Archiv der Kategorie: aus-erlesen wissen

Iran – Weltreich des Geistes

Iran - Weltreich des Geistes

Weltreich des Geistes – wenn man die Nachrichten verfolgt, bekommt man ein anderes Bild gezeigt von diesem so spannenden Land. Micheal Axworthy rückt die Realität ins rechte Licht.

Das persische Reich ist vielen ein Begriff. Dank auch der zahlreichen überlieferten Schriften über Alexander des Großen, der vor über zweieinhalb Jahrtausenden in Persien einfiel und seine bis heute sichtbaren Spuren hinterließ. Das Projekt Iran ist vielschichtig und umfangreich, so dass es einem schwer fällt an das Buch zu glauben. Doch Micheal Axworthy schafft es mit Eloquenz und Faktenwissen den Leser ans dieses Thema heranzuführen. Ein Rundumschlag in Weltgeschichte.

Zoroaster, den man heutzutage auch als Zarathustra kennt, über die Achämeniden, Parther und Sassaniden bis hin zu den ersten Arabern, die den Islam im heutigen Iran verwurzelten und den Herrschern der jüngsten Vergangenheit – der Autor lässt kein Detail aus. Um auszuruhen (bei so viel Geschichte auf einmal braucht man auch mal eine Verschnaufpause) flechtet er das ein, was die Menschen des Iran auszeichnet. So kann ein erstaunlich hoher Anteil der Bevölkerung ganze Gedichte der Nationaldichter auswendig. Das ist Nationalstolz. Man frage doch mal die PEGIDA-Demonstranten, ob sie den „Osterspaziergang“ oder gar „Die Glocke“ aufsagen können. So viel zum Nationalstolz.

Die Geschichte Irans – das Land hieß schon immer so, seit dem letzten Schah ist es auch „offiziell“ – ist geprägt vom Hin und Her der Herrschenden. Aber auch von wissenschaftlichen Forschungen, die uns auch noch zugutekommen. Erst in den vergangenen Jahrhunderten wurde der Iran teils zum Spielball der Großmächte.

Die einstigen Machthaber wie Ayatollah Khomeini und Mahmud Ahmadinedschad trieben es auf die Spitze und die Strategen in den Ministerien der USA, Großbritanniens und andere Länder in den Wahnsinn. Geradlinigkeit im Iran gehört nicht zu den Sachen, auf die man sich verlassen kann. Nichtsdestotrotz erfährt der Tourismus in den Iran seit ein paar Jahren einen nie dagewesenen Höhenflug. Städte wie Isfahan, Yazd, Shiraz und Teheran werden von immer mehr Touristen besucht. Stätten wie Persepolis laden auf ihre Art zum Verlaufen ein.

Nicht nur deswegen ist es wichtig sich mit dem Iran vor einer Reise mehr als nur aus einem Reiseband zu informieren. Das Land ist eine Reise wert. Dieses Buch allemal.

Das Rätsel der Königin von Saba

Das Rätsel der Königin von Saba

Dank der unzähligen Gazetten der Yellow-Press wissen wir heute so ziemlich alles über die gekrönten Häupter der Welt. Und wenn nicht, so kennen wir doch die Namen der Regenten und Repräsentanten. Die sagenhafte Königin von Saba hingegen ist und bleibt ein Rätsel. Selbst ihren Namen kennen wir nicht. Hieß sie Miriam? Oder gab es sie überhaupt?

Ulfried Kleinert macht sich auf Spurensuche und findet tatsächlich Hinweise, die darauf deuten, dass es diese sagenhafte, kluge und – wiegen wir uns in diesem Glauben – schöne Frau gab. Sie taucht sowohl im Alten als auch im Neuen Testament auf. Sie ist gewitzt, neugierig und mit einer gewissen Schläue beschlagen. Was ihr am Hofe von König Salomo in Jerusalem nur Vorteile einbringt. Denn als sie abreist, wird sie mit Kostbarkeiten überhäuft. Soweit die Legende.

Das Königreich Saba lag dort, wo sich heute der Jemen befindet. Wer viel, und vor allem gern reist, dem läuft bei dem Gedanken an prächtige Souks und fremde Gerüche das Wasser im Munde zusammen. So ähnlich ging es wohl auch dem Autor. Voller Elan machte er sich ans Werk und durchforstete Bibliotheken nach Schriften und Deutungen der Königin von Saba. Dem Leser soll’s recht sein. Denn er ist mittendrin in Mythendschungel der Antike.

