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Es sprach der Mond zur Erde

Es sprach der Mond zur Erde

Seit Hunderten von Jahren gilt Tahiti als das Sehnsuchts-Traumziel schlechthin. Das Rauschen des Meeres, die exotische Gastfreundschaft der Maori, das immer währende „schöne Wetter“ und und und. Fletcher Christian war der erste, der hier das paradiesische Leben genoss. Eine Romanfigur. Das war im 18. Jahrhundert. Rund hundert Jahre später kam einer, der echt war: Paul Gauguin. Angeödet, angewidert, enttäuscht vom Leben in Europa zog er sich nach Tahiti zurück. Kehrte wieder heim, war wieder angeödet, angewidert und enttäuscht und wand sich endgültig dem sorgenfreien Leben unter der Südseesonne zu.

Doch das Leben auf Tahiti war weder einfach noch erfüllend. Alles so fremd, alles so fern von daheim, und doch: So organisiert und überhaupt gar nicht so frei wie er es sich vorstellte. Denn die Kolonialmacht Frankreich hatte hier schon so einige Dinge eingeführt, um die Verwaltung zu vereinfachen. Und doch war es der Startschuss für ihn und seine Karriere. Wer Paul Gauguin bisher nur als Maler kannte, wird mit „Es sprach der Mond zur Erde“ verstehen warum es den Maler hier hielt. Die Farbenpracht der Inseln, die für ihn eigenartige, schillernde Hautfarbe der Menschen, vor allem der Frauen, faszinierten ihn.

Der Sprache gar nicht bis kaum mächtig, erobert er sich seine neue Welt. Alles ist neu. Selbst einfache Gesten sind ihm fremd. Doch er lernt schnell! Auch das Ritual der Vermählung, inkl. der achttägigen „Probezeit“. Ein junges Mädchen wird „ihm angeboten“, von der Mutter. Dann wird ihm ihre Mutter vorgestellt. Was? Noch eine Mutter? Ja und nein. Die eine hat die geboren, die andere gesäugt.

Das Klima ist ihm zuwider. Die Hitze macht ihm zu schaffen. Doch das Licht, die Eindrücke und letztendlich die Befreiung von alles Sorgen und Zwängen lassen ihn nicht weiter zweifeln: Hier ist er zuhause!

„Noa noa“ heißt in der Sprache der Maori Duft. Für Gauguin duftet es nach Abenteuer, obwohl er sich nie wie ein Abenteurer fühlt. In seinem Kopf schlagen die Ideen Purzelbäume. Malen, malen, malen – er kann an nichts anderes mehr denken. Ablenkung verschaffen ihm immer wieder der Alltag und die täglichen neuen Entdeckungen.

Die in diesem Buch niedergeschriebenen Erinnerungen (und kunstvoll hinzugedichteten Phantasien) stammen von der ersten Reise Gauguins nach Tahiti in den Jahren 1891/93. Ein bis heute nicht vollends geklärter Streit mit seinem Freund Vincent van Gogh, der dem Holländer ein Ohr kostete, die Erfolglosigkeit als Maler und die Zukunftslosigkeit trieben ihn weit weg von der Heimat. Auf Tahiti schöpfte er neuen Mut und Schaffenskraft. Und schlussendlich auch finanzielle Sicherheit. Denn die auf Tahiti entstandenen Bilder ließen sich in der Heimat tatsächlich verkaufen. Beziehungsweise fand er in Ambrose Vollard einen Gönner, der ihm regelmäßig Geld schickte. Und mit Tehura fand er die Frau fürs Leben.

Wer in Paul Gauguin bisher immer nur als den Maler mit den vielen „nackten Weibern aus einer weit entfernten Welt“ sah, wird in diesem Buch den Menschen hinter den Bildern kennenlernen und teilweise verstehen können. Wozu auch die zahlreichen Abbildungen von Gauguins Bildern beitragen. Die Rituale der Ureinwohner, Gauguins Sichtweise auf sein neues Leben und die Rückschau auf das, was war, vervollkommnen das Vorwissen über einen der eindrucksvollsten Maler der vergangenen anderthalb Jahrhunderte. Die Originalausgabe von „Noa noa“ wird um einige Briefe und Aufzeichnungen ergänzt, so dass das literarische Werk Gauguins immer mehr an Bedeutung gewinnt. Er war eben mehr als nur der Maler der „nackten Weiber aus einer weit entfernten Welt“.

