Archiv der Kategorie: Urlaubslektüre

Das Luxemburger Tagebuch

Das Luxemburger Tagebuch

Es gibt schon seltsame Jubiläen. Und noch seltsame sind die Rituale diese zu feiern. Im Frühjahr 1983 verkündete das Magazin „Der Stern“ die Tagebücher von Adolf Hitler entdeckt zu haben. Ein Scoop, wie es im Fachjargon heißt. Ein echter Knüller! Die Geschichte lehrte uns etwas anderes: Alles Lug und Trug!

Der Verlag Capybarabooks aus Luxemburg feiert dieses eigenartige Jubiläum – 30 Jahre Hitlertagebücher – mit schwarzer Satire. Denn erst kürzlich ist das Tagebuch von Eva Braun aufgetaucht. Das, das über ihre kurze Zeit in „Lützelburg“ Aufschluss gibt.

Im Hochsommer 1942 ist Eva Braun langweilig, so langweilig. Boah, wat is ihr langweilig! ER verspätet sich, wie so oft. Sie will verreisen. Paris soll es sein, doch Albert (Speer) rät ihr davon ab. Nicht, weil man dort nicht mit Reichsmark bezahlen kann, wie sie vermutet, sondern weil man dort den Deutschen nicht so unbedingt folgen will, wie ER es gern möchte. Das Gau Moselland wäre ja auch ganz hübsch. Und Lützelburg liegt gleich um die Ecke. Dort habe man sehr viel französisches, obwohl die Sprache dort verboten sei, seitdem Lützelburg heim ins Reich geholt worden sei.

ER kümmert sich um den Osten, Eva Braun zieht es nach Westen.

Am 23. Juli 1942 kommt sie am Hauptbahnhof in Luxemburg, wie es die Einheimischen nennen an. Ein Riesenradau ist da auf der Straße. Alle schreien „Wolle“. Eva Braun ist verwirrt – das scheint sich den Zeilen nach durch ihr gesamtes Leben zu ziehen. Albert hatte doch gemeint, dass man hier deutsch sprechen würde. Vielleicht ein Dialekt? Nee, nee, die Luxemburger wollen nur bleiben, was sie sind.

Des Weiteren lernt Eva Braun nicht nur den Schriftsteller Norbert Jacques, einem breiten Publikum als der Erschaffer des Dr. Mabuse bekannt und den Mercier-Champagne kennen, und letzteren sogar lieben. Und so viele hübsche Straßen gibt es hier in Lützelburg. Die meisten heißen wie ER.

„Das Luxemburger Tagebuch“ ist satirischer Geschichtsunterricht auf ganz hohem Niveau. Die Welt drehte sich auch in der düstersten Periode Europas und Luxemburgs weiter. Seitenhiebe auf Bücherverbrennung, Görings Körperumfang und Blondi (SEIN Schäferhund), das depperte Viech, gepaart mit bitterbösem, schwarzen Humor, verleihen diesem Buch das Prädikat „Besonders wertvoll“. Kein Schenkelklopfer, vielmehr ein hintersinniger – und zudem gelungener – Versuch ein dunkles Kapitel der Landesgeschichte mit einer lachenden Träne im Knopfloch zu begreifen.

Der Tod des Landeshauptmanns

Der Tod des Landeshauptmanns

Was in Deutschland der Ministerpräsident, ist in Österreich der Landeshauptmann. Und es gab einen Landeshauptmann, dessen Bekanntheit weit über die Grenzen seines Bundeslandes Kärnten hinaus ging: Jörg Haider. Er regierte exakt 26 Monate in den 80er und 90er Jahren und noch einmal vom Frühjahr 1999 bis zu seinem bis heute zu wilden Spekulationen Anlass gebenden Tod im Herbst 2008. Und genau um diesen – für viele mysteriösen – Tod geht es im Buch des ORF-Journalisten Eugen Freund. Auch wenn dieser Roman nach eigenem Bekunden einzig allein der Phantasie des Autors entsprungen ist, weiß jeder um wen es darin geht. Denn der Begriff Landeshauptmann fand in Deutschland erst durch Jörg Haider wieder Einzug ins den Sprachgebrauch und wird noch immer mit ihm in Verbindung gebracht.

