Ein Stern, der in dein Fenster schaut

Die Sonne scheint überall, und zu jeder Tageszeit. Auch wenn manche das nicht wahrhaben wollen. Doch was wissen wir schon über „Die da“? wie bringen sie ihre Kinder zu Bett? Welche Gute-Nacht-Geschichten werden Kindern in Afghanistan, Syrien, Burkina Faso oder dem Irak erzählt, damit sie am nächsten Tag trotz aller Qualen ausgeschlafen ihr Kinderleben leben können?

„Ein Stern, der in dein Fenster schaut“ vereint Geschichten aus eben diesen Ländern in einem Buch, und zwar auf Deutsch und der entsprechenden Landessprache, und vor allem deren Buchstaben. Das viel gescholtene und fast schon abgedroschene Wort von der Integration wird hier umgesetzt.

Schnell stellt man fest, dass die Bettappetizer sich nicht viel von denen unterscheiden, die einem einst von der Oma vorgelesen wurden. Zwei Freunde, die trotz eines heftigen Streites in der Not füreinander da sind. Geschwister, die sich gegenseitig die Angst vor der dunklen Nacht nehmen. Kinder, die nur Unfug im Sinn haben und ihren Eltern Sorgenfalten auf die Stirn zaubern.

Das Besondere an diesem Buch ist die sprachliche Vielfalt und die Hingabe, mit der jede einzelne Geschichte illustriert ist. Wenn Menschen ihre Heimat verlassen müssen, weil wirtschaftliche Interessen (und nur darum geht es weltweit, egal wie man es nun nennt) schwere wiegen als das Wohl einzelner oder einer Gemeinschaft, hinterlässt das Spuren. Kinder sind dafür besonders empfänglich. Und sie leiden mehr als andere, können aber ihren Kummer nicht artikulieren. Umso erhabener ist der Moment vor dem Schlafengehen, wenn ein bisschen Vertrautes wenigstens am Ende des Tages vorhanden ist. Und so ist dieses Buch auch zu verstehen. Nicht jeder von uns spricht aramäisch, geschweige denn, dass er es lesen kann. Wohl aber viele Englisch oder Französisch. Und warum nicht einmal eine Gute-Nacht-Geschichte mit den Worten eines Anderen (vor)lesen?

Thomas Max Pfeifer ist es zu verdanken, dass diese Geschichten aus fernen Ländern nicht in Vergessenheit geraten. Zusammen mit den zahlreichen Übersetzern und Illustratoren hat er ein Buch zusammengestellt, dass Groß und Klein, fernab von Herkunftsdenken und abseits jeglicher Vorurteile zusammen im Lesesessel vereinen wird.

Kiki die Mäusedame

„Ih, eine Maus, mach sie weg“, so reagiert wohl so mancher hysterische Mieter, wenn eine Maus seinen Weg kreuzt. In der Fliederstraße 15 in Stockholm, bei den Gulbranssons ist das ein bisschen anders. Arne, der Sohn der Gulbranssons ist der Grund, warum Kiki hier lebt und nicht bei Onkel Björk. Der wohnt nämlich in einem Supermarkt. Dort ist zwar der Tisch immer gedeckt, aber es ist eben auch sehr laut und hektisch.

Kiki, die eigentlich Kinuski Kielo Lundgren heißt, ist eine Dame ersten Ranges. Die schönen Dinge des Lebens haben es ihr angetan – allein schon das Bild, auf dem Kiki (mit Schleife im Haar) zufrieden grinsend mit einer Tasse in ihrem Bettchen verstohlen in die Luft schaut, zeigt die ganze Eleganz der Maus und das Können der Illustratorin Marion Schickert. Zum Piepen!

Das Leben könnte so schön sein, wenn das nicht das dicke Katervieh Percy wäre. Zum Glück ist er ein fauler Kater. Dick und rund, und unbeschreiblich bequem. Und berechenbar. Pünktlich um acht Uhr morgens und um sechs Uhr abends trabt er zum Futtertrog.

