Archiv der Kategorie: Meeresrauschen

Lesereise Amalfi / Cilento

Lesereise Amalfi Cilento

Das nostalgische Italienbild in unseren Köpfen haben wir einem einzigen Küstenstreifen zu verdanken: Der Amalfi-Küste. Die tosende See, die Gicht, die gegen die schroffen Felsen klatscht, die märchenhaften Villen mit Meerzugang. Cilento hingegen – nur wenige Kilometer südlich – ist weitgehend unbekannt. Hier sind Naturliebhaber an der richtigen Stelle. Die „Lesereise Amalfi / Cilento“ nimmt den Leser mit auf eine Reise zwischen Postkartenidylle und unbezahlbarer „silenzio assoluto“.

Im Cinquecento durch die Gassen, ein gelato schlecken – hier lässt es sich leben. Hier ist man dem Himmel so nah wie nirgends sonst. Das weiß auch einer der Wegbegleiter der Autorin.

Gennaro Pisacane, der Präsident der Hotelvereinigung lernt sie die praktische Engstirnigkeit kennen. An der Amalfiküste könnte schon längst ein schicker Yachthafen stehen. Aber die Investoren kamen aus Neapel. Das bedeutet meist Mafia bzw. Camorra. Und die würde sich dann krakenmäßig ausbreiten. Da bleibt man liebr unter sich. Wird ein Hotel verkauft, dann nur an Leute aus der Umgebung. Das hält zum einen die Preise stabil (und die sind teilweise so gesalzen, dass so manche Sardelle wie eine fade Nudel daherkommt) und bewahrt den Charme der Region. Zum Beispiel werden die hier angebauten Zitronen heute für 50 Cent an di Händler verkauft, vor dreißig Jahren waren es 500 Lire. Was in etwas auf dasselbe hinausläuft. Tradition wird großgeschrieben.

In Lauro findet man eine Gelateria namens „Norge“ und eine Pizzeria, die auf den klangvollen Namen „Nobile“ hört. Beides Überbleibsel bzw. Ehrerbietungen an Umberto Nobile, der 1926 als erster Mensch den Nordpol sah, leider nicht erreichte. Er hat auch hier seine Spuren hinterlassen.

Geschichte, Tradition, umwerfende Naturschauspiele (sommerliche Sonnenuntergänge auf den Hügeln des Cilento lassen einen an den lieben Gott glauben) und eine gesunde, regionale – und dazu noch leckere – Küche verwandeln den Cilento und die Amalfiküste 365 Tage im Jahre in einen Garten Eden. Italien wie es in der Vorstellung erscheint, nimmt hier Form und Gestalt an.

Dieses Buch kann man – auch wenn es nur 132 Seiten stark ist – nicht in einem Rutsch lesen. Immer wieder muss man es absetzen und tief durchatmen. Mit völliger Hingabe verbreitet Barbara Schaefer ein Gusto von Entspannung, manchmal kommt sogar ein wenig Neid auf. Hier irgendwo müssen die Wurzeln des Paradieses liegen.

INFO: Mehr zum Cilento finden Sie unter www.cilentomania.it.

Reise in Island

Reise in Island

Was macht man, wenn man unbedingt nach Island reisen will? Sich gründlich vorbereiten! Und wie? Mit diesem Buch. Edgar Sommer – der Nachname passt auf den ersten Blick so gar nicht zum Reiseziel – hat mit seinem Buch das geschafft, was andere nur andeuten. Einen echten Weggefährten. Mit seinem Landrover hat er die Insel besucht, erkundet und lieben gelernt. Davon profitiert nun der Leser.

Island ist dünn besiedelt, fast die Hälfte aller Isländer leben in der Hauptstadt Reykjavik. Der Reiz der Insel geht einzig allein von seiner sagenhaften und weitgehend unberührten Natur aus. Apropos sagenhaft: Elfen und Kobolde spielen nicht nur in der Literatur eine Rolle. Die Hälfte der Isländer glauben an die Fabelwesen. Einige haben sogar schon welche gesehen… Sie leben in Steinen und Höhlen. Also Vorsicht beim Autofahren!

