Archiv der Kategorie: Urlaubslektüre

Gärten der Kraft

Gärten der Kraft

Wien ist eine der Städte, der Hauptstädte der Welt, die man erlaufen muss. Die Geschichte bzw. ihre buchstäblichen Erbauer lassen den Besucher flanieren, staunen, atmen. In Wien sind vierzig Prozent der Grünflächen öffentliche Anlagen. Immerhin achttausend Hektar Grün. Und die wollen erobert werden. Allen voran Schönbrunn und der Prater. Ein bisschen außerhalb Laxenburg und Schloss Hof.

Und schon ist man mittendrin im Grün von Wien (mit ein bisschen Dialekt reimt es sich sogar). Eine Millionenstadt wie Wien braucht eine grüne Lunge, weil sich die Hektik des Alltags nur im Grün der Natur vertreiben lässt. Und deswegen haben die Wiener gleich mehrere davon. Sie zu finden ist nicht schwer. Sie zu erlaufen, zu erleben, in sich aufzusaugen, dafür bedarf es schon eines besonderen Reisebandes. Und so einer ist „Gärten der Kraft“ von Gabriele Lukacs.

Die Wienexpertin beginnt ihre erholsamen Rundgänge natürlich in den kaiserlichen Gärten. Die ausladenden Wege sind jedes Jahr Anziehungspunkt für Millionen Besucher aus aller Welt. Der Schlosspark von Schönbrunn besitzt sogar ein kleines Geheimnis. Obwohl: So klein ist es gar nicht. Es ist das Pentagramm, dass Gloriette, Tiergarten, Wagenburg, Orangerie und Obelisk verbindet. Verbindet man die Eckepunkte ergibt sich ein weiteres Fünfeck. Diese Linien sind nicht zufällig gewählt. Krafttanken in barocker Umgebung – so kommt man dem Geheimnis des Pentagramms auf die Spur.

Auch außerhalb der Donaumetropole können Besucher so manches Kleinod als Tankstation für Körper und Geist entdecken. So zum Beispiel in Baden. Nur ein Katzensprung vor den Toren der Stadt haben Gärten hier seit Eh und Je ihre Tradition. Kaiser haben sich hier verewigt. Wohl auch deswegen gehört der Kurpark zu den Größten Europas. Kaiser haben es eben gern ein bisschen größer. Das kommt dem Besucher von heute zugute. Wer nun immer noch nicht glaubt, dass auch hier ein Platz zum Krafttanken ist, der soll sich vor Augen halten, dass Beethoven hier oft flanierte und seine Neunte hier entstand.

Abgelegen im Wienerwald liegt ein Kartäuserkloster, das seit einigen Jahren aus seinem Dornröschenschlaf langsam wieder erwacht wird. In Mauerbach wurde vor sieben Jahrhunderten der erste Stein für das Kloster gelegt. Türkenbelagerung und das Erdbeben von 1590 fügten ihm erheblichen Schaden zu. So nach und nach verfiel das Kloster und mit ihm sein Garten. Seit drei Jahrzehnten dient es als Ausbildungsstätte für Baudenkmalpflege und wird liebevoll restauriert. Die Zellengärten sucht man vergebens – sie gibt es nicht mehr. Den Kaisergarten hingegen kann man wieder besichtigen.

Wien einmal anders. Kraftvoll. Erholsam. Unaufgeregt. Wer Wien schon kennt, wird in diesem Buch viel Neues erleben, sein Reisefieber wieder entfachen für die abwechslungsreiche Stadt. Gabriele Lukacs ist bei den neuerlichen Erkundungen eine beruhigende Reiseleiterin.

Mona Lisas dunkles Lächeln

Mona Lisas dunkles Lächeln

Dieser verdammte Krieg dauert noch fünfzig Tage. Wenn Emmerich Pöchmüller, der Direktor der Saline in Altaussee, das wüsste, würde sein Leben sicher anders verlaufen. Doch so bekommt er den Befehl von Gauleiter Eigruber die Saline zu sprengen. Warum nur? Diesen Befehl zu verweigern, wäre sein Ende. Und das seiner Leute. Die mögen ihren Chef, weil er für sie immer ein offenes Ohr hat.

Die Saline ist aber nicht irgendeine Saline. Hier lagert die wohl größte Ansammlung wertvoller Kunstschätze. Die Nazis gaben Unmengen aus, um die gigantischste Kunstsammlung der Welt zusammenstellen zu können. Der Größenwahn machte auch vor der Kunst nicht halt. Und jetzt soll alles mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln vernichtet werden. Werke von da Vinci, Rubens, Rembrandt – alles weg? Alles soll vernichtet werden?

