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Montenegro

„Aus den schwarzen Bergen kommen wir. Unsre Gäste sind genauso begeistert wie wir“, okay, am Versmaß muss noch gefeilt werden. Aber inhaltlich stimmt dieser Reimversuch zu einhundert Prozent. Seit Jahren entwickelt sich das Land zu einem Hotspot für alle, die noch einmal im Leben unberührte Landschaften aufsaugen wollen. Doch die Zeit wird knapp. Immer schneller schreitet der so genannte Fortschritt voran und die bis vor Kurzem noch unentdeckten Schönheiten werden touristisch erschlossen. Einfach mal mutterseelenallein auf einem Berg stehen und in eine tiefe Schlucht – die Tara-Schlucht ist die tiefste Europas! – schauen, ähnelt jetzt schon einem Lotteriegewinn.

Aber keine Angst, Marko Plešnik, der Autor dieses Reisebandes, kennt noch so manches Plätzchen, das man fast für sich allein hat. Wenn man das Buch liest und seinen Ratschlägen folgt.

Immer wieder ist man fasziniert, dass ein so kleines Land (nur ein bisschen kleiner als Schleswig-Holstein) eine derart geballte Fülle an Attraktionen aufbieten kann. Fast schient es so als ob man von jedem Berg aus direkt in die Adria springen kann. Klare Seen, die in ihrer Reinheit verblüffen, wilde Wanderungen durch wilde Landschaften machen den Wanderer ganz wild vor Glück. Doch Vorsicht! Nicht immer sind alle Wege wie daheim ausgeschildert. Da empfiehlt es sich einem Experten anzuvertrauen. Wie dem Autor dieses Buches.

Akribisch beschränkt er sich nicht nur darauf eine Aufzählung alles Sehenswertem aufzulisten. Vielmehr sorgt er sich um das Wohl des Lesers, denn der wird unweigerlich zu Besucher werden. So viel sei an dieser Stelle schon verraten.

Die Bucht von Kotor zum Beispiel gehört zu den geheimen Orten, die schon längst nicht mehr geheim sind. Der Fjord, der durchaus immer noch dazu taugt, um in Quizshows eine größere Summe in Aussicht gestellt zu bekommen, ist ein Vorzeigeprojekt für Tourismusentwicklung. Schon in der Jungsteinzeit besiedelt, wippen heutzutage mancherorts Yachten in der Marina, die den Aufstieg wie selbstverständlich symbolisieren. Zahlreiche Ortschaften säumen die Wege auf die Hügel, von denen aus man die genussvollsten Aussichten genießen kann. Byzantiner und Nemanjiden herrschten hier, heute sind die Wasserballer die Helden der Zeit. Kirchen und Festungen sollten nicht nur als Wanderziele gesehen werden, sondern als Geschichtszeugnisse, die anderorts kaum noch so vorzufinden sind. Geschickt schafft es Autor Marko Plešnik die Balance zu halten zwischen dem, was offensichtlich ist (und somit massentauglich) und dem, was unerschrockenem Entdeckergeist die Freudentränen in die Augen schießen lässt.

Spreewald

Na klar kennt man den Spreewald. Dort, wo die Gurken herkommen und man mit dem Auto nicht weit kommt. Eine Naturlandschaft, die nur mit Booten befahren werden kann. Wo der Mensch an die Möglichkeiten seines Einflusses stößt. Und doch kennt man den Spreewald vielleicht doch nicht so gut.

Zumindest nicht so gut wie André Micklitza. Sein Reiseband ist eine Fundgrube für alle, die die sechs vorangegangenen Ausgaben des Buches verpasst haben. Und selbst, wer eine oder mehrere Ausgaben gelesen und auf Abenteuergehalt überprüft hat, wird hier noch mehr entdecken.

Erste Anlaufstelle ist für die meisten Besucher Lübbenau. Vorsicht, es gibt auch Lübben! Das liegt aber ein paar Kilometer nördlich. Und Neu-Lübbenau liegt noch weiter im Norden des Spreewaldes. Gleich in der nähe von Schlepzig (hier greift die moderne Autokorrektur gern mal ein und macht daraus Leipzig. Vorsicht also bei der Benutzung moderner Hilfsmittel. Dieses Buch ist vollkommen ausreichend, um die ganze Pracht des Spreewaldes zu erkunden.

