John Watson ist ein begehrter Fotograf, weltweit. Gerade kommt er aus Shanghai wieder, will sich entspannen, den Jetlag auskurieren. Seine Freundin Sally wartet schon sehnsüchtig auf ihn ‚ und Harry, den Hund, der sein Herrchen überall hinbegleitet. Doch kaum in der heimatlichen Wohnung in Vancouver angekommen, schrillt das Telefon. Phil Marlowe(!), Kommissar und Freund der beiden muss in Neapel recherchieren und benötigt noch ein paar Reisetipps. Das kann ja so lang nicht dauern, meint John Watson und erklärt sich bereit dem Freund zu helfen. Da weiß er noch nicht, dass Neapel die beiden schneller wieder zusammenführen wird als den beiden lieb ist.
Denn kaum ist der eine zur Tür raus, klingelt erneut das Telefon ‚ das Ausruhen muss erneut warten. Am anderen Ende der Leitung wartet schon Falo Schöndorff (der Name ist eine Hommage an Volker Schlöndorff). Der Regisseur steckt in gewaltigen Schwierigkeiten: Sein Hauptdarsteller hat das Zeitliche gesegnet und die Vertretung fordert nun John Watson als Standfotograf, ansonsten würde er den Dreh platzen lassen.
Was tut man nicht alles für gute Freunde?! Unversehens sitzt John Watson im Flieger, um am Vesuv den eitlen Star gebührend in Szene zu setzen. Hündchen Harry ist natürlich mit von der Partie. Während Herrchen arbeiten muss und sich Locations (wie es so gern auf neudeutsch heißt) ansieht, passt Gelsomina auf Harry auf.
Bei einem seiner Rechercherundgänge am erhabenen Vesuv wird John Watson Zeuge eines Mordes und er drückt selber auch ab. Den Auslöser seiner Kamera. Das wird ihm zum Verhängnis. Denn die Killer sind keine Anfänger, sofort eröffnen sie das Feuer auf den neugierigen Gast. Watson kann sich retten. Bei Nero Lupo, dem Bürgermeister einer Stadt, die sich rühmt absolut frei von Mafia-Tätigkeiten zu sein, findet er Unterschlupf.
Doch die Killer sind gerissener und gewiefter als es sich der Hobbydetektiv John Watson vorzustellen vermag. Schnell setzen sie ihn unter Druck die Bilder rauszurücken. Doch die sind bei der Flucht genauso wie die Kamera kaputt gegangen. Die Speicherkarte lässt sich nicht mehr benutzen. Die Bilder sind im Eimer. Doch wie soll man einem engstirnigen Gangster erklären, der gerade aus seiner Deckung gekommen ist, dass dies nicht nötig war, weil das Gesuchte nicht mehr existiert? John Watson wird verschleppt und unter Drogen gesetzt ‚
‚Neapel sehen und sterben‘ ‚ der Titel erinnert an ‚Brügge sehen und sterben‘. Düstere Vorahnungen erhaschen den Leser ab der ersten Seite. Und sie werden alle wahr. C. Harry Kahn bedient sich eifrig im Filmgenre, schließlich eilt er einer Filmproduktion zur Hilfe. Der Pate, French Connection, Bond-Filme ‚ der Autor wildert ungeniert auf der großen Leinwand. Dennoch gelingt es ihm eine eigenständige Produktion zu Papier zu bringen. Spannung bis zum Schluss ist garantiert.
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Parmesan
Wie viele Kochzutaten gibt es weltweit? Zehntausend? Hunderttausend? Es sind wohl eher Millionen! Und wie viele Kochbücher, die sich rund um nur eine einzige Zutat drehen, gibt es? Hundert? Tausend? Eher weniger. Wenn man die qualitativ hochwertigen heranzieht, bewegt sich die Zahl wohl mehr im Dutzendbereich. Doch dazu mehr am Ende dieses Textes.
