Archiv der Kategorie: aus-erlesen Bio

Sei frech, wild und wunderbar

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Männer, seid so frech und stibitzt dieses Buch aus den Regalen, stöbert wild darin herum – Ihr werdet wunderbar bedient. Ja, auch Männer dürfen, eigentlich müssen, aber wer lässt sich schon gern was vorschreiben, also dürfen, dieses Buch lesen. Es geht nicht darum zu erfahren wie Frauen ticken, warum sie anders sind als Männer, und schon gar nicht, ob dieses Anderssein gut oder schlecht ist.

Petra Wüst leitet seit zehn Jahren ein Beratungszentrum in Basel und ist Expertin für Self Branding, Kommunikation und Leadership. Das klingt auf den ersten Blick etwas neumodisch und weit weg von einem selbst. Doch wer in sich ruht, kann auch andere für sich gewinnen. „Kommt für mich nicht in Frage! Das brauch ich nicht.“ Doch jeder braucht’s. Denn jeder ist darauf angewiesen, akzeptiert zu werden, sich nicht in seinen selbstgewebten Kokon zurückzuziehen.

In ihrem neuen Buch „Sei frech, wild und wunderbar“ – übrigens ein Zitat der Godmother of „Mädchen an die Macht“ und „Frech kommt weiter“, Astrid Lindgren – gibt sie ein Dutzend Schritte vor, für Frauen, die mehr wollen. Ohne dabei sich in wissenschaftlichen Theorien zu vergehen, packt Petra Wüst ihre Ratschläge in die Geschichten von vier Frauen. Die kennen sich seit Kindertagen, wohnten in derselben Straße, waren einst untrennbar. Bis das Leben begann. Die Vier sahen sich noch, hielt Kontakt, aber so richtig dicke Freundinnen waren die Vier nicht mehr. Bis eines Tages Michelle die verbleibenden Drei zur Scheidungsparty einlädt. Ja, sie feiert die neugewonnen Freiheit sich selbst noch einmal neu definieren zu können. Ihr geht es nicht darum dem Ex den Stinkefinger zu zeigen. Ihr Neuanfang ist das, was er ist: Ein Neuanfang.

Ohne wirklich von der Geschichte abzuschweifen, erklärt Petra Wüst anhand ihrer Heldinnen die Ursachen und die Folgen des Handelns der Frauen. Oft untergebuttert, in vorgegebenen Bahnen das Leben hingenommen, ohne die eigene Wünsche und Bedürfnisse ausleben zu können. Nur, um es noch einmal klarzustellen: Den Frauen ging es körperlich gut. Sie wurden nicht geschlagen oder erniedrigt. Ihnen wurde (durch wen auch immer, manchmal durch die selbst) nicht so recht klar, dass etwas fehlt bzw. alles noch schöner, noch besser oder einfach nur anders sein könnte.

Frech sein, bedeutet nicht zwangsläufig anderen Schaden zuzufügen. Das machen nur schwache Menschen, die andere mit Lügen überziehen und sich diebisch freuen, wenn die erwartete Reaktion eintritt. Wer so einen Chef zum Beispiel hat, wird mit diesem Buch seien Rachegelüste dämpfen. Sich selbst in den Fokus des eigenen Handelns stellen, ohne dabei zum gewissenlosen Egoisten zu werden, das erforscht dieses Buch. Wer mit sich selbst zufrieden ist, dem kann auch kein Anderer etwas anhaben. Egal, ob Mann oder Frau.

Wie wir für die Freiheit kämpften

Wie wir für die Freiheit kämpften

Menschen dürfen nicht nach ihrer Hautfarbe unterschieden werden. Im Südafrika der Apartheid ein frommer Wunsch. Nicht mehr. Nicht mehr? Auch in den noch so elendsten Ecken der Townships, der provisorischen – von den weißen Entscheidungsträgern erlaubten Siedlungen für Schwarze – gab es immer Hoffnung. Hier war nicht immer und alles trist. Hier gab es Menschen, die Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft nicht nur predigten, sondern Tag für Tag lebten. Und davon berichtet Rommel Roberts. Er selbst ist mit dem Stigma der nicht weißen Hautfarbe zur Welt gekommen. Doch er ist eben nicht ganz schwarz, ein Mischling mit indischen Wurzeln. So gilt zwar die Rassentrennung auch für ihn, wird jedoch nicht so brutal umgesetzt wie bei der schwarzen Bevölkerung.