Bleiben wir doch gleich in Schlepzig. Mehr als tausend Jahre alt erfährt es immer noch und immer wieder Renaissancen. Hier wird Schnaps gebrannt und das Bier erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Hat man die hochprozentigen Prüfungen bestanden, sollte man mit klarem Kopf die Fachwerkkirche und das Bauernmuseum nicht außer Acht lassen.

Aber das Wichtigste im Spreewald bzw. das Highlight in dieser urigen Landschaft sind und bleiben die Kahnfahrten. Kamera gezückt, Ohren aufgesperrt und mit allen Sinnen links und rechts der Fahrt wahrhaft Einzigartiges einfangen.

Kaum zu glauben, dass der Mensch sich hier niederzulassen getraute. Ist ja alles Sumpf! Nur mit dem Boot zu erreichen. Hier lässt es sich gut leben. Und staunen. Wer nur ein wenig im Buch blättert, kommt dem Geheimnis des Spreewaldes schnell auf die Spur.

Die Touren mit samt dem detailreichen Kartenmaterial, die unzähligen Infos (einfach mal drauf loswandern ist hier nicht das Mittel der Wahl), und die eindrucksvollen Bilder lassen den Leser staunen. Es sind eben doch nicht nur Wasser und Boote und Gurken aus dem Fass, die den Spreewald so erlebnisreich machen.

Schorfheide

Wer sich auch nur ein wenig für Geschichte interessiert, dem kommen Szenen von aufgefächerten Jagdtrophäen vors geistige Auge, wenn die Rede von der Schorfheide ist. Nazis wie Kommunisten föhnten hier ihrer Leidenschaft Wild im Berliner Norden ins Visier zu nehmen. Wer hingegen Erholung als Elixier zwischen Dienst und Pflicht sieht, dem wird beim Gedanken an die Schorfheide warm ums Herz. Und wer Reisebände sammelt, weil er Reiseziele sammelt, der wird mit erstauntem Auge dieses Buch in die Hand nehmen. So ein relativ kleines Reiseziel – und ein eigenes Reisebuch?! Ja, warum nicht!

Im Dreieck Templin, Angermünde, Eberswalde liegt das Paradies. Anders kann das Fazit gar nicht lauten. Den Begriff Lärm findet man hier nur im Fremdwörterlexikon. Als absolutes Gegenstück zu Erholung. Langeweile ebenso – Abenteuerlust hingegen ist so angesagt wie einst das Jagen ordenbehangener Staatslenker.

Fast zwei Dutzend Touren haben die Autoren zusammengestellt. Jede einzelne eine Tour, die die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn in den Schatten stellen. Vorbei an entlegenen Seen – je nachdem, um welche Uhr- und Jahreszeit man wandert – durchs Dickicht, auf gut beschilderten Pfaden und natürlich an Gebäuden vorbei, die immer noch Geschichte atmen. Und an manchen Stellen kommt es einem so vor als ob die Zeit hier niemals vorangeschritten sei. Ein echter Urwald, wo der Mensch nur Zaungast ist.

Immer wieder stoppt der Lese-Wander-Drang, wenn beispielsweise die Geschichte von Carinhall erzählt wird, Görings Jagdhaus … und das im doppelten Wortsinn. Hier hielt er Hof, wenn das Hallali erklang. Hier verführte er so manche Dame.

Die zahlreichen Karten machen weitere Utensilien auf Wanderschaft unnötig. Wer es sich doch nicht verkneifen kann, der kann die Wanderungen sich aufs Smartphone laden und Buch und Wanderungen digital erleben. Dabei sollte man aber nicht vergessen den Kopf zu heben. Denn es gibt nur eine Sache, die besser ist als dieser Reiseband: Die Schorfheide in natura!

