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Lesereise Island

Lesereise Island

Wer Island besucht, sucht das Besondere. Keine Bettenburgen, die die Aussicht auf unvergessliche Natur verstellen. Keine Bartwurststände, die Heimatgefühle aufkommen lassen sollen. Kein Strand, an dem man in der Sonne brutzelt. Wer Island sucht, wird es auch schnell finden.

Das Auffälligste an Island ist, dass es jeden Tag anders auffällig erscheint. Wo gestern noch ein bizarrer Gletscher in den wolkenverhangenen Himmel ragte, versperrt heute eine Lavawüste den Weg. Okay, das ist vielleicht eher selten – aber Naturgewalten verändern in regelmäßig unregelmäßigen Abständen das Aussehen des Horizonts. Diesen Zauber fängt Susanne Schaber in ihrer Lesereise auf poetische Art und Weise ein.

Zaubern, also wirklich zaubern, etwas verschwinden und wieder auftauchen lassen, ganz ohne Trick, das können auch die Isländer nicht. Aber ihr Glaube an Trolle und Elfen, ihre Naturverbundenheit, ihre Gelassenheit lassen sie in unseren Augen zuerst verschroben, nach kurzer Besinnung besonders erscheinen. Sie leben mit der ständigen Gefahr, dass jederzeit einer der feuerspuckenden Vulkane ihnen alles nehmen kann. Sie kennen ihre Feuerberge, wissen das Grummeln zu deuten. Und wenn es doch mal zum Äußersten kommt, sind alle gewappnet. Für immer wegbleiben, kommt für kaum jemanden in Frage. Susanne Schabers Geschichte über eine Frage auf den Westmanninseln zeichnet das Bild einer willensstarken Frau, die den Naturgewalten die Stirn bietet. Bis zu vier Jahre kann es dauern bis wieder Normalität in den Ort gekehrt ist. Und wenn beim Nachbarn wieder Licht brennt, ist es die Mühen wert gewesen.

Island aber nur als Insel der Inneren-Frieden-Suchenden zu sehen, die sich nichts Schöneres vorstellen könne als einsam auf einem Gletscher ins Nichts zu schauen, der irrt. Reykjavik, die Hauptstadt, verwandelt sich Wochenende für Wochenende in eine metropole Partymeile. Vorwiegend aus Skandinavien fliegen oder fallen Gruppen von Menschen ein, um hier die Nacht zum Tage zu machen.

Ob nun einsamste Herberge der Welt oder Partygetümmel, ob lukullische Ausflüge und Treffen der Mächtigen der Welt, ob ungestüme Natur und entlegene Landstriche – Island zieht den Besucher in seinen Bann, dieses Buch den Leser. Susanne Schaber schafft dem blassen Image der Insel Farbe zu verleihen. Sie schaut in die Kochtöpfe, erzählt von immensen Aufbauarbeiten, schwärmt von unberührter Natur, so dass man schon beim Lesen gedanklich die Koffer packen will. Doch zuerst muss man zu Ende lesen. Es lohnt sich!

Lesereise Côte d’Azur

Lesereise Cote d'Azur

Es gibt sie noch, die Sehnsuchtsorte. Trotz Globalisierung und Gleichschaltung bei der Gestaltung von Orten verheißen einige Landstriche immer noch Glanz, versprühen ihren Zauber nur durch ihren Klang. So wie die Côte d’Azur. Ein Hauch von Eleganz, Extravaganz, Verruchtheit, aber auch Exklusivität. Helge Sobik hat dem Mythos Côte d’Azur auf den Zahn gefühlt.

Und er gibt dem Affen Zucker, wenn er seine Lesereise mit dem Klischee der Schönen und Reichen beginnt. Am Cap d’Antibes liegen die paradiesischen Anwesen der oberen Zehntausend. Wer hier ein Anwesen sein Eigen nennt, hat es geschafft. Finanziell zumindest. Ein Blick über die Hecke werfen und vielleicht einen A-Promi beim Sonnenbad erblicken – eher selten. Man bleibt gern unter sich. Um denen da oben ganz nah zu sein, muss man hier arbeiten, als Strandbademeister zum Beispiel. Man muss diskret sein (können). Dann erhascht man vielleicht sogar mal ein Autogramm.