Jasmin Köpperl ist Journalistin. Ihr Freund Stefan Stragger ist … tot. Der Ermittler beim Heeresnachrichtendienstes schrieb gerade an einem echten Thriller, dessen Fortschritte er seiner Freundin regelmäßig als Mail zu lesen gab. Besteht etwa ein Zusammenhang zwischen Themenrecherche und seinem Ableben?

Die Trauer überwunden macht sich Jasmin Köpperl auf die Suche nach dem Mörder. Nach und nach kommt sie einem Geheimnis auf die Spur. Der Tote, den ihr die Polizei präsentiert, ist nicht Stefan, sondern sein wenige Wochen zuvor verstorbener Bruder. Je länger sie in den Kapiteln von Stefans Buch stöbert, umso mehr keimt in ihr der Verdacht, dass die darin beschriebenen – fiktionalen – Zusammenhänge gar nicht so weit von der – realen – Wahrheit entfernt sein könnten. In dem Buch geht es um den Tod des Landeshauptmanns Haider, Verstrickungen seiner Familie während der Nazi-Okkupation, Beziehungen zum kroatischen Regierungsapparat und der Mossad. Die gemeinsamen Urlaube mit dem mittlerweile verschwundenen Stefan waren Recherchen für sein Buch. Oder gar mehr? Jasmin erkennt so vieles wieder und stochert doch so sehr im Trüben.

Eugen Freunds Wissen um die Brennpunkte der Weltpolitik und ihrer Hintermänner verschmelzen in diesem Roman zu einer vollkommenen Einheit von Fiktion und Fakten. Es besteht mancherorts die Gefahr beides miteinander zu verwechseln. Und das sollte man als Lob anerkennen.

Es ist ein Privileg von erfolgreichen, machtbesessenen Alpha-Tieren, dass sie meinen unbesiegbar zu sein, sich alles herausnehmen zu können. Jörg Haider war so ein Machtmensch. Die Herzen und Wählerstimmen flogen ihm zu, seine politischen Ansichten waren grenzwertig, um es milde auszudrücken. Der Tod des Landeshauptmanns löste verschiedene Reaktionen aus. Die Einen waren erleichtert, weil es nun einen geistigen Brandstifter weniger gab. Die Anderen waren entsetzt ob der tragischen Umstände seines Todes. Einen politischen Feind bekämpft man lieber mit Argumenten als durch eine Tragödie. Und die war es schlussendlich. Jörg Haider hinterließ eine Frau und zwei Töchter.

Eugen Freund hinterlässt dem Leser einen erstklassigen Thriller.

Das Halsband der Tauben

Das Halsband der Tauben

Mekka, Vielkopfgasse, Gegenwart. Der Name der Straße, der Gasse ist Programm. Einst wurden hier die losen Häupter von vier Männer gefunden: Einem Juden, einem Christen, einem Pseudopropheten und einem Feueranbeter. Schon diese Tatsachen allein genügten sie der Götzendienerei anzuklagen, was dann mit dem Abschlagen des Kopfes endete.

Wie ein Omen künden die ersten Seiten dieses ungewöhnlichen Krimis von dem, was da noch kommen wird. Und siehe da: Schon liegt eine Frauenleiche in der Gasse. Ob es eine „schöne Leich“ ist, kann man nicht sagen. Denn der verdrehte Körper ist außerdem extrem entstellt. Nun beginnt das Rätselraten, wer denn da im Staub der Vielkopfgasse liegt. Antwort kann nur der Erzähler geben. Und der ist … die Gasse selbst. Ja, die Vielkopfgasse erzählt vom Unheil, das auf ihrem Grund und Boden passiert ist. Doch dann wäre ja die Arbeit von Inspektor Nassir vergebens. So lässt uns Leser die Gasse im Dunklen tappen. Gerüchte machen die Runde. Vermutungen und Mutmaßungen übertreffen sich gegenseitig. Und der Täter? Da hat Nassir schon eine Ahnung. Doch die Spürnase arbeitet gewissenhaft. In dieser Gasse wurde schon einmal – vor Jahrhunderten – vorschnell gehandelt. Nicht noch einmal. Nicht durch ihn.