Zu zwei dieser Engel, die versuchen den Himmel auf Erden zu bereiten gehören eine Ordensschwester und seine Mutter. Ihr aufopferungsvolles Leben für die Bewohner der Townships macht Schule. Selbst die Weißen von außerhalb kommen gern zu den beiden Frauen, um sich ihre Wunden versorgen zu lassen. Ein Bild, das Eindruck macht.

Rommel Roberts wird zum Vertrauten Desmond Tutus, dem – wenn man so will – religiösen Gesicht des Umschwungs in Südafrika. Roberts baut Netzwerke auf. Aber keine wie wir sie heute kennen. Er trifft sich mit Leuten in aller Welt, nicht um Ihnen ein „I like“ abzuluchsen. Seine Arbeit hat handfeste Gründe: Unterstützung sichern im Kampf gegen soziale Ungerechtigkeit und gegen die Rassisten.

Er und die vielen erstmals genannten Helfer haben ein Umdenken in Südafrika herbeigeführt. Sie sind die Köpfe und Hände hinter den markanten Köpfen, die bekanntesten sind Nelson Mandela und Desmond Tutu. Die nicht enden wollende Arbeit „hinter den Kulissen“ war die Grundlage dafür, dass Südafrika doch den Weg in die Demokratie wagen konnte. Ihre Namen sind in diesem Buch verewigt, als Mahnung, als Hoffnungsschimmer, als leuchtendes Beispiel.

„Wie wir für die Freiheit kämpften“ ist auch ein Beleg dafür, dass Kirche als sozialer Kitt Hoffnung geben kann. Aber auch, dass soziales Engagement auch ohne „Wink von oben“ möglich und nötig ist, egal, ob man einer und egal welcher Konfession man angehört. Humanitäre Hilfe abhängig von Bedingungen zu machen, ist ein Frevel. Rommel Roberts – und das stellt sich in seinem Buch ganz klar heraus – ist ein großer Humanist, der an Gott glaubt, sich aber nicht nur auf ihn allein baut. Das ist wahrer Dienst am Menschen.

Das Luxemburger Tagebuch

Das Luxemburger Tagebuch

Es gibt schon seltsame Jubiläen. Und noch seltsame sind die Rituale diese zu feiern. Im Frühjahr 1983 verkündete das Magazin „Der Stern“ die Tagebücher von Adolf Hitler entdeckt zu haben. Ein Scoop, wie es im Fachjargon heißt. Ein echter Knüller! Die Geschichte lehrte uns etwas anderes: Alles Lug und Trug!

Der Verlag Capybarabooks aus Luxemburg feiert dieses eigenartige Jubiläum – 30 Jahre Hitlertagebücher – mit schwarzer Satire. Denn erst kürzlich ist das Tagebuch von Eva Braun aufgetaucht. Das, das über ihre kurze Zeit in „Lützelburg“ Aufschluss gibt.

Im Hochsommer 1942 ist Eva Braun langweilig, so langweilig. Boah, wat is ihr langweilig! ER verspätet sich, wie so oft. Sie will verreisen. Paris soll es sein, doch Albert (Speer) rät ihr davon ab. Nicht, weil man dort nicht mit Reichsmark bezahlen kann, wie sie vermutet, sondern weil man dort den Deutschen nicht so unbedingt folgen will, wie ER es gern möchte. Das Gau Moselland wäre ja auch ganz hübsch. Und Lützelburg liegt gleich um die Ecke. Dort habe man sehr viel französisches, obwohl die Sprache dort verboten sei, seitdem Lützelburg heim ins Reich geholt worden sei.

ER kümmert sich um den Osten, Eva Braun zieht es nach Westen.

Am 23. Juli 1942 kommt sie am Hauptbahnhof in Luxemburg, wie es die Einheimischen nennen an. Ein Riesenradau ist da auf der Straße. Alle schreien „Wolle“. Eva Braun ist verwirrt – das scheint sich den Zeilen nach durch ihr gesamtes Leben zu ziehen. Albert hatte doch gemeint, dass man hier deutsch sprechen würde. Vielleicht ein Dialekt? Nee, nee, die Luxemburger wollen nur bleiben, was sie sind.

Des Weiteren lernt Eva Braun nicht nur den Schriftsteller Norbert Jacques, einem breiten Publikum als der Erschaffer des Dr. Mabuse bekannt und den Mercier-Champagne kennen, und letzteren sogar lieben. Und so viele hübsche Straßen gibt es hier in Lützelburg. Die meisten heißen wie ER.

