Archiv des Autors: admin

Styleguide Wien

Styleguide Wien

Styleguide – das Wort hat irgendwie was Modernes an sich. Ein Reiseband für den modernen Reisenden, der immer nur das Neueste, das Abgefahrenste, das Außergewöhnliche sucht. Also kein Reiseband für die ganze Familie?

Ganz im Gegenteil! Denn die beiden Autorinnen sind Familie, sind Mutter und Tochter. Und sie wohnen in Wien, lieben Wien und – was ganz wichtig ist – sie kennen Wien. Und von wegen immer nur das Moderne … sie kennen beide Seiten Wiens. Die altehrwürdigen Bauten mit ihren Geschichtchen und das sich immer wieder verändernde Wien.

Wien zu erfassen ist nicht einfach. Die Stadt bietet sich an sie schlendernd zu erkunden. Staunenden Blickes mit hoch erhobenen Haupt schreitet man durch das Vermächtnis von k.u.k. und erblickt so manches Kleinod und großartige Errungenschaften. Aber hat man dann Wien wirklich gesehen? A bissl! Mehr net!

Angie und Brigitte Rattay helfen dem Neugierigen gehörig auf die Sprünge. Schon beim ersten Durchblättern hat man das Programm für zwei volle Tage zusammen. Die beiden Autorinnen gliedern ihr modern gestaltetes Buch (mit Gummiband als Lesezeichen) nach den Stadtteilen Wiens. Sie beginnen natürlich im Ersten, soll heißen im ersten Bezirk, dort wo Stephansdom, Café Korb und Albertina von außen und innen den Gast „verwienern“. Selbst wer Wien schon kennt, beißt sich vor Wut in den Allerwertesten, und fragt sich „Wieso kenne ich das nicht?“. Tja, ganz einfach, den falschen Reiseführer befragt. Aber keine Angst, beim nächsten Mal wird alles besser! Denn dieser Reiseband gehört einfach zu Wien wie Walzer, Eitrige und Schmäh.

Bildreich mit kurzen, prägnanten Texten ist dieses Buch ein ständiger Begleiter, der regelmäßig Tipps gibt. Und da man sich vorrangig in einem Bezirk bewegt, muss man nicht andauernd die kompletten über zweihundertfünfzig Seiten durchblättern, sondern bleibt in der „Umgebung“.

Neben den offensichtlichen Highlights, die natürlich nicht in einem Buch über Wien fehlen dürfen – Naschmarkt und Donauinsel – sind auch kleinere, vielleicht nicht so bekannte Anlaufpunkte vermerkt. Heißhungerbefriediger im 12 Munchies, Cineastische Hochgenüsse im Votivkino oder was auf die Ohren in Teuchtlers Plattenladen im Sechsten. Drei Orte, die nur in wenigen Reisebänden stehen, und doch das komplette, wahre Wien zeigen.

Wer Wien besucht, nur um behaupten zu können auch hier einmal gewesen zu sein, braucht dieses Buch nicht, der braucht überhaupt kein Reisebuch. Wer Wien jedoch als Höhepunkt seiner Reisen erleben will, kommt an diesem Buch nicht vorbei. Wohlfühlen in einer der schönsten Städte der Welt mit einem der befriedigendsten Bücher über die Stadt wird man voller Eindrücke wieder an den heimischen Herd zurückkehren und sich schwören, dass man beim nächsten Mal wieder mit diesem Buch Wien aufs Neue erkunden wird.

Reise in die Schweiz – Kulturkompass fürs Handgepäck

Reise in die Schweiz - Kulturkompass fürs Handgepäck

Die Schweiz ist ein kleines Land, klein an Fläche. Die Schweiz ist ein reiches Land, reich an sehenswerten Orten. Schwer sich da zu recht zu finden. Klar, dass ein Reiseband da nottut. Aber was ist mit den Dingen, die die Schweiz ausmachen? Kultur, Verhaltensregeln, Sehnsüchten? Wer die Schweiz besucht, denkt gar nicht so weit, dass es wegen der Nähe – vor allem sprachlich – doch gewaltige Unterschiede zu unseren Gefilden gibt. Wenn es doch nur ein Buch geben würde, das dem Besucher erlaubt die Schweiz einmal fernab von „Da müssen Sie hin, das muss man gesehen haben“ näherbringt. Gibt es doch! Und jeder kann ihn haben! Den Kulturkompass fürs Handgepäck für eine Reise in die Schweiz.