Und er beginnt gleich mit einem Paukenschlag. Ein Treffen zwischen dem König von Jerusalem (Salomo) und der Königin von Saba (?) hat es wahrscheinlich nie gegeben. Da interessiert man sich für die Bibelgeschichten, will an die Stätten der Geschichte reisen und dann wird man nie den Ort zu sehen bekommen, an dem sich die beiden getroffen haben… Wie schade.

Nicht für den Leser! Er darf weiter mit Ulfried Kleinert reisen. Der erläutert exakt, wissensreich und wortgewandt archäologische Funde und setzt sie in den richtigen Kontext. Da vergisst man leicht, das nie stattgefundene Treffen. Wie im Fluge vergeht die Zeit, wenn man sich in die Geschichte hineinversetzt. Selbst wer nicht so bibelfest ist, wird Zeile für Zeile zum Kenner.

Mailand – Gesichter einer Stadt

Mailand - Gesichter einer Stadt

Ulrike Rauh war wieder unterwegs. Wieder Italien. Wieder eine zauberhafte Reisebeschreibung. Nach ihren Streifzügen durch Venedig, Sizilien, Ischia und Florenz zog es sie wieder in den (reichen) Norden, und zwar nach Mailand.

Bei ihren Streifzügen merkt sie ein ums andere Mal, dass Mailand mehr als Dom und Scala ist. Hier wirkten Verdi, Bellini und Donizetti. Leonardo da Vinci hinterließ hier mehr als nur einen Fußabdruck. Mailand ist auch mehr als eine der führenden Modemetropolen Europas.

Dennoch – oder gerade deswegen – macht sich Ulrike Rauh auf Spurensuche der bekannten Sehenswürdigkeiten. Denn nur weil sie bekannt sind, heißt es ja nicht, dass es nichts mehr zu entdecken gibt. Ulrike Rauhs Buch ist der lebende bzw. gedruckte Beweis. Es lebt von Mailands Flair.

Mit Ulrike Rauh durch Mailand zu schlendern gleicht einer Bootsfahrt. Leise und im gemäßigten Tempo folgt man dem Fluss durch die Häuserschluchten und Parks der lombardischen Metropople. Ulrike Rauh entdeckt aber auch überall etwas, dass es wert ist darüber zu berichten. Und das ohne dabei aufdringlich zu sein. Eine Anekdote hier, ein kurzer Lebensabriss da, Staunen allenthalben.

Der Dom als Wahrzeichen der Stadt ist zentraler Anlaufpunkt für jeden Mailandbesucher. Jeder, der die Stadt beschrieb, ließ sich dazu aus. Man kennt ihn. Nicht ganz! Da man auch nicht jedes Buch über den Dom gelesen habe kann, tun die Entdeckungen der Autorin doppelt gut. Sie hat viel gelesen, gehört aufgeschnappt und komprimiert ihr Wissen in den kurzweiligen Kapiteln ihres neuen Buches.

Dass Mailand den Spagat zwischen Tradition und Moderne meistert, beweist auch Ulrike Rauh gleich mit den ersten Zeilen des ersten Kapitels. Sie verknüpft die moderne Metro der Stadt mit Zitaten von Goethe und Stendhal. Nicht viele Städte können so viel Geschichte(n) vorweisen. Und noch weniger so informative und kenntnisreiche Bücher wie da von Ulrike Rauh über Mailand.

1914 – 1918 Krieg(e) in Luxemburg

Krieg(e) in Luxemburg

Das Jahr 2014 neigt sich dem Ende und somit auch die Berichterstattung zum Ersten Weltkrieg, dem Großen Krieg. Den Abschluss, den würdigen Abschluss bildet dieses Buch, weil es den Krieg aus verschiedenen Perspektiven, aus und in einem Land zeigt, das man nicht unbedingt mit dem Großen Krieg in Verbindung bringt: Das Großherzogtum Luxemburg.

