Kategoriearchiv: Meeresrauschen

Lesereise Bretagne

Lesereise Bretagne

Die Bretagne passt so gar nicht ins Bild vom eleganten Frankreich. Hier ist alles etwas robuster, ursprünglicher, mythisch. Stefanie Bisping lässt sich von der Idylle einfangen und verführt den Leser zu einer einzigartigen Reise in den Nordwesten Frankreichs.

Der Einstieg gestaltet sich schwierig. Beziehungsweise der Ausstieg. Denn die Landung in Brest findet in Quimper statt. Zu viel Nebel in Brest. Und schon ist man mitten in der Bretagne. Die Meeresnähe sorgt für ein rustikales Klima, trotz Golfstrom. Plamen und sturmgepeitschte Küstenabschnitte müssen sich nicht zwangsläufig ausschließen. Und schon gar nicht hier, am Ende der Welt. Für die Bretonen übrigens der Anfang der Welt. Und schon ist man wieder mittendrin, in der Bretagne.

Nantes, die größte Stadt der Bretagne, war einst eine blühende Handelsmetropole. Hier wurde das Wertvollste auf der Welt „umgeschlagen“: Menschen. Vom Image als einer der größten „Umschlagplätze“ für Sklaven konnte sich die Stad mittlerweile befreien. Vom Schock des Zusammenbruchs der Industrie nur schwer. Seit einem Vierteljahrhundert ist man auf der Suche nach einem Konzept, das nachhaltig Geld in die Kassen von Nantes spült. 2013 war sie die Grüne Hauptstadt Europas. Auf fünfzehn Kilometern kann man hier sinnlich und poetisch die Stadt erkunden. Als Geburtsstadt des Fantasten Jules Verne war es nur ein gedanklicher Katzensprung die riesigen beweglichen Skulpturen in und auf Nantes aufmerksam zu machen. Tonnenschwere Ungetüme, auf denen man die Stadt aus einer bisher unbekannten Methode erkunden kann.

Doch die Bretagne ist mehr als die Hafenstadt Nantes. Pont Aven zum Beispiel ist durch Pal Gauguin weltberühmt geworden. Dieser kleine verschlafen wirkende Ort ist ein wahres Kleinod. Da reihen sich unzählige Galerien aneinander, geschickt durchbrochen von markanten Cidre-Läden. Idyllische Terrassen laden an sanft plätschernden Kanälen zum Tagebuchschreiben ein. Man sieht förmlich Stefanie Bisping den Stift schwingen. Vor ihr ein Glas Cidre, gerade noch in Sichtweite eine Wassermühle und kleine im Spiel der leichten Wellen sich wogende Boote. Die Luft ist rein, der Wind weht mal schwächer, mal stärker durch das satte Grün der umgebenden Flora.

Alsbald trägt es die Autorin wieder hinaus auf See, in die tosende Brandung des Atlantiks. Wenn sich das Meer zurückzieht, kommt die Zeit des Jagens. Die Jagd nach der Schwertmuschel. Mit einem geübten Jäger kommt sie dem Geheimnis der Jagd auf die Spur.

Selten zuvor wurde die Bretagne so lebensnah und echt dargestellt. Ein echter Reiseband mit Nachahmungscharakter.

Tanz auf den Klippen

Tanz auf den Klippen

Aus so ziemlich jedem europäischen Land können die meisten einen oder mehrere Autoren bzw. einen Buchtitel benennen. Sei es auch nur, weil die Werke verfilmt wurden. Doch von den Färöer-Inseln? Da wird’s eng! Von der kleinen Inselgruppe haben die meisten nur als anstrengenden Gegner bei Qualifikationsspielen im Fußball gehört. Färöer grob umrissen: Nicht einmal fünfzigtausend Menschen leben auf anderthalb Dutzend Inseln.

Zwei davon sind die Protagonisten dieses Romans. So trist die Landschaft auf den ersten Blick scheint, so verbittert ist die Kindheit zweier Mädchen. Der überdachte Hof – mit all seinem Kram – ist das Paradies der beiden. Hier können sie herumtollen bis … ja bis der grimmige Vater im Schuppen vorbei schaut. Dann ist Ruhe. Ehrfurchtsvolle Ruhe. Beklemmende Ruhe.

