So leicht so schwer

So leicht so schwer

Man kann nie früh genug beginnen: Zu lernen, zu lesen, sich zu freuen. Am besten fängt man mit Tieren und Physik an. Das kennt jeder, jeder begegnet ihnen tagtäglich. Ein Elefant steht auf einer Wippe. Allein. Dong! Er ist schwer, und deshalb steht er mehr oder weniger auf dem Boden. Wippen ist das noch lange nicht. Ein Pinguin als Ausgleichsgewicht? Haut nicht hin! Noch ein Affe und ein Strauß? Immer noch nichts! Erst als eine Giraffe und ein Nilpferd sich dazugesellen, könnte es klappen. Bis … ja bis … nö, wird nicht verraten!

Natürlich ist „So leicht so schwer“ kein Physikbuch oder gar ein Lehrbuch. Es ist – und so soll es auch sein – ein hingebungsvoll gestaltetes Kinderbuch für den (Lern-) Nachwuchs ab zwei Jahren. Die Farben sind beruhigend, die Konturen der Tiere klar zu erkennen. Und natürlich ist es auch lustig. Wer schon mal auf dem Spielplatz war, wird von nun an die Wippe noch mehr lieben! Genauso wie dieses Buch!

Gebrauchsanweisung für Prag und Tschechien

Gebrauchsanweisung für Prag

Oh Du wunderbares Prag! Deine Architektur, Deine Gassen, Deine Boulevards … Deine Touri-Fallen. Prag steckt voller Überraschungen. Wer’s nicht kennt, wird’s nicht glauben. Prag gehört zu den europäischen Hauptstädten, die man nie vergessen wird und immer wieder besucht. Weltoffenheit und längst vergessener Charme treffen hier auf kalkulierte Gastfreundschaft und echte Lebenslust.

Martin Beckers erster Besuch in der Goldenen Stadt wird ihm ewig in Erinnerung bleiben, seine Liebe zu Land und Leuten wird in diesem Buch nur allzu deutlich und beim Leser lange anhalten. Denn seit dem sinngebenden ersten Besuch, der, der so lange in Erinnerung bleibt, dass er das erste Kapitel bestimmt, ist Prag im Speziellen und Tschechien in Allgemeinen zu einer zweiten Heimat geworden. Er bezeichnet sich zwar als ungeprüften Touristenführer, doch die Prüfung zu Selbigem würde er mit Bravour bestehen. Nicht nur weil er sich exzellent auskennt, sondern weil er es versteht die Menschen zu charakterisieren und sich bei seinen Beschreibungen der Stadt und des Landes nicht nur auf die Aneinanderreihung der zahlreichen Sehenswürdigkeiten beschränkt.

Ebenso hat er wenig Berührungsängste mit den geltenden Klischees: Seine Ausführungen zum Bierkonsum und der ausgeprägten Kneipenkultur gehören zum Ehrlichsten und Offensten in Sachen geselligem Beisammenseins. Wer in Zukunft über tschechische Braukunst, Verzehrlust und Gerstensaftkommunardentum schreiben will, muss sich mit Martin Becker messen lassen.

Was viele Leser nicht unbedingt auf dem Schirm haben, ist die Tatsache, dass auch Tschechien ein Staat ist, der aus drei Nationalitäten zusammengesetzt wurde: Böhmen, Mähren und Schlesier. Die Sticheleien – und mehr sind es letztendlich glücklicherweise nicht – zeigen sich vor allem, wenn Böhmen und Mähren aufeinandertreffen bzw. wie es einmal Martin Becker ging, man meint, dass es gar keine Unterschiede gibt. In Brno (Mähren) eckte er ziemlich an als er die Sehnsucht der Brünner nach Prag mit denen der Leipziger nach Berlin verglich. Schlussendlich ging alles gut und der Applaus nach der Lesung war ihm sicher. Doch diese kleine Anekdote zeigt deutlich die Befindlichkeiten im Land.

