Karten!

Karten!

Ein Leben ohne Karten – unvorstellbar! Große Entdeckungen ohne Karten – wir würden immer noch Angst davor haben über den Rand der Erde zu fallen.  Simon Garfield hat sich eines der bildstärksten und umfangreichsten Themen angenommen und die Geschichte der Karten unter die Lupe genommen.

Karten faszinieren, denn sie machen unerreichte Weiten greifbar und erlebbar. Die Karte einer Stadt, eines Landstriches, in dem man seinen Urlaub verbrachte, weckt erneut Erinnerungen. Sie führen einen sicher ans Ziel. Karten sind aber auch Kunstwerke.

Umfassend und gespickt mit Anekdoten führt Simon Garfield durch die jahrhundertealte Kunst des Kartenmachens. Doch auch der Humor kommt nicht zu kurz. Im Kapitel 16 heißt es: „J.M. Barrie kann keine Karten falten!“ Der Autor von Peter Pan machte es sich sehr einfach („die Zweite rechts, und dann immer weiter…“ Zusammen mit einer Zahnpastafirma kreierte er eine Karte Nimmerlands.

Wer verträumt über Karten hängt, reist in Gedanken in ferne Länder. Mit diesem Buch reist man ewig (immer hin sind über 500 Seiten kein Pappenstiel) in die entlegensten Orte der Welt. Die Geschichten, die Simon Garfield hier niedergeschrieben hat, sind amüsant, aufschlussreich und bieten einen Unterricht der besonderen Art.

Fernab von Google Maps ist dieses Buch aus der Tradition heraus geboren und bietet mehr als nur einen kurzen Einblick in die Geschichte des Reisens. Dieses Buch gehört in jeden Bücherschrank eines jeden, dem die eigenen vier Wände immer wieder Raum zum Träumen geben. Wer gern reist, hat sich mit Karten auseinandergesetzt. Simon Garfield beseitigt die letzten verbleibenden Fragezeichen durch dicke, fette Ahas, Ach-sos und Ausrufezeichen.

Spannend, unterhaltsam, prägend.

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Pocketquiz Hamburg

Pocketquiz Hamburg

Reisen ist nur so lange schön bis es langweilig wird. Stundenlange Fahrten auf der Autobahn, noch schlimmer, stundenlanges im-Stau-stehen. Da kann einem schon mal langweilig werden. Ein Spiel bringt da schnell Abwechslung und Entspannung. Aber was ist mit dem Fahrer? Der kann nicht einfach mal würfeln und bei einer Sechs darf er raus. Mit dem Pocketquiz kann auch der Fahrer miträtseln. Einhundertfünfzig Fragen – und natürlich auch Antworten – zur schönsten Hafenstadt Deutschlands bergen Spannung, Spiel und Spaß. Manche sind gar nicht so einfach zu beantworten. Wer weiß schon, wer mit „Quiddje“ gemeint ist? Oder kann die Schutzpatronin der Stadt nennen? Selbst Hamburger, also die Einwohner Hamburgs, sind einige Fragen dabei, auf die nicht jeder auf Anhieb eine Antwort parat hat.

Reise in Island

Reise in Island

Was macht man, wenn man unbedingt nach Island reisen will? Sich gründlich vorbereiten! Und wie? Mit diesem Buch. Edgar Sommer – der Nachname passt auf den ersten Blick so gar nicht zum Reiseziel – hat mit seinem Buch das geschafft, was andere nur andeuten. Einen echten Weggefährten. Mit seinem Landrover hat er die Insel besucht, erkundet und lieben gelernt. Davon profitiert nun der Leser.

Island ist dünn besiedelt, fast die Hälfte aller Isländer leben in der Hauptstadt Reykjavik. Der Reiz der Insel geht einzig allein von seiner sagenhaften und weitgehend unberührten Natur aus. Apropos sagenhaft: Elfen und Kobolde spielen nicht nur in der Literatur eine Rolle. Die Hälfte der Isländer glauben an die Fabelwesen. Einige haben sogar schon welche gesehen… Sie leben in Steinen und Höhlen. Also Vorsicht beim Autofahren!

