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Myanmar – Das Goldene Land

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Golden scheinen die Wände. Goldene Statuen erhellen den Raum. Das ist wie im Märchen! Aber es ist das Lindenmuseum in Stuttgart. Überwältigend ist die Pracht, die hier zur Schau gestellt wird. Noch bis Mitte Mai sind große Teile des Museums Myanmar gewidmet. Dem Land, das sich erst nach und nach wieder der Öffentlichkeit präsentiert. Die Militärherrscher wollen scheinbar den schmalen Grat von Diktatur und Demokratie wagen und Schritt für Schritt (unter ihrer Regie) vorantreiben. Da ist es wie mit der Ausstellung: Gute Vorbereitung tut Not!

Der Besucher kann sich mit diesem Ausstellungskatalog auf die Exponate vorbereiten, sich Hintergrundwissen aneignen. Das Museum hat sich jahrelang auf dieses Großereignis vorbereitet. Dr. Georg Noack ist der Verantwortliche für diese Ausstellung. In diesem Buch nimmt er den Leser und späteren Besucher an die Hand und führt ihn nicht nur durch sein Spezialgebiet Süd- und Südostasien, sondern auch durch ein Land und seine Kultur, die den meisten von uns bisher verborgen blieb.

Myanmar, das einstige Burma/Birma, fristete bis vor wenigen Jahren ein Eremitendasein. Nichts drang heraus, Einflüsse von außen wurden kategorisch und brutal verhindert.

Erst als die Friedensaktivistin Aung San Suu Kyi in den 90er Jahren der Friedensnobelpreis verliehen wurde, rückte das Land wieder in den Fokus der Medien und damit der Öffentlichkeit. Da Land ist stark vom Buddhismus geprägt. Auf Schritt und Tritt begegnet man Mönchen, grüßen Buddha-Figuren in allen Größen und säumen Tempel den Weg. Frauen, Kinder und Männer haben die typische Thanaka-Paste im Gesicht. Eine blassgelbe Masse, die als Schönheitsideal gilt, vor der Sonne schützt und Wohlgeruch verbreitet.

Das Buch bietet einen umfassenden Einblick in die Ausstellung, die Ausstellung selbst zeigt Myanmar reichhaltige Kultur, die mehr zu bieten hat als Unmengen Tempelanlagen. Traditionelle Kleidung, die uralte Kunst des Tätowierens und moderne Arten des Ausdrucks in Musik und darstellender Kunst.

Zum ersten Mal wird im Westen Myanmar so umfangreich präsentiert. Der dazugehörige Katalog steht der Ausstellung in Nichts nach. Wuchtig und edel zugleich bekommt der Leser eine ordentliche Portion Myanmar mit auf den Weg. Der ja bekanntlich das Ziel ist…

Sehnsucht nach dem Alten Wien

Sehnsucht nach dem alten Wien

Sehnsucht kann man nach Vielem haben. Nach den Kochkünsten der Oma, nach Geborgenheit, nach fernen Ländern. Oder auch vergangenen Zeiten. Den Orten, die man als Kind auskundschaftete. Orten, die man nie gesehen hat, und so wohl auch nie mehr erleben kann. Den Wienern sagt man einen ausgeprägten Hang zur Sehnsucht nach. Todessehnsucht – dieses Wort wird häufig benutzt. Aber eben auch nach dem alten Wien. Sehnsucht nach k. und k., nach Geschichte und Geschichten. Helga Maria Wolf gießt mit ihrem Buch noch Öl ins Feuer der Leidenschaften. Denn Wien ist und bleibt eine Stadt, die man gesehen haben muss. Sie beeindruckt durch ihre Präsenz, die weit in der Weltgeschichte zurückreicht. Kaum auszumalen, wie sich die Stadt präsentieren würde, könnte man sie wie vor hundert oder zweihundert Jahren erkunden.

Mit jedem (Fort-)Schritt wurde die Sehnsucht nach dem Alten, den Traditionen größer – das liegt wohl in der Natur des Menschen. Im ersten Teil führt die Autorin den Leser wohlformuliert in die Mitte des 18. Jahrhunderts. Barocke Pracht und Perspektiven nennt sie eines der ersten Kapitel – da ist jedem klar, dass Wien von jeher Sehnsucht verhieß und sich dem Fortschritt nicht verschloss. Wie eine gefräßige Raupe arbeitet sich der Leser durch die Lektüre. Historische Abbildungen zeigen ein exaktes Bild der Donaumetropole.