Skurrile Personen, die sich im Bett verkriechen. Angsteinflößende Gestalten, die es einfach besser wissen. Fast schon mystisch ergießt sich die färöische Landschaft über die beiden Mädchen, die sich ihre eigene Welt schaffen.

Jahre später treffen sie sich wieder. Beide mit denselben Wurzeln, denselben Erlebnissen, doch so verschieden. Die eine geht suchend den geradlinigen Weg ins Leben. Studentin. Die Andere scheint ihr Elixier schon gefunden zu haben. Doch ihr Weg ist weder geradlinig, noch ist sie auf der Suche. Sie findet ihn – immer wieder. Immer bei einem anderen … Mann. Sie ist dabei so geradlinig wie ein Schlingerkurs. Doch zielstrebig ist sie. Und sehr berechnend.

Sólrún Michelsen ist auf den Färöer-Inseln eine bekannte Kinderbuchautorin. Mit „Tanz auf den Klippen“ wagt sie den Schritt über den großen, die Inselgruppe umgebenden, Teich. Weich und einfühlsam beschreibt sie den Lebensweg zweier Frauen vor dem Hintergrund einer den meisten von uns fremden Welt. Schroffe Felsformationen, peitschende Winde und eine tief in der Tradition verwurzelten Gesellschaft – das sind Grundlagen für einen echten Abenteuerroman á la Tom Sawyer und Huckleberry Finn. Doch die Autorin zieht ihren Lausbuben ein Kleid an. Lässt sie ihre Welt aus der Sicht von Frauen erzählen. Das ist das Besondere an Michelsens Erstlingsroman für Große.

Redenta Tiria

Redenta Tiria

Abacrasta ist kein Ort, in dem leben möchte. Auch nicht tot überm Zaun hängen. Über diesem Ort schwebt das Mysterium des Todes. Ein Beamter, Rentner, hier geboren, hier gearbeitet, hier wird er wohl auch sterben, hat es sich zur Aufgabe gemacht diesem Mysterium auf den Grund zu gehen. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund binden sich die Männer, wenn sie ein bestimmtes Alter erreicht haben, ihre langen Gürtel, die bisher das Rutschen der Beinkleider verhinderten, um den Hals um ins Totenreich hineinzurutschen. Frauen nehmen sich einen Strick. Ihr Fardetta, der schwarze Faltenrock, der so typisch für Sardinien ist, benötigt keinen Gürtel.

Dieses Phänomen endet als Redenta Tiria in Abacrasta auftaucht. Eine betörende Schönheit (bestechend echt eingefangen auf dem Buchcover), die, blind, nicht sehend (!), wie aus dem Nichts in das nicht einmal zweitausend Seelen zählende Dorf kommt.

Der Erzähler berichtet von den Einheimischen. Jeder hat so seinen Tick. Sie sind Handwerker, Huren und Hallodris. Sie alle vereint das Schicksal Abacrasta. Früher oder später hören sie die Stimme, die sie (abbe-) ruft. Die Menschen der Nachbargemeinden meiden den Ort und ihre Bewohner. So ist Abacrasta der einsamste Ort der Insel. Aber auch der mit dem schönsten Geschichten. Der Leser vertieft sich in diese kleine Welt des Schicksals. Zum Schluss kommt auch der Autor in den Genuss Redenta Tiria kennenzulernen…

Salvatore Niffoi ist verantwortlich für diese seltsamen Geschichten aus dem Herzen Sardiniens. „Redenta Tiria“ war sein großer Durchbruch als Autor. Je mehr man sich in diese Geschichte vertieft, desto mehr begreift man auch warum. Mit Liebe zu den Menschen, ihren Marotten, mit geschultem Auge für ihre Schicksale setzt Niffoi den Sarden ein literarisches Denkmal. Eines, das Lust macht Sardinien zu erkunden, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, ihre Kultur aufzusaugen ohne sie auszusaugen. Dieses Buch gehört ins Handgepäck, wenn es gen Süden nach Sardinien geht!

Madeira

Madeira

So eine kleine Insel – das braucht man doch keinen Reiseband. Sollte man meinen. Stimmt aber nicht. Denn, wenn man schon auf diese kleine Insel reist, sollte man sie so intensiv wie möglich erleben (können). Und da gibt es nur eine Wahl: Irene Börjes‘ Reiseband aus dem Michael-Müller-Verlag.