Tschechien und Prag sind immer eine Reise wert. So phrasenhaft dieser Ausspruch klingt, so wahr ist er und so sehr zeigt er die Notwendigkeit nach einem Buch wie diesem. Als Zusatzlektüre zu einem Reiseband gehört die „Gebrauchsanweisung für Prag und Tschechien“ ebenso ins Reisegepäck wie Neugier und Weltoffenheit.

Bornholm

Bornholm

Einer gegen Alle: Bornholm ist geradezu verschrien als Insel der Biederen. Kleine, süße, genormte Ferienhäuschen in der rauschenden Gischt der Ostsee. Aber bitte alles ordentlich! Andreas Haller stemmt sich mit all seinen Erfahrungen und seiner Leidenschaft für die dänische Urlaubsinsel im Baltischen Meer gegen die Phrasendrescherei der Vorverurteiler.

Man braucht nicht gleich das ganze Buch auf einmal zu lesen, um die Insel in sein Herz zu schließen. Schon das Titelbild macht Lust auf weite Strände und undaufgeregte Inselarchitektur unter blauem Himmel. Im besten Wortsinne ist Bornholm eine echte Familienurlaubsinsel.

Mehr als nur Schafe gucken und planschen ist allemal drin. Kleines Experiment gefällig? Einfach mal das Buch aufschlagen, Seite 138, Kapitel: Der Osten, „Rund um den Gudhjem“. Gleich zu Beginn eine schlechte Nachricht: Baden ist hier nicht das Erste, was Einem in den Sinn kommt. Versprochen, das ist und bleibt die letzte schlechte Nachricht. Von jetzt an geht es nur noch bergauf. Weiter im Süden kann man baden. Erster Pluspunkt. Wer zu Fuß nach Melsted läuft (dort, wo man endlich baden kann), passiert eine spektakuläre Klippenszenerie. Zweiter Pluspunkt. Kirche, Museum, Mittelalterzentrum sind weitere Sehenswürdigkeiten auf dem Weg. Dritter, vierter und fünfter Pluspunkt. Klingt doch erstmal ganz unterhaltsam und tagesfüllend, dafür, dass man das Buch eher zufällig aufgeschlagen hat, oder?! Das Spiel ließe sich unendlich bzw. 240 Seiten lang fortsetzen. Und natürlich beschleicht einen das Gefühl, das Andreas Haller die Insel verdammt gut kennt. Tut er! Die farbigen Infokästen bilden den kontrastreichen Wissenswiderpart zu den wissensreichen Texten im Buch. Wellness, Wandern, Klettern (spätestens hier geht es nur bergauf), Shopping, Golf, Baden, Inselgeheimnisse, Übernachtungs- und Einkehrmöglichkeiten, ach die Liste der unerlässlichen Tipps ist schier endlos.

Wer pauschal die Insel besucht, wird mit diesem Buch zum Über-Den-Tellerrand-Gucker. Wer auf eigene Faust die fast 600 Quadratkilometer erkunden will, kommt an diesem Buch einfach nicht vorbei. Nur für eifrige Strandburgenbauer, die hier ihren Traum vom eigenen Reich verwirklichen wollen, ist dieses Buch einfach 240 Seiten zu dick. Für alle anderen ist es eine wahre Schatztruhe voller Reichtümer, die die schönste Zeit des Jahres noch lange nachklingen lassen. Weit über einhundert Fotos vermitteln den Bornholm-Neulingen einen getreuen Einblick und machen Appetit auf mehr. Jetzt muss nur noch die Reisezeit heranreifen. Und die Zeit nutzt man am besten mit diesem Buch!

Styleguide Amsterdam

Styleguide Amsterdam

Quizfrage: Welche Stadt passt nicht in diese Aufstellung? New York – Paris – Rom – Amsterdam. Letztere, in ihr werden keine Trends kreiert, möchte man fast meinen. Doch die Antwort ist falsch! Die Trends werden nur nicht publik gemacht bzw. legt man darauf in Amsterdam keinen gesteigerten Wert. Denn dass Amsterdam hip und trendy ist, beweisen eindeutig die Besucherzahlen. Die holländische Hauptstadt ist wohl die coolste in Westeuropa. Hier werden die Trends gemacht, die weltweit unterschwellig gar nicht als solche wahrgenommen werden. Das wurde es höchste Zeit einen coolen, hippen Reiseband herauszubringen.

