Europa erlesen – Florenz

Nach Rom ist Florenz sicherlich die Stadt mit der größten Anziehungskraft in Italien. Eine derart prächtige Stadt muss man sich erobern. Von der Piazza Michelangelo hat man sicher den imposantesten Ausblick auf die Stadt, ist aber zu keiner Tageszeit allein und muss die Erhabenheit der Stadt mit allerlei plärrendem Publikum teilen. Und erst in den Straßen und Gassen der Stadt! Kein Quadratmeter, der nicht von Menschen besetzt ist. Keine Ruheort, an dem an sich ein paar Moment Ruhe gönnen kann. Die muss man sich selbst schaffen.

Mit diesem Buch in der Hand – passt in jede noch so kleine Tasche – ist die Ruheoase nur wenige Momente entfernt. Man vergisst den Lärm der Stadt und der durch sie hindurchwalzenden Menschenmassen. Man versinkt in kleinen fiesen Intrigen wie Giovanni Fiorentino, der einen liebestrunkenen Eroberer von seiner Angebeteten angetrieben in ein Fiasko zu stürzen scheint. Sehr zum Leidwesen ihres Gatten…

Florenz ist auch und vor allem die Stadt der Medici. Niccolò Machiavelli war ihr großer Gegenspieler. Ausgerechnet er verhandelte mit den Borgia – die andere Renaissance-Sippe, die mit unerbittlichem Machtdrang aufstieg und sich dort mit noch mehr Gewalt lang, zu lange hielt, um einen drohenden Krieg zu vermeiden. Die Schmeicheleien auf beiden Seiten, aber auch die versteckten Drohungen (heutzutage wird ja gleich offen gedroht und im gleichen Atemzug dementiert) sind eine wahre Pracht, wenn man sich in sie vertieft.

Dieses kleine Lesebüchlein mit Auszügen aus Texten über und aus Florenz ist wie die Stadt selbst eine Zierde. Eine Ruheoase, die einen alles um sich herum verschwinden lassen kann, lässt man sich darauf ein. Ideal, um die Stadt am Arno näher und intensiver kennenzulernen. Und mancherorts erschein die Mysterien der Stadt wie ein offenes Buch vor dem Betrachter. Erholungspause mit Lerneffekt in einem – das gibt’s nicht oft.