Bilder der Freiheit

Bilder der Freiheit

Freiheit: Ein wunderbar dehnbarer Begriff, der besonders Politikern, und noch mehr denen, die sich als Politiker fühlen, am Herzen liegt. Kann man so herrlich damit spielen. Und es gibt kaum jemanden, der den Begriff negieren möchte. Gewinner auf allen Seiten.

Freiheit bedeutet auch immer Ausbruch aus der Unfreiheit. Wolfdietrich Jost gibt in seiner Geschichte eine passende Argumentationshilfe. Sein Text „Zu neuen Ufern“ ist der Gewinner des diesjährigen Literaturwettbewerbs „Antho? – Logisch!“ und darf den Reigen der Texte in diesem Buch eröffnen. Sarkastisch und mutmachend zugleich nimmt er die Personalpolitik eines Unternehmens unter die Lupe. Entlassung als Chance?! Entlassung als Chance! Zweieinhalbtausend Mitarbeiter werden auf die Straße, frei gesetzt. Jetzt liegt es an ihnen etwas daraus zu machen. Zynisch? Nein! Er reiht die Fakten aneinander und schafft mit den Mitteln der Literatur eine Freizone der Gedanken.

Die in diesem Buch gesammelten Texte sind Zeilen für den Kopf. Kurz und prägnant zeigen sie die unendliche Gedankenvielfalt zum Thema Freiheit. Der Leser bekommt Zeile für Zeile Bilder vorgesetzt und kreiert seine eigenen Bilder (hinzu). Freiheit ist ein Wort, das oft inflationär gebraucht wird. Es ist individuell und gemeinschaftlich einsetzbar. Jeder hat seine eigene Definition, je nach Tagesform und Situation. Die Freiheit das zu tun, was man machen möchte, ist ein hehres Ziel. Doch genauso flexibel wie ein Gummiband. Freiheit geht immer mit Regeln und deren Einhaltung einher. Wer die Regeln befolgt, hat mehr Freiheiten als der, der sie nicht befolgt. Klingt komisch?

Bricht man den Begriff Freiheit immer weiter herunter, was an sich schon eine Befolgung der Regeln beinhaltet, kommt man schnell zu dem Entschluss, dass die Regeln der Freiheit nicht die Selbige behindern.

„Bilder der Freiheit“ ist für alle, die Freiheit nicht nur als leere Worthülse betrachten. Aus allen Bereichen des Lebens setzen sich die Autoren zusammen. Ihre Ansichten verleiten dazu so manchen Text noch einmal zu lesen. Immer wieder entdeckt man neue Facetten der Argumentation, die man vorher nicht wahrgenommen hat. Man muss sich nur die Freiheit nehmen die Zeilen sich entwickeln zu lassen. Das ist Freiheit in Reinform.

Gebrauchsanweisung für Rom

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Rome – the place to be. Rom, die Stadt der Plätze, an denen man gewesen sein muss, an denen das Leben, das römische Leben spielt. Autorin Birgit Schönau begibt sich mit und für den Leser auf eine aufregende Schnitzeljagd durch die Ewige Stadt. Sie hüpft von Platz zu Platz und gibt mehr als nur ihre Eindrücke wieder. Sie erklärt, warum nie seine Faszination verloren hat und sie auch niemals verlieren kann.

Die Neuauflage des Buches hält zahlreiche neue Kapitel und Anekdoten parat, die den Gebrauchenden, den Reisenden, den Staunenden immer wieder überraschen werden. Wie zum Beispiel die Reportage über die Piazza Vittorio Emanuele. Hier, wo die Welt aufeinander trifft, miteinander lebt, leidet, feiert, so das skurrilste Kaufhaus der Stadt steht. Im MAS können sich Chirurgen einkleiden, Militaria- und Papst-Andenken-Sammler ihr El Dorado finden, Schnäppchenjäger sich austoben. Ganz Rom und seine Besucher werden hier fündig.