Sobiks Geschichten wechseln zwischen Privatkonzerten von Bono, Sänger von U2, und einzigartigen Naturschönheiten. Wie der Insel Porquerolles. Georges Pompidou rettete die Insel vor der maßlosen Kommerzialisierung als er anwies die Insel vom Staat kaufen zu lassen. Oder Port-Cros. Unbewohntes Eiland, Nationalpark. Rauchen verboten! Wer erwischt wird, dessen Geldbeutel wird um den größten Euroschein erleichtert. Also Kippen weg, Augen auf, und das Atmen nicht vergessen! Denn die Insel verleitet regelrecht zum Atemstillstand.

An der Côte d’Azur trifft Helge Sobik auf Erinnerungen an Stars wie Curd Jürgens, Pablo Picasso und Marlene Dietrich. Auch sie erlagen dem Charme dieses Landstriches, der so viel verspricht. Und es auch hält. Doch er trifft auch auf Menschen, denen die Gäste und ihr Geld egal sind. Sie lieben es hier ihr Leben zu leben. Andere wiederum können ohne die großen Namen nicht leben. Sie profitieren vom Ruhm und Geld der Paparazziopfer. Vielleicht ist es ja gerade diese Mischung, die die Côte d’Azur so reizvoll macht?

Die Lesereise Côte d’Azur macht Appetit auf eigenes Erleben. Man muss ja nicht gleich im teuersten Hotel am Platze absteigen und einen Eisbrecher für einen zweistelleigen Betrag bestellen. Das geht hier an jeder Ecke. Die Côte d’Azur lebt von ihrer Natur. Sie ist die Basis für das, was heute sehnsuchtsvolle Tränen in die Augen der Träumer treibt. Saint Tropez, Nizza, Cannes, all das kam im Laufe der Zeit. Ohne das reizvolle Klima, die betörende Landschaft wären auch die Stars wie Brigitte Bardot hier niemals hängen geblieben. Und der Mythos Côte d’Azur wäre niemals an Tageslicht gekommen. Aber dann hätte es auch dieses Buch niemals gegeben. Das wäre wirklich schade!

Lesereise Helsinki

Lesereise Helsinki

Finnland im Allgemeinen und Helsinki im Speziellen finden im Bewusstsein vieler nur während der Wintersaison der Sportler statt. Da ist es viel zu kalt. Und im Winter wird‘s nie richtig helle, im Sommer niemals dunkel. Vorurteileüber Vorurteile, die … naja … stimmen. Aber ist das ein Grund Helsinki und Finnland mit Nichtachtung zu strafen? Nein! Rasso Knoller erklärt in diesem erstklassigen Büchlein warum.

Natürlich ist es im Winter hier oben im Norden verdammt kalt. Aber in Zeiten von Funktionskleidung dürfte das ja wohl kein Problem sein, oder?! Und außerdem überleben die Finnen die lange kalte Jahreszeit ja auch. Sie rennen nicht vor der Kälte davon. Apropos Flucht. Im Sommer fliehen die Finnen. Nicht – wie jetzt vielleicht manch einer denkt in die Kälte, weil sie es halt gewöhnt sind – nein, sie fliehen aufs Land. Jedes Jahr im Sommer setzt eine organisierte Stadtflucht aus Helsinki ein. Jeder, der kann, setzt sich richtig Natur in Bewegung. Alle auf einmal! Stau? Na und! Der Finne an sich ist geduldig. In einer Runde zu schweigen, animiert die meisten von uns Mitteleuropäern zum anhaltlosen Plappern. In Finnland kennt man nur den Begriff des behaglichen Schweigens.

Rasso Knoller stöbert weiter in der Ostsee-Metropole. Er trifft auf Werktags-Abstinenzler, die dafür am Wochenende (mit Erlaubnis der Gattin!) so richtig ihrem über der Woche aufrecht erhaltenen Alkoholentzug entsagen. Ein geflügeltes Wort besagt, dass Alkohol ohne Rausch vergebens ist. Dabei bleibt der Autor immer neutral – er wertet dieses Gebaren nicht. Auch die verwunderten, ja manchmal sogar bedauernden, Blicke seiner Kollegen, weil jeden Tag zur Mittagszeit sich ein kleines Bier genehmigt, sind für ihn bald Normalität.