Luxemburg war keines der kriegstreibenden Länder. Es war Auf- und Durchmarschgebiet besonders für die deutsche Armee. Die Schwerindustrie in dem verhältnismäßig kleinen Land war jedoch maßgebend. Das Buch ist in Zusammenarbeit mit der Université du Luxembourg entstanden. Und in zwei Sprachen, deutsch und französisch, erschienen. Schon beim Durchlesen der Inhaltsangabe staunt man nicht schlecht wie viele Aspekte man zu diesem Thema erörtern kann: Fotografie, Prostitution (ohne dabei einen Zusammenhang herzustellen), Landwirtschaft, Rotes Kreuz, um nur einige zu nennen.

Fotografie war Waffe, Dokumentationsmittel, Aufklärungswerkzeug und Propaganda zugleich. Auch von Luxemburger Seite wurde getrickst. Als besetztes Land durchaus erlaubt. Von allen Fronten wurden Postkarten an die Daheimgebliebenen geschickt – heute sind diese Funde Zeugnisse einer grauenhaften Epoche.

Der Prostitution konnte man auch hier nicht Herr werden. Ein Gesetz verbot zwar das „Geschäft mit der Liebe“, aber nicht überall. Zum Beispiel wurden Gaststätten ohne Alkohollizenz von dem Verbot ausgenommen. Auch so genannte Cremerien, dem Pedant zur Patisserie. Schlupflöcher lauerten schon damals überall.

Die Misere der Landwirtschaft wird anschaulich durch Tabellen dargestellt. Die Anzahl der Milchkühe sank um zwölf Prozent, die der Schweine sogar um mehr als ein Drittel. Auswirkungen, die mit dem Ende des Krieges nicht abgeschafft waren.

Die achtzehn Autoren dieses interessanten Buches lassen die Fakten für sich sprechen. Anhand von Tabellen, Zeitungsausschnitten, Buchtexten und zahlreichen anderen Quellen umgehen sie die Fallen des Wiederauflebens dieser schrecklichen Zeit. Sie bilden lediglich ab, was wirklich passierte und rücken die Sachlage zurecht.

Die kürzeste Geschichte der Wissenschaft

Die kürzeste Geschichte der Wissenschaft

Wenn ich groß bin, werde ich Wissenschaftler. Ein hehres Ziel. Aber auf welchem Gebiet? Liest man sich den Titel durch, kommt einem nur eine Gedanke in den Sinn: Welche Wissenschaft? Geht es um Physik, Chemie, Astronomie? Da könnte man auch gleich fragen, welche Wissenschaft die Wichtigste ist? Und was ist mit den Schnittstellen der Forschungsbereiche? Keine Angst vor dem Alltäglichen! Wissenschaft ist keine Hexerei, auch wenn sie oft als solche angesehen und verfolgt wurde.

William Bynum zieht einen weiten Bogen, vom Babylon der Antike bis ins heutige digitale Zeitalter. Vieles, was uns so selbstverständlich erscheint, hat uralte Wurzeln und ist … Wissenschaft. Unser Zahlensystem, Schrift und Kalender wären ohne Wissenschaft nicht vorhanden. Leichtfüßig hüpft der Autor von Wissenschaftszweig zu Wissenschaftszweig und zeigt dem interessierten Leser, was Wissenschaft alles so hervorgebracht hat. Er erklärt Phänomene und stellt ihre Entdecker und Forscher vor.

Der Anekdotenreichtum kennt keine Grenzen, ähnlich dem Universum. William Bynum kennt sie alle: Paracelsus und Ptolemäus, aber auch die unbekannten, unbesungenen Helden der Forschung.

Dieses Buch ist ein Genuss! Für jeden, der die Augen offenhält und sich die Neugier bewahrt hat. Hier treffen harte Fakten auf Schöngeist und Sprachgewalt. Ein Big Bang der Sachbücher! Und der Titel orientiert sich an einem der größten noch lebenden Wissenschaftsgenies, an Stephen Hawking. Dieser bezeichnet seine Bücher auch immer als „kürzeste Geschichten“. William Bynum steht ihm in nichts nach.

Pollock

Pollock

Jackson Pollock? Das ist der der, der nur auf die Leinwand gekleckst hat. Das kann ich auch! Bis zum 12. November 2013 war „No. 5“ von Jackson Pollock das teuerste Gemälde, das je bei einer Auktion verkauft wurde. Für 140 Millionen Dollar! So was kann dann doch nicht jeder.

Catherine Ingram geht dem gespaltenen und umstrittenen Maler auf den Grund. Als kleiner Junge zog Jackson Pollock oft mit seinen Eltern von einem Ort zum Anderen. Harte Arbeit kannte er von Kindesbeinen an. Diese Erfahrungen prägten sein ganzes Leben. Er sah sich mehr als Arbeiter, denn als Künstler.