Und gleich zu Beginn eine Überraschung. Susann Sitzler behauptet (und kann es auch belegen), dass die Schweizer raus wollen aus ihrer Schweiz. Aber auch Heimweh haben, teils sogar daran kränkeln. Ein Widerspruch?! Zum Einen verengen die Berge die Sicht, zum Anderen geben sie auch Sicherheit und Geborgenheit. Die Schweizer sind mobil. Viele machen sich bevorzugt am Wochenende auf, um mit dem Töff das Land zu erkunden. Das Töff ist übrigens das Motorrad, kein abschätziges Wort, sondern ernstgemeinter Begriff.

Und so rollt man dann gemütlich durch die Schweiz. Über Berge und Täler, durch Dörfer. Und gelangt vielleicht sogar in einen Musikwettstreit. So wie Friedrich Glauser im Buch. Oder wird Zeuge von typisch schweizerischen Sportarten wie Schwingen und Hornussen, bei dem es um Herunterholen, Abtun oder Ablöschen geht.

Eine weitere Schweizer Tradition ist das Käsemachen. Doch Käse ist nicht gleich Käse. Kenner bemerken den Unterschied zwischen Alp- und Talkäse, und Jeremias Gotthelf gibt einen kleinen Einblick in die Naturgeschichte der Käsereien.

Die Schweiz ist mehr als eine bergige Binnenenklave mit Kreuz, Schoggi und Kuhglocken. Obwohl man sich hier gern dieser Klischees bedient, um dem Gast alles so angenehm wie möglich zu gestalten. Namhafte Autoren wie zum Beispiel Friedrich Glauser und Friedrich Dürrenmatt vermitteln dem Schweizunkundigen und Schweizneugierigen einen umfassenden Überblick über das, was die Schweiz ausmacht. Als Tourist fühlt man sich mit diesem Buch weniger als Selbiger. Pflichtlektüre vor der Reise, Stichwortgeber währenddessen und Memoirenbewahrer zu jeder Zeit.

Hoch oben in der guten Luft

Hoch oben in der guten Luft

Elegant ist es hier, in Davos. Alles ein bisschen sauberer und mondäner als anderswo. Und vor allem gesund! Im 19. Jahrhundert entwickelte sich in dem einst kleinen Dorf ein neuer „Industriezweig“: Das Kuren. Kuraufenthalte in Davos waren von je her kein preiswertes Vergnügen. Man musste es sich leisten können. Der einstige Belle-Epoque-Charme wich im Laufe der Jahre Form-folgt-Funktion-Architektur. Doch als Davos noch das Mekka der lungenkranken hautevolee war, konnte man im Eingangsbuch von so manchem Sanatorium auf Autogrammjagd gehen: Katia Mann, Gala (baldige Gala Dali), Klabund, Paul Elouard. Auch wer nicht wegen der Gesundheit bzw. wegen Krankheiten hierher kam, konnte sich hier exzellent vergnügen und entspannen. Hermann Hesse fuhr hier regelmäßig Ski, Béla Bartók gab Konzerte.

Literarisch setzte Thomas Mann dem Ort ein Denkmal. In seinem „Zauberberg“ diente Dr. Jessen und als Vorbild für den Hofrat Behrens. Und sein Waldsanatorium war das siebenjährige steingewordene Exil für Hans Castorp.

Gala, die zu dieser noch Helena Dimitrowna Diakonowa hieß, verliebte sich hier in Paul, der zu dieser Zeit noch Eugène Émile Paul Grindel war. Beide aus guten Elternhaus – wie gesagt, hier konnte es sich nicht jeder leisten „gesund zu werden“. Sie fand Zugang zu den Surrealisten und später auch zu Salvador Dali.

Davos als Tummelplatz der Enttäuschten, der Entbehrungsgeprüften, führte kein (Kurschatten-)Dasein. Lange Liegekuren, ausgedehnte Spaziergänge, ein bisschen Kupferlösung hier, ein bisschen Chemie da. Und dann? Kuren war Anfang des 20. Jahrhunderts eine langwierige und oft auch langweilige Sache. Kein Animationsprogramm wie es heute oft üblich ist. Der Patient sollte zur Ruhe kommen. Kreativ waren die meisten von Natur aus. Sie mussten nicht bespaßt werden.

