Gitte und Simon, das war, das ist, das war, das ist, das war, das war, das war, das ist, es wird nie wieder sein. Nie mehr wie zuvor, nie wie es hätte sein können. Ein Zeitungsartikel erregt Simons Aufmerksamkeit als er mit Dora in einem Restaurant sitzt. Und alles ist wieder da. Damals. Mit Gitte. Damals. Der Artikel setzt in ihm, dem Psychiater etwas in Gang, das lange eingeschlafen zu sein schien. Doch es ruhte nur.
Er und Gitte – kein Traumpaar. Dennoch immer zusammen. Allen Hindernissen zum Trotz – und es gab Berge von Hindernissen in ihrer Beziehung! – gab es stets ein Simon UND Gitte. Oft ging sie. und kehrte zurück. Oft, zu oft waren die beiden nicht mehr Simon UND Gitte. Und dann wieder doch.
Beide suchten sich professionellen Rat. Er begleitete sie zu ihren Sitzungen und sie ihn bei seinen. Wieder Simon UND Gitte. Doch irgendwann war dann doch mal Schluss! Kein Hickhack mehr um die Schuldfrage. Sie ging. Ihrer Wege. Er ging seiner Wege. Es ist lange her, fast schon vergessen. Doch die Intensität ihrer Beziehung lässt die Vergangenheit wohl für immer plastisch erscheinen. Greifbar – zum Greifen nah? Nein, das geht nicht mehr. Das weiß Simon. Denn Gitte ist tot! Vom Dach eines Hauses gestürzt. In Rumänien. Gitte kümmerte sich in Österreich um Flüchtlinge aus Rumänien und Bulgarien. Simon erkannte sofort das Bild in der Zeitung. Erkannte sie wieder. Gitte.
Seitdem ist er ein nachdenklicher Mensch geworden.
Es steht frei im Raum wie weit die Geschichte von Simon und Gitte Fiktion oder doch wahrgewordener Albtraum ist. Der Erzähler – vielleicht ist es der Autor selbst, denn er ist von Beruf Psychotherapeut – lässt den Leser am Seelenleben des Protagonisten – Simon – lebhaft teilhaben. Nicht immer sind dessen Gedankengänge auf Anhieb nachvollziehbar. Das wäre auch zu einfach. Schließlich braucht Simon, der ja selbst vom Fach ist, Hilfe. „Rührung – Ein Wagnis“ brennt sich ins Gedächtnis. Nicht wegen der ergänzenden Fußnoten, die ab und zu den Lesefluss zu unterbrechen scheinen, im Nachgang aber so dienlich sind, dass sie als unverzichtbar gelten. Man muss sich einlesen. Das Einlassen ist dann nur die logische Konsequenz. Und manch einer wird sich dieses Buch noch einmal zur Hand nehmen und vielleicht ganz andere Aspekte in der Seele von Simon entdecken, die ihm zuvor verborgen blieben…