Nach dem ersten Viertel werden die ganz großen Geschütze aufgefahren: Eindrucksvolle Bilder mit knappen Texten zeichnen die Entwicklung der mondänen Siedlung am Fluss zu einer modernen Metropole nach. Daumenkino für die ganz großen Momente. Immer wieder weiß Helga Maria Wolf Anekdoten zu erzählen. So Geschichte kann schon mal langweilig werden. Nicht in diesem Buch!

Im Gegenteil: Das Buch beiseitelegen, fällt schwer. Denn mit jeder Seite wächst die Sehnsucht sich zu einer ausgewachsenen Sehsucht aus. Sehsucht nach dem aktuellen Wien. Und sicherlich wächst dann auch die Sehnsucht nach dem alten Wien…

Olympia – Mythos, Sport und Spiele

Olympia

2014 – was ein Jahr! Sportlich gesehen. Eine – für die deutsche Mannschaft und ihre Fans – mehr als erfolgreiche Fußball-WM und gigantische Winterspiele. Denn die Spiele von Sotschi waren so teuer wie nie zuvor. Auch gab es noch nie Winterspiele an einem so warmen Ort. Und wieder einmal schafften es Reporter aus aller Herren Länder die Spiele als Olympiade zu verkaufen. Dabei ist die Olympiade der Zeitraum zwischen zwei Olympischen Spielen. Hätten Sie mal vorher das Buch von Karin Kreuzpaintner gelesen… Dann wüssten sie es. Und auch so manches mehr.

Schon auf den ersten Seiten wird dem Leser klar, dass so mancher Begriff heute ganz anders gebraucht wird. Das Wort Stadion (heute Kathedralen des Ruhms, oft architektonische Glanzleistungen) ist eigentlich eine Maßeinheit. Und zwar für 600 antike Fuß. Das waren, je nach Region knapp 180 bis etwas über 190 Meter. So genannte Besserwisser werden an diesem Buch ihre Freude haben. Aber auch jegliche Sportfans kommen hier voll und ganz auf ihre Kosten. Denn Karin Kreuzpaintner schlägt den Spagat zwischen antiken Spielen und den Spielen der Moderne, die 1896 ihren vorläufigen Höhepunkt in den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit hatten.

Vor einiger Zeit gab es heftige Reaktionen auf den Entschluss den IOC das Ringen aus dem Programm der Olympischen Spiele zu nehmen. Neben Diskus- und Speerwerfen und Laufen eine der klassischen Disziplinen. Mangels Zuschauerinteresse (vor Ort als auch medial) wurde diese Sportart dem Zeitgeist geopfert.

Viele Sportarten, die bei Olympischen Spielen in Wettkämpfen ihren auf ewig währenden Sieger ermitteln, stammen aus der Antike. Und schon damals gehörte der Sieger zur Elite. Er trainierte in einem Gymnasium, das anfangs eben nur einer Elite vorbehalten war. Diese gab es schon im sechsten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Erst ein paar Jahrhunderte später wurden sie der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Heute sind es die Olympiaparks, die nur mit Tickets einem breiten Publikum ihren Reiz zeigen.

Olympia, Olympische Spiele, Olympiade – der Begriff lebt von seiner Exklusivität. Da tut es mancherorten Not sich eingehender mit Geschichte, Entwicklung und Mythen auseinanderzusetzen. Karin Kreuzpaintner schafft es auch Rekordskeptiker mit ihren Rechercheergebnissen in den Bann der Spiele zu ziehen.

Thomas Mann und die bildende Kunst

Thomas Mann

Sich einem Intellektuellen wie Thomas Mann zu nähern, ist keine einfache Sache. Es gibt wohl kaum eine Handvoll Menschen weltweit, die den „Zauberberg“ als das Buch erachten, das sie als erstes Buch komplett durchgelesen haben. Seine wohl geformten Worte, seine schier endlosen Satzkonstruktionen sind und bleiben einzigartig. Im Museum Behnhaus Drägerhaus und im Buddenbrooks-Haus in Lübeck gibt es derzeit (bis zum 6 .Januar 2015) eine Ausstellung, die sich dem Werk und dem Menschen Thomas Mann von einer ganz anderen Seite nähert. Von der Bildhaften.

