Archiv der Kategorie: Urlaubslektüre

Slowakei

Slowakei-U1.indd

Die Teilung überwinden – ein hehres Ziel, das Politiker immer wieder gern als Floskel hernehmen, um das Volk auf etwas einzuschwören. Im Falle der Slowakei liegt der Fall etwas anders. Denn der östliche Teil der einstigen Tschechoslowakei hat sich im Einvernehmen mit dem westlichen Nachbar am 1. Januar 1993, also vor 20 Jahren, selbständig gemacht. Ob die Einführung des Euro als allgemeingültige Währung als Fortschritt zu werten ist, wird die nahe Zukunft zeigen. Der Schritt in die Selbständigkeit war zweifelsohne ein Weg in die richtige Richtung und vor allem: nach vorn.

Die Slowakei ist von seinen Nachbarn Polen, Tschechien, der Ukraine, Österreich und Ungarn geprägt. Das kann man nicht beschreiben und erklären – das muss man erleben. Wo aber anfangen in einem Land, von dem viele Deutsche nicht mal eine einzige Stadt nennen können? Man fragt am besten André Micklitza. Da der aber nicht immer zur Stelle sein kann, hat er ein Buch geschrieben. Einen Reiseband und ihn durch den Michael Müller Verlag herausbringen lassen. Und im Februar ist nun bereits die dritte Auflage erschienen.

Erster Anlaufpunkt ist sicherlich die Hauptstadt Bratislava, die von Betonköpfen immer noch Preßburg genannt wird. Wer von Budapest aus mit dem Schiff nach Esztergom die Sankt-Adalbert-Kathedrale besuchen gefahren ist, hat in nicht allzu weiter Ferne die Türme der Stadt Bratislava erkennen können. Beeindruckend. Was sich hier in den vergangenen Jahren getan hat, ringt so manchem Weltenbummler Respekt ab. Angst vor unterentwickelter Infrastruktur muss man überhaupt nicht haben. Die Slowakei ist ein prosperierendes Land mit einem gewaltigen Entwicklungspotenzial auf touristischem Sektor. War das Land noch vor einem Jahrzehnt mit einem kleinen, jedoch exquisiten Programm auf der weltgrößten Reisemesse in Berlin vertreten, so nehmen die Informationsstände im Jahr 2013 die gesamte Länge einer Messehalle ein. Wandern ist immer noch eine der erfolgversprechendsten Reisearten das Land zu erkunden. Sechsundzwanzig Wanderungen hat Autor André Micklitza zusammengestellt, die nur darauf warten mit atmungsaktiven Wanderschuhen überprüft zu werden. Anekdoten zur Land und Leuten, Tipps zur Einkehr sowie zum Haupte-Betten gehören in diesem Buch zum guten Ton wie die zahlreichen Karten und Farbfotos.

Übrigens: Das slowakische Košice ist zusammen mit Marseille die Kulturhauptstadt Europas 2013. Ein gewaltiges Kulturprogramm erwartet den Besucher. Mehr Infos hier.

Zypern

Zypern-U1.indd

Wieder einmal Sommer, wieder einmal wird ein EU-Mitglied als Sündenbock für die Krise auserkoren. Zypern soll es in diesem Jahr sein. 2012 war es Griechenland. Und wieder fragen sich tausende Touristen: „Ist es noch sicher, nach Zypern zu reisen? Aber klar doch! Warum nicht? Zypern ist die Insel der Aphrodite. Hier scheint die Sonne, das Meer ist angenehm warm und das Essen erst …

Wer’s nicht glaubt, sollte sich mal diesen Reiseband ansehen. Schwarz auf weiß hat ja doch ein gehöriges Gewicht bei der Meinungsbildung (zum Glück)!

Zuerst die Fakten: 432 Seiten, 188 Farbfotos, sieben Kapitel, zwei davon über Nordzypern. Apropos Nordzypern. Ja, Zypern ist eine geteilte Insel. In Nikosia verläuft die Grenze sogar durch ein Einkaufszentrum. Während man auf der einen Seite früher edle Stoffe kaufen konnte, schaut man auf der anderen Seite teils in Gewehrläufe.