„Eat – shop – love it“ – Untertitel und Aufforderung zugleich. Doch zuvor: Lesen und fühlen. Ja, fühlen! Der im wahrsten Sinne einprägsame Einband, der das Grachtenwirrwarr plastisch darstellt, nimmt es vorweg: Hier hält man einen besonderen Reiseband in den Händen. National Geographic, das Magazin, das in jedem noch so bekannten Platz der Welt das Besondere zu entdecken in der Lage ist, zeichnet für die Reihe Styleguide verantwortlich.

Autorin Monique van den Heuvel ist die Stilberaterin in Sachen Coolness, nouvel cuisine á la Amsterdam. Gleich zu Beginn gibt sie dem wissbegierigen Leser – und die Neugier lässt bis zum Schluss nicht einmal nach – ihre Tipps für einen 24-Stunden-Tag in Amsterdam mit auf den Weg. Ob man nun auf ihren Pfaden wandeln will oder doch den einen oder anderen Tipp den ihren vorzieht, bleibt jedem selbst überlassen.

Handgemachte, dadurch einzigartige Mitbringsel für die, die „nur“ das Buch lesen durften, außergewöhnliche Restauranttipps, Schnäppchenmode aus so ziemlich jeder Epoche – Amsterdam ist für den modernen Reisenden eine echte Herausforderung und eine goldige Fundgrube. Viele der in diesem Buch vorgestellten Läden, Bars und Hotels stehen in keinem Prospekt des Tourismusbüros. Es sind also echte Geheimtipps, die selbst die Amsterdamer kaum kennen. Oder besser gesagt, die nur die hippen und coolen Amsterdamer kennen. Wenn man so will, ist dieses Buch der gedruckte Beweis, dass Integration, und sei es auch nur für einen Kurztrip, möglich ist. Die Integrationsbeauftragte für das lebensfrohe Reisegrüppchen moderner, neugieriger Amsterdam-Besucher ist die Autorin selbst. Sie interviewt die kreativen Köpfe und fördert so das Geheimnis der trendigen Hauptstadt der Niederlande zu Tage.

Einen Haken hat das Buch: Wer sich nur an dieses Buch hält, könnte Gefahr laufen sich eine Unterkühlung zuzuziehen. So cool, so umfassend, so anschaulich bebildert war Amsterdam noch nie!

XXL-Dino-Ei

Dino-Ei_2

Na das ist mal ein traditionsreiches Ostern! Traditionen sind bekanntermaßen althergebrachtes Brauchtum wie beispielsweise das Ostereierverstecken. Zahlreiche Schokoeier, Schokoküken und Schokohasen werden überall versteckt und sorgen bei Entdeckung für laute Begeisterungsstürme. Apropos Küken und Eier – und jetzt sind wir bei den Traditionen: Dieses Ei birgt eine ganz besondere (althergebrachte) Überraschung. Das Ei legt man in ein hohes Gefäß mit Wasser, so dass das Ei komplett bedeckt ist. Jetzt braucht man Geduld! Viel Geduld. Stundenlang! Nach und nach knackt die Schale auf. Zuerst ein ganz kleiner Riss, der dann über die Schale wandert. Bis…, ja bis sich der Inhalt seinen Weg ans Tageslicht gebannt hat. Das dauert dann schon mal vierundzwanzig bis achtundvierzig Stunden. Stunden, in denen die Wartezeit schier unendlich erscheint. Aber das Warten lohnt sich. Denn der Dino im Inneren wächst dann noch weiter. Bis zu einer Woche!

Ein köstlicher Spaß, auch für die Großen. Denn dieses Schauspiel gibt es in der Natur seit über einhundertsechzig Millionen Jahren nicht mehr zu bestaunen.

