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Tom Ripley

Im Jahr 1955 betrat einer der anziehendsten Gauner die literarische Bühne: Tom Ripley. Fünf Romane schrieb Patricia Highsmith über ihren cleveren Betrüger und Mörder, gab ihm aber auch Kunstgeschmack und verstand mit an die Hand. Zahlreiche Verfilmungen, unter anderem mit Alain Delon, Matt Damon, Philip Seymour Hoffman und Cate Blanchett in tragenden Rollen, trugen dazu bei, dass er auch sechzig Jahre nach seiner Geburt immer noch für Furore bei den Lesern sorgt. Der Diogenes-Verlag setzt diesem Mann ein weiteres Denkmal. Die Romane „Der talentierte Mr. Ripley“, „Ripley Under Ground“, „Ripley’s Game“, „Der Junger, der Ripley folgte“ und „Ripley Under Water“ sind in einer geschmackvollen Sonderedition in einer Geschenkkassette erschienen. Ein Muss für Krimifans – ein ideales Geschenk für alle, denen verschlungene Pfade als Reiseroute willkommen sind.

 

Der talentierte Mr. Ripley

Raus aus New York. Weg von den Schwindeleien des alter ego George McAlpin und den dürftigen Einnahmen. Ab nach Europa! Italien, Süditalien! Mongibello! Und das Beste ist: Fürstlich entlohnt! Tom Ripley hat es geschafft! Er soll Dickie Greenleaf zurückholen. Zurück in die Heimat. Seine Eltern möchten, dass der Filius die Firma übernimmt und endlich sesshaft wird, dem Lotterleben entsagt. Und Tom soll den renitenten Sprössling genau dazu überreden. Ihm bleibt gar nichts anderes übrig als zuzusagen. Schließlich kennt er Dickie ja sooooo gut.

Und Tom trifft Dickie, erzählt von der List des Vaters im fernen New York. Dickie ist nicht sonderlich beeindruckt. Er kennt seine Familie, will sich aber hier im Süden, am Meer selbst verwirklichen. Und eine ruhige Kugel schieben, malen und mit Marge, die enttäuschte Frau an seiner Seite, in den Tag hinein leben.

Tom ist diese Welt fremd. Seit dem Tod seiner Eltern lebt er von der Hand in den Mund. Die monatlichen Schecks von Tante Dottie reichen hinten und vorne nicht. Und nun dieser Lebensentwurf! Keine Regeln, keine Grenzen. Und als Krönung: Keine finanziellen Sorgen. Auch Tom könnte so ein Leben, das Leben von Richard Greenleaf gefallen. Warum also nicht ein Leben als Richard Greenleaf leben? Die Klamotten von Dickie passen schon mal…

Was als Spaß beginnt, wandelt sich nach und nach in ein ernstes Spiel. Toms Passion für das sorgenfreie Leben schlummerte bisher in seinem Herzen. Jetzt ergreift die Idee langsam Besitz von seinem Kopf. Clever war Tom schon immer. Zahlenspiele beherrscht er aus dem Effeff. Parodien sind sein Steckenpferd. Unwiderstehlich reift in ihm reift der Gedanke daraus ein lohnendes Geschäft zu machen.

Doch zum Erfolg muss Dickie aus dem Weg geräumt werden. Die erstbeste Möglichkeit – ein gemeinsamer Ausflug nach San Remo – nutzt Tom, um denjenigen aus dem Weg zu schaffen, der das Tor zum Paradies versperrt. Dickie ertrinkt bewusstlos vom Schlag Toms vor der Küste der Blumenriviera.

Eine Rückkehr nach Mongibello ist nun jedoch ausgeschlossen. Denn Marge ist dort und die kennt Dickie, und auch Tom. Rom ist nun das neue Sehnsuchtsziel. Doch auch hier lauert die Gefahr. Und zwar in Person von Freddie Miles. Tom empfindet ihn als abstoßend. Tom hatte Freddie nur kurz mal gesehen und sofort entschieden, dass er ihn nicht mag. Zu aufdringlich, zu überheblich, zu blass.

In Rom gesellt sich noch eine weitere Eigenschaft Freddies hinzu. Er ist gefährlich. Gefährlich für Tom. Denn Freddie wittert etwas. Weiß er von dem Mord an Dickie? Nein, aber er vermutet, dass Tom irgendwie involviert ist. Tom muss schnell handeln…

Zwei Morde, zwei Persönlichkeiten, die Polizei, Marge und Dickies Eltern in die Irre geführt – es könnte so schön sein ein unbescholtenes, sorgenfreies Leben zu führen. Doch der Zug ist schon lange für Tom Ripley abgefahren. Seine Spielchen treiben ihn immer mehr in die Enge. Die Polizei ist ihm auf den Fersen. Marges Misstrauen bestärkt auch die Greenleafs dem Verschwinden ihres Sohnes nachzugehen – da bleibt nur die Flucht. Die Flucht nach Venedig. Neue Stadt, neues Glück?

Tom Ripley ist ein komischer Kauz. Man weiß nicht recht, ob man ihn bedauern oder postwendend verteufeln soll. Dass er einen Knacks weg hat, steht außer Zweifel. Dass er hochgradig kriminell ist auch. Und doch fühlt man mit ihm, man tut sich schwer zu akzeptieren, dass er das personifizierte Böse sein soll. Wer Städte wie Rom und Venedig so begierig in sich aufsaugt, kann nicht von Grund auf böse sein.

Mit sorgfältig gewählten Worten schickt Patricia Highsmith ihren Helden auf eine Odyssee der Gefühle durch die beeindruckenden Stadtlandschaften Italiens. Wie eine Schlange windet sich der sehnsüchtige Tom Ripley immer wieder aus kniffligen Situationen heraus, vereinnahmt die Metropolen für sich.

 

Ripley Under Ground

Es ist ein paar Jahre her, dass der Ruf von Tom Ripley – hätte er denn einen zu verteidigen gehabt – stark beschmutzt worden wäre. Dickie Greenleaf ist Geschichte. Und Tom lebt nun an der Seine. Er hat eine gute Partie geheiratet. Heloise Plisson ist die Tochter eines schwerreichen Pharmaunternehmers. Kein Grund sich zur Ruhe zu legen. Tom Ripley hat auch ein ganz einträgliches Unternehmen. Er erhält zehn Prozent von Derwatt Ltd. Das ist natürlich nicht legal. Denn Derwatt gibt es nicht, nicht mehr. Er war Künstler, kam bei einem Unfall vor Griechenland ums Leben. Doch seine Bilder verkauften sich ganz gut. Derwatt war nicht bekannt, so fiel auch niemandem sein Tod auf. Als sich Firmen meldeten und unter dem Namen Derwatt ihre Artikel vermarkten wollten, wurde die Idee geboren: Derwatt ist ein verschrobener Maler. Lebt abgeschieden in einem Dorf in Mexiko. Über eine Galerie in London werden seine Werke exklusiv vertrieben. In Wirklichkeit sind es aber fast alles Fälschungen. Bernard Tufts ist dafür zuständig. Zum Imperium gehören auch eine Kunstschule und – was am einträglichsten ist – eine Immobilienfirma.

Nun will es der Zufall, dass der Sammler Thomas Murchison einige seiner Derwatts miteinander verglichen hat und feststellen musste, dass es Ungereimtheiten in Bezug auf Technik und Farbgebung gibt. Und nun ist dieser Murchison auf dem Weg von New York nach London. In der Galerie stehen alle Kopf. Nur Ripley bewahrt selbigen. Mit der ihm eigenen Coolness will er Murchinson davon überzeugen, dass er – Ripley, geschminkt und maskiert – der verschrobene Eigenbrödler Derwatt ist.

Ein wunderbarer Einstieg in einen erstklassigen Krimi. Wald-Und-Wiesen-Autoren würden Ripley nun schnell zur Tat schreiten lassen und damit wären knapp einhundert Seiten voll. Doch Patricia Highsmith hat zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal ein Viertel ihres spannungsgeladenen Krimis vollendet. Ein Fest für den Leser!

Wer sich auch nur ein wenig in der Kunstszene auskennt, weiß um das Problem von Fälschungen. Schließlich kann die zu zahlende Differenz einen zwei-, sogar dreistelligen Millionenbetrag ausmachen. Mr. Murchison muss also irgendwie beruhigt werden. Noch ist Tom Ripley selbst ganz ruhig. Er trifft den Sammler und bietet an ihm seine Derwatts zu zeigen. Murchison nimmt dankend an. Denn je mehr Derwatts er untersucht, desto früher kann er seinen Derwatt als echt oder unecht deklarieren. Tom weiht aber nicht das ganze Team in seinen Plan. Denn Bernard hat sich still und heimlich mit Murchison getroffen… Denn es kommt wie es kommen musste: Thomas Murchison darf einfach nicht lebend Tom Ripleys Grundstück verlassen.

Ein zweiter Besucher kündigt sich bei Tom Ripley an: Ein Amerikaner. Blond, groß gewachsen, feinfühlig. Eigentlich nicht weiter erwähnenswert. Wäre da nicht der Name: Chris Greenleaf!

Tom Ripley sitzt auf einem Angstpendel. Allerdings ein Pendel, das gleich in mehrere Richtungen ausschlägt. Von wem geht die größere Gefahr aus? Von Bernard, weil er die Nerven verlieren und alles verraten könnte? Von Chris, weil er so unverhofft auftaucht? Von Heloise, weil sie, wenn sie hinter seine Machenschaften kommt, ihm die Hölle heiß macht? Oder von der Polizei, weil sie unnachgiebig das Verschwinden von Murchison und Derwatt verfolgt?

 

Ripley’s Game

Das ist ein Leben! Zu Hause in einem herrschaftlichen Anwesen an der Seine, ein treues Weib und ohne finanzielle Sorgen. Tom Ripley geht’s gut. Niemand kann ihn wegen eventueller Verfehlungen im Zusammenhang mit dem Verschwinden von Dickie Greenleaf oder dem rätselhaften Selbstmord von Bernard Tufts etwas anhaben. Er ist und fühlt sich sicher. Und das soll gefälligst auch so bleiben! Deswegen lehnt er auch dankend ab, als sein alter Freund Reeves Minot aus Hamburg ihn um Hilfe bittet. Er braucht jemanden, der den perfekten Mord verübt. Oder gleich zwei. Und vielleicht noch einen Diebstahl. Mehr nicht.

Nein, Tom Ripley sieht Mord eher als letzten Ausweg. So vergnügt er sich derweil auf der Party des Bilderrahmers Jonathan Trevanny. Dort ist auch der Kunsthändler Gauthier und Trevannys bester Freund Alan McNears. Nicht besonders aufregend, aber eine Abwechslung. Aufregend wird es kurz nach der Party als Jonathan Trevanny einen Brief seines besten Freundes erhält, den dieser kurz vor seiner Abreise nach Amerika geschrieben hat. Alan drückt darin sein Bedauern aus, dass es gesundheitlich so schlecht um Jonathan steht. Letzterer ist verwundert. Klar, ihm geht es nicht gut, Leukämie. Aber so schlimm auch nun wieder nicht. Alan gesteht, dass er die Information von Gauthier hat. Seltsam! Gauthier ist sich sichtlich beschämt so über den Geschäftspartner (hin und wieder schanzt er Trevanny einen Kunden zu) geredet zu haben. Damit ist die Sache aus der Welt.

Wer bereits die beiden Vorgängerromane „Der talentierte Mr. Ripley“ und „Ripley Under Ground“ gelesen hat, weiß, dass es sich bei dieser Sache nicht um einen Zufall handelt. Tom Ripley hat seine Finger im Spiel. Er will Reeves und Jonathan zusammenbringen. Ein fast sechsstelliges Honorar ist eine würdige Entschädigung für seine aufopferungsvollen Bemühungen. Er nennt Reeves Namen und Adresse des möglichen „neuen Geschäftspartner“ und will von nun an nicht mehr damit zu tun haben.

