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Ins Bockshorn gejagt

Ins Bockshorn gejagt

Nun brat mir aber einer ‘nen Storch! DA war aber wieder einer fleißig wie die Bienen und hat nicht die Mücke, sondern sich die Mühe gemacht Sprichworten und Redewendungen auf den Grund zu gehen. Auf einhundertsechzig Seiten wird der Frage nachgegangen, welchen Einfluss Flora und Fauna auf unser Zusammenleben sprachlich haben. Es ist erstaunlich, wenn man die Fülle und Güte der Zitate betrachtet.

Im alltäglichen Umgang mit Familie, Freunden und Kollegen ist uns dieser Umfang kaum bewusst. Das laust einen der Affe, wenn man so manchen Schussel sieht, wenn er sich wie der Elefant im Porzellanladen benimmt. Belustigt verziehen wir die Mundwinkel, wenn ein Satz ins Schwarze trifft. Über dessen Ursprung machen wir uns natürlich keine Gedanken. Hauptsache wir verwenden den Satz richtig!

Bruno P. Kremer und Klaus Richarz geben in diesem amüsanten wie lehrreichen Büchlein Hilfestellung. Denn wer weiß schon woher der Satz stammt „Über den grünen Klee loben“? Da haben wir den Salat. Alle benutzen die Redewendung – richtig oder falsch – aber wo der Satz seinen Ursprung hat, weiß wieder mal keiner.

In Zeiten, in denen die Medien eine derart vorherrschende Rolle spielen, ist es wichtig sich auf die Wurzeln besinnen zu können. Das gilt nicht nur für den Satzbau, sondern auch für die zahlreichen Feinheiten, die Sprachen voneinander unterscheiden. Denn Redewendungen sind das unique Kulturgut eines Volkes. Kein Übersetzungsprogramm der Welt kann dem gerecht werden. Da haben wir Leser Schwein gehabt, dass es dieses Buch gibt, wir nicht länger als dumm Hühner gelten und unsere Schäfchen ins Trocken bringen können.

Die Welt des Sherlock Holmes

Die Welt des Sherlock Holmes

Baskerville, Dartmore, Baker street, Moriarty – jeder kennt diese Namen. Sie sind die Topographie des Bösen. Aber auch des genialen Reiseleiters durch die Untiefen der menschlichen Psyche. Schottland, Kricket und die Eltern sind die Ausgangsorte.

Schon auf den ersten Seiten lüftet Maria Fleischhack – Mitglied des Podcasts „The Baker Street Babes“ – so manches Rätsel. Zum Beispiel wie Arthur Conan Doyle auf die Namen der handelnden Personen kam. Bereits die kurze Biographie über den Autor des berühmtesten Detektives weltweit lässt die Spannung ansteigen.

Sherlock Holmes wurde in sechzig Geschichten verewigt. Er kann durchaus als Vater der Kriminalistik angesehen werden. Denn seine Art ein Verbrechen zu lösen, wird heute noch praktiziert. Nicht nur fiktional, sondern real. Finger- und Fußabdrücke zu nehmen, ballistische Untersuchungen, graphologische Expertisen – dass alles kennen die Kommissare der Gegenwart. Einige Verfahren, wie der Blutnachweis in verdünnter Form, wurden von Arthur Conan Doyle in der Welt der Wissenschaft recherchiert und durch seinen Ziehsohn Sherlock Holmes einem breiten Publikum zugängig gemacht.

Doch Holmes allein wäre kaum in der Lage all die kniffligen Fälle zu lösen. Arthur Conan Doyle gibt dem analytischen Geist den weltgewandten Watson an die Hand. Auch die Vermieterin Mrs. Hudson trägt unbewusst als Ruhepol in der Rückzugshöhle Baker street 221b zum Erfolg der Missionen bei.

Und was wäre Holmes ohne die Schurken? Sein literarischer Ruhm würde sich stark in Grenzen halten. Die einzelnen Charaktere werden von Maria Fleischhack genau unter die Lupe genommen (Sherlock Holmes ist der erste Detektiv mit diesem Werkzeug). Ihre Biographien und die der „Helfer“ lassen so manchen Sherlock-Holmes-Lesefan die Augen öffnen. Denn Arthur Conan Doyle verwendete zwar nicht immer viel Akkuratesse bei der Ausschmückung der „Nebenrollen“, doch gab er hier und da Hinweise auf deren Herkunft.