Immer wieder Andeutungen, Gleichnisse, Geheimniskrämerei – der Leser wird – auf angenehme Art und Weise – bis auf Messer gereizt. Die Spannung ist kaum noch zu ertragen. Und immer noch so viele Seiten bis zur Lösung des Falles.

Ein Roman über eine Frauenleiche in Saudi-Arabien, im heiligsten Mekka, geschrieben von einer viel geehrten Frau. Das klingt für unsere westlichen Ohren, für unser von Vorurteilen gegenüber der arabischen Kultur geprägtes Wissen, nach einem unwahrscheinlichen Fall. Raja Alem beweist mit diesem nicht nur dicken, sondern dicht gestricktem Krimi das Gegenteil. Die besondere Erzählweise verführt uns in die Gassen Mekkas, wo gleich um die Ecke die Kaaba, der heilige Ort von Abraham persönlich errichtet wurde, und der jährlich von Millionen Gläubigen (effektvoll vom Fernsehen in Szene gesetzt) umrundet wird. Hier liegt also eine Leiche. Hier beginnen die Ermittlungen, die hier genauso ablaufen wie man sie aus englischen, französischen, italienischen oder amerikanischen Krimis kennt. In „Das Halsband der Tauben“ (wie lyrisch für solch ein abscheuliches Verbrechen) treffen westliche Lesegewohnheiten auf arabische Traditionen, gepaart mit einem Schuss Spannung und Verwirrung.

Zugegeben, man muss sich auf diesen Roman einlassen können. Doch mit jeder gelesenen Seite füllt sich das Herz mit Befriedigung sich diesem fremdartigen Stoff gestellt zu haben.

Gondola

Gondola

Sie kann auch anders: Donna Leon leistet sich immer mal wieder einen Ausflug weg von ihrem Commissario Brunetti. Doch keine Angst: So weit geht die Reise auch wieder nicht. Zumindest geografisch. Donna Leon bleibt in ihrem geliebten Venedig. Nur eben halt ohne Guido.

„Gondola“ ist eine Liebeserklärung an DAS Symbol Venedigs. Denn auch der moderne, in der Informationsgesellschaft angekommene Mensch sieht Venedig nicht nur als von Touristen überlaufenen, mit Kitsch vollgepackten, regelmäßig vom Aqua Alta heimgesuchten Ort, sondern wünscht sich in dieser romantischen Stadt eine Fahrt mit der Gondel. Vorbei an prächtigen Palästen, an liebevoll verzierten Häusern, unter erhabenen Brücken hindurch, an schwungvollen Plätzen vorübergleiten. Dazu ein echtes venezianisches Lied auf den Lippen des Chauffeurs. Ein Klischee? Oft, aber nicht immer.

Donna Leon geht der Geschichte der Gondel auf den Grund. Faktenfest und phantasiereich – so wie in ihren weltbekannten Brunetti-Romanen nimmt sie den Leser an die Hand und führt ihn durch die Jahrhunderte alte Tradition dieser etwas windschief in den Wogen der Lagune reitenden schwarzen Pfeile.

Das Büchlein ist angereichert mit aussagekräftigen Gemälden zum Thema. Gondeln so weit das Auge reicht. Mal überdacht, mal in historischen Szenen, mal in gefährlicher Brandung.

Als kleines Zuckerli liegt dem Buch eine CD mit venezianischen Gondelliedern bei. Eingespielt auf Donna Leons Wunsch vom Ensemble „Il Pomo d’Oro“. Und selbst auf dem Silberling gibt es noch eine hochkarätige Zugabe: Cecilia Bartoli. Die Freundin Donna Leons, die sie schon zu ihrem letzten Roman „Himmlische Juwelen“ inspirierte, steuert den letzten Titel der CD bei.

Eine höflichere Aufforderung die Lagunenstadt zu besuchen, gab es noch nie. Donna Leon schafft es wieder einmal der Stadt ein literarisches Denkmal zu setzen.

Komisch, kauzig und kurios

Komisch, kauzig und kurios

Den Deutschen wird nicht unbedingt ein besonderer Sinn für Humor nachgesagt. Nüchtern und korrekt sind eher typisch deutsche Eigenschaften. Sich an ein Werk wie „Komisch, kauzig und kurios – Ein Sammelsurium deutscher Sehenswürdigkeiten“ heranzuwagen, scheint da eine heikle Unternehmung zu sein. Doch schon beim Vorwort wird klar: Deutschland ist immer eine Reise wert. Und oft auch mit einem Lächeln im Gesicht. Es gibt genügend „Verrückte“, die eine ungewöhnliche Leidenschaft pflegen und diese gern auch präsentieren. Maike Hettinger hat 36 komische, kauzige und kurios in diesem Buch verewigt.