Bei italienischer Küche denkt man seit Kindestagen an Spaghetti. Man kann kaum laufen, aber „Schbageti“ geht jedem leicht über die Lippen. Mit Tomatensauce. Und Käse. Mmmh lecker! Mit fortschreitendem Alter bleibt diese Leidenschaft erhalten. Man geht dann zum Italiener. Dort isst man dann Pasta. Mit Tomatensauce. Und Parmesan! Ja, aus dem Käse wird für den verwöhnten Gaumen Parmesan, Parmigiano Reggiano. Einfach köstlich, wenn der goldene Regen auf das dampfende Gericht fällt, zerläuft und das Aroma in die Nase steigt! Der erste Bissen ist immer noch der Beste. So viel zur Leidenschaft.
Der originale Parmesan – bleiben wir doch bei der deutschen Bezeichnung – wird nur in der Zona Tipica (welche das Gebiet Modena, Teile von Mantua und Bologna, der Reggio nell’Emilia und der namensstiftenden Region Parma umfasst) angebaut. Das Heu der Kühe wird nach strengen Regeln kontrolliert. Die Milch des Vorabends wird mit der Milch des nachfolgenden Morgens zu gleichen Teilen vermischt und zu einer Köstlichkeit verarbeitet, die seit Jahrhunderten die Gaumen verzückt.
Es gibt sogar Banken, die ganze Käselaibe als Sicherheit akzeptieren.
Carmelo Greco wurde in Sizilien geboren, lernte im Piemont und kocht nun sternenhaft in Frankfurt. Er zeichnet in diesem Buch für die Rezepte zuständig. Tatari di fassona e Sbrisolona – das ist kein Zungenbrecher, das ist ein Zungenlöser! Rindertatar mit Parmesanplätzchen. Klingt auf den ersten Blick nicht so spektakulär, aber auf der nebenliegenden Seite kann man sich vom Gegenteil überzeugen. Kunstvoll gestapelt, gekonnt gesetzte farbige Akzente – da muss man einfach doppelt bestellen. Den ersten Happen verschlingt man im Ganzen. Einfach die Geduld vergessen und zubeißen. Die zweite Bestellung genießt man. Man schmeckt den Apfel, das Olio extra vergine, das Fleur de Sel, die Shiso-Kresse, die Pfeffer … alles muss man hier auch nicht verraten. Nachkochen! Geht ganz einfach, denn Carmelo Greco gibt exakte Anweisungen.
Um auf die Eingangsfrage zurückzukommen, wie viele Kochbücher es gibt, die sich nur einer einzigen Zutat widmen, muss man vor den Machern bei 99pages den Hut ziehen: Drei Kochbücher zu nur einer einzigen Zutat und jede davon eine Augenweide – das schaffen nur ganz Wenige. „Habemus Pasta“, „Fleur de Sel“ und nun „Parmesan“. Drei Zutaten, die einem das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen. Drei Kochbücher, die die Augen übergehen lassen. Dreimal Hochgenuss für die Sinne.
Mirabilia Urbis Romae
Wenn ein Reiseführer erst Jahrhunderte nach seiner Erstauflage auf Deutsch erscheint, ist das – auf den ersten Blick – nicht gerade ein Qualitätsmerkmal. Tja, lieber Marktforscher, Superökonomen und Marketingexperten. Da irrt die Wissenschaft! Denn „Mirabilia Urbis Romae“ ist ein Meisterwerk. Er wurde im Laufe der Jahrhunderte, ja: Jahrhunderte! – immer wieder verändert, so dass heute niemand genau sagen kann, wer denn nun der Verfasser dieses außergewöhnlichen Reisebandes ist. Das ist doch aber auch egal, oder?! Die Wunderwerke der Stadt Rom lautet der Untertitel, edel in güldenen Lettern ins Leinen geprägt.
Der Titel lässt es schon vermuten, dass die Erstausgabe in lateinischer Sprach verfasst wurde. Und jetzt eben auch auf Deutsch. Zweisprachig. Wer also noch oder schon in der Schule hatte oder hat, wird sich doppelt freuen können. Wer sich im Römischen Reich nicht so recht auskennt – und wer tut das schon – erhält ausführliche Erläuterungen zum Originaltext und der Übersetzung.