Aber auch das ist Zypern: Brutstätten der Schildkröten unter anderem an den Stränden von Kap Kormakíti und in Lára. Eine Insel voller Gegensätze könnte man jetzt meinen. Sichelrich, doch vor allem eine Insel, auf der man sich erholt. Wie? Dafür gibt Autor Ralph-Raymond Braun so zirka eintausend Tipps. Also zweieinhalb pro Seite. Ist ‚ne ziemlich gute Quote für ein Land, das von Politikern und Kritikern als Hort des Bösen und der Korruption, als Paradies für Steuersünder abgeurteilt wird. Wenn dem so wäre, dann würden Mannschaften wie Aris Limassol oder APOEL Nikosia regelmäßig die Champions League gewinnen.

Ein Reiseband als Standradwerk zu kennzeichnen, ist eine Bürde für den Autor und den verlegenden Verlag. Doch Autor und Verlag können sich auf die Fahnen schreiben, den wohl umfassendsten Band zur südlichsten europäischen Inseln (ehemalige Kolonien Frankreichs und Großbritanniens ausgeschlossen) verfasst zu haben. Wanderer, Sonnenanbeter, Aktivurlauber, Pauschaltouristen (die werden nie wieder alles im Vorfeld planen, wenn sie dieses Buch gelesen haben) und individuell Reisende finden hier das, wonach sie suchen. Erholung in jedweder Form. Klar gegliederte Abschnitte und geschickt verlinkte Infokästen ergeben mit den zahlreichen Abbildungen und Karten einen Tipp-Pool, in den man sich auch bei einem Bauchklatscher nie verletzt.

Den Vater töten

Den Vater töten

Den Vater nie kennengelernt, von der Mutter unsanft aus dem gemeinsamen Heim geworfen – „Was soll aus so einem nur werden?“ Die Wahl scheint oft zwischen Genie und Wahnsinn, zwischen Gefühlskälte und einzigartigen Fähigkeiten hin und her zu pendeln.

Joe Whip ist mit seinen Zaubertricks seit einem Jahr der verzückende Star der Bars und Clubs der Spielerstadt Reno am Rande der Sierra Nevada. Norman Terence ist ein begnadeter Magier, der den 15jährigen ein neues Heim gibt und ihn in die Geheimnisse der großen Magier einweihen will.

Joe lernt begeistert – und dafür gibt es mehrere Gründe. Zum Ersten will er betrügen können, ein Ansinnen, das ihm Norman sofort wieder austreibt. Zum Anderen ist er, gelinde gesagt, total verschossen in Christina, Normans Freundin.

Diese Liebe in eine – für ihn – handfeste Tat umzusetzen, soll aber noch einige Zeit dauern. Denn erst an seinem 18. Geburtstag werden Christina und Norman ihn mit zum Burning Man Festival mitnehmen. Eine Welt, die Joe in eine Parallelwelt versetzen wird. Verrückte allenthalben, Feuerspucker (wie Christina), Gestalten aus fernen Galaxien, dauerhafte musikalische Beschallung und der Drang sich endlich Christina zu vereinigen. Sie wird es genauso wollen wie er. Joe und Norman geraten in einen Streit. Die hippiemäßige freie Liebe wird bei Norman einem Besitzanspruch weichen. Joe ist besessen von der Idee Christina, die nie seine Mutter war, und sich doch wie eine um ihn kümmerte, zu erobern, zu verführen und schlussendlich zu besitzen. Dieser philosophische Diskurs bringt die beiden Männer näher als sie es sich je eingestehen würden.

Joe verlässt Norman und Christina, um in Las Vegas Karriere zu machen. Was ihm auch anfangs gelingt …

Nicht jeder Vater muss nun Angst um sein Leben haben, wenn sein Kind ihm eröffnet: „Ich lese gerade Amélie Nothomb – ‘Den Vater töten‘“ Die Anleitung zum Patrizid oder Vatermord hält sich in Grenzen. Rasend schnell entwickelt Amélie Nothomb die Geschichte und vertieft den Leser nicht minder langsamer in den Strudel der Geschichte. Das Ende ist eines Hitchcock Thrillers würdig. Wer kurz vor Ende des Buches meint, die Lösung zu kennen, ist ein Narr oder ein unsagbar begnadeter Magier. Ebenso wie Joe, Norman und ein Belgier.

