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smart Italienisch

smart italienisch

Kommt Ihnen das bekannt vor? „Ich, äh, bondschorno, hätte gern drei Brötchen … äh Brötchinos“, prego“. „Schatz, das heißt Panini!“. „Quatsch, das sind die Alben, die ich seit der WM 74 sammle. Panini, also weißt Du?!“. Tja, hätte er mal lieber jemanden gefragt, der sich damit auskennt. Nein, nicht die Übersetzungs-App auf dem Handy – die liefert nur einzelne Wörter. Wer Italien als Urlausbland erwählt hat, sollte zumindest ein paar Brocken Italienisch beherrschen. Leider sind Sprachführer immer etwas zu groß geraten oder zu unübersichtlich oder nur nicht gebrauchter Ballast auf Reisen. Und die ganz kleinen Sprachführer, kommen über „Ciao“ und „Ti amo“ nicht hinaus. Es kann schon ziemlich nervenaufreibend sein, den richtigen Sprachführer zu finden.

Dabei ist es so einfach: Klein, so klein, dass die Ausrede „Der passt nicht in meine Hosentasche“ nicht mehr zieht. Rot, Rot mit einem roten Fiat vorn drauf. Und wer’s gern original haben will, mit mp3-Download aller Audiotracks. Gratis! Das ist sozusagen das Vorspiel.

Zur Einstimmung auf die für viele melodischste Sprache der Welt gibt es ein paar einführende Worte inkl. Aussprache und Handhabung des Buches. Und dann geht’s schon los: „Non La capisco.“ Ein Satz, den man anfangs öfter benutzen wird. „Ich kann Sie nicht verstehen.“ Wenn man diesen Satz fehlerfrei aussprechen kann, hat man schon mal gewonnen. Denn dann ist das Eis gebrochen. Apropos Eis. Nach de colazione und der obligatorischen Pasta zur Mittagsstunde erfrischt ein gelato ungeheuer. Vielleicht fragola? Oder doch lieber limone?

Nochmal zurück zum Mittagstisch. Die Sonne prasselt erbarmungslos hernieder. Das acqua läuft in Strömen über den Körper. Und das Essen? È freddo! Das möchte man dann doch lieber mandarlo indietro, zurückgehen lassen. So ganz banale Dinge wie die Nahrungsaufnahme, und schon kann man sich im gediegenen Italienisch ausdrücken. Nur einmal das Buch aufschlagen! Tutto molto semplice. Ganz einfach.

Dieses Buch immer dabei zu haben, erleichtert sich das Zurechtfinden und nimmt ein wenig die Angst vor dem Fremden. Es vor lauter Aufregung in der Hand zu kneten, bringt nichts. Man muss schon reinschauen, um stets ein freundliches Ciao, per favore, prego, grazie zu ernten. In einer Erholungspause bietet es sich regelrecht an etwas Italienisch zu büffeln. Allerdings mit Spaß! Und wer immer noch nicht überzeugt ist, der sollte den Preis mal umrechnen, also in Lire. Das waren mal 12.000 Lire. Jetzt nur knapp sechs Euro. Wenn das kein Argument ist…

Und in Zukunft heißt es dann „Vorrei tre panini, per favore“. Es ganz einfach, wenn man den richtigen Sprachführer hat. Dann gibt es auch kein mitleidiges Schulterklopfen mit einem „Hier, nehmen Sie meinen Hueber!“.

Die Welt des Buddhismus

Die Welt des Buddhismus

Jede Art des Reisens hat ihre Vor- und Nachteile. Ob nun All inclusive oder individuell, ob Wandern oder Pool-Lounging, ob aktiv oder entspannt: Jeder kann sich aus dem schier unendlichen Angebot an Reisemöglichkeiten etwas aussuchen. Und dann gibt es Reisen, die gibt es gar nicht, zumindest gar nicht zu buchen.

Hermann-Josef Frisch hat so eine Reise gemacht bzw. hat mehrere Reisen unternommen, um dieses Buch möglichen weiteren Interessenten in die Hand legen zu können. „Die Welt des Buddhismus“ – klingt erstmal gar nicht nach Reisen im eigentlichen Sinn. Hört sich erstmal nach innerer Einkehr an. Und das Buddhismus seit ein paar Jahren so richtig in geworden ist, gibt es auch dementsprechend viel Literatur zu diesem Thema.

