Wenn sich heute jemand mit dem Namen Dracula vorstellt, gefriert einem das Blut in den Adern. Oder man schmunzelt und hält es für einen Scherz. Doch der Name ist echt. In zahlreichen Filmen hat sich unser Bild des Herren der Finsternis zu einer Karikatur verklärt, die besonders zu Halloween in einen Kaufrausch um Plastikfiguren, Süßigkeiten zweifelhafter Herkunft (da haben wir doch die Verbindung zum Grafen mit den spitzen Zähnen!) und allerlei Unrat, der einem angeblich Schauer über den Rücken laufen lässt.
Doch Vlad Dracula lebte tatsächlich. Das ist keine neue Erkenntnis. Er lebte im 15. Jahrhundert, war edlen Blutes und jeder, der ihm begegnete – und vor allem diejenigen, die seinem Werk gegenüberstanden – konnte nun blumig über die Schändlichkeit des Grafen berichten. Ach, was für ein Spaß!
Bram Stoker, ein irischer Schriftsteller, erfuhr auch von den gar scheußlichen Taten des Grafen Vlad III. Drǎculea. Als echter Schriftsteller sah es als angebracht ihm literarisch auf die Pelle zu rücken. Der Rest ist Geschichte. Eine blutverschmierte Zunge, die genüsslich an einem nicht minder blutigen Rasiermesser leckt – Rasiermesser wurden bereits 1.500 Jahr v.Chr. erfunden. Es könnte also sein, dass Vlad Dracula tatsächlich …
Sonnenbrillen – die Regisseure der Gegenwart verpassten ihm wirklich eine – gab es zu Lebzeiten des Grafen noch nicht. Und schon gar nicht so stylische! Doch hat Dracula der Reale wirklich Menschen in den Hals gebissen und sich an ihrem Blut gelabt? Wohl kaum. Selbst in den Karpaten, haben wohl nur ganz wenige so starke Mägen, um den Folgen ungeschoren davonkommen zu können!
Das literarische Werk um Dracula war bei Erscheinen ein Schock. Skandale sind immer gut fürs Geschäft – doch Bram Stoker hat den Erfolg nicht mehr genießen können. Er starb nach einem Schlaganfall vor der Veröffentlichung. Mittlerweile gibt es zahlreiche Ableger mit Geschichten um die unheimlichen Taten von Dracula. Hier nun das Original. Wieder einmal, das mit unbändiger Intensität den Leser fesselt und ihm Schauer über die Augen, in die Finger und über den Rücken laufen lässt. All der übermäßig vermarktete Schauerkonsum wird mit jeder Seite des Buches der Lächerlichkeit preisgegeben. Für Kinder mag das ja noch okay sein. Aber wenn Erwachsene ihre „Paläste“ mit in einem quietschbunten orange-schwarzen Überzeug verschandeln, wird selbst der Graf in seinem Grab in Sagnov, Rumänien oder doch Neapel? unruhig und man möchte meinen – sich vielleicht sogar wünschen – dem Spuk ein Ende zu setzen. Man stelle sich vor, dass der Graf noch einmal zu seinen Anbetern sprechen könnte. Was würde er ihnen sagen? Lest Bram Stokers Biographie über mich! Okay, wenn der Meister es so will – es ist in keiner Sekunde vertane Zeit! Denn auch ohne historische Zeugnisse der im Buch beschriebenen Greuel ist „Dracula“ von Bram Stoker seit einem Jahrhundert ein Klassiker! Zurecht!