Gebrauchsanweisung für Amsterdam

Gebrauchsanweisung für Amsterdam

Kein Rätselbild: Fahrrad am Brückengeländer und Tulpen auf dem Gepäckträger. Klar, wir sind in Amsterdam. So viel Klischee muss sein. Häuslebauern ist diese Stadt suspekt. So schöne Häuser und alle Bewohner sind draußen auf den Straßen und den Grachten. Warum nur? Siggi Weidemann weiß es und gibt wortstark und emotionsgeladen die Antwort darauf: Es ist halt Amsterdam! Muss man gesehen haben. Sehen ja, aber richtig!

Hineinsehen ist in Amsterdam immer noch möglich. Auch wenn es immer mehr Wohnungen gibt, deren Bewohner die ihr Innerstes mit Gardinen versuchen zu verbergen. Touristen erkennt man übrigens daran, dass sie gezielt in die Wohnungen schauen. Amsterdamer lässt der Blick in Nachbars Stube kalt.

Zurück zum Klischee des Titelbildes. Fahrräder, fiets genannt. Jeder hat eines, jeder fährt eines, jeder lässt es sich je nach Modell klauen. Und jeder kauft sich schlussendlich irgendwann einmal ein Geklautes wieder. Der Rundlauf des Rades ist der Kreislauf des Fahrradlebens. Helme sind in der Grachtenmetropole verpönt. Auch hier gilt wieder: Mit Helm – Touri, ohne Helm garantiert Einheimischer. Es ist nicht ungefährlich in Amsterdam Rad zu fahren. Nicht selten bleiben Radler in den Straßenbahnschienen stecken und stürzen. Am besten am Morgen radelnd die Stadt erkunden. Oder am Sonntag, rät der Autor.

Entspanntes Leben und Amsterdam gehören zusammen wie Paris und der Eiffelturm oder mürrisch sein als Berliner Taxifahrer. „Dank dem Internet“ gibt es keine Geheimtipps mehr, nur noch Orte, die man immer wieder gern oder eben zum ersten Mal besucht. Und davon hat Amsterdam im Überfluss! Grüne Oasen der Ruhe wechseln sich mit mehr oder weniger liebevoll gestalteten Museen ab. Rot beleuchtete Straßenzüge voller Gaffer stehen neben wie leer gefegten kleinen Gassen, in denen sich wahre Shoppingparadiese verbergen. Eine kulinarische Weltreise kann man hier unternehmen. Im Kontrast dazu „das Essen aus der Wand“, aus einem Imbiss-Automaten.

Siggi Weidemanns Streifzüge sind Anleitungen zum Verweilen in einer Stadt, die wie ein Klischee wirkt und doch so vielfältig, bunt und abwechslungsreich ist wie keine andere Stadt auf der Welt. Modernes Leben und Lebenslust sind hier keine Gegensätze, sondern gelebtes Allgemeinwohl. Fast scheint es als ob man in der Grachtenstadt keinen Ratgeber braucht, außer diesen hier. Wohlwollend verzichtet der Autor auf das Hinweisen wo man gewesen sein muss, so man typisch amsterdamisch essen gehen sollte oder was man auf gar keinen Fall verpassen darf. Man muss nur die Augen und Ohren offenhalten. Und ein bisschen Anpassung an die Gepflogenheiten sollte man mitbringen. Alternativ und anders ist die Stadt auch auf den zweiten Blick. Doch fremd ist sie zu keinem Zeitpunkt.

Styleguide Wien

Styleguide Wien

Styleguide – das Wort hat irgendwie was Modernes an sich. Ein Reiseband für den modernen Reisenden, der immer nur das Neueste, das Abgefahrenste, das Außergewöhnliche sucht. Also kein Reiseband für die ganze Familie?

Ganz im Gegenteil! Denn die beiden Autorinnen sind Familie, sind Mutter und Tochter. Und sie wohnen in Wien, lieben Wien und – was ganz wichtig ist – sie kennen Wien. Und von wegen immer nur das Moderne … sie kennen beide Seiten Wiens. Die altehrwürdigen Bauten mit ihren Geschichtchen und das sich immer wieder verändernde Wien.

