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Spielplatz der Spione

Spielplatz der Spione

„Erwarten Sie von mir, dass ich rede?“. „Nein Mister R., ich erwarte, dass Sie schreiben. Am besten doppelt.“ So muss es sich wohl angehört haben, als Peter Rieprich sein Manuskript bei Edition Karo angeboten hat. Klischee! Natürlich! Genauso wie Spionagebücher und –filme. Seit den 60ern waren Spione knallharte Kerle mit Knarren und pfiffigen „Werkzeugen“. Seit ein paar Jahren sind es brav gestriegelte, junge Männer, die sich in fremden Ländern und Botschaften verstecken müssen.

Wer die Gegenwart verändern will, muss die Vergangenheit verstehen.

Bis vor einem Vierteljahrhundert war Berlin der titelgebende „Spielplatz der Spione“. Hier tummelten sich die Geheimdienste der Welt. Allerdings mehr im Westen als im Osten. Außer dem Stasi, der war ja überall. Mythen ranken sich um ihre Tätigkeit. Man denke nur an die Harry-Palmer-Reihe mit Michael Caine in der Hauptrolle. Dunkle Ecken, verschrobene Typen, hektische Verfolgungsjagden.

So wollen wir Leser Spione. Oder doch nicht? Lieber ein bisschen mehr Realität als bäng-bäng? Bitte sehr! Peter Rieprich hat einzelne Geschichten von einzelnen Spionen, die in West-Berlin tätig waren aufgeschrieben. Spannend war die Tätigkeit wohl nur für sie selbst, wenn überhaupt. Für den Leser tut sich eine völlig neue Welt auf. Ja, Spione sind auch nur Menschen. Manche sind uns sogar so nah, so ähnlich, dass auch wir so einen Job hätte verrichten können.

Doch zurück zum Anfang. „Am besten doppelt!“. Wie ist das denn gemeint? Für beide Seiten arbeiten? Als Doppelagent? Nein, vielmehr ist „Spielplatz der Spione“ eine Geschichtensammlung und Sachbuch in Einem. Den Anfang bilden die Spion-Stories. Lesenswert, auch wenn das Geballere und die Verfolgungsjagden fehlen (wir haben ja bereits gelernt, dass nicht jeder, der sich Spion schimpfen durfte eine Waffe trug). Im Anschluss kommt der historische Kontext. Denn Spione gab es nicht nur in Romanen. Sie waren echt! Und ihre Arbeitsplätze sind bis heute erhalten. Also zumindest die Gebäude.

Wer Berlin besucht, kommt an der jüngeren Geschichte nicht vorbei. Noch immer werden Uniformen und Mauerreste zum Kauf angeboten. Wer will, kann sich mit uniformierten Darstellern fotografieren lassen. Der Kalte Krieg als Erinnerungsstück. Wer darüber erhaben ist, fährt nach Zehlendorf oder Karlshorst. Dort, wo sich Amis und Russen im Abhören, Ausspähen und Denunzieren einen erbitterten Wettkampf lieferten.

Eine Reiseband der besonderen Art. Geschichtsunterricht zum Anfassen.

Nord- und Mittelengland

Nord- und Mttelengland

Nord- und Mittelengland? Gibt es diese Region überhaupt? Ja! Und warum sollte man dort hin? Im Süden gibt es doch viel wohlklingendere Ortsnamen wie Bigbury on Sea, Brighton, oder Seaton und Beer. Im Norden liegen die Industriehochburgen wie Manchester, Newcastle, Sheffield – Ortsnamen, die maximal bei Sportfans für Erregung sorgen.