Unda Hörner untersucht die Wirkung des Ortes auf das Schaffen der Literaten, der Bohème, die so gar nichts mit Rodolfo und Marcello aus Puccinis gleichnamiger Oper zu tun zu haben scheinen. Außer vielleicht dem Krankheitsbild von Mimi. Dieses Buch macht Lust auf Davos und auf die Werke der ehemaligen Patienten. „Hoch oben in der guten Luft“ verführt dazu noch einmal am Bücherschrank vorbeizugehen und sich das eine oder andere Buch noch einmal herauszugreifen. Oder es überhaupt zum ersten Mal zu lesen. Dada, Surrealismus, Poesie, Klassiker – die Reihe der im Buch genannten Werke mit Bezug zu Patienten und Davos ist schier unendlich. Ein Appetitmacher auf große Literatur und auf Entdeckungsreisen in den Höhen der Schweiz.

Wilde Welten

Wilde Welten

Friedrich Gerstäcker gehört zu den Autoren, von denen der Opa (mittlerweile vielleicht sogar der Uropa) immer sagte: „Den musst Du lesen!“ Ein echter Abenteurer eben, einer, der das Genre Abenteuerroman zu höchsten Weihen führen konnte. Denn er war – im Gegensatz zu seinem Pendant Karl May – wirklich an den Orten über die er schrieb. Er erlebte wilde Welten in wilden Zeiten. In diesem Buch sind die wildesten Abenteuer in einem Band vereint. Wie schon zu Lebzeiten wird er den Leser fesseln und das Reisefieber in ungeahnte Höhen treiben.

Aber auch eine noch so ausgedehnte Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Und den tut Friedrich Gerstäcker im Berlin des Jahres 1848. Im revolutionären Berlin des revolutionären Jahres 1848. Ein Fest für alle, die der deutschen Sprache eine gewisse Poesie nicht absprechen wollen… Apropos deutsche Sprache. Überall, wo er hinkommt, sind die Deutschen schon da. Und mit ihnen die Uneinigkeit und die ungetrübte Fremdsprachenunfähigkeit. Man merkt die diebische Freude des Autors beim Zitieren des so genannten Pennsylanisch-Deutschen. Ein heilloses Mischmasch aus Deutsch und Englisch, das jedem, der halbwegs Englisch spricht, einen kalten Schauer über den Rücken laufen lässt.

Und schon ist man in Afrika bei den Ritualen der Fulahs, im Dschungel Südamerikas und ist fasziniert von einem Feld voller Schmetterlinge oder auf Tahiti. Letzteres wirkt heute noch so fremd wie vor weit über einhundert Jahren. Er weiß wie die Namen der Könige entstanden sind, berichtet von unmenschlichen Tätowierungen, und trifft auch hier am Ende der Welt Deutsche. So wie überall. Auch andere Nationalitäten. Und alle, die schon vor ihm da sind, wollen den „Wilden“ ihren Willen aufzwingen.

Ähnlich befremdlich sind die Ausführungen zu einem Trip, wie man heute sagen würde, auf einem Walfangschiff. Es ist wohl die erste 3D-Erzählung der Geschichte, so anschaulich, dass man meint auf dem Tier zu reiten, genauso wie die Protagonisten der Erzählung.

Da ist er nun vor den Zwängen und der Enge Deutschlands geflohen, um von der Freiheit und der Weite zu berichten, und trifft auf die, vor denen er floh. Das ist so als ob man montags die Innenstädte von Leipzig und Dresden meidet, weil die Hassreden der PEGIDA-Demonstranten einen nerven, und man auf Rhodos die gleichen Krakeeler beim Schnitzel trifft. So groß sind die Unterschiede von Damals zu Heute auch nicht…

Friedrich Gerstäcker sperrt die Augen und Ohren auf, um ja nichts zu verpassen. Aber er schafft es auch seine Eindrücke wortgewaltig zu vermitteln. Er ist am Drücke, die anderen sind schachmatt, um es mit den Ärzten („Meine wilde Welt“) auszudrücken. Die Ohnmacht beim Leser währt nur kurz – man will einfach immer mehr. Mehr Wildheit, mehr Welt, mehr Abenteuer, mehr Gerstäcker!

