Archiv der Kategorie: Meeresrauschen

Mein ein und alles

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Giulio und Arianna – ein Traumpaar. Wenn man sie so sieht, glaubt man nicht, dass die beiden eine ungewöhnliche Beziehung leben. Verliebte Blicke, perfekt aufeinander abgestimmt, so schaut es für den Außenstehenden aus. Nur die Leute am Strand wissen Bescheid über ihr Geheimnis. Denn am Strand sind Giulio und Arianna nicht das verliebte, perfekte Paar, am Strand sind sie die sich verzehrende Arianna und der duldende Giulio. Doch beim Spiel mit den Jünglingen gibt es klare Regeln, über die der Strandwart wacht: Jeder nur zweimal! Und keine Anrufe bei ihr!

Giulio ist über ein Vierteljahrhundert älter als die begehrenswerte Arianna. Sie lernten sich kenne, als sie ihren Mann verlor. Dessen Familie war nie gut auf Arianna zu sprechen. Giulio schwebte botenhaft wie ein Engel in ihr Leben, dass von diesem Moment an ein anderes war. Finanzielle abgesichert konnte sie sich ihrer persönlichen Entfaltung widmen. Ganz oben auf dem Dachboden war und ist ihr Reich. Hier darf niemand rein.

Giulio ist Geschäftsmann. Klare Regeln sind für ihn die Basis eines jeden Geschäftes.

Und so läuft das angenehme Leben Tag vor Tag durch die beiden hindurch. Jeder hatte sein Leben bevor er den anderen kennenlernte. Jeder lebt sein Leben. Beide leben ihr Leben gemeinsam – das klingt auf den ersten Blick verwirrend. Doch Andrea Camilleri wäre nicht er selbst würde er es nicht ernst meinen und eine wunderbare Geschichte aufs Papier zaubern. Beim Lesen wird man das Gefühl nicht los, als sei diese Geschichte in einem fort geschrieben worden. Kleine Rückblenden in Ariannas Vergangenheit lassen den Nebel des Ungewissen verschwinden. Dem Leser öffnet sich eine traurige Welt, die Arianna längst verlassen zu haben scheint. Doch ist sie gerade dabei die Regeln zu verletzen. Mario – einer ihrer Auserwählten, den sie nur zweimal treffen darf, der sie nie anrufen darf – fühlt sich derart von ihr angezogen, dass er die Grenzen überschreitet. Arianna scheint das nur anfangs etwas auszumachen. Doch dann entscheidet sie sich anders: Wenn Arianna jemandem ihr ein und alles zeigt, ist das kein Vertrauensbeweis. Es ist viel mehr …

„Mein ein und alles“ gehört zu den stärksten Büchern des Sizilianers Andrea Camilleri. Was als ungewöhnliche Liebe zwischen einer jungen, vom Leben geschassten Frau und einem erfolgreichen, gönnerhaften Signore beginnt, entpuppt sich nach und nach als bittersüße Abrechnung mit dem Leben. Wer hier Opfer, wer Täter und wer Helfer ist, muss der Leser entscheiden. Montalbano hätte seine reine Freude an diesem Fall.

Lesereise Island

Lesereise Island

Wer Island besucht, sucht das Besondere. Keine Bettenburgen, die die Aussicht auf unvergessliche Natur verstellen. Keine Bartwurststände, die Heimatgefühle aufkommen lassen sollen. Kein Strand, an dem man in der Sonne brutzelt. Wer Island sucht, wird es auch schnell finden.

Das Auffälligste an Island ist, dass es jeden Tag anders auffällig erscheint. Wo gestern noch ein bizarrer Gletscher in den wolkenverhangenen Himmel ragte, versperrt heute eine Lavawüste den Weg. Okay, das ist vielleicht eher selten – aber Naturgewalten verändern in regelmäßig unregelmäßigen Abständen das Aussehen des Horizonts. Diesen Zauber fängt Susanne Schaber in ihrer Lesereise auf poetische Art und Weise ein.