Doch nicht nur die Elfen und Kobolde sollte man im Blick haben, wenn man im – lebensnotwendigen – allradbetriebenen Gefährt unterwegs ist. So manche Pfütze entpuppt sich allzu schnell als tiefergehendes Problem. Und nicht immer ist ein Edgar Sommer da, um zu helfen. Er weiß nicht nur den Leser mit seinen Erlebnissen zu fesseln, sondern auch wie man einen feststeckenden Jeep wieder gangbar bekommt. Die wichtigsten Tipps verrät er im Buch.

Das unangefochtene Highlight des Buches sind die beeindruckenden Bilder. Panoramen von Gletschern, wuchtige Eisberge und mutterseelenallein gelassene Straßenzüge. Wale, Papageientaucher und immer wieder endlose Wiesen und Eiswüsten. Hier muss man die Entspannung nicht suchen, die findet einen.

„Reise in Island“ ist mehr als nur die bloße Wiedergabe von Eindrücken, es ist das Rund-um-Sorglos-Paket für eine Individualreise durch dieses faszinierende Land. Inkl. Hinweisen zum Durchqueren von Wasserstraßen, Reparaturtipps und Landeskunde. Selbst echte Isländer können hier noch was lernen. Am Ende des Buches gibt Edgar Sommer praktische Ratschläge zu Ausrüstung, Wetter und zur Wartung seines Fahrzeuges.

Woanders

Woanders

Eine Weltreise – das wär’s. Edith Werner schafft Fakten. Kein Konjunktiv mehr. Jetzt wird gereist. Doch einfach so. Nicht einfach mal All-inclusive drei Wochen Türkische Riviera. Dann zwei Wochen City-Trip Tokio. Und als Abschluss Safari in der Serengeti. Edith Werners Reisen sind immer mit langen Aufenthalten verbunden. Wenn schon, denn schon.

Ihr Reisefieber treibt sie nach Singapur, Südafrika, Argentinien, Uruguay, Ägypten, Guatemala, Mayotte, Peru, Abu Dhabi, Kolumbien, um nur wenige Länder zu erwähnen.

Auch die einzelnen Abenteuer und Geschichten hier aufzuzählen käme einem Frevel gleich. Denn man müsste immer das eine oder andere Detail weglassen. Das wäre unfair. Edith Werner reist für ihr Leben gern. Arbeiten, wo andere Urlaub machen – das ist ihr Elixier, das jungbleiben lässt. Sehnsuchtsvolle Orte wie etwas Sansibar lässt sie in einem riesigen Gewürzbasar anwachsen.

Alphabetisch hat sie ihre Reisen in diesem Buch geordnet. Selbst für das Q hat sie eine Reise gemacht. Fast scheint es, dass ihre Reisen nur für dieses Buch gemacht wurden. So liebevolle und detailliert schildert sie ihre Erfahrungen und macht dem Leser Appetit auf mehr. Mehr Abenteuer. Mehr Fremde. Mehr Reisefiber. Anfangs ist man noch neidisch auf die gemachten Reisen. So viel Zeit und so viel zu entdecken. So viel Zeit haben nicht viele.

Edith Werner ruht sich nicht auf dem Luxus Zeit aus. Ein paar Tage bei Freunden in Montevideo – gern. Doch dann geht es schon wieder weiter. Kaffee-Kultur in Buenos Aires. Chinesisch lernen. Den Sambesi bezwingen.

Schon vom Lesen schwirrt einem der Kopf. Doch die Autorin prahlt nicht mit dem Erlebten. Sie lässt den Leser teilhaben. Und zwar so eindringlich, dass man sich gern von ihr an die Hand nehmen lässt. Das grüne Feuer in Bogotá kommt von den Smaragden. Es leuchtet auch ohne einen der Edelsteine in der Hand zu halten. Selbst kleiner Missgeschicke wie ein gebrochener Knöchel in Burma / Myanmar verarbeitet die wissbegierige Weltenbummlerin zu einer herzhaften Geschichte. International wird es am Amazonas, wenn sie auf Fitzcarraldos Spuren wandelt. Hier drehte Anfang der 80er Jahre Werner Herzog mit Klaus Kinski sein wohl bildstärkstes Werk. Sagenumrankt schuf er Unglaubliches. Edith Werner tut es ihm nicht nach, dennoch wandelt sie eindrucksvoll auf seinen Spuren.