Madeira ist der wahrgewordene Traum eines jeden, der Erholung in der Ruhe sucht. Hier umranken prächtige Blütenburgen jeden Weg, der zu den Hügeln führt und jeden Einkaufsbummel. Hier tosen gigantische Wellen, wenn sie aufs Eiland treffen. Die Winde summen zarte Melodien der Fremde. Und der Fremde wird zugleich zum Freund. So poetisch kann Urlaub sein.

Doch noch immer hat man nichts von der Insel gesehen. Ein Dutzend Touren und Wanderungen reichen aus, um die Inseln (inklusive der Nebeninseln) zu erkunden und ihre Reize aufzunehmen. Sechs Touren, die dem Leser / Besucher erlauben Madeira in sich aufzunehmen. Ein Platz im Herzen ist der Insel eh schon sicher. Irene Börjes tut dies in der Markthalle von Funchal, der Hauptstadt Madeiras. Hier schmeckt, schnuppert, sieht und hört sie Madeira. Das Buch ist kau mein paar Seiten aufgeschlagen und schon weiß man, wo man hin muss.

Und so geht es weiter. Über 250 Seiten lang. Hier jagt ein Ereignis, eine Sehenswürdigkeit die Andere. Karten und Pläne erleichtern die Orientierung. Die weit über einhundert Farbfotos machen Appetit auf Madeira, wobei jetzt nicht der Alkohol gemeint ist…

Irene Börjes streift durch dichten Lorbeer-Urwald, kann sich nicht satt sehen an der Steilküste im Norden der Insel und lässt sich in kleinen Lokalen von der Exklusivität der Landesküche verzaubern. Das kann man lesen. Oder man erlebt es! Und mit diesem Buch im Reisegepäck ist man bestens auf jede Art von Überraschungen vorbereitet. Was die Vorfreude aber in keiner Weise beeinträchtigt.

Irene Börjes Madeira-Reiseband ist die perfekte Vorbereitungslektüre, hilfreicher Guide vor Ort und liebevoller Erinnerungsband an einen unvergesslichen Urlaub. Was will man mehr?

Neapel sehen und sterben

Neapel sehen und sterben

John Watson ist ein begehrter Fotograf, weltweit. Gerade kommt er aus Shanghai wieder, will sich entspannen, den Jetlag auskurieren. Seine Freundin Sally wartet schon sehnsüchtig auf ihn ‚ und Harry, den Hund, der sein Herrchen überall hinbegleitet. Doch kaum in der heimatlichen Wohnung in Vancouver angekommen, schrillt das Telefon. Phil Marlowe(!), Kommissar und Freund der beiden muss in Neapel recherchieren und benötigt noch ein paar Reisetipps. Das kann ja so lang nicht dauern, meint John Watson und erklärt sich bereit dem Freund zu helfen. Da weiß er noch nicht, dass Neapel die beiden schneller wieder zusammenführen wird als den beiden lieb ist.
Denn kaum ist der eine zur Tür raus, klingelt erneut das Telefon ‚ das Ausruhen muss erneut warten. Am anderen Ende der Leitung wartet schon Falo Schöndorff (der Name ist eine Hommage an Volker Schlöndorff). Der Regisseur steckt in gewaltigen Schwierigkeiten: Sein Hauptdarsteller hat das Zeitliche gesegnet und die Vertretung fordert nun John Watson als Standfotograf, ansonsten würde er den Dreh platzen lassen.
Was tut man nicht alles für gute Freunde?! Unversehens sitzt John Watson im Flieger, um am Vesuv den eitlen Star gebührend in Szene zu setzen. Hündchen Harry ist natürlich mit von der Partie. Während Herrchen arbeiten muss und sich Locations (wie es so gern auf neudeutsch heißt) ansieht, passt Gelsomina auf Harry auf.
Bei einem seiner Rechercherundgänge am erhabenen Vesuv wird John Watson Zeuge eines Mordes und er drückt selber auch ab. Den Auslöser seiner Kamera. Das wird ihm zum Verhängnis. Denn die Killer sind keine Anfänger, sofort eröffnen sie das Feuer auf den neugierigen Gast. Watson kann sich retten. Bei Nero Lupo, dem Bürgermeister einer Stadt, die sich rühmt absolut frei von Mafia-Tätigkeiten zu sein, findet er Unterschlupf.
Doch die Killer sind gerissener und gewiefter als es sich der Hobbydetektiv John Watson vorzustellen vermag. Schnell setzen sie ihn unter Druck die Bilder rauszurücken. Doch die sind bei der Flucht genauso wie die Kamera kaputt gegangen. Die Speicherkarte lässt sich nicht mehr benutzen. Die Bilder sind im Eimer. Doch wie soll man einem engstirnigen Gangster erklären, der gerade aus seiner Deckung gekommen ist, dass dies nicht nötig war, weil das Gesuchte nicht mehr existiert? John Watson wird verschleppt und unter Drogen gesetzt ‚
‚Neapel sehen und sterben‘ ‚ der Titel erinnert an ‚Brügge sehen und sterben‘. Düstere Vorahnungen erhaschen den Leser ab der ersten Seite. Und sie werden alle wahr. C. Harry Kahn bedient sich eifrig im Filmgenre, schließlich eilt er einer Filmproduktion zur Hilfe. Der Pate, French Connection, Bond-Filme ‚ der Autor wildert ungeniert auf der großen Leinwand. Dennoch gelingt es ihm eine eigenständige Produktion zu Papier zu bringen. Spannung bis zum Schluss ist garantiert.