Doch „Die Welt des Buddhismus“ ist ein echtes Reisebuch. Denn der Buddhismus hat einen echten Ursprungsort. Der liegt in Indien und heißt Kapilavastu. Hier wuchs Siddharta Gautama, Buddha, auf. Geboren wurde er in Lumbini. Und diese Orte kann man heute noch besuchen. Wobei die Betonung auch suchen liegt. Ein bisschen Vorbildung ist da schon von Nöten. Oder man macht es sich einfach und nimmt dieses Buch als echten Reiseband zur Hand.

Wenn man den Ausführungen und Wanderungen des Autors folgt, wird einem schnell klar, dass die alte asiatische Weisheit „Der Weg ist das Ziel“ nicht von ungefähr kommt. Buddhismus ist nicht gleich Buddhismus. Auch in dieser Religion gibt es verschiedene Strömungen oder Arten der Religionsauslegung. Vajrayana, Theravada und Mahayana sind unter dem Begriff Buddhismus zusammengefasste Religionen. Ihr Einzugsgebiet reicht von China über Indien, Thailand, Myanmar, Laos und Nepal bis Korea und Japan. Als Tourist lädt man sich gern mal eine Buddhaskulptur als Mitbringsel in Handgepäck. Mal ist es ein dicker lachender Buddha, mal ein liegender, nachdenklicher Buddha. Die Bedeutung dahinter geht oft im dekorativen Chaos daheim unter. Es sieht halt nett aus.

Wer dieses Buch in die Hand nimmt und vielleicht auch den einen oder anderen Ort besucht, wird überrascht sein, wie viel Realität in dieser Religion liegt. Und wie viel es darüber zu berichten gibt. Hermann-Josef Frisch versteht es Religionswissenschaft, Reisefieber und Geschichte in Einklang zu bringen. Dem Leser soll‘s recht sein: Er wird auf eine unendliche Reise geschickt. Bis er erleuchtet ist. Nein, darum geht s nicht in diesem Buch. Religion erlebbar machen, sie anfassen, den Spuren folgen – das alles vermag der, der dieses Buch nicht nur als Anschauungsobjekt betrachtet.

Hamburg

MM-City Hamburg

Ring frei zur zweiten Runde! Im Boxsport kommt jetzt die Zeit, in der man sich den Gegner zurechtlegt, schaut, ob die eigene Taktik funktioniert, und in der man ganz ruhig dem Erfolg entgegenstampft. Bei dieser Zweitauflage des MM-City-Reisebandes Hamburg wurde der Weg zum Erfolg schon mit der ersten Auflage vorgegeben. Somit ist die Zweitauflage keine Ergänzung im herkömmlichen Sinne, sondern eine Titelverteidigung. Und es gibt keine Manipulationen. Doch, gibt es! Zielgruppe: Potentielle Hamburch-Besucher. Und die wollen unterhalten und informiert werden.

Zweihundertsechsundsiebzig Seiten lang verfolgt der Leser das bunte Treiben in der Stadt. Kleine Aufenthalte in Bars und Restaurants, an erholsamen Punkten für Körper und Geist, auf belebten Straßen, in Vierteln, die in diesem Buch ihre Geheimnisse preisgeben, darf der Leser innehalten. Doch was ist schon eine Verschnaufpause, wenn das Reisefieber in einem hochkocht?

Matthias Kröner schafft den Spagat zwischen Information und Unterhaltung spielend. In jedem Satz schwingt das leise Wegweisen mit ohne dass der Leser ins Stöhnen kommt. „Nicht noch ein Tipp – das Leben ist zu kurz!“, diese Plattitüde kommt gegen die Wucht dieses Buches nicht an. Hamburg mal eben so mitnehmen, auf der Durchreise eine Stippvisite machen: Kein Problem! Dann halt nur eine Tour, statt der beschriebenen sieben Touren. Wie wäre es mit einem Spaziergang am Elbufer? Oder durch Alt- oder Neustadt? Den Hafen? St. Georg und Außenalster? Doch lieber Altona-Altstadt und Ottensen? Sankt Pauli soll`s sein? Bitte sehr gern. Einmal vorblättern zur Seite 112. Auf den folgenden Seiten, sechsundzwanzig an der Zahl, wird dem Mythos gehuldigt (ja, auch den Weltpokalsiegerbesiegern – Bayernfans ist die Schmach vom 6. Februar 2002 inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen). Keine Scheu vor großen Namen, heißt es auf dem einst so heißen Pflaster. Wie zum Beispiel in der „Ritze“, einer Kneipe, die schon von außen mit derber Offenheit lockt. Im Keller der „Ritze“ haben übrigens schon Weltmeister trainiert. Boxweltmeister.