Druck

Tanz auf dem Vulkan

Tanz auf dem Vulkan

Beide waren sicherlich keine Männer, mit denen „gut Kirschen essen“ war. Der Eine – Gustaf Gründgens – ein begnadeter Schauspieler. Der Andere ein nicht minder begabter Schriftsteller. Beide strebten nach mehr. Aus unterschiedlichen Gründen heraus. Eines verband sie jedoch: Der Drang nach Zuneigung. Der Zuneigung der Gegenüber, seien es nun Theaterbesucher und Förderer oder Leser und Familie.

Gründgens wurde stark durch die Mutter geprägt, die dem Jungen schon früh musische Eigenschaften unbewusst einpflanzte. Klaus Mann hingegen fühlte sich stets im Schatten seines Übervaters stehend. Wenn man die Biographie von Klaus Mann liest, kommt einem schnell der Gedanke, dass er das Ersatzleben seines Vaters zu leben begann. Thomas Mann, der sich selbst einen Weg auferlegte, der er ungern, aber pflichtbewusst beschritt, ließ seine Kinder die Freiheiten, die er sich nie eingestehen durfte. Und die nutzten die lange Leine gnadenlos aus.

Es war keine leichte Zeit für Freigeister: Klaus Mann, Jahrgang 1906, und Gustaf Gründgens, Jahrgang 1899, wuchsen in stürmischen Zeiten auf. Kriege und Revolutionen gehörten zum Alltag wie Umbrüche in Kunst und Kultur.

Renate Berger führt zwei Männer zusammen, die durch eine Frau miteinander verbunden wurden: Erika Mann, die ein Jahr ältere Schwester von Klaus. Sie und Klaus waren der Nachbarschaftsschrecke in München. Ihre Beutezüge waren da noch das kleinere Übel. Arroganz und Ablehnung der Konventionen waren da schon andere Kaliber. Klaus‘ Erziehung in Schulen und Internaten (Salem, Odenwaldschule) war für die Erzieher mehr Kampf als Prägung. Gründgens hingegen war gelehrig.

Beide waren auf ihre Art Rebellen. Doch die Zeiten änderten sich. Gründgens wurde hofiert, Schmeicheleien und Opportunismus ebneten seinen Weg unter den Nazis. Klaus Mann blieb, was er war: Ein unbequemer Intelektueller, der der Zeit nichts Gutes abringen konnte. Er flüchtete, nicht freiwillig. Kämpfte wortstark gegen die Verhältnisse in seiner Heimat und somit auch gegen den Schwager, mit dem ihn mehr verband als er sich eingestehen wollte und konnte.

Nach der Schreckenszeit gingen beide Künstlerwege weiter auseinander. Hoffnung wurde für beide ein Wort mit unterschiedlicher Bedeutung. Gründgens wurde mehr gefeiert denn je, Klaus Manns Ende war selbstgewählt.

Die Autorin holt oft und weit aus, um die Charaktere der beiden Männer tiefgreifend zu erkunden. Und das ist auch nötig, um diese Kulturbiester verstehen zu können. Jedes Jahr füllen sich die Regale mit neuen Biographien über die Familie Mann. Dieses Buch gehört an eine exponierte Stelle, denn es öffnet den Mann’schen Kosmos lässt Raum für weitere bedeutende Mitstreiter des kulturellen Lebens der deutschen Vergangenheit.

Erzähl mir von Ladakh

Erzähl mir von Ladakh

Wer sich auf dem Drahtesel über Pässe quält, die sechstausend Meter über dem Meeresspiegel auf dem indischen Subkontinent liegen, muss einfach seine Impressionen niederschreiben. Nicht, weil die Reise irgendwie finanziert werden muss. Nein, weil er nach dem Urlaub in geselliger Runde wohl kaum jemanden finden wird, der das gleiche Schicksal, die gleichen Eindrücke wiedergeben kann. So einen Urlaub macht man meist nur einmal.

