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Jackson Pollock

Jackson Pollock

Los Angeles, 25. März 2001, Shrine Auditorium. Im Publikum sitzt ein Mann, der als Charakterdarsteller sich schon längst einen Namen gemacht hat. Vor Kurzem hat er auch Regie geführt. Und die Hauptrolle übernommen. Nun ist er für die begehrteste Trophäe der Filmbranche nominiert: Ed Harris. Der Mann, den er verkörperte: Jackson Pollock. Er geht leer aus. „Gladiator“ ist der große Gewinner des Abends.

Doch die Oscar-Verleihung hat einen gewaltigen Nebeneffekt. Der Maler Jackson Pollock wird nun einem viel breiteren Publikum bekannt. Das ist doch der mit den riesigen Klecksereien, meinen die Einen. Der mit der Macke die Anderen. Beide Seiten werden nicht annähernd dem Werk und Wirken Jackson Pollocks gerecht. Bülent Gündüz setzt mit seiner umfassend, exzellent recherchierten Biographie dem besessenen Maler ein gedrucktes Denkmal.

Wenn das Leben ein einziger Marsch ist, mit einem Anfang und einem – in Jackson Pollocks Fall viel zu frühen – Ende, dann fragt man sich unweigerlich, was im Leben des Künstlers passiert sein muss, dass solche Bilder dabei herauskommen. Vorausgesetzt man hat nur die Dripping-Paintings im Sinn. Zum einen war das Frederick John St. Vrain Schwanovsky, Kunstdozent, der seinen Schülern zeigte welche famose Muster Farben entwickeln können, wenn sie mit anderen Chemikalien gemischt auf einer rotierenden Scheibe gemischt werden. Zum Anderen war dies Krishnamurti, ein religiöser Lehrer, der dem jugendlichen Jackson Pollock lehrte, dass Inspiration vor Ausbildung kommt und Gefühle mit der Kunst in Einklang zu bringen sind. Nach Jahren des Herumreisens von Wyoming nach Arizona und Kalifornien und wieder nach Arizona, um dann doch wieder in Kalifornien zu landen, die ersten festen Weisheiten, an die sich ein junger Mann klammern konnte.

Die Mutter hatte sich früh gewünscht, dass ihre fünf Kinder sich künstlerisch betätigen. Zuneigung war spärlich gesät im Hause Pollock. Der Vater meist weg, die Mutter verzweifelt auf der Suche nach Selbsterfüllung. Als Nesthäkchen hatte der kleine Jackson den Vorteil der Narrenfreiheit. Wobei immer noch nicht klar ist, ob die Betonung auf dem ersten oder dem letzteren Teil des Wortes liegen soll. Schon als Jugendliche suchte er Anerkennung in so genannten Männlichkeitsritualen wie sich betrinken.

Ende 1941 organisierte der Kunsthändler John Graham eine Ausstellung in New York, in der er französische und amerikanische Künstler gemeinsam präsentieren wollte. Ein Bild von Jackson Pollock sollte zwischen Picasso, Matisse, Braque. Auch ein gewisse Lee Krasner wurde eingeladen ein bIld auszustellen. Als sie den Ausstellerkatalog las, sagte ihr der Name Jackson Pollock gar nichts. Sie machte sie auf den Weg, um ihre Neugier zu stillen. Sie traf auf einen ruhigen, schüchternen Mann, der ihr sofort gefiel. Die Ausstellung geriet zum Desaster, die Beziehung Krasner/Pollock gedieh hingegen prächtig. Sie nahm seine Geschäfte in die Hand, er malte völlig losgelassen vom Geschäft. Doch auch sie schaffte es nicht Jackson Pollock von der Flasche loszueisen. Auch nach seinem Tod sah sie es als ihre große Aufgabe an den Namen Jackson Pollock in Ehren zu halten. Sie trug entscheidend zu seiner Legendenbildung bei.

Nur fünf Jahre nach der Nacht von Los Angeles wurde „No. 5, 1948“ für sagenhafte 140.000.000 $ bei Sotheby’s versteigert. Für fast ein Jahrzehnt war es das teuerste Einzelgemälde der Welt. Durch Jackson Pollocks Adern floss der ungebremste Strom der Leidenschaft, doch auch der Teufel Alkohol. Ihn nur als wahnsinnig – egal, ob positiv der negativ gemeint – zu bezeichnen, klänge nach Ausreden. Hinter seine Fassade, wenn es denn eine gab, zu schauen, bringt viel Licht und viel Schatten hervor. Bülent Gündüz schafft den Spagat zwischen Wissensansammlung spannender Schreibweise.