Zaubern, also wirklich zaubern, etwas verschwinden und wieder auftauchen lassen, ganz ohne Trick, das können auch die Isländer nicht. Aber ihr Glaube an Trolle und Elfen, ihre Naturverbundenheit, ihre Gelassenheit lassen sie in unseren Augen zuerst verschroben, nach kurzer Besinnung besonders erscheinen. Sie leben mit der ständigen Gefahr, dass jederzeit einer der feuerspuckenden Vulkane ihnen alles nehmen kann. Sie kennen ihre Feuerberge, wissen das Grummeln zu deuten. Und wenn es doch mal zum Äußersten kommt, sind alle gewappnet. Für immer wegbleiben, kommt für kaum jemanden in Frage. Susanne Schabers Geschichte über eine Frage auf den Westmanninseln zeichnet das Bild einer willensstarken Frau, die den Naturgewalten die Stirn bietet. Bis zu vier Jahre kann es dauern bis wieder Normalität in den Ort gekehrt ist. Und wenn beim Nachbarn wieder Licht brennt, ist es die Mühen wert gewesen.

Island aber nur als Insel der Inneren-Frieden-Suchenden zu sehen, die sich nichts Schöneres vorstellen könne als einsam auf einem Gletscher ins Nichts zu schauen, der irrt. Reykjavik, die Hauptstadt, verwandelt sich Wochenende für Wochenende in eine metropole Partymeile. Vorwiegend aus Skandinavien fliegen oder fallen Gruppen von Menschen ein, um hier die Nacht zum Tage zu machen.

Ob nun einsamste Herberge der Welt oder Partygetümmel, ob lukullische Ausflüge und Treffen der Mächtigen der Welt, ob ungestüme Natur und entlegene Landstriche – Island zieht den Besucher in seinen Bann, dieses Buch den Leser. Susanne Schaber schafft dem blassen Image der Insel Farbe zu verleihen. Sie schaut in die Kochtöpfe, erzählt von immensen Aufbauarbeiten, schwärmt von unberührter Natur, so dass man schon beim Lesen gedanklich die Koffer packen will. Doch zuerst muss man zu Ende lesen. Es lohnt sich!

Konstanz in 90 Minuten

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Was kann man alles in neunzig Minuten machen? Backen, kochen, ein Fußballspiel anschauen … und Konstanz erobern. Als Tourist, versteht sich. Zehn Stationen in der Stadt am Bodensee und man wird süchtig nach Konstanz. In diesem kleinen Büchlein wird natürlich nicht die gesamte Geschichte der Stadt abgebildet, aber sie zeigt ihr wahres Gesicht. Das Jahr 2014 ist in Konstanz besonders vom 500jäöhrigen Jubiläum des Konstanzer Konzils geprägt. Die Touristen werden i die Stadt strömen, um sich als geschichtsträchtigen Pfaden den Hauch der Vergangenheit um die Nase wehen zu lassen. Da ist es von Vorteil sich ein wenig auszukennen. Und dafür ist diese Büchlein der ideale Begleiter. Per pedes durch die sonnenverwöhnte Meeresmetropole. Klingt vielleicht ein bisschen übertrieben, aber der Bodensee geht als Meer durch. Wer jetzt sagt, dass man mehr als 90 Minuten für Konstanz braucht, liegt goldrichtig. Nachspielzeit – in diesem Buch richtigerweise als Plus-Zeit-Angebote hervorgehoben – sorgen für nachhaltige Erlebnisse. Anpfiff für einen Rundgang durch Konstanz.

Südschweden Reisebuch

Südschweden

Der Süden Schwedens gehört seit Jahren zu den beliebtesten Reisezielen in Europa, zumindest für diejenigen, die sich nach Ruhe, Natur und einem Kulturwechsel „gleich um die Ecke“ sehnen. Das Königshaus – mit deutschem Anstrich – ist bei uns ebenso beliebt wie in Land der Schären. Sabine Gorsemann zeigt dem Leser / Reisenden nicht nur die schönsten Ecken Südschwedens, sie weist auch auf die Besonderheiten im Land hin. Denn obwohl Schweden so nah liegt, gibt es doch teils gravierende Unterschiede. Als Erstes kommt einem da der Alkoholerwerb in den Sinn. Doch ganz so strikt wie es einmal war, ist es nicht mehr. Doch wegen des Alkohols allein fährt man nicht nach Südschweden!