Die Russen haben Wien schon fast eingenommen. Amerikaner, Franzosen und Briten knabbern dem tausendjährigen Reich immer mehr Tage ab und Wochen ab. So manch einer nimmt die Beine in die Hand, andere wollen nur noch verbannte Erde hinterlassen.

Emmerich Pöchmüller versucht Gauleiter Eigruber von seiner wahnwitzigen Idee abbringen die Saline zu sprengen. Schließlich wird hier auch Salz für die Wehrmacht abgebaut. Solche Argumente ziehen immer. Fast immer. Doch der bleibt stur.

Anna Ahlrich hat den beschwerlichen Weg von Dresden ins Salzkammergut auf sich genommen, um die Kunstschätze in der Saline, hunderte Meter unter der Erde zu katalogisieren. Eine Todesliste für Kunstschätze. Dabei fällt ihr eine Kiste auf. „Vorsicht Marmor – nicht stürzen!“ Wie ein Mantra brennen sich die warnenden Worte in ihr fest, denn beim ersten Rundgang fiel auch der Name der wohl berühmtesten gemalten Frau: Mona Lisa! Ist etwa auch dieses Gemälde hier im Berg versteckt?

Die Geschichte ist wahr – die Handelnden frei erfunden. Bergwerke waren und sind beliebte Unterbringungen für Kunstgegenstände. Eine konstante Temperatur und beständige Luftfeuchtigkeit sorgen dafür, das Gemälde nicht durch Klimaschwankungen beschädigt werden. Als die Alliierten die Saline nach dem Krieg übernahmen, fanden sie tausende (!) Kunstgegenstände vor. Zweiundzwanzigtausend sollen es gewesen sein. Ob die Mona Lisa wirklich darunter war, bleibt wohl für immer ein Geheimnis. Fakt ist, dass es mutige Menschen gab, denen die Kunst oft über ihr eigenes Leben ging. Sie waren Helden, allerdings ohne Pathos. Ihnen ist dieses Buch gewidmet.

Psycho

Psycho

Warum noch ein Wort über dieses Buch verlieren? Es ist doch alles schon gesagt worden. Und es gibt ’nen Film! Und was für einen! Da braucht man doch nicht mehr das Buch zu lesen. Gewagte These!

Doch man muss Robert Blochs Welterfolg lesen! Zum Ersten, weil man sonst nur noch den Film in Erinnerung behält. Und „Psycho“ nur mit Alfred Hitchcock in Verbindung bringt. Archimedes‘ „Hereuka“ ist ja auch noch in aller Munde, weil es seit Generationen im Physikunterricht bei der Volumenberechnung weitergegeben wird.

Zum Zweiten, weil das Buch vielleicht doch nicht nur Parallelen mit dem Film aufweist. Weil es doch ein wenig anders ist. Hitchcock gab dem Meisterwerk ein Gesicht, Bloch gab ihm die Stimme.

Zum Dritten, weil man immer das Buch zum Film lesen muss! Eigentlich sollte man das Buch vorher lesen, weil man die wahre Geschichte ab dem Ursprung kennen sollte. Aber wer hat vor 55 Jahren schon eine Ausgabe von „Psycho“ lesen können?

Was uns zu Viertens bringt: 2014 ist das Jahr der großen Jubiläen bzw. Gedenktage. Wir gedenken der Opfer des I. Weltkrieges, der vor einhundert Jahren begann. Und der Opfer des II. Weltkrieges, der vor 75 Jahren begann. Wir feiern den 25. Jahrestag des Mauerfalls. Und 1959 – also vor 55 Jahren – erschien „Psycho“ zum ersten Mal. Wenn das kein Grund zum Feiern ist?! Seit dem ist es millionenfach verkauft und in zig Sprachen übersetzt worden.

Fünftens: Wann hat man schon einmal die Chance für 5 Cent Spannung pro Seite in die Abgründe der menschlichen Seele ge-, ent- oder verführt zu werden? Ein unschlagbarer Preis für ein unschlagbares Werk. Wer Horrorfilme, wer Kino liebt, kommt an „Psycho“ nicht vorbei. Legendenumrankt. Selbst den Film zum Film gibt es.