Und so schließt sich der Kreis. Der Gong zur letzten Runde ertönt. Erschöpft und froh darüber, dass das Buch noch lange nicht das Ende der Träume von Hamburg ist, gelangt man auf die letzen Seiten. Nicht schlapp machen, konzentriert bleiben. Die Belohnung wartet ja schließlich noch. Im Ring gibt es ein Kampfurteil, im Buch einen herausnehmbaren Stadtplan. Wohlwollend hat der Leser die kleinen gelben Kästen durchgelesen. Hier wird Stadtgeschichte erlebbar. Kurze Anekdoten, die haftenbleiben und vor Ort die Stadt noch interessanter erstrahlen lassen. Ein Boxer hat einen großen Stab an Helfern, die ihm zu dem machen, was er ist. Hamburg-Besucher haben‘s da einfacher: Sie benötigen nur einen Helfer: Diesen!

Amsterdam

Amsterdam MM City

Unter den Metropolen der Welt sticht Amsterdam nicht nur heraus, weil es die meisten Buchstaben hat: Neun an der Zahl. Nein, Amsterdam ist der Schmelztiegel der Welt. So verwundert es nicht, dass das kulinarische Angebot so breitgefächert ist wie der Erdball rund. Oft werden die reichhaltigen holländischen Gerichte mit exotischen Gewürzen nicht nur verfeinert, sondern auf ein höheres Niveau gehoben. Das ist einer der ersten Eindrücke von Amsterdam.

Doch Amsterdam hat noch viel mehr zu bieten. Das weiß auch Annette Krus-Bonazza. Und nach dem Lesen auch der hoffnungsfrohe Besucher. Kaum eine Stadt der Welt hat ein derart reichhaltiges Staun- und Erholungsangebot. Flussfahrten, Museumsbesuche, ausgiebige Stadtrundgänge, exzellent erhaltene Architektur und ja, es kommt ja schon, auch ein imposantes Nachtleben. Amsterdam ohne einen Abstecher in den Red-Light-District ist irgendwie nicht dasselbe wie mit. Bunte Lichter, die stolpernden Touristen (hier darf der Mann noch Mann sein, also sich wie ein typischer Mann benehmen), die flackernden Lichter, die sich in den Grachten spiegeln. Es gehört halt irgendwie dazu. Doch immer mehr Bars lassen auch Frauen als Gäste zu. Emanzipation und Progressivität gehörten schon immer zur Grachtenmetropole. Um Missverständnissen vorzubeugen: Das Rotlichtviertel als Augenschmaus – ein Muss. Sich als „aktiver Stadtentwickler“ zu betätigen, muss jeder mit sich selbst ausmachen.

Amsterdam ist auch eine Museumsstadt. Nicht nur das berühmte Rijksmuseum mit einem reichen Arsenal an Rembrandts und Vermeers, auch kleinere Museen sind es wert besichtigt zu werden. Doch Vorsicht! Jeder, der ein paar günstig gelegene Quadratmeter mit ein paar scheinbar zusammenhängenden Exponaten füllen kann, macht ein Museum auf. Oft ist man nach ein paar Minuten wieder draußen und denkt sich im günstigsten Fall, „dieser kleine Gau…, hat er mich erwischt!“ Besser vorher jemanden fragen, der sich damit auskennt.

Zum Beispiel Annette Krus-Bonazza. Preiswerter und anhaltend ereignisreicher sind auf alle Fälle die elf Spaziergänge, die die Autorin für die sechste Auflage des MM City Reisebandes zusammengetragen hat. Und vor allem bunter. Die farbig abgesetzten Infokästen sind die eigentlichen Stars des Buches. Immer wieder kurz und knackig formulierte Tipps, detaillierte Hintergrundinformationen und kleine Anekdoten dienen nicht nur der Unterhaltung. Wie an einer Ampel weiß man: „Achtung, es geht gleich los!“. Immer wieder geben diese kurzen Abrisse den Blick frei für Neues und Interessantes.

Der MM City Reiseband Amsterdam ist das einzige Souvenir, das man selbst nach Amsterdam mitbringt. Für alles andere sorgt die Stadt von ganz allein!

Rom

Rom MM City

Auch wer im Geschichtsunterricht sein müdes Haupt auf dem Pult niederlegte weiß: Hier tobte seit jeher das Leben! Rom, Roma, die Ewige Stadt. Reiseanbieter locken mit Angeboten, die nie und nimmer stimmen können. Drei Tage Rom und keine Sehenswürdigkeit verpassen. Von wegen! Das klappt nur, wenn man drei Tage in diesem Buch blättert!