Getarnt als Wister nimmt Reeves Minot Kontakt zu Jonathan Trevanny auf. Er bietet ihm fast eine halbe Million Franc an, wenn er einen, unter Umständen zwei Menschen umbringt – und eventuell noch einen Diebstahl begeht. Wisters / Minots Hauptargument ist die überschaubare Lebenserwartung des möglichen Killers. Trevanny entgegnet, dass es gar nicht so schlecht um ihn stehe. Doch Wister setzt ihm den Floh ins Ohr, dass Dr. Perrier nicht ganz offen zu seinem Patienten war. So was nennt man wohl eine vertrackte Situation. Ein Killer, der nicht mal in die Nähe eines Verdachts kommt, weil er überhaupt keine Verbindung zu den Opfern hat. Die Strafe dafür – würde er dennoch geschnappt werden – übernehme kein Gericht dieser Welt, sondern Mutter Natur selbst. Und man könnte die letzten Tage, Wochen, Monate das Leben in vollen Zügen genießen und trotzdem noch ausreichend Erbe hinterlassen. Je mehr sich Jonathan Trevanny sträubt, desto interessanter klingt das Angebot. Zumal Wister aus Hamburg ist, und das liegt einige Flugstunden und noch mehr Fahrstunden entfernt…

Simone, Jonathans Ehefrau, glaubt ihrem Gatten, dass er wegen einer Untersuchung nach Hamburg fährt. Dass er dort zum Killer wird, wissen nur er selbst und die Auftraggeber. Reeves, der sich nun auch als Reeves Minot zu erkennen gibt, erklärt dem Amateur-Auftragskiller peinlich genau wie alles ablaufen soll. Und siehe da: Jonathan Trevanny ist ein Naturtalent. Alles verläuft reibungslos. Das Opfer ist tot, der Täter entkommt unerkannt.

Leider muss Trevanny erkennen, dass alles bis auf eine entscheidende Kleinigkeit geregelt wurde: Die Geldübergabe. Schließlich stehen ihm nun fast eine halbe Million Franc zu. Reeves druckst rum. Eigentlich sollten ja zwei Leute erschossen werden. Nur so kann ein Bandenkrieg im Hamburger Glücksspielmilieu entfacht werden. Einen Teil könne sofort ausgezahlt werden, fünftausend Franc. Ein Bruchteil! Mehr nicht. Der Rest der Teilsumme wird auf einem Schweizer Nummernkonto deponiert. Und die volle Summe gibt‘s erst, wenn der zweite Mord geschehen ist. Es wird Zeit, dass der Spielleiter ins Geschehen eingreift und Ordnung ins Spiel bring. Tom Ripley will helfen, muss helfen, macht aber alles nur noch schlimmer.

Ein treusorgender Ehemann und Vater, der zum Killer wird – geht das? Meistens nicht gut. Doch Patricia Highsmith lenkt ihre Helden – Ripley und Trevanny – so geschickt durch das Labyrinth der Gauner und Mafiosi, dass der Leser jede Zeile ernst nimmt. Sie geht sogar soweit, dass sie stellenweise den Sympathievorschuss (für Tom Ripley) des Lesers aufs Spiel setzt.

 

Der Junge, der Ripley folgte

Die einstige Souveränität weicht. Ein bisschen schreckhaft erscheint Tom Ripley zu Beginn des Buches. Oder ist es eine intensiver ausgelebte Vorsicht? Grund hätte er allemal. Oder besser: Mehrere Gründe. Schließlich ist er in mehrere Morde verstrickt. Einige hat er selbst begangen, an mindestens einem war er indirekt beteiligt. Andere waren eher zufällig und wurden mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen.

Im Café, bei Marie fällt Ripley ein Junge auf. Der scheint ihn zu beobachten. Als Ripley zahlt, zahlt auch der Boy. Und folgt ihm. Spricht ihn an. Bobby Rollins heiße er. Komme aus New York. Und er habe von Mister Ripley in den Zeitungen gelesen. Angriff ist die beste Verteidigung – Tom lädt den Burschen zu sich nach Hause ein. Bobby arbeite in der Nähe, als Gärtner. Und neugierig ist der Kleine. Ein Werbebrief erregt seine Aufmerksamkeit. Darin bitten „Wohltäter“ um eine Spende für vernachlässigte Tiere. Sicher ein Trick, um ahnungslosen Leuten ein paar Franc zu entlocken. Billy will der Sache nachgehen. Tom Ripley ist ein wenig amüsiert ob des Tatendrangs.

Seine Sinne sind geschärft. Irgendwas an dem Jungen ist falsch. Zumindest verdächtig. Ripley ahnt was, ist sich aber nicht sicher. Frank Pierson heißt der Bengel! Sohn eines millionenschweren Unternehmers. Und dessen Sohn hat sich aus dem Staub gemacht. Verschwunden. Ja, Bobby Rollins ist Frank Pierson!

Voller Stolz berichtet Bobby / Frank von seinem Erfolg. Er habe den Gaunern, die mit ihrer Mitleidstour sich ein schönes Leben machen wollen, einen Schreck eingejagt, behauptet er bei einem neuerlichen Essen mit Tom Ripley. Auch dass er in Wirklichkeit Frank heißt und von zu Hause abgehauen ist, gibt er zu. Tom ist abermals beeindruckt ob der Courage. Doch was will Frank wirklich? Was will er von Tom Ripley?

Tom will sehen wie Frank lebt. Er fährt ihn zum Anwesen der Boutins ein paar Kilometer entfernt. Vor dem Haus wartet ein Wagen mit Pariser Kennzeichen. Als die beiden ihn entdeckten wendet er und rauscht ab. Madame Boutin ist inzwischen wach geworden und steckt Frank, dass heute zwei Männer nach ihm fragten. Tom sieht darin eine gewisse Gefahr für seinen neuen jungen Freund und nimmt ihn großmütig bei sich auf. Heloise soll er aber vorerst als Bobby den neuen Gärtner vorgestellt werden.

Tom beschäftigt sich mit Frank immer mehr, so dass der Junge Vertrauen fasst. Und dann rückt er mit der Wahrheit raus. Er habe seinen Vater umgebracht – die Polizei geht weiterhin von einem Unfall aus, doch die Tat nagt an Frank Piersons Nerven.

Und Ripley? Er versucht sich zur Abwechslung mal als Wohltäter. Fast schon väterlich kümmert er sich um den Ausreißer. Er reist mit ihm nach Berlin, zeigt ihm die geteilte Stadt. Und macht Pläne. Frank solle so schnell wie möglich in die USA zurückreisen, um alles zu klären, seinen Frieden mit der Familie machen. Die hat inzwischen einen Detektiv zusammen mit Johnny, Franks Bruder, nach Europa geschickt, um Frank zu suchen. Doch dann wird Frank vor dem Augen Tom Ripleys entführt! Blitzschnell reagiert Tom und setzt sich mit der Familie und dem Detektiv in Verbindung. Er will die Sache regeln – dank seiner „Kontakte“ kann er schnell Hilfe organisieren. Reeves und seine Kumpane sind endlich mal zu was Gutem nütze. Und der talentierte Tom Ripley kann endlich das tun, was er schon zuvor hätte tun sollen…

 

Ripley Under Water

Da ist es wieder dieses unangenehme Gefühl. Ripley fühlt sich verfolgt. Seit Neuestem treiben sich die Pritchards in Villeperce herum. Hier, wo Tom und Heloise Ripley auf Belle Ombre ihr Leben genießen. David und Janice sind ziemlich aufdringlich, findet er. Er mag sie nicht. Vielleicht sind sie ja hinter ihm her. Privatdetektive oder gar Schlimmeres. Vielleicht aber auch nur Einbildung. Tom und Heloise werden bald verreisen. Nach Tanger, Marokko. Dann ist die Aufregung eh vergessen. Nur noch wenige Tage. Was kann da schon passieren? Na zum Beispiel kann Reeves Minot wieder mal anrufen. Ihn um einen „kleinen Gefallen“ bitten. Ein Päckchen entgegennehmen, es für vier, fünf Tage aufbewahren und dann weiterleiten. Zum Beispiel. Ihm kann Tom nichts abschlagen, auch wenn er seine „Geschäftsbeziehungen“ zu ihm auf ein Minimum begrenzen möchte. Was kann noch passieren? Ach ja, die Pritchards können Tom und Heloise zum Dinner einladen. Gleich am nächsten Tag. Was tun? Langeweile ertragen und Gewissheit erlangen oder in Ruhe mit der Ungewissheit leben? Kompromiss: Tom Ripley geht allein zu den Pritchards.

David Pritchard ist ein vulgärer Typ, dem es Spaß macht die Menschen in seiner Umgebung zu provozieren, zu brüskieren, vor den Kopf zu stoßen. Er stichelt für sein Leben gern. So fragt er unverhohlen Tom, ob er Cynthia kennt. Cynthia, die Freundin von Bernard Tufts, der aus Angst vor dem Geist Ripleys in den Tod sprang und von Tom verbrannt wurde. Auch zu den Greenleafs scheint David Pritchard eine Verbindung zu haben. Ripley muss handeln. Er setzt sich mit London in Verbindung. Dort ist die Galerie, in der die (unter anderem in Ripleys Auftrag) gefälschten Derwatts verkauft werden. Janice Pritchard spielt eine weitere seltsame Rolle. Sie telefoniert heimlich mit Tom Ripley, will ihn treffen. Aus Versehen (oder doch nicht?) gesteht sie dem neugierigen Ripley von Davids Eskapaden. Ab und zu rutsche ihm mal die Hand aus. Und außerdem zeigt er gern Anderen seine Macht. Tom Ripley ist geschickt, er lässt sich keine Angst anmerken, fragt kaum sichtlich nach. Denn er weiß nicht, welches Spiel Janice spielt. Sofern sie es tut.

Erstmal Urlaub – Tanger – die Seele baumeln lassen. Neue Leute treffen. Ha, da hat sich Tom Ripley getäuscht. Denn wird sitzt da an der Bar und macht seine makabren Späßchen? David Pritchard! Jetzt muss Ripley handeln. London ist sein nächstes Ziel. Er muss wissen inwieweit Cynthia in die ganze Sache verstrickt ist. Und er braucht einen Plan. Am besten einen todsicheren…

Seit sechzig Jahren versetzt Patricia Highsmith ihre Leser mit ihrem Tom Ripley in atemberaubende Spannung. Jäger und Gejagte sind gleichermaßen auf Post, Flugzeuge und nicht auf infiltriertes Internet und Mobiltelefone angewiesen. Hier zählt noch der Grips! Hilfsmittel sind eine gehörige Portion Skrupellosigkeit, Erfindungsreichtum und Sorgfalt. Ihre Charaktere sind bis heute die unumstrittenen Helden der dunklen Seite. Auf der einen Seite kann man nicht gutheißen, was Tom Ripley alles anstellt, um zu Geld und Ruhm zu gelangen. Andererseits ringen ihm seine Geschick und seine Eleganz Bewunderung ab.

Hercule Poirots Weihnachten

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Weihnachtfest auf Gorston Hall. Man sitzt vereint zusammen, genießt die deftigen Gaben aus der Küche, lässt so manchen guten Tropfen die Kehle herunter rinnen und lauscht – wenn man einen Gast wie Hercule Poirot schon mal zu Gast hat – blutrünstigen Geschichten. Der Fall liegt hier jedoch etwas anders. Denn der Gastgeber des Familienessens Simeon Lee ist tot. Und erst jetzt hat Hercule Poirot seinen Auftritt. Und auf seine Ausführungen hat keiner so recht Lust.

Simeon Lee war ein echter Tyrann. Schon die Tatsache, dass er seine Familie zum Weihnachtsschmaus einlud, verblüffte. Doch die Ernüchterung trat schnell ein. Simeon Lee kann einfach nicht anders als ein echtes Ekel zu sein. Ein gutes Haar an einer Sache oder an einer Person lasen, ist nicht sein Ding. Und da sich der Schwager von Agatha Christie wieder einen guten, brutalen Mord gewünscht hat, folgte die Queen of crime seinem Wunsch und beförderte den Hausherren sofort ins Jenseits. Das weiß der Leser schon vom Klappentext. Und gleich auf den ersten Seiten werden die potentiellen Täter vorgestellt. Und bei jedem Kapitel, bei jeder Vorstellung der Sippschaft denkt man sich „Der muss es sein!“. Gefolgt von einem „Nein, der war’s“ bzw. wird es sein. Ein herrliches Versteckspiel, das Agatha Christie da zur Weihnachtszeit inszeniert!

Ach ja, Hercule Poirot vervollständigt den Reigen des Familientreffens. Der Connaisseur schreitet dem aristokratischen Anlass entsprechend durch die heiligen Hallen von Gorston Hall. Manchmal jedoch tritt er dabei jemandem gehörig auf die Füße. Das ist ja auch ganz einfach, bei dieser Familie. Da ist Harry, so was wie das schwarze Schaf. Ein Lebemann, der immer Geld gebrauchen kann. Nach Jahren der Abstinenz ist er wieder da. Was die Brüder wundert – sie dachten er wäre tot – und Simeon Lee freut. Alfred ist immer da. Zusammen mit der beherrschten Lydia wohnt er hier, leitet das Familienunternehmen. Was den Simeon Lee freut. George kommt zu Besuch, ein weiterer Sohn. Abgeordneter, seine Frau Magdalene hält dem Weichei den Rücken frei. Das freut Simeon Lee. David und Hilda sind auch angereist. David, das Müttersöhnchen, das den Tod der Mutter immer noch nicht verkraftet hat. Das freut Simeon Lee. Doch zwei weitere Gäste erfreuen den Alten noch viel mehr: Pilar, seine Enkelin, Tochter seiner einzigen Tochter. Sie wuchs in Spanien auf. Und dann ist da noch Stephen Farr. Bereits im Zug machte er die Bekanntschaft der reizenden, naiven, reinen Pilar. Stephen ist der Sohn des ehemaligen Geschäftspartners von Simeon Lee aus Südafrika. Eine illustre Gesellschaft. So bunt, so verschieden, so geheimnisvoll. Und der Alte freut sich über jeden einzelnen. Bis zu seinem letzten Atemzug.

