Die letzte Fahrt des Admirals

Ist man ein echter Krimifan, hat man im Laufe der Zeit ein Gespür für Gutes und Schlechtes entwickelt. Und sich ein Bibliothek mit Büchern seiner Lieblingsautoren aufgebaut. Für einen Autor bedeutet solche treue Leserschaft garantierten Erfolg. Zumindest eine bestimmte Zeit. Denn immer nur routiniert ers(p)onnene Geschichten fallen dann irgendwann mal auf und später durchs Raster. Stilistische Raffinessen sind das Salz in der kriminellen Suppe des Autors. Gesättigte und zufriedene Leser am Tisch applaudieren heftig. So sieht das ideale Leben eines Krimiautors aus.

Dieses Buch – „Die letzte Fahrt des Admirals“ – ist dann sozusagen das letzte Abendmahl. Denn besser geht es nicht – auf dem Papier. Und das ist wortwörtlich zu nehmen!

Es begab sich vor fast einhundert Jahren, dass sich die Granden des Krimigenres – from England, of course – in geselliger Runde zum Diskurs trafen. Man prahlte mit neuen Geschichten (was natürlich, of course, niemand zugeben würde) und bat um Hilfe, wenn einem Abläufe, technische Gerätschaften, logische Fehler das Schreiben ordentlich verhagelten. Man nannte sich „Detection Club“. Ein Verein, wie man ihn als Erste in Deutschland verorten würde. Doch es war, ist und bleibt ein englischer Verein. Und irgendwann kam das, was kommen musste: Ein gemeinsamer Roman. Ein Krimi – was sonst? Eine Liebesgeschichte, Fantasy, Science fiction? Oh no, my dear, never!

Klare Regeln wurden aufgestellt. Jeder der Autoren – zwölf an der Zahl plus G.K. Chesterton als Prologschreiber – schreibt ein Kapitel. Keiner muss sich an die Vorgaben des Vorschreibers halten und darf keine plötzlichen Wendungen einbauen. Ebenso ist es verboten technische Hilfsmittel (No science fiction, please!) zu erwähnen. Die Ermittler müssen allein mit der Kraft der kleinen grauen Zellen den Fall lösen. Und jedes Kapitel muss zur Lösung eindeutig beitragen. Wie bekommt man also dieses fantastische Dutzend unter einen Hut, ohne dass sie sich dabei an die Gurgel gehen? Das wäre ja was. Ein Dutzend Krimiautoren will zusammen einen Krimi schreiben und zum Schluss ist nur noch Einer übrig. Too much Agatha Christie! So viel sei schon verraten: Es funktioniert. Und zwar auf höchstem Niveau. Die Lösungsansätze der einzelnen werden im Anschluss na die Geschichte aufgelistet. Wer also zu gern schon vor der ersten Seite am Ende des Buches schmult, den soll der Blitz treffen! Aber so richtig schlau wird er eh nicht werden. Es sind eben doch echte Profis am Werk, die die letzte Fahrt des Admirals bis ins kleinste Detail darauf ausrichten, dass es nicht doch noch eine allerletzte Fahrt geben wird…

Es gab schon einmal Zwölf, die sich um Einen scharten – ging nicht gut aus, für den Einen. Der Detection Club hat als Backup vorsorglich einen Dreizehnten eingeladen, um den Rahmen für den Mord – so viel kann man durchaus schon verraten, oder war es gar kein Mord? – vorzugeben. Im Fahrwasser dieses Prologes entwickelt sich eine Geschichte, die den Leser auf eine durchwachsene Reise schickt. Stilwechsel, Faktenüberfluss, Verknüpfungen, wo man keine erwartet. Ein echter Krimifan erkennt schon nach wenigen Zeilen, wer hier geistiger Vater oder geistige Mutter des jeweiligen Kapitels ist. Wer sich voll und ganz diesem Krimi hingibt, wird mit teuflischer Präzision ins Genre Krimi gestoßen und wird nie wieder etwas anderes lesen wollen.