Wien zu erfassen ist nicht einfach. Die Stadt bietet sich an sie schlendernd zu erkunden. Staunenden Blickes mit hoch erhobenen Haupt schreitet man durch das Vermächtnis von k.u.k. und erblickt so manches Kleinod und großartige Errungenschaften. Aber hat man dann Wien wirklich gesehen? A bissl! Mehr net!

Angie und Brigitte Rattay helfen dem Neugierigen gehörig auf die Sprünge. Schon beim ersten Durchblättern hat man das Programm für zwei volle Tage zusammen. Die beiden Autorinnen gliedern ihr modern gestaltetes Buch (mit Gummiband als Lesezeichen) nach den Stadtteilen Wiens. Sie beginnen natürlich im Ersten, soll heißen im ersten Bezirk, dort wo Stephansdom, Café Korb und Albertina von außen und innen den Gast „verwienern“. Selbst wer Wien schon kennt, beißt sich vor Wut in den Allerwertesten, und fragt sich „Wieso kenne ich das nicht?“. Tja, ganz einfach, den falschen Reiseführer befragt. Aber keine Angst, beim nächsten Mal wird alles besser! Denn dieser Reiseband gehört einfach zu Wien wie Walzer, Eitrige und Schmäh.

Bildreich mit kurzen, prägnanten Texten ist dieses Buch ein ständiger Begleiter, der regelmäßig Tipps gibt. Und da man sich vorrangig in einem Bezirk bewegt, muss man nicht andauernd die kompletten über zweihundertfünfzig Seiten durchblättern, sondern bleibt in der „Umgebung“.

Neben den offensichtlichen Highlights, die natürlich nicht in einem Buch über Wien fehlen dürfen – Naschmarkt und Donauinsel – sind auch kleinere, vielleicht nicht so bekannte Anlaufpunkte vermerkt. Heißhungerbefriediger im 12 Munchies, Cineastische Hochgenüsse im Votivkino oder was auf die Ohren in Teuchtlers Plattenladen im Sechsten. Drei Orte, die nur in wenigen Reisebänden stehen, und doch das komplette, wahre Wien zeigen.

Wer Wien besucht, nur um behaupten zu können auch hier einmal gewesen zu sein, braucht dieses Buch nicht, der braucht überhaupt kein Reisebuch. Wer Wien jedoch als Höhepunkt seiner Reisen erleben will, kommt an diesem Buch nicht vorbei. Wohlfühlen in einer der schönsten Städte der Welt mit einem der befriedigendsten Bücher über die Stadt wird man voller Eindrücke wieder an den heimischen Herd zurückkehren und sich schwören, dass man beim nächsten Mal wieder mit diesem Buch Wien aufs Neue erkunden wird.

Reise in die Schweiz – Kulturkompass fürs Handgepäck

Reise in die Schweiz - Kulturkompass fürs Handgepäck

Die Schweiz ist ein kleines Land, klein an Fläche. Die Schweiz ist ein reiches Land, reich an sehenswerten Orten. Schwer sich da zu recht zu finden. Klar, dass ein Reiseband da nottut. Aber was ist mit den Dingen, die die Schweiz ausmachen? Kultur, Verhaltensregeln, Sehnsüchten? Wer die Schweiz besucht, denkt gar nicht so weit, dass es wegen der Nähe – vor allem sprachlich – doch gewaltige Unterschiede zu unseren Gefilden gibt. Wenn es doch nur ein Buch geben würde, das dem Besucher erlaubt die Schweiz einmal fernab von „Da müssen Sie hin, das muss man gesehen haben“ näherbringt. Gibt es doch! Und jeder kann ihn haben! Den Kulturkompass fürs Handgepäck für eine Reise in die Schweiz.

Und gleich zu Beginn eine Überraschung. Susann Sitzler behauptet (und kann es auch belegen), dass die Schweizer raus wollen aus ihrer Schweiz. Aber auch Heimweh haben, teils sogar daran kränkeln. Ein Widerspruch?! Zum Einen verengen die Berge die Sicht, zum Anderen geben sie auch Sicherheit und Geborgenheit. Die Schweizer sind mobil. Viele machen sich bevorzugt am Wochenende auf, um mit dem Töff das Land zu erkunden. Das Töff ist übrigens das Motorrad, kein abschätziges Wort, sondern ernstgemeinter Begriff.