Der, der sich so gern im Blut der eigenen Sippe suhlte, liegt nun in seinem eigenen Saft. Kein schöner Anblick für seine Lieben. Alle lieben sich, weil sich gleichen Blutes sind. Alle hassen sich, weil sie gleichen Blutes sind. Und doch sind die scheinbar Unbeteiligten die mit den größten Geheimnissen…

Guter Junge

Guter Junge

Was ein Sommer! Michael Donnelly ist ein aufgewecktes Kerlchen. Anfang der 80er Jahre in Belfast aufzuwachsen, ist kein Zuckerschlecken für einen, der zwischen Phantasie und Pflichtbewusstsein hin- und hergeschubst wird. Auf der einen Seite ist Maggielein, die kleine Schwester, auf die er aufpassen soll. Wenn die was anstellt, bekommt er eine Abreibung. Die Mutter führt ein hartes, und nicht immer faires Regiment, versucht das wenige Geld sinnvoll zu nutzen. Der Vater – naja – er ist da. Paddy ist nicht nur das schwarze Schaf in der Familie, für Mickey ist er einfach nur der dumme Hund. Fartin‘ Martin ist der einzige Freund Mickeys. Doch ihre Wege sollen sich bald trennen. Denn Mickey soll auf eine Eliteschule. Die ist teuer, zu teuer, wie er am Ende des Schuljahres erfahren soll. Glück für ihn, denn so kann er weiterhin mit Fartin‘ Martin zusammen die Schulbank drücken. Auch der ist „was ganz Besonderes“ und darf deswegen auf eine besondere Schule. Wieder ein Traum, der zerplatzt. Noch neun Wochen, um sich auf das neue Leben in der neuen Schule vorzubereiten. Als guter Junge tut man das!

Es ist die Zeit, in der Mickey weiß, dass Belfast aus zwei Teilen besteht: Dem Katholischen und dem Protestantischen. Und als Vertreter der Einen geht man nicht in den Stadtteil der Anderen. Das ist Gesetz! Wer’s trotzdem versucht, wird schmerzhaft erfahren, warum es so sein soll und warum es so ist.

Und so vergehen die Ferienwochen. Das Haus der Donnellys wird von der britischen Armee gestürmt, Paddy, der dumme Hund, abgeführt. Killer, der echte Hund der Familie, den Mami nicht wollte, Papi aber trotzdem besorgte, musste allein zurückbleiben. Nichts passiert, zum Glück! Mickey spielt mit seiner Schwester, aber nicht zu weit weg vom Haus, Mickey weiß warum. Und der Vater fängt wieder einmal an zu saufen. Ferienidylle sieht anders aus.

Zwischen Razzien und Pubertät, explodierenden Bomben und Ferienende flieht Mickey in seinen Tagträumen oft in seine eigene Welt. „Der Zauberer von Oz“ ist sein Lieblingsfilm. Mit seinen neuen Sneakers, nur er benutzt das moderne Wort für Turnschuhe, wie cool, tanzt er die Schritte aus dem Film nach und weiß, dass, wenn er groß ist, er nach Amerika gehen wird. Es ist seine Strategie der brutalen Welt, den von Sicherheit geprägten Regeln zu entkommen. Stumpfe Waffen im Kampf gegen chromblitzende und feuerspuckende Ungetüme. Mickey ist und bleibt der gute Junge!

Autor Paul McVeigh liest am 15. September in Berlin beim Internationalen Literaturfest, am 18. September im Kölner Literaturhaus und ist im November an diesen Tag zu Gast:

15. November – Olpe – Buchhandlung Dreimann

16. November – München – Buchhandlung Lehmkuhl

17. November – Regensburg – Buchhandlung Dombrowsky

Schottland

Schottland_Iwanowski

Mythen, Whisky (ohne „e“ vorm „y“!), Golf. This is Scotland! Wenn’s so wäre, wäre dieses Buch nicht in der zehnten Auflage erschienen und nur ein ödes Blatt Papier. Mit ein paar Bildchen, Platz wäre ja noch genug. Wer sich die Zahlen anschaut, erkennt sofort, dass alle, die schon mal in London waren (oder es, aus welchem Grund auch immer, umgehen wollen) und die Insel lieben, als nächstes Ziel Schottland angeben. Und doch ist Schottland nicht überlaufen. Außer in der Saison die eine oder andere Stadt vielleicht.

Auch wäre es falsch zu behaupten, dass Glasgow und Edinburgh (wobei das „burgh“ nicht wie in Burger mit einem „ö“ ausgesprochen wird, sondern eher einem „boro“ wie in der Zigarettenmarke) die eigentlichen Höhepunkte der Schottlandreise sein werden. Klar, Edinburgh Castle ist sehenswert. Aber andere Mütter haben auch hübsche Töchter.

Für Royalisten ist Schloss Balmoral eine Stippvisite wert. Hier verbringt die Queen ihre Sommerferien. Und gleich in der Nähe gibt es das, was auf alle Fälle, aber nicht sofort mit einem Schottlandurlaub in Verbindung bringt. Wer am ersten Septembersamstag das Örtchen Braemar besucht, wird es nie wieder so stimmungs- und voll erleben. Denn dann finden hier das Braemar Royal Highland Gathering statt. Highland Games. Mit allem, was dazu gehört, zusätzlich dem, was bei allen anderen Nachahmer-Veranstaltungen fehlt. Zum Beispiel spielen Dudelsack-Kapellen … um die Wette, um die Ehre und um einen begehrten Preis.

Gut betuchte Besucher – und das Wort „betucht“ muss dieses Mal wortwörtlich genommen werden – suchen die natürliche Ruhe der Highlands und der Lowlands. Schottland bietet Wanderern, Klettermaxen und Naturliebhabern ein wahres Füllhorn an Betätigungsmöglichkeiten. Munros nennt man die knapp eintausend Meter hohen Berge. Fast dreihundert sind es und mittlerweile ist es zu einer Art Sport geworden sie alle zu besteigen. Rekorde in Schnelligkeit und Anzahl und Wiederholung sind die Antriebsfeder.

Nur diese paar kleinen Auszüge beweisen, dass Schottland eben mehr als nur der ewige Kampf von Celtic gegen die Rangers im Fußball ist, übrigens sind ab der Saison 2016/17 wieder traditionelle Old Firm Derbies an der Tagesordnung. Die zehnte Auflage des Reisebandes für Individualisten ist das Verbindungsglied zwischen Wunsch und Realität. Der Stadtplan Edinburghs auf der letzten Umschlagseite, die herausnehmbare Karte (alle Karten sind außerdem online abrufbar), die farbigen Seiten mit praktischen Reiseratschlägen, Verhaltenshinweisen, die immer wieder eingestreuten Einkehr- und Unterkunftstipps. Der Reiseband geizt nicht mit handfesten Tatsachen, die es jedem Urlauber, Wanderer, Reisenden, Besucher leichtmachen sich in rauen Schottland heimisch zu fühlen und möglichen Touri-Fallen aus dem Weg zu gehen. Auch wenn die Frage, was der Schotte unterm Kilt nicht endgültig gelöst wird (niemand kann das!), so weiß man doch, was der Schottlandbesucher im Gepäck hat: Diesen Reiseband!

Gebrauchsanweisung für Schottland

Gebrauchsanweisung für Schottland

Gleich der erste Satz gleicht einem Aktualitätsdonnerwetter: Schottland ist nicht England! Wenn man das nur ein paar Tage nach dem Brexit-Referendum (bei dem Schottland mit ansehnlicher Mehrheit für „Bremain“ gestimmt hat) liest, weiß man, wie der Hase läuft. Schottland ist anders, und eben nicht England.

Mit besonderer Leidenschaft widmet sich Autor Heinz Ohff dem schottischen Witz. Der wäre ohne England und Engländer nicht denkbar. Doch kleine Nickligkeiten erhalten die Freundschaft. Und bei einem

Dram, tot, nip oder spot lässt sich die Unterschiedlichkeit am besten vergessen. Die vier Begriffe sind nichts anderes als ein Synonym für einen „Schluck“ Whisky, ohne „e“ vor dem Ypsilon. Das bleibt den Amerikanern vorbehalten!

Auch kulinarisch ist Schottland nicht gerade der originäre Reisegrund. Haggis, das optisch oft fragwürdige, geschmacklich – je nach Anbieter – durchaus schmackhafte Mahl, ist so was wie die Currywurst in Deutschland. Gibt‘s überall. Schmeckt aber nicht überall gleich (gut). Sollte, nein, muss man probieren. Heinz Ohff hat sich bei seinen Aufenthalten in Schottland überzeugen lassen. Doch meint er auch, dass es nicht gerade als Kompliment gilt, Schottland über den Haggis zu definieren. Wir Deutschen wollen ja auch nicht nur auf Currywurst reduziert werden…

Doch nicht nur die Engländer bekommen von den Schotten (den Scots, Scotch wird scottish getrunken – so viel Zeit muss für die Grammatik bleiben) gern mal eines verbal drübergezogen. Auch untereinander gibt es mehr oder weniger ernstgemeinte Querelen. So wie die zwischen Edinburgh und Glasgow. Oberflächlich betrachtet ist das an Einwohnern weit überlegene Edinburgh die Stadt zum Anschauen, Glasgow mit etwas mehr als der Hälfte der Einwohner die Macherstadt. Architekturanregungen gingen von hier in die ganze Welt hinaus. Die Glasgow School of Art ist erst auf den zweiten Blick eine Augenweide. Wer die Möglichkeit hat, sie von innen zu erforschen, sollte das Angebot annehmen.

Bei all den Rivalitäten, die Heinz Ohff aufzählt, bekommt man beim schnellen Überlesen den Eindruck, dass hier der Wettkampf zu Hause ist. Doch der ehemalige Feuilletonchef umgeht geschickt wort- und detailreich den Fauxpas den Schotten Kampfeslust zu unterstellen. War Schottland bis vor Kurzem noch das El Dorado der Allwetter-Bekleidungsjünger, die per pedes Schottland ursprünglich und sanft erurlauben wollten, so gibt der Autor hilfreiche Tipps für Schottlandjungfrauen als auch tiefergehende Ratschläge für alte Schottlandrecken. Schottland ist mehr als nur grünbeweidete Hänge und Burgen, trinkgelageartige Abende und gewöhnungsbedürftiges Essen. Wenn der abgenutzte Spruch zutrifft, dass an irgendeinem Platz der Welt Tradition und Moderne aufeinandertreffen, dann ist es wohl in Schottland. Wer England kennt, wird hier ein weiteres Kapitel in der Britain-Ablage einrichten.

Interpol ermittelt – The art of asking the right questions

Interpol ermittelt

Eine Fremdsprache zu lernen, ist im Allgemeinen eine schwierige Sache je einsilbiger der Unterricht ist. Englisch lernen im Speziellen scheint immer einfacher zu werden. Es gibt eine Vielzahl an alternativen Bildungsangeboten – wie es neuerdings heißt – um die universelle Weltsprache zu erlernen und zu vervollkommnen. Die Einstufung der Sprachkenntnisse von A1 bis C3 ist dabei lediglich ein Hilfsmittel für sich selbst, um herauszufinden, was „alles noch benötigt wird“. Wer sich bereits auf Englisch verständigen kann, also im englischen Sprachraum keine Angst haben muss zu verhungern, für den ist es erstrebenswert die Feinheiten aus der Sprache zu kitzeln.

Wenn man schon einige Gespräche in der Fremdsprache Englisch erfolgreich absolviert hat, ist die Lust noch einmal die Schulbank zu drücken nicht gerade groß. Zu Vieles kennt man, fühlt sich gelangweilt und im falschen Kurs. Spielerisch die eigenen skills erweitern, bereits Gehörtes in den allgemeinen Sprachgebrauch einfließen lassen, und somit die Fremdsprache zur zweiten mother tongue erheben. Das ist possible. Und zwar mit diesem Spiel:

Krimis liegen in der Gunst der Leser schon immer ganz weit vorn. Wird es der killer schaffen die cops erneut zu foppen? Wird das victim gerächt? Wie schaffen es die Ermittler den case zu knacken, um endlich die file schließen zu können? Als Ermittler – und hier sind sich Deutsch und Englisch verdammt nahe – muss man die W-Fragen beantworten können. Wer – Was  – Wo – Warum – Wann und Wie (einziger Unterschied zum Englisch: Das einzige Fragewort mit „H“ für how). Sind diese Fragen geklärt, schnappt die Falle zu!