Montparnasse und Montmartre

Montparnasse und Montmartre

Für viele ist Paris mit Montmartre oder Montparnasse gleichgesetzt. Und tatsächlich sind die beiden Hügel nicht aus dem Stadtleben wegzudenken. Anfang des 20. Jahrhunderts bebte hier das künstlerische Herz Frankreichs, Europas, wenn nicht sogar der Welt. Wer sich hier die Klinke in die Hand gab, dessen Name hallt bis heute nach. Picasso, Satie, Proust, Cocteau sind nur ein geringer Teil derer, die Paris fast allein nur durch ihre Präsenz zum künstlerischen Epizentrum der Welt krönten. Dan Franck bringt Licht ins mittlerweile verblasste Paris des Post-Fin-de-Siècle. Wer heute durch Paris schlendert, muss schon ganz genau wissen wonach er sucht. Dieses Buch ist der Reiseführer für Erwachsene, die Paris poetisch, impressionistisch, expressionistisch, kubistisch, intellektuell, aufrührerisch, avantgardistisch erleben wollen.

Nicht jede Stadt auf der Welt kann sich rühmen derart geballt so viele führende Köpfe einer Epoche und so vieler Genres einmal beherbergt zu haben. Sie lebten, litten und wirkten auf einem Areal, das flächenmäßig kaum erwähnenswert ist. Mit kindlicher Freude schreibt der Autor vom Leben wie es kaum woanders möglich war. Hier war Paris am französischsten, aber auch multikulturell. Keine explosive Mischung, eher eine befruchtende. Man half sich untereinander aus. Agenten, Galeristen und Kunstsammler halfen so manchem Künstler über eine Durststrecke hinweg.

Wer Kunst sammelte, für den lag hier der heilige Gral. Für ein paar Francs konnte man Kunstwerke erwerben, deren Wert sich bis heute millionenfach auszahlt. Ein France entspricht heute ca. sechs Euro. Kaum zu glauben, dass ein Pablo Picasso für einen zweistelligen oder niedrigen dreistelligen(Franc-)Betrag Auftragsarbeiten erledigte.

Detailreich und ungeheuer aufwendig recherchiert nimmt dieses Buch den erfahrenen Parisbesucher mit auf eine Reise durch das Paris des beginnenden 20. Jahrhunderts. Die zahllosen Anekdoten machen dieses über fünfhundert Seiten starke Buch zu einem Juwel unter den besonderen Parisgeschichten. Die Preisverhandlungen mit Clovis Sagot sprechen Bände. Anfangs bot er Picasso 700 Francs. Der Maler zögerte und verkaufte ein Bild schlussendlich für weniger als die Hälfte.

Ein weiterer ausgefuchster Kunsthändler war Ambroise Vollard. Eines Tages spazierte Gertrude Stein in sein Geschäft. Wie er der später bekanntesten Kunstsammlerin gekonnt die Franc aus der Tasche zog, bringt den Leser mehr als nur zum Schmunzeln. Doch keine Angst, die resolute Dame hat auch ihren Schnitt gemacht.

Wer Paris als riesige Einkaufsmeile betrachtet, wird mit diesem Buch eines Besseren belehrt. Wer die Hotspots von Paris wie seine Nachbarschaft kennt, wird hier ein wahres Wunder erleben. Mit genauen Adressangaben kann man anhand dieses Buches durch Paris flanieren, den Hauch der Kunst-Geschichte atmen und sich darüber freuen, dass La Butte („das Hügelchen“, so nennen die Parisienne Montmartre) und Montparnasse sicherlich als Sinnbild für ganz Paris herhalten, aber man nun ganz genau weiß warum. Über zweihundert Abbildungen unterstreichen den von der ersten Seite an exzellenten Eindruck.

Das private Leben der Impressionisten

Das private Leben der Impressionisten

Unvorstellbar! Paris ein stinkendes Loch, keine Boulevards, keine Prachtbauten. Und zwischendrin Maler, die für ein paar Francs Monatsgebühr malten und malten und malten, nur um des Malens willen. Das Erscheinungsbild hat sich gewandelt: Paris ist eine der meist besuchten Städte der Welt. Und die Bilder von Claude Monet, Camille Pissaro und Paul Cezanne erzielen regelmäßig schwindelerregende Preise. Dieses Bild ist gerade mal reichlich anderthalb Jahrhunderte her. Monet malte Karikaturen und konnte schon gut davon leben. Cezannes Aktbilder erregten damals schon Aufsehen, öffentlich, weil die Damen nackt waren, bei Kollegen wegen des groben Stils. Hier im Atelier von Pere Suisse begann das, was alsbald als Impressionismus die Welt veränderte.

Sue Roe unternimmt mit dem Leser einen umfassenden bild- und wortgewaltigen Rundgang durch das Leben der Impressionisten. Sie führt an Orte, die vielfach auf Gemälden festgehalten wurden. Sie malt buchstäblich Bilder vom Schicksal einer Gruppe Künstler, die erst zweieinhalb Jahrzehnte später mit einer Ausstellung in Amerika den Ruhm zugesprochen bekam, der ihr zustand.