Und so rollt man dann gemütlich durch die Schweiz. Über Berge und Täler, durch Dörfer. Und gelangt vielleicht sogar in einen Musikwettstreit. So wie Friedrich Glauser im Buch. Oder wird Zeuge von typisch schweizerischen Sportarten wie Schwingen und Hornussen, bei dem es um Herunterholen, Abtun oder Ablöschen geht.

Eine weitere Schweizer Tradition ist das Käsemachen. Doch Käse ist nicht gleich Käse. Kenner bemerken den Unterschied zwischen Alp- und Talkäse, und Jeremias Gotthelf gibt einen kleinen Einblick in die Naturgeschichte der Käsereien.

Die Schweiz ist mehr als eine bergige Binnenenklave mit Kreuz, Schoggi und Kuhglocken. Obwohl man sich hier gern dieser Klischees bedient, um dem Gast alles so angenehm wie möglich zu gestalten. Namhafte Autoren wie zum Beispiel Friedrich Glauser und Friedrich Dürrenmatt vermitteln dem Schweizunkundigen und Schweizneugierigen einen umfassenden Überblick über das, was die Schweiz ausmacht. Als Tourist fühlt man sich mit diesem Buch weniger als Selbiger. Pflichtlektüre vor der Reise, Stichwortgeber währenddessen und Memoirenbewahrer zu jeder Zeit.

Hotel van Gogh

Hotel van Gogh

Nicht viel los in Auvers-sur-Oise, nordwestlich von Paris. Ein paar Künstler und ab und zu ein Selbstmord. Und genau deswegen ist auch ein junger Mann hier. Sein Bruder hat sich in den Leib geschossen und dabei nur knapp sein Herz verfehlt. Die Kugel steckt noch drin, Täter und Opfer in einer Person leiden. Kurze Zeit später stirbt der Künstler, der unter Depressionen litt. Auch sein Bruder wird kurze Zeit später sterben und in Auvers-sur-Oise beerdigt werden. Sein Name: Theo van Gogh, Bruder von Vincent van Gogh und unermüdlicher Gönner und Förderer der Kunst des Impressionisten.

Über hundert Jahre später stirbt in dem gleichen Zimmer Arthur Heller. Er hatte schon vor Jahren seine Firma verkauft, um sich als Schriftsteller zu verwirklichen. Auch er hat eine Schusswunde, so ziemlich an der selben Stelle. Seine Nichte Sabine Bucher soll ihn identifizieren. Für sie eine komische Situation. Denn zu ihrem Onkel hatte sie seit Jahren keinen Kontakt mehr, er ist für sie mehr Fremder als Familienmitglied. Sie ist Anwältin und eigentlich auf den Weg nach Sylt, um mit ihrem Schatz zu urlauben. Und dann kommt auch noch ein Verleger um die Ecke. Er habe das Manuskript ihres Onkels angenommen und will nun die Vertragsmodalitäten besprechen. Ein Erstling eines Toten, der dazu auch noch im selben Zimmer wie van Gogh starb: Zynisch, aber für die Vermarktung ein unbezahlbares Pfund, mit dem man wuchern muss.

Und eine dritte Sache schiebt Auvers-sur-Oise in den Mittelpunkt des Interesses: Im Ort wurde professionell und erfolgreich eine iranische Terrorzelle ausgehoben. Die amerikanische und europäische Regierungen jubeln lautstark. Auch aus dem Iran wird gratuliert. Der Bürgermeister des knapp siebentausend Einwohner zählenden Städtchens ist wenig begeistert. Denn die iranische Gemeinde war teilweise seit Generation gut integriert.

  1. R. Bechtle spinnt aus diesen drei Geschichten ein spannendes Drama, das mit erstaunlichen Parallelen und verblüffenden Wendungen aufwarten kann. Arthur Heller legt sich insgeheim und liebestrunken mit traditionsbewussten Muslimen an. Die Erfolglosigkeit und der daran zu zerbrechende Mensch scheinen der Grund für die Selbsttötung zu sein. Was bei van Gogh eindeutig war, wird bei Arthur Heller zum Rätsel. Denn er hat sich nicht selbst gerichtet, auf ihn wurde gezielt geschossen.

