Archiv der Kategorie: aus-erlesen bella

Die Medici – Bankiers im Namen Gottes

Die Medici - Bankiers im Namen Gottes

Groß war die Aufregung vor einigen Jahren als herauskam, dass sich Kanzlerin Angela Merkel mit Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im Kanzleramt zum Dinner traf. Darüber konnten die Medici des Mittelalters nur lachen. Sie trafen sich mit Päpsten! Denn die Päpste brauchten Geld. Und Geld hatten die Medici im Überfluss. Geschickt setzten sie ihr Guthaben ein, um Herrscher – weltliche wie geistliche, wobei damals die Grenzen zwischen Spiritualität und Realität eine gewaltige Schnittmenge aufwiesen – an sich zu binden.

Ein lohnendes Geschäft für beide Seiten. Sofern nicht der eine oder andere Geschäftspartner an Einfluss verlor. Ging die Macht des Einen flöten, so war auch der Machtbereich des Anderen gefährdet. Doch auch hier wussten sich die Medici zu helfen. Ein allgegenwärtiges Netzwerk sicherte den Medici ihr Fortbestehen. Selbst als die internen Feinde aus Florenz, die Albizzi, die Verbannung der Medici anordneten, ging das Haus Medici nicht unter. Das feingesponnene Netzwerk erwies sich für viele (Feinde) als Fallstrick, der alsbald greifen würde.

Doch das Netz hielt nur so lange den Angreifern stand, wie eine Katastrophe der anderen folgte. Ende des 15. Jahrhunderts erhöhte sich die Frequenz der Angriffe. Mehrere Ereignisse traten gleichzeitig ein. Das konnte selbst das starke Bankhaus Medici nicht aushalten. So nach und nach versank der einstige Ruhm in Niedergängen von Königshäusern und Epidemien. Unzulängliche Geschäftspraktiken taten ihr Übriges. Der Banco Medici war das zu frühe Aus beschieden.

Uwe A. Oster beschreibt – untermalt von ca. fünfzig Abbildungen – auf knapp einhundert Seiten Aufstieg und jähen Fall einer Bank-Dynastie, die seit ihrer Blütezeit die Gemüter erhitzt und Geschichtsschreiber zu phantasievollen Umschreibungen treibt. Die Medici sind so eng mit Florenz verbunden wie kaum eine andere Familie mit einer Stadt weltweit. Ihr Ruhm gründet sich auf ihrem Gönnertum. Das wiederum fußt auf einer kompromisslosen Geschäftspolitik. Soll man die Medici nun vergöttern oder verteufeln? Wenn man das Tun der Medici differenziert betrachtet, kommt man der Antwort am ehesten auf die Spur. Die Medici nutzten ihre Macht vorrangig um selbige auszubauen. Im Gegenzug förderten Sie Kunst und Kultur in einem Maße, das beispiellos war. Eine allumfassende Antwort gibt es nicht. Nur einen umfassenden Einblick in die Bankgeschäfte der Medici, den gibt es. Und er trägt den Titel dieses Buches.

Die Frau aus dem Meer

Die Frau aus dem Meer

Ist Gnazio ein Verlierer, weil er eine Frau heiratet, die ihm weil abverlangt und er sie nie verstehen wird? Nein! Ein entschiedenes Nein! Im Gegenteil: Gnazio ist ein wahrer Glückspilz, ein Gewinnertyp. Für wahr er ist nicht mit Geistesblitzen und händlerischem Geschick gesegnet. Dennoch ist Gnazio auf der Gewinnerstraße.

Endes des 19. Jahrhunderts kehrt Gnazio Manisco in seine sizilianische Heimat zurück. Durch einen Unfall ist er im geheiligten Amerika zu Geld gekommen. Soviel, dass es ihm erlaubt sein Heimat wiederzusehen. Er kauft sich ein schönes Stück Land. Er baut ein Haus. Auf dem Land stehen Olivenbäume. Er baut einen Brunnen. Das Land war günstig, obwohl es direkt am bzw. über dem Meer liegt. Gnazio mag das Meer nicht, deswegen zeigen alle Fenster im von ihm gebauten Haus weg vom Meer. Die Zeit vergeht, Gnazio ackert und lebt sich nach und nach wieder in seiner Heimat ein. Und doch fehlt etwas. Beziehungsweise jemand. Eine Frau.