„Das Luxemburger Tagebuch“ ist satirischer Geschichtsunterricht auf ganz hohem Niveau. Die Welt drehte sich auch in der düstersten Periode Europas und Luxemburgs weiter. Seitenhiebe auf Bücherverbrennung, Görings Körperumfang und Blondi (SEIN Schäferhund), das depperte Viech, gepaart mit bitterbösem, schwarzen Humor, verleihen diesem Buch das Prädikat „Besonders wertvoll“. Kein Schenkelklopfer, vielmehr ein hintersinniger – und zudem gelungener – Versuch ein dunkles Kapitel der Landesgeschichte mit einer lachenden Träne im Knopfloch zu begreifen.

Wir müssen die Welt verändern

Wir müssen die Welt verändern

„Wir müssen die Welt verändern“ – na dann mal los! Attacke. Oscar Niemeyer kennt man meist „nur“ als genialen Architekten, der eine ganze Hauptstadt dem Dschungel Brasiliens abtrotzte und ihre mit seinen Visionen seinen Stempel aufdrückte. Als er im Jahr 2012, nur zehn Tage vor seinem 105. Geburtstag (!) starb, hinterließ er auch eine Reihe von Interviews mit Alberto Riva. Diese, zusammen mit der abschließenden Betrachtung Niemeyers über sein eigenes Leben und Empfinden, geraten in diesem Buch zu der Erkenntnis, die gleichzeitig den Titel des Buches trägt. Stillstand ist immer Rückschritt. Oscar Niemeyer war Kommunist, tief im Inneren. Genauso wie Idealist. Und Künstler. Als Handwerker sah er sich weniger. Ihn verband eine herzliche und dauerhafte Freundschaft mit Sartre und Castro. Er fühlte sich mit Che Guevara verbunden wie mit Albert Camus. Ähnlich wie Stéphane Hessels „Indignez-vous!“ (Empört Euch!), jedoch nicht ganz so kämpferisch, rüttelt er auf. Schon allein das handliche Format wird dazu beitragen, dass dieses kleine Büchlein den Siegeszug durch die Seitentaschen von Weltenbummlern antreten wird. Es immer mal wieder rausholen, darin blättern, sich der gegenwärtigen Situation bewusst werden – dafür ist dieses Buch gemacht. Jedes Jahrzehnt hat „sein kleines Büchlein“. Das Bolivianische Tagebuch in den 60ern, die Mao-Bibel in den 70ern … nur dieses Jahrzehnt hat schon zwei. Eben das von Hessel und nun Niemeyers „Wir müssen die Welt verändern“. Lesen, verstehen, handeln.

Der Tod des Landeshauptmanns

Der Tod des Landeshauptmanns

Was in Deutschland der Ministerpräsident, ist in Österreich der Landeshauptmann. Und es gab einen Landeshauptmann, dessen Bekanntheit weit über die Grenzen seines Bundeslandes Kärnten hinaus ging: Jörg Haider. Er regierte exakt 26 Monate in den 80er und 90er Jahren und noch einmal vom Frühjahr 1999 bis zu seinem bis heute zu wilden Spekulationen Anlass gebenden Tod im Herbst 2008. Und genau um diesen – für viele mysteriösen – Tod geht es im Buch des ORF-Journalisten Eugen Freund. Auch wenn dieser Roman nach eigenem Bekunden einzig allein der Phantasie des Autors entsprungen ist, weiß jeder um wen es darin geht. Denn der Begriff Landeshauptmann fand in Deutschland erst durch Jörg Haider wieder Einzug ins den Sprachgebrauch und wird noch immer mit ihm in Verbindung gebracht.

Jasmin Köpperl ist Journalistin. Ihr Freund Stefan Stragger ist … tot. Der Ermittler beim Heeresnachrichtendienstes schrieb gerade an einem echten Thriller, dessen Fortschritte er seiner Freundin regelmäßig als Mail zu lesen gab. Besteht etwa ein Zusammenhang zwischen Themenrecherche und seinem Ableben?