Wie anno dazumal ist es an den zurückgelassenen Frauen die Geschichte zum Guten zu wenden. Ende des 19. Jahrhunderts war es Johanna van Gogh, die das Vermächtnis ihres Schwagers verwalten und zu Geld machen musste. In der Gegenwart wird Sabine Buchers Lebens gründlich auf den Kopf gestellt. Als Abschluss hält der Autor noch eine weitere kurze Episode aus dem Leben des van-Gogh-Clans parat. Denn ein weiterer van Gogh musste unfreiwillig und medienwirksam wegen seiner Obsession aus dem Leben scheiden…

Atlas der Antike

Atlas der Antike

Ein Atlas ist ein Kartenwerk. Und Karten weisen den Weg. Beziehungsweise, sie wiesen den Weg. Heute benutzt ja kaum noch jemand (aus-)gedruckte Karten. Doch der Name Karte oder der Begriff Atlas sind noch gängige Begriffe. Und so ist der Titel „Atlas der Antike“ nicht zufällig gewählt. Zweieinhalbtausend Jahre Geschichte auf einhundertsechzig Seiten – da kommt schon einiges zusammen. Schon bei der Einordnung, was Antike eigentlich ist, welchen Zeitraum sie einnimmt, kommt so mancher, der im Geschichtsunterricht lieber den Fußboden betrachtete als dem Tafelbild zu folgen, ins Schwitzen. Ist halt verdammt lang her!

Holger Sonnabend ist allerdings ein Lehrer, schließlich ist er Prof. Dr., den man folgen sollte. Und dem man vor allem folgen kann. Zum Beispiel die Etrusker. Hat man schon mal gehört, Etrusker. Die wohnten doch in … ja, genau, Italien. Dort, wo heute die Toskana-Fraktion die schönste Zeit des Jahres verbringt. Die Etrusker sind so geheimnisvoll, dass ihre Erbe bis heute ungelöste Rätsel aufgibt. Sie hatten eine Schrift, die der Griechischen ähnelte. Aber entziffern kann man sie bis heute nicht vollständig. Sie waren ein hochentwickeltes und kulturell bedeutendes Volk. Sie schmiedeten Allianzen und wurden wieder aus diesen hinausgekämpft. Sie waren die Vorgänger der Römer. Und auf deren Prinzipien beruht heute das Zusammenleben der Welt.

Die Reise geht weiter über die Beziehungen der Griechen und Perser. Wenn man sich die heutige Welt betrachtet, ist der Kampf immer noch im Gange. Wenn auch mit einer anderen Sichtweise – Persien / Iran gilt als einer der einträglichsten Märkte weltweit und Griechenland … naja, wer dort investiert, ist verdammt risikoreich. Alexander der Große, die Römer, Monarchien und Sklavenhaltergesellschaft – die Reise geht quer durch die Geschichte. Immer mit Rückfahrticket.

Anschauliche Übersichtskarten geben dem Leser einen eindrucksvollen Einblick in den Aufbau von Ländern und Städten. Zahlreiche Abbildungen von Gemälden, Stichen und Reliefs veranschaulichen exakt die Beschreibungen der Zeit.

Was dieses Buch so einzigartig, so benutzenswert macht, ist, dass es nicht wie ein Lexikon immer brav der Zeitlinie folgt, sondern, dass einzelne Wissenschaftsgebiete einzeln beleuchtet werden. Fachgebiete wie Politik, Kultur und Medizin ergeben für den Leser ein Komplettbild dessen, was uns in der Schule oft zu langweilen begann. Der Autor schafft es mit einfachen Worten die Begeisterung, die einst unsere Lehrer dazu bewegten Geschichte zu lehren im Leser zu wecken. Wichtige Ereignisse werden in farbigen Kästen hervorgehoben, ohne dabei die Haupttexte in den Hintergrund zu rücken. Ein echter Wegweiser durch die Jahrtausende!

Warten auf Robert Capa

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Ein Mann mit schmerzverzerrtem Gesicht. Er läuft einen Hügel hinunter. Ist im Fallen begriffen. Seine Waffe hat er vor einem Augenblick gerade losgelassen. Ein bekanntes Bild, ein Bild gegen den Krieg. Genau wie „Guernica“ ist es im Spanischen Bürgerkrieg entstanden. Das Foto stammt von Robert Capa, der eigentlich André Friedmann hieß. Zusammen mit drei Freunden und Kollegen gründete er die Fotoagentur Magnum.