Ein Helsinki-Aufenthalt ohne Sauna ist nur die Hälfte wert. Das Wort Sauna ist das einzige, was weltweit mit dem kalten Landstrich in Verbindung gebracht wird. Ok, Nokia vielleicht noch. Die Finnen sind nicht verrückt nach Sauna, für sie ist elementarer Bestandteil des Alltags. Manche gehen soweit ihrer Passion Räder unterzuschnallen. Ob nun vier- oder zweirädrig. Sauniert wird immer und überall.

Rasso Knoller macht Appetit auf Finnland und Helsinki. Geschichte und Geschichten wechseln sich im fröhlichen Reigen ab. Wer Helsinki nur aus den Nachrichten kennt, und sich bisher kaum für unseren nordöstlichen Ostseeanrainer  interessiert hat, dem wird mit diesem kleinen Büchlein klar, dass er bisher was verpasst hat. Ein Appetitmacher auf Heiß und Kalt!

MM City Madrid

Madrid

Spaniens Hauptstadt fristet ein Zweite-Reihe-Dasein. Das Hauptreiseziel unter den Städten Spaniens ist Barcelona. Auch die Krönungszeremonie des neuen Königs Felipe VI. brachte Madrid nur kurzzeitige Berühmtheit. Da hallt der Champions-League-Erfolg von Real Madrid länger nach. Doch Madrid hat diesen Status nicht verdient! Zeit Spaniens stolze Hauptstadt doppelt zu erfahren.

Hans-Peter Siebenhaars Madrid-Stadtführer ist sowohl in Buchform als auch als App auf dem Smartphone verfügbar. Letzteres kostenlos! App runterladen (QR-Code auf der letzten Umschlagseite des Buches), GPS einschalten und schon ist man in einer der schönsten Städte aufs Beste informiert, wird zu den interessantesten Plätzen gelotst, zu den leckersten Mahlzeiten verführt und erhält Geschichte(n) aus erster Hand.

Wenn man einfach nur so nach Madrid will, kommen einem der Prado, der Königspalast und ein bisschen spanisches Flair auf den Straßen in den Sinn. Doch damit hat man nur einen sehr kleinen Bruchteil der Stadt erfasst. Hans-Peter Siebenhaar hat 17 Stadtrundgänge und Touren erstellt. Und jede einzelne ist es wert „abgearbeitet“ zu werden.

Im Urlaub sieht man alles ein bisschen lockerer. Keine starren Regeln, die den Alltag umreißen. So ist auch dieser Reiseband angelegt. Die dritte Tour zum Beispiel nennt sich „Das Madrid der Banker und Dichter“. Ein gelungenes Wortspiel, das ab dem ersten Schritt überzeugt: Los geht’s an der Banco de Espana. Über die  Calla de Alcalá, eine viel befahrene Straße führt die Tour vorbei am Parlament und Museen bis in ein andalusisches Hammam. Wenn das keine Abwechslung verspricht…

Immer wieder hält man inne, um die farbig unterlegten Kästen zu lesen. Hier wird Stadtgeschichte greifbar. Anekdoten ergreifen den Leser, die er nicht so schnell vergessen wird. Ebenfalls nicht vergessen wird man den Großstadtlärm Madrids. Die Stadt gilt als die lauteste Metropole Europas. Autohupen, Straßenmusiker und Händler verwandeln auch nach Einbruch der Dunkelheit in ein babylonisches Sprachengewitter, das nicht abnehmen will.

Als Gegenpart ist da der Parque del Retiro zu empfehlen. Ein riesiges Gelände, das man auf der sechsten Tour genussvoll erobern kann. Gleich nebenan ist auch der Prado. Auch hierfür hat der Autor einen Geheimtipp. Wer sich die Wartezeit ein wenig versüßen will bzw. ein wenig Stärkung benötigt, kann diese sich im Ritz gegenüber holen. Das ist doch viel zu teuer, meint man. Doch was wäre ein Geheimtipp wert, wenn er nur für eine bestimmte Klientel bestimmt wäre? Probieren Sie es aus.