Die Trauer überwunden macht sich Jasmin Köpperl auf die Suche nach dem Mörder. Nach und nach kommt sie einem Geheimnis auf die Spur. Der Tote, den ihr die Polizei präsentiert, ist nicht Stefan, sondern sein wenige Wochen zuvor verstorbener Bruder. Je länger sie in den Kapiteln von Stefans Buch stöbert, umso mehr keimt in ihr der Verdacht, dass die darin beschriebenen – fiktionalen – Zusammenhänge gar nicht so weit von der – realen – Wahrheit entfernt sein könnten. In dem Buch geht es um den Tod des Landeshauptmanns Haider, Verstrickungen seiner Familie während der Nazi-Okkupation, Beziehungen zum kroatischen Regierungsapparat und der Mossad. Die gemeinsamen Urlaube mit dem mittlerweile verschwundenen Stefan waren Recherchen für sein Buch. Oder gar mehr? Jasmin erkennt so vieles wieder und stochert doch so sehr im Trüben.

Eugen Freunds Wissen um die Brennpunkte der Weltpolitik und ihrer Hintermänner verschmelzen in diesem Roman zu einer vollkommenen Einheit von Fiktion und Fakten. Es besteht mancherorts die Gefahr beides miteinander zu verwechseln. Und das sollte man als Lob anerkennen.

Es ist ein Privileg von erfolgreichen, machtbesessenen Alpha-Tieren, dass sie meinen unbesiegbar zu sein, sich alles herausnehmen zu können. Jörg Haider war so ein Machtmensch. Die Herzen und Wählerstimmen flogen ihm zu, seine politischen Ansichten waren grenzwertig, um es milde auszudrücken. Der Tod des Landeshauptmanns löste verschiedene Reaktionen aus. Die Einen waren erleichtert, weil es nun einen geistigen Brandstifter weniger gab. Die Anderen waren entsetzt ob der tragischen Umstände seines Todes. Einen politischen Feind bekämpft man lieber mit Argumenten als durch eine Tragödie. Und die war es schlussendlich. Jörg Haider hinterließ eine Frau und zwei Töchter.

Eugen Freund hinterlässt dem Leser einen erstklassigen Thriller.

Augustus – Sein Leben als Kaiser

Augustus - Sein Leben als Kaiser

Als Octavius erblickte er das Licht der Welt – als Augustus erlösch es für ihn wieder. Als Octavius wuchs er in bescheidenen Verhältnissen auf – als er starb, war er einer der reichsten Männer der damaligen Welt. Als Octavius lautet die Zeitrechnung (eine Errungenschaft der Gegenwart) noch „vor unserer Zeit“ oder „vor Christus“ – als er starb, im Jahr 14 (Achtung: Jubiläum!) entfiel der Zusatz v. Chr. bzw. v.u.Z.

Er war der erste Kaiser in einer Reihe vieler, die ihm folgen sollten. Die meisten, auch die aus seiner Blutlinie, versagten oder machten durch Tyrannei von sich Reden (wie zum Beispiel Nero, der in der heutigen Wahrnehmung nur noch als Brandstifter in Erinnerung geblieben ist).

Als Adoptivsohn Julius Caesars, der im März 44 v. Chr. / v.u.Z. mit zig Messerstichen niedergestreckt wurde, standen ihm alle Türen offen. Und Augustus wusste geschickt hindurch zu schreiten.

Er sammelte Schlachtenerfolge wie andere Briefmarken. Seine ärgsten Widersacher besiegte er listenreich und erbarmungslos. Seine Familie hatte sich ihm unterzuordnen. Wer nicht für ihn war, war gegen ihn.

Als Soldat in Augustus’ Diensten ließ es sich aushalten. Bei seinem Tod vermachte er sein Vermögen unter anderem seinen treuen Legionen. Da war schon mal eine Prämie von mehr als einem Jahresgehalt drin.

Karl Galinsky zählt zu den am meisten beachteten Experten, wenn es um das Römische Kaiserreich geht. Sein Wissen und seine Fähigkeit dieses allgemein verständlich wiederzugeben, machen dieses grandiose Buch zu einem strahlenden Fixpunkt im Bücherregal. Allein die Tatsache, dass im Jahr 2014 der 2000. Todestag des Kaisers begangen wird, rechtfertigt ein Buch über diesen Kaiser, den wir jedes Jahr für 31 Tage an unserem Leben teilhaben lassen. Doch die Intensität, mit der der Autor sich dem so ereignisreichen Leben Augustus‘ nähert, schreit geradezu nach einem Band wie diesen.

Im Jahr der vielen Weltereignisse und unzählbaren Jubiläen wird das des Augustus auch dank dieses Buches besonders hervortreten.