Daraus ein Spiel zu machen, dass Spaß und Lerneffekt miteinander verbindet – connectet wäre jetzt echt das falsche Wort, um die Bedeutung von Englisch klarzumachen – wäre somit das ideale Hilfsmittel, um sein Englisch zu perfektionieren. The art of asking the right questions  heißt es im Untertitel zu diesem Spiel der Reihe „Interpol ermittelt“, das es auch für Französisch, Spanisch, Italienisch und sogar Deutsch gibt. Denn nur wer die richtigen Fragen korrekt (!) stellt, bekommt auch die richtigen Antworten. Übung macht den Meister(detektiv)!

Dreißig Situationen muss der Sprachermittler bewältigen. Mit den sechs Fragekarten (WWWWWH) muss nun der Fall gelöst werden. Wie in so vielen Spielen gilt, wer die meisten Karten bei sich und seinem Team versammelt, gewinnt. Das Spiel kann man auch zu zweit spielen, in großer Runde (bis zu sechs Spielern) ist der Spaß- und Lerneffekt jedoch größer. Als Gejagter schlüpft man in eine Rolle, die wird auf der Rückseite der Plotkarten klar in ausformulierten Sätzen umrissen. Auf der Vorderseite steht das Verbrechen, der Tatort, der Verdächtige, das Motiv, eventuell die Tatwaffe und die Tatzeit. Ermittler bekommen „nur einzelne Worte als Hilfsmittel vorgesetzt“. Je nach Sprachkenntnissen dauert eine Runde ca. zwanzig Minuten. Je öfter man es spielt, desto routinierter wird man als Ermittler. Und vielleicht winkt ja am Ende gar eine Karriere beim Yard… who knows?!

Das große Hercule Poirot Buch

Das große Miss Marple Buch

Der Plymouth-Express

Auftritt Hercule Poirot: Er soll den Tod von Mrs. Rupert Carrington untersuchen, oder am besten gleich aufklären. Die junge Dame wurde erstochen im Plymouth-Express gefunden. Ein junger Marine-Offizier, der auf dem Heimweg war, hat sie auf eine doch etwas makabre Art und Weise entdeckt: Sie versperrte ihm den Platz für seinen Koffer. Mrs. Rupert Carrington hieß einst Flossie Halliday und war die Tochter eines Industriellen. Für den hat Hercule Poirot schon einmal gearbeitet. Und schon arbeiten die kleinen grauen Zellen auf Hochtouren. Flossie hätte einst fast die falsche Wahl getroffen und einen echten Halodri geheiratet. Es kam anders, doch so recht glücklich sollte sie nicht werden. Das war auch ihrem Vater bekannt, der seine Tochter beschützen wollte. Die Frage ist wie jemand ermordet werden kann, aber kein Mörder weit und breit zu sehen ist. Denn damals waren die Zugabteile nicht miteinander verbunden. Der Mörder konnte also nicht in einem Abteil morden und dann ungesehen in ein anderes verschwinden. Hilfe bekommt die Spürnase nur von Hausmädchen des Opfers.

Gleich die erste Geschichte des „großen Hercule Poirot Buches“ lässt den Leser an den eigenen detektivischen Fähigkeiten zweifeln. Denn der Mörder kann sich nur in Luft aufgelöst haben. Und mystery stories waren nicht das Ding der Grand Dame des Kriminalromans. Wie also hat der Mörder gearbeitet? Hercule Poirot lässt ganz rational die Fakten für sich sprechen. Was nicht bewiesen ist, kann und muss angezweifelt werden. Nur echte Fakten führen zum Erfolg. Und ein wenig Phantasie…erucle Poirot:H

Die Pralinenschachtel

Paul Déroulard sieht einer grandiosen Karriere als Minister entgegen. Als entschiedener Gegner der katholischen Kirche hat er mächtige Feinde. Eines Abends, nach einem gelungenen Mahl im Kreise der Familie und zweier Gäste, die er beherbergt, eines Abends, im Salon bei knisterndem Feuer, eines Abends, beim Schlummertrunk und seiner geliebten Pralinen, bricht Monsieur Déroulard mit hochrotem Kopf zusammen. Tot. Auf der Stelle. Die Ärzte können nichts weiter als eine natürliche Todesursache feststellen. Ein junges Mädchen, ganz so wie es sein sollte – eine wunderbare, in Französisch formulierte Umschreibung, bittet Hercule Poirot um die Aufklärung der Umstände. Er, ganz Gentleman, kann ihr die Bitte nicht verweigern. Er macht sie auf die Suche. Findet den Weg zur Apotheke, findet die Mitbewohner, befragt das Personal und kommt zu dem Entschluss, dass es …

Hercule Poirot scheitert! Ja, er scheitert! Das muss er Colonel Hastings eingestehen, dem er diese Geschichte erzählt. Denn Poirot hat zwei Sachen vergessen. Die Pralinenschachtel und die Geschichte. Geschichte im wahrsten Wortsinne. Agatha Christie lässt ihren überheblichen Detektiv einen gravierenden Fehler unterlaufen. Einen, den er nie wieder machen soll. Zum Glück war Hercule Poirot zum Zeitpunkt noch Bediensteter der Polizei und nicht der unfehlbare Privatdetektiv, der die ganze Verbrecherwelt in Angst versetzen soll.

Das Geheimnis des ägyptischen Grabes

Herzversagen, Blutvergiftung, Selbstmord und Tetanusinfektion – vier Todesfälle auf einmal. Zufall oder gekonnte Morde? Hercule Poirot reist nach Ägypten. Die Überfahrt gerät für ihn zum Desaster. Vier Tage auf dem Meer – das ist zu viel für die feine Spürnase. Eines der wenigen Dinge, die Poirot nicht verträgt, ist hoher Wellengang.

In Ägypten finden gerade die Ausgrabungen des Pharaos Men-her-Re statt. Eine unerklärliche Serie von Todesfällen erschüttert die Nachrichten. Poirot ist Mensch genug, um nicht dem Aberglauben zu verfallen, dass es einen Fluch gibt. Agatha Christie hat hier die aktuellen Ereignisse um das Entdecken des Grabes von Tutanchamun und dessen Fluch in einer Kurzgeschichte verarbeitet.

Während sich die ganze Welt daran ergötzt und mit Vergnügen die Neuigkeiten vom Ausgrabungsort, in der Hoffnung auf neue Schauermärchen zu erhaschen, verfolgt, stellt Hercule Poirot dem wahren Mörder eine Falle. Die Beweggründe für Mord sind überall auf der Welt die gleichen. Das weiß der Detektiv und fügt ein Puzzleteil ins andere …

Das Geheimnis um Johnny Waverly

Auch der Landadel hat’s schwer. Die Waverlys werden erpresst. Ihr dreijähriger Sohn Johnny soll entführt werden. Am 29., exakt um 12 Uhr mittags. Die Polizei kümmert diese Drohung wenig. Auch als ein zweiter Brief eintrifft, der die Entführung noch einmal bekräftigen soll, wird zwar etwas unternommen, was die Androhung letztendlich aber nicht von der Realität trennen lässt. Als die Standuhr zwölfmal schlägt passiert erstmal gar nichts. Panik, Hektik, Johnny ist weg. Genau in dem Moment, in dem die Kirchturmuhr zwölf schlägt. Das ist zehn Minuten zu spät! Oder ging dieses Mal die Standuhr falsch?

Hercule Poirot kommt er verzweifelten Mutter des Kindes zur Hilfe. Sie fand kurz vorher noch einen letzten Erpresserbrief auf ihrem Kopfkissen. Als die Standuhr zwölf schlug, wurde auf dem Anwesen ein Landstreicher gestellt. Der hatte Chloroform und einen letzten Brief des Entführers bei sich. Alles klar! Alles klar?

Hercule Poirot hat seine Zweifel. Beim Durchstöbern der Familiengeschichte fallen ihm allerlei Besonderheiten auf… Wer mit wem, warum koaliert, das ist hier die Frage – da bedarf es eines besonderen Quizmasters: Hercule Poirot.

Das Geheimnis des Plumpuddings

Plumpudding: Süßspeise, die in England gern an Weihnachten gereicht wird. Und die soll Monsieur  Poirot nicht essen. Unter gar keinen Umständen! Hercule Poirot, der bekennende Feinschmecker wird von Mr. Jesmond regelrecht bekniet das Weihnachtsfest auf Kings Lacey zu verbringen. Es ist von nationaler Bedeutung. Ein Rubin ist verlorengegangen. Ein besonders wertvoller. Ein besonders großer, wertvoller Rubin ist verlorengegangen. Einem indischen Prinzen, der sich – bevor er seine Cousine heiratet – in England noch einmal die Hörner abstoßen soll. Offiziell soll er den Rubin in eine modernere Fassung bringen lassen. Nun hat sich der Prinz nicht ganz an die Gepflogenheiten seines Standes gehalten und sich mit einer jungen Dame vergnügt. Sie durfte sogar den Rubin tragen und … verschwand mit dem guten Stück.

Auf Kings Lacey hat Hercule Poirot so gar keine Lust. Altes Gemäuer, alles ist muffig und kalt. Erst die Zusage, dass das Anwesen mit einer modernen Heizungsanlage ausgerüstet wurde, lässt ihn nachgeben. Die Gesellschaft ist familiär. Die jungen Leute halten allerdings nicht allzu viel von Tradition und machen sich einen Spaß daraus den Detektiv bei Laune zu halten. Denn sie sind der Meinung, dass der Mann vom Kontinent sich ebenfalls zu Tode langweilen wird. Sie „veranstalten“ einen kleinen Mord…

Das Geheimnis der spanischen Truhe

Noch’n Geheimnis. Das Letzte in dieser Geschichtensammlung, zumindest laut Inhaltsverzeichnis. Unter einer Truhe, einer spanischen Truhe, hat sich ein dunkler Fleck gebildet. Dem Diener fällt das natürlich sofort auf. Als er die Truhe öffnet, liegt da Mr. Clayton. Tot. Erstochen. Daher der Fleck. Major Rich ist verdächtig, denn er war und ist verliebt in Mrs. Clayton. Dass die beiden Herren eng befreundet waren, macht den Fall zu etwas ganz Besonderem.

Eigentlich hat Hercule Poirot keine Zeit sich um solche Fälle zu kümmern. Er steckt mitten in einem hochbrisanten Industriefall. Vor allem ist der Fall aber sehr lukrativ. Doch die Schlagzeilen in den Gazetten lassen ihm einfach keine Ruhe. Die Fakten holt er sich aus den Artikeln. Seine Assistentin Mrs. Lemon ist beim Aneinanderreihen der Fakten keine große Hilfe. Als Mann von Welt, und als Mann mit einem Weltruf kann Poirot schnell Kontakte knüpfen und verschafft sich so Zugang zu den Häusern der Gäste einer Party, in deren Vorfeld die Truhe zweckentfremdet wurde.

Poirot ermittelt sich nun durch die Gästeliste. Jeder der Befragten zeichnet ein anderes Bild von vermeintlichem Täter und Opfer. Die kleinen grauen Zellen arbeiten auf Hochtouren, so dass zum Schluss nur eine Möglichkeit bleibt: Dieser Mord hatte das Zeug zum perfekten Mord. Wäre da nicht Hercule Poirot.

Was wächst in Deinem Garten?

Hercule Poirot ist derart pedantisch, dass es ihm sofort auffällt, wenn etwas nicht symmetrisch ist. Eine Gabe, die seine Gegenüber oft unterschätzen. Ihm erlaubt es offiziell im Trüben zu fischen, obwohl er schon weitaus klarer sieht.