Wer Sherlock Holmes nur als den markanten Basil Rathbone oder den smarten Benedict Cumberbatch kennt, wird in den Romanvorlagen einen ganz anderen Ermittler erkennen. Wer sich an die Fersen von Maria Fleischhack heftet, wird die ganze Welt des Sherlock Holmes erkennen. Viele Romane muss man noch einmal lesen, die Filme noch einmal schauen, da so Vieles bisher unentdeckt blieb. Keine schlechte Ausbeute für die Detektive unter den Leseratten.

Englisch ist nicht easy

Englisch ist nicht easy

Die Queen grüßt selbstbewusst vom Cover und meint, dass man im Gegensatz zu ihr kein Englisch spreche. Das kann man nicht auf sich sitzen lassen. Wir alle hatten irgendwann über einen kurzen oder längeren Zeitraum Englischunterricht. Der war von öde bis hochgradig spannend. Im Osten Deutschlands bis vor einem Vierteljahrhundert auch ziemlich bizarr (Jenny and Dave are visiting the Palace of the republic. „What a beautiful town“).

Nun ist es so, dass man durch Anglizismen ein ungefähres Bild der Sprache Englisch hat. Manch einer ist beruflich gezwungen sich mit dem Englischen auseinanderzusetzen. Doch der deutsche Zungenschlag (oh baby, it’s not a tongue beat) lässt sich meist nie verleugnen. Was noch auffälliger ist, sind die eingedeutschten Begriffe, die eindeutig keine Anglizismen sind („Wir müssen das unbedingt implementen.“). EU-Kommissar Günther Oettinger ist seit seinen Eskapaden ein echter YouTube-Star – kaum einer würde ihn wohl als Stern bezeichnen, geschweige denn ihm einen verleihen.

Auswüchse, die Englisch sprechenden die Tränen in die Augen treiben. Tränen der Rührung, Schamesröte inbegriffen. Wie bemerkte schon Otto Waalkes in den Siebzigern? „In England gibt es sehr viel Umgangssprache.“

Diese gilt es zumindest ansatzweise zu beherrschen, wenn man das Vereinigte Königreich besucht. Viele Lernmaterialien sind nüchtern aufgebaut. Schließlich gilt es eine Sprache zu lernen, die man nicht mit der Muttermilch aufgesogen hat. Da sind Grundlagen wichtig, um nicht zu sagen die Basis – the basis is the basis. Mit Hilfe von eindeutigen Skizzen, Bildern, Grafiken werden so einfache Begriffe wie beispielsweise das menschliche Gesicht angliziert. Das leidige Thema Zeitformen, was schon in der eigenen Sprache für viele ein enormes Problem darstellt, wird in schwarz, weiß und rot anschaulich nahegebracht.

Auf über dreihundert Seiten vergisst man schnell, dass man auf der Schulbank hockt und eine Fremdsprache lernt. Mit Witz und Charme wird dem Leser die Angst vor der Fremde und der fremden Sprache genommen. Was für Viele immer noch ein Grund ist die eigene Heimat im Urlaub zu erkunden, statt raus in die Welt zu gehen und andere Kulturen hautnah (skinclose is that wrong) zu erleben. Wer in London, England, der Englisch sprechenden Welt zurechtkommen möchte, kommt an diesem Buch nicht vorbei.

Wie man Baske wird

Wie man Baske wird

Ein herrlich provokanter Titel: Wie man Baske wird. Eine Anleitung die eigene Identität zu verleugnen und eine andere anzunehmen? Nein! Eher der Versuch Nicht-Basken darzustellen, dass das Baskenland und ihre Bewohner – die Basken – keineswegs nationalistische Fanatiker sind, die mit Bomben ihrer nationalen Identität Nachdruck zu verleihen. Was weiß man schon über die Basken? Bei der Tour de France gibt es ein Team namens Euskadi, der Fußballverein Athletic Bilbao beschäftigt ausschließlich Basken (was mehr ein Mythos ist als der Wahrheit entspricht, wenn man das „ausschließlich“ betrachtet), die Baskenmütze wird eher Franzosen zugeschrieben und wer aus Spanien kommt und ein X oder TZ im Namen hat, ist Baske. Hallo Vorurteil!