Leo von Klenze – der königliche Architekt

Leo von Klenze

Leo von Klenzes Name wird nicht vielen etwas sagen. Kunsthistorikern und Architekten, vielleicht noch ein paar Münchner Geschichtsexperten. Und dabei hat er wie kaum ein anderer das Erscheinungsbild einer europäischen Metropole geprägt. Oscar Niemeyer in Brasilia und vielleicht noch Baron Haussmann in Paris haben Ähnliches vollbracht.

Leo von Klenze wurde 1784 zwar nicht mit dem goldenen Löffel im Mund geboren, jedoch waren Edelmetallspuren sichtbar. In jungen Jahren verschlug es ihn an den Hof des Königreiches Westphalen zu König Jerôme Bonaparte, einem Bruder des sich gerade mal wieder im Krieg befindlichen Napoleon Bonapartes. In Kassel durfte er sich seine ersten Sporen verdienen. Als das Napoleonische Zeitalter vorüber war, türmte der König und Leo Klenze (das „von“ durfte er sich erst später zulegen) saß auf der Straße. Sein Ruf war keinen Heller mehr wert. Als Günstling des ehemaligen Besatzers gab es nur geringe Zukunftschancen.

Erst am Bayrischen Hofe bekam er Jahre später wieder die Möglichkeit zu bauen. Unter König Ludwig I. entstanden Prachtbauten, die noch heute Münchens Erscheinungsbild prägen: Odeonsplatz, Pinakothek, Ruhmeshalle.

Doch nicht nur im beschaulichen München (65.000 Einwohner in der Mitte des 19. Jahrhunderts) hinterließ Klenze seine Spuren. Von Sankt Petersburg bis Athen sind seine Bauten zu bewundern.

Sieben Kinder setzte Leo von Klenze in die Welt, drei starben bereits im Kindesalter. Den Eintritt in den Erbadel erschlich er sich. Zeit seines Lebens stand er unter der Fuchtel seiner Auftraggeber. Sich selbst entfalten war nur im gesetzten Rahmen möglich. Unerbitterlich seinen Feinden gegenüber, phantasievoll-untergeben gegenüber der Hand, die ihn fütterte.

Der königliche Architekt war ein umtriebiger Geschäftsmann, der die Nähe zu Menschen nur suchte, sofern sie ihm behilflich waren. Seine Visionen konnte er nur bedingt umsetzen. Doch die, die umgesetzt wurden, versetzen bei genauerem Hinsehen den Betrachter immer noch in Verzückung. Leo von Klenze – einen Namen, den man auch dank der Biographie von Friedegund Freitag nun nicht mehr so schnell vergessen wird.

Die Reisen der Habsburger

Die Reisen der Habsburger

Reisen bildet. Mal raus aus dem Alltagstrott, etwas anderes sehen. Abschalten. Den Kopf freimachen. Heutzutage suchen im Netz nach unserer Freizeitbestimmung. Einst war das anders. Reisen war nur denen vorbehalten, die es sich leisten konnten. Und zumindest eine Kutsche hatten. Die 700jährige Regentschaft der Habsburger, die vom 13. bis zum 20. Jahrhundert die Geschicke Europas entscheidend mitbestimmten, war auch von Reisen erfüllt. Denn die Habsburger machten nicht durch große Schlachten und Kriege auf sich aufmerksam, sie waren geschickte Diplomaten. Ihre Macht wurde vorrangig durch eine berechnende Heiratspolitik gesichert. In fast jedem Adelshaus Europas saß ein Habsburger. Dazu musste man reisen. War die Staatskasse klamm, wurde unterwegs hier und da ein Taler eingenommen. Schließlich war man ja wer. Im Barock war Reisen Mittel zum Zweck sich zu zeigen. In Zahlen liest sich das so: Marie Antoinette reiste im April 1770 nach Paris. 263 Gäste wurden auf 57 Kutschen verteilt. Allein das Küchenpersonal umfasste 76 Personen. Selbst heute noch müsste man dafür einen Flieger chartern. Rudolf II. reiste 1563 rein aus Bildungszwecken nach Spanien. Doch diese Reise bekam ihm nicht. Nach acht Jahren war er ein gebrochener Mann, leise und still. Die Inquisition hatte ihn verändert.

Hannes Etzlstorfer stellt in seinem spannend geschriebenen und vor Fakten strotzenden Buch die Ausflüge und Reisen und vor allem ihre Zwecke und Folgen bildreich dar. Adelsklatsch mal anders.