Das Erbe

Vierundachtzig Jahre lebte Phillida Chase auf ihrem Anwesen, zu einige Morgen Land gehörten, ein paar Farmhäuser und fünfzig Pfauen. Nun liegt sie da, mit der Decke über dem Gesicht. Und ihr Testamentsvollstrecker, ihre Vermögensverwalter unterbreiten nun ihrem Neffen Peregrinus Chase das Angebot alles so schnell wie möglich zu veräußern. Die Ländereien und Farmen decken dabei allerhöchstens die Tilgung der Schulden und weiterer Kosten. Das Herrenhaus im Tudor-Stil selbst bringt noch ein bisschen was ein, da es doch ziemlich durchschnittlich, um nicht zu sagen heruntergekommen ist. Mr. Chase selbst ist es nicht minder. Eigentlich will er sich das Erbe seiner Tante, die er nie kennengelernt hatte selbst erst einmal ansehen. Eine Chance für ihn sich selbst zu erkennen…

Peregrinus Chase geht auf Wanderschaft durch das unerwartete Erbe. Bis vor Kurzem wusste er noch nichts von der Tante. Kannte sie gar nicht. Und bis heute ist sie für ihn ein Buch mit sieben Siegeln. Immer wieder trifft er bei seinen Eroberungswanderungen auf Menschen, die ihm seine Tante näherbringen. Und immer wieder diese Pfauen. Blackboys, so heißt das Anwesen, ohne Pfauen, ohne Chase`s, ohne die Blumenpracht – nee, das geht nicht.

Aus dem anfänglichen Fremdeln – selbst im Haus bewegt er sich wie auf rohen Eiern, um ja nichts zu beschädigen – wird ziemlich schnell einvernehmliches Abfinden mit der Situation. Das alles gehört ihm! Ja, ihm Peregrinus Chase aus Wolverhampton, der in einem kleinen möblierten Zimmer wohnt und einer Arbeit nachgeht, die so weit von Befriedigung und Erfüllung entfernt ist wie er noch vor einiger Zeit vom Besitz eines Landsitzes.

Letztendlich entschließt er sich doch alles unter den Hammer zu bringen. Ist wohl doch das Beste?! Alles weg, die Schulden bezahlen, ein wenig Gewinn wird wohl noch hängen bleiben. Und so kommen die Parzellen, eine nach der anderen zur Versteigerung. Die Preise sind so lala. Könnte besser laufen. Chase nimmt es mit stoischer Ruhe hin … bis das Haupthaus aufgerufen wird.

Vita Sackville-West wählte wohl nicht ohne Hintergedanken den Namen ihres Protagonisten, Mr. Chase. Der jagt zum ersten Mal in seinem Leben einem echten Ziel hinterher. Bisher nahm er alles ohne Regung hin. Als ihm bewusst wird, dass das Anwesen ein Teil von ihm ist, und er somit umgekehrt ein Teil des Anwesens, wird bei ihm ein Schalter umgelegt. Hinfort das Grau, das sein Leben bestimmte. Die Blumenpracht und die Farbenvielfalt der Pfauengefieder haben wohl mehr Eindruck gemacht als ihm jemals hätte auffallen können.

Gaumenfreuden

Urlaubssouvenirs lukullischer Art sind immer noch die nachhaltigsten. Vino aus italia, fromage aus France oder exotische Gewürze aus aller Herren Länder. Und das ist nicht einmal eine Erfindung der Moderne. Schon Kolumbus reiste gen Westen, um nicht einfach nur einen neuen Weg zu entdecken. Er wollte Routen für Gewürzhändler erschließen. Gaumenfreuden waren schon immer ein guter Antrieb die Welt zu erkunden.

Michi Strausfeld geht es nicht anders. Ihre kulinarischen Erkundungen durch Mexico, Peru und Brasilien sind ein Abenteuer, das beim Zuschlagen des Buches noch lange nicht enden muss. Immer wieder werden die Ausführungen zu den Wurzeln – im wahrsten Sinne des Wortes – von Rezepten unterbrochen, die man leicht nachkochen kann, auch wenn die Suche nach den Zutaten ein wenig mehr Zeit in Anspruch nimmt als der Wocheneinkauf beim Discounter.