Bei der morgendlichen Postlektüre sticht ihm der Hilferuf von Amelia Barrowby ins Auge. Alleruntertänigst bittet sie den berühmten Detektiv ihr in einer heiklen und sehr familiären Sache zur Seite zu stehen. Er solle nur die Fakten sammeln, die Konsequenzen könne sie allein ziehen. Er antwortet, bekommt aber keine Nachricht. Mrs. Lemon, seine Assistentin ist dieses Mal ihren Chef einen Schritt voraus. Sie kennt die Ursache für das anscheinend ungebührliche Verhalten – Ameila Barrowby ist tot. Trotzdem antwortet Poirot der Verschiedenen und kündigt sein Kommen an. Dieses Mal erhält er sofort Antwort mit der Bestätigung, dass das alte Mädchen verstorben sei. Doch da ist schon Hercule Poirots Ehrgeiz geweckt. Unschuldig wie ein Lamm nimmt er vor Ort die traurige Mitteilung entgegen, dass Amelia Barrowby verstorben ist. Die Nachricht wird ihm von ihrer Nichte überbracht. Listig lässt Poirot schon da seine Augen alles aufnehmen und die kleinen grauen Zellen arbeiten. Inspector Sims von der örtlichen Polizei hat auch einen Verdacht. Das Hausmädchen, das reichlich im Testament der Verstorbenen bedacht wurde, hat ihr Strychnin verabreicht. Doch Poirots Ordnungssinn hat eine andere Theorie…

Der Traum

Na da haben sich die Richtigen getroffen: Der pedantische Detektiv, der so viel Wert auf sein Erscheinungsbild legt und der exzentrische Millionär Benedict Farley. Farley bittet … nein, er lässt per Brief den Detektiv bei sich einfinden. Er habe ihm etwas mitzuteilen und hoffe auch seine Unterstützung. Poirot ist exakt zur vereinbarten Zeit am Haus des Millionärs. Benedict Farley ist als Scheusal bekannt, ein verbitterter alter Mann, der die Seinen und den Rest der Welt an seinem Hass und seiner Unbill gratis teilhaben lässt. Ein schäbiger Morgenmantel ist sein Markenzeichen.

Der sticht auch Poirot sofort ins Auge. Poirot kennt bislang auch nur die Geschichten über den Auftraggeber. Dieser schildert ihm nun einen Traum, der ihn schwer belastet. Jeden Nachmittag, pünktlich um 15.28 Uhr gehe er an den Schreibtisch, zieht die rechte Schublade auf, nimmt den Revolver, geht ans Fenster und … erschießt sich. Danach ist der Traum – verständlicherweise – zu Ende. Nun, was soll Poirot da machen? Nachdem er die Information erhält, dass Farley nicht zu einem Psychologen geht, also Hypnose ausgeschlossen werden kann, ist auch er am Ende seines Lateins.

Eine Woche später ist Farley tot. Erschossen. Um 15.28 Uhr. Das Rätsel um den Tod des Millionärs kann auch nur einer einfallen: Agatha Christie. Und es kann nur einen geben, der es lösen kann…

Mord in der Bardsley Gardens Mews

Inspector Japp von Scotland Yard macht Hercule Poirot ein Angebot, das der nicht ablehnen kann. Eine junge Frau, Mrs. Allen wurde erschossen aufgefunden. Mit einem .25er Webley Revolver in der rechten (!) Hand. An ihrer linken (!) Schläfe ist das Blut bereits getrocknet. Gerufen wurde die Polizei von Miss Plenderleith, ihrer Mitbewohnerin. Die beiden lernten sich in Ägypten kennen. Die verwitwete Mrs. Allen war da auf dem Heimweg aus Indien, wo sie mit Mann und Tochter lebte. Beide waren inzwischen verstorben. Der Verlust des Gatten war zu verkraften – er war ein ungehobelter Klotz, der Verlust des Kindes wog da schon schwerer. Auf einer Nilkreuzfahrt freundeten sich beide an. So sehr, dass sie beschlossen in London zusammenzuziehen.

Mrs. Allen hatte inzwischen wieder einen Verehrer, einen Parlamentsabgeordneten, den sie bald heiraten wollte. In letzter Zeit ging aber auch öfter ein Major bei Mrs. Allen Ein und Aus. Ein unangenehmer Zeitgenosse, den weder die beiden Damen noch der Verlobte von Mrs. Allen noch öfter sehen wollten. Miss Plenderleith war auf einem Kurztrip wie man heute sagen würde. Bei ihrer Rückkehr hat sie den Leichnam entdeckt und dann sofort die Polizei gerufen als ihre Mitbewohnerin nicht antwortete, und auch ihr Zimmer verschlossen war.

Ein verzwickter Fall. Alle Zugänge zum Zimmer des Opfers waren verschlossen. Die Pistole in der falschen Hand. Hier sollte doch ein Mord vertuscht werden! Agatha Christie lässt ihren Gentleman-Ermittler eine ganz andere Theorie verfolgen und falsche Spuren legen. Denn es gibt eine weitere Idee, die Poirot unbedingt bewiesen haben möchte.

Der nemeische Löwe

Hercule Poirot geht es gut. Sein Büro ist modern eingerichtet, die Geschäfte laufen gut, die Auftragslage ist erstklassig. Seine Auftraggeber sind mit ihm zufrieden. Er kann sich seine Aufträge aussuchen. Und er weiß, was er wert ist. Die gute Seele des Büros, das Organisationsgenie Miss Lemon kennt ihren Chef gut und legt ihm einen neuen Fall vor: Hercule Poirot, der berühmte Detektiv soll einen Pekinesen wiederfinden. Pardon? Einen Hund. Monsieur Poirot ermittelt sonst in Mordfällen, die an Genialität kaum zu übertreffen sind.

Aber Miss Lemon kennt ihren Chef besser als er sich selbst. Sir Joseph Hoggin bittet ihn um einen Termin. Poirot stimmt zu. Mittlerweile ist der Pekinese wieder eingetroffen – Poirot ist erstaunt, was soll er noch hier? Die zweihundert Pfund Lösegeld wiederbeschaffen. Ein Sir Hoggin lässt sich nicht ohne Weiteres erpressen. Da müssen schon andere Geschütze aufgefahren werden. Die Spürnase beginnt zu ermitteln. Der Hund kam der Gesellschafterin Amy Carnaby abhanden als mit dem Hündchen in Kensington Gardens spazieren ging. Ein Kindermädchen mit einem entzückenden Kind erregte ihre Neugier. Kurz unachtsam, war der Pekinese weg. Leine durchgeschnitten. Einfach so!

Auch einem Freund von Sir Hoggin erging es nicht anders. Gesellschafterin lässt sich von Kind ablenken, und weg ist der Hund. Ebenfalls ein Pekinese. Eine lukrative Masche. Doch Poirot lässt sich nicht beirren. Er grenzt die Tatorte ein, findet die Entführer und ist … erstaunt wegen des Tatmotivs. Mutig findet Hercule Poirot die Herangehensweise des Täters, der letztendlich auch sein Herzerweichen kann.

Der kretische Stier

Da steht er: Stark wie ein Stier, vor Kraft strotzend, gesund. Und doch ein Wrack. Poirot sieht ihm die Verzweiflung an, ihm, Hugh Chandler. Einst wie sein Vater ein tüchtiger Seemann, jetzt ein nervöses, von Zweifeln geplagtes Elend.

Diana Maberly hat Hercule Poirot zu ihm geführt. Die beiden waren bis vor Kurzem verlobt. Und sind immer noch verliebt. Doch Hugh verbietet sich selbst seine eigenen Gefühle. Er ist wahnsinnig. Davon ist er überzeugt. Leider auch sein Vater, der Admiral, der ihn vor Jahren in den die Marine zwang und ihn mit der gleichen Vehemenz herauszog. Auch Colonel Frobisher ist davon überzeugt, dass der Junge nicht ganz richtig im Kopf ist. Frobisher ist der beste Freund des Admirals und hat bei ihm eine Heimstatt gefunden.

Immer wieder werden in der Umgebung Tiere bestialisch abgeschlachtet. Was keiner außer den Bewohnern des „Marine-Stützpunktes“ weiß, dass Hugh öfter mit blutverschmierten Händen früh morgens aufwacht. Wie das Blut an ihn gelangte, woher die Waffen stammten, wie er sich aus den abgeschlossenen Räumlichkeiten befreien konnte, bleibt ihm ein Rätsel. Nur Diana hält fest zu ihm. Auch Poirot sieht Hoffnung für den jungen Mann, der zusehends vor die Hunde geht. Er glaubt nicht an die Wahnsinnstheorie. Auch wenn es in der Familie des Admirals schon früher derartige Fälle gegeben hat. Da steckt Methode dahinter. Und ein ganz altes Motiv.

Der Gürtel der Hippolyte

Ein Rubens wurde gestohlen. Ziemlich raffiniert während einer Protestaktion in einer Galerie. Kein besonders großes Bild, aber immerhin ein Rubens. Er soll im Auftrag eines Millionärs geraubt worden sein und ist nun auf dem Weg nach Paris. Die Polizei beiderseits des Kanals weiß Bescheid und wird den Auftraggeber früher oder später dingfest machen. Alexander Simpson, dem der Rubens gestohlen wurde, traut den Behörden nicht vollends und bittet Hercule Poirot parallel zu Fall zu übernehmen. Was dieser natürlich gern tut. Er weiß, dass er besser ist als die Polizei und stellt dies nur allzu gern unter Beweis.

Um zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, nimmt der berühmte Detektiv auch gleich noch das Verschwinden von Winnie King in Angriff. Die war auf dem Weg nach Paris in ein renommiertes Pensionat. Doch kurz hinter Amiens, der letzten Haltestelle vor Paris verschwand das Mädchen. Miss Burshaw, die die Aufsicht hatte, ist außer sich. Miss Pope, die Pensionatsleiterin wird ihr dies sicherlich ankreiden.

Gerade als Poirot die Ermittlungen beginnt, taucht das vermisste Mädchen wieder auf. Völlig benebelt, sie wurde unter Drogen gesetzt. Doch mit einem Geschenk für die Miss Pope…

Die Gefangennahme des Zerberus

Wir sehen uns in der Hölle. Welch knappes Grußwort nach zwanzig Jahren. So lang hat Hercule Poirot Gräfin Vera Rossakoff nicht gesehen. Und jetzt entdeckt sie ihn im Getümmel der Tube. In der Hölle? Ms. Lemon knackt den Code sofort. Die Hölle ist der derzeit angesagteste Club der Stadt. Und Poirot mittendrin. Am Eingang empfängt ihn ein riesiges Viech von einem Hund. Ein wahrer Zerberus. Der Abend verläuft vergnügt. Die Gräfin – Russin durch und durch – ist überschwänglich, unverbindlich und in wahrer Feierlaune. Auch weil ihre Schwiegertochter in spe, Alice, anwesend ist. Alice ist nicht gerade ein Prachtexemplar einer Frau, wie Poirot findet. Sie könnte allerdings mit ein paar entsprechenden Accessoires eine ordentliche Partie abgeben. Alice brilliert hingegen mit Köpfchen. Da ist sie bei einem Chauvi wie Poirot genau richtig.

Und noch ein Gast fällt Hercule Poirot auf, ein Inspector vom Yard. Was macht der denn hier? Japp, Inspector und Freund von Poirot, weiht ihn in dieses Geheimnis ein. Die Hölle ist ein Drogenumschlagsplatz, Pulver gegen Klunkern. Und die Gräfin ist nur der Strohmann bzw. die Strohfrau. Der eigentliche Besitzer ist Paul Varesco. Die Polizei plant einen gezielten Schlag gegen das Etablissement. Und Poirot ist mittendrin.

„Die Gefangennahme deszerberus“ ist der Abschluss der Tetralogie „Die Arbeiten des Herkules“. In der Einleitung sitzen Hercule Poirot und sein Freund Burton zusammen. Letzterer amüsiert sich über dessen Vornamen. Hercule Poirot versucht abzulenken, indem er über seine bald bevorstehende Pensionierung laut nachdenkt. Er wolle dann Kürbisse züchten…

Vierundzwanzig Schwarzdrosseln

Wenn man lange genug sucht, die Erkenntnisse dem noch ungeständigen Täter vorhält, kommt letzten Endes doch die Wahrheit ans Licht. Davon ist Hercule Poirot überzeugt. Und er liefert auch gleich den Beweis. Beim Essen mit seinem Freund Bonnington im Gallant Endeavour geben sich die Freunde nicht nur den Freuden der englischen Küche hin, sie bemerken auch den Methusalem. Ein Gast, der Woche für Woche, Monat für Monat, immer dienstags und donnerstags hier isst. Molly, die Wirtin kennt den älteren Herren, der immer ein wenig schmuddelig daherkommt. Wie er heißt, weiß keiner. Bonnington und Poirot fabulieren derzeit über die Möglichkeiten einer genauen Analyse von Todesfällen – wie viele unentdeckte Morde da wohl zum Vorschien kommen würden?

Kurze Zeit später ist der Methusalem tot. Erst sein Bruder, jetzt er. Neffe George Lorrimer ist nun der alleinige Erbe. Doch ist er auch der Täter? Poirot hat so seine Vermutungen. Aber wie beweisen? Eines steht fest: Henry Gascoigne – der Name des Methusalem konnte inzwischen ermittelt werden – wurde ermordet. Dafür spricht auch die Tatsache, dass er ausnahmsweise an einem Montag im Restaurant war. Und er bestellte etwas, was er eigentlich abgrundtief verabscheute. Wie gesagt, Poirot hat einen Verdacht. Des Rätsels Lösung ist brillant, und so stark konstruiert, dass niemand außer einem darauf kommen kann.