Donna Pina, eine Alte aus dem Dorf, die mit Kräutern umzugehen weiß, berät den unglücklichen Rückkehrer. Seine Wahl fällt schließlich auf Maruzza Musumeci. Er sieht nur ein Foto der betörenden Schönheit und schon ist er ihr verfallen. Von nun an gibt es nur noch ein Ziel: Dieses Wesen zu erobern. Es klappt. Maruzza sieht auch in Gnazio den Mann, mit dem sie den Rest ihres Lebens verbringen will. Es muss nur noch die Urgroßmutter der Braut überzeugt werden. Hat sie etwas gegen die Liaison einzuwenden, sind alle Pläne dahin.

Urgroßmutter Minica hat nichts gegen die Verbindung und stimmt der Hochzeit zu. Die findet am gleichen Abend statt. Selbst Gnazio scheint das ein wenig übereilt, doch die Freude siegt über die Vernunft. Die rituelle Hochzeit erscheint dem bodenständigen Arbeiter etwas verwegen. Dennoch fügt er sich in sein Schicksal. Schließlich ist Maruzza an seiner Seite, für immer.

Die Jahre vergehen und Gnazio gewöhnt sich an die Marotten seiner Frau. Vor der Hochzeit wurde ihm geraten, Maruzza gewähren zu lassen, und Gnazio hält sich an diesen Ratschlag. Er baut ihr eine Zisterne, damit sie darin schwimmen kann. In ihrem Schlafzimmer zeigen die Fenster Richtung Meer. Maruzza ist eine Sirene. Sie zieht es immer wieder hinaus aufs Meer. Gegensätzlicher können zwei Menschen kaum sein…

Am Ende dieses kurzweiligen, famosen, herzerweichenden, zauberhaften Märchens sieht man einen kleinen Jungen, der über beide Wangen lachend sich über eine Schreibmaschine beugt. Es ist kein abwertendes Lachen, weil er jemanden in die Pfanne gehauen hat. Es ist vielmehr das ergreifende Lachen eines Jungen, der etwas geschaffen hat, dass er sofort jemand schenken möchte. Dieser Junge ist Andrea Camilleri und die Beschenkten sind wir Leser.

Der Hirtenjunge

Camilleri_Der Hirtenjunge_HK.indd

Glücklich der, der Arbeit nicht als solche empfindet. Nur dann wird das Erwirtschaften des „Täglich-Brot“ zur Lust. Die Last des steten Schuftens, um ein das erträumte Leben leben zu können, ist hinweg geblasen wie eine Feder im Sturm. Doch jede Medaille hat zwei Seiten. Wer sich ein Leben lang auf seine Berufung freut, wird umso bitterer enttäuscht, wenn der Lebensplan aus den Fugen gerät.

Der 14jährige Guirlà Savatteri ist furchtlos. Als eines Tages zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts Rattenfänger sein kleines Fischerdorf aufsuchen, um Jungen in den Minen der Umgebung arbeiten zu lassen, schickt ihn sein Vater in die Berge. Er soll Ziegen hüten und sich so den Schergen des Minenbesitzers entziehen. Denn die Arbeitsbedingungen unter Tage sind menschenunwürdig: Kaum Lohn, den man auch noch mit den „alten Hasen“, die sich in jeder Hinsicht um den Nachwuchs kümmern, teilen muss. Eine ruinierte Gesundheit, und niemand, der die geschundenen Körper pflegt. Sein Vater hat sich etwas anderes für seinen Filius vorgestellt.

Giurlà ist eine echte Wasserratte. Fische mit bloßen Händen fangen, im Meer herumtollen, aber auch die harte Arbeit – das ist seine Welt. Und nun soll er fernab von Meeresrauschen und Wellenschlagen sein Leben in den Bergen fristen? Was anfangs noch unvorstellbar erscheint, ist der Wendepunkt im Leben des jungen Giurlà. Schnell findet er sich in der unwirtlichen, unvertrauten Umgebung zurecht. Seine Kollegen respektieren die rasche Auffassungsgabe des Jungen und geraten in Erstaunen, als der Junge beim Baden im eiskalten See einen Fisch an Land holt. Giurlà ist in der neuen Umgebung angekommen. Sein „Gastspiel“ von drei Monaten – so lange soll er die Ziegen hüten – erlaubt es ihm seine Familie finanziell zu unterstützen. Die Liebe und Zuneigung zu Beba, einer Ziege, die Andrea Camilleri genüsslich und respektvoll darbietet, wird unversehens zu einem weiteren Wendepunkt im Leben des Heranwachsenden.