Ob nun als App oder als Buch mit beigelegtem Stadtplan – dieser Reiseführer überrascht den eingefleischten Leser der Michael-Müller-Bücher nicht. Exzellent recherchierte Touren, nützliche Tipps und ein gefälliger Aufbau sind die Grundlage eines jeden Stadtführers. Madrid überrascht, weil man sofort merkt, dass die zweite Reihe auch ihre Reize hat.

Nibelungenland

Nibelungenland

Rainer Schöffl ist wieder unterwegs. Wieder in Sachen Nibelungenlied. Dieses Mal aber nicht auf Wanderschaft auf den Pfaden von Siegfried und Hagen, sondern Wort für Wort im Nibelungenlied selbst. Denn das Nibelungenlied ist (in erster Linie kein Beitrag zum Eurovision Song Contest) kein abgeschlossenes, vollständig erhaltenes Werk deutscher Kultur. Es ist ein aus Fragmenten zusammengesetztes Werk, das je nach Betrachter eine Blickrichtung freigibt. Wer also mehrere Varianten liest, kommt oft und schnell durcheinander. Wer nur die Filme sieht, erkennt kaum den Grund der Sage.

Rainer Schöffl ist es als Ingenieur Ordnung in die Dinge zu bringen. Der Bestseller aus vergangenen Zeiten hat es nötig, dass sich jemand des Wirrwarrs annimmt. Nun ist nicht jeder in der Lage, geschweige denn gewillt das Nibelungenlied in Originalsprache zu lesen. So ein mittelhochdeutscher Text liest sich ja auch nicht wie ein Rezept für Spaghetti Bolognese. Doch sollte man einige Begriffe erkennen und herleiten können. Der Autor ist so freundlich und gibt einen kleinen Einführungskurs in Mittelhochdeutsch. Wie werden Vokale und Konsonanten ausgesprochen. Hat man diese Kapitel geschafft, ist der Rest zwar noch kein Selbstläufer, aber um Einiges leichter zu verstehen.

Die einzelnen Handschriften – es sind 36 oder 37, so sicher sind sich die Wissenschaftler nicht – werden vereinzelt in ihren Unterschieden besprochen.

Das eingehendste Kapitel beschäftigt sich mit den handelnden Personen, ihren historischen Grundlagen und den Handlungsorten. Die wurden von Rainer Schöffl besucht und in seinem Buch „Nibelungenweg“ (ebenfalls bei Edition Karo erschienen) so ergiebig und nachvollziehbar beschrieben. Um die Nibelungen zu verstehen braucht man also drei Bücher: Zum Ersten das Nibelungenlied selbst, die Ausgabe ist dabei fast schon unerheblich. Denn wer einmal Blut geleckt hat, liest auch weitere Ausgaben. Zum Zweiten und Dritten benötigt man die beiden Bücher von Rainer Schöffl. Als Wanderbuch und Erläuterung eines der am längsten sich kaufenden Bücher.

Konstanz in 90 Minuten

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Was kann man alles in neunzig Minuten machen? Backen, kochen, ein Fußballspiel anschauen … und Konstanz erobern. Als Tourist, versteht sich. Zehn Stationen in der Stadt am Bodensee und man wird süchtig nach Konstanz. In diesem kleinen Büchlein wird natürlich nicht die gesamte Geschichte der Stadt abgebildet, aber sie zeigt ihr wahres Gesicht. Das Jahr 2014 ist in Konstanz besonders vom 500jäöhrigen Jubiläum des Konstanzer Konzils geprägt. Die Touristen werden i die Stadt strömen, um sich als geschichtsträchtigen Pfaden den Hauch der Vergangenheit um die Nase wehen zu lassen. Da ist es von Vorteil sich ein wenig auszukennen. Und dafür ist diese Büchlein der ideale Begleiter. Per pedes durch die sonnenverwöhnte Meeresmetropole. Klingt vielleicht ein bisschen übertrieben, aber der Bodensee geht als Meer durch. Wer jetzt sagt, dass man mehr als 90 Minuten für Konstanz braucht, liegt goldrichtig. Nachspielzeit – in diesem Buch richtigerweise als Plus-Zeit-Angebote hervorgehoben – sorgen für nachhaltige Erlebnisse. Anpfiff für einen Rundgang durch Konstanz.