Ibon Zubiaur ist Baske, und er hat weder ein X noch ein TZ im Namen. Der Autor wurde 1971 in Getxo (mit X) in der spanischen (baskischen?) Provinz Biskaia geboren. Als er eingeschult wurde, begann auch das Programm die baskische Sprache als Unterrichtssprache einzuführen. Das Problem bestand und besteht immer noch darin, dass die Kinder in der Schule baskisch lernen, zuhause jedoch spanisch sprechen. Die Sprache als Identifikationsmerkmal Nummer Eins einzuführen, klappt bis heute nicht. Es fehlt einfach die Basis. Was aber nicht schlimm ist, glaubt man Ibon Zubiaur.

Auch eine Zugehörigkeit zu den Basken per Namensgebung hält er für falsch. Es gibt einfach zu viele Überschneidungen mit dem Spanischen. Außerdem hat eine Namensneuvergabe schon Jahrzehnte zuvor ein paar tausend Kilometer nordöstlich des Baskenlandes schon einmal verheerende Folgen gehabt…

Baske wird man nicht, man ist es oder man ist es nicht. Immer wieder gibt es Bestrebungen das Baskische in der Gesellschaft zu verwurzeln. Druck von oben bringt da nichts. Ein Baske fühlt sich als Baske oder eben nicht. Einzelne Organisationen, Parteien, Verbände geben da vielleicht Hilfestellung, aber grundlegend ändern können sie auch nichts.

„Wie man Baske wird“ ist ein Aufklärungsbuch. Aber ohne den Zeigefinger zu heben und den Anspruch auf einen eigenen baskischen Staat zu erheben. Der Essay (DAS Essay geht auch) ist ein kurzweiliger Ausflug in die baskische Kultur. Eine Kultur, die in der Literatur erst seit Kurzem Einzug gehalten hat. Baskisch ist als Sprache verankert, jedoch nicht in dem Maße wie man es sich in unseren Breitengraden vorstellt. Die baskische Kultur zu erhalten und auszubauen, muss nicht immer in Terror ausarten. Ibon Zubiaurs Ausführungen sind Integrationsbemühungen, die nicht im Sande verlaufen.

Der Teltowkanal

Der Teltowkanal

Berlin vom Wasser aus erkunden, das ist kein Geheimtipp mehr. Vorbei an Reichstag, Brandenburger Tor und ein paar Ecken in Kreuzberg versucht man den Zeitgeist der Stadt zu erhaschen. Horst Köhler hat sein Buch einer ganz anderen Lebensader Berlins gewidmet, dem Teltowkanal. Er verbindet auf fast vierzig Kilometer die Havel und die Spree. Obwohl vor über hundert Jahren eröffnet, war er nur ein wenig länger als die Hälfte seines Lebens komplett befahrbar. Das lag an der Teilung Deutschlands, zu dessen Teil der Teltowkanal gemacht wurde. Jahrelang war er Teil der Mauer, des Antifaschistischen Schutzwalls, des Eisernen Vorhangs.

Das Buch ist zweigeteilt. Der erste ist für Geschichtsfreunde und Techniker von Interesse. Denn hier wird nicht ein Detail der abwechslungsreichen Geschichte des Kanals ausgelassen. Schleusen und Hafenanlagen bieten die ideale Grundlage für Schwelgen in technischen Meisterleistungen.

Für Touristen, die Berlin abseits der ausgetretenen Pfade erkunden wollen, ist der zweite Teil von Belang. Wobei der erste Teil nicht ausgeklammert werden sollte. Denn der Teltowkanal ist mehr als nur eine Wasserstraße um ein paar Kilometer zu sparen, wenn man von Ost nach West, aber Berlin umfahren möchte.

Entlang der Lebensader – der Name nimmt es quasi vorweg – entwickelte die Stadt ein florierendes Geschäftsleben. Werften und Fabriken gaben Vielen Arbeit. Die Industrieruinen zeugen noch heute vom geschäftigen Treiben. Ebenso laden sie zum Verweilen und Träumen ein. Denn wo einst Lagerhallen und Schornsteine den Horizont beschränkten, hat sich Mutter Natur ihren Anteil wieder zurückerobert.

Es fällt schwer dieses Buch einzuordnen. Zum Einen das umfassendste Werk über den Teltowkanal, zum Anderen ein exzellenter Ideengeber für Berlinbesucher, „die schon alles gesehen haben“, oder es zumindest meinen.