Cezannes Ankunft in Paris blieb Monet verborgen, er musste seinen Militärdienst in Algerien leisten. Nach seiner Rückkehr an die Seine besuchte er die Schule von Charles Gleyre. Dort studierten zu der Zeit auch Pierre-Auguste Renoir und Alfred Sisley. Das halbfertige Paris und die halbfertigen Impressionisten – eine brodelnde Zeit. Alle Künstler hatten sich bei ihren Studien kennengelernt. Edouard Manet hingegen stieß durch den von Napoleon III. angeregten Salon des Refusés der illustren Truppe. Hier wurden alle von der Akademie abgelehnten Bilder ausgestellt. Galeristen und Agenten gab es damals kaum bis gar nicht. Edouard Manet brachte Edgar Degas in die Gruppe ein. Die war nun fast komplett…

Paris als Lehrstätte war gerade gut genug. Ihrer Kunst gingen die Künstler vor den Toren der Stadt nach. Hier tummelten sie sich unter den Vergnügungssüchtigen der Stadt. Nach und nach bekommen ihre Bilder Struktur, werden durch Zolas Artikel einem breiteren Publikum zugängig. Anerkennung von der Akademie? Fehlanzeige! Werden zu Beginn des Buches die Grundlagen für den Leser gelegt, damit er Impressionismus, die Zeit, die Moralvorstellung erkennt, nimmt das Buch ab dem zweiten Viertel richtig Fahrt auf. Kleinere Streitereien – Degas liebt es Manet zu foppen, der wiederum ist genervt, das Monet von dessen Ruf zu profitieren scheint – bringen Schwung in die immer noch starre Gruppe.

Eine Biographie über einen Künstler zu schreiben, ist eine Aufgabe, die man nicht eben so erledigt. Archive müssen gewälzt, Experten befragt werden. Bei einer Biographie einer ganzen Künstlergruppe gibt es zwei Möglichkeiten: Man schreibt zu jedem der Mitglieder eine Biographie und versucht dann Parallelen und Schnittpunkte zu finden oder man macht es wie Sue Roe. Sie lässt das Leben der Mitglieder Revue passieren. Oft sind sie gemeinsame Wege gegangen, haben in den gleichen Cafés das Leben beobachtet und gemalt, diskutiert, später ihre Kunst hinterfragt und ihren eigenen Weg beschritten.

„Das private Leben der Impressionisten“ ist keine Aufzählung markanter Ereignisse im Leben einer Gruppe von Künstlern, die unverstanden erst spät in den Fokus der Öffentlichkeit traten. Sie waren zu Lebzeiten bekannte Künstler, mal mehr, mal weniger erfolgreich. Anerkannt bzw. bekannt waren sie allemal. Was dieses Buch von allen anderen derart hervorstechen lässt, ist die genüssliche und faktenreiche Erzählweise. Wie in einem fortschreitenden Roman treten reale Personen auf, die wie Du und Ich ihrer Leidenschaft frönten. Alle Anekdoten sind belegt, ihre Intensionen nachvollziehbar. Wer, wann, warum welchen Weg einschlug, bebildert Sue Roe mit Worten, die sich nicht hinter den Werken der Protagonisten verstecken müssen.

Die leere Wand – Museumsdiebstahl: Der Fall der zwei Turner-Bilder

Die leere Wand - Museumsdiebstahl Der Fall der zwei Turner-Bilder

Was macht eigentlich ein Museumsdirektor den ganzen Tag? Bilder angucken? Neue Ausstellungsobjekte suchen? Auch! Doch manchmal wird der für Außenstehende nicht besonders spannende Job zu einem Abenteuer, das schier unendlich andauert. Nämlich genau dann, wenn ein Bild – oder mehrere – auf Nimmerwiedersehen verschwindet. So geschehen Ende Juli 1994. Die Kunsthalle Schirn in Frankfurt zeigt seit einiger Zeit unter anderem zwei Bilder von William Turner. Versicherungswert: 24 Millionen Pfund Sterling. Und die wurden durch zwei weiße Flecke an der Wand ersetzt. Autor Sandy Nairne war zu dieser Zeit Programm Direktor der Tate Gallery London, der die Bilder gehörten. Von nun an hat er eine zusätzliche Aufgabe: Die Bilder wieder beschaffen! Davon erzählt er in diesem Buch.

Schon kurze Zeit nach dem dreisten Raub gibt es erste durchaus erfolgversprechende Hinweise auf den Verbleib der Bilder. Die Versicherungsgesellschaft ist daran interessiert die Versicherungssumme nicht auszuzahlen. Die Tate Gallery will ihre – als nationales Heiligtum anerkannten – Bilder zurück. Die Kunsthalle Schirn will die Schmach des Verlustes auswetzen. Die BBC will eine einzigartige Doku drehen. Und … Trittbrettfahrer wollen auf den rollenden Geldzug aufspringen. Da ist einiges zu organisieren für Sandy Nairne. Als Detektiv zu arbeiten, konnte er sich nie vorstellen…

Muss er auch nicht. Er hat ein Team von Experten um sich sowie die Ermittlungsbehörden. Schritt für Schritt nähern sie sich den Tätern, die dann schließlich auch gefasst und verurteilt werden. Von den Hintermännern und den Bildern jedoch fehlt weiterhin jede Spur. Erst acht Jahre später sollen sie wieder an ihrem Platz hängen. Wie es dazu kam, wer mit wem welche Allianzen eingehen musste und wie viel Absprachen in diesem Metier wirklich wert sind, beschreibt Sandy Nairne auf besonders anschauliche Art und Weise. Doch damit nicht genug!