Wer die Welt bereisen will, sollte vorbereitet sein. Keine Scheu zeigen. Sprachen lernen. Und „Woanders“ von Edith Werner lesen.

Die Bounty war sein Schicksal

Die Bounty war sein Schicksal

Die Liste der Seefahrer Englands bzw. des britischen Empires enthält eine Menge berühmter und berüchtigter Namen. Sir Francis Drake, der geadelte Pirat zum Beispiel. Oder auch William Bligh, der 1962 in alle Ewigkeit auf Zelluloid gebannter Tyrann der Südsee, der nur von einem Helden gestoppt werden konnte, nämlich Marlon Brando. Ha, denkste! Bligh war sicherlich kein zahmer Stubentiger. Aber tyrannisch? Ein ewig Peitsche schwingender Choleriker? Jann M. Witt hat sich den scheinbar komplett erkundeten Charakter noch einmal vorgenommen und Erstaunliches zu Tage gefördert.

William Bligh wuchs nicht gerade mit dem goldenen Löffel im Mund auf. Dennoch: Als Sohn eines Zolloffiziers waren ihm einige Wege auf der Karriereleiter frei zum Erklimmen. Schon damals, Mitte des 18. Jahrhunderts wurde genau Buch geführt. Und so kommt es, dass er, wenn man sich allein nur auf die Zahlen und Aufzeichnungen verlässt, mit sieben Jahren schon auf den Planken, die für ihn einmal die Welt bedeuten sollten, stand. Jann Witt ist aber nicht so zahlengläubig, und schenkt diesen Aufzeichnungen wenig Beachtung – es machte sich halt gut im Lebenslauf, wenn man schon ein paar Jahre Seemannserfahrung aufweisen konnte, bevor man in See stach. Young Willy – nein, so respektlos wollen wir nicht sein – der junge William Bligh überzeugte schon früh mit mathematischer Begabung. Navigation im 18. Jahrhundert war vor allem ein Glücksspiel. Seine Berechnungen waren außerordentlich gut für die Zeit. Dennoch wurde er bei Beförderungen wegen mangelnder Förderer stets übergangen.

Als er unter James Cook, dem großen Entdecker zur See fährt, wittert er Morgenluft. Das könnte seine große Chance werden. Doch auch Cook streicht zu früh die Segel. Bligh muss weiterhin für seinen Ruhm kämpfen. Ein erster Schritt ist die Heirat mit der richtigen Frau. Sein Schweigervater öffnet dem jungen Offizier durch Geld und Einfluss so manche Tür. Bis Bligh eines Tages die „Bounty“ in die Hände bekommt.

Die Geschichte ist hinreichend bekannt. Die eigentliche Leistung, die im Film nicht so recht rüberkommt, ist die Tatsache, dass der gewiefte Seefuchs Bligh mit spärlichsten Mitteln sich und seine klein Crew sicher übers unendliche Meer manövrierte. Fletcher Christian, der Anführer der Meuterer, ist wohl der eigentliche Tyrann gewesen. Verarmter Adel und eine antiquierte, sture noblesse oblige sind eine gefährlich Mischung.

Jann M. Witt rückt die Welt der Seebären wieder gerade. Bereits nach einem Drittel des Buches weiß man mehr über Bligh als in 178 Minuten Zelluloid-Hollywood-Heldenwahn. Wem Trevor Howards Darstellung den Mund wässrig gemacht hat (Autor Jann M. Witt ging es jedenfalls so), der wird in diesem Buch oft eines Besseren belehrt, zumindest jedoch mit der ungeschönten Wahrheit konfrontiert. Mit diesem Buch geht kein Kinofan wie eine bleierne Ente unter.

Tote wie Sand am Meer

Tote wie Sand am Meer

Bad Saarow, Kieler Förde, Teneriffa, die Irische See. Malerische Orte. Orte die zum Verweilen einladen. Das denken sich auch die dunklen Gesellen. Hier bleiben! Und zwar für immer!