Also ein Reiseziel für Sportfans? Auch, aber nicht vorrangig. Eine Stadt wie Liverpool war vor dreißig Jahren maximal eine Stippvisite wert, um zu schauen,, wo denn nun John, Paul, George und Ringo sich ihre ersten Meriten verdient. Heute ist es ein Zehn-Tages-Trip, um unter andere zu schauen, wo John, Paul … naja Sie wissen schon … Sporen usw.  Liverpool kann sich rühmen eine der wenigen Städte zu sein, für die es sich gelohnt hat Geld in den Titel „Kulturhauptstadt Europas“ zu investieren. Fünf Milliarden Pfund (in English klingt es noch pompöser: Five billion pound!) wurden in das Makeover gesteckt. Heute kann sich Liverpool durchaus mit Barcelona, Chicago und LA messen, wenn es um kulturelle Events geht. Natürlich – das darf an dieser Stelle nicht vergessen werden – lebt die Stadt am River Mersey (den so klangvoll die „Ferry“ überquert) auch vom Fußball. Jahrelang quälten die Spielstafetten von Stephen Gerard & Co. die Gemüter der Fans, doch seit der vergangenen Saison spielt man wieder oben mit. Doch einfach mal so eine Partrie miterleben, ist schwierig. Nur Langzeitfans (und vor allem Langzeit-Clubmitglieder) erhalten Tickets. Und die sind dann auch entsprechend teuer. Nix mit acht Euro „für Euch in der Südkurve“! Ein Euro pro Spielminute ist da schnell erreicht.

Doch Nord- und Mittelengland ist mehr als nur Anfield und Beatlemania. Oxford und Cambridge sind klangvolle Namen in der Welt der Wissenschaft. Dutzende Nobelpreisträger lernten und lehrten hier. Die beiden Ortschaften haben sich dank großzügiger Spenden aus den verschiedensten Richtungen ihren Charme erhalten können. Cambridge leistet sich den Luxus seinen Studenten ein Auto im Umkreis von zehn Meilen rund um den Campus zu verbieten. Cambridge ist also eine Fahrradmetropole.

Was wäre England ohne seine Schrulligkeiten. Wo wir gerade in den Midlands sind. Die Region Cotswolds ist (bis zu diesem Buch) unbekannt. Wer seinen Urlaub auf Anfang Juni legen kann, sollte sich hier einfinden. Denn dann finden hier die Olimpicks statt. Welly-Wanging, Shin-Kicking und Sack-Races sind nur ein paar Disziplinen, in denen um den Ersten Platz gerungen wird. Zum Verständnis: Es geht um Gummistiefel-Weitwurf, Schienbeintreten und Sackrennen.

Dorothea Martin hat die Mammutaufgabe auf sich genommen den Norden und die Mitte Englands in einem reiseband zusammenzufassen. Allein die Fülle an Städten (die man meist auch schon mal gehört hat: York, Manchester, Liverpool, Stoke, Middlesborough, Leeds, Sheffield, Hull, Leicester, Worcester (Achtung, Aussprache! Nicht Wurschester, eher Wuster – die mit der Sauce! Oder doch Soße?), Nottingham, Birmingham, Newcastle) lässt den Reisenden verzweifeln, wo man denn nun seine Erholung suchen soll. Die Antwort muss sich jeder selbst geben, jedoch: „You’ll never walk alone“ mit diesem Reiseband.

Heilende Gewürze

Heilende Gewürze

Was wäre ein asiatisches Menü ohne Koriander? Oder ein Steak ohne Pfeffer? Oder Spaghetti Bolognese ohne Basilikum? Nicht mal halb so lecker. Gewürze verleihen den Gerichten Pfiff, Geschmack und das besondere Etwas! Doch sie sind mehr als nur schnöde Veredler! Denn so manches Pülverchen ist ein wahres Gesundheitswunder. In den richtigen Mengen. Muskatnuss zum Beispiel – fein zerrieben über die Speise verteilt, ist es auf einen Schlag ein vollkommen verändertes Geschmackserlebnis. Und Forscher fanden heraus, dass die Muskatnuss eine krampflösende Wirkung hat. Bei Epilepsie kann das durchaus hilfreich sein. In Thailand belegten Forscher, dass Muskatnussextrakt Leukämiezellen tötet. Ein verbessertes Gedächtnis, ein sinkender Cholesterinspiegel und eine beruhigende Wirkung werden ihr ebenso nachgesagt. So eine kleine Nuss (eigentlich es „nur“ der Kern des nussartigen Samens) und so eine große und umfängliche Wirkung! Dr. Bharat B. Aggarwal arbeitet seit über zwei Jahrzehnten am Anderson-Krebszentrum der Uni Texas. Künstlich hergestellte Medikamente sind bei der Gesundheitsvorsorge und Krankheitsbewältigung nicht das alleinige helfende Mittel. Ob als Begleitmittel oder als Präventivzusatz sind Gewürze eine willkommene Alternative. Dass sie dabei oft noch den Geschmack der Speisen verfeinern ist ein mehr als willkommener „Nebeneffekt“. Auf über fünfhundert Seiten gibt der Autor hilfreiche Anregungen zum Kauf, worauf man achten sollte, zur Aufbewahrung und zur richtigen Dosierung von Gewürzen. Das Inhaltsverzeichnis ist zweigeteilt. Zum Einen nach den Gewürzen, zum Anderen aber auch nach den Wehwehchen. Und er gibt Tipps welche Gewürze zu welchen Rezepten passen. Denn schmecken soll es ja auch!