Sandy Nairne beschäftigt der Fall nicht nur die gesamten acht Jahre hindurch, sondern auch darüber hinaus. Er macht sich Gedanken, wozu Kunst überhaupt gestohlen wird. Ausstellen kann die Objekte nicht. Jeder Experte kennt die Bilder und würde sie als Diebesgut enttarnen. Verkaufen? Ja, aber zu einem Bruchteil des eigentlichen Wertes. Die damit erzielten Summen reichen immer noch aus, um ein sorgenfreies Leben gestalten zu können. Aber ist das Risiko all das wert? Oder gibt es noch weitere Gründe derart öffentlich eine Straftat zu begehen?

Wie man mit dem Feuer philosophiert

Wie man mit dem Feuer philosophiert

Interessanter Titel, oder?! Wie soll man denn mit dem Feuer philosophieren. Ich lodere also bin ich. Nein, eher nicht. Vielmehr geht es darum, einen stilvollen, sprachlich ausgereiften und ungemein spannenden Ausflug in die Geschichte der Chemie – in früheren Tagen auch gern als Alchemie bezeichnet – zu machen. Schnüren Sie den Tornister und machen Sie sich auf eine Wanderung durchs Feuer gefasst.

Das Feuer ist die Kraft, die gebändigt werden muss, um Neues zu erschaffen. Das geschieht heutzutage in Laboren. Doch schon immer wurde Neues erfunden, kreiert und geschaffen, auch ohne sterile Forschungszentren. Man beobachtete die Natur. Wie schützen sich Tiere vor Krankheiten? Oder warum sind abgebrannte Flächen so ein Anziehungsmagnet für Fleischfresser? Letzteres wird heute noch exzessiv praktiziert. Beim Grillen. Ganze Sondersendungen – von „Mode“- bis „Alltagshilfe“-Sendungen – werden nur zu gerne neue Trends bei der heißen Zubereitung kalter Speisen hinausposaunt. Apropos Posaunen bzw. Trompeten: Gleich zu Beginn des Buches stellt der Autor Jens Soentgen eine wenig verbreitete, und doch existierende Methode vor Papier zu gewinnen. Der Spruch „aus Sch… Bonbons machen“ wird hier in „aus Sch… Papier machen umgewandelt. Das funktioniert wirklich. Hängt mit der außergewöhnlichen Verdauung der grauen Dickhäuter zusammen. Das alles gehört ins Reich der Waldchemie. Chemie ist eine Wissenschaft der Reduktion, wenn man also das W und das D aus Waldchemie weglässt, betrifft man den Fachbereich Alchemie.

Paracelsus und Johann Friedrich Böttger sind zwei der Meister dieser Wissenschaft, die auch heute noch mit dieser Zeit in Verbindung gebracht werden. Sie waren aber schon nah dran an Weißkitteln und Laboreinrichtungen. Gold herstellen war ihr Anliegen. Ihre Ergebnisse sind bis heute noch verfügbar. Und weiter geht es mit der Reduktion: Nimmt man den Alchemisten das A und das L, entsteht das, was so manchem Schüler die Schädeldecke abheben ließ: Chemie. An dieser Stelle alle auftretenden Personen aufzuzählen, würde zu weit führen. Doch ohne Chemie geht’s heute nicht mehr. Worin sollten wir unsere Lebensmittel transportieren? Wie sollten wir uns kleiden?

Das Feuer hat den Menschen von jeher fasziniert. Zuerst als Schauspiel, dann als Hilfsmittel, oder war es umgekehrt? Feststeht, dass der Chemie immer etwas Negatives anhaftet. Mit ihr verbindet man in erster Linie Unheil und Schaden. Erst auf den zweiten Blick werden uns die weitreichenden Auswüchse bewusst: Es geht nicht mehr ohne. Doch Vorsicht ist geboten! Wenn pufft und zischt, sollte man in Deckung gehen. Eine Weisheit, die so manchem Waldchemiker oder Alchemisten, ja selbst exzellent ausgebildeten Chemikern nur allzu oft und allzu tiefgehend praktisch nahegebracht wurde. Jens Soentgen nimmt die Furcht vor dem, was keiner versteht. Ein sprachgewaltiger Feuerlauf durch die Jahrtausende und stilvoller Abriss der Wissenschaft. Im zweiten Teil des Buches macht er das, was ein Wissenschaftler immer tun sollte: Er beweist seine Thesen. Das heißt, dass jeder Chemie erleben, fühlen und nachvollziehen kann. Und das ist es doch, was dieses Buch bezwecken will. Chemie ist nun nicht mehr nur ein Buch mit sieben Siegeln, sondern ein Zeitvertreib, der Spaß macht.