Künstler wie Hans Thoma, Friedrich August von Kaulbach, Arnold Böcklin, Ludwig von Hofmann, Max Liebermann, Max Oppenheimer, Oskar Kokoschka, Albrecht Dürer, Frans Masereel, Albert Renger-Patzsch oder Arbeiten der Bildhauer Fritz Behn, Hans Schwegerle, Ernst Barlach haben Thomas Mann beeindruckt und in gewisser Weise auch beeinflusst. Und er hat ihr Wirken beeinflusst, sofern sie noch lebten.

Immer wieder regten und regen die Bücher, Essays und Reden Thomas Manns die Phantasie der Künstler an. In der Ausstellung „Augen auf!“ sind sie nun endlich zusammengefasst. Die Bildtitel sind Leseratten bekannt: „Wälsungenblut“, „Unordnung und frühes Leid“ und „Tod in Venedig“ sind direkt den Buchtiteln entlehnt.

Der Ausstellungskatalog, herausgegeben vom Michael Imhof Verlag, macht es dem Museumsbesucher / Leser nicht einfach sich dem Werk zu entziehen. Wer Thomas Mann bisher nur als Vorlagengeber für erstklassige Verfilmungen sah, dessen Augen werden sich von Seite zu Seite weiter öffnen. Wer bisher „nur“ die Bücher verschlang, wird nun eine weitere Dimension des Schaffens des Literatur-Nobelpreisträgers kennenlernen. Und wer schon ein wenig Thomas Manns Einfluss auf die bildende Kunst kannte, bekommt hier den  letzten Schliff.

Ein wunderbares Buch zum Thema Kunst und Literatur.

Unter dem Asphalt

Unter dem Asphalt

„Schatz, ich gehe mal ins Theater.“ „Gut, bringst Du mir bitte ein Glas Gurken mit?!“ – Was sich nach Witzparade im Ersten anhört, kann ich Neapel durchaus Realität sein. Denn durch die vielen Vulkanausbrüche baute man auf den Trümmern einfach die neue Stadtgeneration wieder auf. Und von so mancher Wohnung gelangt man direkt in ein römisches Theater.

Paris bietet schon seit Jahren Rundgänge durch die Katakomben der Stadt an. Schaurige Geschichten, Türme aus Schädeln und Gebeinen, stimmungsvolles Licht – auch unter dem Eiffelturm gibt’s Vieles zu entdecken. Die Location ist so angesagt, dass bis vor wenigen Jahren dort regelmäßig Underground-Parties stattfanden. Bis die Stadt die Eingänge verschweißte, zumauerte, anonymisierte.

Berlin ist seit 1997 dank des Vereins Berliner Unterwelten wieder eine geteilte Stadt: Oberirdisch und unterirdisch. Eine Viertelmillion Besucher durchforsten jedes Jahr Bunkeranlagen und einst geheime Gänge. Angelegt um vor den Bomben der Alliierten sicher zu sein (was ein Trugschluss war), sind die Agentengänge, Luftschutzbunker und anderen unterirdischen Anlagen heute eine echte Touristenattraktion.

Leoni Hellmayr hat sich die Erde von unten betrachtet. Sie traf bei ihren Recherchen auf übel riechende Rinnsale, auf prächtige Bauten und geschichtenerzählende Räume. Wer heutzutage eine Stadt, eine Metropole besucht, kratzt nur an der Oberfläche. Sämtliche Attraktionen, die man gesehen haben muss, liegen vor unseren Augen offen da. Wer in eine Stadt eintauchen will, muss sich in die Niederungen des urbanen Raumes begeben. Hier lauern an jeder Ecke Geschichten, die noch (wieder-)entdeckt werden wollen. Von Lima bis Tokio, von Moskau bis Neapel, von Istanbul bis Montreal.

Dem Leser wird schnell klar, dass er auf seinen Reisen das Eine oder Andere verpasst hat. Was bisher nur als Filmkulisse einigen bekannt war, wie die Zisternen von Istanbul in „007 – Liebesgrüße aus Moskau“, wird hier greifbar. Als kenntnisreicher Begleitband zu einem Reiseband ist dieses Buch beim nächsten Urlaub ein unverzichtbares Utensil!