Um einen schiefen Turm besichtigen zu können, kann man sich elend lang in einen Bus setzen und in die Toskana fahren. Pisa – ein Moloch der kitschigen Touristenandenken. Auch wenn dort der einzigartige schiefe Turm steht. Falsch. Einzigartig ist der bestimmt nicht. Oberkirchgasse in 06567 Bad Frankenhausen. Hier wurde 1382 die Basilika im gotischen Stil fertiggestellt, nur zweihundert Jahre nach dem in Pisa. 1920 wurde bereits eine Abweichung des Turms in der Senkrechten von 2,21 m festgestellt. 2013 waren es schon 4,6 m.

Noch nicht kurios genug? Dann müssen Sie erstmal das Buch auf den Kopf stellen. Die Besucher von Trassenheide, Gettorf, Bispingen, Putbus oder Leuna tun dies auch. Denn stehen die Häuser auf dem Kopf. Ist schon ziemlich verzwickt an der Decke herumzuspazieren. Aber so kann man wenigstens auf Fotos mal einen Handstand auf einem Finger machen.

Ganz aktuell: Das Hamburger Zusatzstoffmuseum in der Banksstraße. Immer wieder warnen Ernährungswissenschaftler vor den Gefahren der E-Stoffe im Essen. Hier wird der Besucher aufgeklärt, was gut ist, was weniger.

Mit wenig gibt sich Halberstadt nicht zufrieden. Denn hier läuft das längste Konzert der Welt. 639 … nach Minuten, Stunden … was soll es sein? Nein Jahre. 639 Jahre soll das Stück laufen. John Cage hat es komponiert. Ein Tonwechsel dauert da schon mal mehrere Jahre. Der nächste am 5. Oktober 2013, dann wieder am 5. September 2020 usw.

Da kann zwischendurch eine kleine Weltreise machen. Zum Beispiel nach Hof in den Fernwehpark.

Der ungewöhnliche Reiseband gibt Anregungen für Ausflüge und Urlaube in Deutschland. Langweilig wird es garantiert niemals. Denn Deutschland hat Komik, Kauzigkeit und Kuriosität.

Mohnblumen wie Blutflecke

Mohnblumen wie Blutflecke

Das gibt’s doch gar nicht. Da kommt Karl Drischer auf Georg Händel zu und bittet, ja fordert ihn geradezu auf seinen Mörder zu finden. Also den von Karl Drischer. … Ja, das muss man erstmal sacken lassen. Ist der Alte noch bei Trost? Er lebt doch. Noch. Und dann offeriert Drischer Händel, der so ganz nebenbei auch noch Krimiautor ist, dass er diesen in seinem Testament mit 250.000 Euro bedacht hat. Georg Händel schwant Böses. Denn nicht nur, dass er im beschaulichen Stein am Rhein einer unglaublichen Geschichte auf die Spur geführt wird, so wird er gleichzeitig zu einem der Hauptverdächtigen. Das Testament umfasst um die 50 Mio. Euro, verteilt auf acht Personen, inkl. Händel.

Was tun? Den Auftrag ablehnen? Geht nicht – er steht ja im Testament. Also auf Wohl oder Übel annehmen. Und dann taucht auch noch Christoph Kamer auf. Ein unangenehmer Typ mit Hang zu Militäruniformen und leichten Naziattitüden. Ebenfalls Schriftsteller. Und auch er macht Händel ein Angebot, das der nicht ablehnen kann. Er schreibt Händels nächsten Roman – zufällig (natürlich) zum gleichen Thema: Dem Tod Karl Drischers. Als Bezahlung will er Lina Wasmeier. Sie ist die Freundin Georg Händels. Ein Ding der Unmöglichkeit. Ein Mensch ist kein Stück Vieh, mit dem man Handel treibt. Oder doch?!