Immer wieder wird man daran erinnert, dass die ach so heimischen Produkte, die die eigene Kultur so einzigartig machen schlussendlich auch einen Migrationshintergrund haben. Denn Kartoffeln sind nicht auf deutschem Mist gewachsen! Im Gegenzug hielten unter anderem Olivenöl und Weizen in Lateinamerika Einzug. Es war, ist und wird immer ein Geben und Nehmen sein. Was aber nicht dazu führen sollte, dass Kartoffelpuffer nun als lateinamerikanisch gelten…

Vielmehr bereichern auch immer öfter hierzulande Huevos rancheros die gedeckten Tische. Wie man sie so originalgetreu wie möglich zubereitet … Rezept steht im Buch.

Die Fusion beider Welten tritt im Küchenbereich an mehr als nur einer Stelle zutage. Klosterbewohner aus der alten Welt mussten sich mit den Gegebenheiten ihrer eroberten Gebiete anfreunden. Und so entstanden Mole poblano con pollo, Hühnchen mit Schokoladensauce und Chili. Beim Dombau in Köln gab’s das garantiert nicht.

Die Küchen Mexicos, Perus und Brasiliens sind einzigartig. Mexicos Küche ist sogar Weltkulturerbe. Und Peru gilt mittlerweile als Schmelztiegel für eine neue Küche. So scharf die Gerichte manchmal anmuten, so feurig ist die Leidenschaft, mit der dieses rote Büchlein geschrieben wurde.

Wem schon beim lesen der Magen knurrt – und er wird knurren, versprochen – der hat sich die Erlaubnis erlesen das Buch beiseitezulegen und sich an den Herd zu stellen. Und mit einem Mal ist er in einem Koch-El-Dorado-Teufelskreis: Buch – Kochen – Buch – Kochen.

Florenz abseits der Pfade

In einer Stadt wir Florenz braucht man keinen Reiseband. Die ganze Stadt ist ein Museum, das man mit alle Sinnen aufsaugen kann. Mag ja alles seien Richtigkeit haben. Aber, wenn man dann nach einer Reise erfährt, was Andere alles erlebt haben und man selbst dann doch nur den Massen gefolgt ist, setzt ziemlich schnell Ernüchterung ein. Ergo: Man braucht einen Reiseband in dieser zauberhaften Stadt.

Susanne Vukan reist mit dem Leser, dem Besucher durch eine Stadt, die mit ihren Reizen so gar nicht geizt. Ein Wunder, dass die Renaissance nicht nach der Stadt am Arno benannt wurde. Doch sind es eben diese offensichtlichen Reize, die die Sinne schnell überfordern. Permanent muss man staunenden Touristen ausweichen, die unvermittelt mitten im Weg stehen bleiben, weil sie etwas entdeckt haben, was vor ihnen noch nie jemand gesehen hat. Festes Schuhwerk und trainierte Knöchel sind Grundvoraussetzung für die Besichtigung der Stadt.

Wer jedoch dort abbiegt, wo andere treu geradeaus laufen, wird eine Stadt entdecken, die so in nur ganz wenigen Büchern beschrieben wurde – derart kompakt, noch nie zuvor.

Die Autorin lässt beispielsweise Antiquitäten für sich selbst sprechen. Das bisschen Vorbildung, das man sich angeeignet hat, reicht vollkommen aus, um der Stadt ein ums andere Mal ein kleines Geheimnis zu entlocken. Susanne Vukan ist dabei die ideale Reisebegleiterin, die mit dem Finger auf das zeigt, was wirklich wichtig ist.

Auf allen Spaziergängen durch Florenz schwingt ein Hauch von Exklusivität mit. Mal ist es auch der Duft von Kaffee und Schokolade. Denn auch lukullische Genüsse dürfen in einem Buch über Florenz nicht fehlen. Immer wieder wird man dieses Buch aufschlagen und die Autorin nach dem Weg zu den versteckten Highlights fragen. Wo die sind? Wie sie heißen? Das muss man schon selber lesen und erkunden. Nur eines sollte man nicht tun: Sie außer Acht lassen! Jedes Wort sitzt, jedes Foto macht Appetit, jeder Absatz eine Offenbarung, jede Seite verspricht Sehnsuchtsorte … und hält jedes Versprechen. Besonders zu empfehlen: Das letzte Kapitel im Buch. „Meine Genuss- und Wohlfühlstrecke“. Caffé, Pasta, gelato zwischen palazzi, giardini und einmaligen Aussichten.