Der einen geht der Ex gehörig auf die Nerven. Sie nahm Reißaus. Floh in die Sonne. Und nun steht der Alte schon wieder auf der Matte. Und hat sich keinen Deut gebessert. Immer noch der unsensible Pascha, der maßlos Forderungen stellt. Schlaf sanft!

Wenn Dein Chef Dir Steine in den Weg legt, Du nicht arbeiten kannst wie es sich gehört, muss man eben seine eigenen Regeln schaffen. Auch wenn’s schwer fällt. Eine pensionierte Kommissarin erfährt zu spät, wer hinter einem ungelösten Fall steckt. Viel zu spät. Ruhe sanft!

Eine Küstenstraße, endlose grüne Weideflächen. Das Navi gibt die Richtung vor. Geradeaus! Rechts abbiegen! Sie haben ihr Ziel erreicht! Das kühle Nass beruhigt das schwere Gemüt. Treibe sanft dahin!

Die zwölf Geschichten der Mörderischen Schwestern können einem die Lust auf den Urlaub nicht vermiesen. Vielmehr verstärken sie die Lust auf Sonne, Strand und Meer. Es gibt doch nichts Erholsameres als den müden Körper in den weichen Sand zu betten, den Wind im Haar zu spüren und sich einem gepflegten Krimi zu widmen.

Oder eben gleich einem Dutzend Krimis. Spurensuche im Sand. Jede kurze Geschichte ein Kleinod der verzweifelten Seelen. Wortstark und gewitzt wird das laborierte Hirn wieder auf Normaltemperatur heruntergefahren. Urlaubsstimmung mal anders! Gefühlskalt und emotional angespannt sind die Täter, ahnungslos die Opfer. Jede Geschichte ein Volltreffer.

Die Sonne brennt nicht überall gleich heiß. Doch die Motive sind global. Ob rauschende Meeresgischt oder pulvriger Sand am anderen Ende der Welt – gemordet wird überall und zu jeder Zeit.

Die Herausgeberinnen Josephine Rosalski und Angela Hüsgen machen sich einen Riesenspaß daraus den Urlaub zu versüßen. Bitterböse, raffinierte Pläne durchkreuzen die Wege der Sonnenhungrigen. Sie sind die Einzigem, denen der Urlaub ordentlich versalzen wird. Einhundertvierzig Seiten Spannung, einhundertvierzig Seiten Lesespaß, einhundertvierzig Seiten Miss Marple, Thelma & Louise, Columbo. Alle in einem Buch. Ein Buch, das an jedem Sonnentag dazu einlädt aufs Neue gelesen zu werden.

Lesereise Wales

Lesereise Wales

Fassen Sie Ihr Wissen über Wales doch einmal zusammen! Am Ende des vergangenen Jahrhunderts war die walisische Fußballnationalmannschaft ein unangenehmer Gegner der Deutschen. Die Ortsnamen sind ausnahmslos unaussprechbar. Vopn hier stammen erstklassige Rockbands wie die Manic Street Preachers und „The Welsh Potting Machine“ Mark Williams gehört zur Weltspitze im Snookersport. Das ist alles richtig, aber es ist wirklich gar nichts, was man über Wales wissen muss. Michael Bengel nimmt den Leser mit auf eine Reise, die man niemals vergessen wird. Denn Wales ist vielschichtiger und vor allem anders!

Die Gartenlandschaften verdienen ihren Namen. Es sind nicht einfach nur wohlgestaltete Pflanzanlagen. Hinter jeder Hecke lauert Geschichte. So manch einer hat eine Jagdhütte, die zumal auch als Stecknadelfabrik taugte, über mehrere Dutzende Meilen sich in den Garten gesetzt.

Hotels verströmen ein historisches Flair. Fernab moderner Interieurskunst ist Handarbeit gefragt. Rustikaler Charme, der wie gemacht ist, um sich von der Ruhe einfange zu lassen.

Als Kontrastprogramm stürzt man sich todesmutig von den Klippen, um dann anschließend, adrenalingepeitscht aus der schäumenden Irischen See die Klippen kletternd wieder ans Festland zu gelangen. Coasteering nennt man das, und es wurde hier erfunden.