Wer Rom besucht, wird von der allgegenwärtigen Geschichte im übertragenen Sinne erschlagen. Wo anfangen? Was muss ich sehen, was kann man weglassen (eigentlich gar nichts)? Da bietet es sich an Rom thematisch zu erkunden. Warum also nicht auf den Spuren der Ahnen wandeln? Reisen wie vor – sagen wir mal – Hunderten von Jahren? Gut, dass es jetzt einen Reiseband gibt, der dies ermöglicht. Verblüffend wie aktuell er noch ist. So manches Bauwerk steht vielleicht nicht mehr so frei in der Landschaft wie einst, aber es steht noch! Die alten Kaiserpaläste entlang der Konsularstraßen. Der Vatikan, die Engelsburg … ach man könnte so viel aufzählen, was den Lauf der Geschichte bestimmt und überdauert hat.
Wer Rom besucht und nicht gefahrlaufen will, dass er nur das „normale Touristenprogramm durchläuft“, braucht einen besonderen – gedruckten – Reisebegleiter. Mit „Mirabilia Urbis Romae – Die Wunderwerke der Stadt Rom“ ist so ein Reisebegleiter. Wer auf historischen Pfaden die Metropole am Tiber, die auch schon mal zur Kleinstadt verkommen war, mit diesem Buch im Handgepäck erobern will, wird belohnt mit einer ganz besonderen Sicht auf die Geschichte.
Murmelbrüder
Unter der Sonne Sardiniens spielt diese zauberhafte Geschichte aus der Feder von Michela Murgia. Sie ist dort geboren und lebt (wieder) dort. Sie kennt die Menschen der Insel. Mit diesem Buch versetzt sie den Leser in ihre Kindheit und auf die Trauminsel Sardinien.
Maurizio, Franco und Giulio sind echte Freunde. Sie sind um die zehn Jahre alt. Ihre Welt ist Crabas, ein kleines Städtchen, in dem sie sich so richtig austoben können. In der Natur herumstromern, Murmeln spielen – diese, ihre Welt ist in Ordnung. Maurizio hat den angenehmen Vorteil Einzelkind zu sein. Das heißt, er wird nicht permanent überwacht. Bei seinen Großeltern hat er ohnehin noch mehr Freiheiten. So soll es sein. Die Drei sind unzertrennlich. Wie selbstverständlich treffen sie sich jeden Tag zur gleichen Zeit an der gleichen Stelle. Alles ohne Uhr, ohne Karte, ohne Verabredung. Später werden sie es seelenverwandt nennen…
Und sie sin richtige Lausbuben. Eine Rattenplage wird radikal mit Stein, Alufolie, Alkohol und Steinschleuder bekämpft. Leider auch mit allen Konsequenzen.
Der Pfarrer des Ortes, Monsignor Marras hat auch so seine Vorstellungen vom Leben. So gründet er (kurzerhand?) eine neue Glaubensrichtung. Das spaltet den Ort in zwei Lager. Spannungen sind vorprogrammiert. Die Einigkeit, die so gern von der Kirche propagiert wird, soll nur noch von einer der beiden Richtungen vertreten werden. Auch die Jungens werden in den Sog der beiden streitenden Parteien gezogen. Doch sie haben eine (Welten) umwerfende Idee.
Michela Murgia berichtet von Freundschaft, die Grenzen überwindet. Die gewitzten Jungen Maurizio, Franco und Giulio sind Helden, Einiger und Lausbuben in einem. Sie wachsen dem Leser sofort ans Herz. Genau wie dieses Buch, das jeder lesen sollte, der offenen Auges durchs Leben schreitet, die Inseln des Mittelmeeres liebt und eine gute Geschichte zu schätzen weiß.
Mein ein und alles
Giulio und Arianna – ein Traumpaar. Wenn man sie so sieht, glaubt man nicht, dass die beiden eine ungewöhnliche Beziehung leben. Verliebte Blicke, perfekt aufeinander abgestimmt, so schaut es für den Außenstehenden aus. Nur die Leute am Strand wissen Bescheid über ihr Geheimnis. Denn am Strand sind Giulio und Arianna nicht das verliebte, perfekte Paar, am Strand sind sie die sich verzehrende Arianna und der duldende Giulio. Doch beim Spiel mit den Jünglingen gibt es klare Regeln, über die der Strandwart wacht: Jeder nur zweimal! Und keine Anrufe bei ihr!