City Trip Buenos Aires

Vorspann Buenos Aires 2014

Ohne viel Federlesen macht sich Maike Christen auf eine echte Metropole zu erobern. Buenos Aires – so erfährt der Leser gleich ohne Vorwarnung ist eine gigantische Stadt, die durch ihre Freizügigkeit in Bezug auf Größe punktet. Ein mehrspuriger Boulevard? Fehlanzeige! Es sind mehrere Boulevards, die auf fünf, sechs, acht Spuren ihre Schneisen durch die Hafenstadt ziehen. Portenos nennen sich die Einwohner von Buenos Aires. Über ein Dutzend Millionen Einwohner zählt die Stadt, die Traditionen pflegt, und sich immer wieder neu erfindet.

Im Szene-Viertel Palermo siedeln sich seit Jahren innovative Unternehmen an, die der Gegend ein modernes Flair verleihen. Auf der Plaza de Mayo demonstrieren immer noch regelmäßig die Madres de Plaza de Mayo Mütter, die auf ihr Schicksal während der verheerenden Militärdiktatur aufmerksam machen. Damals verschwanden tausende Frauen, Männer, Söhne und Töchter. Auch nach über dreißig Jahren lassen sich nicht locker und fordern Aufklärung – ganz ohne Folklore-Ansinnen.

Ein Rundgang durch Buenos Aires ist unmöglich – die Stadt ist einfach zu groß. Der beiliegende Stadtplan im Maßstab 1:25.000 (das Stadtzentrum befindet sich auf der Rückseite und wird im Maßstab 1:12.500 abgebildet) zeigt die praktische Rasterung der Stadt: Wie ein Schachbrett breitet sich die Metropole vor den Augen des Betrachters aus. Verlaufen fast unmöglich. Doch bei der Fülle an Sehenswürdigkeiten fällt es dem Besucher schwer sich an Vorgaben zu halten. Einfach drauf los laufen! Wenn man doch vom rechten Pfad abgekommen ist (bitte wortwörtlich nehmen!, nichts hineininterpretieren), einfach ein paar links oder rechts abbiegen – je nachdem. Dann findet man wieder zurück auf den geplanten Weg.

Was es links und rechts zu sehen gibt, weiß Maike Christen richtig einzuordnen. Prächtige Kolonialbauten, farbenprächtige Fassaden, die jedes Viertel zum Fotomodell machen, ausgedehnte Parkanlagen, Tango in erstklassig erhaltenen Jugendstilcafés – ach man könnte die Reihe endlos fortsetzen und würde dennoch nie ein Ende der Aufzählung sehen. Einfach mal hinfahren! Und dieses Buch als ständigen Begleiter mitnehmen. Einen besseren Reisebegleiter findet man nicht!

Kulturschock Argentinien

Kulturschock Argentinien

Argentiniens Name scheint es vorweg zu nehmen: Silber, Land des Silbers. Zweiter Platz. Nach der Fußball-WM bittere Wahrheit. Was nach Klischee klingt, birgt jedoch mehr als nur einen Funken Wahrheit in sich.