Mit Freja, ihrer besten Freundin, ist es ein besonderes Vergnügen die Sonnenstrahlen unterm Brombeerbusch zu genießen. Dort sehen sie auch wie Arne von zwei Größeren drangsaliert und ihm sein Fernrohr, das er gerade erst von Onkel Peer geschenkt bekommen hat, weggenommen wird. So eine Frechheit. Das muss man einschreiten. Doch Kiki und Freja sind zu klein. Doch nicht im Kopf… Kiki und die anderen Mäuse fassen einen Entschluss. Sie wollen Arne helfen. Man muss es eben nicht nur hier haben, sondern auch hier. Jeder muss sich nun die entsprechenden Gesten dazu selbst ausdenken…

Das Buch entstand in Zusammenarbeit mit Vier Pfoten – Stiftung für Tierschutz. Im hinteren Teil des Buches wird es so richtig melodiös. Autor Olaf Krätke hat eigens für dieses Buch ein Lied komponiert, das inkl. Noten hier abgedruckt ist. Und ganz am Endes des ersten Abenteuers von Kiki – JA! – es wird weitergehen – ist eine CD mit zwei Liedern beigelegt.

Dieses Haus ist nicht zu verkaufen

Um es gleich vorweg zu nehmen, in diesem Roman geht es nicht um dunkle Machenschaften, Geldschiebereien und / oder Immobiliengeschäfte. Dieses Haus ist das vom Großvater. Ein geachteter Mann. Wahrlich kein reicher Mann, wenn man den Kontoauszug zugrunde legt. Doch reicher als die meisten, wenn man deren Kontoauszüge zugrunde legt.

Sein offenes Herz ist der wahre Wert des Großvaters und des Hauses. Hier trifft sich so ziemlich alles, was laufen kann. Gefallene Mädchen, kleine Gauner, Seelendiebe und andere Gestalten, die das Dorfleben in dem namenlosen nigerianischen Ort mit selbigem erfüllen. Eine Sinfonie in Dur und Moll über die gesamte Bandbreite der Notenblätter: Improvisierter Jazz, strukturierte Klassik, ein bisschen Rock, aber vor allem ganz viel Soul.

E.C. Osondu gibt in seinem Erstlingswerk „Dieses Haus ist nicht zu verkaufen“ einen liebevollen, unverstellten Einblick in das echte Leben des schwarzen Kontinents. Kein blauäugiges Abenteuer, das im Desaster endet. Vielmehr wird dem Leser ein Nigeria beschrieben, das so niemals in den Nachrichten und Magazinen vorkommen wird. Dafür sind die Probleme des Landes zu gravierend, Ölleitungen, die leckgeschlagen werden, entführte Mädchengruppen, Korruption und Gewalt.

All das lässt Osondu nicht außen vor, macht es aber auch nicht zum Dreh- und Angelpunkt seiner kurzen Abrisse der Dorfgemeinschaft. Die Gratwanderung zwischen Kritik und originärer Abbildung gelingt ihm mit Leichtigkeit, ohne Wesentliches auszulassen.

Wer Afrika bereist, stellt schnell fest, dass es ganz anders ist als in den Romanen, die man ach so gern verschlungen hat. Nur wenigen afrikanischen Autoren gelingt es ihren Kontinent, ihr Land, ihre Region so erlebbar darzustellen. E.C. Osondu gehört mit seinen Geschichten – und nun auch mit seinem ersten Roman – sicher zu den schillerndsten Sternen über den Landstrichen des schwarzen Kontinents. Mit jeder Zeile merkt man ihm seine Liebe zu jeder der einzelnen Figuren an, die in Großvaters Haus ein offenes Ohr, etwas zu essen oder einfach nur ein Dach überm Kopf finden. Ohne Gegenleistungen zu verlangen lässt er sie sein, was sie sind: Menschen. Sie haben alle ihre Macken. So wieder jeder andere auch. Religiöse Rituale, die uns fremd sind, Essgewohnheiten, die Einstellung zum Leben und Wert von Tieren und und und …

Dieses Buch lädt jeden ein mit den Bewohnern zu lachen, mit ihnen zu weinen, mit ihnen am Tisch zu sitzen, die alltägliche Arbeit zu verrichten, aber vor allem an ihrem Leben teilzuhaben. Die Schlichtheit der Sprache fasziniert immer wieder. Eine andere Art der Übersetzung würde das Buch zerstören. So ein Haus zu besitzen, ist der größte Schatz, den man finden kann. Zum Anfang reicht aber dieses Buch vollkommen aus.