Cloud city

Cloud City

Dem Alltag davon schweben – den eigenen Gedanken, dem eigene tun nachgehen und nachhängen – urbane Gestalten gestalten ihren Rhythmus differenziert. Die Kurzgeschichten in „Cloud city“ unterscheiden sich gehörig von dem, was man als geübter Leser kennt und erwartet. Mark Heydrich erfindet Figuren, die es so nicht gibt. Oder doch?! Er lässt sie gewähren in ihrem Handeln, er wertet nicht. Und: Er gibt dem Leser viel Freiraum für Interpretationen.

Mit brachialer Präzision wirft er dem Leser Bruchstücke von Leben hin, konstruiert vage Geschichten und lässt Handlungsstränge und Ende offen. Der Leser wird unweigerlich in die Zeilen hineingezogen, um muss nun – wohl oder übel – für sich entscheiden, was er dem Helden antut oder welchen Weg er ihn einschlagen lässt. Das wird dem Leser aber erst beim Lesen bewusst. Einmal in den Fängen des Autors, gibt es kein Entkommen mehr. Wie Sand rinnt die Geschichte durch die Finger. Sie festzuhalten obliegt demjenigen, der die Zeilen vor seinem lesenden Auge hat. Ein Spiel, auf das man sich einlassen muss.

Hat man den Dreh raus, öffnet sich ein Paradies der Sinne. Auswanderer verlieren ihren Mut, Banalitäten wie eine defekte Glühbirne erheben sich zum Dreh- und Angelpunkt einer Brunchrunde unter Freunden. Und immer mit dabei: Der Leser. Unmerklich wird er Bestandteil der Geschichten.

Mal werden Rachegelüste in die Tat umgesetzt, oder nicht?! Der Leser muss jetzt entscheiden. Ist er Konsument, Zuschauer oder Beteiligter?

„Cloud city“ ist Mit-Mach-Lesen erster Klasse.

Untat

Rohm-Untat_lay02_Umschlag.indd

Sechzehn Grundsätze umfasst der Pressekodex der deutschen Presse. Einer davon lautet, dass man immer der Wahrheit verpflichtet ist und keine unlauteren Methoden anwendet. Man darf die Menschenwürde und Ehre nicht verletzen. Hehre Ziele, an die sich gute Journalisten auch halten. Nun gibt es aber – wie in jeder Branche, was keine Entschuldigung sein soll – auch schwarze Schafe. Die kommen an ihre Geschichten nur, wenn sie den Pressekodex missachten und so manche Grenze überschreiten.

Zwei dieser Exemplare spielen die Hauptrollen in Guido Rohms Krimi „Untat“. Ein Entführer und Mörder – sie nennen ihn Oscar, weil er es ihnen so vorgibt – kündigt die Entführung eines Kindes an. Die beiden sollen ihn dabei begleiten. Über ihn berichten. Hinterher. Wenn alles vorbei ist. Wenn er sein Lösegeld hat. Wenn er, Oscar, in Sicherheit ist.

Und schon haben wir, die Leser, die erste Zwickmühle. Normalerweise braucht ein Krimi immer einen (oder mehrere) Schurken. Und einen (oder mehrere) gute Jungens.

Oscar ist der Typ Mensch, den man seine kriminellen Absichten sofort ansieht. Die beiden namenlosen Journalisten erkennen in ihm eine krude Mischung aus Peter Lorre und Edward G. Robinson. Überhaupt hegen die beiden eine tiefgehende Liebe zu amerikanischen Gangsterfilmen. Leider haben sie daraus auch ihr Wissen über Verbrechen bezogen. Denn Hollywood ist nicht die reale Welt, und umgekehrt.

Oscar macht den beiden unmissverständlich klar, wer hier die (dreckigen) Hosen anhat. Er! Zwei Tage dauert die Vorbereitung des Verbrechens, für das sogar im Knast wenig Sympathie herrschen wird. Zwei Tage ohne entsprechende Hygiene, ohne passendes Essen. Die beiden Schreibtischtäter (zumindest waren sie es bis vor Kurzem noch) rümpfen elitär-angewidert die Nase, fassen die Umstände aber als zum Spiel dazugehörig auf. BCP – Bier, Chips und Pornos bestimmen nun den Tagesablauf. Am dritten Tag verschwindet Oscar, um das Verbrechen zu verüben. Ohne die beiden, Naseweise. Die würden nur stören.