Und Sechstens – um wenigstens das halbe Dutzend voll zu machen, es gibt noch unzählige Gründe dieses Buch zu lesen, aber belassen wir es bei sechs: Man muss dieses Buch lesen, um zu erforschen, wie ein Mensch – Robert Bloch – auf so eine Geschichte überhaupt kommt. Ein Mann, der seine Mutter konserviert, ihre Kleider trägt, ihren Charakter annimmt. Oder ist das nur die Story des Films?

Robert Bloch starb vor zwanzig Jahren – wieder ein Jubiläum. Sein Hauptwerk wird ewig mit dem Namen des großen Alfred Hitchcock in Verbindung gebracht werden. Und damit „Psycho“ auf immer und ewig auch mit Robert Bloch vereinigt bleiben wird, ist es wichtig dieses Buch immer wieder neu zu verlegen. Auch diese Ausgabe garantiert aufgestellte Nackenhaare, Grusel par excellence, klar herausgebildete Charaktere, Verzweiflung und Mut. Wer „Psycho“ nur als Film sieht, verpasst das Beste!

Weißer Bruder, schwarzer Rock

Weißer Bruder, schwarzer Rock

Im Bauch von Hermine grummelt es. Alles fliegt durcheinander als der Rumpf des Schiffes Hin- und Her zu taumeln beginnt. Die Hermine sticht im Sommer 1847 in See. Ziel: Die neue Welt. An Bord ist auch der Missionar Eduard Raimund, der an den Großen Seen sein Heil sucht. Zusammen mit seiner Verlobten Ulrica Prinz will er hier eine neues Leben beginnen. Ein karges Leben. Doch erfüllt von Liebe und der Hoffnung auf unendliches Glück.

Alsbald landet er – als Missionar – bei den Chippewa-Indianern. Sein neuer Name: Mekadekonjeh, was so viel wie schwarzer Rock bedeutet. Vorurteile, Stammesfehden und die Arbeit als Theologielehrer / Missionar bestimmen ab sofort seinen Lebensrhythmus.

Eduard Raimund gab es wirklich. Michael Krausnick hat sie seiner Geschichte angenommen, recherchiert und dieses mehr als lesenswerte Buch geschrieben. Ein bisschen Friedrich Gerstäcker, ein bisschen Jack London und dazu eine gehörige Portion Biographie des mutigen Mannes aus dem Frankenland. Fertig ist eine Abenteuer-Indianer-Biographie, die Jungenphantasien erblühen lässt.

Das gläserne Glück

Das gläserne Glück

Wissembourg im Elsass am 3. Oktober 1996. In Deutschland Feiertag, in Wissembourg Kassensturz. Die Feiertagsausflügler fallen wie die Heuschrecken in dem idyllischen Ort ein. Auch der ehemalige Kripochef Friedrich Gontard. Er will mit seiner Anna den Tag nutzen, um der vertrauten Heimat kurz zu entfliehen. Zufällig (schließlich sind wir mitten in einem Krimi) trifft er seinen ehemaligen Klassenkameraden Georg Fuhrmann in einem Café. Die beiden plaudern über vergangene Tage und verabreden sich für später. Doch dieses Später wird nie stattfinden. Denn just in dem Moment als Gontard seinen alten Freund besuchen will, liegt der tot in seiner Wohnung. Die alte Spürnase nimmt sofort Witterung auf.

Der sechste Fall von Kommissar Gontard führt den Leser in die dunkelste Zeit deutscher Geschichte, geographisch in den Odenwald, die Südpfalz, an die Bergstraße und nach Südfrankreich. Ein Lesespaß mit Gänsehautgarantie. Auch wenn das Thema teils unappetitlich ist, so ist „Das gläserne Glück“ der ideale Urlaubskrimi.

Die Liebe in groben Zügen

Die Liebe in groben Zügen

Vila und Renz sind ein Ehepaar, das sich schon seit Jahren kennt. Im Beruf ist die Zeit absehbar, die sie noch bestreiten müssen. Ihnen geht es gut, mit Haus und Ferienhaus in Italien. Eigentlich wenig Stoff für Konflikte. Konflikt ist vielleicht auch der falsche Ausdruck – klingt so nach Kampf, Geschrei, offener Auseinandersetzung.

Die beiden schippern so durchs Leben. Ohne große Anstrengung. Klingt irgendwie nach Langeweile, nach eingefahrenen Strukturen. Die Bahnen, in denen sich Vila und Renz bewegen sind vorhanden. Dafür haben sie lange und hart gearbeitet. Doch sie waren und sind clever genug, um sich Abzweigungen einzubauen. Wie auf ihrem Boot geht es auch mal nach unten, genauso oft aber auch nach oben. Selbstaufgabe war nie ihr Ding. Sie haben immer alles gemeinsam gemacht.