Gerta Pohorylle ist – ebenso wie André Friedmann – Jüdin und ist vor dem perfiden Terror der Nazis – ebenso wie André Friedmann – nach Paris geflohen. Sie interessiert sich für Fotografie und nach und nach auch für André. Seine unbekümmerte Art, seine wohlformulierten Träume und Gedanken verzaubern sie. Aus Gerta und André werden Gerda und Robert. Er zeigt ihr wie man fotografiert, sie wird seine Managerin.

Robert Capa verfügt über die einzigartige Gabe zur richtigen Zeit am richtigen Ort (und im richtigen Winkel) abdrücken zu können. Der Krieg ist sein Geschäft. Schon zu Lebzeiten ist er ein gefeierter Fotograf, der der Welt zeigt, dass der Krieg sehr nah ist. Jedem!

Krieg bedeutet Warten, sagte Capa einmal ein Kollege. Für Gerda wird dieser Ausspruch zur Lebensmaxime. Immer wieder ist Robert unterwegs das Grauen der Zeit einzufangen und für die Nachwelt zu konservieren – die Zeiten, in den der Schnappschuss nur dem Lebensunterhalt diente sind jetzt schon vorbei. Und Gerda fiebert jeder Nachricht, jedem Lebenszeichen, jedem kurzen Gruß entgegen. Trotz der Nähe – auch Gerda ist in Spanien als Presseausweisinhaberin „stationiert“ – ist Robert oft nur in seinen Bildern präsent.

Der Krieg wütet, viele Schriftsteller und Künstler nahmen aktiv am Kampf gegen das faschistische Franco-Regime teil. Viele überlebten diese Episode nicht. Auch Gerda Taro nicht! Während Robert sich permanent in Gefahr begab, erlitt er seelische Wunden. Sie, die nie bewusst ins Gefecht zog, starb am 26. Juli 1937, kurz vor ihrem 27. Geburtstag, bei einem Panzerangriff. Ein Datum, dass Robert Capa veränderte …

Susanna Fortes verwebt in ihrem Roman historische Fakten mit der Macht der Fiktion. Es ist ihr Verdienst, dass mit jeder Zeile die schönen, aber auch die schrecklichen Zeiten der Verbindung zweier Künstler, so nahbar erscheinen. Die Besuche in den Pariser Cafés, in denen schon die Impressionisten stritten, der harte Broterwerb, die Furcht vor Repressalien und der entbehrungsreiche Kampf sind so eindrücklich dargestellt, dass man sich mittendrin fühlt. Bei all der Rationalität der Fakten lässt sie genügend Raum für Emotionen. So wie die Bilder von Robert Capa und Gerda Taro.

Graubünden

Graubünden

Na das ist ja ein Ding! Ein Reiseband, der mit einer Lüge beginnt. Grau ist hier in Graubünden nichts. Nicht einmal die Theorie. Alles farbenfroh! Buntbünden träfe es wohl besser! Über diesen Kanton kann man nichts Graues berichten. Friedrich Dürrenmatt durfte das, er ließ den Schrott, den Kindsmörder aus „Es geschah am hellichten Tag“ seine Opfer an einer Straße, die nach Graubünden führt sein Unwesen treiben. Aber das war‘s schon.

Bleiben wir noch ein wenig bei den Künstlern, also solchen wie Dürrenmatt. Alberto Giacometti, der Bildhauer, dessen Statuen zu den am höchsten gehandelt der Welt gehören, wurde im Stampa geboren. Und das liegt in Graubünden, dem Kanton im Südosten der Schweiz mit Grenzen zu Österreich, Liechtenstein und Italien. Leckermäuler lechzen förmlich nach dem Bündner Fleisch. Bei vielen hört hier das Wissen über Graubünden auf.