Das Gelbe Haus – van Gogh, Gauguin: Neun turbulente Wochen in Arles

Das gelbe Haus - van Gogh, Gauguin

Genialität im Doppelpack – für viele der einzige Weg, um sein Potential vollständig zu entwickeln. Man denke nur an Laurel und Hardy, die nur als „Dick und Doof“ zu Weltruhm gelangen konnten. Für Vincent van Gogh und Paul Gauguin war eine Zusammenarbeit nicht von Nöten. Zumindest nicht für ihre Genialität. Neun Wochen sollten sie zusammensein. Sehen, Malen, Diskutieren, Streiten, aber auch Genießen. Martin Gayford war nicht dabei, damals im Herbst/Winter 1888. Doch er lässt den Leser in diese Zeit reisen und mit den beiden Maler-Göttern am Tisch sitzen, gewährt Blicke auf die Staffeleien und in deren Seelen.

Alles begann am 23. Oktober 1888. Der Impressionismus muss seit Jahren durch eine handfeste Krise gehen. Die Absätze und die Akzeptanz schwinden. Van Gogh hat sich – auch dank der Unterstützung seines Bruders – in Arles in der Provence niedergelassen. Das Gelbe Haus ist sein neues Zuhause. Seit ein paar Monaten arbeitet er hier, seit ein paar Wochen wohnt er auch hier. Doch van Gogh ist einsam. Dank seines Bruders kann er hier leben. Doch ihm fehlt das Leben. Das Leben, das er hofft sich zurückholen zu können, in dem Paul Gauguin, der zur Zeit auch in der Nähe des Meeres, allerdings des rauen Atlantiks, in Pont Aven wohnt. Beide Maler verbindet ein gemeinsames Schicksal: Beide verdienen mit ihrer Kunst nicht gerade viel Geld (man stelle sich vor, dass man heutzutage auf dem Flohmarkt einen echten Gauguin oder van Gogh finden könne…). Ihre Reputation ist mehr als zweifelhaft. Ihr Selbstbewusstsein ist stark angeknackst. Und diese beiden sollen nun in den letzten Wochen des Jahres 1888 hier vor der spätherbstlichen Kulisse der Provence zusammenarbeiten, leben und sich entwickeln? Ob das was wird?

Immer wieder flechtet der Autor kleine Begebenheiten aus dem Leben der beiden Künstler ein, um den Charakteren typische Züge zu verleihen. So werden die abgebildeten Werken in den entsprechenden Kontext gesetzt. Schon nach wenigen Seiten kann sich der Leser als „kleiner Experte in Sachen Gauguin und van Gogh“ bezeichnen.

Die Zeit verrinnt. Der Herbst in der Provence, das unvergleichliche Licht und die letzten kräftigen Sonnenstrahlen des Jahres lassen die beiden Künstler tagein, tagaus die Gegend auf Leinwand bannen. So gegensätzlich die beiden waren, so einvernehmlich sind ihre Studien und Bilder. Noch! Der selbstbewusste Gauguin mit Talent und der in sich gekehrte, unausgeglichene van Gogh mit dem überbordenden Talent. Van Gogh profitiert von Gauguin insofern, dass er ihm die Ruhe liefert konzentriert arbeiten zu können. Gauguin ist von van Gogh Sichtweise beeinflusst. Manchmal sitzt van Gogh in der ersten Reihe und malt, Gauguin platziert sich nur wenige Meter hinter ihm.

Die Poesie der Gemeinsamkeit sitzt auf einem brodelnden Vulkan. Die Unterschiede sind kaum sichtbar, da treten sie mit geballter Macht hervor. Das Ende ist bekannt: Eine der berühmtesten Anekdoten und die berühmteste Flucht der Kunstgeschichte. Dem Einen fehlt ein Ohr, der Andere flüchtet in die Südsee. Das kennt jeder. Doch wie es dazu kam, weiß kaum jemand. Dank Martin Gayford rücken zwei Maler wieder in den Fokus des Interesses. Exzellent recherchiert, spannend geschrieben und reich bebildert.

Wie bei Laurel und Hardy waren die beiden Maler unterschiedliche Charaktere. Laurel und Hardy hielten es Jahrzehnte miteinander aus – mal besser, mal weniger gut. Van Gogh und Gauguins Zusammenarbeit war eher ein Intermezzo von wenigen Wochen. Ihre Liaison bzw. das Ergebnis daraus ist heute Millionen wert.