Drei Tage braucht man schon, um die knapp dreihundert Seiten zu durchforsten. Um dann alles zu sehen, braucht man ein Leben lang. Wer nicht so viel Zeit aufwenden kann, braucht – und das ist die logische Konsequenz – einen umfassenden, kompakten, detaillierten, klar gegliederten Reiseband, der alle Sinne anspricht. Das leise Knistern, wenn man das Buch zum ersten Mal öffnet. Der Geruch des frischen Buches steigt in die Nase. Man kann es fühlen, fast schon schmecken und bereits der Einband lässt es erahnen: Hier scheint die Sonne nur für den Besucher.

Sabine Becht hat sich die einfachste und die schwerste Aufgabe gesucht, denn sie hat einen Reiseband über Rom geschrieben, den man benutzen kann. Einfach deshalb, weil Rom voller Geschichte steckt, die erzählt werden muss. Und genau deshalb ist es auch die schwerste Aufgabe. Was ist wichtig, was weniger wichtig. Wichtig und interessant ist hier eh alles! Kaum ein Meter via, der nicht vom Hauch der Vergangenheit gestreift wurde. Kaum eine piazza, über die nicht ein Weltenbeweger geschritten ist. Kaum eine regione, die nicht den Anfang einer noch nicht beendeten Geschichte ist.

Wo also anfangen? Wie weiter? Wo aufhören? Wer Rom besucht, sollte sich einen Plan zurechtlegen. Rom wurde schließlich auch nicht an einem Tag erbaut. Und deswegen dauert die Planung eben auch ein bisschen. Drei Tage mindestens…

Der Giro d’Italia 2016 führt an achtzehn Wettkampftagen durch Italien. Und spart Rom aus. Sabine Becht schickt den Leser auf zehn Spaziergängen durch die Stadt am Tiber und spart die Rundfahrt aus. Auch wer Rom schon kennt,  oder zumindest meint es zu kennen, entdeckt hier und da, wenn auch nur andeutungsweise, Neues. Ganz wichtig in Rom: Die Fortbewegung. Alles erlaufen, ist eine ordentliche Aufgabe. Nicht für jedermann zu bewältigen. Angst etwas zu verpassen, wenn man sich motorisiert fortbewegt, muss man nicht haben. Sabine Becht gibt rechtzeitig Bescheid, wenn man an einer Sehenswürdigkeit vorbei zu schlendern droht. Keine Inschrift, kein Denkmal, kein bedeutendes Objekt bleibt unbemerkt. Als lesender Besucher der Stadt muss man immer damit rechnen etwas zu entdecken. Jeder Rundgang ist mit einer exakten Karte ausgestattet, so dass Verlaufen unmöglich wird. Und wenn man doch einmal falsch abgebogen sein sollte, na und. Auch hier gibt’s was zu sehen. Wieder zurück auf die (richtige) Piste, und schon übernimmt Sabine Becht wieder die gedruckte Reiseleitung. Wenn der Magen knurrt, die Füße schmerzen, das Auge sich erholen muss, auch hier weiß der Reiseband wohltuenden Rat. Bei einem gediegenen Glas vino bianco, einer schmackhaften Pizza oder der besten Pasta der Stadt (damit wirbt eh jeder, doch die Autorin weiß, wo es auch wirklich zutrifft), blättert man noch ein wenig im Buch und bekommt sofort einen Eindruck von dem, was noch auf einen zukommt bzw. worauf man zugeht.

Wer Rom besucht, bekommt zwei im wahrsten Sinne des Wortes weltbewegende Städte zu sehen: Rom und den Vatikan. Auch hier weiß die Autorin so Manches zu berichten und spornt zu Entdeckungsreisen an.

Für immer und jetzt

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Nichts auf der Welt wird so sehr herbeigesehnt wie die Liebe. Wie man sie bekommt, ist so facettenreich wie die Menschheit. Es zu sagen, ist die einfachste Sache. Die Liebe zu zeigen schon schwieriger. Und so unterschiedlich.