Mit Leichtigkeit setzt Birgit Schönau ihrer Stadt – denn seit Jahren wohnt sie hier, an immer wieder neuen Orten – ein leicht verdauliches Denkmal. Sie verzichtet auf das „Da müssen Sie hin“ und „Wer das nicht gesehen hat, kennt Rom nicht wirklich“, nein, sie gibt Rom ein anderes, freundliches, offenes, licht durchflutetes Gesicht. Keine hektische Betriebsamkeit, die jedem Gast die Lust an der Erkundung der jahrtausendealten Stadt nimmt. Mit einem Lächeln im Gesicht schreibt sie Anekdoten nieder, die dem Leser ein ebenso breites Grinsen ins Gesicht zaubern werden.

Diese Gebrauchsanweisung ist für Neuankömmlinge genauso erkenntnisreich wie für erfahrene Hasen. Letztere benötigen nur dieses Buch. Wer Rom noch nie gesehen hat, sollte diese Gebrauchsanweisung gleich neben den Reiseführer liegen haben. Denn wo Reiseleiter ihre Ausführungen beenden müssen, weil der Platz nicht mehr ausreicht, platziert Birgit Schönau ihre Geschichten. Man sollte sich die Zeit nehmen und kurz innehalten, ein bisschen lesen und die Piazza, an der man gerade rastet mit den Augen der Autorin sehen. Vieles erstrahlt nun im neuen, anderen Licht. Rom wirkt bunter, froher, familiärer, wenn man die kurzen Abschnitte aus diesem Buch immer und immer wieder liest. Fast konnte man meinen selbst ein Römer zu sein.

Die Neuauflage besticht durch den Abwechslungsreichtum der Autorin bei der Auswahl ihrer Texte und die Vielfalt der Themen. Von Fußball über Küchendüfte bis zu unverwechselbaren Klängen der Straßen und Plätze. Rom ohne Gebrauchsanweisung zu erkunden – kann man tun. Aber sollte man nie behaupten Rom wirklich zu kennen.

Der Triumph der Geraldine Gull

Der Triumph der Geraldine Gull

Geraldine Gull ist keine Frau, in die man sich auf den ersten Blick verliebt. Es sei denn, sie will es so. Und macht dies eindrücklich klar. Großgewachsen, grobschlächtig trifft es am ehesten, wenn man sie beschreiben sollte. Willa Coyle verbringt hier einige Zeit, um den Kindern des Dorfes am Ende der Welt, in der Einöde Kanadas Zeichenunterricht zu geben. Ein Ereignis. Eine Fremde kommt hier her. Auch Geraldine kommt, um den Neuankömmling gebührend zu begrüßen. Klatsch, Bäng. Und schon hat Willa Coyle eine rosige Gesichtsfarbe. Geraldine Gull hat ihr ohne Vorwarnung und ohne erkennbaren Grund eine gescheuert. Netter Empfang! Die restlichen paar Dutzend Einwohner sind da nicht so feindselig gestrickt. Sie sind neugierig und freundlich.

Aber auch rückschrittlich. Willa kommt in der Gemeinde unter und schon wird ihr geraten keine kurzen Hosen zu tragen. Das verderbe die Jugend. In Briefen an ihre Schwester klagt sie ihr Leid. Ihre Arbeit – das Zeichnen mit den Kindern – wird gewürdigt. Man achtet ihr Talent das Beste aus den Kindern herauszuholen.

Auch Geraldine begegnet einem Maler. Der ist betrunken und stolpert in diesem Zustand durch die Bars der Stadt. Hier ist Geraldine zuhause. Sie ist Herren, die es sich leisten können, zu Diensten. Die paar Dollar, die sie damit verdient, reichen hinten und vorn nicht. So muss sie das Nötigste stehlen. Das hat sie schon immer so gemacht. Auch deswegen wurde ihr ihr Sohn Alexander weggenommen. Der junge Mann, der grölend sein Talent als Maler anpreist, ist Alexander, ihr Sohn. Nach all den Jahren, in denen sie ihn vergebens suchte, sich mit Behörden und ihren ausführenden Organen anlegte, ihnen drohte, hat sie Alexander wiedergefunden.