Allein diese drei Geschichten lassen Großes erahnen – dabei ist man erst auf Seite 32, noch einhundert liegen vor dem Leser. Wales ist anders. Michael Bengel wird nicht müde seine These mit jeder Zeile zu unterstreichen. Für Besucher gerät dieses Buch zur Bibel des Außergewöhnlichen. Erfährt man in Reisebänden, was es alles an Gebäuden und Aussichtspunkten gibt, so kann man diese Lesereise als Kulturwegweiser durch Wales adeln. Kaum eine Eigenart Wales‘ und der Waliser die nicht erwähnt wird.

Und wer noch nicht genug hat vom Lesen über Wales, der geht zum Lesen in Wales über, und zwar in Hay-on-Wye, dem ersten Bücherdorf der Welt. Stunden-, ach was wochenlang kann man hier in alten Büchern schmökern. Und gleichzeitig die Ruhe des kleinen Örtchens genießen. Als Einstimmung dient Buch.

Grado – Der nahe Süden zu jeder Jahreszeit

Grado

Idyllisch am adriatischen Meer gelegen, in direkter Nachbarschaft von Aquileia, und nur ein Katzensprung vom hoffnungslos überfüllten Venedig entfernt, da liegt Grado. Nicht einmal 9.000 Menschen dürfen sich Gradeser nennen. Im Sommer ist es voll, voller entspannungssüchtiger, aber auch Abwechslung suchender Menschen. Und Abwechslung gibt es hier wahrlich genug.

Seit über anderthalb Jahrtausenden gibt es die Siedlung in der nördlichen Adria. So mancher Imperator verging sich an der Stadt und hinterließ sein Erbe. Römer, Hunnen, Venezianer – die Liste ließe sich unbestimmt fortsetzen. Für Besucher ein wahrer Forscher-El-Dorado.

Evelyn Rupperti beginnt ihre Liebeserklärung an das einstige Fischerdorf weit in der Geschichte. Damals lag Grado noch zwei Meter höher. Warum? Lesen Sie selbst!

Morgens an den Strand und mittags die Kühle der heiligen Gemäuer suchen. Kirchen gibt es hier zwar nicht wie Sand am Meer, jedoch in doppelter Ausführung. Klingt komisch? Hinfahren! Und diesen Reiseband nicht vergessen! Denn Evelyn Rupperti hat das geschafft, was vorher noch keinem gelungen ist. Ein Reiseband für eine Stadt, die man sonst nur im Vorbeigehen kurz gestreift hätte.

Seit Jahren wirbt die Stadt Grado auf Tourismusmessen mit einbem Füllhorn an Werbemitteln um die Gunst der Besucher. Die verschlägt es jedoch lieber in die schmutzige Lagunenstadt. Und hier so kurz vorm ehemaligen Eisernen Vorhang (der hier gar nicht so eisern war wie andernorts), ist doch eh nichts los. Gedankenspiele, die verbannt gehören. Das beschauliche Fischerdorf hat sich zu einem kulinarischen Geheimtipp gemausert. Wer die Vielfalt liebt, wähnt sich im lukullischen Paradies. Abwechslung ist hier keine hohle Phrase, es ist Standard.

Geschichtliches wie Neues gepaart mit Tipps für Gaumen und Augen, dazu spannungsvolle Bilder: Das ist Grado mit dem untrennbar mit der Stadt verbundenen Reiseband.

Auch wenn Friaul und Grado nicht unbedingt an erster Stelle bei möglichen Italienurlauben stehen, so lohnt sich darüber nachzudenken. Dieses Buch ist mehr als nur eine Entscheidungshilfe für Grado und Friaul. Es ist der Einstieg in einen unvergesslichen Urlaub.

Lesereise Andalusien

Lesereise Andalusien

Unter andalusischer Sonne träumen. Bloß nicht aufwecken. Endloser Horizont. Nicht aufwecken. Kulturelles Erbe wohin man sieht und tritt. Psst, still. Der Leser träumt vom Urlaub in Südspanien. Da darf ihn eigentlich nur eine aus den Träumen reißen: Ulrike Fokken. Denn sie weckt nicht nur den Leser auf, sie beschwört Sehnsüchte herauf.