Doch nicht nur die Elfen und Kobolde sollte man im Blick haben, wenn man im – lebensnotwendigen – allradbetriebenen Gefährt unterwegs ist. So manche Pfütze entpuppt sich allzu schnell als tiefergehendes Problem. Und nicht immer ist ein Edgar Sommer da, um zu helfen. Er weiß nicht nur den Leser mit seinen Erlebnissen zu fesseln, sondern auch wie man einen feststeckenden Jeep wieder gangbar bekommt. Die wichtigsten Tipps verrät er im Buch.

Das unangefochtene Highlight des Buches sind die beeindruckenden Bilder. Panoramen von Gletschern, wuchtige Eisberge und mutterseelenallein gelassene Straßenzüge. Wale, Papageientaucher und immer wieder endlose Wiesen und Eiswüsten. Hier muss man die Entspannung nicht suchen, die findet einen.

„Reise in Island“ ist mehr als nur die bloße Wiedergabe von Eindrücken, es ist das Rund-um-Sorglos-Paket für eine Individualreise durch dieses faszinierende Land. Inkl. Hinweisen zum Durchqueren von Wasserstraßen, Reparaturtipps und Landeskunde. Selbst echte Isländer können hier noch was lernen. Am Ende des Buches gibt Edgar Sommer praktische Ratschläge zu Ausrüstung, Wetter und zur Wartung seines Fahrzeuges.

Woanders

Woanders

Eine Weltreise – das wär’s. Edith Werner schafft Fakten. Kein Konjunktiv mehr. Jetzt wird gereist. Doch einfach so. Nicht einfach mal All-inclusive drei Wochen Türkische Riviera. Dann zwei Wochen City-Trip Tokio. Und als Abschluss Safari in der Serengeti. Edith Werners Reisen sind immer mit langen Aufenthalten verbunden. Wenn schon, denn schon.

Ihr Reisefieber treibt sie nach Singapur, Südafrika, Argentinien, Uruguay, Ägypten, Guatemala, Mayotte, Peru, Abu Dhabi, Kolumbien, um nur wenige Länder zu erwähnen.

Auch die einzelnen Abenteuer und Geschichten hier aufzuzählen käme einem Frevel gleich. Denn man müsste immer das eine oder andere Detail weglassen. Das wäre unfair. Edith Werner reist für ihr Leben gern. Arbeiten, wo andere Urlaub machen – das ist ihr Elixier, das jungbleiben lässt. Sehnsuchtsvolle Orte wie etwas Sansibar lässt sie in einem riesigen Gewürzbasar anwachsen.

Alphabetisch hat sie ihre Reisen in diesem Buch geordnet. Selbst für das Q hat sie eine Reise gemacht. Fast scheint es, dass ihre Reisen nur für dieses Buch gemacht wurden. So liebevolle und detailliert schildert sie ihre Erfahrungen und macht dem Leser Appetit auf mehr. Mehr Abenteuer. Mehr Fremde. Mehr Reisefiber. Anfangs ist man noch neidisch auf die gemachten Reisen. So viel Zeit und so viel zu entdecken. So viel Zeit haben nicht viele.

Edith Werner ruht sich nicht auf dem Luxus Zeit aus. Ein paar Tage bei Freunden in Montevideo – gern. Doch dann geht es schon wieder weiter. Kaffee-Kultur in Buenos Aires. Chinesisch lernen. Den Sambesi bezwingen.

Schon vom Lesen schwirrt einem der Kopf. Doch die Autorin prahlt nicht mit dem Erlebten. Sie lässt den Leser teilhaben. Und zwar so eindringlich, dass man sich gern von ihr an die Hand nehmen lässt. Das grüne Feuer in Bogotá kommt von den Smaragden. Es leuchtet auch ohne einen der Edelsteine in der Hand zu halten. Selbst kleiner Missgeschicke wie ein gebrochener Knöchel in Burma / Myanmar verarbeitet die wissbegierige Weltenbummlerin zu einer herzhaften Geschichte. International wird es am Amazonas, wenn sie auf Fitzcarraldos Spuren wandelt. Hier drehte Anfang der 80er Jahre Werner Herzog mit Klaus Kinski sein wohl bildstärkstes Werk. Sagenumrankt schuf er Unglaubliches. Edith Werner tut es ihm nicht nach, dennoch wandelt sie eindrucksvoll auf seinen Spuren.

