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Wölfe in Genua

Bruno Morchio - Wölfe in Genua

Das ist nicht fair! Montagmorgen. Die Woche beginnt träge. Über den Dächern der Stadt weht leise der Schirokko, dieser unaufhörliche, nicht starke, dennoch immer spürbare Hauch von Nichts. Und Privatdetektiv Bacci Pagano wird von seinem Schöpfer Bruno Morchio schon wieder in die Spur geschickt. Ein alter Mann liegt zerfleischt im Park. Ein Jogger hat ihn entdeckt. Die Versicherungsgesellschaft CarPol in Person von Dott. Gianluca Boero will die genaue Todesursache wissen. Denn Mino Terenzi hatte eine hohe Lebensversicherung abgeschlossen. Seine um einiges jüngere Frau hat schon zu Lebzeiten dem Leben die guten Seiten abgerungen. Soll heißen, dass die beiden wohl gehörig über ihre Verhältnisse lebten. Julia Rodriguez Amanzar kam als Illegale aus Panama nach Genua. Eine „Karriere auf dem Strich“ galt wahrscheinlicher als ein bequemes Leben an der Seite eines reichen Sugardaddys. Davon geht die Polizei aus. Trips nach Monte Carlo, ein teures Cabrio waren ihr beschieden. Und nun liegt ihr Gatte mit durchbissener Kehle am Wegesrand. Mehr als nur eine Randnotiz: Genau in der Gegend wurde ein Wolf gesichtet bzw. wurde er gehört. Ein elendes Heulen jede Nacht.

Und Julia Amanzar hatte einen Lover, Manuel, Chilene, Besitzer einer Hundezucht. Doch das weiß nur Bacci Pagano. Julia hatte Angst diese Information an die Behörden weiterzugeben. Klar! Eine hohe Lebensversicherung, eine (lebenslustige) junge Witwe, ein Hunde züchtender Lover und die Wolfshaarspuren unter den Fingernägeln des Opfers. Da kommt man schnell auf den Gedanken, dass Manuel und Julia gemeinsame Sache gemacht hätten. Doch Julia überzeugt die Spürnase Pagano, dass ihr Gatte Manuel kannte und von der Liaison wusste. Geliebt hatte Julia nur ihren Mino.

Mino ist allerdings auch nicht der trottelige Alte, der sich von einer heißblütigen Latina das Leben aussaugen ließ. Er ist bzw. war ein gewiefter (und vor allem zäher) Kredithai, der im Dunkeln seinen Geschäften nachging. Und er hatte eine Tochter, die auf Julia überhaupt nicht gut zu sprechen ist. Was so fade, so tröge begonnen hat, entwickelt sich zu einem verzweigten und verzwickten Fall für Bacci Pagano.

Bruno Morchio gewährt einen weiteren Blick tief in die Seele der ligurischen Metropole Genua. Auch Pagano bekommt in seinem zweiten Fall mehr Profil. Ein Treffen mit seiner Ex-Frau, die Beziehung zu seiner Tochter Aglaja thematisiert der Schriftsteller. Leider sind die folgenden drei Romane über den Mozart liebenden Ermittler bisher nur auf Italienisch erschienen. Ende offen.

Genießen in Friaul

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Mal eben schnell nach Bella Italia, um den Gaumen zu verwöhnen – für Rostocker, Kölner oder Cottbuser keine Entscheidung des Willens. Eher der Entfernung. Da muss man schon gleich um die Ecke wohnen. In der Steiermark zum Beispiel. Mal eben schnell rüber. Rüber ins Friaul. Denn dort – glaubt man Silvia Trippolt-Maderbacher ist der Genuss zu Hause. Und das Beste ist, dass man beim Lesen nicht vom Glauben abfällt.