Fast wie im richtigen Leben läuft auch hier nicht alles glatt. Guido Rohm lässt den Leser im Unklaren, was da eigentlich passiert. Andeutung reiht sich an Vermutung, Vermutungen liefern sich ein Bäumchen-Wechsel-Dich mit perfiden Träumen. Der Leser wird hin und hergerissen vom geschickten Spiel des schwerfällig Haupttäters mit seinen willigen Helfern. Am Ende … ja das Ende. Selber lesen!

Die Verwahrten

Die Verwahrten

Sicherheitsverwahrung. Verwahrung. Was soll das heißen? Woher kommt dieses Wort? Komisches Wort. Verwahrung. Ist jemand oder etwas nicht verwahrt, ist er/es dann verwahrlost?

Bis vor kurzer Zeit war es so, dass Schwerstkriminelle ohne Aussicht auf die so genannte Resozialisierung (noch so ein Wort, das man immer gern benutzt, aber über dessen eigentliche Bedeutung man sich nie Gedanken macht) nach Verbüßung ihrer Strafe in eine Sicherheitsverwahrung kamen. Und zwar so lange, bis sie keine Gefahr mehr für die Allgemeinheit darstellten. Diese Gangart haben aber Europäischer und Bundesgerichtshof verworfen. Wer seine Strafe verbüßt hat, ist frei.

Peter Neugebauer ist 49 Jahre alt und ist seit drei Tagen auf freiem Fuß. Er wollte zu seiner Verlobten, all das nachholen, was ihm in den vergangenen fünfzehn Jahren nicht erlaubt war. Vergewaltigung, Freiheitsberaubung und schwere Körperverletzung warf man ihm (zu Recht) vor. Nun steht er wieder in einer Zelle, nur wenige Schritte breit. Ab und zu kommt ein Wärter, Ankläger und Richter in einer Person vorbei und löchert ihn wohlformuliert mit Fragen, gibt klare Anweisungen. Peter Neugebauer ist nun 1/2011. Eine Nummer – mehr nicht. Schnell wird klar, dieses Gefängnis ist anders, härter als das, aus dem er gerade entlassen wurde.

2/2011 und 3/2011 geht es nicht anders. Auch sie sind Nutznießer des neuen Gesetzes und frei – zumindest auf dem Papier. Exekutive und Judikative versuchen der Sache Herr zu werden, indem sie Bauernopfer kreieren, die Presse hinhalten und Gefangene beschwichtigen. Ein perfides Spiel. Leider ist die ganze Sache ein Spiel. Ohne Happy end. Ohne Gewinner. Nur Verlierer.

Susanne Preusker beschreibt in diesem Roman die beklemmende Enge der endgültigen Zelle so anschaulich, dass es dem Leser graust. Die Täter, die nun Opfer sind – ob das gerecht oder gar recht ist, darüber müssen sich die Gelehrten streiten – leiden wie einst ihre Opfer. Die Handlungsunfähigkeit, das Desinteresse und die Ohnmacht der Politik schreit zum Himmel.

„Die Verwahrten“ ist nicht nur spannend zu lesen ist, sondern wird auch die Diskussion um eines der heikelsten Themen der Justiz befeuern kann.

Die Autorin arbeitete als Gefängnispsychologin und Psychotherapeutin. Ihr Erstling „Sieben Stunden im April“, in dem sie ihre eigene Geiselnahme und Vergewaltigung verarbeitete, erregte großes Aufsehen. „Die Verwahrten“ ist ihr erster Roman.

Mord auf vier Pfoten

Mord auf vier Pfoten

Dem Volk aufs Maul schauen – das tun Autoren zumeist. Lilo Beil schaut den Haustieren des Volkes aufs Maul. Denn die haben uns Menschen etwas voraus: Sie verstehen unsere Worte. Wir hingegen verstehen das Miaue und Gewuffe nicht.

Und so ist es nicht verwunderlich, dass die vierbeinigen Detektive in den Geschichten von Lilo Beil die besseren Ermittler sind. Manchmal sogar die besseren Menschen… Die Täter laufen auf zwei Beinen – bad. Die Kommissare verlassen sich auf ihre Spürnase und doppelt so viele Stützen – good. Das wusste schon George Orwell, der seinen Helden in „Animal farm“ diese Weisheit ins Maul legte.

Die Autorin nimmt Anleihen bei Märchen wie dem vom „Fischer und seiner Frau“, bei Wegbereitern des Krimi-Genres wie Agatha Christie und dem Meister der Spannung Alfred Hitchcock.