Wer Andalusien bisher nur als Grund und Boden für die Alhambra und Lieferanten für süffige Getränke im Sinn hatte, wird in diesem Buch auf eine stimmungsvolle Entdeckungsreise geschickt.

Dass die Alhambra als Zugpferd der Region eingespannt wird, verwundert wenig. Dass dies aber erst seit ein paar Jahrzehnten geschieht schon. Die zentrale Faschistenregierung Franco ließ die jahrhundertealte Maurenresidenz fast vollkommen zerfallen. In einer der ärmsten Regionen Spaniens ruhte bis in die 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts ein unermesslicher Schatz, der seit 30 Jahren zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Wie ein strahlender See mit Rosen treibt die Autorin durch die flirrende Landschaft zwischen Mittelmeer und Neukastilien. Sie findet die Menschen, die exemplarisch für Andalusien stehen. In einem Dorf östlich von Sevilla herrscht Anarchie. Naja, zumindest Kommunismus. Alle Einwohner des Dorfes beschließen gemeinsam, was gebraucht wird. Alle zusammen bauen Häuser, die anschließend verlost werden. So macht Kommunismus Spaß, nannte Bettina Röhl ihre Biografie Ulrike Meinhofs. Und hier in der südlichsten Ecke Europas funktioniert der Traum. Zumindest in Teilen. Und das schon seit fast 40 Jahren … länger als in so manchen Experimentalstaat.

Eine Reise mit den Augen und den kleinen grauen Zellen – das ist „Andalusien. Erdbeeren, Sherry und das ewige Morgen“. Wer sich die Reise ans südliche Ende Europas nicht gönnt, verpasst eine Menge, erlebt mit diesem Buch jedoch Vieles, was die meisten Pauschaltouristen niemals erleben werden: Andalusien aus erster Hand. Wer dem Sherry auf den – geistigen – Grund gehen will, besucht die Schlösser von Veterano Osborne, sofern es sie denn gibt. Ulrike Fokken besucht den Schlosser. Der war verantwortlich für die riesigen Werbetafeln, die hundertfach in ganz Spanien verteilt auf das Nationalgetränk aufmerksam machten.

Der Menschenschlag ist ein ganz besonderer wie Ulrike Fokken bemerkt: So schlimm die Zeiten auch sind, ein Andalusier zieht sich wahrhaftig immer am eigenen Schopf aus dem Schlamassel. Es sei denn es ist Siesta. Dann ruht die „autorecreadio“, wie dieses Phänomen sich nennt. Diese Ruhe wird den Leser erst erhaschen, wenn er seiner Sehnsucht nachgibt und Andalusien wahrhaftig bereist. Bis dahin ist dieses Buch ein erstklassiger Ersatz.

City Trip Antwerpen, Brügge, Gent

Antwerpen Brügge Gent

Fast scheint es als dass Antwerpen, Gent und Brügge einen Bogen um Brüssel machen. Wie ein Sichel führt der Weg von Antwerpen erst auf Brüssel zu, macht dann aber einen gekonnten Schlecker nach Westen, um Gent und Brügge zu erreichen. Rivalität? Nein! Brüssel wird sicherlich immer im Fokus eines Belgienurlaubs stehen. Manneken Pis, das Atomium und der Grand Place ziehen die Besucher in Scharen an. Warum auch nicht, sie sind eine Reise wert.

Doch Belgien hat mehr als seine Hauptstadt zu bieten. Brügge rühmt sich die Schokoladenhauptstadt zu sein. Da wird auch schon mal ein Schokoladen-Tequila kredenzt. Erst Salz, dann der Shot und dann … mmmh die zartschmelzende Schokolade. Und wer bisher immer einen Bogen um Museen gemacht hat, wird beim Schokoladenmuseum ein unvergessliches erstes Mal erleben. Ganz genau sollte man bei der Liebfrauenkirche hinschauen. Denn die Madonna wurde von keinem Geringeren als Michelangelo entworfen. Eigentlich war sie für den Dom in Siena bestimmt, doch Brügger Kaufleute waren schneller (und wohl auch betuchter). So weht ein Hauch von Toskana in der Stadt der Grachten, die hier Reien genannt werden. Auf denen schippert man ganz gemütlich durch die Prachtbauten der Stadt, vorbei an versteckten Gärten, malerischen Brücken und wunderschönen Stillleben.