Adi Traar hat schon mehrere solcher Reisen unternommen. Er kennt sich aus. Doch diese Reise wird auch ihn verblüffen. Die einzelnen Kapitel haben keine blumigen Überschriften – sie sind nach Höhenmetern unterteilt. So nüchtern das klingen mag, so farbenfroh sind die Reisebeschreibungen. Poetry slam im höchsten Gebirge der Welt. Adi Traar trifft in echt echte Typen, die man nicht überall auf der Welt als Reisegefährten sieht. Und alle sind genauestens informiert. Nicht über das Vorhaben des verrückten, der mit dem Rad in gebirgige Höhen aufsteigen will. Nein, das Schicksal Michael Jacksons ist ihr Tages- bzw. Wochen- bzw. Monatsthema. Alle sprechen ihn darauf an. Die Reise fand kurz nach dem Tod des Kings of Pop statt.

Den Autor plagen derweil andere Probleme. Hält die Technik, zum Beispiel? Um es vorweg zu nehmen: Nein, zumindest nicht immer. Antriebslos wird er deswegen nicht. Improvisieren in tausenden Metern Höhe. Auch ein Abenteuer, das nicht jeder erleben darf. Oder die durchaus als besonders zu bezeichnende Befriedigung ein echtes Bett unter dem geschundenen Körper spüren zu können. Die seltsame Küche Indiens und der Bergregionen zu genießen. Adi Traar genießt wirklich jeden Tag, jede Stunde, jede Minute in den Bergen. So manchen Abschnitt vielleicht auch erst im Nachhinein. Doch Genuss ist der ständige Begleiter des radelnden Reporters.

Egon Erwin Kisch dichtete man die Aufforderung „Schreiben Sie das auf, Kisch!“ an. Adi Traar möchte man zurufen: „Pack die Sachen, verreise und schreib alles auf!“. Mit Verve und lockerer Schreibe setzt er der seit Kurzem einsetzenden Himalaya-Bilderflut ein wortgewaltiges, fast unscheinbares Büchlein entgegen. Jeder Satz sitzt, jedes Wort ein Volltreffer, das den Leser die Strapazen einer solchen Reise vergessen lässt. Die Leichtigkeit seiner Worte steht im krassen Kontrast zu den Anstrengungen im Gebirge im Wiegeschritt voranzukommen. Oft muss man Schmunzeln, oft gerät man ins Grübeln. Doch immer unterliegt man dem Charme des Autoren und der unbeschreiblichen Landschaft.

Wieder einmal wird ein weißer Fleck auf der Landkarte der Abenteurer durch ein kleines Büchlein in ein Farbenmeer an Impressionen ersetzt.

Mondo Veneziano

Mondo veneziano

Jeder, der außerhalb(!) einer Touristengruppe Venedig für sich entdeckt, hat unweigerlich das Gefühl ein Buch z schreiben. Und so verwundert es nicht, dass es über die Lagunenstadt – neben Paris und Rom – die meisten gedruckten Reiseimpressionen gibt. Von grandiosen Bildbänden wie „City impressions Venedig“ über Reisebände wie „MM City Venedig“ bis hin zu historischen Aufarbeitungen wie „Venedig erobert die Welt“.

Heidrun Reinhard hat die Herausforderung angenommen und ein weiteres Buch dieser prachtvollen Reihe hinzugefügt. Und das mit Erfolg! Denn „Mondo Veneziano“ gehört wie die eingangs erwähnten Bücher ebenso zur Pflichtlektüre eines Jeden, der Venedig auf eigene Faust und mit fundiertem Wissen erkunden will. Sie nimmt den Leser mit auf eine Reise vorbei an den Palästen der Stadt. Übrigens erkennt man Touristen und Gäste daran, dass sie die Häuser der Stadt, von den Einheimischen meist nur „Ca‘“ genannt, auch wirklich als Paläste bezeichnen.

„Menschen und Paläste am Canale Grande“ lautet der Untertitel des Buches. Die Paläste, oder „Ca‘“, sind hinlänglich bekannt bzw. für jedermann leicht zu erreichen. Man kennt sie aus Reportagen, aus Büchern und vom Vorbeigondeln. Dass sie Geschichte in sich bergen, ist auch jedem klar, der sich nur ein wenig mit der Geschichte der Serenissima beschäftigt hat. Doch welche Geschichten sich darin zutrugen, wer sie erbaute, wer wem an die Wäsche wollte, das sind die Geheimnisse, die in diesem Buch so eindrucksvoll und lebendig beschrieben werden.

