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Die letzten Stunden meiner Brille

Die letzten Stunden meiner Brille

Nino Vetris erster Roman entführt den Leser ins Palermo der Geschichten. Sein Vater verliert nach und nach sein Gedächtnis. Auf dem Weg zum Doktor fallen ihm immer wieder Geschichten aus der Kindheit ein.

Damals wollte er eine Punkband gründen. Der Unbegabteste sollte Schlagzeug spielen. Wie universell doch Punk sein kann. Der Großvater hat noch ein Maschinengewehr aus dem Zweiten Weltkrieg. Das fasziniert die Jugendlichen ebenso wie die neugewonnene Anerkennung als Band. Die einzelnen Geschichten nachzuerzählen fällt schwer, weil jedes Schicksal mit dem anderen verwoben ist. Zeitsprünge werden nicht angekündigt.

Der Leser wird trotzdem nicht überfordert. Im Gegenteil: Er wird gefühlvoll durch das Labyrinth der Geschichten geführt. Zwischen Bombenhagel und Gitarrengeschrammel findet er sich mitten in Palermo wieder. Einer Stadt, in der die Bewohner stets von Sehnsucht getrieben sind. Die Geschichte bietet ihnen die Basis für ihr eigenes Leben, das sie nun selbst gestalten müssen, dürfen, können.

Als Beiwerk gibt es eine CD mit Musik von „La Banda di Palermo“, der Band von Nino Vetri. Eine Art Ethno-Folk. Lässt man sie während des Lesens nebenbei laufen, tauchen die Bauten der Stadt vor einem auf. Der Straßenlärm versinkt im Klang der Instrumente.

Andrea Camilleri war begeistert von diesem Buch: „Ironisch, elegant und direkt“, nannte er das Erstlingswerk von Nino Vetri. „Die letzten Stunden meiner Brille“ ist ein Kurzroman, den man mehrmals liest. Und bei jedem Mal erschließt sich eine andere Welt. Kriegserinnerungen, Jugendsünden, Schicksale. Immer wieder wird der Leser in eine neue, faszinierende Welt geführt. Siziliens Dichter waren seit jeher von ihrem Land angetan. Nino Vetri führt diese schöne Tradition fort und den Leser durch seine Heimat.

Auf See

Auf See

Mit dreiundvierzig Jahren das Zeitliche zu segnen, ist wahrlich nicht erstrebenswert. Ein dahinsiechender Patient, der in geistiger Umnachtung stirbt, muss, um zufrieden abtreten zu können, einiges erlebt haben. Guy de Maupassant war sicherlich nicht zufrieden als er 1893 zu jung in einer psychiatrischen Klinik bei Paris starb. Aber er hat viel erlebt und es niedergeschrieben. So wie diese Geschichte einer zehntägigen Schifffahrt von Antibes nach Saint Tropez.

Nicht nur die Sicht auf die Dinge des Lebens – de Maupassant war zu diesem Zeitpunkt (1887) schon noch (!) bei bester Gesundheit, auch die Beschreibungen des Gesehenen machen „Auf See“ zu einem unverzichtbaren Werk, das sich am besten an den Stränden der Côte d’Azur genießen lässt.

Vorbei an den schneebedeckten Wogen aus Granit, wie er poetisch die Alpen nennt, schippern er und zwei Begleiter südwestlich an der azurblauen Küste entlang. Beim Anblick von so viel Erhabenheit schwelgen viele in Erinnerungen. Guy de Maupassant auch. Er denkt an Paganini. Der sollte nach seinem Tod von seinem Sohn nach Genua gebracht werden. Wegen der Cholera verwehrte man ihm aber in allen Häfen die Anlandung. Er Jahre später wurde der Leichnam von einer kleinen Insel nach Parma gebracht. So düstere Gedanken in solch farbenfroher Umgebung. Im Anhang erfährt der Leser, dass diese Geschichte komplett erfunden ist.

In Cannes lockert sich die Stimmung des Autors. Er lästert im Stile einer Klatschbase über die hier versammelten Fürsten, für die es nur eines zu geben scheint: Sich im Kreise Ihresgleichen sonnen zu können.