Hotel van Gogh

Hotel van Gogh

Nicht viel los in Auvers-sur-Oise, nordwestlich von Paris. Ein paar Künstler und ab und zu ein Selbstmord. Und genau deswegen ist auch ein junger Mann hier. Sein Bruder hat sich in den Leib geschossen und dabei nur knapp sein Herz verfehlt. Die Kugel steckt noch drin, Täter und Opfer in einer Person leiden. Kurze Zeit später stirbt der Künstler, der unter Depressionen litt. Auch sein Bruder wird kurze Zeit später sterben und in Auvers-sur-Oise beerdigt werden. Sein Name: Theo van Gogh, Bruder von Vincent van Gogh und unermüdlicher Gönner und Förderer der Kunst des Impressionisten.

Über hundert Jahre später stirbt in dem gleichen Zimmer Arthur Heller. Er hatte schon vor Jahren seine Firma verkauft, um sich als Schriftsteller zu verwirklichen. Auch er hat eine Schusswunde, so ziemlich an der selben Stelle. Seine Nichte Sabine Bucher soll ihn identifizieren. Für sie eine komische Situation. Denn zu ihrem Onkel hatte sie seit Jahren keinen Kontakt mehr, er ist für sie mehr Fremder als Familienmitglied. Sie ist Anwältin und eigentlich auf den Weg nach Sylt, um mit ihrem Schatz zu urlauben. Und dann kommt auch noch ein Verleger um die Ecke. Er habe das Manuskript ihres Onkels angenommen und will nun die Vertragsmodalitäten besprechen. Ein Erstling eines Toten, der dazu auch noch im selben Zimmer wie van Gogh starb: Zynisch, aber für die Vermarktung ein unbezahlbares Pfund, mit dem man wuchern muss.

Und eine dritte Sache schiebt Auvers-sur-Oise in den Mittelpunkt des Interesses: Im Ort wurde professionell und erfolgreich eine iranische Terrorzelle ausgehoben. Die amerikanische und europäische Regierungen jubeln lautstark. Auch aus dem Iran wird gratuliert. Der Bürgermeister des knapp siebentausend Einwohner zählenden Städtchens ist wenig begeistert. Denn die iranische Gemeinde war teilweise seit Generation gut integriert.

  1. R. Bechtle spinnt aus diesen drei Geschichten ein spannendes Drama, das mit erstaunlichen Parallelen und verblüffenden Wendungen aufwarten kann. Arthur Heller legt sich insgeheim und liebestrunken mit traditionsbewussten Muslimen an. Die Erfolglosigkeit und der daran zu zerbrechende Mensch scheinen der Grund für die Selbsttötung zu sein. Was bei van Gogh eindeutig war, wird bei Arthur Heller zum Rätsel. Denn er hat sich nicht selbst gerichtet, auf ihn wurde gezielt geschossen.

Wie anno dazumal ist es an den zurückgelassenen Frauen die Geschichte zum Guten zu wenden. Ende des 19. Jahrhunderts war es Johanna van Gogh, die das Vermächtnis ihres Schwagers verwalten und zu Geld machen musste. In der Gegenwart wird Sabine Buchers Lebens gründlich auf den Kopf gestellt. Als Abschluss hält der Autor noch eine weitere kurze Episode aus dem Leben des van-Gogh-Clans parat. Denn ein weiterer van Gogh musste unfreiwillig und medienwirksam wegen seiner Obsession aus dem Leben scheiden…

Atlas der Antike

Atlas der Antike

Ein Atlas ist ein Kartenwerk. Und Karten weisen den Weg. Beziehungsweise, sie wiesen den Weg. Heute benutzt ja kaum noch jemand (aus-)gedruckte Karten. Doch der Name Karte oder der Begriff Atlas sind noch gängige Begriffe. Und so ist der Titel „Atlas der Antike“ nicht zufällig gewählt. Zweieinhalbtausend Jahre Geschichte auf einhundertsechzig Seiten – da kommt schon einiges zusammen. Schon bei der Einordnung, was Antike eigentlich ist, welchen Zeitraum sie einnimmt, kommt so mancher, der im Geschichtsunterricht lieber den Fußboden betrachtete als dem Tafelbild zu folgen, ins Schwitzen. Ist halt verdammt lang her!