Liebe geht durch den Magen. Und durch die Nase. Durch die Nase? Kaum eine kommt heute noch auf die Idee, ihrem Angebeteten mit einem muffelnden Stück Obst ihre Zuneigung zu gestehen. Wobei die olfaktorische Wirkung schon nachgewiesen wurde. In Österreich gibt es den Apfelschnitztanz. Man vergnügt sich, tanzt, lacht. Die Mädchen stecken sich einen Apfelschnitz unter die Achsel. Und am Ende des schweißtreibenden Abends überreichen sie diesen ihrem Schatzi. Schöne Tradition, hilft vielleicht. Aber mal ganz ehrlich! Sie kommen abgetanzt, leicht angeheitert aus einem Klub. Und ihre Angetraute, ihr Objekt der Begierde überreicht ein matschiges, riechendes (wonach auch immer) Stück Obst. Wer denkt da an Liebe? Das muss es doch irgendwo auf der Welt ein geschmackvolleres Ritual geben.

Bleiben wir noch bei der amourösen Nahrungsaufnahme. In Wales, aber auch in anderen keltischen geprägten Gegenden gibt es die schöne Sitte des Liebeslöffels. Unvermählte Männer schnitzen an kalten Wintertagen Löffel mit reichen Verzierungen, die sie nach vollendeter Arbeit ihrer Auserwählten zum Geschenk machen. Die Kunstfertigkeit ist dann ein Symbol für Geschicklichkeit. In jeder Hinsicht…

Überall auf der Welt gibt es Rituale, Traditionen, die es Liebenden leicht oder schwer machen sich zu einander zu bekennen. In Kirgisien ist der Brautraub immer noch bzw. wieder ein gern genommenes Mittel, um die Angebetete an sich zu binden. Das passt leider nicht immer, wird trotzdem durchgezogen. Vorteil hierbei ist, dass auch zwei Menschen, die sich nicht lieben dürfen, analog zu den Capeluts und den Montagues, sich einfach kidnappen lassen und dann – ganz wie es die Regel verlangt – Mann und Frau sein dürfen.

In Kenia gibt es mancherorts ein erniedrigendes Ritual. Mann und Frau werden tagelang beschimpft und mit stinkenden Sachen beworfen. Wer das aushält, überlebt auch die Ehe.

Michaela Vieser macht es und dem Leser bringt es Spaß die alten Traditionen aufleben zu lassen. Denn viele Zuneigungsbekundungen sind zwar noch vorhanden, wie beispielsweise der Hongi-Kuss der Maori oder der Mailehen in einigen Gegenden des Rheinlandes. Doch die Herkunft und die wahre Bedeutung – okay, in der Regel geht es sowieso immer nur um das Eine – sind eigentlich nicht mehr existent. Und damit das nicht so bleibt, fügt die Autorin an jedes Kapitel kleine Rezepte oder Bastelanleitungen, die zum Nachahmen gedacht sind und letztendlich diese hehren (oft Herren-) Traditionen nicht gänzlich im digitalen Sumpf zu versinken lassen.

Sie zeigt aber auch, dass Traditionen keine Erfindung unserer Ahnen sind. Auch der homo sapiens der Moderne trägt (oft unbewusst) zum Fortbestand der Liebeszeugnisse bei. Der Beziehungsstatus – das lehren uns vor allem amerikanische Serien und Filme – spielt immer öfter eine große Rolle. So umgeht man das stammelnde „Ich liebe Dich“ per Knopfdruck.

Das Buch nimmt es einem nicht ab, dem Schatz seine Gefühle auszudrücken. Aber das Spektrum an neuen bzw. neu entdeckten Ritualen vereinfacht vielleicht die ganze Sache. Eine Möglichkeit ist zum Beispiel der Kauf dieses Buches. Welche Bedeutung außer der Liebe gibt es sonst noch, wenn man dieses Buch verschenkt? Auch als Wink mit dem Zaunpfahl…

Lesereise Vatikan

Lesereise Vatikan

Er ist das letzte Relikt einer vergangenen Zeit. Auf dem Papier ist der Vatikanstaat das rückschrittlichste Land der Erde. Bei näherem Betrachten ist das kleinste Land aber auch sehr fortschrittlich. Ein absolutistischer Herrscher, die bunteste Armee der Welt, aber auch die niedrigste Scheidungsrate. Der Regierungschef hat einen Migrationshintergrund, so wie eigentlich alle Bewohner. Und obwohl die Nähe zu Italien dagegen sprechen sollte, spielt die Fußball-Nationalmannschaft keine Rolle im Elf-Gegen-Elf-Weltgeschehen. Und noch was: Die Verwaltung des Landes ist der größte Immobilienbesitzer der Welt. Und zum Einkaufen allein fährt man auch nicht an den Petersplatz. Endlose Schlangen vor den Museen sind kein Argument hier ein paar geruhsame Tage zu verbringen. Warum also ist der Vatikan so beliebt bei Touristen, dass beispielsweise in den Heiligen Jahren – 2016 steht übrigens wieder eines ins Haus – mehr als die zwanzigtausendfache Menge der Einwohnerzahl an Touristen verkraftet werden muss.

