buch. So hat man die 288 Seiten bequem auf seinem Smartphone. Wer allerdings nur wischend durch die Stadt läuft erkennt die wahre Schönheit Paris‘ nicht. Auch wer einfach nur so durch Paris läuft, bekommt nur einen Bruchteil von dem mit, was die Stadt ausmacht.

Ralf Nestmeyer weiß da Rat. Auf den vierzehn Touren durch Paris (eine davon führt ins Umland, ins unumgängliche und unvergessliche Versailles) kommt man aus dem Staunen nicht mehr raus. Man muss nur richtig lesen und die Augen vom Display nehmen… Selbst beim Spaziergang Nummer Zwei (Centre Pompidou und Louvre, die man ja kennen sollte, da sich in kaum einer Reportage über Paris fehlen) gibt es noch Dinge, die man so noch nicht erfahren hat. Man passiert hierbei auch das Rathaus. Davor wurde im Jahr 1757 Francois-Robert Damiens hingerichtet. Er wollte Ludwig XV. erdolchen. Das misslang gründlich. Genauso wie die Hinrichtung. Nachzulesen im gelb unterlegten Infokasten. Und von denen gibt es viele in diesem Buch.

Für Traditionalisten gibt es in der hinteren Umschlagseite einen herausnehmbaren Stadtplan. Der ist handlich zusammengefaltet, das Buch passt in jede Tasche. Dort gehört es auch hin. Nur ab und zu sollte man sich auf eine der vielen Parkbänke niederlassen, um die nächsten Schritte zu planen. Paris zu erobern ist mit diesem Buch ein Leichtes. Einfach nur zu flanieren, ist die Basis einer jeden Paris-Stippvisite. Als Zugabe,. Als das unausweichliche Bonbon, gibt Ralf Nestmeyer Ratschläge zum Streckenverlauf. Er verrät, wo man am besten einkehrt. Und er zeigt die versteckten Beautés der Stadt auf.

Paris im Doppeldeckerbus in wenigen Stunden? Das ist machbar. ABER: Paris erleben, das geht nur mit der richtigen Hilfestellung und in mehreren Tagen. Und die plant man am besten mit diesem Reiseband.

London

London MM City

London im Jahre Drei nach Olympia. Das Sportereignis und seine Nachwirkungen sind verflogen. Was bleibt ist die ungebrochene Anziehungskraft der Metropole an der Themse. Kaum eine andere Stadt der Welt beherbergt so viele Touristen pro Jahr. Tradition und Moderne treffen hier wie irgendwo sonst auf der Welt so oft und so vehement aufeinander.

Im Zentrum des größten Imperiums der jüngeren Geschichte trifft man auf ein reiches Arsenal an Kulturgütern. Und die findet man heutzutage mit modernen Kommunikationsmitteln. So auch in diesem Buch. Denn zu den mit Informationen vollgestopften 288 Seiten des Buches gibt es – GRATIS – eine App. So hat man das komplette Nestmeyersche London auf seinem Smartphone.

Ralf Nestmeyer hat sechszehn Touren durch das London im Jahre Drei nach Olympia zusammengestellt, die dem London-Anfänger das wahre London zeigen. Erfahrenere London-Besucher werden sanft daran erinnert, dass sie doch noch nicht alles gesehen haben. Dazwischen – in guter Tradition des Verlages – immer wieder kurzweilige Anekdoten, die es erleichtern London zu begreifen.

Wie zum Beispiel in Tour Sechs durch Marylebone. Jede große Stadt hat ihr Ethnienghetto. Der Begriff Ghetto steht hier allerdings nicht für Greueltaten, sondern für die Tatsache, dass sich der Anteil einer Ethnie an diesem bestimmten Ort sehr hoch konzentriert. Bitte nicht falsch verstehen! Chinatowns kennen man allerorts. In Marylebone gibt es Little Venice, das kleine Venedig. Globetrotter können sich schon denken, wie es hier aussieht. Wer es sich nicht vorstellen kann, hat zwei Möglichkeiten. Entweder man fährt nach London oder man kauft sich dieses Buch. Wer sich für die erste Variante entscheidet (also in den Flieger steigt und ein paar Stunden später on location ist), kommt an Variante Zwei nicht vorbei. Denn ohne Nestemeyers Reisebuch kommt man in London zwar weit genug, aber bewegt sich nur an der Oberfläche.