Carl D. Goerdeler sieht in seinem Buch „Kulturschock Argentinien“ aber ein kleines Flammenmeer. Wer als argentinischer Autor Erfolg haben will, muss es in der Alten Welt, also Europa, zu Ruhm und Ehre gebracht haben. Die Einwanderer aus Spanien, Italien und England haben in Argentinien, speziell aber in der Hauptstadt Buenos Aires ihre Ansichten in die Stadtplanung einfließen lassen. So wird Argentinien zum europäischsten Land auf dem amerikanischen Kontinent. Buenos Aires‘ In-Viertel heißt Palermo. Argentinien ohne Europa? Nur schwer vorstellbar.

Und doch ist Argentinien ganz anders als Europa. Wer hier Fußballfans ist – bleiben wir beim immer noch aktuellen Zeitbezug – der lebt Fußball. Während in Deutschland Jugendzimmer, ganze Häuserfassaden, teils sogar ganze Straßenzüge in ein Farbenmeer der bevorzugten Vereine getaucht werden, ergießt sich im zweitgrößten Land Südamerikas eine Chorwelle von Spottgesängen und Fanhymnen über das Land. Allein Buenos Aires zählt Dutzende Stadien. Ein Besuch des Duelle zwischen dem „reichen“ Verein River Plate und dem „armen“ Boca Juniors“ (dort, wo Diego Armando Maradona zum Gott wurde, was wörtlich zu nehmen ist) gerät schnell zu einer lautstarken und aggressiven Trip in eine andere Welt.

Doch Argentinien ist mehr als nur ein fußballverrücktes Land.

Melancholie und überbordende Lebensfreude sind hier keine sich ausschließenden Gegensätze, sie sind der Kit, der Land und Leute zusammenhält.

Argentinien ist ein Land, das sich schwer regieren lässt. Zu viele Diktaturen haben das Land in den Ruin getrieben. Aktuell ist eine Klage des argentinischen Staates gegen die USA anhängig. Ob Peron, Videla, Menem oder Kirchner: Jede Regierung hat sich schlussendlich immer die eigenen Taschen vollgestopft und das Volk am langen Arm verhungern lassen.

Als Korrespondent für deutsche Zeitungen kennt der Autor die Probleme des Landes. Er sieht aber auch seine Schönheit, seine Besonderheiten, die auch lange nach dem Urlaub nachwirken. Unendliche Viehweiden, gigantische Herden von Rindern, die Traditionen im Familienleben, die Eigenheiten des Mate-Teetrinkens – wer Argentinien besucht, wird überrascht. Wer dieses Buch im Vorfeld liest, begegnet einem Land, das einem trotz der Fülle an Informationen immer noch überraschen wird. Ohne dieses Buch wird man von der einen oder anderen Begebenheit abgestoßen.

Der Mann der Hunde liebte

06 Der Mann, der Hunde liebte

Trotzki – ein Name wie Donnerhall. Bei Stalin in Ungnade gefallen, verbannt und ermordet worden. Fertig ist die Geschichte. An dieser Stelle setzt müdes Lächeln ein. Denn Leonardo Padura öffnet noch einmal die Geheimakte Trotzki. „Der Mann, der Hunde liebte“ lässt nicht unbedingt auf dieses schwarze Kapitel der sowjetischen Geschichte schließen. Es ist auch nicht so sehr dem (juristischen) tragischen Opfer gewidmet, eher dem vermeintlichen Täter. Der schlussendlich auch nicht mehr als ein Opfer ist.

Die Lebenswege beider – der des Mörders und der des Opfers – zeigen erstaunliche Parallelen. Denn beide kennen nicht ihren Weg, den das Leben für sie vorgeschrieben hat. Sie reisen quer durch die Welt: Paris, Madrid, Istanbul. Keine Stadt ist ihnen fremd. Doch sind sie immer wieder aufs Neue Fremde in einer fremden Welt.

Leonardo Padura ist der Marionettenspieler der Weltgeschichte. An jedem Fadenkonstrukt führt er die historisch verbürgten Personen. Doch auch der Autor unterliegt historischen Gegebenheiten: Er denkt sich nicht einfach etwas aus. Alle Plätze, alle Personen, alle relevanten Handlungen sind belegbar. Nur die Dialoge entspringen der – exzellent recherchierten – Phantasie des Autors.