Die Freude ihn wiederzusehen, sofern es eine ist, währt nur kurz. Denn Alexander stirbt. Jedoch nicht ohne ihr seine Bilder zu hinterlassen. Im Rausch pries er sich und  sein Werk immer derart an, dass man ihm einfach glauben musste,, dass sie einmal viel wert sein würden. Und ihn diesem Glauben versteckt Geraldine Gull sein Vermächtnis…

Niska, der Ort, in dem Geraldine zuhause ist, ist kein Ort zum Leben für die derbe Gestalt der Geraldine. Jedes Jahr wird Niska überschwemmt. Jedes Jahr werden die Bewohner zum Wegzug überredet. Jedes Jahr sagen sie zu und … bleiben doch. Für Menschen wie Willa ist die Exotik dieses Rhythmus‘ schnell verflogen. Selbst Geraldine ist hier fremd. Die Welt nimmt sie als Fremdkörper wahr. Allerdings tut sie nichts, um das zu ändern. Vielmehr befeuert sie die Vorurteile. Im Laufe der Buches bekommt Geraldine Konturen, die es dem Leser erlauben den komplexen, verschlossenen Charakter Geraldines zu verstehen und stellenweise sympathisch zu finden. Der Querkopf passt sich an, jedoch nicht ohne den eigenen Kopf durchzusetzen.

Archäologischer Kalender 2017

Archäologischer Kalender 2017

Aller guten Dinge sind drei. Zum dritten Mal in diesem Jahrtausend ist die Jahreszahl eine Primzahl. Grund genug, um das ganze Jahr vorzüglich durch die Wissenschaften zu schreiten. Wie wär’s mit Geschichte? Der Archäologische Kalender aus dem Philipp von Zabern Verlag ist seit Jahren ein zuverlässiger Partner in Sachen Wissensvermittlung, Geschichtswahrwerdung und Innendekoration. Wieder drei Dinge …

Tibetische Gottheiten, Aquarelle von griechischen und italienischen Vasen und Goldketten lassen das Jahr mit der ganzen Pracht und Handwerkskunst vergangener Tage, Jahre, Jahrhunderte beginnen. Kein billiger Touri-Schrott, denn man im Urlaub noch chic findet und zuhause dann einstauben lässt. Echte Schätze, nicht nur materiell. Die Rückseiten der Kalenderblätter geben den wahren Wert der Abbildungen preis. Kleine Geschichten aus der Geschichte der geschichtsträchtigen Fundstücke. Wieder drei – dreimal Geschichte…

Aus allen Ecken der Erde kommen die Ausstellungsobjekte, die in diesem Kalender eindrucksvoll in Szene gesetzt werden und so manche Urlaubsplanung um den einen oder anderen Museumsbesuch bereichern werden. Nigeria, Tibet, Kreta in den Museen in Köln, Paris, Teheran. Sie wurden aus Ton, Gold und Kupfer gefertigt, um Göttern zu huldigen, Auftraggeber zufrieden zu stellen oder den Alltag zu erleichtern.

Die Bandbreite der Dinge in diesem Kalender ist so breitgefächert wie die Menschheitsgeschichte. Es ist schwer sich auf eine Lieblingsseite (jeweils für zwei Wochen) festzulegen.

2017 ist ausnahmsweise kein Jahr mit großen sportliche Ereignissen wie Olympischen Spielen oder Fußball-Meisterschaften (abgesehen von der Frauen-Fußball-EM in den Niederlanden), auch wenn das Titelbild etwas anderes vermuten lässt. In Deutschland steht Martin Luther im Mittelpunkt des Feierjahres. Den „Luthereffekt“ beleuchtet dabei das Deutsche Historische Museum in Berlin (ab dem 12. April 2017), passend dazu ein Bild in der Kalender-Doppel-Woche vom 3. bis 16. April 2017, das den Reformator im Kreis von Gleichgesinnten zeigt. Das Bild ist mehr Wunschdenken des unbekannten Künstlers als Realität. Denn – so erfährt man auf der Rückseite – unterschiedliche Generation und Herkunft führten oft zu Zerwürfnissen.