Lesereise Madeira

Lesereise Madeira

Gibt es sie noch, die erreichbaren Trauminseln, die wolkengeschaukelt im Ozean auf Entdeckung warten? Ja. Aber sie werden weniger. Madeira ist so eine Insel. Der Name kommt einem so seltsam vertraut vor. Ma-dei-ra. Und doch weiß man so gar nichts über dieses Kleinod im Atlantik.

Hier logierten so illustre Gäste wie Christoph Kolumbus und die Sisi. Hier wurde Christiano Ronaldo geboren. Kein schlechter Ort, um die schönste Zeit des Jahres zu verbringen.

Rita Henss packt ihr Handgepäck und begibt sich auf die Sehnsuchtsinsel, die administrativ zu Europa (Portugal) und geografisch zu Afrika gehört und merkt, dass hier die Welt zu Gast ist. Einflüsse aus aller Herren Länder haben sich in die Mauern der Häuser und Paläste eingenistet.

Eine kleine Landeskunde verpackt die Autorin geschickt und immer wieder mit einem Augenzwinkern in flüssige Texte.

Madeira wird auch die Blumeninsel genannt. Wieder so eine Masche, um Touristen anzulocken?! Nein! Hier stimmt das Klischee. Überbordende Blütenpracht ist hier keine Zier, es ist allgegenwärtige Realität. Und zwar in dem Maß, dass man die Blüten nicht pflücken muss. Sie sind eh überall.

Der Blütenpracht wird man nie überdrüssig. Ebenso der Inselküche. Poncha, ein leckeres Getränk aus Zuckerrohrschnaps, Honig und Zitronensaft oder poncha, das Fladenbrot oder pesce espada, Degenfisch, lassen das Genießerherz höher schlagen. Und Rita Henss tut nur wenig, um dem Magengrummeln etwas entgegen zu setzen. Im Gegenteil. Sie berichtet voller Hingabe von den leckeren Gerichten, die Besucher allerorten genießen können.

Dieses kleine Büchlein ist eine Win-Win-Win-Situation. Zum Einen kann Rita Henss mit diesem Buch hausieren gehen. Die Zuneigung zur Insel ist in jeder Silbe spürbar. Zum Anderen bekommt der Leser einen einhundertzweiunddreißig starken Grund die Insel zu besuchen. Letztendlich kann sich Madeiras Tourismusbüro die Kosten für Prospekte und ähnliches sparen: Einfach nur dieses Buch an Interessierte aushändigen. Der Rest (die Touristen) kommen dann von ganz allein.

Wem die Glocke schlägt

Wem die Glocke schlägt

Adria – das klingt nach Urlaub, Erholung, Entspannung. Und kulinarischen Höhepunkten. So beginnt auch Peter Kimeswengers „Wem die Glocke schlägt“. Ein Boot auf der Adria in sturmgepeitschter Gischt. Doch die Aussicht auf einen Fang lässt die Strapazen vergessen. Dazu ein Glas Wein. Mmmh lecker. Doch im Weinkeller hängt ein Toter.