Apropos in die Tiefe gehen. London ist ein teures Pflaster. Jedes Kapitel wird durch praktische Tipps – für jeden Gelbeutel – abgeschlossen. Wer schon einmal  mit einem MM-City-Buch aus dem Michael-Müller-Verlag verreist ist, schätzt diese Tipps, da sie von echten Experten vor Ort getestet wurden.

London als Schmelztiegel zu bezeichnen, fällt leicht – jeder sagt das, also muss es ja stimmen. London als Schmelztiegel zu erfahren, dafür braucht es einen erfahrenen Guide. Der ist 288 Seiten stark (oder eben nur ein paar Megabyte – je nachdem) und hat einen geistigen Vater: Ralf Nestmeyer.

In Prager Nächten

In Prager Nächten

Kreuzberger Nächte sind lang. Sankt Petersburger Nächte sind weiß, zumindest eine gewisse Zeit lang. Und in New York schläft man des Nachts nicht. Und in Prag? Klaus Hanisch lebt seit Jahren in Prag. Er arbeitet dort. Ein Jahr lang sogar nur nachts. Also von 22 Uhr bis früh morgens um sechs. Keine einfache Arbeitszeit. Vor allem, wenn man das Nachtleben studieren will.

Denn die Versuchungen sind vielfältig. Zum Einen das leckere Bier. In Tschechien sagt man nicht umsonst, dass man da Bier nicht zum Essen trinkt, sondern das Essen zum Bier einnimmt.

Zum Anderen ist es die Aussicht auf einmalige Geschichten. Und die hört Klaus Hanisch zuhauf. Er trifft ehemalige Fußballhelden, die in der großen Zeit des tschechoslowakischen das runde Leder bearbeiteten. Jetzt sind sie nicht mehr als eine Schatten ihrer selbst. Petr Janecka spielte in Prag, bei der Fußball-WM in Spanien und in Belgien. Heute lebt er von seinen Erinnerungen.

Und er trifft Nachtclubbesitzer, die fair ihr Geschäft betreiben. Tänzerinnen, die ganz genau wissen, was sie wollen (und wie sie es bekommen). Und er trifft Kunden selbiger, die um die halbe Welt reisen, nur um in Prag eine unverwechselbare Woche zu verbringen.

Sol Gabetta ist sicherlich das Highlight der nächtlichen Interviews. Die Cellistin verrät ihm, dass sie sich immer gern ein paar Tage zusätzlich nimmt, um ihre Auftrittsorte näher kennenzulernen. Prag gehört dabei zu ihren Favoriten.

Die verrauchte Atmosphäre der Prager Klubs, Kneipen und Spelunken durchschneidet der Journalist messerscharf mit neugierigen Fragen. Distanziert und energisch bohrt er im Leben seiner Gegenüber. Die erzählen ihm freimütig aus ihrem Leben. Klára D. ist so eine Lebenskünstlerin. Ihre Lebensgeschichte reicht aus, um mehrere Bände zu füllen. Wie ein Stalker hechelt Hanisch durch die Prager Nächte, um mehr zu erfahren. Sie scheint verschwunden. Von der Nacht verschluckt. Bis er sie wieder trifft und ihm ihr unglaubliches Leben beichtet.

Kurze Stakkato-Abrisse zeichnen ein klares Bild von Prags Nachtleben. „prag@night“ nennt Klaus Hanisch die fünf Ausflüge in die moderne Journaille. Kurze Sätze wie man sie sonst nur in sozialen Netzwerken benutzt.

Wer Prag kennt, weiß vom Reiz und Charme Prags Metropole zu berichten. Von Neppereien in Gaststätten weiß auch Klaus Hanisch zu berichten. Seine Geschichten sind jedoch mehr als bloße Touri-Erinnerungen. Sie sind das EKG einer pulsierenden Metropole, mit all ihren Begleiterscheinungen.

Lesereise Wien

Lesereise Wien

Ein Spaziergang durch Wien hinterlässt Spuren. Spuren, denen man folgen kann. Im Falle von Christoph Braendle sogar folgen muss. Er scheint wie ein Geist durch die Straßen und Gassen der Donau-Metropole zu schweben, weiß von allerlei Klatsch und Tratsch zu berichten, kennt ihre verborgensten Geheimnisse. Die Protagonisten sind skurril, belesen, schrill, geschäftstüchtig … kurz: Anders. So wie Wien.