Holger Sonnabend ist allerdings ein Lehrer, schließlich ist er Prof. Dr., den man folgen sollte. Und dem man vor allem folgen kann. Zum Beispiel die Etrusker. Hat man schon mal gehört, Etrusker. Die wohnten doch in … ja, genau, Italien. Dort, wo heute die Toskana-Fraktion die schönste Zeit des Jahres verbringt. Die Etrusker sind so geheimnisvoll, dass ihre Erbe bis heute ungelöste Rätsel aufgibt. Sie hatten eine Schrift, die der Griechischen ähnelte. Aber entziffern kann man sie bis heute nicht vollständig. Sie waren ein hochentwickeltes und kulturell bedeutendes Volk. Sie schmiedeten Allianzen und wurden wieder aus diesen hinausgekämpft. Sie waren die Vorgänger der Römer. Und auf deren Prinzipien beruht heute das Zusammenleben der Welt.

Die Reise geht weiter über die Beziehungen der Griechen und Perser. Wenn man sich die heutige Welt betrachtet, ist der Kampf immer noch im Gange. Wenn auch mit einer anderen Sichtweise – Persien / Iran gilt als einer der einträglichsten Märkte weltweit und Griechenland … naja, wer dort investiert, ist verdammt risikoreich. Alexander der Große, die Römer, Monarchien und Sklavenhaltergesellschaft – die Reise geht quer durch die Geschichte. Immer mit Rückfahrticket.

Anschauliche Übersichtskarten geben dem Leser einen eindrucksvollen Einblick in den Aufbau von Ländern und Städten. Zahlreiche Abbildungen von Gemälden, Stichen und Reliefs veranschaulichen exakt die Beschreibungen der Zeit.

Was dieses Buch so einzigartig, so benutzenswert macht, ist, dass es nicht wie ein Lexikon immer brav der Zeitlinie folgt, sondern, dass einzelne Wissenschaftsgebiete einzeln beleuchtet werden. Fachgebiete wie Politik, Kultur und Medizin ergeben für den Leser ein Komplettbild dessen, was uns in der Schule oft zu langweilen begann. Der Autor schafft es mit einfachen Worten die Begeisterung, die einst unsere Lehrer dazu bewegten Geschichte zu lehren im Leser zu wecken. Wichtige Ereignisse werden in farbigen Kästen hervorgehoben, ohne dabei die Haupttexte in den Hintergrund zu rücken. Ein echter Wegweiser durch die Jahrtausende!

Warten auf Robert Capa

Forbes_Capa.indd

Ein Mann mit schmerzverzerrtem Gesicht. Er läuft einen Hügel hinunter. Ist im Fallen begriffen. Seine Waffe hat er vor einem Augenblick gerade losgelassen. Ein bekanntes Bild, ein Bild gegen den Krieg. Genau wie „Guernica“ ist es im Spanischen Bürgerkrieg entstanden. Das Foto stammt von Robert Capa, der eigentlich André Friedmann hieß. Zusammen mit drei Freunden und Kollegen gründete er die Fotoagentur Magnum.

Gerta Pohorylle ist – ebenso wie André Friedmann – Jüdin und ist vor dem perfiden Terror der Nazis – ebenso wie André Friedmann – nach Paris geflohen. Sie interessiert sich für Fotografie und nach und nach auch für André. Seine unbekümmerte Art, seine wohlformulierten Träume und Gedanken verzaubern sie. Aus Gerta und André werden Gerda und Robert. Er zeigt ihr wie man fotografiert, sie wird seine Managerin.

Robert Capa verfügt über die einzigartige Gabe zur richtigen Zeit am richtigen Ort (und im richtigen Winkel) abdrücken zu können. Der Krieg ist sein Geschäft. Schon zu Lebzeiten ist er ein gefeierter Fotograf, der der Welt zeigt, dass der Krieg sehr nah ist. Jedem!

Krieg bedeutet Warten, sagte Capa einmal ein Kollege. Für Gerda wird dieser Ausspruch zur Lebensmaxime. Immer wieder ist Robert unterwegs das Grauen der Zeit einzufangen und für die Nachwelt zu konservieren – die Zeiten, in den der Schnappschuss nur dem Lebensunterhalt diente sind jetzt schon vorbei. Und Gerda fiebert jeder Nachricht, jedem Lebenszeichen, jedem kurzen Gruß entgegen. Trotz der Nähe – auch Gerda ist in Spanien als Presseausweisinhaberin „stationiert“ – ist Robert oft nur in seinen Bildern präsent.