„Der Hirtenjunge“ ist der dritte Teil der Metamorphosen-Reihe des sizilianischen Erfolgsautors Camilleri. Das unbeschwerte Leben an den Ufern des Mittelmeeres tauscht der Held des Buches ungewollt, doch akzeptierend gegen die Einsamkeit der Berge ein. Der Wandel vom erwartungsvollen Leben, das durch Tradition vorgezeichnet scheint, wird von einem auf den anderen Tag auf den Kopf gestellt. Doch statt selbigen in den weichen Strandsand zu stecken, rafft sich Giurlà auf, und gibt seinem Leben unbewusst einen neuen Sinn. Verlust und Neuentdeckung liegen oft so eng zusammen, dass man erst später bemerkt, dass das Leben niemals still steht.

Leonardo da Vinci

Leonardo da Vinci

Einen Roman zu veröffentlichen, dazu gehört Mut und Talent. Einen Roman über eine historische Persönlichkeit zu veröffentlichen, dazu braucht man zusätzlich enormes Fachwissen. Einen Roman über ein Genie wie Leonardo da Vinci zu schreiben, zu veröffentlichen, dafür gefeiert zu werden … das erfordert alles Genannte in der zweiten Potenz. Dmitri Mereschkowski gelang mit seinem 1901 erstmals erschienen Roman der Urknall der biographischen Romane. Seither haben sich viele Autoren an einem der letzten Universalgenies versucht. Sie scheiterten mehr oder weniger kläglich.

Über sechshundert Seiten hat Mereschkowski über diesen vielschichtigen Menschen, der der Mona Lisa das unverwechselbare Lächeln schenkte, der den Vorläufer des Hubschraubers entwickelte und der als erster bis heute gültige anatomische Zeichnugen anfertigte, geschrieben. Nicht eine einzige ohne fundiertes Wissen, lückenlose Beweisführung oder gar sinnfreies Geschwafel. Leonardo da Vinci wie er leibt und lebt zwischen zwei Buchrücken. Dieses Buch erlaubt es neugierigen Einsteigern wie belesenen Wissenschaftsgrößen da Vinci ungeschminkt im grellen Licht des Wissen zu begreifen.

Sechshundert Seiten sind das Gardemaß einer guten Biographie. Alles darüber verleitet dazu Unnötiges als beherrschend anzusehen. Jede Seite weniger kommt einem nicht wieder gut zu machenden Fauxpas gleich. Leonardo da Vinci war kein Übermensch – er war extrem neugierig und hatte die Gabe seine Vorstellungen gut verkaufen zu können. Dass einige seiner Erfindungen von seinen Gönnern auch militärisch genutzt wurden, nahm er patriotisch in Kauf. Ihn deswegen zu verteufeln, wäre ungerecht und oberflächlich. Seit dem Mittelalter hat es nur wenige Künstler, Philosophen und Wissenschaftler gegeben, die auch nur annähernd an da Vincis Werk heranreichen. Geniale Musiker gab es zuhauf. Aber sie waren eben „nur“ Musiker. Großartige Maler überfluten mit ihren Werken noch heute die Museen der Welt. Sie waren aber „nur“ Maler. Genial auf unterschiedlichen Gebieten waren nur wenige. Selbst nur einen zu nennen, fällt vielen schwer. Jean Cocteau vielleicht. Oder olle Goethe – eventuell. Doch sie erreichten niemals da Vincis weltweite Beachtung.

Der Autor Dmitri Mereschkowski war und ist streitbar. Seine undistanzierte Haltung zum Faschismus verweigerte ihm nicht nur den Literatur-Nobelpreis (insgesamt war er neunmal nominiert), sein Werk darf außerdem erst seit Ende der 80er Jahre in Russland wieder verlegt und aufgeführt werden. Thomas Mann nannte ihn den genialsten Kritiker und Weltpsychologen seit Nietzsche. Mehr als ein Ritterschlag.