Doch dieses Buch ist auch gefährlich. Denn es lässt den Leser nicht mehr los. Er will Wien genauso erleben wie in diesem Buch beschrieben. Also Nase in Buch und auf geht’s! Doch dann verpasst man doch die Schönheiten der Stadt, möchte man einwenden. Ja, mag sein! Aber der besondere Reiz von Schönbrunn, St. Stephan und Co. wird von Christoph Braendle erstklassig eingefangen. Fast muss man schon gar nicht mehr nach Wien fahren.

Wie paradox! Ein Buch, das Appetit macht, aber das Mahl vergessen lässt. „Wiener Sonaten“ lautet der Untertitel. Eine Sonate ist ein Musikstück, das in mehrere eigenständige Teile gegliedert ist. Jeder Satz kann für sich allein stehen, aber erst als Gesamtwerk erschließt sich dem Empfänger die wahre Pracht.

Die einzelnen Kapitel, man kann sie auch als Spaziergänge sehen, sind jeder für ich genommen wahre Kleinode. Literarisch gesehen, was der Besucher daraus macht, bleibt ihm überlassen. Wer dieses Buch als Leitfaden für eine Wien-Stippvisite heranzieht, kommt dem Kern der Stadt schon verdammt nah. Die Stadtführerinformationen werden hier nicht nur als Fakten aufgezählt. Die kleinen, versauten, dunklen, Aufsehen erregenden Anekdoten will der Leser (und der Wiener erst recht!) hören und lesen. Und die bekommt er! Hundertzweiunddreißigfach. Auf den einhundertzweiunddreißig Seiten dieses Buches erfährt man mehr über Wien als in so manchem Reiseband.

Gute Reise, einen schönen Tod und unschlagbare Erfahrungen sind die Resultate einer Wien-Reise, die mit diesem Buch im Handgepäck geplant und durchgeführt wird. Schauen Sie links und rechts des Weges, schauen auf die Fassaden. Was dahinter steckt, erzählt Christoph Braendle.

Sehnsucht nach dem Alten Wien

Sehnsucht nach dem alten Wien

Sehnsucht kann man nach Vielem haben. Nach den Kochkünsten der Oma, nach Geborgenheit, nach fernen Ländern. Oder auch vergangenen Zeiten. Den Orten, die man als Kind auskundschaftete. Orten, die man nie gesehen hat, und so wohl auch nie mehr erleben kann. Den Wienern sagt man einen ausgeprägten Hang zur Sehnsucht nach. Todessehnsucht – dieses Wort wird häufig benutzt. Aber eben auch nach dem alten Wien. Sehnsucht nach k. und k., nach Geschichte und Geschichten. Helga Maria Wolf gießt mit ihrem Buch noch Öl ins Feuer der Leidenschaften. Denn Wien ist und bleibt eine Stadt, die man gesehen haben muss. Sie beeindruckt durch ihre Präsenz, die weit in der Weltgeschichte zurückreicht. Kaum auszumalen, wie sich die Stadt präsentieren würde, könnte man sie wie vor hundert oder zweihundert Jahren erkunden.

Mit jedem (Fort-)Schritt wurde die Sehnsucht nach dem Alten, den Traditionen größer – das liegt wohl in der Natur des Menschen. Im ersten Teil führt die Autorin den Leser wohlformuliert in die Mitte des 18. Jahrhunderts. Barocke Pracht und Perspektiven nennt sie eines der ersten Kapitel – da ist jedem klar, dass Wien von jeher Sehnsucht verhieß und sich dem Fortschritt nicht verschloss. Wie eine gefräßige Raupe arbeitet sich der Leser durch die Lektüre. Historische Abbildungen zeigen ein exaktes Bild der Donaumetropole.

Nach dem ersten Viertel werden die ganz großen Geschütze aufgefahren: Eindrucksvolle Bilder mit knappen Texten zeichnen die Entwicklung der mondänen Siedlung am Fluss zu einer modernen Metropole nach. Daumenkino für die ganz großen Momente. Immer wieder weiß Helga Maria Wolf Anekdoten zu erzählen. So Geschichte kann schon mal langweilig werden. Nicht in diesem Buch!