Köstliche Marmeladen und Brotaufstriche

Köstliche Marmeladen

Es kommt immer einmal im Leben die Zeit, in der alt Hergebrachtes wieder chic wird. Omas Wissen wird hervorgekramt und man erfreut sich am bewährten Wissen der Ahnen. Nun gut, wir werden sicher nie mehr mit Pfeil und Bogen auf Fleischjagd gehen. Aber mit einem Feuerstein ein wärmendes Licht zu erzeugen ist schon ein Abenteuer. Omas Rezepte auszuprobieren hingegen hat sich als Marke „Was Oma noch wusste“ längst etabliert.

Was gibt es Schöneres am Frühstückstisch als eine dicke Scheibe Brot, die ebenso dick bestrichen ist mit selbstgemachter Marmelade, hineinzubeißen. Das sind die echten Wachmacher, die den perfekten Start in den Tag garantieren! Ernst Rehren hat seinen Finger zum Kosten in Europas Marmeladentöpfe vom Atlantik über den Ural hinaus bis ins asiatische Sibirien gesteckt. Und dabei hat er Leckeres zum Munde geführt. Er ist so freundlich und lässt nun den Leser an seiner Lukulli-Tour teilhaben. Wem schnell das Wasser im Munde zusammenläuft, der sollte sich beim Lesen eine Serviette unterlegen. Frisches Weißbär-Eisbär Gelee, mmmmh mit Johannisbeersaft und Pfefferminzblättern – die Info, dass sich die Blättern erst rot färben, das Gelee dann bernsteinfarben wird und nach einem halben Jahr die Pfefferminze an Geschmack verliert, erübrigt sich: So lang hält sich das Gelee eh nicht! Das steht schon beim Lesen fest.

Britisch erhaben kommt Pink Gin daher. Grapefriut (pink please), Gin, Wacholderbeeren, Vanille und weitere Zutaten aus dem Asialaden ergeben einen erfrischenden Brotaufstrich, jedoch erst ab 18.

Wem das alles noch nicht reicht, der bekommt auch ein paar geistreiche Beigaben in flüssiger Form. Quittenlikör, Schlehenlilör oder auch Fasanenbrause.

Dieses unscheinbare Buch hat es in sich. Denn es ist eines der wenigen Kochbücher, das von der ersten bis zur letzten Seite ausnahmslos nachkochbar ist. Und man wird jedes einzelne Rezept nachkochen. Das ist garantiert!

Südschweden Reisebuch

Südschweden

Der Süden Schwedens gehört seit Jahren zu den beliebtesten Reisezielen in Europa, zumindest für diejenigen, die sich nach Ruhe, Natur und einem Kulturwechsel „gleich um die Ecke“ sehnen. Das Königshaus – mit deutschem Anstrich – ist bei uns ebenso beliebt wie in Land der Schären. Sabine Gorsemann zeigt dem Leser / Reisenden nicht nur die schönsten Ecken Südschwedens, sie weist auch auf die Besonderheiten im Land hin. Denn obwohl Schweden so nah liegt, gibt es doch teils gravierende Unterschiede. Als Erstes kommt einem da der Alkoholerwerb in den Sinn. Doch ganz so strikt wie es einmal war, ist es nicht mehr. Doch wegen des Alkohols allein fährt man nicht nach Südschweden!

Hier scheint die Welt noch in Ordnung. Saftige Wiesen, gesunde Wälder, kaum Straßenverkehr, die typischen ochsenblutroten Häuschen – alles Klischees, die doch mehr als nur einen Funken Wahrheit in sich bergen.