Einmal mehr beweist der Archäologische Kalender, dass Geschichte nicht mit staubtrockener Faktensammlung zu tun hat, sondern bildgewaltige reisen bedeuten kann. Es ist wie eine nicht enden wollende Weltreise, von Kontinent zu Kontinent, von Zeitalter zu Zeitalter, von Ahhhs zu Ohhs. Und das mehr als nur dreimal…

Schmetterlingskalender 2017

Schmetterlingskalender

Woran soll man nur erkennen, dass der Wonnemonat Einzug gehalten hat? An den vielen Feiertagen? Das könnte auch ein anderer Monat sein. Wer die Augen offen hält und ein wenig Sinn für das Farbenspiel der Natur hat, bemerkt die vielen bunten flatternden Leichtgewichte der Lüfte. Die Schmetterlinge sind zurück und mit ihnen der Frühling und der Sommer. Die meisten der zerbrechlichen Geschöpfe beginnen ab Mai ihren Tanz.

Die schönsten von Ihnen allerdings sind ganzjährig zu sehen. Das ganze Jahr 2017 hindurch. Das Farbenspiel, schier unendliche Formenreichtum und natürlich die fast schon romantische Darstellungsform lassen schon in den ersten Kalenderwochen den Frühling herbeisehnen. Es sind nicht nur die beeindruckenden Stiche und Lithografien, die Einen in ihren Bann ziehen. Es sind auch die kleinen Begleittexte. Ein Hauch von großer weiter Welt umweht den Betrachter, wenn er liest, dass beispielsweise der Odysseusfalter in Australien und Neuguinea beheimatet ist. Koffer packen? Dann verpasst man die nächsten Seiten, und auch die nächsten Reiseziele. Indien, Indonesien, Mittelamerika gilt es ebenso „schmetterlingskundlerisch“ zu erkunden wie es Wochen im Jahr gibt.

Jede Woche bringt einen neuen Schmetterling und eine neue Sehnsucht, ein Stück vom Sommer, von fremden Ländern in die heimischen Stuben. Mal fast kitschig bunt, mal nüchtern sachlich – der Kalender macht von allein auf sich aufmerksam. Verblüffend welch Farbenreichtum allein Gelblinge aufwiesen können. Von blassem gelb über saftiges obstgelb und dunkelgelb bis ins tiefste orange hinein: Alles Gelblinge, die über den gesamten Erdball verstreut leben.

Aber wollen wir Mitteleuropäer uns nicht grämen, weil es in Sri Lanka und der Mongolei so vielfältige Schmetterlinge gibt. Das Tagpfauenauge muss sich nicht verstecken. Und sie sind oft anzutreffen, selbst dort, wo Pragmatismus und Ordnung herrschen (sollten): Im Keller. Denn sie lieben es dunkel und feucht. Beim nächsten Mal also nicht nur zum Lachen, sondern auch zum Schmetterlingskucken in den Keller gehen!

Das Jahr 2017 wird bunt und flatterhaft – es liegt an jedem selbst, was er daraus macht!

Es sprach der Mond zur Erde

Es sprach der Mond zur Erde

Seit Hunderten von Jahren gilt Tahiti als das Sehnsuchts-Traumziel schlechthin. Das Rauschen des Meeres, die exotische Gastfreundschaft der Maori, das immer währende „schöne Wetter“ und und und. Fletcher Christian war der erste, der hier das paradiesische Leben genoss. Eine Romanfigur. Das war im 18. Jahrhundert. Rund hundert Jahre später kam einer, der echt war: Paul Gauguin. Angeödet, angewidert, enttäuscht vom Leben in Europa zog er sich nach Tahiti zurück. Kehrte wieder heim, war wieder angeödet, angewidert und enttäuscht und wand sich endgültig dem sorgenfreien Leben unter der Südseesonne zu.