Hier scheint die Welt noch in Ordnung. Saftige Wiesen, gesunde Wälder, kaum Straßenverkehr, die typischen ochsenblutroten Häuschen – alles Klischees, die doch mehr als nur einen Funken Wahrheit in sich bergen.

In sechs Regionen unterteilt die Autorin ihre Erkundungstouren. Skåne und Halland mit den Städten Malmö und Helsingborg. Leseratten ist Ystad ein Begriff, die Stadt, in der Kommissar Wallander ermittelt. Bohuslän und Dalsland ist weithin unbekannt, Göteborg als größte Stadt hingegen ist den meisten ein Begriff. Västergötland und Närke im Inneren glänzt durch seine abwechslungsreiche Natur. Hier erfüllt sich am ehesten das Klischee vom weiten, verlassenen Schweden. Blekinge und Småland ist der „Garten Schwedens“. Mit Ostergötland und Sörmlad kommt man dem sechsten Kapitel und somit der ersten Anlaufstation in Schweden immer näher: Stockholm.

Die Hauptstadt besticht durch ihre Einzigartigkeit. Ein Shoppingparadies wie es kein zweites gibt. Aber eben anders. Viele kleine Läden laden zum Anprobieren, Verkosten und Stehenbleiben ein. Keine Großstadthektik, kein Gehetze, weil man noch unbedingt in diesen oder jenen Laden muss. Hier ist die Innovation Antriebsmotor, das Geld verdienen kommt dann von ganz allein.

Egal welche Region Südschwedens man bereist, Europas Norden ist anders. Anders angenehm. Entspanntes Reisen wurde hier erfunden. Die Infrastruktur ist sehr gut ausgebaut, so dass man mühelos im Land herumfahren kann. In Schweden bedarf es weniger Regularien. Hier schienen die „guten Dinge des Lebens“ tief in den Herzen der Menschen verwurzelt zu sein. Kinder genießen besondere Privilegien. Überall wird gesungen. Singfeste gehören für Schweden genauso zum Alltag wie hierzulande der samstägliche Gang ins Fußballstadion.

Mit diesem – bereits in der fünften Auflage erschienenen – Reisebuch kommt man sich durch Südschweden. Wie auf einem Silbertablett präsentiert die Autorin die Vorzüge Südschwedens – fast schon wie in der Werbung. Nur halt mit erfüllten Versprechungen.

MM City Hamburg

MM-City Hamburg

Ein Mann sitzt im Bus von der schleswig-holsteinischen Ostseeküste. Sein Weg führt ihn nicht nur in eine der schönsten Städte Deutschlands, seine Mission ist weitaus bedeutender: Er will den Geist der Stadt auf über 250 Seiten reisebeständigem Papier bannen. Hamburg heißt seine Sehnsucht! Matthias Kröner ist mehrere Dutzend Male in die Elbmetropole gereist, um ihr die geheimsten Geheimnisse zu entlocken. Tja, was soll man sagen? Es ist ihm gelungen! Wer Hamburg nur als Beigabe zur Reeperbahn, Sankt Pauli (ob nun den FC oder den Stadtteil ist erstmal egal) und den Hafen sah, wird baff sein, was Hamburg alles zu bieten hat. Im Nachgang der Unruhen (der Fans) zum Klassenverbleib des Bundesligadinos, wird es so manchen erst recht an Alster und Elbe ziehen. Hamburg ist voll mit Attraktionen. Doch welche soll man zuerst besuchen? Welche kann man im Vorbeigehen erhaschen? Was MUSS man gesehen haben? Keine leichte Aufgabe in einer Millionenstadt.