Wer nur das Drip-Painting kennt, wird sich an den ersten Werken kaum an den herausragenden Künstler der späten Jahre erinnert fühlen. Das wütende Element des Action-Painting trat in den frühen Bildern nur rudimentär in den Vordergrund. Cowboy-Phantasien wie in „Going West“ waren vorherrschend.

Als er eine Ausstellung mit Bildern amerikanischer Ureinwohner besuchte, machte es bei dem unterbezahlten Maler klick. Hier sah er seine Zukunft. Dass er mit seinen Werken einmal ausreichend Geld verdienen könne, war noch eine Wunschvorstellung. Doch sie wurde bald Realität. Spätestens als die Kunstmäzenin Peggy Guggenheim ihm, dem wilden, unberechenbaren Künstler eine Ausstellung widmete, war sein Name eine Begriff unter Kennern. Er wechselte die Techniken, die Manager, jedoch nie seine Frauen. Lee Krasner – ebenfalls Künstlerin – war seine Konstante. Sie ließ ihm die Freiheit, die er brauchte und trieb ihn immer wieder an. Auch in harten Zeiten, in denen das Geld nur spärlich floss, stand sie zu ihm. Auch wenn Abgabetermine näher rückten, rückte sie ihm nicht auf die Pelle, sondern gab ihm Kraft.

Doch der Alkohol machte ihm so manches Mal einen Strich durch die Rechnung. So passt es in die Biographie eines Getriebenen, dass Jackson Pollock wie ein Wahnsinniger mit seinem Wagen in den Tod raste.

Das Buch bietet einen umfassenden Einblick in Leben und Wirken eines bedeutenden Künstlers des 20. Jahrhunderts. Seine Reputation ist nicht einzig auf den Verkaufswert seiner Werke zurückzuführen. Vielmehr war er der wohl amerikanischste Maler unter den Malern Amerikas. Die einzelnen Kapitel sind durch kurze Comic-Strips aufgelockert, die einzelne Episoden aus dem Leben Pollocks eindrucksvoll untermalen. Die Bildtafeln vermitteln einen Eindruck vom Werdegang dieses Mannes, der immer noch umstritten ist und dessen Leben als Film (zurecht) mit einem Oscar belohnt wurde.

Das österreichische Weinkochbuch

Das österreichische Weinkochbuch

Der Küchenwein als bester Freund des Kochs? Und des Gastes, des zu Bekochenden. In Veltliner gebeizte Lachsforelle mit Marillenchutney, roh mariniertes Rabenwalder Bio-Saiblingsfilet mit Hirschbirnenmostkraut und Paprika. Zwei Gerichte, die nur ein Urteil erlauben: Lebenslänglich Wein zum / ans Essen. Da lässt man sich gern einsperren im Kerker des guten Geschmacks.

Isa Savec ist durch Österreich gewandert und hat Genuss-Geschichten gesammelt. Sie durchstöberte Küchen und Weinkeller und was ihr da an Wohldüften und aus Flasche und Topf in die Nase und an den Gaumen stieg, ist mehr als nur eine Probe wert.

Und jetzt kann man das alles nachkochen, kosten, genießen, sich verführen lassen. Winzer und Gastwirte kredenzten erst der Autorin und nun dem Leser ihre Schätze und ihr Können. Die einzelnen Weingüter und Gasthöfe werden vorgestellt – ideal zum Bereisen der Regionen, denn so weiß man schon vor der Reise, was einen erwartet – bevor die Rezepte genussreich und detailliert beschrieben werden. Die Weinempfehlung gibt es gratis dazu.

Wer sich gern kulinarisch verwöhnen lässt und einen guten Tropfen zu schätzen weiß, wird in diesem Buch einen befriedigenden Tischnachbarn haben. Die Vielfalt an Gerichten und Zutaten begeistert und weckt die Reiselust. Rehrücken mit Artischockengröstl und Lavendelsauce – schon beim Lesen läuft einem das Wasser im Munde zusammen. Kalbsbeuschel mit Brezenknödel – nicht nur das Bild macht Appetit.

