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Die Krinoline bleibt in Kairo

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Mary Shelley tat es. Lady Stanhope tat es. Frances Calderón de la Barca tat es. Sie reisten. An und für sich nichts Ungewöhnliches. Doch im 17., 18.  und 19. Jahrhundert und dazu noch allein – naja, also ohne männliches Leittier trifft es wohl besser – eine Sensation. Sie taten es, weil sie Lust darauf hatten. Sie sind die Heldinnen dieses Buches. Barbara Hodgson zeichnet ihre Wege nach, legte die Besonderheiten ihrer Reisen dar und würdigt ihr mutiges Tun.

Sie gliedert ihr Buch nicht nach den ReisendInnen. Die Biografien stehen nicht im Zentrum der Ausführungen. Vielmehr sind die Reisen und die Bericht darüber Bestandteil des Buches. So kann man heute kaum noch reisen. Auf einem Kamel quer durch die Wüste. Bei Ankunft wildes Geschrei. Erhabenes Staunen als eine Frau als Reiseanführerin zu erkennen ist. Heute ist das normal. So haben die Frauen in diesem Buch echte Pionierarbeit geleistet. Sie ließen sich nicht verbiegen. Sie setzten oft gegen viele Widerstände ihren Kopf durch.

Zurückgeblieben sind ihre Erinnerungen. Niedergeschrieben in Magazinen wie Quarterly Review. Wieder entdeckt von Barbara Hodgson. Stilsicher, mit Anekdoten verziert, durch zahlreiche Abbildungen beeindruckend – dieses Buch bestätigt, dass Fernweh eine heilbare Krankheit ist.

Der Titel „Die Krinoline bleibt in Kairo“ bezieht sich – nicht wie man vermuten mag auf eine Frau namens Krinoline, die sich gefälligst in der Obhut ihrer Familie aufhalten sollte, sondern – auf den in dieser Zeit verbreiteten Reifrock. Ein äußerst unpraktisches Utensil, das beim Reiten störte, in dem sich der Wüstensand verfing, und überhaupt so gar nicht ins Bild der reisenden Frau von Damals passte.

Alle in diesem Buch erwähnten Frauen verdienen Respekt, weil sie sich Konventionen widersetzten. Denn in ihren Heimatländern, und auch denen der Länder, die sie erkundeten. Viele Männer hatten zuvor noch nie eine unverhüllte Frau in der Öffentlichkeit gesehen. Und wieder die Parallelen zur Gegenwart. Es hat sich Vieles verändert seit Lady Elizabeth Craven reiste. Doch bei Weitem nicht alles.

Frauen hatten es nie leicht sich in so genannten Männerdomänen durchzusetzen. Das ist auch heute noch oft so. Wer es aber einmal schafft, der kann sich der Anerkennung aller sicher sein.

Flussperlmuschel

Flussperlmuschel

Die Flussperlmuschel ist selten, sehr selten. In Rehau in Oberfranken ist eines der letzten Reviere, in dem sie sich wohlfühlt und wachsen kann. Genauer in der Schwesnitz. Die Schwesnitz durchzieht die Stadt. Und in ihrem Wasser liegt eine Leiche. Kommissar Wunderlichs Nase trügt nicht: Da kommt noch was nach!

Die Leiche wird in dem Moment identifiziert, in dem Wunderlich ein Alibi überprüfen will. Und siehe da: Der Verdächtige hatte mit der Frau des Getöteten eine Affäre. Und der Tatort ist das Grundstück des Verdächtigen Uli Wolk, seines Zeichens Stadtrat. Pikant, pikant. Denn Kommissar Wunderlich hat einen „Partner“: Bürgermeister Angermann. Die beiden kennen sich seit Schulzeiten, und Angermann ist ein kleiner Hobbydetektiv.

Wunderlich kennt Uli Wolk – so wie man sich in einer Kleinstadt halt kennt. Es ist ihm unangenehm ihn zu vernehmen, zumal Wolk beim ersten Zusammentreffen der beiden – erfolglos – geflüchtet war. Wolk dachte, dass der Kommissar ihn wegen seiner – unter Bayerns Politikern fast schon als traditionell zu bezeichnenden – Alkoholfahrt befragen wollte.