Zwei Jahre lang fuhr er immer wieder gen Elbe, um für seine Spaziergänge zu recherchieren. An altbewährtem wie dem Fischmarkt und der Reeperbahn vorbei durch die Neustadt und an der skandalumwitterten Elbphilharmonie bis zur Trostbrücke und einem Rundgang durch das abwechslungsreiche Ottensen. Überall gibt es Sehens- und Berichtenswertes. Nur eine Frage konnte auch Matthias Kröner nicht beantworten. Die nach dem Geburtstag der Stadt. Die namensgebende Hammaburg wurde irgendwann zwischen 810 und 822 errichtet. Von wem ist auch unklar. Feierwütige können so noch ein paar Jahre das 1200jährige Stadtjubiläum feiern.

Noch einmal zurück zum Traum von Matthias Kröner. Seine Reiseimpressionen sind nicht nur aus gedrucktem Papier zu erhalten. Seit einiger Zeit sind ALLE Inhalte der neu erschienen MM City Reisebücher auch als KOSTENLOSE App (mmv.me/buchundapp oder Code vom Cover scannen) erhältlich. Einfach aufs Smartphone laden und schon hat man die ganze Welt in der Tasche. Einerseits lesen, andererseits gucken. Wo geht’s lang? Was gibt’s dort zu sehen? Und wie sieht es aus, wie erkenne ich es? Für ausgefuchste Besucher empfiehlt sich das Doppelpaket: Für morgens die Tour mit dem Buch planen, mit dem Smartphone die Tour durchführen. Da sind echt gute Ideen dabei. Zum Beispiel kann man die Tour nach Dauer, Interessen (Hochkultur oder Schlemmen, ob mit oder ohne Kinder, mobil oder auf den öffentlich Nahverkehr angewiesen etc.) planen. Die App erledigt dann die restliche Planung. Man muss sich nur noch treiben lassen. Echt innovativ und sehr leicht zu bedienen.

Und dann wird aus Hamburg nicht das hanseatische Hamburch, sondern das dem Autor gelegene Hamburrrrrg.

Schottland fürs Handgepäck

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Modezaren halten die Schotten für die freiesten Menschen der Welt. Engländer halten die Schotten für die Eigenartigsten. Ihr Dialekt ist für Englischsprechende gewöhnungsbedürftig. Schottland gehört immer noch zu den Geheimtipps für Individualreisende. Zerklüftete Felsformationen, ein stetig beißender Wind, eine Sportkultur, die echte Kerle erfordert. Das ist Schottland.

Das ist ein Klischee. Diese Zusammenstellung von Texten beweist, dass Schottland mehr ist als das Land der rauen Sitten. Virginia Woolf besucht Skye, die Insel des Whiskeys. Ringsum nur Meer, absolute Stille … fast wie in der Südsee. Eine eigenwillige Deutung der Umgebung.

Theodor Fontane lässt’s spuken bzw. ist dem Spuk auf der Spur. Und Coco Chanel lässt sich beim Angeln begleiten.

Jede einzelne Geschichte zeigt Schottland von einer anderen Seite. Der Leser wird jedes Mal aufs Neue überrascht und neugierig gemacht. Wer in einem Reisebuch blättert, weiß, wo er lang gehen muss, um fest in der Erde verankerte Zeugnisse der Geschichte zu finden. Ihm wird der Weg zu ehrfürchtigen Gemäuern und Trutzburgen gezeigt – auch das ist Schottland.

Wer den Weg in die schottische Seele sucht, kommt um intensiveres Lesen nicht herum. Seit Zeiten haben die schottischen Highlands, die düsteren Schlösser und die weite See die Phantasie beflügelt. Einsam an den Klippen zu sitzen, der tosenden See zu lauschen – ein Traum für Viele. Doch diese Eindrücke in Buchstaben, Worten, Sätzen festzuhalten, gelingt nur Wenigen. Die, denen es gelungen ist, sind in diesem Buch versammelt. Sie schildern ihre Eindrücke zweifelsfrei. Dem Leser bleibt es überlassen nur in Gedanken nach Schottland zu reisen oder gleich die Koffer zu packen. Letzteres wird meist vor sich hergeschoben. Das Reisefieber wird allerdings nicht so schnell zu kurieren sein.