Falsch reisen

Falsch reisen

Warum reist dieser Mann noch? An jedem Ort der Erde erfährt er schreckliche Dinge. Dinge, die ihn aufregen, ihn den Urlaub vermiesen. Ist er Masochist? Nein, Martin Amanshauser ist Weltenbummler und Weltbürger. Er spricht nur das aus, was Viele von uns nur denken.

Er ist viel rumgekommen in der Welt. Und wer sich bewegt, kommt vorwärts und erlebt so manch Unerhörtes. Naja, unerhört bleibt es nun dank dieses Buches ja nicht mehr. Man möchte oft schreien – Martin Amanshauer schreit. Beispielsweise, wenn man nur einen schnöden Cheeseburger bestellen möchte. Und die Frage „Möchten Sie Käse auf ihren Cheeseburger?“ eine Antwort geben muss. Ja, was denn sonst! Es ist doch ein Cheeseburger. Martin Amanshauser nennt diese Kapitel selbst „Schreikapitel“. Zum Schreien komisch!

Jeder kennt solche Situationen. Man sitzt in einem – immer beliebter werdenden – Reisebus. Nach jeder Haltestelle kommt der Hinweis, dass in Deutschland Anschnallpflicht besteht. Dabei ist man doch längst in Tschechien oder schon in Österreich. Oder der ewige Singsang wie das WLAN im Bus funktioniert. Der Ersatzfahrer erklärt fortwährend dem Fahrer, der sich eigentlich auf die Straße konzentrieren soll, die Welt á la „die Tschechen fahren genauso besch… wie die Deutschen.“ Und über allem prangt das Warnschild, dass Gespräche mit dem Fahrer während der Fahrt zu unterlassen sind.

Apropos Reisemittel: Martin Amanshauser bezeichnet sich selbst als T-Typ. Das T steht für thin, also dünn. Er hat das seltene Glück im Flieger generell neben einem F-Typen zu sitzen. In diesem Fall steht das F – man kann es sich schon denken – für fat. Für den Leser ist es ein Genuss wie der Autor das Herüberquellen der F-Massen auf den eigenen Sitz beschreibt. Für Amanshauser beginnt die Aufarbeitung dieses Traumas mit dem Schreiben des Kapitels über da Economy Class Syndrom.

Immer wieder gerät Martin Amanshauser in Situationen, die viele kennen. Politisch unkorrekt regt er sich nicht nur still darüber auf, er gibt den Millionen Geschundenen eine Stimme, wird zum Wortführer der Genervten, von Repressalien erniedrigten Reisenden. Er verhehlt nicht, dass viele seiner Reisen Arbeit waren und sind. Er wird eingeladen in der Hoffnung einen salbungsvollen Text in einer Zeitung oder Zeitschrift zu platzieren. Günstige Werbung für das Hotel, den Reiseveranstalter oder die Destination. Aus der Sicht des potentiellen Reisenden muss Amanshauser nun objektiv berichten, was den Besucher vor Ort erwartet. In diesem Buch macht er seinem Ärger Luft, verschafft dem Bluthochdruck eine Pause und amüsiert den Leser von der ersten bis zur letzten Seite.

Sri Lanka

Sri Lanka

Es wirkt fast wie eine Träne, die von Indien herabtropft: Sri Lanka. Und es ist wahrlich so. Jeder, der die Insel unweigerlich verlassen muss, trägt eine Träne im Knopfloch. Diese fremde Kultur, die saftige Natur, die Freundlichkeit der Menschen, das Angebot an Ausflügen, Wellness und Erholung ist erschlagend.

Wer in Sri Lankas Kultur eintauchen will, muss sich von Vornherein über eines im Klaren sein: Sri Lanka ist anders. Und damit der Kulturschock nicht allzu tief sitzt, gibt es Reisebücher wie dieses von Rainer Krack und Joerg Dreckmann. Auf sechshundert Seiten geben sie dem interessierten Leser die Infos, die man braucht, um dieses einzigartige Land gebührend zu genießen.

Die beiden Autoren sind in erster Linie Ratgeber. Was sie von anderen Autoren – und somit auch das Buch von anderen Reisebüchern –  unterscheidet, ist die Tatsache, dass sie in keinem Moment den Leser loslassen. Fast wie in einem Roman vermischen sie Fakten mit eigenen Eindrücken. Die Landesküche ist schnell kein Buch mehr mit sieben Siegeln. Eine Unterkunft finden? Kein Problem!