Christine Höfferers Lesereise erklärt in ihren Reportagen warum es sich hier aushalten lässt und ein Abstecher ins Zentrum Roms mehr als nur lohnenswert ist. Noch einmal zurück zu den Warteschlangen. Wer unvorbereitet die Vatikanischen Museen besuchen will, braucht Stehfleisch. Besser anmelden. Dann klappt’s auch mit dem Reinkommen und man hat sogar Zeit und ein wie auch immer geartetes Lächeln für die Wartenden übrig. Zeitgemäß modern wie die christlich-sozialen Freunde in Bayern meint auch der Chef der Museen, dass hier Kontingente von Nöten seien, zumindest aber hilfreich sein könnten.

Die Schweizer Garde ist die wohl am wenigsten Schaden anrichtende Söldnerarmee der Welt. Wer mitmachen will, muss sich einer strengen Prüfung unterziehen. Wenn Alter, Größe, Herkunft, Konfession, Familienstand stimmen, gibt’s eine schicke Uniform. Und die schneidert Ety Ciccioni. Rund 150 Uniformen schneidert er pro Jahr. Die Farben setzen sich aus den Familienfarben früherer Päpste zusammen, das Blau von den Medicis und das Gelb-Rot aus dem Geschlecht der della Rovere. Wegen des Gehalts nimmt keiner der Gardisten diesen Job an. Tausendvorhundert Euro gibt’s jeden Monat vom Chef.

Die Lesereise Vatikan besticht durch die sorgfältige Auswahl der Themen und die lesenswerte Umsetzung selbiger. Christine Höfferer ist eine echte Kennerin der Geheimnisse des Vatikans. Als Tourist wird man dieses Buch verschlingen. Und immer wieder lesen. Und immer dabei haben. Sei es als Zeitvertreib in der Warteschlange, oder als Nachschlagewerk, wenn man vor Ort ist. Denn hier lauert nicht an jeder Ecke ein Histörchen, sondern im wahrsten Sinne des Wortes in Schrittlänge.

Das Format ist außergewöhnlich: Passt in jede Tasche, beult nicht aus und der Inhalt der Serie im Allgemeinen und dieses Buches im Speziellen trägt dazu bei den Urlaubsort eingehend zu begreifen.

Im Hotel Régina

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Menschen im Hotel. Das geht es oft chaotisch zu, wenn man Hollywood glauben darf. Im Hotel Régina in Nizza ist die Stimmung auch ziemlich angespannt. Wir schreiben das Jahr 1954. Frankreich will schon länger einen seiner größten Künstler mit einer Medaille ehren. Eine Gedenkmünze für Henri Matisse. Doch alle Entwürfe weist er entschieden zurück. Als die Prägestätte einen neuen Versuch unternimmt den Künstler zu einer Zusammenarbeit zu bewegen, stimmt der nur unter einer Bedingung zu: Er selbst will den Künstler auswählen. Und ihm schwebt da auch schon ein Name vor. Alberto Giacometti. Wer in den vergangenen Monaten eifrig die Nachrichten verfolgt hat, weiß, dass seine Skulpturen mittlerweile zu den gefragtesten und vor allem zu den teuersten der Gegenwart zählen. Einhundertsechsundzwanzig Millionen Euro bot 2015 ein Sammler für die anderthalb Meter hohe Bronzeskulptur „Man Pointing“.

Und begab es sich, dass der Schweizer Künstler einige Tage im Sommer bei Matisse an der Côte d’Azur zubringen durfte. Matisse saß regungslos auf seinem Stuhl oder am Tisch. Von schwerer Krankheit gezeichnet, ließ er sich portraitieren. Er wollte die Skizzen nicht sehen. Das beeinflusse ihn und den Künstler.