50 Vögel entdecken und bestimmen

50 Vögel

Wie viele Vögel können Sie erkennen? Drei, fünf, zehn? Die Artenvielfalt ist so breitgefächert, dass es schwerfällt alle zu (er)kennen. Jede der fünfzig Karten stellt liebevoll und detailgetreu einen der gefiederten Freunde dar. Ein kleines Rätsel stachelt den Forscherdrang an. Die Lösung gibt’s auf der Rückseite. Dort wird der Piepmatz genauer vorgestellt. Name, Größe, Brutzeit, Nahrung und andere Eckdaten sind hier kurz und knapp vermerkt. Genauso wie eine hervorstechende Besonderheit eines jeden Vogels. Auch für unterwegs ideal, das die Schatulle wenig Platz benötigt und die Karten sehr leicht sind.

True stories

True storiesÜber sieben Milliarden Menschen leben auf der Erde. Jeder ist einzigartig, jeder hat seine ganz eigenen Fähigkeiten. Klar, dass man hier und da gehörig ins Staunen kommt. „True stories“ ist das Spiel, das jeden Mitspieler fasziniert. Ein Spieler liest die Frage von einer der dreihundert Karten vor. Die Fragen sind so irre, dass entweder alle möglichen Antworten richtig sein könnten als auch gar keine. Jetzt müssen die Anderen aus der einen richtigen und der einen vorgelesenen falschen Antwort ihre Tipps abgeben. Das geschieht vorerst geheim. Jeder hat eine Karte mit „A“ oder „B“. Wenn alle ihre Wahl getroffen haben, werden die Antwortkarten umgedreht. Wer richtig liegt, bekommt einen Punkt. Wer falsch liegt, gibt seinen Punkt an den Vorleser. Die Fragen kommen aus allen Bereichen der Gesellschaft. Manchmal muss man einfach raten, manchmal kann man sich die Antwort herleiten, wenn man es nicht weiß. Doch wer weiß schon wie reich der Sultan von Brunei ist, um sich was leisten zu können? Ein kurzweiliges Spiel mit andauerndem Aha-Effekt.

Pocketquiz Filmzitate

Pocketquiz FilmzitateKennen Sie auch die Kinobesucher, die jeden Satz nach- oder mitsprechen? Oder schlimmer noch: Vorwegnehmen! Hier kommt die Rache der Genervten! Nicht jedes Filmzitat zeugt von eingehender Strahlkraft. Man denke nur an „Rambo III“, wenn Sylvester Stallone phlegmatisch erklärt wozu blaues Licht gut ist. Doch in welchem Film braucht man keine Straßen? Star wars? Raumschiff Surprise? Falsch! Es ist … ach nein. Das muss jeder selbst herausfinden. Wer mit Zitaten umgehen kann, besticht durch Weltläufigkeit. Wer aus Filmen zitieren kann, lockert eine Gesprächsrunde auf. Mit den 150 Fragen und passenden Antworten ist man in jeder Situation gegen peinliches Schweigen gewappnet. Schauen Sie ihrem Gegenüber in die Augen, loben Sie den Geruch von Kaffee am Morgen (leicht abgewandelt, okay, aber der Film dürfte bekannt sein, oder?!) und am Ende des Tages gewinnt man oder verliert man. Drei Zitate, wer kann sie zuordnen?

Wien abseits der Pfade, Band 1

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Wien liegt seinen Besuchern zu Füßen. Wie ein offenes Buch zeigt es, was es hat. Wien erkunden ist ein Leichtes. Doch das wahre Wien zu entdecken, bedarf einiger Kniffe. Einer dieser Kniffe ist Wolfgang Salomon gelungen. „Wien abseits der Pfade“ klingt auf den ersten Blick wie eines der abgedroschenen Bücher, die mit viel Tamtam Großes ankündigen und dann doch nur das Offensichtliche halten. Dieses Buch bildet die rühmliche Ausnahme!

Der viel zitierte Wiener Schmäh und die Todessehnsucht bekommt man als Tourist nur mit, wenn man Augen und Ohren offenhält. Sehr weit offen! Für viele ist der Zentralfriedhof deswegen der zentrale Ausgangsort für Erkundungen. Stundenlang kann auf ihm herumschlendern. Wolfgang Salomon überlässt dieses touristische Highlight den Touristen und trifft auf dem Friedhof des Kahlenbergerdorfes Monika Pluhar. Von hier hat man den schönsten Blick auf die Donau. Die in Deutschland vor allem als Schauspielerin bekannte Wienerin sinniert mit ihm über Marisa Mell. Ihr abwechslungsreiches Leben (sie drehte mit Mastroianni, verarmte und starb mit knapp über fünfzig an Krebs) machen diesen Ausflug zu einem bemerkenswerten Seelentrip ins Herz Wiens. Das am Rande gelegene Gebiet wird dadurch ins Zentrum gerückt.