Die alte Dogenmacht Venedig war im Mittelalter ein ernst zu nehmender Handelsriese. Ein global player, der überall auf der Welt seine Finger im Spiel hatte. Von Konstantinopel über die Adria gehörte mehr als nur der Mittelmeerraum zum Einzugsgebiet der venezianischen Handelshäuser. Auch die Deutschen hatten hier eine Niederlassung, ein deutsches Haus, in dem täglich so viel umgesetzt wurde wie ein durchschnittlicher venezianischer Mittelständler sonst in einem Jahr verdiente. Hier wurde kaum produziert, dafür aber umso mehr ge- und verkauft. Die Dogen und auch der zehnköpfige Rat der Stadt, die Regierung, ließen sich ihre erbaulichen Ideen etwas kosten. Als Tourist kann man heute nur noch die Pracht der Stadt vor fünf-, sechs-, siebenhundert Jahren erahnen. Aber das reicht schon, um sich verzaubern zu lassen.

Dass Venedig nicht nur glorreiche Zeiten erlebte, zeigt Heidrun Reinhard, die die Stadt als ihre zweite Heimat bezeichnen darf, in der zweiten Hälfte des Buches. Denn an die Spitze gelangen, ist bei Weitem einfacher als diese zu behaupten. Als Konstantinopel in die Hände der Araber fiel, schwanden auch der Ruhm und der Einfluss Venedigs. Bis die Intelektuellen und Künstler Venedig wiederentdeckten. Verdi, Wagner, Thomas Mann – sie alle setzten der Lagunenstadt ein weiteres Denkmal. Die Venezianer sind ja in Sachen Denkmäler setzen nicht so spendabel.

„Mondo Veneziano“ ein Buch für alle, die Venedig nicht nur als Tages- oder gar nur Stundenausflug erleben wollen. Schon vor dem Besuch weiß man – gefühlt – mehr als so mancher Einheimischer. Vor Ort ist man der kundige Betrachter, der sich von keinem Reiseleiter etwas vormachen lässt. In Erinnerungen schwelgend nimmt man dieses Buch immer wieder gern zur Hand und stimmt Seite für Seite kopfnickend zu: Venedig ist mehr als nur eine Reise wert!

Profi-Taschenfernglas

Profi Taschenfernglas

Die Welt ganz nah zu sich bringen. Kinder haben da ihre eigenen Strategien. Doch wenn der kindliche Forscherdrang jugendlichem Forschergeist nach und nach weicht, muss die Wirklichkeit mit technischem Gerät aufgefüllt werden. Wer sich in Flora und Fauna bewegt, kommt schnell an den Punkt, dass die Objekte der Begierde zwar erkennbar, aber doch nicht deutlich auszumachen sind. Mit dem Profi-Taschenfernglas wird beispielsweise das scheue Wild greifbar. Fast! Mit einer Vergrößerung von 8 x 21 mm kann man da schon mal die ersten Schritte unternehmen. Und mit 130 Gramm ist es auch nicht zu schwer, so dass weitere Utensilien der Reihe „Expedition Natur“ wie das Abenteuer-Teleskop, Messer, Kompass und Becherlupe noch locker in den Adventure-Rucksack passen. Die mitgelieferte Aufbewahrungstasche lässt sich mühelos am Gürtel befestigen.

Als Hemingway mich liebte

Als Hemingway mich liebte

Er gehört zu mir – in der deutschen Schlagerszene ein Stück für eine Person. Im Leben von Ernest Hemingway ein Mehrstimmiges. Mitte der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts klingt es in den Ohren von Hadley wie ein Hohn. Denn ihr Gatte, der mittlerweile einigermaßen anerkannte Ernest Hemingway, hat schon seit längerem ein Auge auf Fife geworfen. Fife heißt eigentlich Pauline und arbeitet für die Vogue in Paris. In Antibes haben die Hemingways ihr neues Quartier bezogen. Das Haus gehört dem Skandalpaar F. Scott und Zelda Fitzgerald. Bumby zuliebe haben der bullige Schriftsteller und die resolute Hadley eine neue Bleibe gefunden. Bumby leidet unter seinem Keuchhusten und die warme Luft soll ihm Linderung bringen.