Giacometti ritzte mehr als dass er malte – nach Matisse könne eh niemand malen, auch er nicht. Millionen von Museumsbesuchern sehen das wahrscheinlich anders. Wenige Striche genügten, das kann man heute noch in zahlreichen Museen betrachten, um dem großen Meister gerecht zu werden. Die Kunstfertigkeit erschließt sich nicht jedem auf Anhieb. Die einleitenden und abschließenden Texte von Gotthard Jedlicka, einem Freund Giacomettis, dem Giacometti-Spezialisten Casimiro di Crescenzo und Kunsthistoriker Michael Lüthy geben den abgebildeten Skizzen die passenden Erläuterungen und füllen die Wissenslücken mehr als kenntnisreich auf.

Wer sich noch nicht eingehender mit Matisse und Giacometti beschäftigt hat, kommt bei der Lektüre dieses Buches nicht mehr aus dem Staunen heraus. Wissenschaftliche Betrachtungen zu einem Künstler sind oft etwas sperrig zu lesen. Denn jeder Betrachter hat eine andere Sichtweise auf das Kunstwerk. Hier sprechen nun aber echte Experten, die in der Kunst mehr sehen als ein gefälliges Objekt. Sie überlegen nicht, ob es zur Wohnungseinrichtung passt. Sie rücken das Objekt gerade, ziehen Parallelen zum Leben, ordnen es ein. Spannend wie ein Glauser, detailreich wie ein Mosaik, unter der Lupe des Wissens erklärt.

Henri Matisse starb nur kurze Zeit nach der letzten Sitzung am 3. November 1954 in seinem Haus Cimiez. Alberto Giacomettis Todestag jährt sich am 11. Januar 2016 zum fünfzigsten Mal.

City Trip Breslau

CityTrip Breslau

Jedes Jahr dürfen sich zwei Städte in Europa mit dem Titel „Kulturhauptstadt Europas“ schmücken. Über Sinn und Unsinn des Titels lässt sich vortrefflich streiten. Den Städten bringt es über alle Grenzen hinweg Anerkennung und Bekanntheit. 2016 sind es das nordspanische San Sebastian und Wrocław in Polen. Der Name Wrocław ist für alle, die des Polnischen nicht mächtig sind ein wahrer Zungenbrecher, weshalb wohl auch die offizielle Homepage wro2016.pl genannt wurde. In Deutschland hat die Stadt als Breslau immer noch einen klingenden Namen.

Man kann jetzt schon davon ausgehen, dass während des umfangeichenen Programms so viele Touristen aus aller Herren Länder die Stadt besichtigen werden. Und jeder Veranstalter wird einen kleinen Stadtführer für Ortsunkundige im Gepäck haben. Am Ende einer Woche hat man zahllose kleine (praktisch – damit wird jeder werben) Stadtführer, in denen immer das Gleiche steht. Als wissbegieriger Besucher stößt man damit schnell an die Grenzen.

Der CityTrip Breslau nimmt den Kamp mit der Flut von knappen Reiseführern auf und schreitet voran durch eine der interessantesten Städte Polens. Über tausend Jahre haben ihren Spuren hinterlassen. Als eines der bekanntesten Bauwerke gilt der gotische Dom, der im 13. und 14. Jahrhundert erbaut wurde. Weit über eine halbe Million Menschen dürfen Wrocław ihre Heimatstadt nennen. Somit gilt sie wohl als eine der größten noch unentdeckten Städte Europas.

Izabella Gawin macht ab der ersten Seite Lust Wrocław aus dem Dornröschenschlaf zu wecken. Für jeden ist was dabei. Sie beginnt mit den Schnellbesuchern: Ein Wochenende – eine Stadt. In Wrocław kein Problem. Backsteingotik, Flußfahrt, Geschichte und Szeneviertel. Kurz und knapp ohne dabei etwas Wegweisendes zu vergessen. Wie zum Beispiel die älteste Kneipe Europas. Seit 700 Jahren lässt man im „Schweidnitzer Keller“ bei Bier und Snacks den Tag ausklingen. Das Farbenspiel der Gaslaternen auf der Dominsel ist mehr als nur ein gelungener Abschluss eines ereignisreichen Tages.

Alle, die ein bisschen mehr Zeit in Wrocław investieren, werden aus dem Staunen nicht mehr rauskommen. Schon beim losen Durchblättern des Reisebandes fühlt man sich in die schlesische Metropole versetzt. Kunstgewerbeläden wechseln mit einladenden Cafés sich ab. Die Markthalle am Oderufer ist nicht nur zum Einkaufen da, hier lässt sich auch vorzüglich flanieren. Zahlreiche Museen zu allen Epochen und Kunstrichtungen verführen ebenso wie die zahlreichen Gärten Parks. Um die Altstadt herum führt ein grünes Band, hier vergisst man, dass man in einer Großstadt ist.