Wer die Welt bereisen will, sollte vorbereitet sein. Keine Scheu zeigen. Sprachen lernen. Und „Woanders“ von Edith Werner lesen.

Die Gärten von Marrakesch

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Eine Stadt als Garten. So war Marrakesch einst geplant. Sanft plätschern Brunnen. Erfreuen Groß und Klein. Das kühle Nasse verheißt aber auch Reichtum mitten in der Öde der Wüste. Angelica Gray zog in jungen Jahren mit ihren Eltern nach Marrakesch. Sie liebt die Gärten und hat sich schon früh für deren Geschichte interessiert. In diesem Prachtband teilt sie ihre Erfahrungen du Eindrücke mit dem interessierten Leser. Alessio Meis Bilder lassen den Leser – und somit süchtigen Marrakesch-Reisenden – in eine andere, fremde Gegend und Zeit reisen.

Exotische Details, farbenfrohe Gedankenspiele und saftige Flora ziehen den Leser in den Bann Marrakeschs. Ruhepausen in den Olivenhainen der Ménara-Gärten, alles überragende Palmbäume in der Medina, das Hämmern der Handwerker, die gerade ihren Kunstwerken den letzten Schliff verpassen – Marrakesch steckt voller Faszination.

Der Bahia-Palast scheint vor Überfluss fast aus den Mauern zu platzen. Saftiges Grün von oben, von unten, von rechts, von links. Strahlkraft im Überfluss. Man möchte tanzen, sich an herunterhängenden Blättern von Wand zu Wand schwingen. Symbolhafte Zypressen (sie stehen für die Sterblichkeit) spenden Schatten in drückender Mittagshitze.

Die Muster der Kacheln rund um die Portale verzücken den Besucher und sagen „Tritt ein, erober mich!“

Die Mamounia-Gärten bestechen durch ihre Weitläufigkeit. Gekonnt illuminiert, und wieder mächtige Olivenbäume, wie an der Schnur gezogene Palmen ragen in den blauen Himmel. Hier lässt’s sich aushalten.

Als Erstes stechen dem Betrachter die beeindruckenden Bilder ins Auge. Ein erstes Raunen erfüllt die Bibliothek. Die Texte rücken die Abbildungen in den richtigen Kontext. Denn die Gärten sind nicht einfach nur schön anzuschauen. Sie haben eine Funktion zu erfüllen. Angelica Gray macht den Unterricht zur Modenschau. Auf dem Laufsteg tummeln sich die Schönheiten des Orients. Ein letztes Stöhnen zum Abschied. Doch man kommt wieder, immer wieder in die Gärten Marrakeschs.

Stürenburg-Geschichten

Stürenburg-Geschichten

Als die Menschen ihre Abende noch ohne Fernsehen, Radio und ohne Schriften beschließen mussten, saßen sie gemeinsam am Feuer und erzählten sich Geschichten. Daraus wurden später unsere Märchen. Gefangen in ihren Traditionen treffen sich Vermessungsrat a.D. Stürenburg und andere – heute würde man sie als Mittelklasse bezeichnen – und frönen der Lagerfeuer-Romantik beim Tee. Der Krieg (der zweite Weltkrieg) ist vorbei. Aufbruchstimmung im ganzen Land.

Der Mittsiebziger Stürenburg fasziniert die Witwe von Dr. Waring und ihre Nichte Emmeline, den Apotheker Dettmer, das Faktotum Hagemann und den Erzähler mit seinen – für moderne, an knackig aneinandergereihte Höhepunkte gewöhnte, Ohren langweiligen – Geschichten. Ja, er hatte ein erfülltes Leben, der Herr Vermessungsrat a.D. Stürenburg. Seiner Meinung nach. Heute amüsieren wir uns über seine spannungsgeladenen Bonmots. Keiner aus der Runde würde es wagen, dem hochangesehenen Rat die Stirn zu bieten. Preußische Ergebenheit vor dem Range des Erzählenden verbietet das.