Gunter Gerlach treibt seine Akteure zu Höchstleistungen an. Getrieben von Neugier und dem Drang einen neuen, unglaublichen Roman zu schreiben und dem moralischen Schlucht, die die Verträge in sich bergen, scheucht er Händel, Drischer und Kamer durchs schweizerische Rheintal.

Verdächtige gibt es genug. Zum Beispiel Juliana Henkel, die Schwester des möglichen Mordopfers. Sie hasst Karl Drischer aufs Äußerste. Für sie war er schon immer ein Ekel, das sie mit Vorliebe quälte und tyrannisierte.

Alle Beteiligten scheinen eine Rolle zu spielen. Und Händel mittendrin. Er muss die Fäden aufdröseln, um selbigen nicht zu verlieren.

Gunter Gerlach erhielt in diesem Jahr den Friedrich Glauser Ehrenpreis für seine Arbeiten. Bereits vor einigen Jahren erhielt er zweimal den renommierten Preis für Krimi-Kurzgeschichten. Der Friedrich Glauser Preis gehört neben dem Deutschen Krimipreis zu einer der wichtigsten Auszeichnungen für Krimiautoren. Mit „Mohnblumen wie Blutflecke“ schickt er den Leser auf eine Reise durch Dickicht der menschlichen Phantasie, die abscheulich und erregend zugleich sein kann. Diesen Krimi legt man erst aus der Hand, wenn man auf der letzten Seite angelangt ist.

Wölfe in Genua

Bruno Morchio - Wölfe in Genua

Das ist nicht fair! Montagmorgen. Die Woche beginnt träge. Über den Dächern der Stadt weht leise der Schirokko, dieser unaufhörliche, nicht starke, dennoch immer spürbare Hauch von Nichts. Und Privatdetektiv Bacci Pagano wird von seinem Schöpfer Bruno Morchio schon wieder in die Spur geschickt. Ein alter Mann liegt zerfleischt im Park. Ein Jogger hat ihn entdeckt. Die Versicherungsgesellschaft CarPol in Person von Dott. Gianluca Boero will die genaue Todesursache wissen. Denn Mino Terenzi hatte eine hohe Lebensversicherung abgeschlossen. Seine um einiges jüngere Frau hat schon zu Lebzeiten dem Leben die guten Seiten abgerungen. Soll heißen, dass die beiden wohl gehörig über ihre Verhältnisse lebten. Julia Rodriguez Amanzar kam als Illegale aus Panama nach Genua. Eine „Karriere auf dem Strich“ galt wahrscheinlicher als ein bequemes Leben an der Seite eines reichen Sugardaddys. Davon geht die Polizei aus. Trips nach Monte Carlo, ein teures Cabrio waren ihr beschieden. Und nun liegt ihr Gatte mit durchbissener Kehle am Wegesrand. Mehr als nur eine Randnotiz: Genau in der Gegend wurde ein Wolf gesichtet bzw. wurde er gehört. Ein elendes Heulen jede Nacht.

Und Julia Amanzar hatte einen Lover, Manuel, Chilene, Besitzer einer Hundezucht. Doch das weiß nur Bacci Pagano. Julia hatte Angst diese Information an die Behörden weiterzugeben. Klar! Eine hohe Lebensversicherung, eine (lebenslustige) junge Witwe, ein Hunde züchtender Lover und die Wolfshaarspuren unter den Fingernägeln des Opfers. Da kommt man schnell auf den Gedanken, dass Manuel und Julia gemeinsame Sache gemacht hätten. Doch Julia überzeugt die Spürnase Pagano, dass ihr Gatte Manuel kannte und von der Liaison wusste. Geliebt hatte Julia nur ihren Mino.

Mino ist allerdings auch nicht der trottelige Alte, der sich von einer heißblütigen Latina das Leben aussaugen ließ. Er ist bzw. war ein gewiefter (und vor allem zäher) Kredithai, der im Dunkeln seinen Geschäften nachging. Und er hatte eine Tochter, die auf Julia überhaupt nicht gut zu sprechen ist. Was so fade, so tröge begonnen hat, entwickelt sich zu einem verzweigten und verzwickten Fall für Bacci Pagano.