Das alte Böse

Wie nähert man sich einem Roman, der „Das alte Böse“ heißt? Mit Humor? Die alte Böse, muss es heißen, und die ist tot. Oder doch mit freudiger Erwartung? So wie Brian, der im Internet Estelle kennengelernt hat. Die lässt sich von ihrem Enkel Stephen zum Rendezvous chauffieren. Enkel? Internet-Dating-Portal? Moment, wie alt sind die beiden denn? Sagen wir es so: Sie sind in der Mitte zwischen einer dreistelligen Altersangabe und dem Renteneintrittsalter. Und sie heißen eigentlich Betty und Roy. Und sie sind alt. Und einer von beiden (oder doch beide?) ist böse!

Schnell macht Autor Nicholas Searle klar, wer hier Dreck am Stecken hat: Brian aka Roy. Und zwar richtig viel Dreck. So viel, dass er schon gar nicht mehr zu entfernen ist. Der Dreck.

Enkel Stephen steht der Liaison der beiden skeptisch gegenüber. Auch und gerade, weil sie doch ziemlich schnell auch räumlich zueinander finden. Roy zieht bei Betty ein. Roy bemerkt die unterschwellige Feindseligkeit Stephens mit jedem Wort, das die beiden wechseln. Doch sowohl Roy als auch Stephen halten mit ihren wahren Gefühlen dem anderen gegenüber hinterm Berg.

Betty ist die mit dem Geld in der Beziehung, Roy hat zwar auch was zurückgelegt, ist aber bei Weitem nicht so vermögend wie Betty. Er kommt allerdings permanent an sein Geld ran, während sie es fest angelegt hat. Und Stephen? Der ist mit seiner Forschung genug beschäftigt. Er ist Historiker und mit den Gedanken immer ein paar Jahrhunderte zurück.

In nicht ganz vollendeten Rückblenden offenbart Nicholas Searle dem Leser die nicht ganz einwandfreie des windigen Roys. Schnelles Geld mit zwielichtigen Leuten, doch immer vorsichtig, dass ihm niemand auf die Schliche kommt. So ist Roy, so war er. Roy scheint geläutert. Hat mit seiner Vergangenheit abgeschlossen. Vereinzelte Kontakte mit der alten Gang sind der klägliche Rest mit dem vergangenen Roy. Vincent ist derjenige, den Roy immer noch regelmäßig trifft. Er ist sein „Finanzberater“, einer der auch Betty Finanzen zur Vermehrung antreiben kann.

Und Betty? Betty ist die Liebenswürdigkeit in Person. Harmlos. Freundlich. Generös. Wird sie am Ende von Roy nur ausgenutzt? Setzt er sich ins gemachte Nest der distinguierten freundlichen alten Dame? Oder will er nur an ihr Geld? Mittlerweile ist Roy dem Leser immer unsympathischer geworden. Betrug und Verrat sind noch die am wenigsten unanständigen Dinge, die er auf dem Kerbholz hat. Auf der anderen Seite (eigentlich ist es ja die gleiche Seite – schließlich dreht sich bei Roy immer alles nur um Roy) ist er ein echter Glückspilz. Sein ganzes Leben lang ist er lediglich mit ein paar Blessuren davon gekommen. Doch sein Leben ist noch nicht zu Ende.

Nicholas Searle lässt den Leser bis zum Schluss zappeln. Kapitel für Kapitel versucht man das Rätsel um Roy und um seine Beziehung zu Betty zu ergründen. Die Auflösung verbirgt sich hinter dichten Nebelschwaden. Und wenn sie zutage tritt, ist man mehr als überrascht. Grandioses Finale furioso!

Royal Mary – Ein Mord in Tiflis

Und da sagt einer noch, dass Zeitreisen unmöglich seien. Abo Iaschaghaschwili sieht das anders. Und jeder, der „Royal Mary“ gelesen hat, auch. Tiflis, im Frühjahr 1889. Der Schah kommt aus Persien zu Besuch. Ihm will man ein besonderes Geschenk machen, ein Rennpferd. Namens Royal Mary. Und plötzlich ist das Vieh verschwunden und Stadtgespräch Nummer Eins. In der Straßenbahn, die zu dieser Zeit noch eine Pferdebahn ist, also von mindestens einem Gaul gezogen wird, zerreißt man sich das Maul darüber. Bis anderes wie ein Diebstahl interessanter wird…

Fieberhaft wird nach dem Tier gesucht. Gefunden wird eine Leiche. Die von Apollon Chrisantidis. Er war der Stallbursche des edlen Gauls. Das Messer wurde ihm in den Rumpf gerammt.