Doch das Leben auf Tahiti war weder einfach noch erfüllend. Alles so fremd, alles so fern von daheim, und doch: So organisiert und überhaupt gar nicht so frei wie er es sich vorstellte. Denn die Kolonialmacht Frankreich hatte hier schon so einige Dinge eingeführt, um die Verwaltung zu vereinfachen. Und doch war es der Startschuss für ihn und seine Karriere. Wer Paul Gauguin bisher nur als Maler kannte, wird mit „Es sprach der Mond zur Erde“ verstehen warum es den Maler hier hielt. Die Farbenpracht der Inseln, die für ihn eigenartige, schillernde Hautfarbe der Menschen, vor allem der Frauen, faszinierten ihn.

Der Sprache gar nicht bis kaum mächtig, erobert er sich seine neue Welt. Alles ist neu. Selbst einfache Gesten sind ihm fremd. Doch er lernt schnell! Auch das Ritual der Vermählung, inkl. der achttägigen „Probezeit“. Ein junges Mädchen wird „ihm angeboten“, von der Mutter. Dann wird ihm ihre Mutter vorgestellt. Was? Noch eine Mutter? Ja und nein. Die eine hat die geboren, die andere gesäugt.

Das Klima ist ihm zuwider. Die Hitze macht ihm zu schaffen. Doch das Licht, die Eindrücke und letztendlich die Befreiung von alles Sorgen und Zwängen lassen ihn nicht weiter zweifeln: Hier ist er zuhause!

„Noa noa“ heißt in der Sprache der Maori Duft. Für Gauguin duftet es nach Abenteuer, obwohl er sich nie wie ein Abenteurer fühlt. In seinem Kopf schlagen die Ideen Purzelbäume. Malen, malen, malen – er kann an nichts anderes mehr denken. Ablenkung verschaffen ihm immer wieder der Alltag und die täglichen neuen Entdeckungen.

Die in diesem Buch niedergeschriebenen Erinnerungen (und kunstvoll hinzugedichteten Phantasien) stammen von der ersten Reise Gauguins nach Tahiti in den Jahren 1891/93. Ein bis heute nicht vollends geklärter Streit mit seinem Freund Vincent van Gogh, der dem Holländer ein Ohr kostete, die Erfolglosigkeit als Maler und die Zukunftslosigkeit trieben ihn weit weg von der Heimat. Auf Tahiti schöpfte er neuen Mut und Schaffenskraft. Und schlussendlich auch finanzielle Sicherheit. Denn die auf Tahiti entstandenen Bilder ließen sich in der Heimat tatsächlich verkaufen. Beziehungsweise fand er in Ambrose Vollard einen Gönner, der ihm regelmäßig Geld schickte. Und mit Tehura fand er die Frau fürs Leben.

Wer in Paul Gauguin bisher immer nur als den Maler mit den vielen „nackten Weibern aus einer weit entfernten Welt“ sah, wird in diesem Buch den Menschen hinter den Bildern kennenlernen und teilweise verstehen können. Wozu auch die zahlreichen Abbildungen von Gauguins Bildern beitragen. Die Rituale der Ureinwohner, Gauguins Sichtweise auf sein neues Leben und die Rückschau auf das, was war, vervollkommnen das Vorwissen über einen der eindrucksvollsten Maler der vergangenen anderthalb Jahrhunderte. Die Originalausgabe von „Noa noa“ wird um einige Briefe und Aufzeichnungen ergänzt, so dass das literarische Werk Gauguins immer mehr an Bedeutung gewinnt. Er war eben mehr als nur der Maler der „nackten Weiber aus einer weit entfernten Welt“.

Der Haschischklub

Der Haschischklub

In den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gab es einen kleinen Zeitungsartikel, der vor allem religiöse Fanatiker aufbrachte. Ein junger Mann, betete ein Poster der Band KISS an. Offenbar im Drogenrausch züngelte Gene Simmons vom Poster herab – der junge Mann hörte nie wieder KISS. Blödsinn! Mag man denken. Schon Jahre, Jahrzehnte, weit über einhundert Jahre zuvor brachte Théophile Gautier eine ähnliche Geschichte zu Papier. Auch er sorgte Zeit seines Lebens für Furore. Ein junger Mann, gerade die Schule beendet, verbringt die Zeit bei einem Verwandten. Von einem Gobelin steigt eine rau zu ihm herab, er verehrt sie. Ist verknallt, um die Wahrheit zu sagen. Er muss das Haus verlassen, Jahre später entdeckt er den Gobelin wieder. Hat aber nicht genug Geld in der Tasche, um ihn sich zu leisten. Als er mit der geforderten Summe zurückkehrt, ist der Gobelin schon verkauft. Vorbei, vorbei, vorbei – es bleiben nur die Erinnerungen…