Arno Schmidt war ein Berserker der deutschen Nachkriegsliteratur. Unermüdlich schrieb er. Und schrieb und schrieb und schrieb. Bis er darüber zusammenbrach. Seine Schilderungen der Bundesrepublik nach dem Naziterror gehören zum Besten und Eindringlichsten, was die deutsche Literatenszene hervorgebracht hat. Die Geschichten Stürenburgs – Schmidt höchstpersönlich – erzeugen Befremden und Spannung zugleich. Das Ende sieht keiner so kommen. Arno Schmidts Werk ist so umfangreich, dass es nur wenigen vorbehalten ist, es komplett zu erfassen. Intellekt trifft Gebrüder Grimm? Stürenburg als moderner Münchhausen? Nein. Stürenburg – Schmidt – ist einzigartig. Wer ihn nicht liest, verpasst etwas. Hervorragender Einstieg in die Sphäre Arno Schmidt.

Wenn Du den Regen suchst, der kommt von oben

Wenn Du den Regen suchst, der kommt von oben

Vor, während und auch nach dem so genannten Arabischen Frühling fristete und fristet Algerien ein Mauerblümchendasein. In den 80er und 90er Jahren rückten die Erfolge einzelner Sportler und der Fußballnationalmannschaft in den Fokus der Öffentlichkeit (man denke nur das legendäre Hackentricktor von Madjer 1987 gegen die Bayern), aber ansonsten blieb es still um das mittlerweile größte Land Afrikas. Man kennt es kaum. Algier und Oran sind gerade mal zwei Städte, die man aufzählen kann. In Oran ist Albert Camus‘ „Pest“ verankert. Und Algier kennt man wahrscheinlich nur deshalb, weil es so ähnlich wieder der Landesname klingt.

Yahia Belaskri zeichnet ein wahres, oft düsteres Bild seines Heimatlandes. Da ist zum Beispiel Déhia. Sie ist Professorin für Sprachen. Mit Hingabe versucht sie ihren Schützlingen etwas einzuschärfen, was sie sonst nie wahrnehmen würden: Die Ehrfurcht vor der stärksten Waffe des Menschen. Blinder Religionswahn, ja schon fast Fanatismus, Engstirnigkeit und Korruption erschweren es ihr, sich an ihrem Beruf zu erfreuen. Unter ihren Studenten ist auch einer, der sich auf seinen Papa verlassen kann. Der ist Minister und bietet ein kleines Vermögen für eine von Déhia geschriebene Diplomarbeit seines Sohnes. Déhia zögert keinen Augenblick … und lehnt ab. Déhias Kapitel (Buchkapitel) wird mit einer Katastrophe geschlossen.

Genau wie das ihres Gatten Adel. Das Einzige, was ihm noch bleibt ist Déhia. Seine Liebe zu ihr lässt die beiden die Hoffnung auf Besserung nicht gänzlich ersticken.

Badil, Adels Bruder, ist das dritte Kapitel gewidmet. Er schafft das, was sich so viele Eltern für ihre Kinder wünschen. Er ging ins Ausland. Doch die Gründe dafür sind niederschmetternd. Genauso wie das Wiedersehen mit seinem älteren Bruder Adel und dessen Frau Déhia.

Yahia Belaskri verbindet die blumige Sprache Arabiens mit den unumstößlichen Fakten der Gegenwart. Er verzaubert den Leser und erschrickt ihn zugleich mit seiner schonungslosen Abrechnung mit Algerien. Seine Protagonisten hassen ihr Land, hassen Andersdenkende. Doch lieben sie. Sich untereinander, die Eltern, die eigene Geschichte. Algerien ist ein Land, das noch immer voller Geheimnisse steckt und daraus seinen Reiz bezieht. Dieses Buch gibt einen Einblick in das wahre Algerien, das Besucher ohne dieses Buch so wohl nie erleben könnten.