Giulio ist über ein Vierteljahrhundert älter als die begehrenswerte Arianna. Sie lernten sich kenne, als sie ihren Mann verlor. Dessen Familie war nie gut auf Arianna zu sprechen. Giulio schwebte botenhaft wie ein Engel in ihr Leben, dass von diesem Moment an ein anderes war. Finanzielle abgesichert konnte sie sich ihrer persönlichen Entfaltung widmen. Ganz oben auf dem Dachboden war und ist ihr Reich. Hier darf niemand rein.
Giulio ist Geschäftsmann. Klare Regeln sind für ihn die Basis eines jeden Geschäftes.
Und so läuft das angenehme Leben Tag vor Tag durch die beiden hindurch. Jeder hatte sein Leben bevor er den anderen kennenlernte. Jeder lebt sein Leben. Beide leben ihr Leben gemeinsam – das klingt auf den ersten Blick verwirrend. Doch Andrea Camilleri wäre nicht er selbst würde er es nicht ernst meinen und eine wunderbare Geschichte aufs Papier zaubern. Beim Lesen wird man das Gefühl nicht los, als sei diese Geschichte in einem fort geschrieben worden. Kleine Rückblenden in Ariannas Vergangenheit lassen den Nebel des Ungewissen verschwinden. Dem Leser öffnet sich eine traurige Welt, die Arianna längst verlassen zu haben scheint. Doch ist sie gerade dabei die Regeln zu verletzen. Mario – einer ihrer Auserwählten, den sie nur zweimal treffen darf, der sie nie anrufen darf – fühlt sich derart von ihr angezogen, dass er die Grenzen überschreitet. Arianna scheint das nur anfangs etwas auszumachen. Doch dann entscheidet sie sich anders: Wenn Arianna jemandem ihr ein und alles zeigt, ist das kein Vertrauensbeweis. Es ist viel mehr …
„Mein ein und alles“ gehört zu den stärksten Büchern des Sizilianers Andrea Camilleri. Was als ungewöhnliche Liebe zwischen einer jungen, vom Leben geschassten Frau und einem erfolgreichen, gönnerhaften Signore beginnt, entpuppt sich nach und nach als bittersüße Abrechnung mit dem Leben. Wer hier Opfer, wer Täter und wer Helfer ist, muss der Leser entscheiden. Montalbano hätte seine reine Freude an diesem Fall.
Roma romanissima
Noch ein Stadtführer über Rom. Ist das wirklich nötig? Ja, denn es gibt noch kein Reisebuch für junge Leute. Und das auch noch von einem aus der Zielgruppe! Lucas Militello ist Römer, jung und ein Kenner seiner Stadt.
Bei seinem Buch bedient er sich eines Kunstgriffes: Zuerst besänftigt er die Gemüter, die schon heiß laufen bei dem Gedanken Rom nur aus der Sicht shoppingwütiger, geschichtsdesinteressierter, lauter Jugendlicher zu erobern. Das Colosseum und die Spanische Treppe gehören genauso in dieses Buch wie Fast Food und der obligatorische Sundowner (den viele noch als Absacker kennen).
Kurzweilig schlendert er durch Rom. Denn Hektik und ewiges Getriebensein passen einfach nicht zur Metropole am Tiber. Auch wenn es oft so wirkt. Nach den Highlights und Sehenswerten folgen Lebens- und Liebenswertes. Das ist Rom! Die Parks sind die viel gerühmten grünen Lungen der Stadt. Hier sind Touristen nicht unter sich, hier teilt man sich Seit an Seit mit Römern die Entspannung vom Alltag. Ein Touristenalltag sieht freilich anders aus als der eines Bewohners, Erholen müssen sich beide Spezies. Fit werden beide wiederum im Il Caffe. Einen Corretto im Stehen, ein kurzer Plausch und schon kann’s weitergehen durch die Ewiges Stadt.