Und Marcus X. Schmid kommt hier erst so richtig in Fahrt. Ähnlich dem Bernina Express. Da hat man kaum das Buch aufgeschlagen, und schon wird man mit der harten, aussichtsreichen realität vertraut gemacht. Denn Graubünden leistet sich eine Privatbahn, die RhB, die Rhätische Bahn. Und zu der gehört der Bernina Express über den gleichnamigen Pass auf über zweitausend Metern Höhe. Wenn Berlin am Savigny-Platz am berlinischsten ist, wie einmal der Schauspieler Otto Sander sagte, so ist die Schweiz hier wohl am schweizerischsten. Über den Morteratschgletscher ins Puschlav. Keine Orte, die einem wie Schnitzel oder Kartoffelsalat über die Lippen gehen, doch eingehend besucht werden können und sollten. Der Morteratschgletscher ist der Größte in Graubünden. Acht Kilometer ist er (noch) lang und einen Kilometer (noch) breit. Er reicht nicht mehr bis an die Schienen des Bernina Express heran, jedoch sind Wege zu ihm vorhanden, ausgeschildert und leicht zu bezwingen. Also nicht nur für geübte Kletterer zu bewundern. Wie es genau hingeht, weiß der Autor und teilt dies freundlicherweise im Buch mit.

Was sich zuerst wie ein Balkan-Hauptgericht anhört, gerät schnell zum Erlebnis für alle Sinne: Puschlav oder auch Valposchiavo. Hier ist man schon fast in Italien. Hier wächst Wein. Für das Wort Regen scheint es auch keine Übersetzung zu geben. Auch hier hat der Autor wieder einen Tipp parat, den man sich zu Herzen nehmen sollte: Mit dem Zug fahren, Fensterplatz im Panoramazug reservieren und sich zurücklehnen. Außer die Augen offenhalten, hat man nichts weiter zu tun. Das Staunen, das freudige Stöhnen, das Verzücken – kommt alles von ganz allein! Der Autor setzt noch einen drauf. Gletschertöpfe soll es hier geben. Wer mit dem Begriff nichts anfangen kann, blättert um und staunt…

Schon das Titelbild verrät, dass Graubünden ein Zugfahrland ist. Meisterleistungen der Ingenieurskunst lassen schmucke Züge, die RhB fährt generell in (Schweizer?) Rot, riesige Talschluchten überwinden, die dem Passagier ein erhabenes Gefühl bereiten. Mitten in den Bergen, in etwa gleiche Entfernung zu den Gipfeln wie in die Täler lassen den Begriff Mitte, oder gar das Mittelmaß, zu etwas Großartigem reifen. Das einzige, was einem hier noch passieren kann, ist der Wetterumschwung. Von extrem schön zu sehr schön. Aber auch dagegen gibt es etwas: Die Lektüre dieses Buches! Mit reist man immer extrem gut informiert, extrem gut unterhalten und immer extrem erholt.

Der Schüttler von Isfahan

Der Schüttler von Isfahan

Prozentrechnen für Weltreisende: Wie viele Menschen in Ihrer Umgebung kennen Sie, die schon mal in der Schweiz waren? Garantiert mehr als 90 %. Und in Thailand? 70%? Namibia, Niger, Kirgistan? Weniger als ein Viertel? Und jetzt alles zusammen, also von Armenien und Chile über Iran und Usbekistan bis nach Burkina Faso und Grenada. Es tendiert wohl gegen Null. Darf ich vorstellen: Georges Hausemer. Seines Zeichens Weltreisender und eloquenter Geschichtenerzähler. Und Mister Einhundert Prozent!

Heruntergekommene Hotelzimmer, euphorisch begrüßter Kaffeegenuss, enervierende (russische) Flugzeugpassagiere, die ihrer gerechten Strafe zugeführt werden, unglaubliche Naturphänomene am Ende der Welt, der ganz „normale Wahnsinn“ in ehemaligen Sowjetrepubliken, missverständlicher Smalltalk im Taxi … die Liste der Geschichten ließe sich unendlich fortsetzen.

Die titelgebende und so viele Assoziationen hervorrufende Story ist derart überraschend, dass man selbst sofort die eigenen Urlaubserlebnisse niederschreiben möchte. Denn das, was Georges Hausemer in den vergangenen Jahren passiert ist, kann jedem passieren. Nur halt nicht so oft und schon gar nicht in so vielen Ländern. Und schon gar nicht kann jeder diese Erlebnisse so pointiert niederschreiben.