Filmisch hat Wien so einiges zu bieten. „Der dritte Mann“ wurde hier gedreht. Eine Führung auf den Spuren des dritten Mannes lohnt sich vor allem für Cineasten. Doch auch hier gilt wieder: In Wien wurde nicht nur einmal für Höhepunkte gesorgt. Das Volxkino sorgt seit über zwei Jahrzehnt für Leinwandhöhepunkte. Nicht als Produzent, sondern als fahrendes Kino. Märkte, öffentliche Plätze und Parkanlagen werden zu Kinosesseln für blockbustermüde Augen und Ohren.

Der Fiaker-Willi ist selbst für einen erfahrenen Wiener wie den Autor ein Füllhorn an Geschichten. Schon vor dem Einsteigen wird einem klar, dass das nun Folgende einzigartig sein wird…

Wiens ausgetretene Touri-Pfade zu verlassen, kommt einer Pilgerfahrt gleich. Wolfgang Salomon sorgt mit seiner beschwingten Schreibweise für Kurzweil. Das Klappern der Hufe während der Fiakerfahrt, das Rascheln der Bäume, die ihre Geschichten erzählen oder das Schwelgen in transdanubischer Lebenslust, wenn er durch Floridsdorf schlendert, machen dem Leser den Mund wässrig. Als Zusatz zu einem Reiseband ist dieses Buch ein wahres Kleinod. Leider viel zu schnell zu Ende. Doch es gibt Hoffnung! Noch 2015 soll der zweite Band erscheinen.

Kräuterwissen aus dem Kloster

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Hilfe zur Selbsthilfe – eine gern benutzte Phrase. Doch wie? Wenn einem das Wissen fehlt. Dann doch lieber der Griff in den Apothekenschrank. Apropos Apothekenschrank. Heutzutage wird jeder Quadratzentimeter des weißen Giftschranks ausgenutzt. Alle Verpackungen haben gerade Kanten, lasen sich gut stapeln. Vorteil Pharmaindustrie. Doch wer wird schon von einer gut passenden Verpackung von seinem Leiden erlöst?!

Der Inhalt macht’s! Das trifft auch auf dieses Buch zu. „Nimm doch ‘ne Pille!“ wird nun durch „Blättere mal hier drin!“ ersetzt. Die satanische Bibel für „Big Pharma“. Es gab Zeiten, in denen es kein Aspirin oder ähnliches Teufelszeug gab. Da griff man auf Mutter Natur zurück. Und Mutter Natur wurde im klostereigenen Kräutergarten beobachtet und für die eigenen Zwecke benutzt. Das Wissen aus diesen Jahrhunderte währenden Beobachtungen ist in diesem Buch zusammengefasst worden.

Schon beim zufälligen Aufschlagen des Buches spart man Geld. Frauenmantel hilft gegen Darmkrämpfe und Durchfall. Ein Medikament aus der Apotheke muss man für einige harte erarbeitete Euro kaufen. Und dann kommen die Nebenwirkungen. Man braucht noch ein Mittelchen und dann noch eines und so weiter. Frauenmantel ist seit Hildegard von Bingen bekannt. Und wird immer noch verwendet. Leider ist das Wissen darüber durch angeblich schnell wirkende Medizin verdrängt worden.

Es sind Bücher wie diese, die unsere hochzivilisierte, bis ins Letzte durchorganisierte Welt immer wieder vor neue (eigentlich alte) Herausforderungen stellen. Natürlich ist der Weg in die Apotheke der einfachste Weg. Aber eben nicht immer der segensreichste. Und für die Gesundheit lohnt es sich mehr als nur einen Blick in dieses wissensreiche und zudem liebevoll gestaltete Buch zu werfen. Historische Abbildungen der Kräuter, verständlich geschriebene Texte und Anleitungen zur Selbsthilfe machen dieses Buch zu einem besonderen Schatz im Bücherregal und Apothekenschrank.

Es muss nicht immer die Chemiekeule sein, wenn es hier und da mal zwickt. Die hier beschriebenen Kräuter sind leicht zu beschaffen, da sie oftmals vor der eigenen Haustür wachsen und wuchern. Brennnessel, Kamille, Fenchel- das sind doch alles Sachen, die man kennt. Warum also nicht mal einen Schritt zurückgehen, um vorwärts zu kommen?!