Phantastische Erzählungen ziehen den Leser in ihren Bann. Sie regen die Phantasie an, sorgen dafür, dass die kleinen grauen Zellen, wie sie Hercule Poirot immer so gern bezeichnete, in Bewegung bleiben. Denn Bewegung bedeutet Fortschritt.

Die titelgebende Erzählung „Der Haschischklub“ zeigt die ganze Kraft der Worte. Den Haschischklub gab’s wirklich. Und auch Théophile Gautier war Mitglied. Man traf sich konspirativ, probierte … na was schon?! … und gab sich den eigenen, neuen, fremden Gedanken hin. Schonungslos geht der Autor mit sich und den anderen Beteiligten, zu denen „in echt“ auch Balzac, Flaubert und auch Baudelaire gehörten, ins Gericht.

Obszön waren seine Geschichten als sie erstmals veröffentlicht wurden. Rücksichtslos wie ihr Autor, der die Bohème verkörperte wie kein anderer. Genuss-Sehnsucht und mit jeder der sieben Todsünden auf Du und Du. Immer für einen Skandal gut, wie 1830 bei der Uraufführung von Victor Hugos „Hernani“. Unangepasst war er, und kreativ. Erst vor reichlich hundert Jahren wurden seine Werke ins Deutsche übersetzt. Und das obwohl seine Wurzeln bei einem Deutschen liegen: E.T.A. Hoffmann. Die Anleihen sind besonders im „Haschischklub“ offensichtlich.

Die Magie der Geschichten Théophile Gautiers liegt in ihrer Eleganz, die der leidenschaftliche Außenseiter sich sicher nicht auf die Fahnen geschrieben hätte. Ihm war die Hornhaut an den Händen und handfeste Scherereien näher.

Und wenn einem am Ende des Buches danach ist Théophile Gautier anzubeten – keine Angst. Wenn er zuzwinkert, lüstern, wortreich züngelt – alles nur Phantasie! Ein literarisches Kunststück.

Gebrauchsanweisung für Amsterdam

Gebrauchsanweisung für Amsterdam

Kein Rätselbild: Fahrrad am Brückengeländer und Tulpen auf dem Gepäckträger. Klar, wir sind in Amsterdam. So viel Klischee muss sein. Häuslebauern ist diese Stadt suspekt. So schöne Häuser und alle Bewohner sind draußen auf den Straßen und den Grachten. Warum nur? Siggi Weidemann weiß es und gibt wortstark und emotionsgeladen die Antwort darauf: Es ist halt Amsterdam! Muss man gesehen haben. Sehen ja, aber richtig!

Hineinsehen ist in Amsterdam immer noch möglich. Auch wenn es immer mehr Wohnungen gibt, deren Bewohner die ihr Innerstes mit Gardinen versuchen zu verbergen. Touristen erkennt man übrigens daran, dass sie gezielt in die Wohnungen schauen. Amsterdamer lässt der Blick in Nachbars Stube kalt.

Zurück zum Klischee des Titelbildes. Fahrräder, fiets genannt. Jeder hat eines, jeder fährt eines, jeder lässt es sich je nach Modell klauen. Und jeder kauft sich schlussendlich irgendwann einmal ein Geklautes wieder. Der Rundlauf des Rades ist der Kreislauf des Fahrradlebens. Helme sind in der Grachtenmetropole verpönt. Auch hier gilt wieder: Mit Helm – Touri, ohne Helm garantiert Einheimischer. Es ist nicht ungefährlich in Amsterdam Rad zu fahren. Nicht selten bleiben Radler in den Straßenbahnschienen stecken und stürzen. Am besten am Morgen radelnd die Stadt erkunden. Oder am Sonntag, rät der Autor.