Kulinarische Recherchereisen – ein Traum. Und die Autorin hat sich diesen Traum erfüllt. Sie reist durch eine teils noch (zu Unrecht) unentdeckte Gegend im Nordosten Italiens und kostet hier pancetta (Bauchspeck) und dort ein wenig sclopit (Leimkraut). Mit am Tisch: Der Leser und ihr Mann, selbst Gastronom. Geballte Lust auf friaulische Küche und Kompetenz.

Doch beschränkt sich die Autorin nicht nur auf familiäre Trattorias und urige Osterias, sie geht auch zu den Erzeugern und Verkäufern. Denn nichts schmeckt besser als frisch geerntet! Ihr Weg führt sie auch zum Agli Amici in Godia vor den Toren Udines. Hier kocht die Familie Scarello. Und das mit Erfolg: Die Experimentierfreudigkeit aus Molekularküche und regionalen Produkten bescherten den Betreibern zwei Michelin-Sterne. Flüssige Gnocchi, Capesante-Toast und essbare Steine bekommt nicht jeden Tag und schon gar nicht überall serviert.

Liebe geht durch den Magen, sagt man. In diesem Falle gleitet sie ebenso durch die Finger beim Blättern in diesem appetitmachenden Buch genauso wie durch den Kopf. Stimmungsvolle Bilder vergrößern die Reiselust. Die Texte lassen den Magen knurren. Die logische Konsequenz: Koffer packen und ab ins Friaul. Und alle  über 160 kulinarischen Tipps abfahren und probieren und probieren und probieren und und und. Der Untertitel „Die besten Adressen zwischen Bergen und Meer“ ist mehr als ein Appetitanreger, er ist realtà. Mandi! Was das bedeutet, erfährt man nur im Friaul.

Kalter Wind in Genua

Kalter Wind in Genua

Bacci Pagano ist Privatdetektiv in Genua, einer Stadt, die in Krimidingen in Deutschland eher eine untergeordnete Rolle spielt. Noch! Denn der nüchtern kalkulierende und sich durch nichts aus der Ruhe bzw. seinem Denkschema bringen lassende Ermittler ist eine literarische Wohltat.

Denn Bacci Pagano ist ein echter Kerl – wer ihm dumm kommt, bekommt es auch mit ihm zu tun. Eigentlich arbeitet Pagano im Moment für eine Industriedynastie. Ein einfacher Job. Dabei entdeckt er, dass der Erbe, der bald heiraten soll, von seiner Verlobten ziemlich hinters Licht geführt wird. Sie ist ein ganz schön durchtriebenes Luder.

Mitten in den Ermittlungen wird Pagano von einem Freund um Hilfe gebeten. Dessen Radiosender ist Vielen ein Dorn im Auge. Zu links. Zu offen. Zu gefährlich. Genua rückte 2001 in den Fokus der Öffentlichkeit, als es hier zum ersten Mal in der Geschichte der G8-Gipfel zu immensen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei kam. Aktionen, die heute zum Alltag bei den Gipfeltreffen gehören. Radio Baba Yaga berichtet immer wieder kritisch und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen von Missständen und Schiebereien.

In die Büroräume des Senders wurde eingebrochen. Nicht weiter erwähnenswert, wenn nicht ein Gewehr gestohlen worden wäre. Die Polizei und Pagano nehmen, teils unabhängig voneinander, die Spur auf. Mal liegt die Mordkommission vorn, meist jedoch Pagano.

Ein verzwicktes Katz-und-Maus-Spiel ist die Folge. Mal hat Pagano den Täter schon am Schlafittchen, schon ist er ihm wiederentwischt. Die Hintermänner tauchen vor den Schleier des Vergessens und schon sind sie wieder verschwunden. Zwei Fälle muss Pagano lösen. Zweimal Lug und Trug, zweimal Heuchelei und Prügelei. Und zweimal hat die Lösung zwei Seiten.