Dennoch kennen sie sich gegenseitig nicht in- und auswendig. Das ist gut so – so halten sie immer noch Überraschungen für den Anderen parat. Dass Vila ihren Geliebten im gemeinsamen Ferienhaus einquartiert, ist allerdings eine neue Stufe ihrer Beziehung.

Bodo Kirchhoff zeichnet den Weg eines Paares nach, der vielen Paaren vorgezeichnet sein kann. Kann! Wäre der Roman ein Film, für die ganze Familie, am Freitagabend, dann würden hier so richtig die Tassen fliegen. In „scripted-reality“-Manier würden Sprachfähigkeiten und die Regeln des guten Benehmens außer Kraft gesetzt werden. Bodo Kirchhoff setzt auf die Magie der Worte. Er lässt seine Protagonisten überlegen, manchmal im Dunkeln tappen, doch nie so richtig aus der Haut fahren. Geschliffene Sprache ist immer noch das beste Argument gegen scheinbare Ungerechtigkeit. Die Feder als Triebkraft für den Fortschritt.

Vila und Renz merken, dass sie in ihrer (heilen – so viel Polemik muss jetzt auch mal sein) Welt sich zwar sicher bewegten, doch dass diese Sicherheit trügen kann. Kann!

Bodo Kirchhoffs Roman „Die Liebe in groben Zügen“ stand 2012 auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis. Zurecht. Mal philosophisch, mal grüblerisch, mal farbenfroh, mal wolkenverhangen präsentiert sich sein Mammutwerk dem Leser. Ein Buch für Leute im besten Alter. Ein Buch für Leute, die sich im besten Wortsinne für sich und den Anderen interessieren ohne dabei endlos auf Fehlersuche zu sein. Fast siebenhundert Seiten emotionale Entdeckungsreise.

Schottland fürs Handgepäck

20_Reise_Schottland_US.indd

Modezaren halten die Schotten für die freiesten Menschen der Welt. Engländer halten die Schotten für die Eigenartigsten. Ihr Dialekt ist für Englischsprechende gewöhnungsbedürftig. Schottland gehört immer noch zu den Geheimtipps für Individualreisende. Zerklüftete Felsformationen, ein stetig beißender Wind, eine Sportkultur, die echte Kerle erfordert. Das ist Schottland.

Das ist ein Klischee. Diese Zusammenstellung von Texten beweist, dass Schottland mehr ist als das Land der rauen Sitten. Virginia Woolf besucht Skye, die Insel des Whiskeys. Ringsum nur Meer, absolute Stille … fast wie in der Südsee. Eine eigenwillige Deutung der Umgebung.

Theodor Fontane lässt’s spuken bzw. ist dem Spuk auf der Spur. Und Coco Chanel lässt sich beim Angeln begleiten.

Jede einzelne Geschichte zeigt Schottland von einer anderen Seite. Der Leser wird jedes Mal aufs Neue überrascht und neugierig gemacht. Wer in einem Reisebuch blättert, weiß, wo er lang gehen muss, um fest in der Erde verankerte Zeugnisse der Geschichte zu finden. Ihm wird der Weg zu ehrfürchtigen Gemäuern und Trutzburgen gezeigt – auch das ist Schottland.

Wer den Weg in die schottische Seele sucht, kommt um intensiveres Lesen nicht herum. Seit Zeiten haben die schottischen Highlands, die düsteren Schlösser und die weite See die Phantasie beflügelt. Einsam an den Klippen zu sitzen, der tosenden See zu lauschen – ein Traum für Viele. Doch diese Eindrücke in Buchstaben, Worten, Sätzen festzuhalten, gelingt nur Wenigen. Die, denen es gelungen ist, sind in diesem Buch versammelt. Sie schildern ihre Eindrücke zweifelsfrei. Dem Leser bleibt es überlassen nur in Gedanken nach Schottland zu reisen oder gleich die Koffer zu packen. Letzteres wird meist vor sich hergeschoben. Das Reisefieber wird allerdings nicht so schnell zu kurieren sein.

„Schottland fürs Handgepäck“ ist aber nicht einfach nur der Titel des Buches, es ist eine Aufforderung. Dieses Buch darf man nicht zu Hause liegen lassen. Immer mal wieder darin blättern. Die eine oder andere Geschichte abermals lesen. Das ist die Bedienungsanleitung für dieses Buch.