„Florenz abseits der Pfade“ ist ein unerlässlicher Reisebegleiter, den man nicht unterschätzen sollte. Auf rund zweihundert Seiten lernt man eine Stadt kennen, die zu den am meisten besuchten Städten in Europa gehört. Klar, dass man hier und da in die Falle des Offensichtlichen tappen wird. Als eifriger Leser dieses Buches verringert sich diese Gefahr auf die Zahl Null. Man muss nur lesen und der Autorin folgen.

Rom abseits der Pfade

Es gibt Orte, die hat in binnen weniger Stunden durchlaufen und man hat alles gesehen. Dann tauchen Orte vor dem geistigen Auge auf, bei denen man weiß, dass es schon ein paar Tage braucht, um sie vollends erkunden zu können. Und dann gibt es Rom. Die Ewige Stadt (was kein Marketing-Scoop übereifriger Strategen ist, sondern der Wahrheit entspricht). Selbst, wenn man jahrelang in der Stadt lebt, wird man immer wieder etwas entdecken, das man noch nie zuvor gesehen hat. Auch wenn das so manchem Veranstalter von geführten Touren nicht ins Werbekonzept passt.

Elisabetta de Luca hat in der Abseits-Der-Pfade-Reihe schon mit ihrem Napoli-Band (ihrer Geburtsstadt) bewiesen, dass ihre Abstecher in kleine Gassen zum Erfolg führen. Ihre Anekdoten sind unterhaltsame Wegbegleiter. Ihre Tipps treffen stets ins Herz des Besuchers.

Und nun Rom! Eine riesige Stadt, die Historie nicht einfach nur abbildet, sondern sie tagein tagaus lebt. Es ist das sprichwörtliche Paradies auf Erden. So nennt die Autorin auch ihr Kapitel über die giardini di Roma, die Gärten Roms.

Hat man genug von palazzi und mercati, von Bernini und Co., tut ein Tag in ruhigeren Gefilden gut, um den Akku wieder aufzuladen. Geht das überhaupt? Ruhe in Rom? Si, mit endlos vielen I möchte man hinausschreien. Die Gärten waren als Ruheoasen angelegt worden. Und über die Jahrtausende wurde dieses Ansinnen auch gepflegt. Wo eine Mauer, da oft ein Garten. Wo ein schönes Tor, einfach mal vorsichtig reinschauen und die Stille genießen. Das sind die Tipps, die man gern beherzigt, wenn die Autorin sie vorgibt. Wo man diese Mauern und Tore findet, das weiß sie auch ganz genau.

Und wenn nach so viel Erholung der Magen knurrt, macht sie einem auch gleich noch Appetit. Immer wieder lässt sie in ihre Erkundungstouren Rezepte (echt römisch!) einfließen. Appetitmacher im wahrsten Sinne des Wortes.

Der Mythos Rom wird in diesem Buch nicht entzaubert. Ganz im Gegenteil: Er wird mit jedem Umblättern gesteigert, oft sogar potenziert. Die Abbildungen – von Graffiti bis zu den elegantesten Passagen – machen Lust auf mehr. Mehr Rom. Mehr Geschichte. Mehr Urlaub. Und den steten Drang immer wieder zu kommen, um dem Irrglauben zu erliegen, die Stadt komplett erfassen zu können. Das ist unmöglich. Aber mit diesem Buch kommt man diesem Ziel einen ordentlichen Schritt näher…

Renée Sintenis – Berlin, Bohème und Ringelnatz

Wer über die Autobahn in Berlin einfährt, hat bestimmt schon mal die Plastik mit dem Berliner Bären wahrgenommen. Ab hier ist man nun endlich in Berlin! Doch wohl kaum jemand macht sich die Mühe darüber nachzudenken, wer diese Plastik geschaffen hat. Das ändert sich mit diesem Buch!