Auf ins Friaul

Auf ins Friaul

Wer sich nicht so recht entscheiden kann, wohin es im Urlaub gehen soll – die ewige Frage: Berge oder Meer? – für den ist das Friaul ein echtes Urlaubsparadies. Denn hier gibt es beides: Berge und Meer. Rudi Palla nimmt den Leser auf eine Entdeckungsreise durch das italienische Friaul, eine Region, die nur wenigen als erstes in den Sinn kommt, wenn Italien aufgetischt wird. Eine fast schon vergessene Region. Doch wer vergisst, tut dem Friaul unrecht.

Das Friaul bildet das Bindeglied zwischen Venedig und Slowenien. Und nicht nur im geographischen Sinne. Auch kulinarisch. Zwanzig originale friaulische Rezepte bilden die Kapitelabschlüsse. Wem da nicht das Wasser im Munde zusammenläuft… Fagottini pipieni di patate e porcini – Teigtaschen mit Kartoffel-Steinpilzfüllung. Klingt schon nach Italien. Deftig und leicht zugleich. Ja, das Friaul ist auf den ersten Blick widersprüchlich. Auf den zweiten Blick ist es doch eine Vielfalt, die einen in ihren Bann zieht.

Fünfundfünfzig Mal tut sie das in diesem Buch. Acht traumhafte Reisen im Friaul mit einer wahren Flut an Reisetipps. Allesamt in einem verführerischen Text eingebettet. Jeder Hinweis ist nummeriert und katalogisiert, so dass man sofort weiß, handelt es sich um eine Sehenswürdigkeit, ein Museum oder ein lohnenswerter Ort der Einkehr.

„Auf ins Friaul“ ist eine ideale Ergänzung zu einem klassischen Reiseband, denn die Reihe „Auf ins …“ verbindet Reisebuch und –beschreibung auf wunderbar einfache Weise. Gespickt mit historischem Wissen, etwa über das antike Aquileia, und erlesenen Ausflugstipps wirkt dieses Buch und die anschließende Reise noch lange nach.

Elba

Elba-U1.indd

Die Inselwelt des Mittelmeeres ist so vielfältig wie ihre Anrainerstaaten und die Völker, die das Mittelmeer so besonders machen. Da gibt es Inseln mit Hotelanlagen, in denen vierundzwanzig Stunden die hoteleigene „Inselhymne“ aus den ausgeleierten Boxen Frohsinn versprühen soll. Und dann erheben sich kolossale Gesteinsformationen, die dem suchenden, kundigen Auge bizarre und zuweilen skurrile Formen präsentieren. Für diese Inseln wurde – so scheint es fast – der Begriff „Individualtourismus“ erfunden.

Elba ist so eine Insel. Sabine Becht bereist sie zusammen mit anderen toskanischen Inseln wie Gorgona, Capraia, Pianosa, Giglio, Giannutri sowie die berühmteste dieser Inselchen: Montecristo. Ja genau die, der der berühmteste Rachefeldzug der Literatur zugrunde liegt. Schon bei dem Gedanken an einzelne Textpassagen steigt das Reisefieber.

Elba ist vor allem Geschichtsfans ein Begriff. Hierher wurde Napoleon verbannt als er die Grande Nation in immer mehr Feldzüge und Niederlagen stürzte – im Jahr 2013 wird in und um Leipzig besonderes exzessiv das 200. Jubiläum der Völkerschlacht „gefeiert“. Doch Elba hat mehr zu bieten als den kleinen Korsen.

Die Insel wurde unter der Herrschaft der Pisaner Familie Appiani erst für eine weitere einflussreiche Familie der Toscana interessant: Die Medici. Die „übernahm“ die Stadt Ferraia 1548 und baute in Windeseile die Festung Cosmopoli, das heutige Porteferraio, nach Aussagen der Autorin die quirlige Inselhauptstadt im Norden der Insel, idyllisch an einer Bucht gelegen.

Egal, ob man nun auf historischen Pfaden wandeln oder wandern, sich intensiv seinem Sport (wie beispielsweise Tauchen) widmen oder einfach nur die Seele baumeln lassen will – Elba ist immer noch ein kleiner Geheimtipp und Sabine Becht lüftet so manche diskrete Tür und gewährt dem Leser Einblick in diese faszinierende Insel. Allerdings sollte der Geldbeutel etwas praller gefüllt sein als auf anderen Mittelmeerinseln. All inklusive ist an Elba nur dieser Reiseführer vom Michael-Müller-Verlag.

