Diese kleine unerbittliche Kugel aus Metall, die unaufhörlich auf die ebenfalls metallene Glocke scheppert. Der Klang durchdringt Mark und Knochen. Jetzt geht’s weiter – womit auch immer. Die Pause ist vorbei! Marcello Gori stört die Glocke schon lange nicht mehr. Er studiert und studiert und studiert. Hat schon fast eine Inventarnummer. Doch irgendwann ist der Klang der Glocke nun mal auch ein Fanal für den Aufbruch zu neuen Ufern. Neu – klingt schrecklich! Es ist doch alles so wunderbar! Die Bar von Papa zu übernehmen? Niemals. Schließlich studiert er. Er weiß bis heute nicht wie es dazu kam. Nun gut. Das neue Jahr beginnt, der Bart kommt ab, das Dissertationsthema hat er im Kopf. Sogar drei Themen kann er Professore Sacrosanti vorweisen. Doch der holt den Langzeitstudenten elegant und wortgewandt – schließlich ist er Professor für Literatur – auf den harten Steinboden der ehrwürdigen Universitätsrealität zurück. Das, was Marcello vorhat, ist ehrenrührig. Doch eher was für das Spätwerk eines Wissenschaftlers. Er solle sich auf einen Autor beziehen, ihn genauestens untersuchen, vielleicht sogar eine verschollene Schrift entdecken. Der Professore hat da sogar schon eine Idee. Tito Sella. Klar doch, den kennt Marcello – kennt er nicht! Er komme auch aus Viareggio – so wie der Autor dieses Buches, Dario Ferrari. Das wäre doch was für Marcello. Kurz bei Wikipedia reingeschaut: Tito Sella, Terrorist, tot, seit fast zwanzig Jahren. Der Bart ist ab, die Zukunft wartet, und ist in etwa so trostlos wie eine mögliche Zukunft in der Bar von Papa.
Das metallene Läuten dröhnt im Schädel und wird wohl nicht so schnell verhallen. Denn das Thema über den Schriftsteller (und Terroristen, und mutmaßlichen Mörder!) hat es in sich. So wenig über ihn bekannt zu sein scheint, umso ertragreicher sind die Recherchen für Marcello, der sich über sich selbst wundert. Denn so akribisch, teils verbissen, hat er noch nie gearbeitet. Und es macht sogar Spaß! Hui, die Pause – die Lebenspause, Arbeitspause – scheint wirklich vorbei zu sein. Und das Dröhnen kommt nun von ganz anderer Seite.
Auch das Verhältnis zu seinem Doktorvater bekommt mit einem Mal ganz andere Züge. Der ist vielleicht neugierig! Und das mit Grund…
Dario Ferrari rast nicht mit überirdischer Geschwindigkeit durch das fiktive Leben des Langzeitstudenten Marcello, auch nicht durch das Leben von Tito Sella. Alles Fiktion! Das ist wichtig! Vielmehr streichelt er behutsam, doch unnachgiebig das Gaspedal, um die schwierigsten Kurven mit Rasanz und Vorsicht zu nehmen. Zwischengas und Kupplungsspiel sind in „Die Pause ist vorbei“ elegant ausbalanciert, ein Ausbrechen nach links oder rechts oder gar eine komplette Drehung wird dank behutsamen Eingreifen des Protagonisten, vermieden. Wenn Realität und Fiktion verschwimmen, entstehen Bilder, die sich einem einprägen. Und so wird es diesem Buch auch ergehen! Buonissimo!