„Schottland fürs Handgepäck“ ist aber nicht einfach nur der Titel des Buches, es ist eine Aufforderung. Dieses Buch darf man nicht zu Hause liegen lassen. Immer mal wieder darin blättern. Die eine oder andere Geschichte abermals lesen. Das ist die Bedienungsanleitung für dieses Buch.

Die 40 bekanntesten historischen und archäologischen Stätten in Istrien

Die 40 bekanntesten historischen und archäologischen Stätten in Istrien

Es sind Bücher wie dieses, die einen Urlaub zu einer unvergessenen Zeit(reise) machen. Istrien, die Halbinsel, die sich Italien, Slowenien und Kroatien teilen, war schon in der Antike besiedelt. Schatzsucher können sich hier und da noch richtig austoben. Wolfram Letzner hat sich ausgetobt. Und er hat noch nicht genug. Vierzig Stätten, die exemplarisch für die Entwicklung Istriens (und längst verschwundener Reiche) stehen, hat er besucht und für den Leser seziert.

Bis in die Ur- und Frühgeschichte reichen die Fundorte. Monkodonja wird die Mykene Istriens genannt. Wer sich auch nur ein bisschen anstrengt, kann sich die Siedlung vor dreitausend Jahren vorstellen. Ein grandioser Ausblick bis zur Küste der Adria hin. Sehr gut erhaltene Mauerreste zeugen noch heute von der Geschicklichkeit der Handwerker.

Oder Milje, italienisch Muggia. Waffenschmiede einst, heute ein idyllisches Örtchen mit einer interessanten Geschichte. Die liest man aber lieber nach oder besucht Muggia selbst.

Die zahlreichen Abbildungen verstärken die Sehnsucht Istrien fernab vom Touristenmob zu erkunden. Wunderschöne Landschaften mit Resten von Tempeln, Festungsanlagen und noch intakten Gebäuden laden zum Verweilen und zu eigenen Nachforschungen ein. Wie ein kleiner Junge hüpft man von Mauerrest zu Mauerrest, stellt sich die Welt vor Jahrhunderten und Jahrtausenden vor. Aktivurlaub mal anders.

Die zahlreichen Übersichtskarten dienen als Landkarte durch die Vergangenheit und Wegweiser durch die Gegenwart. Und das Beste: Man lernt so ganz nebenbei noch was. Nach dem Urlaub, in geselliger Runde, kann man mit echtem Fachwissen glänzen. Während Andere sich an Souvenirständen mit allerlei Folklore eindecken, hat man selbst Folklore am eigenen Leib erfahren und erkundet. Der flexible, robuste Einband nimmt keinerlei Schaden, wenn man immer wieder drin blättert. Ein echter Reiseführer durch die Geschichte, vom Alten Rom bis in unsere Zeit.

Kopenhagen – Eine Biografie

Kopenhagen - Ein Biografie

Die dänische Hauptstadt Kopenhagen ist eng mit einer Märchenfigur verbunden, der kleinen Meerjungfrau. Sie verließ ihr angestammtes Terrain, um mit einem Prinzen an Land zusammen sein zu können. Der jedoch nahm eine andere. Die Meerjungfrau stürzte sich in die Fluten und schwebte nur als Geist über dem Land. Vor über hundert Jahren wurde eine Statue im Hafen Kopenhagens errichtet. Der Körper ist der Ehefrau des Bildhauers Edvard Eriksen nachempfunden. Das Gesicht der Primaballerina Ellen Price, die in dem gleichnamigen Ballett mit so viel Grazie die Meerjungfrau verkörperte. Das Wahrzeichen der Stadt – obwohl nur etwas mehr als einen Meter hoch – war des Öfteren Ziel vereinzelter Anschläge. Die Meerjungfrau, die heute Touristen als Fotomotiv gilt, ist also die Kopie der Kopie der Kopie …

„Kopenhagen – Ein Biografie“ ist Stadtgeschichte zum Anfassen. Zweiundvierzig Portraits von Künstlern, Denkern und Lenkern der Stadt Kopenhagen und des Königreiches Dänemark laden nicht nur zum Lesen ein. Die kurzweiligen Kapitel verführen geradezu zum Verreisen.