Was diesen Krimi so besonders macht, ist die liebevolle Huldigung an Genua. Jede Ecke, jede Gasse, jede Bar wird mit so viel Detail beschrieben, dass man fast keinen Stadtführer mehr braucht. Anders als Brunetti in Venedig oder Guarnaccia in Florenz ist Bacci Pagano ein handfester Kerl, der keiner Auseinandersetzung aus dem Weg geht. Obwohl er lieber mit Worten als mit Fäusten kämpft. Aber, wenn’s gar nicht anders geht…

Mit seiner amaranten Vespa jagt er Verbrecher durch die Carruggi, die engen Gassen Genuas. Wer aufmerksam liest, kann in der ligurischen Metropole selbst auf Verbrecherjagd gehen.

Die Erben der Etrusker

Die Erben der Etruser

Italienreisebände haben in Deutschland eine lange Tradition. Schon olle Goethe fing damit an. Auch Charlotte Ueckert kann sich dem Charme des Stiefels nicht entziehen. Doch sie wählt einen anderen, einen ungewöhnlichen, einen historischen Weg, um ihrer Leidenschaft nachzugehen. Sie will den Spuren einer alten Kultur auf die Schliche kommen: Die der Etrusker, einem Volk, das sich vor Jahrtausenden in der Region der Toskana und des Latium ansiedelte.

Ihr Werkzeug sind nicht Spitzhacke und Schaufel, wie bei Archäologen, sondern unbändige Neugier, beharrliche Recherche und eine flotte Feder.

„Die Erben der Etrusker“ ist ein Reisebegleitband für Geschichtsfreunde und Italienkenner gleichermaßen. Ihre Ausflüge in die umliegenden Gebiete bei Rom sind voller Abenteuerdrang. Wie ein herumstromerndes Kind entdeckt sie an jeder Ecke etwas Neues, das doch schon so alt ist.

Der Leser wird auf eine Reise entführt, die er so schnell nicht vergessen wird. Und so schnell wie möglich selbst erleben will. Selten zuvor wurden Reiseimpressionen so glaubhaft und spannend dargestellt.

Und es kommen immer neue Reiseziele hinzu. Denn die etruskische Kultur beschränkte sich nicht allein auf  die angestammten Siedlungsgebiete. Auch weiter im Norden des heutigen Italien lassen sich Spuren der Etrusker entdecken. Und Charlotte Ueckert spürt sie alle auf. Auch in Bologna findet sie Spuren der Etrusker.

Auf jedes einzelne Detail, sprich Fundstück einzugehen, würde den Rahmen sprengen. Außerdem würde es den Lesegenuss vorwegnehmen.

Udine – Trends, Tajut und Tiepolo

Udine - Trends, Tajut und Tiepolo

Udine ist eine Stadt, die seit jeher im übermächtigen Schatten Venedigs stand. Und das nicht nur symbolisch. Einst hatten die Dogen Venedigs hier das Sagen. Doch die Stadt ergibt sich nicht ihrem Schicksal, sie sieht es als Chance. Venedig – der ewig überlaufene Kitsch-Moloch – auf der einen Seite. Udine – die Perle des Friaul – auf der anderen. „Mal eben schnell rüber nach Italien“ – da ist Udine eine perfekte Wahl. Klassisch-schöne Paläste, einladende Einkaufsstraßen und eine appetitanregende Küche, die an jeder Ecke eine neue Gaumenfreude parat hält.

Evelyn Rupperti kennt Udine wie ihre Handtasche. Ohne viel Herumkramerei weist sie dem unkundigen Besucher den Weg in die lauschigsten Gassen, zu den anregendsten Speisetempeln, und sie führt kundig durch die sehenswerte Stadt. Der Reiseband liest sich wie eine Liebeserklärung an ein ungerecht unbeachtetes Kind. Schön und ruhig liegt es da – kein Grund zur Klage. Und doch wird es nicht so recht beachtet.

Das ändert sich von nun an.