Für Georgien-Neulinge ist die Geschichte fast schon zweitrangig. Autor Abo Iaschaghaschwili – den Namen muss man sich mehrmals durchlesen und merken, er erhielt für seinen Roman „Royal Mary“ 2015 den SABA, den wichtigsten Literaturpreis Georgiens – zeichnet darin ein romantisches Bild der Hauptstadt Georgiens. Eines Georgiens, das so nicht mehr existiert. Jedoch immer noch Reste dessen, was hier beschrieben wird, in sich trägt. Ein Hauch von Paris, gemischt mit dem wilden Treiben in den Basaren des Orients, gewiefte Taktiker aus alter und neuer Welt vermitteln das Anrüchige Spionagegeflecht wie man es aus Istanbul oder Marokko kennt. Kaffeehausplaudereien sind niemals nur bloßes Gerede – hier wird Politik im Kleinen wie im Großen gemacht.

Abo Iaschaghaschwili gelingt eine Melange – im Buch wundern sich noch einige über dieses Wort – aus modernem Krimi vor der Leinwand der Wirtschaftsspionage des ausgehenden 19. Jahrhunderts und fast schon mystischer Romantik des Kaukasus.

„Ein Mord in Tiflis“ lautet der Untertitel. Doch „Royal Mary“ ist eben mehr als nur schnödes Abgemurkse. Als Leser möchte man den Roman sofort beiseitelegen und die Koffer packen, um schnellstmöglich vor Ort nachzuschauen, ob denn nicht der Eine oder Andere aus dem Buch hier noch sein Unwesen treibt. Ein Appetitmacher auf mehr!

Chirú

Eine Frau und ein Mann. Treffen sich. Eine Beziehung entwickelt sich. Eine Beziehung, die nicht sein darf. Denn sie ist mehr als doppelt so alt wie er. Netter Plot, aber nicht besonders originell. Wie wär’s damit?! Michela Murgia schreibt die Geschichte der achtunddreißigjährigen Eleonora, die auf Empfehlung den achtzehnjährigen Chirú unter ihre Fittiche nehmen soll.

Sie zweifelt. Was kann sie ihm beibringen? Ihm, dem jungen Schlacks mit den zu langen Armen, mit dem kindlichen Habitus, der ihr anfangs immer wieder das Gefühl vermittelt eine Art Trophäe zu sein. Klingt doch schon viel besser! Ist es auch!

Chirú steht also vor ihr, den Geigenkasten unterm Arm, ungelenk und schüchtern. Aber mutig genug der ersten Ablehnung nicht gleich resignierend nachzugeben. Hopfen und Malz scheinen doch noch nicht endgültig verloren zu sein. Und da ihr die Argumente fehlen ihm komplett die Zuneigung zu versagen, gibt sie sich einen Ruck und macht ihn zu ihrem Adlatus. Im gleichen Atemzug stellt sie sich jedoch weiterhin die Frage, was sie ihm eigentlich beibringen soll. Soll er sie begleiten auf der Bühne? Das Gesamtbild würde nicht mehr passen. Ach, was soll sie nur machen. Einen Versuch ist es aber wenigstens wert.

Chirú ist im siebten Himmel. Doch sein Wesen steht ihm im Weg dieser Freude den nötigen Ausdruck zu verleihen. Warum wurde er von der erfahrenen Lehrerin angenommen? Ist alles nur ein Zufall, ist es Schicksal, steckt mehr dahinter? Einen Versuch ist es wenigstens wert!

Und schließlich verstehen sich Eleanora und Chirú auf Anhieb. Kein Grund zum Zweifeln. Sie lehrt, er lernt. Nicht ganz: Dieses Verhältnis bleibt ungeklärt, für den Leser, für die beiden und vielleicht auch für die Autorin. Immer mehr entfernt sich Michela von der Vorstellung als Fachangestellte dem jungen Mitarbeiter Wissen einzupflanzen. Sie sieht sich als Wegbereiterin und Wegbegleiterin des jungen Chirú, der dann auch schon zögerlich ihre Hand ergreifen und sie in der Öffentlichkeit umarmen darf. Verwirrung? Ja, aber nur kurz. Denn mittlerweile sind die beiden unzertrennlich. Nicht wie ein Liebespaar im herkömmlichen Sinne, sondern wie zwei Vertraute, die zusammen einander guttun.