In der Naturschutzbehörde herrscht derweil helle Aufregung. Gerade eben hatte man stolz der Presse verkündet, dass sich der Bestand der äußerst seltenen Flussperlmuschel allmählich erholt hat und die Bestände steigen. Ein sehr engagierter Mitarbeiter nimmt sich die Zahlen noch einmal vor und macht eine ungeheuerliche Entdeckung: Die Kommas sind verrutscht. Der Bestand hat sich nicht nur ein wenig gebessert, er hat sich verzwölffacht. Und das kontinuierlich. In wenigen Jahren ist von der Schwesnitz nichts mehr übrig. Doch die Freude währt nur kurz. Denn die Bestände wurden im wahrsten Sinne des Wortes künstlich herbeigeführt.

Torsten von Wurlitz macht noch eine weitere Krimi-Baustelle auf. Ein ortsansässiger Windparkunternehmer und publicity-trächtiger Sponsor des örtlichen Fußballvereins präsentiert mit Hilfe eines arabischen Investors den neuen Spielerstar der Bayernliga, einen Nationalspieler Italiens. Kurz danach detoniert eine Bombe.

Torsten von Wurlitz heißt eigentlich Torsten Küneth, bei den Olympischen Spielen 2012 in London war er der erste Rehauer bei Olympia, als Tischtennis-Schiedsrichter. Der Untertitel „Kommissar Wunderlichs erster Fall“ lässt auf alle Fälle auf mehr Rätselraten in Rehau hoffen. Anfangs fühlt man sich als Leser wegen der vielen verschiedenen Ereignisse ein wenig überfordert. Doch nach und nach fügt ein Puzzleteil ins andere. Geschickt verwebt der Autor Verbindlichkeiten und Befindlichkeiten der handelnden Akteure. Ein gelungenes Stück Kriminologie im idyllischen Franken.

Die Prätorianer

Prätorianer

Nach den römischen Kaisern sind die Prätorianer wohl die bekanntesten Gestalten des römischen Reiches. Doch ihr Ruf war und ist alles andere als gut. So mancher Kaiser fiel ihren Schwertern zum Opfer, Caligula und Elagabal zum Beispiel. Dabei waren das nie konzertierte Aktionen der gesamten Prätorianerschaft. Vielmehr wurde ihr Einfluss und Kampfesstärke ausgenutzt.

Mit Kaiser Augustus begann der Siegeszug der Elitetruppe, mit Konstantin dem Großen erlosch ihr Ruhm. Über dreieinhalb Jahrhunderte waren sie die Kaisermacher, und –mörder. Obwohl die Zahl der von ihnen ermordeten Kaiser sich vergleichsweise gering ist.

Ritchie Pogorzelski greift in seinem umfangreich recherchierten Buch den Mythos auf und bewahrt ihn und entkräftet Vorurteile. Wer sich in jungen Jahren in filmischen Epen an der vor Kraft strotzenden Truppe in den prunkvollen Uniformen erfreuen konnte, dem sind die Prätorianer ein Begriff. Elitär waren sie. Vor ihnen musste man auf der Hut sein. Soweit das Klischee.

In erster Linie sollten sie – als Garde – ihrem Herren, dem Herrscher über Rom und seine Provinzen, dienen. Ihn beschützen. Und seine Familie, samt Palast. Ging der Kaiser auf Reisen, waren sie seine bewaffnete Entourage. Als Polizisten waren sie gefürchtet, als geheime Staatspolizei erhielten sie eine unglaubliche Macht.

Ritchie Pogorzelski hat dank antiker Schriften ihre Organisation entschlüsselt, zeigt die Hierarchien auf. Und wie es sich für eine Elitetruppe gehört hatten sie prächtige Uniformen, allerdings nicht im Kampf, sondern nur zu besonderen Anlässen wie bei Zeremonien. Oder für Feste. Oder in Friedenszeiten, für Paraden. Der Kleiderschrank muss ganz schön voll gewesen sein. Die Farbe der Tuniken zeigte den Rang eines Prätorianers an. Weiß war ganz weit vorn, bzw. oben.