Der Krieg wütet, viele Schriftsteller und Künstler nahmen aktiv am Kampf gegen das faschistische Franco-Regime teil. Viele überlebten diese Episode nicht. Auch Gerda Taro nicht! Während Robert sich permanent in Gefahr begab, erlitt er seelische Wunden. Sie, die nie bewusst ins Gefecht zog, starb am 26. Juli 1937, kurz vor ihrem 27. Geburtstag, bei einem Panzerangriff. Ein Datum, dass Robert Capa veränderte …

Susanna Fortes verwebt in ihrem Roman historische Fakten mit der Macht der Fiktion. Es ist ihr Verdienst, dass mit jeder Zeile die schönen, aber auch die schrecklichen Zeiten der Verbindung zweier Künstler, so nahbar erscheinen. Die Besuche in den Pariser Cafés, in denen schon die Impressionisten stritten, der harte Broterwerb, die Furcht vor Repressalien und der entbehrungsreiche Kampf sind so eindrücklich dargestellt, dass man sich mittendrin fühlt. Bei all der Rationalität der Fakten lässt sie genügend Raum für Emotionen. So wie die Bilder von Robert Capa und Gerda Taro.

Partisanen

Partisanen

Partisanen allein bringen keine Ordnung zu Fall. Sie sticheln, tun ihr weh, knabbern an den Werten, doch endgültig fällen, dafür sind sie zu schwach. Doch ohne die Querdenker wäre die Ordnung arbeitslos, könnte schalten und walten wie sie will. Langeweile und Diktatur wären die Folgen.

„pARTisan“ heißt eine Zeitschrift, eine Bewegung in Belarus. Herausgeber ist Artur Klinaŭ. Und in diesem Buch sind kurze Texte zum Thema Partisanen und ihrem Kampf nun veröffentlicht worden. Verschiedene Autoren berichten aus der Welt, aus ihrer Welt vom Kampf der Künstler im Partisanengewand gegen die Obrichkeiten.

Im Jahr 2016 lesen sich manche Geschichten wie ein Witz. So was gibt’s noch, fragt man sich kopfschüttelnd. Weißrussland, einst eine blühende Sowjetrepublik, die die besten Chancen hatte, aus der Aufspaltung der UdSSR als großer Gewinner hervorzugehen, ist heute das Land in Europa mit der geringsten Freiheit. Unabhängige Medien sind dazu verdammt im Untergrund zu agieren. Rede- und Meinungsfreiheit werden im Keim erstickt. Wirtschaftlich wird es von einer dem Diktator Lukaschenka hörigen Clique halbwegs am Leben erhalten, die sich selbst die Taschen vollstopfen.

Die Texte beweisen eindrücklich, dass Kampf nicht immer als Blutvergießen im wortwörtlichen Sinne zu verstehen ist. Die Feder ist oft schärfer als das Schwert. Jede Zeile strotzt vor Kampfeswille und ist erfüllt von Siegermentalität. Keine hohlen Phrasen, irrationalen Durchhalteparolen, sondern Augen öffnende Argumentationen, denen sich nur die verschließen, die (noch) das Sagen haben.

„Partisanen“ gibt einen Einblick in das Leben von unterdrückten Künstlern, die sich ihrer Stimme bewusst sind und sie auch einzusetzen wissen. Für den Leser ist dieses Buch eine völlig neue, fremde Welt. Nur ab und zu gelingt es Journalisten aus dem verschlossenen Belarus / Weißrussland zu berichten. Immer mit der Angst im Nacken entdeckt zu werden oder hören zu müssen, dass eine oder mehrere Quellen inhaftiert wurden. Die Nadelstiche, die die Künstler setzen, stammen von ihrer spitzen Federn und die Narben werden noch lange nicht verheilen.

 

Schalom

Schalom

Schalom – Friede, Schalom – Kriegerhelm, Schalom – hallo! Immer dasselbe Wort, drei verschiedene Bedeutungen. Im belarussischen ist es die Pickelhaube. Und die hat André auf dem Kopf. André ist Künstler und darf das. Und er ist Weißrusse, Belarusse. Gerade eben hat er noch an Vernissagen in Bonn teilgenommen, jetzt geht es wieder heim. Heim nach Belarus, nach Mogiljow. Ihn schaudert’s bei dem Gedanken daran. Zurück zu Frau und Kind und Schwiegermama, der er unbedingt Stiefeln mitbringen soll.

