Mordsferien

Schon mal in Rathole gewesen? Das liegt in Cornwall im Südwesten Englands. Ein idyllisches Städtchen, das sich dieses Attribut wahrlich verdient hat. Hier hat auch Joyce vor einigen Jahren Urlaub gemacht. Doch mit Idylle haben ihre Erinnerungen so rein gar nichts zu tun. Sie wollte malen. Die Landschaft in ihren Bildern einfangen. Eine Landschaft, die vor fünfhundert Jahren von den Spaniern mit Kanonen malträtiert wurde. Der Legende nach sind ab und an sogar noch ein paar Bluttropfen auf den Pflastersteinen sichtbar. Allerdings nur, wenn sich innerhalb der folgenden 24 Stunden ein Mord ereignet. Legende!

Joyce beobachtet ein Pärchen. Der Mann begegnet zufällig einer alten Freundin, er stellt sie seiner Frau vor. Im Handumdrehen verabreden sich die Drei zu einem Ausflug an den Strand. Das Paar fährt mit dem Auto, die Frau will lieber zu Fuß gehen. Der Tag vergeht, das Pärchen ist zurück, die Frau hängt die nassen Badesachen zum Trocknen auf den Balkon. Nur Carol, die alleinreisende Frau, ist nicht mehr da. Joyce erinnert sich, dass sie scheinbar ganz automatisch, ohne es zu bemerken, Bluttropfen ihrem Bild, das sie gerade zeichnete als das Paar die Carol traf, hinzufügte. Der Legende nach muss also nun – binnen 24 Stunden – ein Mord geschehen.

Im darauffolgenden Jahr reist Joyce wieder nach Rathole. Und wieder: ein Paar, sieht dem aus dem Vorjahr verdammt ähnlich und … wieder eine Carol. Anderer Name, aber gleicher Typ etc. Agatha Christie ist diese Geschichte, die gern auch ins reich der Mysterien verbannt werden könnte, eingefallen. Urlaub mit Agatha Christie – das endet für mindestens Einen immer mit dem … Ende. Nur wer ganz genau aufpasst, weiß wie die Bluttropfen aufs Pflaster kamen.

Das ist nur eine Geschichte aus diesem grandiosen Krimi-Urlaubsbuch. Dorothy L. Sayers’ Figuren versuchen das Rätsel vom Mann ohne Gesicht zu lösen. Arthur Conan Doyle lässt im Tal von Boscmobe einen geheimnisvollen Mord geschehen. Und mit Gilbert Keith (G.K.) Chesterton reist man ins Paradies der Diebe. Es gibt viele Krimisammlungen, die man mit in den Urlaub nimmt. Leichte Kost für leichte Tage. Kann man machen. Aber warum nicht mal die Creme de la Creme des Krimigenres in einem Buch abwechselnd das Blut des Lesers in Wallung bringen?! „Mordsferien“ ist der Garant für Gänsehaut, die bis zum Beginn der nächsten Geschichte anhält. Und wenn das Buch ausgelesen ist, ist im besten Fall auch der Urlaub zu Ende.

Wer an den schönsten Tages des Jahres nicht auf Spannung und angespannte Nerven, auf Gänsehaut und Kribbeln verzichten kann, der wird „Mordsferien“ jedem noch so romantischen Sonnenuntergang vorziehen. Da heißt es schneller lesen, denn auch Sonnenuntergänge können spannend sein…