Auf einen Tajut in der Stadt. Der Tajut ist ein kleiner Schluck zwischendurch. Ein Schluck Wein. Ein Tokaji. Den Namensstreit haben die Friuler gegen Ungarn verloren. Nur noch ungarische Tokajer darf sich so nennen. Nichts desto trotz genießen die Einheimischen ihren Taj. Nicht nur, um nicht aufzufallen, sollte man es ihnen gleichtun…

Als Einkaufsparadies ist Udine ein Glücksfall. Schon vor den Toren der Stadt warten unzählige Möglichkeiten. Doch dann verpasst man die historischen Bauten der Stadt. Lieber die riesigen Zentren des Konsums passieren und in der Stadt einkaufen. Das Erlebnis zwischen venezianischen Bauten und durch wohlgeformte Arkaden zu wandeln (und zu konsumieren), ist mit keinem standardisierten Einheits-Malls zu vergleichen.

Egal, zu welcher Jahreszeit man Udine besucht – mit diesem Reiseband ist man für jede Situation exzellent vorbereitet. Ob als Tages- oder Dauerurlauber: Udine ist mehr als nur die Stadt, die Oliver Bierhoff zum Fußballer von Weltformat reifen ließ. Udine ist eine echte Alternative zum Trubel in Venedig. Zu diesem Buch gibt es allerdings keine Alteranative.

Mediterran genießen

Mediterran genießen

Sich den Urlaub auf den Tisch zaubern? Das geht ganz einfach. Wenn ´man den richtigen Ratgeber hat. Cornelia Schinharl ist die Autorin eines solchen Ratgebers. „Verwöhnrezepte rund ums Mittelmeer“ heißt es im Untertitel. Klingt großartig, ist in Wirklichkeit viel besser.

Wer von mediterraner Küche spricht, denkt oft an Pasta, Antipasti, Tapas, Fischgerichte. Doch das Mittelmeer mit seiner Küche ist mehr als nur bella Italia oder die eine oder andere Costa der iberischen Halbinsel. Labaneh zum Beispiel ist eine Art Frischkäsebällchen aus Joghurt aus dem Libanon. Denn auch der gehört zum Mittelmeer! Sahnejoghurt, Chilischote, Limette, Minze oder Koriander, Olivenöl. 30 Minuten Zubereitung, und dann nur noch ein bis zwei Tage abtropfen lassen. Das liest sich doch schon mal lecker. Oder?!

Marokko wartet mit Pastella auf. Frankreich mit Senf-Linsen. Griechenland mit Moussaka. Kroatien mit Okra-Topf. Israel mit Falafel.

Schon die bloße Aufzählung einiger vorgestellter Gerichte lässt so manch schöne Stunde am Mittelmeer vor dem geistigen Auge und der frohlockenden Zunge vorbeiziehen. Ob nun Ägypten oder Syrien, ob Türkei oder Italien – hier kommt jeder auf seine Kosten. Suppen, Pasta, Gemüse, Fisch, Geflügel oder Desserts – der Gabentisch ist angerichtet. Zugreifen, Nachkochen, Genießen.

Die eindrucksvollen Bilder von Alexander Walter erhöhen den Appetit und machen Lust auf mehr. So umfangreich und vielfältig wird die Mittelmeerregion selten dargestellt. In den Küchen der Nationen treffen Geschmäcker auf Feinschmecker, die jeden Bissen genießen können.

Der Leser dieses Buches wird sich in jedem Fall gesund, reichhaltig und abwechslungsreich ernähren. Und sich ein Stück Urlaub an den heimischen Herd holen.

Altes Handwerk in Venedig

Altes Handwerk in Venedig

Wenn ein Ort mit einer besonderen Handwerkskunst wirbt, deren Erzeugnisse man dann als besonderes Mitbringsel den Daheimgebliebenen überreichen kann, hat das oft den bitteren Beigeschmack des Kitschigen. In Orten an der Küste kann man Gefäße mit einem Anker mitnehmen. In den Bergen mit Wildtieren. Das sieht im ersten Moment ganz hübsch aus, aber sobald die Urlaubsstimmung verflogen ist, wirkt es billig.