Dieses Buch liest man als Unterhaltungslektüre am Baggersee, um die Lichtstimmung der herbstlichen Provence annähernd zu genießen oder als Tagebuch im Rhythmus des Kalenders ab dem 23. Oktober bis in die Weihnachtszeit. Beides hat seinen Reiz. Wer sich bisher nicht recht für die Kunst der beiden Helden begeistern konnte, wird Sonnenblumen und Landschaftsaufnahmen von nun an mit anderen Augen sehen.

22 schönste Radeltage an Main und Tauber

RaMT-Umschlag 256

Über achthundert Kilometer mit dem Rad? Da braucht man schon mehr als stramme Waden. Zum Beispiel damit aus den 861 Kilometern nicht schnell doppelt so viele Kilometer werden, braucht man mindestens einen Reiseband, der einem kenntnisreich an die schönsten Orte führt. Zugegeben an Main und Tauber ein leichtes Unterfangen.

Doch dieses Buch ist kein Reiseband im eigentlichen Sinne. Er ist speziell für Pedalisten konzipiert. Das heißt, dass hier vorrangig die Radwanderwege vorgestellt werden. Wer will schon immer einen nervösen Bleifuß hinter sich spüren? Neunzehn Touren werden vorgestellt – im Titel stehen doch zweiundzwanzig, fehlen da nicht drei? Nein, denn so manche Tour ist nur für geübte Pedalritter an einem Tag zu schaffen. Aber dieses Buch ist kein Reiseband für sportive Kilometerschinder, sondern für alle, die rollend sich an Flora und Fauna erfreuen wollen. Ab und zu mal etwas kräftiger in die Pedale treten kann nicht schaden, doch hier stehen die Erlebnisse links und rechts der Touren im Vordergrund.

Die beiden Autoren kennen die Gegend zwischen Würzburg, Tauberbischofsheim, Rothenburg ob der Tauber und Aschaffenburg in- und auswendig. Besonders die exzellent erschlossenen Radwege. Und sie wissen, was man beachten muss und wo man einkehren kann.

Jede Tour wird zu Beginn kurz vorgestellt: Länge und Profil der Strecke werden kurz skizziert, so dass jeder einschätzen kann, ob diese Tour machbar ist oder in Etappen in Angriff genommen werden muss. Eine Tour ausfallen lassen, erübrigt sich, da jeder Ausflug, jeder Abschnitt sehens- und erradelnswert ist.

Wer die einzelnen Streckenpunkte genauer erkunden will, für den sind die farbig abgesetzten Kästen im Buch eine willkommene Abwechslung. Hier werden dem Leser, der von nun an nur noch radeln will, einige Hintergrundinfos geliefert. So erfährt man auch, wo Schneewittchen wirklich zu Hause war oder was es mit Grünkern auf sich hat.

Ob allein, zu zweit oder in Familie – Radeln ist eine Wohltat für Körper und Geist. Ganz abgesehen vom ökologischen Aspekt. Wer sich klimatisiert auf vier Rädern fortbewegt sieht viel, wer die müden Knochen in Bewegung hält, hält auch Augen und Ohren offen. Und sieht noch mehr. Kann beim Entschleunigen die Zeit vergessen und sich an Main und Tauber vom Reiz der Landschaft gefangen nehmen lassen.

In Liebe, Muschelkalk

In Liebe, Muschelkalk

Muschelkalk, ein ungewöhnlicher Kosename für eine Frau, um die man sich so bemüht hat und die man bedingungslos liebt. Ja, Hans Bötticher ist um einiges älter als sie, Leonharda Pieper. Doch was ist so besonders an ihr und den beiden, dass ihnen eine Biographie gewidmet wird? Nun, Hans Bötticher war Humorist im besten Wortsinne und als Joachim Ringelnatz schon zu Lebzeiten bekannt und geschätzt. Und hätte sich ohne seinen Muschelkalk bei Weitem nicht so frei entfalten können wie er es tun konnte.

Muschelkalk war die Tochter eines Bürgermeisters aus Rastenburg in Ostpreußen, aus gutem Hause wie man so sagt. Als junges Mädchen ging sie nach Eisenach, um Französisch und Englisch zu lernen. Ihre Mentorin war mit eben diesem Hans Bötticher bekannt. Der war erst gar nicht so sehr angetan von der jungen Maid am dem Osten. Der nicht gerade als Kostverächter bekannte Hans hatte hier und da seine Liebeleien, eine Eigenschaft, die er ein Leben lang nicht ablegen konnte. Doch fanden Muschelkalk und Bötticher dennoch zusammen.

Der verlorene Krieg verbot es Kriegsteilnehmern sich an dem Ort niederzulassen, an dem sie zuvor tätig waren. Ringelnatz – wie er sich schon bald nennen wird – muss eine gut bezahlte Stelle aufgeben. Muschelkalk arbeitet im hunderte Kilometer entfernten Godesberg im Rheinland. Ihre neue Heimat wird München. Hier tritt Ringelnatz auf, schreibt und ist so was wie eine lokale Berühmtheit. Das erlaubt ihm Muschelkalk zu sich zu holen. Bald wird geheiratet.