Entspanntes Leben und Amsterdam gehören zusammen wie Paris und der Eiffelturm oder mürrisch sein als Berliner Taxifahrer. „Dank dem Internet“ gibt es keine Geheimtipps mehr, nur noch Orte, die man immer wieder gern oder eben zum ersten Mal besucht. Und davon hat Amsterdam im Überfluss! Grüne Oasen der Ruhe wechseln sich mit mehr oder weniger liebevoll gestalteten Museen ab. Rot beleuchtete Straßenzüge voller Gaffer stehen neben wie leer gefegten kleinen Gassen, in denen sich wahre Shoppingparadiese verbergen. Eine kulinarische Weltreise kann man hier unternehmen. Im Kontrast dazu „das Essen aus der Wand“, aus einem Imbiss-Automaten.

Siggi Weidemanns Streifzüge sind Anleitungen zum Verweilen in einer Stadt, die wie ein Klischee wirkt und doch so vielfältig, bunt und abwechslungsreich ist wie keine andere Stadt auf der Welt. Modernes Leben und Lebenslust sind hier keine Gegensätze, sondern gelebtes Allgemeinwohl. Fast scheint es als ob man in der Grachtenstadt keinen Ratgeber braucht, außer diesen hier. Wohlwollend verzichtet der Autor auf das Hinweisen wo man gewesen sein muss, so man typisch amsterdamisch essen gehen sollte oder was man auf gar keinen Fall verpassen darf. Man muss nur die Augen und Ohren offenhalten. Und ein bisschen Anpassung an die Gepflogenheiten sollte man mitbringen. Alternativ und anders ist die Stadt auch auf den zweiten Blick. Doch fremd ist sie zu keinem Zeitpunkt.

Styleguide Wien

Styleguide Wien

Styleguide – das Wort hat irgendwie was Modernes an sich. Ein Reiseband für den modernen Reisenden, der immer nur das Neueste, das Abgefahrenste, das Außergewöhnliche sucht. Also kein Reiseband für die ganze Familie?

Ganz im Gegenteil! Denn die beiden Autorinnen sind Familie, sind Mutter und Tochter. Und sie wohnen in Wien, lieben Wien und – was ganz wichtig ist – sie kennen Wien. Und von wegen immer nur das Moderne … sie kennen beide Seiten Wiens. Die altehrwürdigen Bauten mit ihren Geschichtchen und das sich immer wieder verändernde Wien.

Wien zu erfassen ist nicht einfach. Die Stadt bietet sich an sie schlendernd zu erkunden. Staunenden Blickes mit hoch erhobenen Haupt schreitet man durch das Vermächtnis von k.u.k. und erblickt so manches Kleinod und großartige Errungenschaften. Aber hat man dann Wien wirklich gesehen? A bissl! Mehr net!

Angie und Brigitte Rattay helfen dem Neugierigen gehörig auf die Sprünge. Schon beim ersten Durchblättern hat man das Programm für zwei volle Tage zusammen. Die beiden Autorinnen gliedern ihr modern gestaltetes Buch (mit Gummiband als Lesezeichen) nach den Stadtteilen Wiens. Sie beginnen natürlich im Ersten, soll heißen im ersten Bezirk, dort wo Stephansdom, Café Korb und Albertina von außen und innen den Gast „verwienern“. Selbst wer Wien schon kennt, beißt sich vor Wut in den Allerwertesten, und fragt sich „Wieso kenne ich das nicht?“. Tja, ganz einfach, den falschen Reiseführer befragt. Aber keine Angst, beim nächsten Mal wird alles besser! Denn dieser Reiseband gehört einfach zu Wien wie Walzer, Eitrige und Schmäh.

Bildreich mit kurzen, prägnanten Texten ist dieses Buch ein ständiger Begleiter, der regelmäßig Tipps gibt. Und da man sich vorrangig in einem Bezirk bewegt, muss man nicht andauernd die kompletten über zweihundertfünfzig Seiten durchblättern, sondern bleibt in der „Umgebung“.