Kitsch und Venedig – eine durchaus vorstellbare Verbindung. Eine kleine Gondel hier, eine Karnevalsmaske da. Und alles Made in … na jedenfalls nicht Made in Venice. Jana Revedin hat sich auf die Suche nach dem Gegenstück zur Touristenmassenproduktion begeben. Und sie wurde fündig! Wer allerdings diese Handwerkserzeugnisse mit nach Hause nehmen will, muss richtig tief in die Tasche greifen. Manches ist so besonders venezianisch, dass man es gar nicht mit nach Hause nehmen kann.

Die Autorin besucht unter anderem Carlo Capovilla. Er hat sich auf Hochsitze der besonderen Art spezialisiert. Hoch auf den Dächern der Stadt sieht der aufmerksame Besucher eigenartige Holzkonstruktionen. Terrassen auf dem Dach – Altana genannt. Von hier lässt sich das Treiben auf den Kanälen aus sicherer Entfernung betrachten. Gerade in den Sommermonaten, wenn die Stadt aus allen Nähten platzt ein Ruheort. Denn schließlich vervierhundertfacht sich die Einwohnerzahl der Lagunenstadt jährlich. Man stelle sich dies in einer Stadt wie Shanghai mit weit über 20 Millionen Einwohnern vor…

Wer in Venedig das Glück hat einen echten Palazzo zu besichtigen, dem fällt der schmucke Terrazzo auf. Roberto Patrizio fertigt diese fliegenden Marmorteppiche an. Kleine farbige Steine schimmern in den schillerndsten Farben und verleihen den Räumen eine gewisse Eleganz. Für die Autorin und ihren Fotografen Gernot Gleiss öffnet er sogar sein Lager. Hier lagern unzählige Marmorbruchstücke: Breccia Pernice gibt ein feuriges Rot, Verde Piave ein geheimnisvolles Grün usw.

Auch Steffano Gottardo gewährt den beiden Einlass in seine Werkstatt. Er darf das Siegel „Made in Venice“ auf seine Erzeugnisse kleben. Er stellt die echten, die wahren Karnevalsmasken her. In Handarbeit – versteht sich. Touristen sind ihm nicht willkommen. Ein Schild am Fenster seiner Werkstatt gibt dies zu verstehen – „No photos please“ – prangt da in Großbuchstaben.

Bücher über Venedig gibt es sie Sand in der Lagune. Doch keines zeigt so eindrucksvoll das wahre Gesicht der einstigen Handelsmetropole wie dieses Buch. Authentisch und ganz nah dran am Leben in einer der meistbesuchten Städte der Welt.

Kalabrien & Basilikata

Kalabrien & Basilikata

Die Region Kalabrien machte in der jüngsten Vergangenheit immer wieder durch die Ndrangheta, die landeseigene Mafia, von sich Reden. Die Basilikata im Norden der Stiefelspitze erinnert eher an eine anregendes Gewürz als an eine Urlaubsregion. Bereits in der fünften Auflage wird dem kriminellen Vorurteil und der scheinbaren Unbekanntheit ein 324seitiges Bollwerk voller Dolce vita und erstklassiger wie ursprünglicher Erholung entgegenstellt. Annette Krus-Bonazza nimmt den Leser mit auf eine Reise, die er nie mehr vergessen wird.

Wer in den Süden Italiens, in die Region Kalabrien und Basilikata reist, muss sich nicht nur auf ungewöhnlich hohe Tagestemperaturen einrichten, er wird auf eine alte, auf Tradition achtende Kultur treffen. Tropea zum Beispiel trägt dem Touristenandrang damit Rechnung, dass die gesamte Innenstadt im Juli und August für den Autoverkehr gesperrt ist. Ein Traum über die alten Pflaster der Stadt zu wandeln, hier und da einen Happen zu sich zu nehmen und sich an der Architektur des alten Bischofssitzes zu ergötzen. Malerisch schmiegt es sich an die Tufffelsen des Tyrrhenischen Meeres. Eine wahre Perle.