Ihr Leben ist von fast vollkommener Harmonie geprägt. Er bringt das Geld nach Hause (oft reicht es dennoch nicht), sie wird zur Hüterin der guten Stube. Eine Aufgabe, die sie erst lernen muss. Er schreibt ihr herzige Briefe von unterwegs, sie lernt kochen, waschen und den Haushalt führen. Seine Liebschaften verzeiht sie ihm, denn er ist es, der ihr das Leben zeigt. Aus heutiger Sicht ein eher unzumutbarer Zustand, doch befinden wir uns in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts.

Nach mehreren Schicksalsschlägen binnen weniger Jahre – die eine Schwester ertrinkt, eine andere begeht Selbstmord, der Vater stirbt – muss Muschelkalk auch ihren geliebten Joachim Ringelnatz ziehen lassen. Die Nazis hatten ihm Auftrittsverbot erteilt, die Einnahmen schwinden rapide. Ein Jahr nach der Machtergreifung Hitlers verstirbt Ringelnatz.

Muschelkalk hat zu diesem Zeitpunkt Kaiserreich, Krieg, Republik, Inflation und aufkommenden Nationalismus erlebt – immer starke Männer an ihrer Seite – da ist sie gerade mal Mitte dreißig. Kurz vor der Hälfte ihres Lebens.

Sie arbeitet in Berlin als Lektorin für Rowohlt, übersetzt Thomas Wolfe, zu dessen Ruf in Deutschland sie entscheidend beigetragen hat. Kurze Zeit später heiratet sie erneut. Julius Gescher, Arzt und Freund, der Ringel und Muschelkalk schon vor Jahren kennenlernte. Doch er überlebt den Krieg nur wenige Tage.

Den Nachlass von Joachim Ringelnatz verwalten, den Dichter nicht in Vergessenheit geraten lassen, wird ihre große Aufgabe. Immer wieder gibt es Ringelnatz-Abende und Neuauflagen mit seinen Werken. 1977 stirbt auch Leonharda Ringelnatz, geborene Pieper, Muschelkalk genannt. Sie wird im Grab ihres zweiten Mannes begraben. Ringelnatz‘ Grab ziert seit jeher eine Platte aus … Muschelkalk.

Barbara Hartlage-Laufenberg gibt der besseren Hälfte Ringelnatz‘ ein Gesicht und eine Stimme. Bis war sie unbekannt, selbst Wikipedia erwähnt sie nur im Zusammenhang mit anderen Artikeln. Sie war mehr als nur die Frau hinter dem großen Dichter. Ihr ist es zu großen Teilen zu verdanken, dass bis heute Ringelnatz-Abende veranstaltet werden und der Dichter hüben wie drüben nicht in Vergessenheit geraten ist.

Die geheimnisvolle Welt der Pilze

Die geheimnisvolleWelt der Pilze

Auch wenn dieses Buch für Kinder geschrieben ist, so ist es nicht allein nur für Kinder gemacht. Auch die Erwachsenen können – ja, sie sollten – dieses Buch in die Hand nehmen bevor es in die Pilze geht. „Das Natur-Mitmachbuch…“ heißt es im Untertitel. Eigene Aufzeichnungen und Bilder sind in diesem nicht nur willkommen, sie sind wichtig, um dieses Buch zu komplettieren. Ein unfertiges Buch? Nein, aber die eigenen Aufzeichnungen machen es erst zu einem wertvollen Nachschlagewerk, das jede Pilzsaison immer wieder zu Rate gezogen werden kann.

Pilze wachsen nicht in Konservendosen, sondern in der freien Natur – für viele die erste Erkenntnis. Gleich auf Seite Sechs ist der Leser zum ersten Mal gefragt. Wo wurden die ersten Pilze gefunden? Da viele Angst vor den schwer zuzuordnenden Pilzen haben, war es für die Autoren Frank Lüder wichtig diese Angst zu nehmen. Pilze kann man anfassen, essen nicht. Schon gar nicht roh!

Wer durch den Wald stromert, wird früher oder später auf den einen oder anderen Pilz stoßen. Was nun? Anschauen erwünscht. Anfassen – dass weiß der Leser ja schon – erlaubt. Abbrechen – muss nicht sein. In den Mund nehmen – bloß nicht, wenn man nicht weiß, welcher Art der Pilz angehört! Aufschreiben, wann und wo man den Pilz gefunden hat: Erwünscht!

Die detektivische Pilzreise trägt die ersten Früchte, wenn man liest, dass manche Pilze nur an bestimmten Bäumen leben können. Kleine Rätsel machen die Jagd zu einer echten Wissensreise. Die Lösungen gibt es am Ende des Buches.