Wer sich für Militärgeschichte interessiert, der wird die einzelne Ränge besonders spannend finden. Es ist immer wieder erstaunlich wie viel noch über das Römische Reiche im Allgemeinen, und über die Prätorianer im Speziellen zu erfahren ist. Man braucht nur das richtige Buch.

Und das hat Ritchie Pogorzelski nun vorgelegt. Weiße Flecken in der Geschichte der Prätorianer werden anschaulich mit druckschwarzem Wissen gefüllt. Ob nun Folterknechte oder Elitetruppe, die Frage lässt sich nicht abschließend beantworten. Je nach Perspektive. Keinen Zweifel gibt es in der Bewertung dieses Buches: Höchstpunktzahl!

Karten!

Karten!

Ein Leben ohne Karten – unvorstellbar! Große Entdeckungen ohne Karten – wir würden immer noch Angst davor haben über den Rand der Erde zu fallen.  Simon Garfield hat sich eines der bildstärksten und umfangreichsten Themen angenommen und die Geschichte der Karten unter die Lupe genommen.

Karten faszinieren, denn sie machen unerreichte Weiten greifbar und erlebbar. Die Karte einer Stadt, eines Landstriches, in dem man seinen Urlaub verbrachte, weckt erneut Erinnerungen. Sie führen einen sicher ans Ziel. Karten sind aber auch Kunstwerke.

Umfassend und gespickt mit Anekdoten führt Simon Garfield durch die jahrhundertealte Kunst des Kartenmachens. Doch auch der Humor kommt nicht zu kurz. Im Kapitel 16 heißt es: „J.M. Barrie kann keine Karten falten!“ Der Autor von Peter Pan machte es sich sehr einfach („die Zweite rechts, und dann immer weiter…“ Zusammen mit einer Zahnpastafirma kreierte er eine Karte Nimmerlands.

Wer verträumt über Karten hängt, reist in Gedanken in ferne Länder. Mit diesem Buch reist man ewig (immer hin sind über 500 Seiten kein Pappenstiel) in die entlegensten Orte der Welt. Die Geschichten, die Simon Garfield hier niedergeschrieben hat, sind amüsant, aufschlussreich und bieten einen Unterricht der besonderen Art.

Fernab von Google Maps ist dieses Buch aus der Tradition heraus geboren und bietet mehr als nur einen kurzen Einblick in die Geschichte des Reisens. Dieses Buch gehört in jeden Bücherschrank eines jeden, dem die eigenen vier Wände immer wieder Raum zum Träumen geben. Wer gern reist, hat sich mit Karten auseinandergesetzt. Simon Garfield beseitigt die letzten verbleibenden Fragezeichen durch dicke, fette Ahas, Ach-sos und Ausrufezeichen.

Spannend, unterhaltsam, prägend.

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Pocketquiz Hamburg

Pocketquiz Hamburg

Reisen ist nur so lange schön bis es langweilig wird. Stundenlange Fahrten auf der Autobahn, noch schlimmer, stundenlanges im-Stau-stehen. Da kann einem schon mal langweilig werden. Ein Spiel bringt da schnell Abwechslung und Entspannung. Aber was ist mit dem Fahrer? Der kann nicht einfach mal würfeln und bei einer Sechs darf er raus. Mit dem Pocketquiz kann auch der Fahrer miträtseln. Einhundertfünfzig Fragen – und natürlich auch Antworten – zur schönsten Hafenstadt Deutschlands bergen Spannung, Spiel und Spaß. Manche sind gar nicht so einfach zu beantworten. Wer weiß schon, wer mit „Quiddje“ gemeint ist? Oder kann die Schutzpatronin der Stadt nennen? Selbst Hamburger, also die Einwohner Hamburgs, sind einige Fragen dabei, auf die nicht jeder auf Anhieb eine Antwort parat hat.

Reise in Island

Reise in Island

Was macht man, wenn man unbedingt nach Island reisen will? Sich gründlich vorbereiten! Und wie? Mit diesem Buch. Edgar Sommer – der Nachname passt auf den ersten Blick so gar nicht zum Reiseziel – hat mit seinem Buch das geschafft, was andere nur andeuten. Einen echten Weggefährten. Mit seinem Landrover hat er die Insel besucht, erkundet und lieben gelernt. Davon profitiert nun der Leser.

