In unregelmäßigen Abständen verwandelt sich der ehrwürdige Petersplatz in die größte Partymeile der Welt. Und alle warten fahnenschwenkend und voller Ungeduld auf ein bisschen Rauch. Weißen Rauch. Denn dann wurde der neue Papst gewählt. Und damit ist die Jagd auf den neuen Namen eröffnet. Wer wird’s? Stimmen die tagelangen Prognosen? Was wird sich ändern?
Und dann treten die Experten auf den Plan. Wilde Spekulationen wie auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten machen die Runde. Bedächtige Herren lassen die Geschichte Revue passieren. Aus der Wahl für den höchsten Vertreter Gottes auf Erden ist eine Tombola geworden.
Und dann gibt es Bücher wie diese. Ein Protestant – Horst Fuhrmann – erzählt von dem, was einmal war. Ganz ohne Missionierungszwang und ohne Tendenzen. Einfach nur Geschichte erzählen. Und ja, es fühlt sich wie eine Erzählung an. Wo andere jede Zeile mit einem Datum, am besten noch mit Uhrzeit, beginnen, um sich selbst mit Fachkenntnis zu beweihräuchern, setzt er ein Zeichen für Fakten.
Petrus war der erste Papst. Er nannte sich aber nicht so. Er war lediglich der Bischof von Rom. Das mit dem Papst kam erst viel später hinzu. Aus dem Osten! In der Zwischenzeit, also bis zum heutigen Tag, gab es immer wieder Sonderlichkeiten. So kann es wohl ganz gut umschreiben. Denn zeitweise existierten mehrere Päpste gleichzeitig. Nicht nur der in Rom oder der in Avignon. Manche kauften sich ins Amt. Sie trieben’s bunt. Und das kann nun jeder für sich selbst interpretieren. Der Name Borgia ist mehr als nur ein Geschlechtername. Er ist das Sinnbild für Ausschweifungen enormen (biblischen?!) Ausmaßes. Inklusive Nachfolgegenerationen. Nur die Frage nach einer Päpstin kann auch Horst Fuhrmann nicht endgültig klären…
Dieses Buch ist ein umfassender Einblick in die Geschichte der Päpste. Sie kann ein Ausgangspunkt für weitere Suchen nach Antworten sein oder einfach nur das allwissende Buch für besondere Menschen sein. Warum müssen sich Kardinäle andere Namen geben, wenn sie den berühmtesten Thron der Welt besteigen? Was bleibt von ihnen, wenn sie den Weg alles Irdischen gegangen sind? Diese Fragen bleiben nicht unbeantwortet. Und schon gar nicht die Fragen, wer, ab wann und für wie lange die Geschicke der Kirche leitete. Die zahlreichen Abbildungen sind nachhaltiger Beleg für ein Amt, das vielen als überholt gilt, aber immer noch durch die Frage „Was wäre, wenn es den Papst nicht mehr gäbe?“ schlagartig für beendet betrachtet werden kann. Tiefgründige Recherchen machen aus dem Thema ein profundes Werk, das man immer mal wieder hervorholt, um noch einmal genau nachzulesen, was denn nun wirklich passierte, bevor der Pseudo-Investigativ-Journalist im Frühabendprogramm des pseudowissenschaftlichen Unterhaltungsmagazins breitbeinig haltlose Behauptungen von sich gibt.