Ohne Essen oder wenigstens darüber philosophieren – wer das beherrscht, hat die Römer auf seiner Seite. Dazu noch ein bisschen Nörgeln oder Herziehen über die Oberen und alles ist perfekt. Apropos Essen: Luca Militello hat natürlich auch ausgewählte Einkehrtipps. Wohltuend ist hierbei, dass er auf die sonst üblichen Superlative „die beste Pizza der Stadt“ und „die leckerste Pasta diesseits der Alpen“ verzichtet. Jeder hat seinen Geschmack, manche selbigen noch gar nicht gefunden. Aber Lucas – wir dürfen ihn beim Vornamen rufen, er duzt uns auch – legt die richtige Brotkrumen- bzw. Pasta/Pizzaspur.
Rom muss man besuchen! So viel steht fest. Kaum eine andere Stadt bietet so viel Geschichte, die bis heute noch nachwirkt, wie die Stadt am Tiber. „Roma, romanissima…“ ist der gedruckte, traditionelle Ableger einer gleichnamigen Seite in einem sozialen Netzwerk. Sozusagen das Bindeglied zwischen seit langem bewährt und neuer Technologie. Jede Generation hat Rom für sich selber entdecken müssen. Die, die heute die Nase rümpfen über die Jugend haben es früher auch nicht anders getan. Sie hatten allerdings nicht dieses Reisebuch. Vorteil Jugend!
Mein Sizilien
Wäre Sizilien ein Eisbecher, so wäre dieses Buch der Eislöffel. Man könnte das Eis auch ohne Löffel schlecken, aber nicht portionieren und schon gar nicht bis zum Boden aufessen. Die größte Insel des Mittelmeeres ist nicht einfach nur eine Insel, auf der es sich aushalten lässt. Sie ist auch die Heimat von Leonardo Sciascia, einem Autor, der mit seinen Geschichten seiner Insel ein Gesicht gab.
Es ist eine Art Hassliebe zwischen Sciascia und Sizilien. Auf der einen Seite die einmalige Natur, auf der anderen Seite die ebenfalls einmalige Kultur und ihre Menschen. Für Fremde schwer einzusehen. Für Einheimische schwer zu beschreiben. Leonardo Sciascia versucht es trotzdem. Die Kultur, seinen Zeilen nachzuerzählen wäre mühevoll. Er schwelgt zwischen Adjektiven wie eine Nussschale in der tosenden See. Als Besucher Siziliens sieht man die Hinterlassenschaften der einstigen Herrscher, man erfreut sich an der Gastfreundlichkeit. Doch Sizilien echt und wahrhaftig zu erleben, das schaffen nur wenige.
Leonardo Sciascias „Mein Sizilien“ hilft beim Verstehen, beim Entdecken der sizilianischen Kultur. Es ist kein Reiseführer im herkömmlichen Sinn. Vielmehr ein Ratgeber, eine Handreichung für mit allen Sinnen Reisende. Die Schilderungen haben schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Vieles hat sich seitdem verändert – die gleichen Eindrücke zu sammel wird also schwierig. Doch das Denken der Menschen, ihr Handeln erfolgt langsamer. Insofern sind also die Reisen Sciascias und derer, an die er erinnert, zu den Menschen immer noch nachvollziehbar.
Die zahlreichen schwarz-weiß Fotos unterstreichen den erhabenen nostalgischen Charakter des Buches. Jedes Farbfoto würde eine Herabwürdigung darstellen. Ausdrucksstarke Kontraste wirken beruhigend auf das menschliche Auge. Knallig Bonbonfarben entsprächen weder dem Buch noch Sizilien. Dieses Buch gehört eins Reisegepäck. Auf gemächlichen Bahnfahrten, oder einer Ruhepause in den Weiten der Insel, oder beim Espresso – diese Geschichten verzaubern bei jedem Mal. Dem Geheimnis der Sizilianer kommt man nur schwer auf die Schliche. Ein kleines Geheimnis bewahren sie für die nächste Reise. So soll es sein. Und so bleibt zum Schluss ein Rest im Eisbecher Sizilien. Wie bei gutem Rotwein.