Bruno Morchio gewährt einen weiteren Blick tief in die Seele der ligurischen Metropole Genua. Auch Pagano bekommt in seinem zweiten Fall mehr Profil. Ein Treffen mit seiner Ex-Frau, die Beziehung zu seiner Tochter Aglaja thematisiert der Schriftsteller. Leider sind die folgenden drei Romane über den Mozart liebenden Ermittler bisher nur auf Italienisch erschienen. Ende offen.

Meine kurze Geschichte

Meine kurze Geschichte

Jahrhundertphysiker wird er genannt. Stephen Hawkings Ruf basiert einzig allein auf seinem enormen Wissen um die Welt. Und seiner sympathischen Art dieses Wissen einer gewaltigen Hörer- und Leserschaft nahe bringen zu können. Und seiner Selbstironie. Meist sind es Schauspieler, Musiker oder andere Künstler, die sich in unseren Herzen und Köpfen festsetzen. Wissenschaftler nur sehr selten. Das kann nicht nur allein an der äußeren Erscheinung Hawkings liegen. Da steckt mehr dahinter. Nun gewährt der in jeder Hinsicht außergewöhnliche Mensch Stephen Hawking einen Einblick in sein Leben.

Seine Eltern waren nicht wohlhabend, als er am 8. Januar 1942 in England das Licht der Welt erblickte. Der Vater war Arzt, spezialisiert auf Tropenkrankheiten. Die Mutter schmiss den Haushalt und zog die Kinder auf.

Die entbehrungsreiche Kriegszeit prägte das Leben der Familie weit über die klagereiche Zeit hinaus. Nicht zum Spaß, sondern aus berechnender Sparsamkeit schafften sich die Hawkings einen Wagen an. Nein, kein Auto. Einen Wagen, den zuvor Zigeuner ihr Eigentum nannten. Grün angestrichen und ab ging’s ins Grüne. Das war Urlaub auf Hawking’sche Art. Was die Nachbarn dachten und sagten, war dem Ehepaar Hawking egal. Stephen störte diese Gleichgültigkeit. Sein Streben nach Wissen brachte ihm mit 17 ein Stipendium in Oxford ein. Fleißig – ein Fremdwort für ihn und seine Kommilitonen. Entweder hatte man es drauf oder nicht. Lernen war verpönt. Kaum zu glauben, aber wahr.

Mit absoluter Hingabe und Freizügigkeit schreibt Stephen Hawking auch über seine beiden gescheiterten Ehen. Seine fortschreitende Krankheit brachte die Ehen ins Wanken und schlussendlich zum Fallen. Doch kein böses Wort kommt ihm über die Lippen. Stephen Hawking ist nicht nur ein Gentleman, er ist ein in sich ruhender Mensch, dem die Neugier vorantreibt.

Einem breiten Publikum wurde er mit seinem ersten Werk „A brief history of time“ bekannt. Zig Millionen Mal wurde das Buch verkauft, stand fast drei Jahre auf der Bestsellerliste der New York Times, in England sogar fast fünf Jahre.

Stephen Hawking ist mehr als nur ein weiterer Nerd, wie er zum Beispiel in „The Big Bang Theory“ immer wieder gern parodiert wird. Stephen Hawking ist ein brillantes Genie, das vom Leben zu oft Zitronen bekommen hat, und immer wieder leckere Limonade daraus machte. Und wir alle dürfen nun mit ihm genüsslich am Strohhalm nuckeln.

Hansestadt Lübeck

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Bilden Sie einen Satz mit Brandt, Grass, Marzipan und Mann. MANN, habe ich einen GRASSen BRANDT auf MARZIPAN. Oder in einem Wort: Lübeck. Die meisten bringen die bis 1937 noch einen eigenen Staat bildende Hansestadt mit den Namen Willy Brandt, Günter Grass und dem Schriftsteller-Clan Mann sowie dem weltberühmten Marzipan in Verbindung. Doch das würde Lübeck nur im Ansatz gerecht werden.

Die Buchreihe „Ausflüge zu Archäologie, Geschichte und Kultur in Deutschland“ aus dem Konrad-Theiss-Verlag zeigt einmal mehr auf, dass Städte auch unter der Erde einiges zu bieten haben. Hier liegen Geschichte und Geschichten. Und die gilt es zu entdecken.