Meine kurze Geschichte

Meine kurze Geschichte

Jahrhundertphysiker wird er genannt. Stephen Hawkings Ruf basiert einzig allein auf seinem enormen Wissen um die Welt. Und seiner sympathischen Art dieses Wissen einer gewaltigen Hörer- und Leserschaft nahe bringen zu können. Und seiner Selbstironie. Meist sind es Schauspieler, Musiker oder andere Künstler, die sich in unseren Herzen und Köpfen festsetzen. Wissenschaftler nur sehr selten. Das kann nicht nur allein an der äußeren Erscheinung Hawkings liegen. Da steckt mehr dahinter. Nun gewährt der in jeder Hinsicht außergewöhnliche Mensch Stephen Hawking einen Einblick in sein Leben.

Seine Eltern waren nicht wohlhabend, als er am 8. Januar 1942 in England das Licht der Welt erblickte. Der Vater war Arzt, spezialisiert auf Tropenkrankheiten. Die Mutter schmiss den Haushalt und zog die Kinder auf.

Die entbehrungsreiche Kriegszeit prägte das Leben der Familie weit über die klagereiche Zeit hinaus. Nicht zum Spaß, sondern aus berechnender Sparsamkeit schafften sich die Hawkings einen Wagen an. Nein, kein Auto. Einen Wagen, den zuvor Zigeuner ihr Eigentum nannten. Grün angestrichen und ab ging’s ins Grüne. Das war Urlaub auf Hawking’sche Art. Was die Nachbarn dachten und sagten, war dem Ehepaar Hawking egal. Stephen störte diese Gleichgültigkeit. Sein Streben nach Wissen brachte ihm mit 17 ein Stipendium in Oxford ein. Fleißig – ein Fremdwort für ihn und seine Kommilitonen. Entweder hatte man es drauf oder nicht. Lernen war verpönt. Kaum zu glauben, aber wahr.

Mit absoluter Hingabe und Freizügigkeit schreibt Stephen Hawking auch über seine beiden gescheiterten Ehen. Seine fortschreitende Krankheit brachte die Ehen ins Wanken und schlussendlich zum Fallen. Doch kein böses Wort kommt ihm über die Lippen. Stephen Hawking ist nicht nur ein Gentleman, er ist ein in sich ruhender Mensch, dem die Neugier vorantreibt.

Einem breiten Publikum wurde er mit seinem ersten Werk „A brief history of time“ bekannt. Zig Millionen Mal wurde das Buch verkauft, stand fast drei Jahre auf der Bestsellerliste der New York Times, in England sogar fast fünf Jahre.

Stephen Hawking ist mehr als nur ein weiterer Nerd, wie er zum Beispiel in „The Big Bang Theory“ immer wieder gern parodiert wird. Stephen Hawking ist ein brillantes Genie, das vom Leben zu oft Zitronen bekommen hat, und immer wieder leckere Limonade daraus machte. Und wir alle dürfen nun mit ihm genüsslich am Strohhalm nuckeln.

Die Manns – Der „Zauberer“ und seine Familie

Die Mann - Der Zauberer und seine Familie

Der Name Mann zaubert Bücherwürmern vor Ehrfurcht ein Strahlen ins Gesicht. Thomas Mann, der Zauberer, der Übervater, der strikt nach eigenen Regeln lebende Literaturnobelpreisträger hat wie kaum ein anderes Familienmitglied das Bild Deutschlands in der Welt geprägt. Intellektuell und sich stets sorgend (sowohl um Deutschland als auch um seine Familie, wobei die es nicht immer so gesehen hat) – so war der Dichter.

Dirk Hempels Biografie der außergewöhnlichen Familie richtet den Fokus auf die Jahre in München. Hier verdiente sich Thomas Mann die ersten Sporen als Schreiber, lernte seine Katia kennen. Hier zogen sie mehrmals um. Von hier wurden sie vom aufkommenden Nazismus vertrieben. Gegen München grollte er – erst gegen Ende seines Lebens zeigte er sich milde gestimmt.

Diese Biografie besticht durch eine klare Sprache. Kurz und prägnant werden einzelne Lebensstationen von Thomas, Heinrich, Katia, Klaus, Erika, Michael, Erika, Monika, Viktor und Elisabeth Mann dargelegt. Die Biographie macht Appetit auf die Werke der Manns. Jeder von ihnen hat sich auf seine Art literarisch betätigt.

Die Reihe „kleine bayerische Biografien“ nimmt Persönlichkeiten unter die Lupe, die Bayern über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht haben. Hier nun die Lübecker Kaufmannsfamilie, die in München ihre berühmtesten literarischen Vermächtnisse entstehen ließ.