Ein letzter Tag in Bonn, Einkaufen heißt es nun. Wie jeder gute Tourist will er denen, die ihn sehnsüchtig erwarten auch was mitbringen. Doch André ist eben nicht nur Künstler, sondern auch begnadeter Trinker. Der letzte Tag beginnt mit Katzenjammer. Beim Bummel über den Flohmarkt erregt etwas seine Aufmerksamkeit. Erst flüchtig, doch dann immer heftiger. Eine Pickelhaube. Schalom Schalom! Hallo Mützchen! Der Schwiegermutterwunsch rückt in immer weitere Ferne. Ein schnelles Wortgefecht mit dem Verkäufer und schon hat André eine Kopfbedeckung und jede Menge Redestoff für den Trip nach Hause…

Artur Klinaŭ ist selbst Künstler, gibt die Zeitschrift „pARTisan“ in Weißrussland heraus. In seinem ersten auf Deutsch veröffentlichten Roman „Schalom“ nimmt er die weißrussische Seele aufs Korn. André hält sich nicht an Konventionen. Sein Weg zurück in die Heimat ist ein Roadtrip, ein homecoming-Dilemma im Prozentbereich. Mit Promille geben sich weder Autor noch Protagonist zufrieden. Es gibt immer einen Grund zum Trinken. Und zum Menschen kennenlernen. Die Pickelhaube, Schalom, ist der (Bier-) Büchsenöffner für die Völkerverständigung vom Rhein an den Dnepr.

André bedauert zutiefst hier verankert zu sein. Nicht in Minsk. Dort, wo Chaim Soutine und Marc Chagall wirkten. In Mogiljow ist niemand zuhause, den man kennt. Auch ihn kennt man nicht.

Die Pickelhaube verleiht dem nimmermüden Künstler und Geschichtenerzähler André das Gefühl von Erhabenheit. Er ist der General der Landstraße. Und je weiter er gen Osten reist, desto inniger wird die Beziehung zu seinem Alter ego, seiner Kopfbedeckung. Die Assoziationen, die sie und die er hervorrufen werden immer kruder. Doch Hauptsache ist doch, dass die Kehle geschmiert werden kann.

„Schalom“ liest sich wie aus einem Guss. Kein Schenkelklopferroman. Vielmehr ein hintersinniges Schriftstück, das den Leser immer weiterlesen lässt und die Spannung bis zum Schluss aufrecht hält. Der vermaledeite Helm ist Türöffner und Stolperstein zugleich. André ist es recht. Er fordert es regelrecht heraus mit ihm ins Gespräch zu kommen. Und mit ihm zu trinken. Der Leser sitzt immer mit am Tisch, als stummer Beobachter.

Die Jagd nach dem verschollenen Schatz

Die Jagd nach dem verschollenen Schatz

Hier ist der ganze Pirat gefragt! Ein Spiel zum Selberbasteln. Der Spielplan wird mit den mitgelieferten Stempeln als Schatzkarte gestaltet. Der Würfel hat keine sechs, sonder zwölf Seiten und muss noch beklebt werden. Sechs Seiten mit dem Säbel-Symbol, je drei Seiten mit einer Schatztruhe oder dem Jolly Roger, der gefürchteten Piratenflagge. Würfel in den Becher legen. Würfeln und ihn zugedeckt über die selbstgestempelte Schatzkarte führen. Erst jetzt den Becher heben. Und welches Symbol liegt oben? Ein Säbel? Der Schatz wechselt den Besitzer. Kommt der Jolly Roger war ein anderer Pirat schneller. Und wer am Ende die meisten Schätze erobert hat, ist der Gewinner.

Eine neue Art Brettspiel zu spielen, ist „Die Jagd nach dem verschollenen Schatz“. Ab dem ersten Öffnen wird die Phantasie angeregt, bei allen Mitspielern, egal welchen Alters. Die Spielfiguren sind kleine Stempel, so dass man über all seine Spuren hinterlassen kann. Selbst so berühmte und längst verstorbene Piraten wie Sir Francis Drake oder Blackbeard sind ja auch bis heute in aller Munde. Das Spiel eignet sich für Kinder ab sechs Jahren.