Im Leben Guy de Maupassants geht es auf und ab. Wie das Schiff, auf dem er sich befindet, geht es mit ihm Auf und Ab. Manchmal merkt er gar nicht mehr, dass er überhaupt schreibt. Je öfter er an Land geht desto näher ist er an den Menschen. Zwischen Mistral und wogender See philosophiert er über die Mentalität der Franzosen.

Auf See ist Guy de Maupassant ganz er selbst, nicht immer bei sich, doch stets der wortgewaltige Schriftsteller. „Auf See“ ist keine bloße Reisebeschreibung, das war nie sein Ding. Dennoch gelingt es ihm die Schönheit der Côte d’Azur in kraftvolle Worte zu kleiden und den Leser in Urlaubsstimmung hineingleiten zu lassen.

Der Anhang des Buches gibt Aufschluss über die Intentionen der Reise und die Quellen der soeben gelesenen Zeilen. Guy de Maupassant war ein Lebemann mit allen Konsequenzen. Dieses Buch gehört in die Hand an den Stränden der Côte, mit allen Konsequenzen.

Sizilien: Ein Streifzug durch Kunst, Kultur und Geschichte

Sizilien - Ein Streifzug durch Kunst, Kultur und Geschichte

Wow was für eine Reise! Diesen Ausspruch kennt man, wenn man aus Sizilien zurückkehrt. Neidisch lauschen Freunde und Familie den Schilderungen der Reisenden. Es kann aber auch als Fazit dieses Buches gelten. Bleiben wir bei Letzterem.

Das Autorenduo Weber / Sehn beginnt mit einem literarischen Rundumschlag. Sie zeigen anhand sizilianischer Autoren, die über Sizilien schreiben, wie Sizilien ist, wie die Menschen ticken. Zitate und Analysen verschaffen dem Leser und Sizilienenthusiasten einen umfassenden Überblick über das, was die Insel ausmacht. „Die Königin der Inseln“ offenbart sich am besten in Büchern, keine Binsenweisheit – eine Tatsache. Pirandello, di Lampedusa, Camilleri und Sciascia und viele andere gaben ihrer Heimat eine Stimme. Den historischen Zusammenhang der Bücher stellen Kurt-Heinz Weber und Hans-Gerd Sehn unumstößlich dar.

Literarisch geht es auch weiter, wenn Sizilien als Reiseland entdeckt wird. Rund zweieinhalb Jahrhunderte erst wird die größte Insel des Mittelmeeres als Reiseziel wahrgenommen. Natürlich war auch Goethe hier, dem es fast die Sprache verschlagen hat. Johann Gottfried Seume war Sizilien einen Fußmarsch wert. Von Sachsen aus lief er zu Fuß nach Sizilien. Heutzutage ist das schon wieder ein eigenes Buch wert…

Die folgenden Kapitel sind den Wurzeln Siziliens gewidmet. Griechen, Deutsche, Normannen und Araber haben allerorten ihre Zeugnisse hinterlassen, die teils heute noch besichtigt werden können. Kenntnisreich und moderat führen die Autoren durch die wechselvolle Geschichte der Invasoren und Herren Siziliens. Das Zeitalter des Barocks hat in Sizilien zahlreiche, überbordende Denkmäler hinterlassen. Da hier die Erde sehr oft bebte und immer noch bebt, wurde so mancher Ort dem Erdboden gleichgemacht. Noto im Südosten wurde barock und farbenfroh wieder aufgebaut. Nur halt ein paar Kilometer weiter. Fachkundig und begeistert zugleich berichten die beiden Autoren von den nicht zu übersehenden barocken Besonderheiten der Stadt.

Bei einem Streifzug durch Sizilien dürfe zwei Dinge nicht fehlen: Die Küche und die Mafia. Nach über zweihundert Seiten Geschichtsunterricht, der auf keiner der Seiten auch nur ansatzweise langweilig wird, nun der folkloristische Teil. Hier verlassen die Autoren ihre Sach-Komfortzone und geben handfeste Tipps. Zum Beispiel geben sie den Ort preis, an dem Commissario Montalbano, Andrea Camilleris Vorzeige-Kommissar, am liebsten seine Leibspeise einnimmt. Und wenn wir schon bei Ermittlern sind, ist die Mafia nicht weit. Sie ist untrennbar mit Sizilien verbunden. Man sieht sie nicht immer und überall, jedoch ist sie da. Seit jeher. Auch dafür haben Weber und Sehn ein Auge. Von den Ursprüngen, die nur selten erwähnt werden, bis hin zum aktuellen Stand wird dem Mob auf den Zahn gefühlt.