Auf den ersten Blick ist Kopenhagen nicht das Reiseziel Nummer Eins unter Europas Metropolen. Aber nur auf den ersten Blick. Denn Kopenhagen ist voller Geschichte und Geschichten. Berühmte Forscher lebten und wirkten hier, Niels Bohr zum Beispiel. Weltverzaubernde Dichter nisteten sich hier ein, Hans-Christian Andersen, um nur einen zu nennen.

Ihre Hinterlassenschaften bilden den Rahmen für ausgedehnte Spaziergänge durch die idyllische Stadt am Øresund. In seiner 800jährigen Geschichte hat Kopenhagen viel erlebt. Und Matthias Bath hat die Interessantesten in diesem Buch zusammengetragen. Ohne viel Tamtam entwirft er in kurzen Kapiteln das Portrait einer Stadt, die es wert ausgiebig erkundet zu werden. Kenntnisreich und wortgewandt ist dieses Buch der ideale Reiseleiter durch Kopenhagens Historie.

Jeden Abend Captain’s Dinner

Jeden Abend Captain's Dinner

Eine Kreuzfahrt steht auf so ziemlich jedem Wunschzettel eines Reisenden. Durch den gigantischen Anstieg an Angeboten, ist der Reiz des Exklusiven, des Unverwechselbaren fast schon verflogen. Neue Ideen müssen her. Zum Beispiel mal mit einem Frachtschiff Nord- und Ostsee bereisen. Brigitte Karin Becker ist diesen Weg gegangen. Und sie hat es nicht bereut.

Obwohl sie sich erst einmal in die raue Welt der noch raueren Seebären eingewöhnen muss, verliebt sie sich prompt in diese Art zu reisen. Von Hamburg nach Göteborg nach Helsinki nach Rotterdam nach Felixstowe in England – das sind ihre Sehnsuchtsrouten. Da sie immer wieder auf den gleichen Schiffen „anheuert“ bzw. mitreist, kennt sie inzwischen die Crew. Und ihre Marotten. Sie lernt schnell, dass man sich den Respekt der Besatzung zwar nur schwer aber dennoch erarbeiten kann.

Hier begrüßt sie keine schön geföhnter Sascha Hehn, hier stemmen sich kantige Kerle in den Wind und ihr in den Weg. Hier wird nicht von elegantem Villeroy-Und-Boch-Porzellan mit blitzeblankem WMF-Besteck gespeist, hier sieht man noch Wochen später, was es vor einigen Monaten zu essen gab. Und wenn das Geschirr einen Sprung hat … na und. So lange der Kaffee noch im Becher bleibt, geht’s.

Doch es sind auch nicht die harten Sitten eines Kapitän Blighs, der grundlos mal einen Matrosen Kiel holen ließ. Die Zeiten sind vorbei. Heute bestimmt babylonisches Sprachengewirr den Alltag an Bord. Unfälle und kleinere Reibereien gehören zur Tagesordnung wie die eintönigen Routen übers Meer.

Hier ist kein Platz für Romantik, dafür sind die Kerle auch nicht gemacht – dann hätten die auch einen anderen Beruf. Abwechslung bietet sich nur in Häfen. Doch die und die Sehenswürdigkeiten der Hafenstädte sind den hart arbeitenden Kerls an Bord genauso fremd wie allgemein gültige Verhaltensregeln.