Mit scheinbarer Leichtigkeit zerreißt Michela Murgia die Klischees von Jung und Alt, die in den Köpfen der Starrsinnigen verankert sind. Wer erteilt wem eine Lektion steht hier keineswegs zur Debatte. Auch nicht, ob es dem jungen Mann gelingen wird die Dame seines Herzens „zu knacken“. In Murgias Geschichte geht es um mehr als Machtspielchen gegenüber dem Anderen. Sie sieht im Mit- und Nebeneinander der beiden die wahre Bedeutung der Liebe. Der unbewussten wie der bewussten, mit all ihren Aufs und Abs, die weder Sieger noch Besiegte kennt.

Mein Herz schlägt für Dänemark – Band I – Dänemark für Einsteiger

Mehr als nur ein Auftakt zu einer Trilogie der Erholung. Genauso wie Dänemark mehr ist als Olsenbande, Meerjungfrau und Korn. Kathrin von Maltzahn ist das, was man unter einem eingefleischten Dänemarkfan versteht. Seit vierzig Jahren ist in unserem nördlichen Nachbarn immer wieder unterwegs undentdeckt dabei tatsächlich immer noch Neues und Wissenswertes.

Hier wurde der Ferienhausurlaub erfunden! Dänemark und die „eigenen vier Wände zur Selbstverwirklichung“ sind oft Ein und Dasselbe. Praktische Tipps für den Ferienhaus-Urlaub in Dänemark mit Ausflugszielen, alles übers Wetter und Urlaub mit dem Hund sowie ein Einkaufsberater verspricht der Untertitel.

Zuerst fallen die gleichmäßig gestalteten Kapitel auf: Eindrucksvolle Bilder, Orientierungshilfen an den Seitenrändern, farbig unterlegte Tipps, leicht verständliche Grafiken. Alles drin, was man so braucht, um sich im Land der durchgestrichenen Os zurechtzufinden. Und zwischendrin immer wieder QR-Codes, die nach dem Abscannen komplette Urlaubsanleitungen zutage befördern. Das Land mag klein sein, der Erlebnisreichtum hingegen ist unermässlich. Selbst ein Profi wie die Autorin kann nicht alles in einem Buch unterbringen. Zumindest so lange nicht, bis jeder Urlauber es als selbstverständlich empfindet einen mehrere Kilogramm schweren Reiseband rund um die Uhr mit sich herumzutragen…

Von den Nordseeorten Fjand oder Bork Havn zur Ostsee in Hou oder Hejls über die Inseln Rømø, Lolland oder auch Falster begleitet Kathrin von Maltzahn den Leser und baldigen Dänemarkgast, um ihm Land und Leute näher zu bringen. Nicht ohne dabei immer ihren selbstgefundenen Tipp mit auf den Weg zu geben. Und so ganz nebenbei lernt man auch gleich noch ein paar Brocken dänisch. Machen Sie es sich „hyggelig“ und blättern ein wenig in Band Eins „Mein Herz schlägt für Dänemark – Band I – Dänemark für Einsteiger“ herum. Der Appetit kommt beim Lesen.

Mein Herz schlägt für Dänemark – Band II – Dänemark für Kenner

Es wäre ein Frevel zu behaupten, dass man als Leser von „Mein Herz schlägt für Dänemark – Band II – Dänemark für Einsteiger“ nicht mehr nach Dänemark fahren müsste. Man weiß ja eh schon alles. Danke Kathrin von Maltzahn. Nee, nee … hinfahren muss man schon noch. Vor allem, weil die Autorin noch viel mehr zu berichten weiß. Dafür verleiht sie dem Leser das Prädikat „Kenner“. Band II ihrer Dänemark-Trilogie – um Missverständnissen vorzubeugen: Nein, es handelt sich nicht um eine typisch skandinavische Krimireihe – überrascht mit der Tatsache, dass es doch noch Flecken in Dänemark gibt, die sie bisher im Verborgenen hielt.

Jütland, Seeland und die Inseln Ǽrø, Langeland, Fejø und noch einmal Lolland geben sich die Ehre ihre Schätze vor dem geneigten Besucher zu präsentieren.