Literaturliste, Geschichtsbuch, Legendenbildung, Kochtopfneugier – Sizilien wird bei Kurt-Heinz Weber und Hans-Gerd Sehn zum umfassenden Leseerlebnis. Sizilien ist ein Reiseziel für Kopf und Herz. Beides wird in diesem Buch hervorragend gefüttert.

Mamas wunderbares Herz

Mamas wunderbares Herz

Sizilien ist Italien und doch wieder nicht. Die Sonne brennt erbarmungsloser. Der Trubel auf den Straßen ist lauter, das Pesto grober. Palermo setzt dem Ganzen die Krone auf. Man spricht italienisch, in maurisch-normannischer Architektur. Wer Sizilien kennt, will es intensiv erleben, nie mehr loslassen müssen. Wer Nino Vetri liest, wird es nicht wieder erkennen.

Drei Geschichten, die Palermo, Viale Michaelangelo so darstellen wie es ist und niemals auch nur annähernd von einem Touristen erlebt werden kann. So liebevoll wurde die Nähe zu einer Respektsperson – das Wort Pate wäre hier völlig unangebracht – noch nie beschrieben. Mit voller Inbrunst beschreibt Nino Vetri die Düfte des Viertels. Die Flora von Michelangelo wiegt sich im Wind der Worte. Die ganze Blütenpracht der Welt vereint sich in diesem Mikrokosmos. Hier schreibt das Leben die besten Geschichten. Und der Leser ist hautnah dabei.

Eigentlich ist Nino Vetri Musiker. Er gründete „La Banda di Palermo“ – googeln lohnt sich. So mitreißend ihre Musik, so bezaubernd sind auch die Geschichten Nino Vetris. Unprätentiös, echt, voller Liebe für die Menschen und mit wachem Auge beobachtet er die Menschen um ihn herum. Was dabei herauskommt, muss sich nicht vor Andrea Camilleri und Leonardo Sciascia verstecken.

Jede einzelne Begebenheit wird zu einem echten Ereignis. Kurz und kraftvoll schlägt das Schicksal zu. Der Leser kommt kaum hinterher ohne sich gehetzt zu fühlen. Die Hitze der Mittelmeerinsel ist spürbar. Die Härte des Lebens engt den Leser nicht ein, sie gibt ihm Raum sich einzufühlen.

Die Geschichten sind gespickt mit kleinen Anekdoten, die zusammengefügt ein farbenfrohes Bild Palermos zeichnen. Doch die Gefahr lauert überall…

Wie kommt die Katze in die Oper?

Wie kommt die Katze in die Oper

Der Titel macht neugierig. Was hat denn eine Katze in der Oper mit römischen Impressionen zu tun? Klassikfans, aber nur die Eingefleischten kennen vielleicht die Anekdote über die misslungene Premiere von Rossinis „Barbier von Sevilla“. Da hatten Spötter eine Katze auf die Bühne gescheucht. Zusammen mit anderen Missgeschicken geriet die Aufführung zu einem Desaster erster Güte.

Doch Gerhard Fischer hat noch mehr auf Lager, wenn er denn so durch die Ewige Stadt schlendert. Er war oft in Rom. Kennt die Stadt wie nur wenige Besucher. Das kommt auch daher, dass er immer mit dem Zug am Roma Termini ankommt. Seiner Meinung nach ist das Ankommen der spannendste Moment. Wenn man das Buch nach diesem Satz kurz herunternimmt und die Worte sacken lässt, weiß man diese Weisheit zu schätzen. Die Spannung wächst, was wird man sehen, was erleben? Und in Rom nimmt die Reihe an Fragen einfach nicht ab. Es gibt wirklich nur sehr wenige Städte, die derartige vollgestopft sind mit Zeugnissen der Geschichte.