Lesereise Amalfi / Cilento
Das nostalgische Italienbild in unseren Köpfen haben wir einem einzigen Küstenstreifen zu verdanken: Der Amalfi-Küste. Die tosende See, die Gicht, die gegen die schroffen Felsen klatscht, die märchenhaften Villen mit Meerzugang. Cilento hingegen – nur wenige Kilometer südlich – ist weitgehend unbekannt. Hier sind Naturliebhaber an der richtigen Stelle. Die „Lesereise Amalfi / Cilento“ nimmt den Leser mit auf eine Reise zwischen Postkartenidylle und unbezahlbarer „silenzio assoluto“.
Im Cinquecento durch die Gassen, ein gelato schlecken – hier lässt es sich leben. Hier ist man dem Himmel so nah wie nirgends sonst. Das weiß auch einer der Wegbegleiter der Autorin.
Gennaro Pisacane, der Präsident der Hotelvereinigung lernt sie die praktische Engstirnigkeit kennen. An der Amalfiküste könnte schon längst ein schicker Yachthafen stehen. Aber die Investoren kamen aus Neapel. Das bedeutet meist Mafia bzw. Camorra. Und die würde sich dann krakenmäßig ausbreiten. Da bleibt man liebr unter sich. Wird ein Hotel verkauft, dann nur an Leute aus der Umgebung. Das hält zum einen die Preise stabil (und die sind teilweise so gesalzen, dass so manche Sardelle wie eine fade Nudel daherkommt) und bewahrt den Charme der Region. Zum Beispiel werden die hier angebauten Zitronen heute für 50 Cent an di Händler verkauft, vor dreißig Jahren waren es 500 Lire. Was in etwas auf dasselbe hinausläuft. Tradition wird großgeschrieben.
In Lauro findet man eine Gelateria namens „Norge“ und eine Pizzeria, die auf den klangvollen Namen „Nobile“ hört. Beides Überbleibsel bzw. Ehrerbietungen an Umberto Nobile, der 1926 als erster Mensch den Nordpol sah, leider nicht erreichte. Er hat auch hier seine Spuren hinterlassen.
Geschichte, Tradition, umwerfende Naturschauspiele (sommerliche Sonnenuntergänge auf den Hügeln des Cilento lassen einen an den lieben Gott glauben) und eine gesunde, regionale – und dazu noch leckere – Küche verwandeln den Cilento und die Amalfiküste 365 Tage im Jahre in einen Garten Eden. Italien wie es in der Vorstellung erscheint, nimmt hier Form und Gestalt an.
Dieses Buch kann man – auch wenn es nur 132 Seiten stark ist – nicht in einem Rutsch lesen. Immer wieder muss man es absetzen und tief durchatmen. Mit völliger Hingabe verbreitet Barbara Schaefer ein Gusto von Entspannung, manchmal kommt sogar ein wenig Neid auf. Hier irgendwo müssen die Wurzeln des Paradieses liegen.
INFO: Mehr zum Cilento finden Sie unter www.cilentomania.it.
Die Straßen um Pisa
Pisa ohne den schiefen Turm? Unvorstellbar! Jährlich bestaunen hunderttausende Besucher den Trotz der Physik. So far, so good. Die Autorin Tania Blixen – weltweit eher für ihre Geschichten in wärmeren Gefilden bekannt – haben es die Straßen um Pisa angetan.
Graf Augustus von Schimmelmann verbringt die schönsten Tage des Jahres in der Toskana, in Pisa. Fast schon bestätigt sie mit ihrem Buchtitel das Klischee, dass es außer dem schiefen Turm ja eh nichts weiter zu sehen gibt. Was natürlich nicht stimmt! Doch der Graf erkundet, getrieben von Unruh und Neugier, das Umland auf fast kindliche Weise. Er spricht auch schon mal eine Dame mit „verehrter Herr“ an. Die Affäre mit einer älteren Dame von Rang hingegen meistert er souverän.
Graf Augustus ist nicht unbedingt ein Mann von Welt. Gedankenverloren träumt er sich zurück in die Zeit, in der er als Student das sorgenfreie Leben genießen durfte. So sitzt er auch über einen Brief an einen ehemaligen Kommilitonen. Doch der Schluss will nicht recht gelingen. Er sucht Zerstreuung auf offenen und verschlungenen Wegen.
