Archiv der Kategorie: Limmateien

Schwiizertüütsch

Schwiitzertüütschwww.reise-know-how.de, 144 Seiten, 7,90 €, ISBN 978-3-8317-6406-8

Wenn ein Schweizer in seiner Sprache so richtig loslegt einem was zu erzählen, wird’s für die meisten eng. Nichtschweizer Kabarettisten versuchen sich krampfhaft mit Krächzen und endlosen –lis am Ende der Substantive dem Schwiizertüütsch zu nähern. Sie sind alle zum Scheitern verdammt. Doch keine Angst: Ein echter Schweizer kann auch hochdeutsch.

Dennoch ist es doch gerade eine fremde Sprache, die einen Urlaub zu einem Abenteuer macht. Und ein paar Brocken zu beherrschen, lässt einem doch auch nicht einen Zacken aus der Krone brechen, oder?! Die Kauderwelsch-Reihe aus dem Reise Know How Verlag ist praktisch in vielerlei Hinsicht. Zum Einen ist der kleine Sprachführer so handlich, dass er bequem in die Hosentasche passt. Zum Anderen ist er klar gegliedert und hält für jede Situation die richtige Floskel parat. Auch wenn es kein einheitliches Schweizerdeutsch gibt, jede Region pflegt ihren eigenen Dialekt. Wer die Aussprache beherrscht, hat schon mal die Hälfte des Sprachweges hinter sich. Ein h hat im Schwiizertüütsch keine Dehnungsfunktion, sondern wird deutlich gesprochen. Wird ein Vokal lang ausgesprochen, wird er verdoppelt. Das n am Ende von Verben wird weggelasse. Und wenn ein Schweizer eine d Pfane auf den Herd stellt wird erstmal s Rüebli (das e ist stumm und dient dazu das ü lang zu sprechen) im Wasser gekocht und nicht gebraten.

Bis hierhin hat man gerade mal ein Sechstel des Buches geschafft und eine ganze Menge gelernt.

Bis zu Globi, Knorrli und Täät Garee ist es noch ein weiter Weg. Sie können mit diesen Begriffen nichts anfangen? Im Buch wird Ihnen klar wie Sie zu reagieren haben, wenn es so über die Straßen schellt. Egal, ob im Restaurant oder auf der Straße – Konversation gehört nunmal dazu, um eine Stadt, eine Region, ein Land kennenzulernen. Ebenso wie das mehr oder weniger intensive Auseinandersetzen mit der Sprache des Landes. Dieses kleine Büchlein ist ein hilfreicher Ratgeber für jede Situation im eidgenössischen Verbund.

Ein letzter Tag Unendlichkeit

Ein letzter Tag Unendlichkeit

Na das ist doch mal eine Einladung! Eine Schifffahrt auf dem Zürichsee. Die Einladenden versichern dem Eingeladenen die ungeteilte Zuneigung der Damen. Ein jeder wird seine Dulcinea dabeihaben. Welch prachtvolles Wort für Freundin! Klingt ein bisschen anrüchig, oder?! Nun ja, es mag an der Zeit liegen, in der dieser Roman spielt. Juli 1750. Es mag aber vielleicht auch an der Gesellschaft liegen, die die Ungeziemtheit vergessen machen lässt. Der der Eingeladene ist Friedrich Gottlieb Klopstock, mit Mitte zwanzig schon ein gefeierter Dichter. Die Fahrt soll in die Geschichtsbücher eingehen…

Die Gesellschaft versammelt sich am Ufer des Sees. Alle sind gespannt auf den Dichterfürsten. Treten von einem Bein aufs Andere. Dann kommt er. Aufgebrezelt. Mit Perücke. Ein bisschen dandyhaft. Er genießt es bewundert zu werden. Und ein bisschen freut er sich auch auf das versprochene Rahmenprogramm…

Die Gesellschaft besteht auf honorigen Bürgern Zürichs, allesamt mit tadellosem Ruf. Das Boot legt ab, der Tag kann beginnen. Alle hängen an den Lippen Klopstocks. Der fabuliert, sinniert, sinniert. Feuchte-Augen-Garantie bei den Damen, stolz geschwellte Brust bei den Herren. Und ein jubilierendes Herz beim Gast. Denn er hat Anna Schirz ins Visier genommen. Dem Liebreiz der jungen Dame ist ab dem ersten Zusammentreffen verfallen. Unerhört, denn die junge Dame ist nicht allein gekommen. Hartmann Rahn ist ihr eigentlicher Begleiter, aber auf der Einladung stand ja …

Schlussendlich „bekam“ keiner der beiden Anna Schinz. Rahn wurde später Klopstocks Schwager und der Schwiegervater des Philosophen Johann Gottlieb Fichte.

Oft hapert es bei historischen Romanen an der Detailgenauigkeit. Lucien Deprijck richtet anhand der unwiderruflichen Fakten dieses Sittengemälde auf. Zwei Kapitel, gibt er zu, sind nicht verbürgt. Der Rest … der Rest hat sich genauso zugetragen. Wenn man dann noch Klopstocks „Fahrt auf der Zürcher See“ liest (zu finden auf der Homepage des Verlages), bekommt man eine ziemliche genaue Vorstellung von diesem historischen Tag im Zürich des Jahres 1750.