Vorhang auf für die Tipps und Tricks für den perfekten Aufenthalt in Dänemark. Es muss nicht immer alles Schnell-schnell gehen: Ist die Fähre von Kragenæs nach Fejø mal zu voll – dass Dänemark eine Reise wert ist, wissen nun mal eben ein mehr Leute als einem manchmal lieb ist – setzt man sich in die kleine Grillbar und genießt man die Aussicht bis die nächste Fähre … ach da ist sie ja schon … eintrifft. Wer mit Kathrin von Maltzahn reist, in ihren Büchern stöbert, vergisst die Zeit, legt den Alltagsstress ad acta und genießt die schönste Zeit des Jahres mit dänischer Gelassenheit.

Zum Beispiel in Ebeltoft. Apfelfest und wilde Tiere heißt es in der Kapitelüberschrift. Von der Aarhus-Bucht bis Grenå gelangt man von hier aus zur Halbinsel Djursland. Im malerischen Følle fällt man aus seinem Ferienhäuschen direkt in den weißen Sandstrand. Gerade richtig, um den Tag gemütlich-genüsslich anzugehen. Vielleicht mit einem Picknick? Oder einem Spaziergang? Das ist jedem selbst überlassen. Die Autorin gibt hier lediglich Hilfestellung. Jeder Satz ein Ausflugstipp, der keine Wünsche offenlässt.

Hier kann man es sich gutgehen lassen und den Urlaub genießen. Doch halt! Zum Stichwort Genießen hat Kathrin von Maltzahn noch etwas im petto. Band III.

Mein Herz schlägt für Dänemark – Band III – Dänemark für Genießer

So genug eingestiegen, genug kennengelernt – jetzt wird genossen! Genießerferien auf  Samsø, Læso oder Bornholm und Insidertipps für Kopenhagen, Aalborg und Aarhus. So steht’s geschrieben – so wird’s gemacht! Ja, mittlerweile folgt man Kathrin von Maltzahn auf Schritt und Tritt. Sie kennt die ausgetretenen Pfade, weiß wie man sie umgeht und führt den Leser, der nun sicher schon vor Ort war (zumindest bald in Dänemark seinen Urlaub verbringen wird), sicher ans Ziel seiner Sehnsüchte.

Selbst ein so profanes Unternehmen wie eine Stadtrundfahrt, die gern von temporären Gästen mit unstillbarem Besichtigungshunger bevorzugt wird, kann ihren Reiz haben. Einfach aufspringen, wenn der Bus kommt, und ihn wieder verlassen, wenn’s spannend wird. Und wann dies genau der Fall ist, steht in diesem Buch!

Oft entsteht die Zuneigung zu einem Land, wenn man die Hauptstadt oder eine andere Metropole besucht. Schritt für Schritt erobert man die Stadt, ihre Straßen und Plätze, Bars, Cafés, Gebäude, Parks und bekommt Appetit auf Mehr. Sobald man das Umland erkundet hat, ist es nur ein kleiner Schritt den Rest des Landes für sich erschließen zu wollen.

Kathrin von Maltzahn geht den umgekehrten Weg. In ihrer dreiteiligen Liebeserklärung an Dänemark macht sie das, was Millionen schon vor ihr getan haben. Dänemark individuell vom Meer (im kleinen Ferienhaus am Strand) erkunden und hier das Basislager aufzuschlagen. Vom Einsteiger entwickelt man sich kontinuierlich zu Kenner, um nun ganz logisch zum Genießer aufzusteigen.

Eine Stadt wie Kopenhagen nimmt man nicht einfach mal so mit. Die Hauptstadt mit royalen Bewohnern verdient es genauer unter die Lupe genommen zu werden. Egal wie prall der Geldbeutel gefüllt ist, auch in Band III kommt jeder auf seine Kosten. Und was gibt es Schöneres als am Wasser zu stehen und die Stadtansicht mit einem leckeren Eis in der Hand zu genießen. Blöd, wenn man jetzt nicht weiß, wo der nächste Eisstand ist, und von wo man den besten Blick hat. Wer die ersten beiden Bände schon verinnerlicht hat, weiß wen er zu fragen hat. Na klar, die Autorin selbst.

Aarhus drängt sich immer mehr in den Vordergrund und aus dem Schatten des übermächtigen Kopenhagen. Den lille storby – die kleine Großstadt – wird Aarhus auch genannt. Nicht so überlaufen wie mancher Platz in der Hauptstadt bietet Aarhus die perfekte Mischung aus Großstadt und idyllischen Orten, die man hier vielleicht nicht auf Anhieb erwartet. Ein prall gefülltes Programm erwartet den Leser / Gast in Aarhus und im Buch.