Stalin und Trotzki waren einst ein Gespann, das den Großen (westlichen) Welt das Fürchten lehrte. Der Eigensinn und Machtwahn Stalins sollte Trotzki zum Verhängnis werden. Er musste unter enormen Anstrengungen seine Heimat verlassen. Unterwegs traf er immer wieder Unterstützer, Beschützer, Gönner. Doch nirgends auf der Welt konnte er sich sicher fühlen. Sein letztes Exil, das Mexiko Frida Kahlos und Diego Riveras, wurde für ihn nicht nur zu einer zweiten Heimat, sondern auch zum goldenen Käfig, der ihn letztendlich das Leben kostete.

Ramon Mercader – der Mörder Trotzkis – wird von Anfang an im Unklaren gelassen, weswegen er nun der Auserwählte sein sollte. Auch er hat Unmengen an Unterstützern um sich geschart. Doch die sind alle auf Geheiß eines Mannes bei ihm: Josef Stalin. Generalstabsmäßig wird der Täter auf seine Aufgabe vorbereitet ohne zu wissen, worum es geht. Die Ungewissheit ist nicht das Entscheidende für ihn. Er weiß nur, dass ein Auftrag erledigt werden muss. Dafür nimmt er so manche Ungereimtheit in seinem Leben hin.

Leonardo Padura schafft es die hitzige Zeit vom Ende der 1920er Jahre bis 1940 in dem Schicksal der beiden Kontrahenten verständlich darzulegen. Europa, die Welt ist im Umbruch. Der erste große, weltumspannende Krieg ist vorüber. Die Gegner schütteln sich den Staub aus dem Gefieder. Es ist die Zeit, in der neue Diktatoren die Weltbühne betreten und Kriegsgefahr allerorten spürbar ist. In Spanien sprechen die Kanonen. Im restlichen Europa werden – nach alter Tradition neue Allianzen geschmiedet. Und zwischendrin zwei Männer, die ihrem Führer und ihrer Ideologie schonungslos folgen.

Die Geschichte hat bewiesen, dass das niemals gutgehen kann. Das einzig Gute daran ist dieses Buch, das zum Verständnis der Zeit einen unschätzbaren Beitrag leistet.

Von Elefanten und Menschen

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„Ach wie süß“, „So tapsig“ – wer einen Elefanten sieht – egal ob im Zoo oder in „freier Wildbahn“ – ist fasziniert. Dieses erhabene Wesen begleitet den Menschen seit Jahrtausenden durch sein Leben. Und immer noch sind wir kleinen Menschen vom Riesen Elefant verzückt. Da wird es Zeit sich langsam vom verklärten Bild des gemütlichen Giganten zu verabschieden. Fred Kurt kennt die asiatischen Elefanten wie kaum ein anderer. Er kann dem Leser viel über das Wesen erklären. Und das tut er mit Leidenschaft in diesem Buch.

Sein erstes Kapitel nennt er „Das Einmaleins der Elefantologie“. Wer bis dahin noch nicht gefangengenommen wurde von den grauen Riesen, der liegt jetzt endgültig in Ketten. Hier werden Grundlagen gelegt, die auch den Autor nicht mehr losließen. In Riesenschritten führt Fred Kurt den Leser durch das Dickicht unseres Unwissens und seiner Forschungen. Vom Zirkuselefanten bis hin zum dringend benötigten Arbeitsbullen, vom Wissen der Menschen, die den Elefanten schon immer zum Nachbar hatten bis hin zum Kindersegen – Fred Kurt lässt keinen Aspekt elefantastischen Lebens aus. Die fast zweihundert Abbildungen ziehen den Leser sofort in ihren Bann. Dramatische Rettungsaktionen, jahrhundertealte Reliefs oder die imposanten Abbildungen von Elefantenherden beeindrucken wegen ihrer Einzigartigkeit.

Wer sich von Elefanten angezogen fühlt, wird dieses Buch zur Bibel erklären. Fred Kurt lässt nicht unbemerkt, dass die sanften Riesen aber auch eine gefährdete Spezies sind. Sie werden drangsaliert und geprügelt. Als Arbeitstiere im wahrsten Sinne des Wortes missbraucht. Auch davor verschließt der Autor nicht die Augen und zeigt die oft unwürdigen Bedingungen unter denen die Tiere leben.

