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Kleine Geschichte Istanbuls

Kleine Geschichte Istanbuls

Eine Stadt in Worte zu fassen, ihrem Lebenslauf darzulegen, ist eine schwierige Angelegenheit. Besonders, wenn sie seit über 2.000 Jahren existiert und ein so wechselvolle Geschichte wie Istanbul vorzuweisen hat. Brigitte Moser und Michael W. Weithmann haben sich der Mammutaufgabe gestellt und haben einen idealen Begleitband einer jeden Istanbulreise erschaffen.

Jeder kennt die Wahrzeichen der Stadt am Bosporus: Hagia Sophia, Blaue Moschee, die Bosporus-Brücke. Doch die Geschichten, die dahinterstehen, kommen oft zu kurz. Dabei sind sie erzählenswert. Auf den reichlich 180 Seiten erfährt der Leser schon vor der Abfahrt mehr über Istanbul als wenn er pauschal die Stadt erkunden will. Ein Flug nach Istanbul dauert mit Check-In und allem Drumherum ca. vier bis fünf Stunden. Stunden, in denen die Neugier auf den Zusammenprall von Orient und Okzident kaum noch auszuhalten ist. Hier eine Kontrolle, da eine Passage. Die Zeit sinnvoll zu nutzen, fällt wegen der Anspannung schwer. Mit diesem Buch im Handgepäck – Bücher sind allen Restriktionen nach 9-11 zum Trotz immer noch erlaubt – wird die unerträgliche Wartezeit zum Ausflug in eine andere Welt. Vor Ort kommt dem Reisenden der erweiterte Wissensschatz ab dem Flughafen zugute.

Selbst wer Istanbul nach eigenem Bekunden schon in- und auswendig kennt, wird hier noch die eine oder andere Anekdote herausfiltern können. Auf einzelne Geschehnisse einzugehen, würde an dieser Stelle zu weit führen. Zum umfangreiche ist das dargebotene Wissen.

Eine Stadt, die sich Zeit ihres Lebens Angriffen erwehren musste, und dies öfter als andere auch erfolgreich tat, lebt vom Mythos ihrer Unbezwingbarkeit und ihrem reichen kulturellen Erbe. Istanbul ist somit eine der reichsten Städte der Welt. Vierzehn Millionen Einwohner erleben jeden Tag, was es heißt in einer so genannten Megacity zu wohnen. Noch einmal knapp 50 Prozent davon kommen jährlich als Touristen hinzu. Sie sind es, die den Ruhm Istanbuls in die Welt hinaustragen. Sie künden von erhabenen Bauten und lebhaften Plätzen, von einzigartigen Touren durch eine der faszinierendsten Städte weltweit und von den Hinterlassenschaften von knapp drei Jahrtausenden. Und ab sofort kennen sie außerdem noch die Hintergründe, dank dieses Buches haben sie das Wissen Geschichte einzuordnen und weiterzugeben.

Suche auf See

Suche auf See

Der Franzose Leo Lang ist verschwunden. Verschwunden auf hoher See. Nur sein Boot, die „Vent de sable“, ist von ihm übrig. Ruhig und verlassen treibt sie im Mittelmeer vor sich hin. Fischer haben das Boot aufgetan. Doch von Leo Lang keine Spur. Anzeichen eines Kampfes gibt es sehr wohl. Das ganze Boo wurde gründlich auf den Kopf gestellt. Aber keinerlei Anzeichen von Gewalt gegenüber Leo.

Das nennt man gute und schlechte Nachrichten. Shamsa, Leos Ehefrau, obliegt es nun den Ehemann zu suchen. Seine Eltern, vermögend und bescheiden, schließen zum ersten Mal die leidende Ehefrau in die Arme. Von ihrer Schwiegermutter wird sie in dieser Zeit zum ersten Mal „Tochter“ genannt. Harte Zeiten schweißen zusammen. Die Suche beginnt. Zu Land und auf dem Wasser. Shamsa schnappt sich die „Vent de sable“ und segelt den Weg ihres Gatten ab. Dank Logbuch kann sie die Route leicht nachvollziehen.

Auf See beginnt sie über ihr Leben nachzudenken. Als Waise, vor den religiösen Fanatikern beschützt, in der algerischen Wüste ausgesetzt, wurde sie von Nonnen großgezogen. Sie ermöglichten ihr eine erstklassige Ausbildung und eine zufriedene Kindheit. Aus deswegen kann Shamsa heute in Frankreich beruhigt ihrem Beruf als Journalistin und Übersetzerin nachgehen. Es gutes Leben. Ein erfülltes Leben. Leo, der Mann an ihrer Seite, ist es wirklich: Der Mann, der sie beschützt, aber nicht einengt. Er gibt ihr die Freiheit, die so vielen ihrer Landsfrauen für immer verwehrt bleiben wird.

Auf ihrer Suche auf See findet sie nur Gutes über ihren Leo zu berichten. Nur seine Geschäftspartner sind ihr nicht geheuer. An Land gehen die Ermittlungen weiter. Auch die Polizei ist von Leos Geschäftspartnern gar nicht so angetan.

„Suche auf See“ vereint mehrere Genres auf 180 Seiten. Zum einen Spannung bis zur letzten Seite. Zum zweiten: Algerien im Fokus der Autorin. Was wissen wir schon über das größte Land Afrikas? Nichts. Der arabische Frühling ging so schnell wie er kam. Seitdem? Nichts, Algerien findet in der täglichen Berichterstattung kaum noch statt. Shamsa berichtet wie Algerien war und welch teilweise zerstörerische Kräfte hier am Wirken sind. Zum dritten: Eine Reisebeschreibung von Griechenland über das Tyrrhenische Meer über Sizilien und die Liparischen Inseln bis hin nach Korsika und Sardinien, um schlussendlich in Südfrankreich zu landen.

Schon während des Lesens wird einem klar, dass es vollkommen unerheblich ist wie das Buch ausgeht. Ein Happyend ist immer etwas Schönes. Aber die einfachen, einfühlsamen, verheißungsvollen Worte von Malika Mokeddem lassen in einem den Wunsch aufkeimen, dass dieses Buch nie zuende gehen möchte. Leider tut es das aber, das ist der einzige Makel des Buches.