Kommissar Karl Heber, der sich im beschaulichen Piran zur Ruhe gesetzt hat, sein Häuschen ausbaut, kommt nicht zur Ruhe. Einmal Bulle, immer Bulle. Erst die Sturmschlacht in den Fluten, dann der seltsame Selbstmord. Adria und Erholung – für Heber passt das nur bedingt zusammen.

Und es wird auch nicht besser als Heber einen Anruf von Antonella Lupini bekommt. Vor Jahren hatte die Anwältin ihn bei einem Prozess ordentlich in die Mangel genommen. Nun sitzen die beiden in einem Café in Piran. Sie braucht seine Hilfe. Denn ihr Bruder – Zwillingsbruder – Angelo wurde tot aufgefunden. Der Tote aus dem Weinkeller. Antonella glaubt nicht an die Selbstmordtheorie. Sie will Klarheit. Und die erhofft sie sich von dem beinharten Kommissar. Heber ist die Situation anfangs unangenehm. Das Katz-und-Maus-Spiel damals im Gerichtssaal wirkte noch lange nach. Auch wenn er als „Sieger“ aus diesem Spiel hervorging.

Wohl auch deswegen, vor allem aber, weil ihm ihr Auftreten und ihr Aussehen imponieren, erklärt sich Heber bereit der Dottoressa zu helfen. Schließlich hat er außerdem noch gute Kontakte zu seinen Ex-Kollegen.

Zwischen Fischerausflügen und Hausputz und kulinarischen Besonderheiten findet Heber schnell Zugang zu dem Fall. Visitenkarten, seine Spürnase und die Hilfe eines befreundeten Kommissars kommt Heber dem Geheimnis um Angelo Lupinis Tod schnell auf die Spur…

Peter Kimeswenger hat mit „Wem die Glocke schlägt“ (die Nähe zu Hemingways „Wem die Stunde schlägt“ kommt nicht von ungefähr!) nicht nur einen schnöden Krimi geschrieben. Mit viel Herz umschreibt er die Menschen im Dreiländereck Italien-Slowenien-Österreich, würzt die Geschichte mit magenknurrenden Appetitanregern und so ganz nebenbei wird ein Kriminalfall gelöst. Der ideale Urlaubskrimi!

Durch die blauen Felder

Durch die blauen Felder

Die Geschichtensammlung „Durch die blauen Felder“ von Claire Keegan besticht durch ihre präzise Beschreibung der einzelnen Charaktere. Dabei unterlässt es die Autorin dem Leser die komplette Geschichte aufzutischen. Sie lässt viel Raum für Interpretation und bezieht so den Leser in ihre Geschichten ein.

Jede einzelne Kurzgeschichte ist ein Juwel. Da muss zum Beispiel ein Priester seine einstige Geliebte verheiraten. Ahnt der Bräutigam etwas? Oder bildet sich der Gottesmann alles nur ein?

Eine junge Frau verlässt nach missglückter Schule-„Karriere“ ihre mehr oder weniger geliebte Heimat. Der Vater hält es nicht einmal für nötig aus dem Bett zu steigen. Die Zuneigung zur Mutter hält sich auch in Grenzen. Doch je näher der Abschied rückt, desto enger wird das Verhältnis zu den Eltern, desto intensiver die Liebe. Dennoch steht der Entschluss unverrückbar fest.

Die Personen in Claire Keegans Geschichten sind keine Allerweltspersonen. Allerdings auch keine Sonderlinge. Sie trifft man überall auf der Welt. Und doch sind sie einzigartig. Die Autorin lässt sie ihnen ihren Charakter, verändert sie nicht. Ein bisschen eigenbrötlerisch sind sie vielleicht. Doch keineswegs verschroben.

Wer Irland kennenlernen will, kommt an „Durch die blauen Felder“ nicht vorbei. Tiefe Einblicke in die Seelen der Bewohner der grünen Insel sind garantiert. Genauso wie das Versprechen, dass man diese Geschichten bald noch einmal aus dem Regal nimmt und ein weiteres Mal lesen wird.

Murmelbrüder

Murmelbrüder

Unter der Sonne Sardiniens spielt diese zauberhafte Geschichte aus der Feder von Michela Murgia. Sie ist dort geboren und lebt (wieder) dort. Sie kennt die Menschen der Insel. Mit diesem Buch versetzt sie den Leser in ihre Kindheit und auf die Trauminsel Sardinien.