Deswegen hat sich Gerhard Fischer entschieden nicht auf die offensichtlichen Schönheiten Roms einzugehen. Es sind die Kleinode am Rande, die Geschichten herum, die er zum Besten gibt. Wie die Piazza Sant’Ignazio. Wer ihn nicht kennt, erfreut sich sicher an der Architektur (eine Abbildung vom Autor selbst gemacht bestätigt diese Annahme), aber was sich hinter den Fassaden verbirgt, weiß man nur, wenn man dieses Buch zur Hand hat.

„Wie kommt die Katze in die Oper?“ ist eine kurzweiliger Reisebegleiter, den man getrost immer dabei haben kann, wenn man Rom besucht. Bei einer Merenda (Zwischenmahlzeit) ein bisschen darin blättern und schon geht’s weiter.

Elf Wege über eine Insel

Elf Wege über eine Insel

Sardinien erkunden – eine der reizvollsten Arten zu reisen. Berge und Meer so eng beieinander, eine fremde Kultur, die fast überall noch hautnah erlebbar ist und eine exzellente Küche. Was will man mehr?

Man will diese Insel, ihre Bewohner verstehen. Doch das ist gar nicht so einfach. In den Topf lassen sie sich schauen, aber ihre Gedanken bleiben Fremden ein Rätsel. Doch ist es nicht genau das, was den Charme der Insel ausmacht? Michela Murgia vergreift sich in keinem Fall an diesem Charme, sie lüftet auch keine Geheimnisse. Sie hebt nur ein wenig den Schleier der Magie, ohne den Zauber der Insel zu riskieren.

Die elf Wege sind keine Wanderwege oder Pfade im eigentlichen Sinn. Sie sind in erster Linie ein Kulturleitfaden für eine der schönsten Inseln des Mittelmeeres, vielleicht sogar der Welt. Für Besucher Sardiniens sind die elf Kapitel ein unermesslicher Schatz an Erfahrungen, Deutungen und Mythen.

Die Kunstszene Sardiniens ist reichhaltig. Seit einiger Zeit rücken traditionelle Formen und moderne Kunst wieder in den Fokus der Öffentlichkeit. Althergebrachtes Handwerk, besonders in der Mode verbindet sich mit zeitgemäßer Interpretation der Gegenwart.

Michela Murgias Ausführungen zu folgen ist ein Lesevergnügen, das schmerzt. Schmerzend insofern, dass man nicht sofort auf die Insel reisen kann, weil man keinen Urlaub hat. Die Leichtigkeit, mit der sie sich durch die Jahrhunderte scheibt, die Detailgenauigkeit, das enorme Wissen machen dieses Buch zu einem unverzichtbaren Begleiter über die Insel. Schlagworte wie Grenzen, Steine, Klänge, Unabhängigkeit lassen den Leser von vornherein erahnen, dass es sich hier nicht nur um eine bloße kurze Wiedergabe der Geschichte einer Insel handelt. Michela Murgia ist Sardin. Sie ist hier geboren. Und verwurzelt. Eng verwurzelt. Ihr kurzes Intermezzo in Mailand hat sie noch enger an ihre Heimat gebunden, in der sie nun wieder lebt.

Wer Sardinien verstehen und ernsthaft erleben will, kommt an diesem Buch nicht vorbei.

Soča – Isonzo, Juwel zwischen Alpen, Karst und Adria

Soca Isonzo

Die Soča ist ein Fluss in Slowenien, der vorbei am Trubel des Tourismusbooms weiter seine Kreise zieht. Sein smaragdgrünes Wasser, seine natürliche Unbändigkeit verleihen ihm den besonderen Charme. Im weiteren Verlauf erobert er Italien und wird von nun an Isonzo genannt. Der Untertitel dieses Buches „Juwel zwischen Alpen, Karst und Adria“ verrät es schon: Destination-Goldgräber kommen hier voll auf ihre Kosten.

Die Region um, an und auf der Soča muss erwandert werden. Querfeldein, über Stock und Stein – so, und nur so, erschließt sich der Reiz der Flusslandschaft dem Reisenden. Autor Wolfram Guhl hat vierunddreißig Touren zusammengestellt – mehr als ausreichend für einen Urlaub. Jede einzelne Tour wird ausgiebig vorgestellt, die Höhepunkte hervorgehoben. Am Ende gibt es eine kurze Zusammenfassung und eine kleine Übersichtskarte.