Island ist dünn besiedelt, fast die Hälfte aller Isländer leben in der Hauptstadt Reykjavik. Der Reiz der Insel geht einzig allein von seiner sagenhaften und weitgehend unberührten Natur aus. Apropos sagenhaft: Elfen und Kobolde spielen nicht nur in der Literatur eine Rolle. Die Hälfte der Isländer glauben an die Fabelwesen. Einige haben sogar schon welche gesehen… Sie leben in Steinen und Höhlen. Also Vorsicht beim Autofahren!

Doch nicht nur die Elfen und Kobolde sollte man im Blick haben, wenn man im – lebensnotwendigen – allradbetriebenen Gefährt unterwegs ist. So manche Pfütze entpuppt sich allzu schnell als tiefergehendes Problem. Und nicht immer ist ein Edgar Sommer da, um zu helfen. Er weiß nicht nur den Leser mit seinen Erlebnissen zu fesseln, sondern auch wie man einen feststeckenden Jeep wieder gangbar bekommt. Die wichtigsten Tipps verrät er im Buch.

Das unangefochtene Highlight des Buches sind die beeindruckenden Bilder. Panoramen von Gletschern, wuchtige Eisberge und mutterseelenallein gelassene Straßenzüge. Wale, Papageientaucher und immer wieder endlose Wiesen und Eiswüsten. Hier muss man die Entspannung nicht suchen, die findet einen.

„Reise in Island“ ist mehr als nur die bloße Wiedergabe von Eindrücken, es ist das Rund-um-Sorglos-Paket für eine Individualreise durch dieses faszinierende Land. Inkl. Hinweisen zum Durchqueren von Wasserstraßen, Reparaturtipps und Landeskunde. Selbst echte Isländer können hier noch was lernen. Am Ende des Buches gibt Edgar Sommer praktische Ratschläge zu Ausrüstung, Wetter und zur Wartung seines Fahrzeuges.

Woanders

Woanders

Eine Weltreise – das wär’s. Edith Werner schafft Fakten. Kein Konjunktiv mehr. Jetzt wird gereist. Doch einfach so. Nicht einfach mal All-inclusive drei Wochen Türkische Riviera. Dann zwei Wochen City-Trip Tokio. Und als Abschluss Safari in der Serengeti. Edith Werners Reisen sind immer mit langen Aufenthalten verbunden. Wenn schon, denn schon.

Ihr Reisefieber treibt sie nach Singapur, Südafrika, Argentinien, Uruguay, Ägypten, Guatemala, Mayotte, Peru, Abu Dhabi, Kolumbien, um nur wenige Länder zu erwähnen.

Auch die einzelnen Abenteuer und Geschichten hier aufzuzählen käme einem Frevel gleich. Denn man müsste immer das eine oder andere Detail weglassen. Das wäre unfair. Edith Werner reist für ihr Leben gern. Arbeiten, wo andere Urlaub machen – das ist ihr Elixier, das jungbleiben lässt. Sehnsuchtsvolle Orte wie etwas Sansibar lässt sie in einem riesigen Gewürzbasar anwachsen.

Alphabetisch hat sie ihre Reisen in diesem Buch geordnet. Selbst für das Q hat sie eine Reise gemacht. Fast scheint es, dass ihre Reisen nur für dieses Buch gemacht wurden. So liebevolle und detailliert schildert sie ihre Erfahrungen und macht dem Leser Appetit auf mehr. Mehr Abenteuer. Mehr Fremde. Mehr Reisefiber. Anfangs ist man noch neidisch auf die gemachten Reisen. So viel Zeit und so viel zu entdecken. So viel Zeit haben nicht viele.

Edith Werner ruht sich nicht auf dem Luxus Zeit aus. Ein paar Tage bei Freunden in Montevideo – gern. Doch dann geht es schon wieder weiter. Kaffee-Kultur in Buenos Aires. Chinesisch lernen. Den Sambesi bezwingen.