Poirot und das Geheimnis der Regatta

Zum Abschluss doch noch mal ein Geheimnis. Hercule Poirot wird aber dieses Mal nicht engagiert, um einen Täter zu finden, sondern die Unschuld eines Verdächtigen beweisen.

Der Morgenstern ist weg. Der Morgenstern ist ein Diamant, der Mr. Pointz als Talisman dient. Er ist in Gesellschaft mehrerer Freunde. Sie amüsieren sich bei einer Regatta. Alle sind ausgelassen, scherzen, genießen die angenehme Atmosphäre. Die vorwitzige Eve will mit Pointz um ein paar Seidenstrümpfe wetten, dass sie es schafft, ihm den Diamanten dauerhaft zu entwenden. Und das junge Ding schafft es! Doch, was sie nicht wollte, ist, dass der Diamant wirklich auf Nimmerwiedersehen verschwunden ist. Die Kellner können es nicht gewesen sein. Als sie rausgeschickt wurden, war der Diamant noch für alle sichtbar im Raum. Es muss einer der Anwesenden gewesen sein.

Hercule Poirot kennt die ganze Geschichte und präsentiert eine verblüffend einfache Erklärung. Denn nicht jeder ist der, der er vorgab zu sein…

Das große Agatha Christie Buch

Das große Hercule Poirot Buch

Der Dienstagabend-Klub

„Der Dienstagabend-Klub“ ist nicht nur eine kurzweilige Krimigeschichte, es ist auch der Auftakt einer dreizehnteiligen Kurzgeschichten-Reihe, in der Miss Jane Marple die Hauptrolle spielen sollte. Das war die Idee von Agatha Christie. Die namensgebende Geschichte stellt den Klub erst einmal vor: Da ist zum Einen natürlich Jane Marple, ihr Neffe Raymond, ein Schriftsteller, Joyce Lempière, Mr. Petherick, Sir Henry Clithering, ehemals Präsident bei Scotland Yard sowie Gemeindepfarrer Pender. Die Sechs treffen sich, um ein bisschen Zeit miteinander zu verbringen – das Leben in St. Mary Mead bietet sonst nicht viel Aufregendes. Sie beschließen den Rätseln der Zeit auf den Grund zu gehen. Den Auftakt macht – von Berufs wegen – Sir Henry. Er berichtet von einem Fall, der einige Zeit zurückliegt, doch erst jetzt endgültig geklärt werden konnte.

Mr. und Mrs. Jones und deren Gesellschafterin Miss Clark wurden vergiftet. Mrs. Jones überlebte den Anschlag nicht. Zunächst wird Mr. Jones verdächtigt seine Frau ermordet zu haben. Indizien gibt es zuhauf. Und auch ein Motiv. Doch eben auch jede Menge entlastende Fakten. Mr. Jones war Arzt und hatte Zugang zu Gift. Und er hatte eine Geliebte. Die Liaison wurde allerdings vor geraumer Zeit abrupt beendet…

Jeder der Sechs soll nach einigen Minuten Bedenkzeit nun seine Gedanken zum Fall beitragen. Der Reihe nach bringen sie ihre Theorien zu gehör. Doch wer hat des Rätsels Lösung? Natürlich: Miss Marple. Sie erinnert sich an einen ähnlichen Fall. Ohne aufzusehen, den Blick auf Ihr Strickzeug gerichtet, verblüfft sie Sir Henry und die wissbegierige Meute.

Der Tempel der Astarte

Dr. Pender, der Gemeindepfarrer, soll den illustren Dienstagabend-Klub mit einer Schauergeschichte, einem Rätsel unterhalten. Er schickt voraus, dass sein Leben nicht gerade vor Lebensfreude überschäumt. Zurückgezogen lebt er von Tag zu tag. Doch auch er hat eine Vergangenheit. Eine Geschichte. Und er hat eine Geschichte parat. Joyce Lempière dimmt das Licht – stimmungsvolle Ruhe.

Dr. Pender hatte zu Studienzeiten einen Freund, Richard Hayden. Nach Jahren der Funkstille lädt ihn Richard nach Silent Grove ein. Es soll eine heitere Runde werden. Sein Vetter Elliot ist da, Lady Mannering nebst Tochter Voilet, Captain Rogers und Frau sowie Dr. Symonds und die bezaubernde Diana Ashley. Ein echter Wildfang. Pender erkennt sofort den Anlass der Gesellschaft. Richard will Diana näherkommen. Doch die ist sich ihrer Wirkung auf Männer bewusst und flirtet erst mit dem Einen, dann mit dem Anderen.

Bei einem Ausflug in die Umgebung erheitert Richard Hayden die Gästeschar mit einer Schauergeschichte. Denn hier in diesem Wald bei Dartmoor lag einst ein heiliger Ort. Seltsame Rituale gingen hier vonstatten. Diana ist dermaßen angetan von diesem Fakt, dass sie vorschlägt hier eine Kostümparty zu feiern und den heidnischen Ritualen im Tempel der Astarte zu fröhnen. Sogleich erscheint sie wie Phönix aus der Asche als Priesterin, höhnisch lachend. Richard wird des Rätsels Lösung nicht erleben. Vielmehr ist er elementarer Bestandteil des selbigen. Er ist tot.

Der Goldschatz

Als Dritter des Dienstagabend-Klubs soll nun Raymond West eine Geschichte erzählen. Er schickt gleich voraus, dass er keine Lösung parat hat. Dem Klub soll’s recht sein, so bleibt mehr Raum zum Rätsel lösen.

Raymond war von John Newman nach Cornwall eingeladen worden. Ein geschichtsinteressierter und eloquenter junger Mann. Genau der Richtige für Raymond, der auf der Suche nach ein wenig Lokalkolorit für seinen nächsten Roman war. Im Zug trifft er auf Inspector Bagdworth. Auch der ist auf dem Weg in den kleinen Ort an der Küste Englands.

Als die großen Seeschlachten zwischen England und Spanien hier tobten, sank so manches reich bestückte Schiff. Und John Newman will nun einen der Schätze heben. Inspector Bagdworths Jagdinstinkt ist ebenso geweckt wie der des jungen Mannes, dem scheinbar alles in den Schoß fällt. Raymond ist beeindruckt. Der Inspector stellt die Frage, ob das Gold aus einem der gesunkenen Schiffe überhaupt an Bord war, oder ob es nachträglich aus dem Rumpf geborgen wurde. Dann ist John Newman verschwunden. Ein Verbrechen? Ganz offensichtlich, das meint auch Bagdworth.

Und Raymond ist mitten in einem spannenden Fall. Ihn zu lösen, vermag er nicht. Nicht allein. Doch da gibt es ja noch den Dienstagabend-Klub. Und Raymond muss einsehen, dass er, um ein richtiger Schriftsteller zu werden, noch viel lernen muss, sehr viel…

Blut auf dem Bürgersteig

Endlich darf auch Joyce Lempière ihre Geschichte erzählen – schon bei „Der Goldschatz“ fiel sie Raymond ins Wort und hätte ihm fast die Geschichte und den Anderen die Spannung verdorben. Denn auch ihre Geschichte spielt in Cornwall. In Rathole, dort hatte sie einst ein Bild gemalt. Ein düsteres Bild, das die Spannung der Geschichte vorwegnimmt. Es kein richtiges Bild, sondern mehr ein Skizze. Denn zur Vollendung sollte es niemals kommen.

Joyce ist so angetan von der beschaulichen Szenerie, dass sie nur nebenbei die Handelnden Personen wahrnimmt. Klar, stört sie das parkende Auto vor dem Gasthaus, das es ihr angetan hat. Klar bemerkt sie die Frau, die aus dem Auto steigt, ihre Kleidung ihre Eleganz. Klart bemerkt sie auch den zweiten Wagen und das unerwartete Wiedersehen des Mannes aus dem ersten Wagen mit der Frau aus dem zweiten Wagen. Doch sie denkt sich nichts weiter dabei. Warum auch? Alte Freunde, die sich freuen einander wiederzusehen.

Kurze Zeit später, nach einem erfrischenden Bad im Meer, will sie das Bild vervollständigen. Sie gerät in ein Gespräch, dem sie nur periphär folgt. Das Bild fesselt sie voll und ganz. Als sie kurz aus ihrer Konzentration erwacht, bemerkt sie, dass sie etwas gemalt hat, was gar nicht da war: Blut! Blutflecken auf dem Bürgersteig. Wie kommen die da hin? Was haben sie zu bedeuten? Sind sie ein Symbol? Ein Symbol für einen bevorstehenden Tod? Und dann ist auch noch eine der Damen verschwunden…

Motiv vs. Gelegenheit

Mr. Petherick kommt die undankbare Aufgabe zu nach der raffinierten Geschichte von Joyce Lempière seine Erlebnisse darzubieten. Noch schwieriger wird es, da er kein Blutvergießen anzubieten hat. Dennoch ein reizvolles Rätsel, wie er meint.

Mr. Petherick erzählt von Simon Clode. Einem rechtschaffenden, liebevollen Menschen, der sich ein Leben lang nichts zu Schulden kommen ließ. Er zog seine Enkelin Chris mit der Liebe auf, die er niemandem anders schenken konnte. Auch die Nichten Mary und Grace sowie deren Bruder George nahm er hilfsbereit wie er war bei sich auf. Alle wuchsen und gediehen prachtvoll. Nur Chris verstarb leider viel zu früh. Seit diesem Tag wandte sich Simon Clode dem Spiritismus hin. Als Medium hatte er Eurydice Spragg und ihren Mann bei sich aufgenommen. Eine Tatsache, die seinen Nichten und Neffen nicht gefiel. Denn sie hatten ein ungutes Gefühl, was Eurydice und ihren Mann betraf. Geldgier kann man halt nur schlecht verbergen.

Mr. Petherick sollte ein neues Testament aufsetzen, denn Simon Clode fühlte sich dem Ende nah. Auch Eurydice und ihr Mann wurden großzügig bedacht. Doch dann ist das Testament auf einmal verschwunden. Das heißt, es ist noch da, aber eben doch nicht. Verwirrend? Also, der Zettel, auf dem das Testament verfasst wurde, und in dem das Medium und ihr Mann so großzügig bedacht wurden, ist noch da. Doch leider ist die Schrift verschwunden. Eurydice und ihr Gatte hatten die Möglichkeit das Testament verschwinden zu lassen, doch auch welchem Grund?

Der Daumenabdruck des heiligen Petrus

Wer richtig mitgezählt hat, weiß, dass nun nur noch eine Person aus dem Dienstagabend-Klub fehlt, um die anderen mit mysteriösen Rätseln auf Trab zu halten: Miss Jane Marple.

Das alte Mädchen aus dem beschaulichen St. Mary Mead hat weder die weite Welt gesehen noch gibt sie etwas auf Klatsch und Tratsch. Ihre Nichte Mabel heiratete vor Jahren einen jähzornigen Mann. Jane Marple hoffte immer, dass die Beziehung nicht lange halten wird, doch so ein Ende gönnte sie ihrer Nichte nicht. Mabel war ein wenig anders als die Mädchen ihres Alters. Töricht nennt die gutmütige Miss Marple ihre Nicht. Und das gepaart mit Jähzorn – das kann nicht gutgehen. Ihr Gatte segnet nach zehn Jahren das Zeitliche und für Mabel bricht eine bittere Zeit an. Der Ort zerreißt sich das Maul über die Begleitumstände des Todes. Mabel weiß keinen Rat als ihre Tante Jane um Hilfe zu bitten. Die reist zu der verzweifelten Nichte, um ihr beiseite zu stehen. Im Haus lebt neben dem Personal auch noch der Schwiegervater. Das Personal tratscht wie ein Wasserfall, der Alte wartet nur noch auf Erlösung. Trotz fehlender Kenntnisse in Chemie ist die rüstige Hobbydetektivin schnell dem Geheimnis um den Tod des Mannes, der ihre Tochter tagein, tagaus tyrannisierte, schnell auf der Spur. Und sie kann sich nur einer Person anvertrauen… dem Mörder!

Die blaue Geranie

Sir Henry Clithering wird von Colonel Bantry und dessen Frau gebeten noch einen Gast für ein gemeinsames Essen vorzuschlagen. „Miss Marple“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Die Frau aus den Romanen. Ja, Fiktion und Wirklichkeit verschwimmen bei Agatha Christie. Der Tag des großen Mahls naht und Miss Marple wird mit offenen Armen empfangen. Natürlich erwarten die Anwesenden eine Schauergeschichte vom de alten Mädchen, eigentlich wird sie sogar als alte Jungfer bezeichnet. Aber das klingt nicht so nett.