Roma romanissima

Roma, romanissimo

Noch ein Stadtführer über Rom. Ist das wirklich nötig? Ja, denn es gibt noch kein Reisebuch für junge Leute. Und das auch noch von einem aus der Zielgruppe! Lucas Militello ist Römer, jung und ein Kenner seiner Stadt.

Bei seinem Buch bedient er sich eines Kunstgriffes: Zuerst besänftigt er die Gemüter, die schon heiß laufen bei dem Gedanken Rom nur aus der Sicht shoppingwütiger, geschichtsdesinteressierter, lauter Jugendlicher zu erobern. Das Colosseum und die Spanische Treppe gehören genauso in dieses Buch wie Fast Food und der obligatorische Sundowner (den viele noch als Absacker kennen).

Kurzweilig schlendert er durch Rom. Denn Hektik und ewiges Getriebensein passen einfach nicht zur Metropole am Tiber. Auch wenn es oft so wirkt. Nach den Highlights und Sehenswerten folgen Lebens- und Liebenswertes. Das ist Rom! Die Parks sind die viel gerühmten grünen Lungen der Stadt. Hier sind Touristen nicht unter sich, hier teilt man sich Seit an Seit mit Römern die Entspannung vom Alltag. Ein Touristenalltag sieht freilich anders aus als der eines Bewohners, Erholen müssen sich beide Spezies. Fit werden beide wiederum im Il Caffe. Einen Corretto im Stehen, ein kurzer Plausch und schon kann’s weitergehen durch die Ewiges Stadt.

Ohne Essen oder wenigstens darüber philosophieren – wer das beherrscht, hat die Römer auf seiner Seite. Dazu noch ein bisschen Nörgeln oder Herziehen über die Oberen und alles ist perfekt. Apropos Essen: Luca Militello hat natürlich auch ausgewählte Einkehrtipps. Wohltuend ist hierbei, dass er auf die sonst üblichen Superlative „die beste Pizza der Stadt“ und „die leckerste Pasta diesseits der Alpen“ verzichtet. Jeder hat seinen Geschmack, manche selbigen noch gar nicht gefunden. Aber Lucas – wir dürfen ihn beim Vornamen rufen, er duzt uns auch – legt die richtige Brotkrumen- bzw. Pasta/Pizzaspur.

Rom muss man besuchen! So viel steht fest. Kaum eine andere Stadt bietet so viel Geschichte, die bis heute noch nachwirkt, wie die Stadt am Tiber. „Roma, romanissima…“ ist der gedruckte, traditionelle Ableger einer gleichnamigen Seite in einem sozialen Netzwerk. Sozusagen das Bindeglied zwischen seit langem bewährt und neuer Technologie. Jede Generation hat Rom für sich selber entdecken müssen. Die, die heute die Nase rümpfen über die Jugend haben es früher auch nicht anders getan. Sie hatten allerdings nicht dieses Reisebuch. Vorteil Jugend!

Amerikaner schießen nicht auf Golfer

Amerikaner schießen nicht auf Golfer

Golf – welch ein Sport. Man kann es allein spielen, gegen sein eigenes Handicap. Oder zu zweit, und dabei schwatzen, tratschen, Geschäfte machen. Oder in der Gruppe. Golf hat hierzulande einen zweischneidigen Stellenwert. Zum Einen der klischeebehaftete Yuppie-Porsche-Zahnarzt-Sport für Leute mit zu viel Geld. Meist verwäscht der Geldadel auch die traditionellen Regeln – jeder Platzbetreiber will ja schließlich auch zur High Society gehören.

Zum Anderen ist es der Sport, der den ganzen Körper beansprucht. Wer schon einmal versucht hat den kleinen Ball mit einem Schläger in die Lüfte zu befördern, weiß am nächsten Tag noch ganz genau woher sich jeder einzelne Muskel sein Stigma abgeholt hat.

Achtzehn Kapitel – genauso viele Löcher hat ein Golfplatz. Und jede Runde hat ihre eigene Geschichte. Luzi und Jevi spielen im Nirgendwo Golf. Niemand würde hier, in der Ödnis einen Golfplatz vermuten. Und ihr Einsatz ist nicht von dieser Welt. Ja, er könnte den gesamten Weltenlauf auf den Kopf stellen. Doch es gibt einen, der noch besser ist: Abdul. Er kennt den Platz wie kein Anderer.