Schon vom Lesen schwirrt einem der Kopf. Doch die Autorin prahlt nicht mit dem Erlebten. Sie lässt den Leser teilhaben. Und zwar so eindringlich, dass man sich gern von ihr an die Hand nehmen lässt. Das grüne Feuer in Bogotá kommt von den Smaragden. Es leuchtet auch ohne einen der Edelsteine in der Hand zu halten. Selbst kleiner Missgeschicke wie ein gebrochener Knöchel in Burma / Myanmar verarbeitet die wissbegierige Weltenbummlerin zu einer herzhaften Geschichte. International wird es am Amazonas, wenn sie auf Fitzcarraldos Spuren wandelt. Hier drehte Anfang der 80er Jahre Werner Herzog mit Klaus Kinski sein wohl bildstärkstes Werk. Sagenumrankt schuf er Unglaubliches. Edith Werner tut es ihm nicht nach, dennoch wandelt sie eindrucksvoll auf seinen Spuren.

Wer die Welt bereisen will, sollte vorbereitet sein. Keine Scheu zeigen. Sprachen lernen. Und „Woanders“ von Edith Werner lesen.

Die Gärten von Marrakesch

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Eine Stadt als Garten. So war Marrakesch einst geplant. Sanft plätschern Brunnen. Erfreuen Groß und Klein. Das kühle Nasse verheißt aber auch Reichtum mitten in der Öde der Wüste. Angelica Gray zog in jungen Jahren mit ihren Eltern nach Marrakesch. Sie liebt die Gärten und hat sich schon früh für deren Geschichte interessiert. In diesem Prachtband teilt sie ihre Erfahrungen du Eindrücke mit dem interessierten Leser. Alessio Meis Bilder lassen den Leser – und somit süchtigen Marrakesch-Reisenden – in eine andere, fremde Gegend und Zeit reisen.

Exotische Details, farbenfrohe Gedankenspiele und saftige Flora ziehen den Leser in den Bann Marrakeschs. Ruhepausen in den Olivenhainen der Ménara-Gärten, alles überragende Palmbäume in der Medina, das Hämmern der Handwerker, die gerade ihren Kunstwerken den letzten Schliff verpassen – Marrakesch steckt voller Faszination.

Der Bahia-Palast scheint vor Überfluss fast aus den Mauern zu platzen. Saftiges Grün von oben, von unten, von rechts, von links. Strahlkraft im Überfluss. Man möchte tanzen, sich an herunterhängenden Blättern von Wand zu Wand schwingen. Symbolhafte Zypressen (sie stehen für die Sterblichkeit) spenden Schatten in drückender Mittagshitze.

Die Muster der Kacheln rund um die Portale verzücken den Besucher und sagen „Tritt ein, erober mich!“

Die Mamounia-Gärten bestechen durch ihre Weitläufigkeit. Gekonnt illuminiert, und wieder mächtige Olivenbäume, wie an der Schnur gezogene Palmen ragen in den blauen Himmel. Hier lässt’s sich aushalten.

Als Erstes stechen dem Betrachter die beeindruckenden Bilder ins Auge. Ein erstes Raunen erfüllt die Bibliothek. Die Texte rücken die Abbildungen in den richtigen Kontext. Denn die Gärten sind nicht einfach nur schön anzuschauen. Sie haben eine Funktion zu erfüllen. Angelica Gray macht den Unterricht zur Modenschau. Auf dem Laufsteg tummeln sich die Schönheiten des Orients. Ein letztes Stöhnen zum Abschied. Doch man kommt wieder, immer wieder in die Gärten Marrakeschs.

Stürenburg-Geschichten

Stürenburg-Geschichten

Als die Menschen ihre Abende noch ohne Fernsehen, Radio und ohne Schriften beschließen mussten, saßen sie gemeinsam am Feuer und erzählten sich Geschichten. Daraus wurden später unsere Märchen. Gefangen in ihren Traditionen treffen sich Vermessungsrat a.D. Stürenburg und andere – heute würde man sie als Mittelklasse bezeichnen – und frönen der Lagerfeuer-Romantik beim Tee. Der Krieg (der zweite Weltkrieg) ist vorbei. Aufbruchstimmung im ganzen Land.

Der Mittsiebziger Stürenburg fasziniert die Witwe von Dr. Waring und ihre Nichte Emmeline, den Apotheker Dettmer, das Faktotum Hagemann und den Erzähler mit seinen – für moderne, an knackig aneinandergereihte Höhepunkte gewöhnte, Ohren langweiligen – Geschichten. Ja, er hatte ein erfülltes Leben, der Herr Vermessungsrat a.D. Stürenburg. Seiner Meinung nach. Heute amüsieren wir uns über seine spannungsgeladenen Bonmots. Keiner aus der Runde würde es wagen, dem hochangesehenen Rat die Stirn zu bieten. Preußische Ergebenheit vor dem Range des Erzählenden verbietet das.