Wrocław zeigt sich dem begeisterungsfähigen Besucher von seiner schönsten Seite. Viele Orte, die es wert sind besucht zu werden, muss man suchen. Mit diesem handlichen Buch jedoch wird die Suche zu einer wahren Freude.

Wer dennoch nicht auf die kleinen Stadtführer verzichten will, weil da immer so kleine, hübsche Stadtpläne drin sind, wird mit diesem CityTrip nicht enttäuscht. Denn bei ReiseKnowHow gehört es zum Standard einen kleinen Faltplan beizulegen. Da fühlt man sich auch wieder als Tourist der alten Schule. Als Zugeständnis an die moderne Art des Reisens gibt aber für alle, die auch im Urlaub nicht aufs Smartphone verzichten wollen, eine Gratis-App.

Spaziergänge in Verona

Spaziergänge in Verona

Städtereisen haben ihren eigenen Reiz. In relativ kurzer Zeit so viel wie möglich erleben. Auf engstem Raum, relativ gesehen. In New York ist man als Fashion-Victim bestens aufgehoben. London ist ob der schieren Vielfalt fast gar nicht mehr zu fassen. Und durch Verona schlendert man beschwingt wie zu einer Mozart-Melodie. Auch dieser Stadt machte das Wunderkind einst seine Aufwartung.

Ulrike Rauh umgeht das Vorurteil, das, wer Verona besucht, nur auf den Spuren von Romeo und Julia, der Montagues und der Capulets wandern will. Wer die Stadt nur auf die beiden – fiktiven – Figuren beschränkt, wird den größten Teil der Stadt verpassen. Auch wenn sich die Stadt scheinbar nur auf ihre beiden – fiktiven – Helden zu verlassen scheint.

Ulrike Rauh genießt jeden Tag, jede Stunde, jede Minute in der Stadt an der Etsch. Mit wachem Auge, offenem Geist und gezücktem Stift streift sie durch das Verona der Vergangenheit und betrachtet es aus der Gegenwart. Nur ein wenig größer als Nürnberg, aber nur halb so viele Einwohner (was durch den Besucheransturm aber wieder ausgeglichen wird). Verona erläuft man sich, atmet die Atmosphäre der über zweieinthalbtausend Jahre alten Stadt ein.

Ulrike Rauh setzt sich nieder, wenn es ihr sinnvoll erscheint, genießt einen Cappuccino und lässt ihren Blick schweifen. Als Leser wird dabei ebenso der Wissensdurst gestillt wie der  der Autorin sich in die Stadt zu vertiefen. Immer wieder glänzt sie mit Fachwissen, das dem hastigen Reisenden verborgen bleibt.

Wer Verona bereist, sollte die „Spaziergänge in Verona“ stets zur Hand haben. Sich niederlassen, einen kleinen Snack zu sich nehmen und wenig im Buch blättern. Wer geschickt plant, hat mit diesem Buch einen idealen Reiseguide, der die Steine zum Sprechen bringt.

Und sie trifft sogar einen Nachfahren eines der berühmtesten Söhne der Stadt: Dante. Seit zwanzig Generationen gehört die Familie Alighieri zu Verona wie die Etsch und Romeo und Julia. Er staunt über das Programm, das die Autorin noch vor sich hat und gibt Ihr Ratschläge, was sie noch sehen muss. Dem Leser soll’s recht sein: Echte Tipps von einem, der’s wissen muss.

Auch Ulrike Rauh kann sich der Anziehungskraft des Romeo-Und-Julia-Kultes nicht verschließen. Trotz all des Kommerzes ist und bleibt die Stadt ewig mit den sich innig Liebenden verbunden. Sie machte einen großen Bogen um die Touristentrauben, die mehr oder weniger versierten Guides an den Lippen hängen und verführt den Leser dazu der wahren Geschichte der beiden, sofern es sie gibt, zu folgen.

In jeder Zeile, in jedem Wort, jeder Silbe spürt der Leser die Zuneigung der Autorin zu Verona. Fast meint man, dass ein Besuch nicht lohnt, weil man alles hautnah im Buch schon erlebt hat. Das ist ein Kompliment für die Ulrike Rauh, doch würde man Verona keinen Gefallen tun und sich selbst betrügen. Die im Buch abgebildeten Bilder stammen wie die Zeilen von Ulrike Rauh. Um Souvenirs muss man sich also schon mal nicht kümmern, wenn Verona auf dem Reiseplan steht…