Im Gegenteil: Das Buch beiseitelegen, fällt schwer. Denn mit jeder Seite wächst die Sehnsucht sich zu einer ausgewachsenen Sehsucht aus. Sehsucht nach dem aktuellen Wien. Und sicherlich wächst dann auch die Sehnsucht nach dem alten Wien…

Unter dem Asphalt

Unter dem Asphalt

„Schatz, ich gehe mal ins Theater.“ „Gut, bringst Du mir bitte ein Glas Gurken mit?!“ – Was sich nach Witzparade im Ersten anhört, kann ich Neapel durchaus Realität sein. Denn durch die vielen Vulkanausbrüche baute man auf den Trümmern einfach die neue Stadtgeneration wieder auf. Und von so mancher Wohnung gelangt man direkt in ein römisches Theater.

Paris bietet schon seit Jahren Rundgänge durch die Katakomben der Stadt an. Schaurige Geschichten, Türme aus Schädeln und Gebeinen, stimmungsvolles Licht – auch unter dem Eiffelturm gibt’s Vieles zu entdecken. Die Location ist so angesagt, dass bis vor wenigen Jahren dort regelmäßig Underground-Parties stattfanden. Bis die Stadt die Eingänge verschweißte, zumauerte, anonymisierte.

Berlin ist seit 1997 dank des Vereins Berliner Unterwelten wieder eine geteilte Stadt: Oberirdisch und unterirdisch. Eine Viertelmillion Besucher durchforsten jedes Jahr Bunkeranlagen und einst geheime Gänge. Angelegt um vor den Bomben der Alliierten sicher zu sein (was ein Trugschluss war), sind die Agentengänge, Luftschutzbunker und anderen unterirdischen Anlagen heute eine echte Touristenattraktion.

Leoni Hellmayr hat sich die Erde von unten betrachtet. Sie traf bei ihren Recherchen auf übel riechende Rinnsale, auf prächtige Bauten und geschichtenerzählende Räume. Wer heutzutage eine Stadt, eine Metropole besucht, kratzt nur an der Oberfläche. Sämtliche Attraktionen, die man gesehen haben muss, liegen vor unseren Augen offen da. Wer in eine Stadt eintauchen will, muss sich in die Niederungen des urbanen Raumes begeben. Hier lauern an jeder Ecke Geschichten, die noch (wieder-)entdeckt werden wollen. Von Lima bis Tokio, von Moskau bis Neapel, von Istanbul bis Montreal.

Dem Leser wird schnell klar, dass er auf seinen Reisen das Eine oder Andere verpasst hat. Was bisher nur als Filmkulisse einigen bekannt war, wie die Zisternen von Istanbul in „007 – Liebesgrüße aus Moskau“, wird hier greifbar. Als kenntnisreicher Begleitband zu einem Reiseband ist dieses Buch beim nächsten Urlaub ein unverzichtbares Utensil!

Verbrechen in Berlin

Verbrechen in Berlin

Metropolen ziehen das Gesindel an wie Motten das Licht umschwirren. Je schneller eine Stadt wächst, umso schneller wächst auch die Kriminalitätsrate.

Der Verlag Elsengold hat es sich zur Aufgabe gemacht Berlin aus allen Blickwinkeln zu beleuchten. Die schönsten Kieze, Alltag in Ost und West … jetzt kommt die dunkle Seite der Stadt ans Tageslicht.

Die Verbrechen zu ordnen war sicherlich ein schwieriges Unterfangen. Denn wie soll man Verbrechen sortieren? Nach Anzahl der Opfer? Nach Schwere des Verbrechens? Die Autorin entschließt sich zur Sortierung nach der Zeit. Verbrechen im Kaiserreich, in der Weimarer Republik, unter den Nazis und nach dem Krieg. Insgesamt sieben Jahrzehnte Kriminalgeschichte, von 1890 bis 1960.