Drei Bücher, die Lust machen Dänemark noch einmal oder immer wieder neu zu entdecken. Die Mischung aus Bekanntem und Neuem macht es immer spannend die Seiten durchzublättern, vor dem Urlaub, mittendrin oder auch im Nachgang, um sich das Erlebte noch einmal zurückzuholen. Kathrin von Maltzahn wurde schon früh vom Dänemark-Virus infiziert. Ihre drei Reisebände beweisen eindrucksvoll, dass Reisen bildet und diese Lust ansteckend ist. Wer nach Dänemark reist, sollte nicht versäumen in diesen drei Bänden zu schmökern.

Zeitfieber

Höchste Zeit, dass mal jemand ein Buch darüber verfasst. Und nachdem Simon Garfield sich mit Briefen und Karten auseinander gesetzt hat, nimmt er sich nun dem umfangreichen Thema Zeit an. Ja, Zeit … ähm, was kann man dazu schon groß sagen? Habe ich oder habe ich nicht! Bin ich in Eile oder lass den Tag so an mir vorüberziehen. Jaaa, der Ansatz ist nicht schlecht. Doch Simon Garfield wäre mit seiner Sicht der Dinge der Liebling aller Journalistikdozenten auf der ganzen Welt. Eine Überraschung jagt die Andere! Versprochen!

Simon Garfield fängt mit einem Unfall an. Als er mit seinem Sohn vom Saisoneröffnungsspiel von Chelsea gegen Leicester (vor der fulminanten Meisterschaft der Foxes) mit seinem Sohn nach Hause radelt, stößt er mit einer Passantin zusammen. Und was hat das mit Zeit zu tun? Muss er sehr lange auf die Ambulanz warten? Vor seinem geistigen Auge läuft der Unfall noch einmal in Zeitlupe (!) ab. Das war der Ursprung dieses Buches.

Von nun an sprintet der Autor durch die Geschichte, hangelt sich von Fakt zu Fakt, von Anekdote zu Anekdote. Er erzählt von rasanten Zugfahrten und Fahrplänen, die von nun an unser Leben bestimmen. Und kramt so manch wunderliches Ding aus der Klamottenkiste. Wer weiß schon noch, dass die Französische Revolution fast mehr Einfluss auf unser Leben gehabt hätte als sie es ohnehin schon hat? Ganz eifrige Köpfe wollten den Tag in zehn Stunden unterteilen. Die ersten Uhren wurden schon in Auftrag gegeben. Diesen Gedanken muss man erst mal auf sich wirken lassen …

Und weiter geht’s. Beethoven – Musik – LPs – CDs. Eine logische Kette. Beethovens Neunte ist je nach Laune des Dirigenten so um die vierundsiebzig Minuten lang. Passt also genau auf eine … CD. Und das nur, weil der Sony-Chef, der die Entwicklung der CD vorantrieb, dieses Stück so liebte. Eine LP konnte pro Seite nur 22 Minuten fassen. Im Radio haben die meisten gespielten Lieder eine Länge von drei Minuten, maximal dreidreißig. Radio Edit nennt man das dann. Und viele Nachrichtenchefs sind immer noch der Meinung, dass Nachrichten im Radio nach Einsdreißig beendet sein müssen. Mehr verkrafte der Hörer nicht.

Die Zeit, sie rennt, und sie bestimmt unseren Alltag. Stimmt nur fast. Denn wir selbst halten uns an den Messgeräten fest als ob es um unser Leben ging – das ja bekanntlich auch endlich (und vor allem messbar) ist. Die Zeit kann stillstehen – symbolisch und auch nur für einen Moment. Ein Schnappschuss kann ein Zeitzeugnis sein. Aus Gründen der Zeitersparnis werden SMS und Twitter-Nachrichten mit Abkürzungen verfasst. Bei der Arbeit werden exakt die Ankunftszeit und das Arbeitsende festgehalten. Zeitlose Mode ist eine Erfindung der Macher. Ach man könnte so viel über die Zeit schreiben, um selbige sinnvoll zu nutzen. Simon Garfield hat dies getan. Die Zeit vergeht wie im Fluge, mit einem Lächeln oder einem Staunen im Gesicht liest man die über dreihundert Seiten. Immer wieder stockt man, runzelt die Stirn, blättert noch einmal zurück, will dass das Buch nie endet.