Maurizio, Franco und Giulio sind echte Freunde. Sie sind um die zehn Jahre alt. Ihre Welt ist Crabas, ein kleines Städtchen, in dem sie sich so richtig austoben können. In der Natur herumstromern, Murmeln spielen – diese, ihre Welt ist in Ordnung. Maurizio hat den angenehmen Vorteil Einzelkind zu sein. Das heißt, er wird nicht permanent überwacht. Bei seinen Großeltern hat er ohnehin noch mehr Freiheiten. So soll es sein. Die Drei sind unzertrennlich. Wie selbstverständlich treffen sie sich jeden Tag zur gleichen Zeit an der gleichen Stelle. Alles ohne Uhr, ohne Karte, ohne Verabredung. Später werden sie es seelenverwandt nennen…

Und sie sin richtige Lausbuben. Eine Rattenplage wird radikal mit Stein, Alufolie, Alkohol und Steinschleuder bekämpft. Leider auch mit allen Konsequenzen.

Der Pfarrer des Ortes, Monsignor Marras hat auch so seine Vorstellungen vom Leben. So gründet er (kurzerhand?) eine neue Glaubensrichtung. Das spaltet den Ort in zwei Lager. Spannungen sind vorprogrammiert. Die Einigkeit, die so gern von der Kirche propagiert wird, soll nur noch von einer der beiden Richtungen vertreten werden. Auch die Jungens werden in den Sog der beiden streitenden Parteien gezogen. Doch sie haben eine (Welten) umwerfende Idee.

Michela Murgia berichtet von Freundschaft, die Grenzen überwindet. Die gewitzten Jungen Maurizio, Franco und Giulio sind Helden, Einiger und Lausbuben in einem. Sie wachsen dem Leser sofort ans Herz. Genau wie dieses Buch, das jeder lesen sollte, der offenen Auges durchs Leben schreitet, die Inseln des Mittelmeeres liebt und eine gute Geschichte zu schätzen weiß.

Die Schmuggler

Die Schmuggler

Was für eine Überraschung! Da ist sie, die „Mestral“. Der Ich-Erzähler wird von einem Fischer herangepfiffen, weil sich die beiden kennen. Denn das Boot gehörte einst dem Erzähler, der Pfeifende heißt Baldiri Cremat und ist Fischer, mit Nebenerwerb. Eigentlich wollte der Erzähler arbeiten, eine Geschichte schreiben. Und eigentlich sollte der Fischer mach Fischen fischen. Eigentlich. Aus dem Zusammentreffen wird ein Trip, den alle Beteiligten nicht mehr vergessen, inklusive des Lesers.

Die Drei, Baldiri Cremat, Pau Saldet und der Erzähler machen sich also auf den Weg von der katalanischen Küste in Frankreich Olivenöl zu verkaufen. Das Beste, was es überhaupt gibt. Auf dem Rückweg wollen sie teure Ersatzteile für Fahrräder mitbringen. Alles in allem ein ganz normaler Arbeitstag. Doch dem Erzähler schwant nichts Gutes. Er weiß, dass Cremat und Saldet mit allen Wassern gewaschener Halunken sind. Doch die Aussicht mit dem einst eigenen Boot noch einmal aufs Meer hinauszufahren, den Wind um die Nase wehen zu lassen, und vielleicht auch die Schmeicheleien von Cremat lassen die Abenteuerlust über die Vorsicht siegen.

Dem Erzähler ist klar, dass es sich nicht um eine „normale Geschäftsreise“ handelt. So konzentriert er sich bei der Kurzreise ins benachbarte Frankreich auf die Schönheiten der Natur und der Eigenheiten der Ortschaften. Besonderen Wert legt er auf die lukullischen Genüsse an Land. Dem Leser läuft das Wasser im Mund zusammen, wenn er von den Köstlichkeiten an Land erfährt.

Und so tritt die Tätigkeit des Titels – das Schmuggeln – immer weiter in den Hintergrund. Fast könnte man „Die Schmuggler“ als kulinarischen Reiseband für Leckermäuler verstehen. Als Reiseband taugt die Geschichte allemal. Entlang der katalanischen Küste von Spanien nach Frankreich ins Roussillon oder in umgekehrter Richtung, Josep Pla gibt die Richtung und Einkehrorte vor. Immer mit dabei: „Die Schmuggler“.