Rom – Ein Biografie

Rom - eine Biografie

Biografien werden – zumindest sollte das so sein – erst nach dem Ableben der besprochenen Person veröffentlicht. Sie sollen die besondere Bedeutung desjenigen hervorheben und sein Wirken in Erinnerung behalten. Eine Biografie über eine Stadt – das ist neu. Zumal, wenn sich die Stadt sich einer blendenden Gesundheit erfreuen kann.

Rom ist eine der meist besuchten Städte der Welt. Ihre heutige Erscheinung verdankt sich brillanten Köpfen, Baumeistern und Politikern, die sich hier ihr Reich schufen und zeitweise die Geschicke der Welt lenkten. Stephan Elbern hat ihre Lebensläufe in direkten Zusammenhang mit der italienischen Hauptstadt gebracht und ein einzigartiges Werk geschaffen.

Sieben – fünf – drei – Rom schlüpft aus dem Ei. Netter Spruch. Aber er hat so seine Tücken. Für Schulkinder eine ideale Eselsbrücke. Für Wissenschaftler Humbug. Sei es wie es sei: Die Geschichte Roms – von seiner Entstehung und der damit verbundenen Legende von Remus und Romulus bis hin zur Gegenwart – lässt immer wieder aufhorchen. Als gewaltige Republik gescheitert, als Kaiserreich zu neuer Größe erblüht. In der Spätantike zur Kleinstadt verkümmert (von einst 800.000 Einwohnern waren im 14. Jahrhundert lediglich 20.000 Bürger übrig), erlebte die Stadt während Renaissance selbiges. Die prachtvollen Bauten, vor denen so mancher Tourist heute staunend die Gesichtsmuskulatur erstarren lässt, künden vom einstigen Ruhm, der bis heute anhält. Noch immer sind Plätze wie Pizza Navona oder das Kolosseum Magnete für Millionen Neugieriger. Doch wie sind sie entstanden? Wer hat sie in Auftrag gegeben?

Eine Stadt wird durch ihre Bürger und deren Führung geprägt. Den römischen Kaisern war besonders daran gelegen, der Nachwelt Beeindruckende zu hinterlassen. Wer Rom besucht, kommt um Jahrtausende alte Geschichte nicht herum. Stephan Elbern bietet sich mit seinem Buch als unterhaltsamer Cityguide an, der geschickt und umfassend die Ewige Stadt erklärt, ihre Denker und Lenker hervorhebt und ihre Würde und Anmut erstrahlen lässt.

Bleibt zu hoffen, dass „Rom – ein Biografie“ sich alsbald zu einer erfolgreichen Buchreihe im Nünnerich-Asmus-Verlag entwickelt. Städte wie Istanbul, Damaskus, Paris, London, Marseille, Persepolis … tragen die Geschichte ja schon fast wie einen Bauchladen vor sich her. Selbstbedienung erwünscht.

Thermen der Römer

Die Thermen der Römer

Den Tag mit einem heißen Bad ausklingen lassen – ach wie herrlich. Die Anspannung fällt von einem ab, heiße Dämpfe lassen den Abend einläuten. Im alten Rom sah man das etwas praktischer. Nicht jeder hatte ein Bad zuhause. Sich reinigen, im öffentlichen Raum – ein Muss.

Ernst Künzl nimmt den Leser mit auf eine Planschgreise ins Alte Rom. Und das reichte zeitweise von Britannien bis an den Nil, vom Rhein bis nach Nordafrika. Ein großes Gebiet, um Baden zu gehen. Die Reise macht Halt in den Barbarathermen in Trier, den Überresten der Stabianer-Thermen in Pompeji oder auch im englischen Bath. Der Name scheint Programm zu sein.

Die großzügig verteilten und prächtig in Szene gesetzten rund einhundert Abbildungen versetzen den Leser in die Lage, die Bedeutung der antiken Spa-Landschaften einzuordnen. Klar waren die Kaiserthermen prunkvoller als die Waschanstalten des gemeinen Volkes. Doch auch deren Bäder waren und sind es wert besucht zu werden. Ihre Architektur und das technische Know-How – irgendwie musste ja Wasser in die Bassins, ein ausgeklügeltes Wassersystem wie wir es heute haben, gab es damals nur in spärlicher Anzahl – faszinieren Autor und Leserschaft gleichermaßen.