„Von Elefanten und Menschen“ ist ein faszinierendes Buch über faszinierende Tiere, die dem Menschen dienen, ihn erfreuen und oft so schlecht behandelt werden.

Nibelungenland

Nibelungenland

Rainer Schöffl ist wieder unterwegs. Wieder in Sachen Nibelungenlied. Dieses Mal aber nicht auf Wanderschaft auf den Pfaden von Siegfried und Hagen, sondern Wort für Wort im Nibelungenlied selbst. Denn das Nibelungenlied ist (in erster Linie kein Beitrag zum Eurovision Song Contest) kein abgeschlossenes, vollständig erhaltenes Werk deutscher Kultur. Es ist ein aus Fragmenten zusammengesetztes Werk, das je nach Betrachter eine Blickrichtung freigibt. Wer also mehrere Varianten liest, kommt oft und schnell durcheinander. Wer nur die Filme sieht, erkennt kaum den Grund der Sage.

Rainer Schöffl ist es als Ingenieur Ordnung in die Dinge zu bringen. Der Bestseller aus vergangenen Zeiten hat es nötig, dass sich jemand des Wirrwarrs annimmt. Nun ist nicht jeder in der Lage, geschweige denn gewillt das Nibelungenlied in Originalsprache zu lesen. So ein mittelhochdeutscher Text liest sich ja auch nicht wie ein Rezept für Spaghetti Bolognese. Doch sollte man einige Begriffe erkennen und herleiten können. Der Autor ist so freundlich und gibt einen kleinen Einführungskurs in Mittelhochdeutsch. Wie werden Vokale und Konsonanten ausgesprochen. Hat man diese Kapitel geschafft, ist der Rest zwar noch kein Selbstläufer, aber um Einiges leichter zu verstehen.

Die einzelnen Handschriften – es sind 36 oder 37, so sicher sind sich die Wissenschaftler nicht – werden vereinzelt in ihren Unterschieden besprochen.

Das eingehendste Kapitel beschäftigt sich mit den handelnden Personen, ihren historischen Grundlagen und den Handlungsorten. Die wurden von Rainer Schöffl besucht und in seinem Buch „Nibelungenweg“ (ebenfalls bei Edition Karo erschienen) so ergiebig und nachvollziehbar beschrieben. Um die Nibelungen zu verstehen braucht man also drei Bücher: Zum Ersten das Nibelungenlied selbst, die Ausgabe ist dabei fast schon unerheblich. Denn wer einmal Blut geleckt hat, liest auch weitere Ausgaben. Zum Zweiten und Dritten benötigt man die beiden Bücher von Rainer Schöffl. Als Wanderbuch und Erläuterung eines der am längsten sich kaufenden Bücher.

Schottland

Schottland

Schottland – das Land der unendlichen grünen Weite. Alle sind glückselig, trinken den eigenen Whisky (ohne E vor dem Ypsilon!, ganz wichtig). Klingt ein wenig rückständig,  wenn auch romantisch. Schottland ist jedoch mehr als verlassene Burgruinen und durch die raue Witterung gegerbte Haut. Schottland ist ein Touristenziel, das anders und gleichsam nicht viel anders ist als andere Destinationen. Anders, weil hier die Uhren manchmal anders ticken. Gleich, weil auch hier Tourismus nicht nur aus Spaß an der Freude betrieben wird.

Der Reiseband von Andreas Neumeier – und damit haben wir es auch gleich hinter uns – hat einen Nachteil: Die Überraschungen vor Ort halten sich im überschaubaren Rahmen. Man kann es kaum glauben: 792 Seiten reichen wirklich aus, um dieses so abwechslungsreiche Land ausgiebig und tiefschürfend zu erkunden. Als Dreingabe gibt es eine Karte im Maßstab 1:300.000.