Berlin war Ende des 19. Jahrhunderts eine Großstadt, die ihre Einwohnerzahl in den vergangenen Jahrzehnten verdoppelte. Doch mit den Neuzugängen kamen auch die Raufbolde, Tunichtgute, Taugenichtse. Räuber, Einbrecher und Mörder strahlten mehr oder weniger verbissen von den Litfasssäulen. Denn es gab eine Zeit, in der Verbrecher öffentlich gebrandmarkt und per rosa Steckbrief in Posterformat gesucht wurden. Wie sich die Zeiten doch ändern: Wer heute vor einer Werbung steht, versucht meist sich das Haar zu richten im Spiegel der Scheiben. Damals vor hundert und mehr Jahren sammelten sich die Menschen, um etwas von den Verbreche(r)n mitzubekommen.

Die berühmtesten Fäll des Buches sind die von den Gebrüdern Sass. Franz und Erich gehörte eine Auto-Werkstatt. Und doch lebten sie in Saus und Braus. Mit schwerem Gerät bohrten, buddelten und schweißten sich die beiden unterirdisch bis in die Tresorräume von Banken. Anfangs waren ihre Raubzüge nicht vom Erfolg gekrönt. Mal steckte ein aufmerksamer Nachbar die Nase rein. Mal wurde die Polizei wegen Brandgeruch gerufen. Ihre Beutezüge wurden von der Berliner Bevölkerung mit wachsender Begeisterung verfolgt. Die Gazetten waren voll mit den Gangsterstories. Einzig ein Mann konnte so gar nicht über Franz und Erich Sass lachen: Kommissar Max Fabich. Erst als die beiden in Dänemark eine Strafe verbüßten (Berlin war ihnen zu heiß geworden und sie verlegten ihr Jagdrevier ins Ausland) und sie an Deutschland ausgeliefert wurden, schlug er erbarmungslos zu. Zuchthaus, KZ, Mord auf Befehl des Führers. Die Beute aus ihrem größten Coup wurde bis heute nicht gefunden.

Der zweite berüchtigte Mord passierte einem Nazi, der durch ein Lied zu ungerechtfertigtem Ruhm kam. Horst Wessel war ein kleines Licht in der SA. Viel hatte er bisher nicht erreicht. Seine Freundin lässt er bei sich einziehen. Die Vermieterin fordert dafür gerechtfertigterweise Miete, die Wessel nicht zahlen will. Doch die Vermieterin hat noch Kontakte zu den Schlägertrupps der KPD. Es kam wie es kommen musste: Radau, Randale, ein Mord. Goebbels machte aus dem kleinen Licht eine Legende. Übrigens: Beim Prozess gegen die roten Schläger war unter den Verteidigern auch Hilde Benjamin, die spätere DDR-Justizministerin. Unter anderem verantwortlich für so manchen Schauprozess. Wie sich die Zeiten doch gleichen …

Zweiunddreißig Verbrechen lässt die Autorin Dr. Regina Stürickow noch einmal Revue passieren. Machen Sie sich gefasst auf einen Stadtrundgang der ganz besonderen Art.

Mirabilia Urbis Romae

Mirabilia Urbis Romae – Wunderwerke der Stadt Rom

Wenn ein Reiseführer erst Jahrhunderte nach seiner Erstauflage auf Deutsch erscheint, ist das – auf den ersten Blick – nicht gerade ein Qualitätsmerkmal. Tja, lieber Marktforscher, Superökonomen und Marketingexperten. Da irrt die Wissenschaft! Denn „Mirabilia Urbis Romae“ ist ein Meisterwerk. Er wurde im Laufe der Jahrhunderte, ja: Jahrhunderte! – immer wieder verändert, so dass heute niemand genau sagen kann, wer denn nun der Verfasser dieses außergewöhnlichen Reisebandes ist. Das ist doch aber auch egal, oder?! Die Wunderwerke der Stadt Rom lautet der Untertitel, edel in güldenen Lettern ins Leinen geprägt.

Der Titel lässt es schon vermuten, dass die Erstausgabe in lateinischer Sprach verfasst wurde. Und jetzt eben auch auf Deutsch. Zweisprachig. Wer also noch oder schon in der Schule hatte oder hat, wird sich doppelt freuen können. Wer sich im Römischen Reich nicht so recht auskennt – und wer tut das schon – erhält ausführliche Erläuterungen zum Originaltext und der Übersetzung.