In Beuersberg in Deutschland sind die Befindlichkeiten der Spieler andere. Ines und Gisela (die sich außerdem in Italien auf einem Golfplatz herumtreibt) sind auf der Suche nach Anschluss. Kurz bevor es zu spät ist. Sie sind auf Männerjagd. Darüber geraten sie in Streit. Denn statt der üblichen fünf Euro Einsatz pro Loch, ist Heini der Gewinn. Zahnarzt. Anfang 50.

Im schottischen St. Andrews – dem traditionsreichsten Club der Welt – zwingt ein libanesischer Waffenhändler gekonnt seinen Schwiegersohn die Trennung einzuleiten, weil Tochter und Vater unzufrieden sind. Taktik im Spiel – Taktik im Leben. Golf ist universell.

Die eben angesprochene Gisela tröstet sich derweil mit Dante in Italien. Der weiß ganz genau wie man Frauen verführt, wie sie sein Leben finanzieren. Doch Gisela ist gewiefter als all die anderen Betthäschen zuvor. Sie durchschaut sein Spiel. Am Ende gewinnen beide. Patt.

Christine Gräns Golfgeschichten sind Alltag und Sonderbarkeiten zugleich. Genauso stellt man sich Golfer vor. Immer ein wenig drüber. Überkandidelt. Einsätze, die jedes Maß sprengen. Zuerst die Show, dann der Sport. Und die Einkehr am neunzehnten Loch. Im Gegensatz zu den meisten Fernsehübertragungen wird es hier niemals langweilig. Ihre Protagonisten sind einzigartig, und doch austauschbar. Ein Reise über die Greens der Welt.

Achja, Luzi und Jevi sind der Teufel und Gott, die um die Seele spielen. Und das tun sie in Kabul. Man könnte fast meinen, dass hier die Redewendung „natürlich gewachsener Bunker“ ernst zu nehmen sei…

Expedition in die Heimat – Erlebnistouren in Baden-Württemberg

Expedition in die Heimat. Erlebnistouren in Baden-Württemberg

Jeder hat so seine Lieblingssendung im Fernsehen. Leseratten „Druckfrisch“ mit Denis Scheck, Kochtopfschwinger eine der zahllosen Kochsendungen, Fernweherkrankte erholen sich bei der gleichnamigen Sendung. Oder bei „Expedition in die Heimat“. Derzeit ist Norbert Bareis für die Sendung als Redakteur verantwortlich. Doch nicht nur das – er lebt die Sendung. Und er liebt sie. So sehr, dass er jetzt ein Buch herausgebracht hat, das noch einmal die schönsten Reisen „um die Ecke“ aufleben lässt.

Man muss nicht weit reisen, um Neues zu entdecken. Das Gute liegt oft so nah. Kraichgau, Hohenlohe, Kurpfalz, Ortenau, Schwarzwald, Schwäbische Alb, Oberschwaben – na wenn das nicht nach Erholung, Abenteuer oder einfach nur Erholung klingt?! Freudenstadt macht seinem Namen alle Ehre. Trotz (oder gerade wegen) der technischen Anlage versprüht es das gewisse Flair, das man in der schönsten Zeit des Jahres sucht. Freudenstadt wurde am Reißbrett entworfen. Allerdings schon im Barock. Die abgebildete Draufsicht zeigt deutlich, dass hier mit ganz spitzer Feder gearbeitet wurde. Nach den Bombardements im letzten Weltkrieg wurde die Stadt detailgetreu wieder aufgebaut. Ein Glücksfall für die Einheimischen und die Besucher. Eine wahre Freude über den Marktplatz zu schlendern und sich bei Spätzle gemütlich niederzulassen.

Wenn man mitten im Sonnenblumenfeld zu rockigen Rhythmen sich im Takt bewegt, ist man beim Woodstock auf dem Schurwald. Beim Goldgelb-Festival in Aichwald-Krummhardt kommen alle zwei Jahre (das nächste Mal 2015) nicht nur das ganze Dorf, sondern auch tausende Besucher zusammen.

Horb am Neckar: Ritterspiele mit Radau und Festessen. Hier wird Geschichte erlebbar gemacht. Deftig-gediegen, heißt es im Buch, tafelt man im Luzifer-Turm.

Schon diese kleine Auswahl zeigt, dass sich ein Besuch im Ländle, was die Badener nicht so gern hören, lohnt. Vom Bodensee bis in die Höhen der Kurpfalz lassen sich einmalige Touren unternehmen. Wer nicht so recht weiß wohin, bekommt hier jede Menge Futter für Recherchen.