Arno Schmidt war ein Berserker der deutschen Nachkriegsliteratur. Unermüdlich schrieb er. Und schrieb und schrieb und schrieb. Bis er darüber zusammenbrach. Seine Schilderungen der Bundesrepublik nach dem Naziterror gehören zum Besten und Eindringlichsten, was die deutsche Literatenszene hervorgebracht hat. Die Geschichten Stürenburgs – Schmidt höchstpersönlich – erzeugen Befremden und Spannung zugleich. Das Ende sieht keiner so kommen. Arno Schmidts Werk ist so umfangreich, dass es nur wenigen vorbehalten ist, es komplett zu erfassen. Intellekt trifft Gebrüder Grimm? Stürenburg als moderner Münchhausen? Nein. Stürenburg – Schmidt – ist einzigartig. Wer ihn nicht liest, verpasst etwas. Hervorragender Einstieg in die Sphäre Arno Schmidt.

Wenn Du den Regen suchst, der kommt von oben

Wenn Du den Regen suchst, der kommt von oben

Vor, während und auch nach dem so genannten Arabischen Frühling fristete und fristet Algerien ein Mauerblümchendasein. In den 80er und 90er Jahren rückten die Erfolge einzelner Sportler und der Fußballnationalmannschaft in den Fokus der Öffentlichkeit (man denke nur das legendäre Hackentricktor von Madjer 1987 gegen die Bayern), aber ansonsten blieb es still um das mittlerweile größte Land Afrikas. Man kennt es kaum. Algier und Oran sind gerade mal zwei Städte, die man aufzählen kann. In Oran ist Albert Camus‘ „Pest“ verankert. Und Algier kennt man wahrscheinlich nur deshalb, weil es so ähnlich wieder der Landesname klingt.

Yahia Belaskri zeichnet ein wahres, oft düsteres Bild seines Heimatlandes. Da ist zum Beispiel Déhia. Sie ist Professorin für Sprachen. Mit Hingabe versucht sie ihren Schützlingen etwas einzuschärfen, was sie sonst nie wahrnehmen würden: Die Ehrfurcht vor der stärksten Waffe des Menschen. Blinder Religionswahn, ja schon fast Fanatismus, Engstirnigkeit und Korruption erschweren es ihr, sich an ihrem Beruf zu erfreuen. Unter ihren Studenten ist auch einer, der sich auf seinen Papa verlassen kann. Der ist Minister und bietet ein kleines Vermögen für eine von Déhia geschriebene Diplomarbeit seines Sohnes. Déhia zögert keinen Augenblick … und lehnt ab. Déhias Kapitel (Buchkapitel) wird mit einer Katastrophe geschlossen.

Genau wie das ihres Gatten Adel. Das Einzige, was ihm noch bleibt ist Déhia. Seine Liebe zu ihr lässt die beiden die Hoffnung auf Besserung nicht gänzlich ersticken.

Badil, Adels Bruder, ist das dritte Kapitel gewidmet. Er schafft das, was sich so viele Eltern für ihre Kinder wünschen. Er ging ins Ausland. Doch die Gründe dafür sind niederschmetternd. Genauso wie das Wiedersehen mit seinem älteren Bruder Adel und dessen Frau Déhia.

Yahia Belaskri verbindet die blumige Sprache Arabiens mit den unumstößlichen Fakten der Gegenwart. Er verzaubert den Leser und erschrickt ihn zugleich mit seiner schonungslosen Abrechnung mit Algerien. Seine Protagonisten hassen ihr Land, hassen Andersdenkende. Doch lieben sie. Sich untereinander, die Eltern, die eigene Geschichte. Algerien ist ein Land, das noch immer voller Geheimnisse steckt und daraus seinen Reiz bezieht. Dieses Buch gibt einen Einblick in das wahre Algerien, das Besucher ohne dieses Buch so wohl nie erleben könnten.