In Accetura, Castelmezzano, Pietrapertosa und Oliveto Lucano in der Basilikata wird der Maggio gefeiert, ein Fest, bei dem der Fruchtbarkeit des Bodens bedacht wird. Dabei werden ein junger und eine älterer Baum „miteinander verheiratet“. Wir sind in Italien, also ein großes Fest. Ein Fest, bei dem jeder willkommen ist.

Schon anhand dieser beiden Stichpunkte (übrigens nur ein sehr kleiner Bruchteil der Tipps aus der Feder der Autorin, die sich keine Blöße gibt und – so scheint es – jeden Stein der Region umgedreht hat) wird klar: Kalabrien und Basilikata, da muss ich hin! Der Reiseband ist nicht nur ein idealer Urlaubsplaner, auch vor Ort verrichtet er ohne Stottern seine Arbeit und ist behilflich bei der Suche nach den Orten, die man auch in der Zukunft mit diesem Urlaub verbinden wird. Wandern, auch in den Bergen von Cosenza, erholsamer Badeurlaub an den Traumtränden von Tropea, ausgedehnte Radtouren oder Stadtbummel durch idyllische Orte – hier kommt jeder auf seine Kosten. Filmliebhaber müssen unbedingt die Sassi in Matera besuchen. Hier drehten unter anderem Pier Paolo Pasolini und Mel Gibson ihre Filme. Ein Wallfahrtsort für echte Cineasten.

Für nicht einmal zwanzig Euro wird der interessierte Reisende mit einem Buch belohnt, das sich aber der ersten Seite bezahlt machen wird. Das ist so sicher wie die Tatsache, dass man im Süden Italiens fast nie einen Regenschirm braucht.

La casa sulla strada

La casa sulla strada

Mit Speck fängt man Mäuse. Sonnenblumenmeere, Olivenhaine, Weinberge. Italien. Bilderbuch- bzw. Katalogidylle an den wogenden Wellen der Adria. Familie Gertz hat sich nun doch entschieden sich in einem dauerhaften Ferienplatz in Italien einzurichten. Die Entscheidung über das Wo ist allerdings nicht ganz so einfach. Freunde haben sich in der Toskana eingenistet. Kurzum: Den Gertz’schen Familienclan zieht es in die Marken.

Doch die Suche nach dem geeigneten Unterstand für die Gertz – samt Hund – entwickelt sich schwieriger als gedacht. Unterstützung kommt von Geometer Massi. Der kann sogar mit einer deutschen Sekretärin aufwarten.

Was sich anfangs wie eine typisch deutsche Auswanderer-Odyssee anfühlt, wird schnell zum sprachgewaltigen Exkurs in die sonnigerer Gefilde. Das Häuschen an der Straße (La casa sulla strada) soll perfekt sein. Und zwar in einer Region, die uns Deutschen beim ersten Erschallen des Namens nicht allzu viel sagt: Marken, italienisch Marche.

Helmut F. Graetz – die Nähe zum Namen der Helden des Roman, Gertz, ist sicherlich gewollt – sprengt mit seiner im Laufe der Jahre angelernten Wortvielfalt das Klischee des tumben Deutschen, der „hier einfach keine Zukunft mehr sieht“, ab den ersten Seiten hinweg. Ein gewisses Maß an Dudenfestigkeit verlangt er seinen Lesern schon ab.

Frühstück in naturgegebener Ruhe, jeden Tag, die Aussicht auf Weinberge und ein Leben wie man es sich ureigen erträumt hat – der Grundstein dafür soll eben dieses kleine Häuschen an der Straße sein. Ein Abenteuer wird es schlussendlich doch.