Was tragen Schotten unterm Kilt? Muss ich damit rechnen, dass ich auf freiem Feld auf einmal auf eine Arme aus entblößten Hinterteilen starre? Spielt wirklich jeder Schotte Golf? Wem diese Fragen bekannt vorkommen, muss dieses Buch lesen. Nicht wegen der Antworten. Die muss man eh selbst für sich beantworten – sieht bestimmt lustig aus, wenn man gestandenen Mannsbildern, auf Knien rutschend, entgegen robbt, um …Lassen wir das! Nein, es geht nicht um die Klischees. Vielmehr werden in diesem Buch Fragen beantwortet der Autor Fragen, die man sich nicht vorstellen konnte zu stellen. Zum Beispiel die Frage nach dem Wohin. Wohin in Schottland? In die Highlands? Nach Galloway? Nach Edinburgh? Strathclyde oder auf die Isle of Skye oder die Orkneys? Aberdeen als Boomtown – vorstellbar? Eine Ölmetropole wie Dallas, denn ohne schottisches Öl wäre Aberdeen immer noch ein verschlafenes Nest. Auf alle Fälle mindestens eine Stipvisite wert.

Im Kapitel Central Five Tayside – eine Region, die nur jemandem bekannt ist, der schon einmal dort war, oder der dieses Buch gelesen hat, lockt der Queen Elizabeth Forest Park. Der Autor bezieht sich nicht nur auf das, was es hier alles zu sehen gibt, sondern beschreibt auch wunderschön und detailliert den Weg dorthin. Wer sich dann noch verfährt, macht einen Umweg. Aber einen der sich lohnt. Ausgedehnte Seetouren, unberührte Natur, einsame Wanderungen.

Andreas Neumeier ist schreibender Schotte, was nicht bedeutet, dass er sparsam mit seinem Wissen umgeht – im Gegenteil: Er schüttet sein Füllhorn des Wissens mit herzerfüllter Freude aufs Papier. Das spürt man mit jeder Seite, die man durch die Finger gleiten lässt. Wer Schottland bereist, hat Leidenschaft im Blut. Der Autor hat es auch und teilt mit Freuden seine Leidenschaft mit dem Leser.

Köstliche Marmeladen und Brotaufstriche

Köstliche Marmeladen

Es kommt immer einmal im Leben die Zeit, in der alt Hergebrachtes wieder chic wird. Omas Wissen wird hervorgekramt und man erfreut sich am bewährten Wissen der Ahnen. Nun gut, wir werden sicher nie mehr mit Pfeil und Bogen auf Fleischjagd gehen. Aber mit einem Feuerstein ein wärmendes Licht zu erzeugen ist schon ein Abenteuer. Omas Rezepte auszuprobieren hingegen hat sich als Marke „Was Oma noch wusste“ längst etabliert.

Was gibt es Schöneres am Frühstückstisch als eine dicke Scheibe Brot, die ebenso dick bestrichen ist mit selbstgemachter Marmelade, hineinzubeißen. Das sind die echten Wachmacher, die den perfekten Start in den Tag garantieren! Ernst Rehren hat seinen Finger zum Kosten in Europas Marmeladentöpfe vom Atlantik über den Ural hinaus bis ins asiatische Sibirien gesteckt. Und dabei hat er Leckeres zum Munde geführt. Er ist so freundlich und lässt nun den Leser an seiner Lukulli-Tour teilhaben. Wem schnell das Wasser im Munde zusammenläuft, der sollte sich beim Lesen eine Serviette unterlegen. Frisches Weißbär-Eisbär Gelee, mmmmh mit Johannisbeersaft und Pfefferminzblättern – die Info, dass sich die Blättern erst rot färben, das Gelee dann bernsteinfarben wird und nach einem halben Jahr die Pfefferminze an Geschmack verliert, erübrigt sich: So lang hält sich das Gelee eh nicht! Das steht schon beim Lesen fest.

Britisch erhaben kommt Pink Gin daher. Grapefriut (pink please), Gin, Wacholderbeeren, Vanille und weitere Zutaten aus dem Asialaden ergeben einen erfrischenden Brotaufstrich, jedoch erst ab 18.

Wem das alles noch nicht reicht, der bekommt auch ein paar geistreiche Beigaben in flüssiger Form. Quittenlikör, Schlehenlilör oder auch Fasanenbrause.

Dieses unscheinbare Buch hat es in sich. Denn es ist eines der wenigen Kochbücher, das von der ersten bis zur letzten Seite ausnahmslos nachkochbar ist. Und man wird jedes einzelne Rezept nachkochen. Das ist garantiert!