Neben den offensichtlichen Highlights, die natürlich nicht in einem Buch über Wien fehlen dürfen – Naschmarkt und Donauinsel – sind auch kleinere, vielleicht nicht so bekannte Anlaufpunkte vermerkt. Heißhungerbefriediger im 12 Munchies, Cineastische Hochgenüsse im Votivkino oder was auf die Ohren in Teuchtlers Plattenladen im Sechsten. Drei Orte, die nur in wenigen Reisebänden stehen, und doch das komplette, wahre Wien zeigen.

Wer Wien besucht, nur um behaupten zu können auch hier einmal gewesen zu sein, braucht dieses Buch nicht, der braucht überhaupt kein Reisebuch. Wer Wien jedoch als Höhepunkt seiner Reisen erleben will, kommt an diesem Buch nicht vorbei. Wohlfühlen in einer der schönsten Städte der Welt mit einem der befriedigendsten Bücher über die Stadt wird man voller Eindrücke wieder an den heimischen Herd zurückkehren und sich schwören, dass man beim nächsten Mal wieder mit diesem Buch Wien aufs Neue erkunden wird.

Reise in die Schweiz – Kulturkompass fürs Handgepäck

Reise in die Schweiz - Kulturkompass fürs Handgepäck

Die Schweiz ist ein kleines Land, klein an Fläche. Die Schweiz ist ein reiches Land, reich an sehenswerten Orten. Schwer sich da zu recht zu finden. Klar, dass ein Reiseband da nottut. Aber was ist mit den Dingen, die die Schweiz ausmachen? Kultur, Verhaltensregeln, Sehnsüchten? Wer die Schweiz besucht, denkt gar nicht so weit, dass es wegen der Nähe – vor allem sprachlich – doch gewaltige Unterschiede zu unseren Gefilden gibt. Wenn es doch nur ein Buch geben würde, das dem Besucher erlaubt die Schweiz einmal fernab von „Da müssen Sie hin, das muss man gesehen haben“ näherbringt. Gibt es doch! Und jeder kann ihn haben! Den Kulturkompass fürs Handgepäck für eine Reise in die Schweiz.

Und gleich zu Beginn eine Überraschung. Susann Sitzler behauptet (und kann es auch belegen), dass die Schweizer raus wollen aus ihrer Schweiz. Aber auch Heimweh haben, teils sogar daran kränkeln. Ein Widerspruch?! Zum Einen verengen die Berge die Sicht, zum Anderen geben sie auch Sicherheit und Geborgenheit. Die Schweizer sind mobil. Viele machen sich bevorzugt am Wochenende auf, um mit dem Töff das Land zu erkunden. Das Töff ist übrigens das Motorrad, kein abschätziges Wort, sondern ernstgemeinter Begriff.

Und so rollt man dann gemütlich durch die Schweiz. Über Berge und Täler, durch Dörfer. Und gelangt vielleicht sogar in einen Musikwettstreit. So wie Friedrich Glauser im Buch. Oder wird Zeuge von typisch schweizerischen Sportarten wie Schwingen und Hornussen, bei dem es um Herunterholen, Abtun oder Ablöschen geht.

Eine weitere Schweizer Tradition ist das Käsemachen. Doch Käse ist nicht gleich Käse. Kenner bemerken den Unterschied zwischen Alp- und Talkäse, und Jeremias Gotthelf gibt einen kleinen Einblick in die Naturgeschichte der Käsereien.

Die Schweiz ist mehr als eine bergige Binnenenklave mit Kreuz, Schoggi und Kuhglocken. Obwohl man sich hier gern dieser Klischees bedient, um dem Gast alles so angenehm wie möglich zu gestalten. Namhafte Autoren wie zum Beispiel Friedrich Glauser und Friedrich Dürrenmatt vermitteln dem Schweizunkundigen und Schweizneugierigen einen umfassenden Überblick über das, was die Schweiz ausmacht. Als Tourist fühlt man sich mit diesem Buch weniger als Selbiger. Pflichtlektüre vor der Reise, Stichwortgeber währenddessen und Memoirenbewahrer zu jeder Zeit.