In sechs Regionen unterteilt die Autorin ihre Erkundungstouren. Skåne und Halland mit den Städten Malmö und Helsingborg. Leseratten ist Ystad ein Begriff, die Stadt, in der Kommissar Wallander ermittelt. Bohuslän und Dalsland ist weithin unbekannt, Göteborg als größte Stadt hingegen ist den meisten ein Begriff. Västergötland und Närke im Inneren glänzt durch seine abwechslungsreiche Natur. Hier erfüllt sich am ehesten das Klischee vom weiten, verlassenen Schweden. Blekinge und Småland ist der „Garten Schwedens“. Mit Ostergötland und Sörmlad kommt man dem sechsten Kapitel und somit der ersten Anlaufstation in Schweden immer näher: Stockholm.

Die Hauptstadt besticht durch ihre Einzigartigkeit. Ein Shoppingparadies wie es kein zweites gibt. Aber eben anders. Viele kleine Läden laden zum Anprobieren, Verkosten und Stehenbleiben ein. Keine Großstadthektik, kein Gehetze, weil man noch unbedingt in diesen oder jenen Laden muss. Hier ist die Innovation Antriebsmotor, das Geld verdienen kommt dann von ganz allein.

Egal welche Region Südschwedens man bereist, Europas Norden ist anders. Anders angenehm. Entspanntes Reisen wurde hier erfunden. Die Infrastruktur ist sehr gut ausgebaut, so dass man mühelos im Land herumfahren kann. In Schweden bedarf es weniger Regularien. Hier schienen die „guten Dinge des Lebens“ tief in den Herzen der Menschen verwurzelt zu sein. Kinder genießen besondere Privilegien. Überall wird gesungen. Singfeste gehören für Schweden genauso zum Alltag wie hierzulande der samstägliche Gang ins Fußballstadion.

Mit diesem – bereits in der fünften Auflage erschienenen – Reisebuch kommt man sich durch Südschweden. Wie auf einem Silbertablett präsentiert die Autorin die Vorzüge Südschwedens – fast schon wie in der Werbung. Nur halt mit erfüllten Versprechungen.

MM City Hamburg

MM-City Hamburg

Ein Mann sitzt im Bus von der schleswig-holsteinischen Ostseeküste. Sein Weg führt ihn nicht nur in eine der schönsten Städte Deutschlands, seine Mission ist weitaus bedeutender: Er will den Geist der Stadt auf über 250 Seiten reisebeständigem Papier bannen. Hamburg heißt seine Sehnsucht! Matthias Kröner ist mehrere Dutzend Male in die Elbmetropole gereist, um ihr die geheimsten Geheimnisse zu entlocken. Tja, was soll man sagen? Es ist ihm gelungen! Wer Hamburg nur als Beigabe zur Reeperbahn, Sankt Pauli (ob nun den FC oder den Stadtteil ist erstmal egal) und den Hafen sah, wird baff sein, was Hamburg alles zu bieten hat. Im Nachgang der Unruhen (der Fans) zum Klassenverbleib des Bundesligadinos, wird es so manchen erst recht an Alster und Elbe ziehen. Hamburg ist voll mit Attraktionen. Doch welche soll man zuerst besuchen? Welche kann man im Vorbeigehen erhaschen? Was MUSS man gesehen haben? Keine leichte Aufgabe in einer Millionenstadt.

Zwei Jahre lang fuhr er immer wieder gen Elbe, um für seine Spaziergänge zu recherchieren. An altbewährtem wie dem Fischmarkt und der Reeperbahn vorbei durch die Neustadt und an der skandalumwitterten Elbphilharmonie bis zur Trostbrücke und einem Rundgang durch das abwechslungsreiche Ottensen. Überall gibt es Sehens- und Berichtenswertes. Nur eine Frage konnte auch Matthias Kröner nicht beantworten. Die nach dem Geburtstag der Stadt. Die namensgebende Hammaburg wurde irgendwann zwischen 810 und 822 errichtet. Von wem ist auch unklar. Feierwütige können so noch ein paar Jahre das 1200jährige Stadtjubiläum feiern.