Wer bisher noch nicht vom Wanderfieber gepackt wurde, wird es spätestens bei diesem Buch. Einfache Wanderungen für Anfänger erleichtern es sich für diese Art des Reisens zu erwärmen. Wanderprofis werden es die schwierigeren Touren antun. Allen gemeinsam ist die Bewunderung für die zahlreichen wunderschönen Abbildungen. Der Blick auf den tief unten liegenden Križ-See. Wie ein verborgener Schatz liegt er tiefgrün vor dem Betrachter. Ringsherum massige Bergformationen.

Der beginnende Morgen mit Blick auf die Triglav-Nordwand entschädigt für die eine oder andere Strapaze der vergangenen Tage.

Wolfram Guhl ist es gelungen eine Region umfassend vorzustellen, die vielen bisher unbekannt war. Jede Wanderung entlang der Soča – Isonzo ist ein Highlight für sich. Das Buch ist das dazugehörige Rüstzeug.

Das Kanaltal

Kanaltal

Dreiländerecke haben ihren besonderen Reiz. Denn hier hat man auf engstem Raum einen Mix aus mindestens drei Kulturen. Im Dreiländereck Österreich-Italien-Slowenien liegt das Kanaltal. Und mittendrin liegt die Stadt Tarvis. Umgeben von den Julischen Alpen und den Karawanken entstand hier eine Landschaft und eine Kultur, die Ihresgleichen sucht. Hans Messner ist dem Geheimnis dieses einzigartigen Landstriches auf der Spur.

Er folgt zwei Flüssen (Fella und Slizza), erlebt drei Kulturen und vier Sprachen (Italienisch, Deutsch und Slowenisch). Schon die Römer wussten schon, dass es sich hier gut leben lässt. Nachfolgende Regenten zerrten das Gebiet mal auf ihre Seite, mussten es anschließend wiederum an Andere abgeben.

Den ersten Kontakt mit dem Tal – sozusagen das erste Highlight – ist die Küche. Hier muss der Leser das erste Mal innehalten. Leberknödelsuppe, Tellerfleisch und Gurkensalat mit süßem Rahm. Klingt vertraut und doch ein wenig anders. Probieren. Genießen. Sich zurücklehnen.

Der Kanaltaler Kulturverein ist das Gewissen des Tals. Hier wird die Tradition nicht nur hochgehalten, sie wird gelebt. Die siebentausend Einwohner des Kanaltals sind stolz auf ihr Tal und ihre Herkünfte.

Hans Messner besucht nun die Orte des Tals. Tarvis, Camporosso, Ugovizza, Malborghetto, Pontebba – sie alle haben ihren Reiz und Charme. Um es dem Leser / Reisenden einfacher zu machen, werden einzelne Persönlichkeiten vorgestellt. Sie bieten das, was man im Urlaub sucht: Erholung, eine Ruhestätte, eine Einkehr nach erlebnisreicher Wanderung oder haben das im Angebot, womit man die Daheimgebliebenen überraschen kann.

Die große Anzahl an eindrucksvollen Bildern – viele vom Autor selbst – vermitteln einen Einblick ins fast unbekannte Kanaltal. Wer im Herzen Europas noch etwas Neues entdecken will, der muss ins Kanaltal kommen. Den Reiseband gibt es nun bereits…

Lesereise Rom

Lesereise Rom

Rom noch einmal beschreiben? Warum? Kennt man doch alles! Das Forum Romanum, den Petersplatz, Kolosseum etc. Auch verzichtet sie auf übliche Wegweiser wie man von A nach B kommt. Sie unternimmt eine echte Reise. Neugierig, wissensdurstig und eloquent. Dem Leser soll’s recht sein auf den Spuren berühmter Leute zu wandeln, das einfache Leben zu erlesen und Rom (noch einmal) kennenzulernen.