Wer Italien liebt, ein gewisses Maß fürs Maßhalten mitbringt, wer sich an ausgedehnten Satzkonstruktionen ergötzen kann, wem die TV-Auswanderer-Stars auf den Zeiger gehen, der wird „La casa sulla strada“ lieben. Auswandern leicht gemacht – das gibt es nicht. Die Heimat hinter sich zu lassen – egal für wie lange – ist immer ein Kraftakt. Physisch wie psychisch.

Vom Starnberger See in die Weiten der Marken – von einem Paradies ins andere. Hier die schneebedeckten Gipfel der Alpen, da die flirrende Luft vor den Hängen des Apennins. Hier eine zünftige Brotzeit, da olivenölgetränktes Gemüse. Hier eine anständige Maß Bier, da ein gepflegtes Glas Vino rosso. Auf den ersten Blick eine einfache Entscheidung. Familie Gertz macht sie sich nicht einfach. Vorbereitung ist alles. Ein Ratschlag, den so mancher Auswanderer beherzigen sollte.

Kunst und Architektur – Toskana

Toskana

Es gibt Regionen auf dieser Welt, die erwecken schon ab dem puren Erwähnen einzigartige Assoziationen. Bei der Toskana kommen einem neben erstklassigem Wein und Essen Leonardo da Vinci, der schiefe Turm von Pisa und der Palio von Siena in den Sinn. Ein Urlaub in der Toskana wird wegen ihrer Vielfalt immer ein kultureller Höhepunkt. Kunst und Architektur sind die bleibenden Eindrücke, die einem als sofort ins Auge springen.

Zeit also einen entsprechenden Kunst- und Architekturreiseband für die zahlreichen Touristen der Toskana zu veröffentlichen. Denn wer einfach nur so durch die Toskana reist, wird vieles zwar sehen, aber nicht für sich entdecken.

Pisa zum Beispiel besteht nicht – wie die meisten annehmen und deswegen auch nur dorthin pilgern – aus dem schiefen Turm. Der Palazzo die Cavallieri beherbergte einst die Medici, Cosimo I. erwählte diesen ehemaligen Kommunalpalast als Sitz des Ordine die Cavallieri di Santo Stefano, ein Ritterorden. Allein vor der Fassade des imposanten Baus könnte man stundenlang stehen und die Malereien betrachten, interpretieren und in sich aufsaugen.

Das pittoreske Volterra im Westen Pisas lässt Kinderträume nach Ritterburgen und heldenhaften Schlachten erwachen. Ausgrabungen, die noch im vergangenen Jahrhundert in vollem Gange waren, brachten einzigartige Stätten ans Tageslicht.

Auf über 600 Seiten wird die gesamte Bandbreite an kulturellen Höhepunkten kompakt und kenntnisreich ins Sezen gesetzt. Ein unersetzlicher Reisebegleiter. Der Reiseband protzt nicht mit angeblichen Geheimtipps, die man sonst nirgendwo erlebt. Dieser Reiseband verzaubert durch die Masse an eindrucksvollen Bildern, die die angefügten Texte beispiellos untermalen. Das ungewöhnliche Format erlaubt es den Reiseband jederzeit mit sich zu führen und bei Bedarf darin zu blättern. Kleine Stadtpläne zu Beginn jedes Kapitels erleichtern die Planung der Ausflüge. Auch wer nicht vordergründig auf kulturellen Pfaden wandeln will, wird hier unweigerlich zum Kenner toskanischen Lebens. Renaissance und ihre Meister und Gönner werden nicht länger ein Buch mit sieben Siegeln bleiben. Dafür sorgen die erkenntnisreichen und präzise formulierten Erläuterungen. Selbst architektonische Merkmale wie die Gestaltung von Kapitellen und Friesen sowie ein Ausflug in die Formenlehre von Sakralbauten anhand von Skizzen lassen künftige Besuche auf angenehme Weise zu einem Schulausflug mit bleibenden Erinnerungen werden.