Märchenhaft mutet die pisanische Toskana an. Durchgehende Pferde, ein Duell und elegant perückte Damen kreuzen nicht nur seine Wege, sondern auch seine Gedanken. Hier und Her gerissen vom Ränkespiel der Beteiligten erkennt er langsam, wer eine Rolle spielt, und wer nicht.
Drei Wochen Pisa – für heutige Begriffe eine Ewigkeit – bereiten ihm nach anfänglichem Zögern immer mehr Freude. Sein Herz erwacht und öffnet ihm die Augen. Vorbei die Melancholie, herbei mit dem Abenteuer.
Tania Blixens Geschichte besticht durch eine präzise Sprache und verführt den Leser zum Träumen. Träumen und Toskana, das gehört einfach zusammen. Wenn man nicht gerade in einer Warteschlange an einem der zahlreichen Souvenirstände stehen muss.
„Die Straßen um Pisa“ sind Bestandteil der 1934 erschienenen „Seven Gothic Tales“. Sie bilden in der dänischen Originalausgabe den Auftakt. In dieser – im typischen wagenbach’schen Rot gehaltenen – Urlaubsbuchausgabe werden dem Leser die Poesie Tania Blixens und die romantische Sicht der Toskana als Appetithäppchen angeboten. Der Zauber der Toskana wird von der unvergleichlichen Schreibweise Tania Blixens vereinnahmt. Die ideale Urlaubseinstimmung! Wenn es denn noch eine braucht.
Lesereise Emilia Romagna
Emilia Romagna – das klingt verheißungsvoll wie der Name einer schönen Unbekannten. Eine Unbekannte, die kochen kann. Mmmmh leckere Pasta mit ragú, dass wir als Bolognesesauce kennen – die aber in Wahrheit nichts mit der ragú zu tun hat, rein geschmacklich. Und die man niemals zu Spaghetti isst! Die dünnen Nudelchen können die Sauce doch gar nicht erfassen. Jetzt muss aber mal ein Machtwort gesprochen werden.
Und sie ist eine gebildete Unbekannte. Die älteste Universität des Westens befindet sich hier. Aus roten Ziegeln gemauert steht sie fett und gelehrt da. Allesamt Attribute für Uni und Stadt. Umgeben von unendlichen Alleen flaniert man durch die Stadt, die Düfte der Küchen dauerhaft im Gepäck. Hier lehrte unter anderem auch Umberto Eco, der Autor von „Der Name der Rose“ und „Das Foucaultsche Pendel“.
Die Emilia Romagna ist auch eine Cineastin. In Brescello schluegn sich einst ein katholischer Priest und ein kommunistischer Bürgermeister gegenseitig die Köpfe ein und treiben so manch derben Spaß mit dem jeweils Anderen. Klar, die Rede ist von Don Camillo und Peppone. Fnf Filme wurden in den 50er und 60er Jahren hier gedreht, ein Museum mit allerlei Film-Memorabilia erinnert daran.
Im wohl berühmtesten Ort der Emilia Romagna wurde einer der berühmtesten Regisseure der Welt geboren: Frederico Fellini.
Und die schöne Unbekannte ist auch eine Auto-Närrin. Maranello und Modena – allein der Klang dieser beiden Städte lässt das Herze eines jeden Auto-Ästheten höher schlagen. Denn hier stehen die Schmieden von Ferrari und Maserati. Der Dreizack von Maserati stammt übrigens aus Bologna. Das Teufelswerkzeug – samt Teufel – ziert hier einen Brunnen.
Die Emilia Romagna ist keine Unbekannte … mehr, wenn man Stefanie Bisping 132 Seiten lang gefolgt ist. Sie lässt sich einfangen vom Reiz der Region und fängt den Leser mit Sprachbilder und Wortgewalt ein, so dass es kein Entrinnen gibt. Strandspaziergänge, aber bitte nicht während der Hochsaison, laden zum Träumen ein. Genauso wie ausgedehnte Wanderungen durch die prächtige Natur. Lukullische Abstecher, die allenthalben zur Rast einladen. Berauschende Architektur und Geschichte, wo man hinschaut. Gute Reise!