Verbrechen in Berlin

Verbrechen in Berlin

Metropolen ziehen das Gesindel an wie Motten das Licht umschwirren. Je schneller eine Stadt wächst, umso schneller wächst auch die Kriminalitätsrate.

Der Verlag Elsengold hat es sich zur Aufgabe gemacht Berlin aus allen Blickwinkeln zu beleuchten. Die schönsten Kieze, Alltag in Ost und West … jetzt kommt die dunkle Seite der Stadt ans Tageslicht.

Die Verbrechen zu ordnen war sicherlich ein schwieriges Unterfangen. Denn wie soll man Verbrechen sortieren? Nach Anzahl der Opfer? Nach Schwere des Verbrechens? Die Autorin entschließt sich zur Sortierung nach der Zeit. Verbrechen im Kaiserreich, in der Weimarer Republik, unter den Nazis und nach dem Krieg. Insgesamt sieben Jahrzehnte Kriminalgeschichte, von 1890 bis 1960.

Berlin war Ende des 19. Jahrhunderts eine Großstadt, die ihre Einwohnerzahl in den vergangenen Jahrzehnten verdoppelte. Doch mit den Neuzugängen kamen auch die Raufbolde, Tunichtgute, Taugenichtse. Räuber, Einbrecher und Mörder strahlten mehr oder weniger verbissen von den Litfasssäulen. Denn es gab eine Zeit, in der Verbrecher öffentlich gebrandmarkt und per rosa Steckbrief in Posterformat gesucht wurden. Wie sich die Zeiten doch ändern: Wer heute vor einer Werbung steht, versucht meist sich das Haar zu richten im Spiegel der Scheiben. Damals vor hundert und mehr Jahren sammelten sich die Menschen, um etwas von den Verbreche(r)n mitzubekommen.

Die berühmtesten Fäll des Buches sind die von den Gebrüdern Sass. Franz und Erich gehörte eine Auto-Werkstatt. Und doch lebten sie in Saus und Braus. Mit schwerem Gerät bohrten, buddelten und schweißten sich die beiden unterirdisch bis in die Tresorräume von Banken. Anfangs waren ihre Raubzüge nicht vom Erfolg gekrönt. Mal steckte ein aufmerksamer Nachbar die Nase rein. Mal wurde die Polizei wegen Brandgeruch gerufen. Ihre Beutezüge wurden von der Berliner Bevölkerung mit wachsender Begeisterung verfolgt. Die Gazetten waren voll mit den Gangsterstories. Einzig ein Mann konnte so gar nicht über Franz und Erich Sass lachen: Kommissar Max Fabich. Erst als die beiden in Dänemark eine Strafe verbüßten (Berlin war ihnen zu heiß geworden und sie verlegten ihr Jagdrevier ins Ausland) und sie an Deutschland ausgeliefert wurden, schlug er erbarmungslos zu. Zuchthaus, KZ, Mord auf Befehl des Führers. Die Beute aus ihrem größten Coup wurde bis heute nicht gefunden.

Der zweite berüchtigte Mord passierte einem Nazi, der durch ein Lied zu ungerechtfertigtem Ruhm kam. Horst Wessel war ein kleines Licht in der SA. Viel hatte er bisher nicht erreicht. Seine Freundin lässt er bei sich einziehen. Die Vermieterin fordert dafür gerechtfertigterweise Miete, die Wessel nicht zahlen will. Doch die Vermieterin hat noch Kontakte zu den Schlägertrupps der KPD. Es kam wie es kommen musste: Radau, Randale, ein Mord. Goebbels machte aus dem kleinen Licht eine Legende. Übrigens: Beim Prozess gegen die roten Schläger war unter den Verteidigern auch Hilde Benjamin, die spätere DDR-Justizministerin. Unter anderem verantwortlich für so manchen Schauprozess. Wie sich die Zeiten doch gleichen …

Zweiunddreißig Verbrechen lässt die Autorin Dr. Regina Stürickow noch einmal Revue passieren. Machen Sie sich gefasst auf einen Stadtrundgang der ganz besonderen Art.

My big art show

My big art show

Fünf in einem – das klingt doch nach fünf Mal Spaß, fünf Mal Wissen. Es klingt nicht nur danach, es ist fünf Mal Spaß, fünf Mal Wissen.