In ihren Geschichten verleiht sie den Detektiven nur leicht menschliche Züge – der Leser, der ja nun mal menschlich ist, muss den Gedankengängen schließlich folgen können…

Zweiundzwanzig tierisch-köstliche Fälle serviert die Autorin dem Leser auf dem Silbertablett. Ohne große Anstrengungen darf er sich nun der Lösung der Fälle widmen. Ein Lesespaß für alle Zweibeiner, die ihre Vierbeiner bisher immer unterschätzt haben. Ideal zum Selberlesen und Verschenken.

Wo Thales in den Brunnen fiel – Ein philosophischer Reiseführer in die Antike

Wo Thales in den Brunnen fiel

Und wieder ein Reiseband aus dem Primusverlag, den man so nicht kommen sah. Nachdem man Berlin historisch erreisen konnte, sind nun die Philosophen dran. Reisen zu den Orten ihre Wirkens. Reisen zu den Orten, an denen sie ihnen ihre genialen, universellen Ideen kamen. Ein Exkurs in die Geschichte des Denkens, mal ernst, mal zum Schmunzeln.

Der titelgebende Thales, dessen Satz so manchen Schüler zur Verzweiflung brachte, war nicht nur Mathematiker und Physiker, sondern auch Politiker und Astronom. Und zwar in Milet, an der heute türkischen Westküste, nur wenige Kilometer südlich von Ephesos. Eine Anekdote besagt, dass er den Himmel beobachtete und dabei den vor ihm liegenden Brunnen übersah. Und plumps – war es um ihn geschehen. Aber das ist nur eine Anekdote, ob sie wahr ist, weiß niemand. Vielleicht verspottete man ihn auch nur, weil er immer so wissbegierig das Himmelszelt mit den Augen verschlang. Erst im Jahr 585 v.u.Z. legte sich der Spott als er eine totale Sonnenfinsternis auf den Tag genau vorhersagte und damit Frieden der Region bescherte. Denn als sich die Sonne am helllichten Tag verzog, schlossen die verhärteten Fronten Frieden.

Nur eine Geschichte von vielen aus diesem amüsanten und originellen Reiseband. Reisen in die Antike – dafür gibt es unzählige Anlässe und Anbieter. Ein Orakel hier, ein verfallener Tempel da. Ein antikes Schlachtfeld vor Augen, eine Siegessäule im Rücken. Und immer der Lerngedanke im Kopf. So macht Erholung nur bedingt Spaß.

„Wo Thales in den Brunnen fiel“ ist die alternative Lernmethode dem Grundgedanken unserer heutigen Zeit und Forschung nachzugehen. Und das im wortwörtlichen Sinne. Warum nicht mal auf den Spuren von Denkern und Lenkern wandeln? Dorthin reisen, wo sie wirkten, wo sie ihre Spuren hinterließen.

John Gaskin gibt Hilfestellung bei der Planung des nächsten außergewöhnlichen Urlaubs.

Kapverden – Afrikanische Perlen im Atlantik

Kapverden - Afrikanische Perlen im Atlantik

Joachim Frank ist ein Urlauber wie er im Buche steht. Seine Reiseziele sucht er neben sich Erholungsgrad, Erlebnisgehalt und Wetteraussichten auch nach Originalität aus. Und mit den Kapverden, Kapverdischen Inseln, Cabo Verde liegt er ganz weit vorn. Das macht auf den ersten Blick unwahrscheinlich neidisch. Doch Joachim Frank ist so freundlich dem Leser alle seine Eindrücke mitzuteilen.

Die Kapverden liegen rund 500 Kilometer vor der Küste Senegals. Zwölf Inseln, die schwer zu beackern und zu bewohnen sind. Es ist ein gemütliches und beschauliches Leben hier mitten in der Blütenpracht der Inselgruppe. Wer weggehen kann, geht. Wer als Tourist die Inseln erobern kann, kommt.

Die Kapverden sind das ideale Reiseziel für alle, die in der Natur ungestört wandern wollen, die noch Berge erobern wollen wie einst Tom Sawyer den Mississippi. Für alle, die die Wörter Abenteuerlust und Entdeckergeist noch nicht aus ihrem Wortschatz gestrichen haben. Für alle, denen es bei „all-inclusive“ einen gruseligen Schauer über den Rücken jagt.