Das Artepuri-Kochbuch

Artepuri

Chlor im Hühnchen. Frostschutzmittel im Wein. Die Liste der chemischen Substanzen in Lebensmittel und der damit verbundenen Skandale ließe sich unendlich fortsetzen. Gegenbewegungen gibt es zuhauf. Doch wer will sich schon gern einseitig ernähren?! Dr. med. Alex Winter und Mathias Gadow ist es mit ihrem Kochbuch nach eigenen Angaben gelungen „Genussrezepte für ein gesundes Leben“ zu kreieren. Und das auch noch für Genießer mit Lebensmittelunverträglichkeiten wie Laktose-, Fruktose-, Histamin- und Gluten-Intoleranz.

Artepuri heißt das Zauberwort. Und? Es wirkt! Artepuri ist untrennbar mit der ganzheitlichen Medizin verbunden. Unser Körper funktioniert nun mal als Ganzes und nicht in Einzelteilen. So sollten wir auch unsere Ernährung sehen. Das Richtige zur richtigen Zeit – so lautet nicht nur ein Kapitel im Buch, sondern es ist auch einer der Grundpfeiler von artepuri.

Das erste Viertel des Buches dient zur Einstimmung auf die Rezepte, und ist eine Einschwörung auf ein gesunderes – besseres – Leben. Ohne den Zeigefinger zu heben erläutern die beiden Autoren die Vernunft ihres Kochbuches und dessen Notwendigkeit.

Es ist immer schwierig Veränderungen zuzulassen und herbeizuführen. Die Rezepte erleichtern den Weg zur ausgeglichenen Ernährung. Selbst Rezepte mit der oft so ungeliebten und gescholtenen Roten Bete klingen verführerisch: Ahornsirup, Himbeeressig, Mascarpone (ja, das ist alles tatsächlich erlaubt), Salbei, Meersalz. Dazu Rote Bete – das ergibt einen appetitlichen Brotaufstrich.

Suppen erleben in der jüngsten Vergangenheit eine enorme Beliebtheitssteigerung. Karotten-Ingwer-Suppe – nichts neues. Aber nicht mit Sahen aufkochen, sondern mit Basenbrühe (wird auch im Buch beschrieben) und Reismilch.

Und als Hauptgang Hähnchenbrust mit süßer Vanillefüllung. Oder Lachs im Nori-Blatt. Oder Brokkoli-Mandel-Mus. Na, schon hungrig? Als Nachtisch gibt es wahlweise Schokoladen-Walnuss-Muffins oder Lavendel-Crème-Brûlee.

Es ist so einfach sich gesund und nachhaltig zu ernähren – man braucht eben nur einen, der es vormacht. In diesem Falle sind es sogar zwei. Zwei, die ihr Fach verstehen.

Letzte Tage in Baku

Letzte Tage in Baku

Olivier Rolin, oder besser: Ein Autor namens Olivier Rolin reist im Jahr 2004 nach Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans. Oder noch besser: Olivier Rolin veröffentlicht 2004 einen Roman, in dem ein Schriftsteller nach Baku reist. Und sich das Leben nimmt. Im Hotel Abscheron. Als Todesjahr wird 2009 angegeben.

Nun ist es 2009 und Olivier Rolin will mal schauen, was so aus ihm geworden ist. Baku – das Houston des Mittleren Ostens. Hier, wo Fördertürme den Horizont malen. Wo Tristesse und Aufbruchsstimmung Hand in Hand gehen.

Offiziell ist hat er sich mit einer Makarow 9mm im Zimmer 1123 des Hotels Abscheron selbst das Leben genommen. So steht es geschrieben. Und was geschrieben steht, ist wahr. Nur steht das Hotel Abscheron an seinem vermeintlichen Todestag nicht mehr. Die ganze Geschichte für die Katz? Die ganze Geschichte für die Katz!