Zuerst einmal muss man die Box öffnen – es handelt sich um Kunst also ist das Öffnen gar nicht so einfach. Denn die Box hat einen Magnetverschluss an der Seite. Man öffnet sie wie ein Buch. Unter den Spielregeln befinden sich 54 große Spielkarten in Postkartengröße. Diese sind markiert mit der Stilepoche, den Motiven, Bekanntheitsgrad und dem Wert der Bilder. Und natürlich sind Titel und Künstler vermerkt.

Nun kann es losgehen. Man spielt es entweder wie Rommé. Die Karten sollten in Stilrichtung und Thema passen. Oder! Man sucht Kunstpaare. Oder! Man spielt es wie beispielsweise ein Autoquartett, der höchste Wert gewinnt. Oder! Man sammelt Karten für eine Kunstausstellung. Das Thema muss also vorher festgelegt werden. Oder! Man errät durch geschickte Fragen den Künstler. Hilfestellung gibt das beiliegende Heft.

Aber Vorsicht! Es gibt auch Sonderkarten, die die ganze Arbeit eines Spiels zunichtemachen können!

Wem Kunst bisher nur als „Ist das Kunst oder kann das Weg?“ unter die Augen kam, wird schon nach der ersten Spielrunde Blut lecken. So anschaulich wurde Kunst und ihre Geschichte noch nie vermittelt.

Tatort – Das Spiel

Tatort - Das Spiel

Ermitteln Sie anhand der folgenden Fakten das Verbrechen, den Täter und das Motiv! 336 Fragekarten, 15 Bonuskarten., 25 Chips, sechs Spielsteine, ein Notizblock. Ihr Ermittlungsgebiet umfasst 40 mal 30 mal 5 Zentimeter. Das Verbrechen: Mörderischer Spielspaß aus vier Jahrzehnten Fernsehunterhaltung. Der Täter: Es sind mehrere Täter. Zum Einen das Erste, die ARD. Zum Zweiten der moses-Verlag. Das Motiv: Warum nicht?

Seit mit „Taxi nach Leipzig“ vor über vierzig Jahren der erste Tatort in die Stuben flimmerte, ist der Tatort zu einer wirklichen Institution geworden. Wenn am Sonntagabend das Wetter für die nächsten Tage verkündet wurde, ertönt Klaus Doldingers eingehende Melodie. Im Fadenkreuz des Zuschauerinteresses stehen nun 90 Minuten lang menschliche Schicksale, perfide Täter und bemitleidenswerte Opfer. Manche Schauspieler kann man sich kaum noch in anderen Rollen als der des Kommissars vorstellen. Andere Ermittler wiederum hätte man sich nie als Staatsdiener vorstellen können. So abwechslungsreich wie die Geschichten und Darsteller sind auch die Drehorte. Münster beispielsweise verzeichnet seit dem Eintreffen von Axel Prahl und Jan-Josef Liefers einen enormen Anstieg bei den Übernachtungen. Wenn die Filmcrew sich für ein paar Tage und Wochen in einer Stadt einmietet, sind die Fans nicht weit.

Nach 44 Jahren und, ja wie viele Episoden gibt es eigentlich? – Ach ja, das erfährt man in diese Spiel – wird es Zeit, dass dem Dauerbrenner eine spielerische Ehre zuteil wird.

Francois Werner ist ein echtes Tatort-Lexikon auf zwei Beinen. Jetzt hat er sein Wissen in ein Brettspiel verwandelt. Durch Tatort-Wissen und mit ein bisschen Glück steigt man auf der Karriereleiter nach oben. Wer als erstes zum Ersten Kriminalhauptkommissar ernannt wird, hat gewonnen.

Die Fragen sind in die Kategorien Classics, Modern Times, Faktenchecks, Städte, Kuriositäten und Backstage eingeteilt. Vieles kann man wissen, nur wenige wissen alles. Und nicht immer ist es ratsam sich an der Spitze aufzuhalten. Denn wer hinten liegt, legt vor.

Ein kniffliges Spiel, das mehrere Runden dauert, das dem Kult Tatort huldigt und so manch verborgenes Geheimnis preis gibt.