Und so beginnt Christina Höfferer ihre Reise durch die Ewige Stadt damit, dass sie nachweist, dass Rom schon immer Künstler zu Höchstleistungen angespornt hat. Sie folgt den Stationen Ingeborg Bachmanns in Rom, besucht den Strand von Ostia, wo Pasolini einst den Tod fand und spürt den Geist von Fellini im Studio 5 der Cinecitta.

Wer Rom noch nicht kennt, wird mit diesem Buch angestachelt die Stadt am Tiber zu bereisen. Abseits der Touristenpfade findet die suchende Seele Ruhe und Erholung. Wer Rom schon kennt, wird es noch einmal kennenlernen. Caffè dort trinken, wo es die Römer tun. Flanieren, wo das römische Nachtleben beginnt und das Besondere der römischen Küche schmecken. All das steht in keinem Reiseführer. Das steht nur in diesem Buch.

Auf ihren Streifzügen durch Rom stößt Christina Höfferer auf unerhörte Gegensätze. Wenn der Chef des MAXXI, des Museums des 21. Jahrhundert, Hou Hanru von einer chinesischen Migrationswelle spricht, sieht er darin eine Chance. Denn die Nachfolgegeneration wird künstlerisch im Stande sein einen entscheidenden Beitrag leisten zu können. Wenn sie das Lager der Sinti und Roma besucht, schwingt Resignation in ihren Worten. Hoffnungsvoll wiederum das Kapitel über den Obstreichtum Roms.

Rom ist immer eine Reise wert. Dieser abgedroschene Satz birgt – gerade in Rom – so viel Wahrheit. Einer Stadt, die so präsent ist in den Köpfen der Menschen weltweit noch das eine oder andere Geheimnis abzuringen, bedarf größter Sorgfalt und offener Augen. Christina Höfferer geht mit offenen Augen und Ohren durch die pulsierende Metropole und macht dem Leser Appetit auf Rom und seine Einwohner.

Redenta Tiria

Redenta Tiria

Abacrasta ist kein Ort, in dem leben möchte. Auch nicht tot überm Zaun hängen. Über diesem Ort schwebt das Mysterium des Todes. Ein Beamter, Rentner, hier geboren, hier gearbeitet, hier wird er wohl auch sterben, hat es sich zur Aufgabe gemacht diesem Mysterium auf den Grund zu gehen. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund binden sich die Männer, wenn sie ein bestimmtes Alter erreicht haben, ihre langen Gürtel, die bisher das Rutschen der Beinkleider verhinderten, um den Hals um ins Totenreich hineinzurutschen. Frauen nehmen sich einen Strick. Ihr Fardetta, der schwarze Faltenrock, der so typisch für Sardinien ist, benötigt keinen Gürtel.

Dieses Phänomen endet als Redenta Tiria in Abacrasta auftaucht. Eine betörende Schönheit (bestechend echt eingefangen auf dem Buchcover), die, blind, nicht sehend (!), wie aus dem Nichts in das nicht einmal zweitausend Seelen zählende Dorf kommt.

Der Erzähler berichtet von den Einheimischen. Jeder hat so seinen Tick. Sie sind Handwerker, Huren und Hallodris. Sie alle vereint das Schicksal Abacrasta. Früher oder später hören sie die Stimme, die sie (abbe-) ruft. Die Menschen der Nachbargemeinden meiden den Ort und ihre Bewohner. So ist Abacrasta der einsamste Ort der Insel. Aber auch der mit dem schönsten Geschichten. Der Leser vertieft sich in diese kleine Welt des Schicksals. Zum Schluss kommt auch der Autor in den Genuss Redenta Tiria kennenzulernen…

Salvatore Niffoi ist verantwortlich für diese seltsamen Geschichten aus dem Herzen Sardiniens. „Redenta Tiria“ war sein großer Durchbruch als Autor. Je mehr man sich in diese Geschichte vertieft, desto mehr begreift man auch warum. Mit Liebe zu den Menschen, ihren Marotten, mit geschultem Auge für ihre Schicksale setzt Niffoi den Sarden ein literarisches Denkmal. Eines, das Lust macht Sardinien zu erkunden, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, ihre Kultur aufzusaugen ohne sie auszusaugen. Dieses Buch gehört ins Handgepäck, wenn es gen Süden nach Sardinien geht!