Und Miss Marple läuft zu Hochform auf. Ein Mann, zwei Frauen. Die Farbe Blau. Ein Brief. Und ein bisschen Hokuspokus. Miss Marple entspinnt eine faszinierende Geschichte, die die Anwesenden in Erstaunen versetzt. Und den Leser. Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden…

Die Gesellschafterin

Dr. Lloyds Geschichte führt den Dienstagabend-Klub nun in den warmen Süden. Nach Gran Canaria. Als er seine Praxis aufgeben musste, ließ sich der honorige ältere Herr, dessen Weste immer mehr an seiner Hüfte spannt, eine Zeitlang auf der Sonneninsel nieder. Das Leben plätschert so vor sich hin, Gäste kommen, Gäste gehen. Zwei Damen sind ihm allerdings in Erinnerung geblieben. Amy Durrant und Mary Barton.

Letztere kam aus gutem Hause, wie man so schön sagt. Wohlhabend, keine besonders auffällige Erscheinung, doch sah man ihr ihre Herkunft an. Amy Durrant war ihre Gesellschafterin. Die Damen waren sich sehr ähnlich, zumindest äußerlich und schienen sich gut zu verstehen. Doch dann geschah etwas Schreckliches. Amy Durrant schwamm zu weit aufs Meer hinaus, Mary Barton wollte ihrer Freundin, denn das war die Gesellschafterin inzwischen, zur Hilfe kommen. Doch es war zu spät. Alle Anstrengungen, alle Wiederbelebungsversuche waren vergebens. Auch Dr. Lloyd konnte nur noch den Tod feststellen.

Die Runde ist verwundert. Was soll an dieser Geschichte denn nun so schauerlich sein? Man trifft sich schließlich hier jeden Dienstag in geselliger Runde, um Kriminalfälle auszutauschen bzw. zu lösen. Eine Zeit später trifft Dr. Lloyd wieder auf Mary Barton. In einem Zeitungsartikel. Er liest von einer Dame, die sich gramgebeugt ins Meer stürzte, an der gefährlichsten Stelle. Ihre Leiche wurde nie gefunden.

Das Rätselraten geht weiter. Hat Mary Barton etwa nicht versucht ihre Freundin zu retten, sondern zu ertränken? Nur Miss Marple kann der Geschichte des Doktors das Geheimnis der beiden Damen entlocken…

 

Die vier Verdächtigen

Der Dienstagabend-Klub diskutiert das Drama der ungesühnten Verbrechen, was natürlich sofort Sir Henry Clithering auf den Plan ruft. Fast schon fühlt er sich persönlich angegriffen. Die gesühnten Verbrechen, beschwert er sich, sind natürlich nicht der Rede wert. Doch er hat einen Fall parat, der nie komplett aufgeklärt werden konnte.

Deutschland war vor langer Zeit fest im Würgegriff der Schwarzen Hand, einer Verbrecherorganisation. Dr. Rosen schaffte es sich in die Organisation einzuschleichen, in der Hierarchie aufzusteigen und sie schlussendlich entscheidend zu schwächen. Asyl fand er – nach so einer Aktion musste er fliehen, das sehen alle Beteiligten ein – in England. Zusammen mit seiner Nichte, einem Sekretär, seinem deutschen Hausmädchen und einem handlanger und Gärtner ließ er sich in einem abgelegen Ort, auf einem abgelegenen Anwesen nieder. Fünf Monate ging alles gut. Dann stürzte Dr. Rosen so schwer, dass er seinen Verletzungen erlag. Unfall oder Mord? Dr. Rosen war sich im Klaren darüber, dass die Schwarze Hand versuchen würde nach ihm zu greifen. Deswegen schleuste Sir Henry auch den Sekretär bei ihm ein. Alle vier Bewohner des Hauses hatten eines gemeinsam: Kein Alibi. Scotland Yard rekonstruierte damals jede Stunde des Lebens auf dem Anwesen. Jede Lieferung wurde auf Ungereimtheiten untersucht, jeder Brief genauestens unter die Lupe genommen. Doch wer hat nun Hand angelegt? Wer stieß Dr. Rosen die Treppe hinunter? Oder war alles doch nur ein Unfall?

Eine Weihnachtstragödie

Miss Marple kann einem schon ganz schön auf den Senkel gehen. Besonders, wenn sie wieder mal eine ihrer Vorahnungen hat. Wie soll sie denn was von der Welt wissen? St. Mary Mead ist ihr ganzes Universum. Ein Fehler, wer so denkt. Mr. Sanders ist so ein Kandidat. Ihn hat die rüstige Detektivin im Verdacht seine Frau eines Tages um die Ecke zu bringen. Und siehe da! Mrs. Sanders scheidet auf eine unnatürlich Weise aus dem Leben. Mit dem Gesicht nach unten findet man sie in ihrem Zimmer. Ihr Hut liegt neben der Leiche. Eine Schublade ist verschlossen. Der Puls nicht vorhanden. Alles ziemlich wirr, doch real.

Miss Marple darf als Erste den Puls fühlen. Nichts! Mrs. Sanders ist wirklich tot. Und dann auch noch bestätigt durch Jane Marple. Hat es dieser Schuft doch geschafft?! Die Geschichte wird dem Leser in manchen Zügen bekannt vorkommen. „Das Böse unter der Sonne“ – wer den Film kennt, wird dem Geheimnis um das Ableben der Mrs. Sanders schnell auf die Spur kommen. Im Film ermittelt jedoch Hercule Poirot, und nicht Jane Marple.

Das Todeskraut

Alle Teilnehmer des Dienstagabend-Klubs haben eine oder mehrere Geschichten zum Besten gegeben. Man lauschte, man rätselte, man löste die kniffligsten Fälle. Nur Mrs. Bantry, die Frau des Colonels hat noch nichts zum Gelingen des Zusammentreffens beigetragen. Sie wird zwar immer wieder aufgefordert, doch fügt sie sich nicht in die Rolle der Erzählerin. Jetzt gibt es keine Ausreden mehr. Dolly Bantry muss ran.

Immer wieder betont sie wie ungeschickt sie doch sei. Gern höre sie den Geschichten zu, rate mit. Aber selbst eine Geschichte erzählen, liege ihr einfach nicht. Schlussendlich beugt sie sich dem Gruppenzwang. Sie und der Colonel besuchten eines Tages Sir Ambrose Bercy auf seinem Anwesen Clodderham Court. Sein junges Mündel wurde vergiftet, weil beim Salbei pflücken auch einige Blätter Fingerhut zwischen die Ernte gerieten. Der Köchin fielen die giftigen Blätter nicht auf. Ein dummes Ding, wie Dolly Bantry bemerkt. Und das war‘s auch schon.

Dolly hat’s ja gleich gesagt – sie kann einfach keine Geschichten erzählen. So helfen ihr die Anderen auf die Sprünge. Wer wohnte alles auf Clodderham Court? Wer war mit wem irgendwie verbandelt? Warum traf es ausgerechnet das junge Ding? Alles Fragen, die sich auch der Leser stellt. Wie im richtigen Kriminalroman.

Die seltsame Angelegenheit mit dem Bungalow

Jane Helier ist die Hauptperson der zwölften Episode des Dienstagabend-Klubs. Beginnt Miss Marple. Sie erzählt von einer Freundin, einer Schauspielerin, die in einem Ort an einem Fluss ein Gastspiel hat. Die Runde weiß ab den ersten Worten, dass Miss Marple nicht unbedingt ein Geheimnis aus dem Namen und dem Ort machen muss. Sie spricht von sich selbst. Irgendwann wird sich die Dame schon verraten, denkt sich so mancher. Und hoppla, ich … nein sie hat … ach was soll’s. Miss Marple hat sich verraten. Um nicht noch weitere Anwesende zu kompromittieren, lässt sich der Klub Namen für die Handelnden einfallen.

Ein Raub ist geschehen. Ein junger Autor wird zu einem Bungalow beordert. Es wird ihm geöffnet. Und … nein zu viel soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Nur so viel: Die Geschichte endet abrupt. Nur eine kleine Bemerkung, die Jane Marple Jane Helier ins Ohr flüstert, sorgt dann doch für Erhellung.

Jeden Dienstagabend treffen sich die wissbegierigen Mitglieder des Klubs, um Kriminalfälle zu lösen. Dieses Mal ist alles anders…

 Tod durch Ertrinken

Armes, dummes Ding. Rose Emmott hat sich im Fluss ertränkt. Hat sich verführen lassen – mit Folgen – und kam überhaupt nicht mit dieser Situation zurecht. Nun treibt sie im Fluss. Selbstmord. Sir Henry Clithering glaubt nicht recht an diese Theorie. Miss Marple auch nicht.

Die letzte der dreizehn Geschichten des Dienstagsabend-Klubs. Der nicht bei allen beliebte Architekt Sandford hat sich an Rose herangemacht. Sie ließ es geschehen. Joe Ellis, der schon immer nach der Pfeife von Rose tanzte, konnte nichts dagegen tun. Entspräche auch nicht seinem Naturell. Wie gesagt: Er war Rose eher hörig als gebieterisch. Ein kleiner Junge hat kurz nach dem Mord / Unfall – okay, jetzt ist es raus, es war Mord! – Sandford als auch Ellis in der Nähe der Brücke gesehen, von der Rose ins Wasser stürzte. Pardon gestürzt wurde. Doch es war neblig, trüb. So genau konnte er zu dieser Zeit nichts erkennen. Ellis hat er erkannt, weil er immer das gleiche Lied vor sich hin pfiff. Doch pfeifen kann schließlich jeder!

Miss Marple bringt noch weitere Verdächtige ins Spiel. Wer beim Lesen auf die richtige Person tippt, hat Agatha Christie verstanden. Da muss man schon ganz genau jedes einzelne Wort analysieren. Wie Miss Jane Marple.

Miss Marple erzählt eine Geschichte

Raymond und Joan sind bei Miss Marple zu Besuch. Voller Stolz berichtet sie den beiden wie sie – die einfache Frau aus einfachen Verhältnissen – einmal einen Fall gelöst hat, den selbst die gelehrtesten Gelehrten nicht hätten lösen können.

Ihr Anwalt Mr. Petherick, leider vor zwei Jahren gestorben, besuchte sie eines Tages mit einem Mr. Rhodes. Dieser befürchtete bald vor Gericht stehen zu müssen, weil die Behörden davon ausgehen mussten, dass er seine Frau ermordet habe. Diese war eine übertriebene Persönlichkeit. Beim kleinsten Wehwehchen bauschte sie die Sache auf. Das Ehepaar verbrachte einige Tage in einem Hotel. Getrennte Zimmer, doch mit einer Tür zu beiden Seiten zugänglich. Mr. Rhodes arbeitete noch ein wenig am Abend, während seine Frau schon in Morpheus Armen schlummerte. Kurz vorm Zubettgehen schaute Mr. Rhodes noch einmal nach seiner Frau. Das Licht brannte, das Lebenslicht seiner Gattin hingegen war erloschen. Mit einem Stilett ausgeknipst. Jetzt kommt das „locked room mystery“. Beide Zimmer hatten je eine Tür, die zum Flur führte und eine Verbindungstür. Die Fenster waren verschlossen. Wer also sonst außer Mr. Rhodes hätte die Frau erstechen können? Für die Polizei ist der Fall klar.

Miss Marple hat sich die ganze Geschichte genau angehört und kommt zu einem ganz anderen Ergebnis. Das hypochrondrische Verhalten von Mrs. Rhodes, ein damit zusammenhängendes Ereignis und das Zimmermädchen, das noch kurz bevor Mr. Rhodes seine Frau tot auffand im Raum war, geben Aufschluss über dieses Mysterium.

Ein seltsamer Scherz

Charmain Stroud und Edward Rossiter sind am Ende. Ihr Onkel Mathew ist verstorben. Und er hat ihnen – das hat er schon vor Jahren versprochen – alles hinterlassen, was er besaß. Ansteys, das große Anwesen, ist jedoch das Einzige, was für die beiden greifbar ist. Ihre Freundin Jane Helier macht das verzweifelte Paar mit Miss Marple bekannt. Sie ist der Rettungsanker, der den beiden jungen Menschen die sorglose Zukunft zeigen soll.

Eine Schatzsuche – Jane Marple freut sich wie ein kleines Kind über die unerwartete Einladung und die verheißungsvolle Jagd. Das Anwesen sieht aus wie ein riesiger Acker. Alle Schränke wurden durchwühlt, jede Truhe geöffnet. Nichts, gar nichts. Jane Marple nimmt sich die Korrespondenz des Verblichenen vor. Ziemlich schnell wird ihr klar, dass Onkel Mathew ein gewitzter Scherzbold war. Keiner, der anderen nichts gönnte. Es machte ihm nur einen Heidenspaß, andere zu necken.