Wer Rom besucht, wird von der allgegenwärtigen Geschichte im übertragenen Sinne erschlagen. Wo anfangen? Was muss ich sehen, was kann man weglassen (eigentlich gar nichts)? Da bietet es sich an Rom thematisch zu erkunden. Warum also nicht auf den Spuren der Ahnen wandeln? Reisen wie vor – sagen wir mal – Hunderten von Jahren? Gut, dass es jetzt einen Reiseband gibt, der dies ermöglicht. Verblüffend wie aktuell er noch ist. So manches Bauwerk steht vielleicht nicht mehr so frei in der Landschaft wie einst, aber es steht noch! Die alten Kaiserpaläste entlang der Konsularstraßen. Der Vatikan, die Engelsburg … ach man könnte so viel aufzählen, was den Lauf der Geschichte bestimmt und überdauert hat.

Wer Rom besucht und nicht gefahrlaufen will, dass er nur das „normale Touristenprogramm durchläuft“, braucht einen besonderen – gedruckten – Reisebegleiter. Mit „Mirabilia Urbis Romae – Die Wunderwerke der Stadt Rom“ ist so ein Reisebegleiter. Wer auf historischen Pfaden die Metropole am Tiber, die auch schon mal zur Kleinstadt verkommen war, mit diesem Buch im Handgepäck erobern will, wird belohnt mit einer ganz besonderen Sicht auf die Geschichte.

Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen

Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen

Der Duft gebrannter Mandeln benebelt schmeichelnd die Nasen der Besucher der Weihnachtsmärkte Berlins. Man freut sich an kandierten Äpfeln, kauft das eine oder andere Präsent. Die Budenbesitzer machen hier den Umsatz, mit dem sie die nächste Zeit auskommen müssen. Doch ein Schreckgespenst macht die Märkte der Spreemetropole unsicher: Der Weihnachtsmarktmörder! Der knipst den Opfern nicht nur das Lebenslicht aus, sondern auch einen Finger ab. Unappetitlich ist noch das Mildeste, was man darüber sagen kann. Umso schrecklicher die Einsicht, dass man dem Mörder (-pärchen … upps jetzt ist es raus!) so nah gegenüber steht.

Gleich die erste Geschichte des außergewöhnlichen Adventskalenders versetzt den Leser in Spannung. Zwei Budenbesitzer vertreiben sich die Zeit mit Flirten und der Abwehr selbiger. Ihr Geschäft läuft gut. Und ein Gesprächsthema haben die beiden auch, den Weihnachtsmarktmörder.

Doch ein Adventskalender hat mehr als nur ein Türchen – und eine Weihnachtskrimi-Kompilation mehr als nur einen Krimi. Beide haben vierundzwanzig. Vierundzwanzig mal Spannung. Vierundzwanzig mal Verzweiflung, Rätselraten, Missetaten … und Lesespaß. Also zumindest Letzteres!

Auch die Geschichte eines alten Mannes, der von seinem (verhassten) Schwiegersohn wie schon im Jahr zuvor zur Weihnachtszeit in ein Heim abgeschoben werden soll, entwickelt sich rasant zum Krimi. Denn der zerstreut wirkende Alte ist gar nicht so senil wie es sich der Schwiegersohn wünscht. Und das Ende haben sich Schwiegersohn und Leser auch anders vorgestellt…

Es gehört schon zum guten Ton bei Edition Karo, dass die Lesegemeinde mit (zum Teil preisgekrönten) Schauergeschichten auf das (Schlachte-) Fest der Liebe eingestimmt wird. Alle Krimis spielen in Berlin, für jeden Tag Warten bis zur Bescherung eine Geschichte. So wird die Wartezeit nicht nur versüßt, sondern bis ins Unendliche gesteigert. Wie geht es weiter? Mit welcher Phantasie wird der nächste Autor mit der nächsten Geschichte mit dem nächsten Mord den Leser verzücken? Und was verbirgt sich hinter dem nächsten Türchen? Der Begriff Schokolade als Nervennahrung bekommt hier eine ganz neue Bedeutung.

Also, 2014 gilt folgende Regel: Erst das Adventskalendertürchen öffnen, Schokolade auf der Zunge zergehen lassen und dann ganz gemütlich den Tag mit einer Schauergeschichte ausklingen lassen. Übrigens für 2015 kann man das Ganze wiederholen. Es sei denn, dass es dann eine weitere Kompilation gibt…