Denn die Künstlerin, die Mutter dieses Bären ist Renée Sintenis. Nie gehört? Nur für Kunstliebhaber, für Menschen, die sich mit Kunst der 20er Jahre und ihrem –betrieb beschäftigen, hat der Name Sintenis einen wohlklingenden Nachhall. Ein große Künstlerin, nicht, weil sie einen Meter achtzig groß war – nein, weil sie im Berlin der Weimarer Republik einen Namen hatte.

Sie half unter anderem Joachim Ringelnatz durch ihre Verbindungen zu überleben. Durch sie bekam er die Möglichkeit seine Werke – er malte auch – an den Manne oder die Frau zu bringen. Ihre ausdrucksstarken Skulpturen fanden reißenden Absatz. Der Galerist Alfred Flechtheim stellte sie aus.

Doch die Erfolgszeit ist begrenzt. Ihr Mann Emil Rudolf Weiß wurde früh schon als arisch eingestuft. Sintenis Vorfahren hatten jüdische Wurzeln. Weswegen sie aus der Akademie der Künste ausgeschlossen wird. Ihre Antwort auf die Aufforderung zeigt glasklar ihren freien Geist – wenn sie gehen soll, muss man sich ausschließen.

Die Galerie Flechtheim muss ebenfalls schließen. Alex Vömel übernimmt das gesamte Werk, unverdächtig, weil aktives Mitglied im Reigen des neuen Kunstbetriebes. Und seine Galerie ist bis heute die wichtigste Adresse für das Werk Renée Sinetnis’…

Silke Kettelhake rückt eine Künstlerin wieder in den Fokus der Kunstwelt, die bislang nur einem begrenzten Kreis zugängig war. Ihre Biographie über Renée Sintenis ergänzt die blue-note-Reihe um ein wertvolle Künstlerin, die es wieder zu entdecken gilt.

Liparische Inseln

Stromboli kennt man aus dem gleichnamigen Film. Vulcanco – da ist klar, was einen erwartet. Lipari… schon mal gehört … da gibt es doch … genau: Die Liparischen Inseln. Aber es gehören nicht nur die drei Genannten zum Archipel. Da sind noch Alicudi, Filicudi, Salina und Panarea. Diese vier Inseln sind weitgehend unbekannt. Und eine Reise wert! Das weiß auch Reisebuchautor Peter Amann und macht mit seinem Wanderreiseband die Entscheidung welche Insel man besuchen sollte einfach und schwer zugleich. Schwer, weil die Vielfalt der Inseln so unfassbar riesig ist. Einfach, weil die Entscheidung alle Inseln zu besuchen mit diesem Buch die Richtige ist.

Ausführlich wird jede einzelne Insel beschrieben. Denn obwohl die sieben Schwestern des großen Ätna auf Sizilien auf den ersten blick gleich erscheinen, hat jede ihre eigenen Reize. Und so findet sich immer ein Grund, warum gerade die und nicht die Andere für einen Ausflug, einen Urlaub, eine Wanderung auserkoren wird.

Alicudi besticht durch ihre Autofreiheit – was nicht bedeutet, dass man hier wie ein wilder Stier herumrasen kann. Ganz im Gegenteil: Autos findet man hier nicht. Dafür aber Esel. Und Treppen, die einem zu den schönsten Ausflugsplätzen führen.

Lipari ist das Partyzentrum der Inselgruppe. Aber nicht falsch verstehen, denn nur im Vergleich mit ihren sechs Schwestern ist Lipari eindeutig die lebendigste Insel. Tauchen, Schlemmen, Wandern, Erholen – hier ist der Urlaub am vielfältigsten.

Salina rühmt sich mit Stille. Und das obwohl sie schon als Filmkulisse diente, so dass während der Dreharbeiten zu „Il postino“ (mit Philippe Noiret als Pablo Neruda) wohl das Wort Ruhe mehr Sehnsucht als Realität war.

Verführerisch, weil hier Mutter Natur sich selbst ein Denkmal setzt, kommt Panarea daher. Üppige Blütenpracht zieht auch die Schickeria an. Wer sich also gern ein Auge an weltlicher Machtfülle holen kann, wird staunen.