Noch einmal zurück zum Traum von Matthias Kröner. Seine Reiseimpressionen sind nicht nur aus gedrucktem Papier zu erhalten. Seit einiger Zeit sind ALLE Inhalte der neu erschienen MM City Reisebücher auch als KOSTENLOSE App (mmv.me/buchundapp oder Code vom Cover scannen) erhältlich. Einfach aufs Smartphone laden und schon hat man die ganze Welt in der Tasche. Einerseits lesen, andererseits gucken. Wo geht’s lang? Was gibt’s dort zu sehen? Und wie sieht es aus, wie erkenne ich es? Für ausgefuchste Besucher empfiehlt sich das Doppelpaket: Für morgens die Tour mit dem Buch planen, mit dem Smartphone die Tour durchführen. Da sind echt gute Ideen dabei. Zum Beispiel kann man die Tour nach Dauer, Interessen (Hochkultur oder Schlemmen, ob mit oder ohne Kinder, mobil oder auf den öffentlich Nahverkehr angewiesen etc.) planen. Die App erledigt dann die restliche Planung. Man muss sich nur noch treiben lassen. Echt innovativ und sehr leicht zu bedienen.

Und dann wird aus Hamburg nicht das hanseatische Hamburch, sondern das dem Autor gelegene Hamburrrrrg.

Thomas Cook – Pionier des Tourismus

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Biographien erfolgreicher Unternehmer bergen immer einen Schuss Spaß und Verwegenheit in sich. Wer erfolgreich war, ist und sein will, muss ungewöhnliche Wege beschreiten. Mit dem Lehrbuch im Kopf hat es noch keiner ganz an die Spitze geschafft. Man sollte das Lehrbuch jedoch unterm Arm tragen. Gewisse Regeln kann man dehnen, aber nicht brechen.

Wer heutzutage eine Reise im Reisebüro bucht, reist oft mit Thomas Cook. Der Reisekonzern gehört zur ersten Liga der Reiseveranstalter. Der Firmenname geht auf Thomas Cook zurück.

Im 19. Jahrhundert waren Reisen nur der elitären Schicht vorbehalten. Als kleiner Junge, der schon früh den Vater verlor, kamen Reisen für den kleinen Thomas nicht in Frage. Als Wanderprediger zog es ihn zwar in die – für ihn – große weite Welt hinaus. Doch als Reisen wie wir es heute kennen, kann man das nicht gerade bezeichnen. In einer kleinen Gemeinde bleibt der Baptistenprediger Cook hängen, heiratet und gründet eine Familie. Noch immer deutet nicht auf Fernweh und Erholung hin. Das Leben von Thomas und Marianne Cook ist geprägt von der Bibel und dem Kampf gegen den Alkoholismus. Beide – Thomas und Marianne – unterzeichneten sogar eine Absichtserklärung dauerhaft dem Alkohol zu entsagen.

Er schloss sich der Bewegung der Temperenzler an. Diese verteufelten den Alkohol wo und wann immer sie konnten. Erste Ausflüge in die nähere Umgebung dienten dazu potentiellen „Alkoholzusprechern“ davon abzuhalten sich zu betrinken. Alkoholismus war im England des 19. Jahrhunderts ein echtes Problem. Kinder wurden schon früh zur Arbeit gezwungen. Im Erwachsenenalter waren sie körperlich derart kaputt, dass sie zur Arbeit kaum noch taugten und am Rande der Gesellschaft ein trostloses Leben führen mussten.

Der Erfolg der Reisen spornte Thomas Cook an. Aus dem Prediger wurde ein Unternehmer. Seine Reisen waren günstig und begehrt. Mit dem heutigen Geschäftsmodell haben seine Anfänge aber nur wenig zu tun.

Heute würde Thomas Cook nur den Kopf schütteln über die Pauschaltouristen in den Erholungszentren dieser Welt: Alkoholexzesse am Ballermann, rüdes Benehmen gegenüber Personal – das war es nicht, was Thomas Cook im Sinn hatte als er seine Firma im Geschäftsleben etablierte.

Die Biographie Thomas Cooks ist voll mit historischem Wissen, Anekdoten und Zusammenhängen, die heute als gegeben hingenommen werden. Jörn W. Mundt gelingt der Spagat zwischen spannender Reiselektüre und historischen Fakten. Lesenswert für alle, die beim Reisen gern mal nach links und rechts schauen.