Joachim Frank und seine Frau nehmen das Abenteuer Kapverden in Angriff. Dieses Mal durfte er allein aussuchen, wohin die Reise geht. Gut gemacht. Wie jeder gute Tourist, bereitet sich Joachim Frank genauestens auf die Reise vor. So folgt dem obligatorischen Vorwort (wie die Reise zustande kam) ein kurzer Abriss in Landeskunde und –geschichte.

Und schon beginnt die Erkundung der grünen Felsen bzw. der grünen Landzunge.

Die Kapverden sind vulkanischen Ursprungs – Wanderungen zu den Gipfeln und Kratern sollte man nur geschulten Wanderern überlassen, ansonsten gibt es auf den Kapverden jede Menge Guides, die Gruppen an den Rand der Weltentstehung führen.

Autor Joachim Frank bereist verschiedene Inseln der Kapverden. Von schroffer Wildschönheit bis hin zur Badeinsel nimmt er jedes Angebot wahr. So – und nur so – entsteht für den Leser ein allumfassender Einblick in eine Inselwelt, die uns bisher verborgen blieb. Wer kennt schon jemanden von den Kapverdischen Inseln?

„Kapverden – Afrikanische Perlen im Atlantik“ ist ein Appetizer für alle, die auf der Suche nach dem nächsten Urlaubsziel sind. Ein bisschen Europa, ein bisschen Afrika, saubere Luft, atemberaubende Natur. Der Autor weiß zu verzaubern. Die Natur ist der eigentliche Held dieses Reisebandes. Die Wanderungen durch sie hindurch der Weg der Erkenntnis. Das Buch – ein wehmütiger Rückblick auf die wohl schönste Zeit des Jahres.

Unterwegs in Sizilien

Unterwegs in SizilienUlrike Rauh ist eingefleischten Italienreisenden als Autorin phantasievoller und harmonischer Spaziergänge durch Venedig, Rom, Florenz, Neapel und Ischia bekannt. Da ist es fast schon eine Schlussfolgerung, dass nun eine weitere abwechslungsreiche Destination am Stiefel Ulrike Rauh ins Visier genommen hat: Sizilien.

Die Autorin hat sich fest vorgenommen, ihre Freunde in Noto zu besuchen. Noto – so ganz nebenbei gesagt – war auf der Tourismusmesse in Berlin übrigens die einzige Stadt Siziliens, die mit einem Stand auf sich aufmerksam machte. Ende des 17. Jahrhunderts wurde wie durch ein Erdbeben komplett zerstört. Innerhalb kürzester Zeit wurde eine bis heute blühende Barockstadt auf dem Lavaboden gestampft.

Doch die Reise geht weiter. Durch das Tal der Tempel, Cefalu bis nach Palermo. Eine Stadt, die ihres gleichen sucht. Mafiahochburg, Heimat der schönsten Gärten Südeuropas, die in Italien verwirrenderweise Villa heißen, die die Autorin feststellt. Auch die Besteigung des Ätnas darf bei der Rundreise nicht fehlen. So, reichlich einhundert Seiten gelesen und erfahren, was alles gesehen haben muss. Die eigene Reise kann also beginnen.

Wer „Unterwegs in Sizilien“ so abschließt, darf nicht nach Sizilien einreisen. Das müsste verboten werden. Denn Ulrike Rauhs Bücher muss man mehrmals lesen – zwischen den Zeilen. Erst dann wird die Tragweite ihrer Worte sichtbar. Erst dann tritt die Schönheit der Landschaft vor den Vorhang des Nichtwissens. Erst dann kann man die Vielfalt Siziliens so richtig aufsaugen.

Ulrike Rauh nimmt sich außerdem die Zeit die Landschaft auf der Leinwand festzuhalten. Einige ihrer Bilder sind im Buch zu sehen und machen apettito auf mehr. Mehr Reiseimpressionen. Mehr Anekdoten. Mehr Sizilien. Ulrike Rauh beschreibt nicht nur nuancenreich, was sie alles gesehen hat. Sie hat sich vor der Reise informiert und lässt nun den Leser daran teilhaben. Wie ein Reiseleiter, nur ohne drohenden Signalschirm, der einem verheißt, dass es nur hier – und nirgendwo anders! – die Extraportion Wissen gibt. Ulrike Rauh und Sizilien – eine wortwörtliche Allianz, die man dank des Wiesenburgverlages immer wieder genießen kann.