Über das Alte Rom wurde schon Vieles (auch Unnützes) niedergeschrieben. Dieser Band gehört in die Reihe „besonders wertvoll“, weil er den Alltag so darstellt wie er wirklich war. Säulen, Tempel, Straßen – alles interessant. Aber es sind „nur stumme Zeugen der Geschichte“. Wer sich für die Antike begeistert, stößt oft schnell an die Grenzen des Verständlichen. Eine Stadt muss leben. Und sie lebt nur durch die Menschen, die darin arbeiten, sie gestalten und, die darin eben auch baden (gehen).

Am interessantesten sind die Anekdoten, die der ehemalige Direktor der römischen Abteilung am Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz zu berichten weiß. Privatsphäre, zum Beispiel, gab es nicht. Einfach die Toilettentür hinter sich schließen – unmöglich. Gerüchteweise wurde in Nebenräumen der Thermen sogar operiert.

Ernst Künzl erhebt nicht den Anspruch alles über die Thermen zu wissen. Was im Verborgenen liegt, wird mit Niederschriften dargelegt – der Leser kann sich, sofern er das will, ein eigenes Bild der Thermen der Römer machen. Ein kurzweiliges Lesevergnügen, das der Sparte Sachbuch die nötige Ernsthaftigkeit lässt, aber um die Nuance Unterhaltung mehr als bereichert.

Der König von Rom

Der König von Rom

Sie sind gefährlich, die Straßen von Rom. Im Jahr 1976 beginnt der Aufstieg des Libanesen, eines Kriminellen, der ganz nach oben will. Er will der König von Rom werden. Doch ohne das nötige Kleingeld kommt er nicht weit. Außerdem sitzt er mal wieder im Knast. Eine ausweglose Situation. Nicht für den Libanesen (er ist eigentlich gar kein Libanese, er stammt aus Trastevere, einem Stadtteil Roms). Wie es das Schicksal will, hilft er einem Mitinsassen bei einer rüden Keilerei. Er rettet ihm das Leben. Das sieht auch ´o Miracolo so, der Onkel des Geretteten und nebenbei ein führender Mafiaboss der Ewigen Stadt.
Das Abenteuer beginnt. Das Angebot sich in einen Drogendeal einzukaufen, 300.000.000 Lire sind fällig, ist einfach zu verlockend, um dem Ziel – König von Rom zu werden – einen gehörigen Schritt näher zu kommen. Der Mafia Boss und der gerissene Emporkömmling sind sich auf den ersten Blick sympathisch. Doch Libanese muss irgendwie das Geld beschaffen, um im Geschäft zu bleiben.
Giancarlo de Cataldo weiß wovon er schreibt. Als junger Mann von Apulien in die Hauptstadt gekommen, um Regisseur zu werden, studiert er aus der Not heraus Jura. Die Studienplätze in Rom waren schon vergeben. Und er ist gut in seinem Job. Er wird Richter. So kommt er auch in Berührung mit der Maglianabade, einer berüchtigten Horde gut organisierter Kriminelle, die Rom fest im Würgegriff hält. Es gelingt ihm die Band hinter Schloss und Riegel zu bringen. Gleichzeitig und nachfolgende wird er mit seinen berühmten Romanen „Romanzo Criminale“ (läuft derzeit als Serie im TV), „Schmutzige Hände“ und „Zeit der Wut“ zu einem geachteten und erfolgreichen Schriftsteller, der der Mafia Rom ordentlich zu setzt.
„Der König von Rom“ ist zwar das zuletzt erschienene Buch de Cataldos, chronologisch ist es aber das erste Buch der Tetralogie. Hier beginnt der Aufstieg der Maglianabande. Alle handelnden Personen haben ein historisches Vorbild. Die Buchreihe umfasst die Geschichte Roms und ihrer ungekrönten Herrscher über 40 Jahre, von 1970 bis in die Gegenwart. Rom leuchtet in diesem Licht diffus und klar zugleich. Giancarlo de Cataldo verzichtet auf überflüssige Formulierungen ohne dabei polemisch zu wirken. Ebenso verzichtet er auf eine romantisierende Darstellung der Akteure. „Der König von Rom“ beschönigt nichts, lässt aber auch dramatisierenden Schnickschnack weg. Der ideale Einstieg in die Mafialiteratur Italiens.