Reisen bildet – und es schafft Platz im Hirn für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Der Alltag als Besonderheit ist der Boden auf dem die Reisegeschichten des Autors wachsen. Man muss nur hinschauen. Wachen Auges schreitet Georges Hausemer durch die entlegensten Flecke der Erde. Fast scheint es so, als ob er der Typ ist, den man am Abend an der Bar, auf der Terrasse, im Restaurant irgendwo auf der Welt gesehen hat, wie er mit Stift und Papier bewaffnet seine Eindrücke festhielt. Nicht immer streng nach den Regeln wie er selbst in einer Geschichte einräumt. Denn das A und O der Aufzeichnungen sind Daten und Fakten. Manchmal ist das Erlebte so spannend, so neu, so faszinierend, dass man darüber hinaus diese vergisst. Den Ausführungen tut das keinen Abbruch. Die verlorenen Fakten machen die Texte mystischer und den Autor nahbarer.

Die mehrere Dutzend Geschichten vermitteln einen beeindruckenden Überblick über die Verschiedenheit der Lebensentwürfe der Welt. Geht in Deutschland ein Taxi kaputt, geht gleich die Welt unter. In Armenien oder Georgien nimmt man es hin. Man weiß, dass es etwas länger dauern kann. Die Definition von „etwas länger“ ist im Kaukasus auch eine gaaaaanz andere als bei uns. Aus dem kleinen Luxemburg in die Welt hinausgeschleudert, auf einem Blatt Papier um die Welt reisend, mit spitzer Feder vom Erdball die letzten Geheimnisse kratzend. Georges Hausemer ist der Reiseleiter, den sich jeder wünscht. Und sei es nur in Buchform.

Mögen deine Augen leuchten

Mögen Deine Augen leuchten

Es gab eine Zeit, da musste man selbst auf der weltgrößten Reisemesse ITB in Berlin ziemlich gründlich suchen, um auch nur eine sehr kleinen Prospekt mit Informationen über Iran zu bekommen. Man reiste einfach nicht in den Iran. Warum? Krieg, Sanktionen, Drohgebärden. Doch seit einigen Jahren steigt die Anzahl der Aussteller stetig und vor allem gewaltig an. Teheran, Isfahan, Yazd, Persepolis, Shiraz sind die am meisten angepriesenen Reiseziele in dem Land, das so eine reichhaltige Geschichte hat. Bita Schafi-Neya ist im Iran geboren, lebt in Deutschland und verbringt ihre Urlaube regelmäßig in ihrer zweiten Heimat.

Und nun berichtet sie – nach der Lektüre sagt man „endlich“ – über Iran. Doch ihr Buch ist mehr als nur ein Reisebericht mit exklusiven Eindrücken. Sie will und kann die Zusammenhänge der Geschichte, die Verbindungen in die Gegenwart nicht außer Acht lassen. Und so wird jedem Kapitel, jedem Ausflug, jeder neuen Geschichte eine Lektion in älterer und jüngerer Geschichte beigefügt. Als Leser fühlt man sich nicht gleich wie in Tausendundeiner Nacht, vielmehr in einem Land, von dem man einfach nicht viel weiß.

Iran ist ein fortschrittliches Land. Frauenquote? In Deutschland ein heiß umkämpftes Thema, bei dem sich die großen (fortschrittlichen) Konzerne immer noch schwertun. Im Iran Alltag. Allerdings muss man auch zugeben, dass es immer noch sehr schwierig ist überhaupt eine Anstellung zu bekommen. Iran ist auch ein Land der Gegensätze.

Allein schon wegen der blumigen Umschreibungen der Eindrücke lohnt sich dieses Buch zu lesen. Riesige Basare mit klaren Strukturen – eine Gasse pro Handwerk – locken mit ihren Handwerkern und Produkten. Wie in einem fernen Land wandelt Bita Schafi-Neya durch ein Land, das sie besser kennt als die meisten ihrer Kollegen, Freunde und Nachbarn, und das sie immer noch überraschen kann.

Als Leser ist man auf der Sonnenseite des Reiselebens. Eine Reiseleiterin, die ihr Spielfeld kennt. Eine Autorin, deren Schreibstil gefällt. Ein spannungsgeladenes Land, das mit Gastfreundlichkeit und unermesslichem Reichtum auf neue friedliche Eroberer wartet. Was will man mehr? Leuchtende Augen!