Brigitte Karin Becker nimmt diese scheinbaren Strapazen gern auf sich. Genau beobachtet sie, sie urteilt nicht. Dass sie eine gewisse Zuneigung bzw. Verständnis für den einen oder andere Seebären entwickelt, stört die Reportagen in keinster Weise. Harte Kerle, raue See und Sehnsüchte schließen sich hierbei keineswegs aus. Die Autorin versteht es auf die einzelnen Charaktere, seien sie auch noch so einzigartig einzugehen. „Jeden Abend Captain’s Dinner“ ist eine Liebeserklärung an die raue See und die Männer, die dort tagtäglich ihrer harten Arbeit nachgehen. Reisen auf Frachtschiffen ist eine echte Alternative zur 24-Stunden-Bespaßungsmaschinerie der Neuzeit. Der Weg ist das Ziel. Und dieses Buch macht Lust auf Abenteuer, die es schon fast vergessen schien.

Carvalho und die Meere des Südens

Cavalho und die Meere des Südens

Jede Stadt, die etwas auf sich hält, hat ihren eigenen Ermittler. Venedig hat Guido Brunetti, Marseille Fabio Montale, und Barcelona hat Pepe Carvalho. Der Privatschnüffler wird dieses Mal von Anwalt Viladecan gebeten den Tod seines Klienten Carlos Stuart Pedrell zu untersuchen.

Der steinreiche Pedrell hatte vor einem Jahr alles hinter sich gelassen. Die Geschäfte führt nun seine Frau Mima, er selbst wollte sich lossagen von allem, was ihn einengte. Ab in die Südsee. Wie der Maler Paul Gauguin es tat. Ein sehnsuchtsvolles Gedicht hatte es Pedrell angetan. An und für sich nichts Ungewöhnliches. Außer, dass er nie in der Südsee angekommen ist. Sein Leichnam wurde auf einer Baustelle gefunden. Nun möchte seine Familie – in Person von Mima – wissen, was genau in diesem einen Jahr der Abwesenheit passiert ist.

In seiner unnachahmlichen Art und Weise – hart, bestimmt und unnachgiebig – nimmt der Schnüffler die Fährte auf. Artimbau ist Maler und sollte für den reichen Mäzen eine Wand gestalten. Carvalho und Artimbau unterhalten sich bei einigen Flachen „guten Weins“. Carvalho nimmt langsam Fahrt auf.

Seine Recherchen führen ihn quer durch die Hauptstadt Kataloniens. Für den Leser wird die Jagd nach der vergangenen Zeit nicht nur aufregend, sondern auch eine Reise durch eine Stadt voller Geschichten. Spanien hatte gerade die Franco-Diktatur hinter sich gelassen. Doch die Nachwirkungen sind immer noch zu spüren. So entspinnt sich so manches Gespräch zu einem Diskurs über alte Zöpfe, Moral und den ewigen Kampf zwischen Marxismus / Kommunismus und Kapitalismus. Und mittendrin immer das wunderliche Verschwinden von Carlos Stuart Pedrell.

Abwechslung in den Ermittlungen schaffen die Kochzeremonien Carvalhos. Wenn er kocht, dann mit Genuss. Einfach muss es sein. Und schmackhaft. Dem Leser wird zwar schon auf jeder Seite der Mund wässrig gemacht. Die Ausführungen zu den Kochkünsten des Ermittlers setzen dem Ganzen die Krone auf.

Carvalho kommt dem Geheimnis Stuart Pedrells auf die Spur. Dieser war kein Kostverächter. Carvalho ebenso. Kommen beide aus unterschiedlichen Lagern so weisen ihre Lebensweisen die eine oder andere Gemeinsamkeit auf.

Manuel Vázquez Montalbán schafft mit einfachen Wort ein gefühlvolles Bild Barcelonas vor über 30 Jahren. Sein Held ist mit allen Wassern gewaschen. Wer ihm selbiges reichen will, muss sich anstrengen. Wie ein märchenhaftes Roadmovie zieht Váquez Monatalbán seine Kreise. Wer an Andrea Camileri erinnert wird, liegt gar nicht so falsch. Sein Commissario Montalbano ist eine Hommage an den geistigen Vater Pepe Carvalhos.