Wer die Sprache nicht beherrscht, kommt in Gesprächen nicht weit. Ein kleines Wörterbuch schafft das schnell Abhilfe und erleichtert den Einstieg in eine kurze Konversation. Kleine Infokästen – farbig abgesetzt – zeigen dem Leser / Besucher die Besonderheiten der Region, der Stadt, des Landstriches auf.

Sri Lanka auf eigene Faust erkunden ist kein leichtes Unterfangen. Da muss sich gut vorbereiten. Eine Arbeit, die viel abschreckt. Man kann es sich aber auch einfach machen und die sechshundert Seiten ganz gemütlich lesen. Damit sind 99 Prozent der Arbeit schon erledigt. Wer Sri Lanka erfahren, erleben möchte, braucht einen (oder wie in diesem Fall zwei) Experten. Rainer Krack und Joerg Dreckmann sind erfahrene Reiseleiter, die in diesem Buch gern und ausführlich ihre Dienste anbieten.

Syrien – Sechs Weltkulturerbestätten in den Wirren des Bürgerkrieges

Syrien

Drei Jahre Krieg zerstören tausende (!) Jahre Kultur! Es ist zum Heulen, wenn man die Nachrichten sieht und im Anschluss dieses Buch liest. Zugegeben, über Syrien ist wenig bekannt. Wer tiefer in die Materie eingetaucht ist, tat dies aus persönlichen oder beruflichen Gründen. Touristisch war Syrien nie der große Magnet im Nahen Osten. Besucher des östlichen Mittelmeeres und des (heute) arabischen Kulturraums blieben zum Großteil in Antalya oder Hurghada hängen.

Zur Zeit ist Syrien auch nicht gerade ein Sehnsuchtsziel von Touristen. Das syrische Regime und die zersplitterten Gegner des selbigen liefern sich erbitterte Kämpfe. Dabei bleiben nicht nur unzählige Menschen auf der Strecke, sondern auch unwiederbringliche Kulturgüter. Die Plünderungen in den Museen sind beispiellos. Sechs Stätten in Syrien stehen unter dem symbolischen Schutz der UNESCO. Doch auch die Weltorganisation kann nichts gegen die blinde Zerstörungswut tun. Hinzu kommen die zahlreichen Plünderer, die schnell über die Grenze huschen, nicht min der schnell zuschlagen und wieder verschwinden. Auf diese Weise sind schon Tonnen von wertvollen Relikten wahrscheinlich auf Nimmer wiedersehen verschwunden.

Mamoun Fansa hat eine Reihe Experten gebeten die Geschichte der UNESCO-Welterbestätten Syriens in diesem Buch zu beschreiben, ihre Bedeutung hervorzuheben und ein eindrucksvolles Buch zu gestalten. Die Altstädte von Aleppo, Bosra und Damaskus, die Ruinen von Palmyra, die antiken Dörfer in Nordsyrien und die Festungen Krak des Chevaliers und Qal’at Salah ad-Din wurden schon teils vor Jahrzehnten in die Liste der erhaltenswerten Kulturgüter der Menschheit aufgenommen. Im Falle von Aleppo kann der Zuschauer fast täglich zusehen wie ein Gebäude nach dem anderen dem Erdboden gleichgemacht wird. Oft (schon einmal ist einmal zu viel) unter dem Deckmantel der Religion.

Die Autoren führen durch unberührte – unzerstörte – Tempelanlagen, durch geschäftige Gassen und prächtige Basare. Doch sie führen auch durch Gesteinswüsten, die der Menschen geschaffen hat. Granateinschläge, Dauerbeschuss und Raketenangriffe haben tiefe Einschnitte in den Stadtbildern eines ganzen Landes hinterlassen. Umso erfreulicher ist es, dass es noch Aufnahmen gibt, die belegen, dass hier mehrere Wiegen unserer Zivilisation stehen.

Dieses Buch ist eine Mahnschrift. Wider das Vergessen, gegen blinden Zerstörungshass, und eine Mahnschrift, dass auch außerhalb unserer ach so zivilisierten Welt Grundlagen geschaffen wurden, die uns heute wie selbstverständlich erschienen. Beispielsweise wurde im heutigen Syrien das erste Alphabet auf der Grundlage von 26 Buchstaben erschaffen. Was wären wir heute ohne diese Leistung? Eine Kultur ohne Bücher. Ohne Bücher wie dieses!