Weiter geht die Reise nach Gent. Nicht zu verwechseln mit Genf. Im Designmuseum wird die Art-Nouveau zum Leben erweckt. Nur wenige Gehminuten vom Korenmarkt (der Treffpunkt in Gent) entfernt, wird der Besucher auf eine Zeitreise, von der er nie mehr zurückkehren will.

Antwerpen hat sich mit seinen vier Diamantenbörsen einen Weltruf erarbeitet. Hier werden weltweit die meisten Diamanten gehandelt. Sie befinden sich in der größten intakten jüdischen Gemeinde Westeuropas. Orthodoxe Juden mit typischen Haarlocken gehören hier genauso zum Stadtbild wie die junge stilvolle Mode. Denn Antwerpen ist auch eine Modestadt. Unzählige Boutiquen mit einem schier unendlichen Sortiment an kreativer Mode lassen das Herz eines jeden Geschmackliebhaber höherschlagen.

Günter Schenk zeigt mit seinem Reisebuch auf, das die flämischen Metropolen Antwerpen, Brügge und Gent mehr als nur eine Alternative zu Brüssel bilden. Tipps zu Unterkünften und köstlicher Einkehr wechseln sich mit Wegweisern ab. Ob per pedes oder mit dem Rad oder auf Kanälen, diese drei Städte wirken auf ihre eigene Weise nachhaltig auf den Besucher. Und mit diesem Buch in der Hand wird der Trip zu einem echten Erlebnis.

Cuba

Cuba

Cuba ist ein geschundenes Land. Nicht erst seitdem Fidel Castro die Macht übernommen hat. In 55 Jahren Revolutionsherrschaft wurde ein System der Penetration und Überwachung geschaffen. Doch auch schon vor dem Sturm der Kasernen litt Cuba unter der Knute seiner Herrscher. Spanier und Amerikaner als auch die Mafiaschergen schufen sich hier ihr Paradies ohne Rücksicht auf Verluste.

Und in so ein Land soll man fliegen, um zu entspannen? Klar doch! Denn hier ist die Sonne zu Hause. Fragen Sie Wolfgang Ziegler. Oder besser: Lesen Sie seinen Reiseband.

Klar Havanna –die Perle der Karibik – die muss man gesehen haben. Prächtige Bauten, endlose Küstenstraßen, rassige Folklore. Doch Cuba ist mehr als die pulsierende Metropole. Guantanamo zum Beispiel. Die Provinz. Nicht das Foltergefängnis der Amerikaner, die dort übrigens gar nicht mehr sein dürften, würden sie ihren selbst unterzeichneten Vertrag einhalten. Nein die Provinz im Osten ist der wahre Geheimtipp der Karibikinsel. Wenig Touristen, unverblümt wuchernde Natur und ein Erholungspotential, das weltweit seinesgleichen sucht.

Um da von Havanna aus hin zu kommen, braucht man allein auf der beiliegenden Karte auch die Rückseite. Von hier stammt auch der berühmteste kulturelle Beitrag Cubas: Guantanamera. Das Volkslied hat es sogar in deutsche Fußballstadien geschafft („Es gibt nur ein Rudi Völler…“).

Doch zurück zur Natur. Die meisten in diesem Buch abgebildeten Fotos stammen vom Autor selbst. Und die haben es in sich. Nur wenige Orte können mit solch malerischen Orten und saftigem Grün auf sich aufmerksam machen.

Und wer immer noch glaubt, dass man in einer Diktatur nicht urlauben kann, der sollte sich mal überlegen, in welche Destination wir Deutschen so gern reisen. In Länder, in den die Todesstrafe praktiziert wird, in denen die freie Meinungsäußerung ein weit entferntes Ziel ist, in denen Frauen immer noch nur eingeschränkte Rechte haben. Cuba ist in vielerlei Hinsicht eine Reise wert. Weite Strände, urbelassene Natur, freundliche Menschen, grandiose Landschaften und eine leckere Küche. Vamonos!