Als Handelshochburg der Hanse kam Lübeck schnell zu Reichtum und Ruhm. Doch schon vor Jahrtausenden siedelten hier die ersten Menschen. Ausgrabungen belegen dies mit Zeugnissen, die bis in die Bronzezeit zurückreichen.

Bis in die Gegenwart dauern einzelne Ausgrabungen an. Und immer wieder treten neue Erkenntnisse über das Leben der ersten Lübecker zu Tage. Die UNESCO erklärte die Altstadt zum Weltkulturerbe.

Fünf Rundgänge durch die Altstadt lassen Geschichte lebendig werden. Dreiundzwanzig Ausflüge in die Umgebung bis Travemünde geben den Blick frei für die Stadt und ihre Entwicklung. Sie führen vorbei an slawischen Ringwällen, Herrenhäusern und Hügelgräbern.

Oft lassen wir verzierte Steine am Wegesrand liegen – das sollen wir auch. Aber wir schenken ihnen keine Bedeutung. Mit diesem Buch werden die Schriftzeichen zu lebendigen Zeugen der Geschichte.

Dieses Buch ist nicht nur für Experten gemacht. Jeder neugierige Besucher der Stadt Lübeck, der mehr als nur die leckeren Naschereien im Sinn hat, wird mit den hier beschriebenen Routen mehrere Spaziergänge voll geistigen Inputs erleben. Hier treffen Geschichte und Moderne auf unterhaltsame Weise aufeinander.

So GRASS haben Sie Lübeck noch nie gesehen. MANN oh Mann, der geistige BRANDT, die Neugier auf Altes und Neues steigert sich von nun an ins Unermessliche. Als Belohnung gibt es dann ein Stück MARZIPAN.

Bis nichts mehr geht

Amila - Bis nichts mehr geht

Voller Tatendrang reist Marie-Anne nach Nomville. Sie wird dort ihre erste Stelle als Lehrerin antreten. Doch wie ernüchternd ist dieser trostlose Ort mitten in der Normandie. Ernüchternd trifft es vielleicht nicht ganz: Nomville ist die Hochburg der Schwarzbrenner. Calvados ist das Gold der Normandie. Die gesamte Einwohnerschaft scheint in dieser Apfelschnapswolke dahinzudämmern. Selbst die Kinder.

Im Dorfteich ist Francoise ertrunken. Welch ein Unglück! Denn ausgerechnet heute sollte doch gebrannt werden. Da sollte sie helfen. Und die Polizei wird auch erst geholt, wenn die Duftwolke sich verzogen hat. Und in so einem Ort, einem Ort, indem sogar der Pfarrer im Delirium predigt, soll Marie-Anne den Jüngsten etwas beibringen? Na Prost Mahlzeit!

Immer tiefer in den Strudel des Schwarzbrennens und des Alkoholschmuggels gerät sie als ihr Pierrot den Hof macht. Er verfolgt zwei Ziele. Zum Einen will er Marie-Anne beeindrucken. Zum Anderen will er ein erfolgreicher Geschäftsmann werden. Wie? Das ist klar – mit dem Gold der Normandie. Was er nicht weiß: Marie-Annes Cousin ist bei der Polizei.

Sie selbst ist eine Verfechterin des nüchternen Lebensstils. Als sie entdeckt, dass die Kinder, die sie unterrichtet, ungeniert Schnaps mit Kaffee im Unterricht zu sich nehmen, und sie anschließend auch keine Unterstützung der Direktorin erhält, weiß sie, dass das avisierte Jahr in Nomville kein Zuckerschlecken wird.

Einziger Ausblick: Pierrot. Doch der hat sein Leben auch dem Rauschgold verschrieben. Sein Karriereweg scheint steil nach oben zu zeigen.

Verfolgungsjagden, rigide Lehrmethoden, gewitzte Gauner und clevere Flics sowie ein krachender Showdown – Jean Amila liefert mit „Bis nichts mehr geht“ einen allumfassenden Krimis mit Witz und Charme ab. Knallhartes Kalkül und eine lockere Lebensauffassung der Einwohner von Nomville machen aus einem Krimi der Serie noir einen unterhaltsamen Thriller mit geradlinigen Charakteren, die das Gesetz gern nach ihrem Gutdünken auslegen. Man merkt in jeder Zeile den diebischen Spaß, den Amila beim Schreiben gehabt haben muss.