Bestiarium

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Im Zoo ist das Staunen oft groß, ob der Dinge die die Insassen vollführen. Doch diese Tiere gibt es wirklich. Was ist aber mit den Arten, die in den Lexika der Fauna nur noch als Zeichnung existieren? Tiere, die mal waren, und die es nicht mehr gibt? Sollen sie dem Vergessen anheimfallen? Luc Semal hat ihnen ein prächtiges Denkmal gesetzt.

Neunundsechzig Tiere hat er in seinem Bestiarium gesammelt und die Ergebnisse seiner Recherchen niedergeschrieben.

In chronologischer Reihenfolge, nach dem Zeitpunkt ihres Aussterbens, gibt er dem Leser einen beeindruckenden Überblick über die Tiere, die man so nie wieder zu Gesicht bekommen wird. Nicht in Zoologischen Gärten und schon gar nicht in freier Wildbahn.

Dabei kommen zum Teil kuriose Gestalten zu Tage. Der Elefantenvogel wurde bis zu drei Meter groß. Und er wurde – das sind allerdings vage Vermutungen – in der Mitte des 17. Jahrhunderts ausgerottet.

Jedem Tier widmet der Autor eine Seite, gegenüberliegend ein großformatiges Bild des „Opfers“.

„Bestiarium“ ist durch die Gewalt der Bilder ein Mahnmal für Artenschutz. Denn dieses Buch ist mit über 160 Seiten dick genug. Da muss nicht noch ein Kapitel hinzugefügt werden. Der elegante Schwarzdruck – alle Seiten sind im bedeutungsvollen schwarz gehalten – verleiht dem Buch den nötigen Nachdruck. Wer noch keine Weihnachtsgeschenke hat, kann die Suche hier abbrechen. Dieses Buch ziert jeden Gabentisch!

50 Tiere, die unsere Welt veränderten

50 Tiere, die unsere Welt veränderten

Wenn man sich den Titel durchliest, kommt man automatisch ins Grübeln. Klar, mein Fiffi hat mein Leben bereichert. Und Miezi ebenso. Aber dann darüber ein Buch zu verfassen, scheint reichlich übertrieben. So weit, so richtig. Wenn es denn nur um Hunde und Katzen gehen würde. Wenn man sich weiter mit dem Thema beschäftigt, kommen Einem noch ganz andere Viecher in den Sinn. Ratten – wer will die schon um sich haben? Wanderfalken sind mancherorts so teuer wie hierzulande hochpreisige Autos. Rinder – na klar, als Steak, Milchlieferant, Bekleidungssichersteller etc.

Eric Chaline hat noch weitere Tiere gefunden, die unser Leben nachhaltig beeinflusst haben. Vor gar nicht mal so langer Zeit, wenn man bedenkt wie alt unsere Welt schon ist, wurden unteranderem Lampen mit Fischöl betrieben. Im Zeitalter von „Stecker rein – fertig“ undenkbar.

Löwen haben unser Leben ebenso verändert. Ganz simpel: Man denke nur daran wie viele Wappen und Flaggen durch einen Löwen gekrönt werden. Oder wie viele Menschen sich einen Löwenkopf als Tattoo stechen lassen. Unzählige Reliefs, Bilder und Statuen ziert ein Panthera leo.

Beim Lesen verfällt man schnell in eine Staun- und Wissensstarre. Staunend liest man von Tieren, die man zwar kennt, aber über deren Bedeutung man niemals auch nur einen Gedanken verschenkt hat. Sie waren halt da. Ein Pferd zum Beispiel. Das kennt man. Sieht man oft genug im Fernsehen. „Lieblingsspielzeug“ von Mädchen. Ob als Springpferd, zum Ausreiten, zum Striegeln – in historischen Filmen sieht man Pferde als Nutztiere, die den Acker pflügen. Alles schon mal gesehen. Bei Pferdewurst hört der Spaß allerdings auf.

Eric Chalines Buch öffnet die Augen für die Bedeutung von Tieren, mit denen wir seit Ewigkeiten zusammenleben. Sie bereichern nicht nur unser Leben, sie haben es entscheidend beeinflusst. Und das Buch trägt zum Nichtvergessen bei. Oder haben Sie schon mal einen Dodo gesehen? Und warum hat der Kabeljau unser Leben verändert? Und welchen Einfluss hat ein Pärchenegel auf unser Leben?