Apropos Staunen. Ein Naturspektakel rund um die Uhr – besonders nachts – bietet Stromboli. Wenn der Himmel glutrot erleuchtet, weil der Vulkan Lava spukt, ist die Speicherkarte schnell voll.

Die Nase voll hat man in (nicht von!) Vulcano. Voller Gerüche. Auch wenn man sich an so manchen erstmal gewöhnen muss. Der Schwefelgeruch ist relativ rasch ständiger Begleiter. Auch in den Klamotten. Vielleicht nicht gleich zu Beginn der Inselreise einen Abstecher hierher planen?!

Dieser Reiseband bietet das Rundum-Sorglos-Paket. Wo wohnen, wo wandern, wo innehalten, wo rasten – strukturiert und stets hilfreich in jeder Lage: Laufen, Wandern, Erholen. Seite für Seite ein Erlebnis, schon bevor die Wanderschuhe geschnürt sind.

Tessin

Wer einmal im Tessin war, ist im Handumdrehen infiziert. Und dieses Mal ist es ein gutes Virus. Ganz ohne Ziffern. Und es gibt auch kein Gegenmittel. Warum auch?! Marcus X. Schmid nimmt den Leser – ja, diesen Reiseband liest man, wie ein richtiges Buch, ist ja auch eines – auf eine Reise, die er nie vergessen wird. Denn zwischen erhabenen Gipfeln und glasklaren Seen gibt es so viel zu sehen, dass man staunt, dass tatsächlich alles auf 280 Seiten aufgeschrieben werden kann.

Hier spricht man italienisch. Nicht nur, aber überwiegend. Das hat zur Folge, dass Ortsnamen wie Comologno und Acquarossa oder das Val Lavizzara schon wie Urlaub klingen.

Ganz behutsam führt Marcus X. Schmid den Leser in jedes Kapitel, jede Region, jede Stadt ein. Fast schon plaudernd, ohne das kleinste Detail aus dem Auge zu lassen, nimmt er den Leser an die Hand, um – man kann schon fast sagen – „Sein“ Tessin in die Welt zu tragen. Immer wieder lockern die farbigen Kästen das Informationssammelsurium auf. Kleine Anekdoten abseits der Lesepfade lassen einen die müden Leseknochen auflockern. Um dann sofort weiter zu stapfen durch eine der landschaftlich reizvollsten Gegenden der Welt.

Idyllische Wasserfälle, pittoreske Kirchen, verschlafene Orte, exzellente Kulinarik und immer wieder Geschichte und Geschichten, die man nur hier finden kann. Der Reiseband ist immer einen Schritt voraus. Und fordert es geradezu ein, dass man sich links und rechts der Strecke mindestens genauso neugierig umschaut.

Der Autor hat es auf alle Fälle getan. Denn so viel Wissen häuft man nicht in Telefonaten und beim Prospekte wälzen an. Man merkt auf jeder Seite, dass hier ein echter Fachmann seine Erlebnisse und Erkundungstouren niedergeschrieben hat.

So zum Beispiel der Lago Maggiore. Der nördliche Teil gehört zur Schweiz, zum Tessin. Locarno ist sicher der bekannteste Ort. Selbst dem kann Schmid noch etwas entlocken, das man vielleicht noch gar nicht kannte. Wer verbindet Leonardo da Vinci schon mit Locarno? Die Antwort: Jeder, der den farbigen Kasten auf Seite 69 gelesen hat.

Wer erst einmal wissen möchte, wo man im Tessin erstklassig (was sonst?!) speist (ohne sich dabei auf das gängige „na überall“ zu verlassen), nächtigt oder dem Portemonnaie eine gehörige Blitzdiät verpasst, blättert im Nu zu den farbigen Seiten am Ende des Buches, die auch im selten geschlossenen Zustand des Buches leicht zu finden sind. Hier sind alle (!) Infos dazu übersichtlich aufgelistet. Und wer Bücher für antiquiert hält und lieber mit dem Smartphone sich seine Infos vor Augen hält, der wird erfreut sein, dass alle Infos auch in der gleichzeitig erschienen App zur Verfügung stehen.