Hadelys Sorge kann hier nicht gelindert werden. Immer wieder finden sich Hinweise auf eine Liaison Ernests und Fifes. Ihre Schwester Jinny bestätigt endgültig die Beziehung. Als klar wird, dass es nicht nur eine flüchtige Affäre ist, stellt Hadley ein Ultimatum: Ernest und Fife sollen sich einhundert Tage nicht sehen, nicht schreiben, nicht in Verbindung stehen. Sollten seine Gefühle für Fife unverändert stark sein, würde Hadley sich zurückziehen. Nach ungefähr der Hälfte der Zeit gibt sie sich geschlagen.

Zeitsprung. Die letzte Hälfte der 30er Jahre wird vom spanischen Bürgerkrieg bestimmt. Auch Hemingway ist vor Ort. Als Korrespondent. Pauline, Fife, ist die Hüterin des Hemingway’schen Hauses auf den Keys vor Florida. Ihr Heim ist eine Zierde, das eleganteste Haus auf dem Eiland. Doch immer öfter ist sie allein. Physisch wie seelisch. Oft ist Ernest Hemingway in Spanien. Ist er in der Heimat, muss Fife dafür sorgen, dass er schreibt. Nicht des Geldes wegen. Nein, nur wenn ihr Mann schreibt, schweifen seine Gedanken nicht ab zu Anderen. Eine Andere ist Martha Gellhorn. Eine neue Eroberung? Oder doch mehr? Ihre alte Freundin und niemals als Rivalin erachtete Hadley kennt das. Sie hatte Hemingway auch geliebt und verloren. An Fife. Jetzt ist sie Ratgeberin. Doch Fife hat nicht die charakterliche Stärke von Hadley. Ihr Temperament ist überbordender.

Martha ist Frau Nummer Drei im Reigen der ménage à cinq. Während Hadley und Fife sich den Umständen entsprechend ganz gut verstehen, hat Marty, wie Hemingway sie nennt, kein Verständnis für derartige Verbrüderungen. Hadley ist ihr zu weich, zu nachgiebig, und Fife könnte ihr noch gefährlich werden. Die beiden leben Mitte der 30er Jahre in Havanna, in den 40ern ist Paris der Schauplatz der Ehe und deren Ende. Als großer Befreier des Ritz ist Hemingway in aller Munde und bald auch schon im Schoß einer Anderen. Paris ist frei, Marty auch bald.

Mary ist der Schoß, in den sich Ernest Hemingway nun legen wird. Kriegsreporterin wie Hemingway und Marty es waren und sind. Der Kampf ist Hemingways Geschäft. Ist irgendwo Krieg auf der Welt, ist er nicht weit. Er kennt die Welt, und die Welt kennt ihn. Martha warnt Mary noch. Doch Mary ist unwissentlich dem Macho schon verfallen. Während Europa in Trümmern liegt, baut Mary eine neue Beziehung zu Ernest Hemingway auf.

Sie wird die einzige Ehefrau sein, die ihn nicht an eine Andere abgeben muss. Verlassen wird er sie dennoch. Ob freiwillig oder nicht, ist bis heute nicht ganz geklärt.

Die vier Frauen, die Ernest Hemingway ehelichte, rauben in diesem Buch nicht den Ruhm des großen Schriftstellers. Dafür ist er zu übermächtig. Die Wucht seiner Präsenz lässt sie erschauern und zu Kämpferinnen reifen. Doch nicht bis zum bitteren Ende. Sie wissen, wenn sie weichen müssen. Echte Gewinner gibt es in keinem Krieg – auch nicht in den Ehen Hemingways.