Doch wer eine Jane Marple aufs Glatteis führen will, muss schon verdammt scharfe Kufen haben. Ihr entkommt keiner.

Der Maßbandmord

Miss Politt klopft vergeblich an die Tür von Mrs. Spenlows. Komisch, es war doch ausgemacht, dass die Schneiderin das Kleid um halb vier vorbeibringen soll. Nochmal klopfen. Nichts. Es ist doch halb vier. Das bestätigt auch die Nachbarin. Komisch. Mal durchs Fenster schauen. Oh Gott. Mrs. Spenlows! Sie ist tot! Und wo ist ihr Mann? Der wurde angerufen und für kurz nach drei zu Miss Jane Marple bestellt.

Jetzt schlägt’s aber dreizehn! Miss Marple hat niemals den zwar netten, aber ansonsten für sie uninteressanten Mr. Spenlows zu sich bestellt. Beide verstehen die Welt nicht mehr. Die Tote trug einen Kimono, hatte sich wohl schon auf die Anprobe vorbereitet.

Miss Marple verdreht ausnahmsweise mal die Tatsachen. Und sie erinnert sich an einen Juwelenraub, der bis heute niemals aufgeklärt wurde. Damals wurde ein Anwesen ausgeraubt, Edelsteine verschwanden auf Nimmerwiedersehen. Die Hausmädchen wurden verdächtigt, aber niemand konnte ihnen etwas nachweisen. Hätte man damals richtig recherchiert, vor allem nach der Tat die Lebenswege der Verdächtigen weiterverfolgt, wäre einigen viel Leid erspart geblieben. Allerdings hätte dann Miss Marple einen Falle weniger zu lösen gehabt.

Der Fall der Hausmeisterin

Miss Marple liegt im Bett, Grippe. Ein bisschen wehleidig das alte Mädchen. Dr. Haydock hat die richtige Medizin. Er gibt ihr ein Manuskript. Einen Krimi. Mal sehen, ob sie das Rätsel lösen kann.

Harry Laxton lebtevon Kindesbeinen an in diesem Ort. Er war bekannt wie ein bunter Hund. Und man sah ihm so manchen Streich nach. Doch man wusste auch, dass er es nie zu etwas bringen sollte. Die Affäre mit der Tochter des Tabakwarenhändlers brach ihm dann endgültig das Genick, aller Kredit war verspielt. Man schickte ihn zwar nicht in die Wüste doch weit weg.

Nun ist er zurück. Oho, aha, schallt es aus allen Löchern. Das Anwesen ist inzwischen ziemlich verkommen. Noch bewohnt, aber nicht bewohnbar. Also wird es abgerissen, und an gleicher Stelle ein neuer Herrensitz errichtet. Was mit den Verwaltern passiert, ist Harry egal. Er zahlt sie großzügig aus. Fertig. Doch Harry Laxton hat noch eine Überraschung im petto. Er hat geheiratet. Louise, ein entzückendes, doch zart besaitetes Wesen. Die Klatschbasen des Dorfes wollen den Neuzugang genauestens unter die Lupe nehmen. Und ihr von ihrem Unhold, den sie sich da geangelt hat, berichten. Alles nicht so einfach für die junge Louise. Fluchtgedanken keimen in ihr, sprießen aber erst hervor als Harry von einer Verrückten gedroht wird. Es ist die ehemalige Hausmeisterin. Sie ist wohl noch sauer auf Harry. Louise ist besorgt. Harry kann sie jedoch beruhigen. Kurze Zeit später stürzt Louise vom Pferd, tot.

Miss Marple geht es schon wieder besser, meint Dr. Haydock. Denn sie hat das Rätsel um Louises Reitunfall mit Bravour gelöst.

Der Fall des perfekten Hausmädchens

Gauner aufgepasst! Wenn eine liebenswürdige ältere Frau vor der Tür steht, sie ihre Tasche derart theatralisch fallenlässt, so dass deren gesamter Inhalt über den Boden verstreut liegt, lasst alles liegen, fasst nichts an. Das is’n Trick! Und wenn die Dame dann auch noch Jane mit Vornamen heißt, hui … dann macht Euch besser aus dem Staub.

Miss Marple wird von ihrer Haushälterin Edna um Hilfe gebeten. Ednas Cousine Gladys wurde von ihren Herrinnen Lavinia und Emily Skinner entlassen. Erst soll sie Brosche entwendet haben, die sich schnell aber wieder einfand, dann hat sie einen Teller zerbrochen. Kann ja mal passieren und die Brosche schien das dumme Ding wirklich nicht geklaut zu haben. Aber wer am längeren Hebel sitzt, erklärt sich nicht und spielt halt gern seine Macht aus. Je heftiger, desto mehr hat er auch zu verbergen. So findet man heute noch sehr oft…

Miss Marple macht Gutwetter bei den beiden Schwestern, doch es hilft nichts: Gladys bleibt entlassen. Kurze Zeit später haben die Skinner-Sisters allen Unkenrufen zum Trotz einen Engel als Haushälterin gefunden. Mary Higgins. Ein wahrer Engel. Zu gut, um wahr zu sein. Das denkt auch Miss Marple. Und stellt ihr eine Falle. Nicht zu unrecht. Denn schon bald sind Engel, Schmuckstücke, Pelze, aber auch die beiden Skinners-Schwestern verschwunden. Miss Marple weiß ganz genau warum. Und auch wie man ihnen das Handwerk legen kann.

Asyl

Dass man bei Agatha Christie ab und zu mal um die Ecke denken muss, ist jedem Leser klar. Aber gleich mehrmals? Vor den Stufen zum Altar einer kleinen Kirche betet ein Mann. Bunch, eigentlich Diana, doch der Spitzname passt zu ihr, die Frau des Pfarrers denkt das zumindest. Sie geht auf ihn zu und bemerkt, dass es dem Mann schlecht geht. Sehr schlecht. Kaum noch Puls. Mit letzter Kraft haucht er „Asyl“. Kurze Zeit später stirbt er.

Ein Schuss hat ihm den wichtigen Lebenssaft geraubt. Mr. und Mrs. Eccles treffen in dem kleinen Örtchen ein. Sie haben vom Tod des Mannes gehört. Sie ist seine Schwester und er demzufolge sein Schwager. Sie wollen nur seine Sachen abholen dann schnell wieder verschwinden. Doch es sind ein paar Ungereimtheiten, die Bunch zweifeln lassen. Sie kontaktiert Tante Jane. Jane Marple. Sie erkennt ebenso das Verwirrspiel um Walter und William. Und sie findet die Verbindung zwischen dem Paar, dem Opfer und die Antwort auf die Frage, warum der Angeschossene ausgerechnet in dieser Kirche nach dem „Asyl“ fragte…

Greenshaws Folly

Woher weiß die Frau das alles? Miss Marple kennt aber auch jeden Trick, um Betrüger zu entlarven. Ihr Neffe Raymond, ein erfolgreicher Schriftsteller, zeigt seinem Freund Horace Bindler die Gegend. Der ist ein Freund von Scheußlichkeiten jeder Art. Greenshaw Folly ist eines der Gattung hübsch-hässliche Behausung. Der Erbauer war viel gereist und hat aus jedem Land eine Besonderheit mitgebracht. Viel hilft nicht immer viel. Der wilde Stilmix lässt Horace Bindler in Verzückung geraten.

Die Dame des Hauses, Miss Greenshaw bittet die beiden herein. Sie benötige die beiden als Zeugen für ihr Testament. Begünstigte dürfen nicht bezeugen. Sagt das Gesetz. Ein Satz, der Mrs. Cresswell besonders freuen dürfte. Die Haushälterin ist zugegen als diese bedeutungsvollen Worte fallen. Sie weiß, was es bedeutet. Ebenso vernimmt sie froh die Botschaft, dass der Neffe ihrer Chefin keinen Schilling sehen wird.

Kurze Zeit später ist Miss Greenshaw tot. Von einem Pfeil durchbohrt. Und wieder gibt es mehrere Verdächtige, und keiner von Ihnen kann es nur annähernd gewesen sein. Wenn, ja wenn jeder der ist, der er vorgibt zu sein. Miss Marple hat da ihre berechtigten Zweifel.

Die Welt des Sherlock Holmes

Die Welt des Sherlock Holmes

Baskerville, Dartmore, Baker street, Moriarty – jeder kennt diese Namen. Sie sind die Topographie des Bösen. Aber auch des genialen Reiseleiters durch die Untiefen der menschlichen Psyche. Schottland, Kricket und die Eltern sind die Ausgangsorte.

Schon auf den ersten Seiten lüftet Maria Fleischhack – Mitglied des Podcasts „The Baker Street Babes“ – so manches Rätsel. Zum Beispiel wie Arthur Conan Doyle auf die Namen der handelnden Personen kam. Bereits die kurze Biographie über den Autor des berühmtesten Detektives weltweit lässt die Spannung ansteigen.

Sherlock Holmes wurde in sechzig Geschichten verewigt. Er kann durchaus als Vater der Kriminalistik angesehen werden. Denn seine Art ein Verbrechen zu lösen, wird heute noch praktiziert. Nicht nur fiktional, sondern real. Finger- und Fußabdrücke zu nehmen, ballistische Untersuchungen, graphologische Expertisen – dass alles kennen die Kommissare der Gegenwart. Einige Verfahren, wie der Blutnachweis in verdünnter Form, wurden von Arthur Conan Doyle in der Welt der Wissenschaft recherchiert und durch seinen Ziehsohn Sherlock Holmes einem breiten Publikum zugängig gemacht.

Doch Holmes allein wäre kaum in der Lage all die kniffligen Fälle zu lösen. Arthur Conan Doyle gibt dem analytischen Geist den weltgewandten Watson an die Hand. Auch die Vermieterin Mrs. Hudson trägt unbewusst als Ruhepol in der Rückzugshöhle Baker street 221b zum Erfolg der Missionen bei.

Und was wäre Holmes ohne die Schurken? Sein literarischer Ruhm würde sich stark in Grenzen halten. Die einzelnen Charaktere werden von Maria Fleischhack genau unter die Lupe genommen (Sherlock Holmes ist der erste Detektiv mit diesem Werkzeug). Ihre Biographien und die der „Helfer“ lassen so manchen Sherlock-Holmes-Lesefan die Augen öffnen. Denn Arthur Conan Doyle verwendete zwar nicht immer viel Akkuratesse bei der Ausschmückung der „Nebenrollen“, doch gab er hier und da Hinweise auf deren Herkunft.

Wer Sherlock Holmes nur als den markanten Basil Rathbone oder den smarten Benedict Cumberbatch kennt, wird in den Romanvorlagen einen ganz anderen Ermittler erkennen. Wer sich an die Fersen von Maria Fleischhack heftet, wird die ganze Welt des Sherlock Holmes erkennen. Viele Romane muss man noch einmal lesen, die Filme noch einmal schauen, da so Vieles bisher unentdeckt blieb. Keine schlechte Ausbeute für die Detektive unter den Leseratten.

A weekend in London

A weekend in London

 

Nun mach schon, zieh endlich! Ich will noch was anderes erleben! So ist London. Beziehungsweise so ungeduldig ist mancher Mitspieler von „A weekend in London“. Denn das Spiel ist ungemein spannend. Exciting! Spielend eine Stadt erobern.

„A weekend in London“ ist für zwei bis fünf Spieler, die entweder mit dem Taxi, der Tube oder dem Bus sich durch London bewegen. Per pedes ist es auch möglich, aber man kommt nicht so schnell ans Ziel. Zuerst wird festgelegt wie / wo man in London ankommt. Danach wird die zurückzulegende Route bestimmt. Man darf sich immer nur waagerecht oder senkrecht auf dem Spiel- bzw. Stadtplan fortbewegen. Unterwegs streift man die Sehenswürdigkeiten der Stadt und muss Fragen beantworten. Mensch-ärgere-Dich-nicht trifft Trivial Pursuit. Alle Fragen sind auf Spielkarten in English verfasst. Die Fortbewegungsart wird mit einem Würfel bestimmt.

Ziel ist es die eigenen Bildkarten loszuwerden und neue Bildkarten zu sammeln. Und als Erster wieder am Ausgangsort zu sein. Wie im richtigen (Urlauber-)Leben: So viel wie möglich erleben, um die Anderen neidisch zu machen. Wer London besucht hat, kennt die Anziehungskraft der Themse-Metropole. Mit diesem Spiel wird der eigene Urlaub noch einmal spielerisch nacherlebt.