Ein kleines Einmaleins der Speisepilze, den richtigen Umgang, Arten, Merkmale, Regeln beim Sammeln und viele andere Kriterien rund ums Pilzesammeln führen den Leser in die geheimnisvolle Welt der Pilze ein. Ob nun Groß oder Klein jeder wird mit jeder gelesenen Seit zum Experten. Immer wieder kann (und sollte) man eigene Entdeckungen niederschreiben. Wenn das Buch in der ersten Saison nicht vollständig wird, hat man in der Folgezeit immer wieder die Möglichkeit die Seiten zu vervollständigen.

Dieses Buch ist ein Buch für Generationen. Jede Aufzeichnung trägt dazu bei das angeeignete Wissen zu konservieren und auszubauen. Die zahllosen Abbildungen erlauben eine genaue Bestimmung und Einordnung der Funde. Und selbst, wenn man nicht die nötige Sorge walten ließ, gibt es in diesem Buch Hilfe unter anderem in Form von Links zum richtigen Verhalten bei Vergiftungen.

Schlangentanz – Reisen zu den Ursprüngen des Nuklearzeitalters

Schlangentanz

Wenn man eine Stadt oder eine Region mehrmals bereist hat, aber immer noch der Meinung ist Neues erleben zu können, dann ist es an der Zeit seine Urlaubsplanung thematisch auszurichten. Paris auf den Spuren Picassos. Oder Sizilien kulinarisch. Oder Belgien auf den Schlachtfeldern, ist ja gerade sehr angesagt. Doch wie plant man eine Reise in die Vergangenheit, zurück zu einem schrecklichen Ereignis? Zeitreisen sind und bleiben Phantasie.

„Schlangentanz“ ist real, Patrick Marnham auch. Und er macht eine Reise, die seit siebzig Jahren unternommen werden kann, auf die aber jeder Humanist gern verzichten kann: Eine Reise zu den Ursprüngen des Nuklearzeitalters. Oder zu den Wurzeln des Übels, den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki.

Das Verblüffende ist, dass er nicht in Laboratorien seine Reise beginnt, oder mit Interviews mit Hinterbliebenen von Opfern und Wissenschaftlern, sondern in Belgien. Brüssel genauer gesagt. Im Justizpalast. König Leopold verleibte sich durch einen geschickten Schachzug Kongo ein. Belgisch-Kongo war jahrelang der dunkelste Ort auf Erden. Völkermord, gnadenlose Ausbeutung der Bodenschätze und ein nahezu rechtsfreier Raum entstanden. Hier wurde auch das Uran gefördert, das zu Forschungszwecken in die USA geliefert wurde und aus Angst vor dem „bösen Russen“ und den noch viel verachtenswerteren Naziregime in Deutschland die Grundlage der ersten beiden Atombomben diente. Das Ergebnis ist bekannt: Bis heute sind die Nachwirkungen von „Little Boy“ und „Fat man“ spürbar.

Die Reise führt ihn weiter nach New Mexico. Einen Staat, einer Region, dessen Geschichte auch nicht immer nicht immer von strahlender Zukunft geprägt war. Kriege, Massaker, Zankapfel zwischen Streitmächten gehören genauso zu New Mexico wie Jahrtausende alte Indianerkultur. Hier wurden die beiden Bomben mit den unverfänglichen Namen ersonnen.

Auf seiner Reise wird der Autor von vielen seiner Kollegen begleitet. Joseph Conrad und Aby Warburg waren genaue Beobachter der von ihnen besuchten Regionen und Kulturen. Conrad im Kongo, Warburg in New Mexico.

Ein weiterer Deutscher – Warburg war Deutscher, der Pole Conrad schipperte von England aus nach Afrika – Joseph Oppenheimer gehört zu illustren Reisegesellschaft. Als Vater der Atombombe sollte er in die Geschichte eingehen, ein Ruf, der ihn ein Leben lang anhaftete und der ihm nicht schmeckte.

Alles was mit Atom zusammenhängt, hat einen bitteren Beigeschmack. Hiroshima und Nagasaki sind Synonyme für die perfide Verwendung der im Grunde fortschrittlichen Entdeckungen. Wohl auch daher rührt die Angst vor dieser Technologie. Erst vor wenigen Jahren wurde es wieder einmal offensichtlich, dass Forschung und Fortschritt auch gravierende negative Nebenwirkungen haben: Fukushima. Bis in eine weit entfernte Zukunft wird dieser Fleck Erde nicht mehr zu besiedeln sein.

John Marnham ist nicht der Erste, der durch das Atomzeitalter reist. Viele haben sich versucht und sind daran zerbrochen. Marnham ist aber kein Forscher auf dem Gebiet der Nukleartechnologie, er ist Beobachter, Geschichte-Erzähler in der reinsten Form. Er wertet nicht, er beobachtet und notiert. Dem Leser wird eine neue Sichtweise auf das Thema Atom eröffnet. Spannend wie nie zuvor, einem Krimi gleich – Marnham hat unter anderem auch eine Biographie über Georges Simenon veröffentlicht – reist der Leser zu fremden Kulturen, in ferne Länder und durch die Labore der Welt.