Olivier Rolin bereist Aserbaidschan, anfangs um eine neue, passende Todesart zu finden. Auf seiner Suche begegnet er allerlei skurrilen Personen. Zum Beispiel einem Künstler, der sich mit den Großen der Weltgeschichte gern fotografieren lässt. Oder Kellnern, denen er mehr französisch beibringt als sie ihm russisch. Immer mit im Gepäck sind Autoren der Weltgeschichte und ihre Zeilen: Von Jules Verne bis Marcel Proust. Ihre Zeilen leiten ihn, zeigen ihm den Weg, deuten das Jetzt.

Eingerahmt vom niedergeschrieben Trauma und der banalen Faszination des Lebens erfährt Olivier Rolin ein seltsames Land. Russische Legenden, Ölmagnaten, einfache Menschen zeigen ein Aserbaidschan, das er so niemals erleben wollte.

Für den Leser bleibt ein riesiger Brocken Phantasie übrig. Wie sieht Aserbaidschan wirklich aus? Irgendwo zwischen der Sprachgewalt Ernest Hemingways und der Detailverliebtheit Thomas Manns schlendert Rolin durch die Ölfelder, den Kaukasus und über das Kaspische Meer. Sinnverloren treibt er von einer Sehnsucht zur anderen. Immer auf der Suche nach dem eigenen Tod. Seine Reise hat kein Happyend. Olivier Rolin tritt die Heimreise an mit einem Rucksack voller Erfahrungen. Zufrieden ist er dennoch kaum.

„Letzte Tage in Baku“ ist ein herrlich verschrobener Blick auf die eigene Aufgabe (im Sinne von Selbstaufgabe), perfekt zurecht gelegter Biographie und einer gehörigen Portion Fernweh. Es kommt nicht immer alles so wie man es sich vorstellt oder wünscht. Dieses Buch muss man ohne Vorurteil lesen. Wie eine intuitive Reise. Einfach loslegen. Ein Ziel findet sich immer. Großartiger Roman übers Scheitern!

Burgen im Welterbegebiet Oberes Mittelrheintal

Burgen im Welterbegebiet Oberes Mittelrheintal

Das ist Urlaub für echte Jungens! Von Burg zu Burg, über Stock und über Stein. Unten im Tal fließt herrschaftlich der große Fluss, Gevatter Rhein. Romantisch verklärt und immer wieder dem Ansturm der Besucher ausgesetzt, das ist das Mittelrheintal zwischen Koblenz und Bingen.

Thomas Biller und Achim Wendt erläutern in ihrem außergewöhnlichen Wanderbuch nicht nur die einzelnen Wanderpfade. Ihr Hauptanliegen ist Aufklärung warum was wie und wo steht. Zur Einführung gibt es erst einmal eine geballte Ladung Kunst- und Architekturunterricht. Wer kann sich schon an einem Donjon erfreuen? Oder einer Tourelle?

Von der Festung Ehrenbreitstein über Lahneck und Liebenstein geht es bis zur Heimburg, dem Mäuseturm und Brömserburg. Die allesamt idyllisch gelegenen Burgen werden in kurzen, prägnanten Texten vorgestellt. Skizzen und Bilder vervollkommnen den Blick auf die Burgen.

Seit Jahrhunderten bilden die Burgen am Rhein ein unvergessliches Ensemble, das den Besucher kaum vom Haken lässt. Ob vom Fluss aus auf dem Schiff oder per pedes oder Rad: Mit diesem Wanderbuch in der Hand läuft niemand Gefahr diese steingewordenen Zeugnisse der Geschichte nur als ehemalige Behausungen zu sehen. Geschichtsunterricht auf anschauliche Art und Weise. Der Lerneffekt stellt sich sofort ein. Die vierzig vorgestellten Burgen gehören zum Weltkulturerbe der UNESCO und sind über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Über die Jahrhunderte hinweg trotzten sie kriegerischen Angriffen und Wetterkapriolen. Teilweise wiedererrichtet, laden sie zum Verweilen ein. Oftmals weiß der Besucher aber kaum etwas von ihrer abwechslungsreichen Geschichte.

Die Autoren schaffen da Abhilfe, wo es nötig ist. Lassen aber genug Spielraum für absolute Entspannung. Der Leser wird nicht überfachtet mit Wissen. Der ideale Reisebegleiter am Mittelrhein.