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Kerfe des Waldes

Kerfe des Waldes

Kerfe sind den meisten unter dem Begriff Insekten bekannt. Diese kleinen Biester, die im Sommer über der leckeren Torte herumschwirren. Aber auch dieselben kleinen Biester, die dafür sorgen, dass die Blumenpracht auch eine Pracht bleibt.

Hier ist nun das Standradwerk zur Bestimmung der Kerfe des Waldes. Alle „kleinen Biester“ werden hier in Originalgröße – das unverwechselbare Merkmal der Buchreihe – abgebildet. Aber nicht einfach nur so. Nein, feingliedrige Zeichnungen, die wirklich jedes Detail abbilden, verzaubern den Leser ab dem ersten Umblättern.

Vom Hirschhornkäfer haben viele schon einmal gehört. Wie er aussieht – davon haben noch weniger eine Ahnung. Und da Weibchen und Männchen unterschiedlich aussehen, werden auch beide abgebildet. Schmetterlinge faszinieren den Betrachter wegen ihrer Flugeleganz. Aber wer hat schon mal die Möglichkeit einen Schmetterling aus der Nähe in aller Ruhe zu beobachten? Meist sind die flinken Leichtgewichte sofort wieder weg. Dank der Abbildungen im Buch erfährt man, dass ein Zitronenfalter nicht nur komplett gelb ist, er hat vier kaum wahrnehmbare rote Punkte.

Prof. Dr. Gottfried Amann – der Autor – beschränkt sich allerdings nicht nur auf die bloße Abbildung der Kerfe des Waldes, Vielmehr erläutert er wissenschaftlich und zugleich leicht verständlich die Eigenschaften der vorgestellten Tiere.

Im Bilderteil legt er sein Hauptaugenmerk auf die Darstellung der Kerfe, aber nicht nur darauf allein. Eier, Larven und Puppen sowie die Fraßbilder werden genauso dargestellt. Wer also bei seinem nächsten Waldbesuch an einer angeknabberten Pflanze vorbeischaut, kann nun genau bestimmen, welches gefräßigeTier sich hier zu schaffen gemacht hat.

Die unglaubliche Vielfalt der Kerfe in unseren Wäldern erstaunt immer wieder. Und genauso erstaunt es den Leser, welch Aufwand die Macher des Buches betrieben, um wirklich jedes Insekt abzubilden.

Ernst beiseite!

Ernst beiseite

Jeden Tag, jede Stunde, irgendwo auf der Welt: Ein Mann und eine Frau (okay, total p.c. eine Frau und eine Frau oder ein Mann und ein Mann) zermartern sich ihr Hirn wie sie dem in Bälde neuen Erdenbürger denn nun rufen sollen. Schließlich kommt irgendwann der Moment, an dem auch die Nachbarn den kleinen Racker beim Namen rufen hören. Und dann sollte doch gefälligst nicht schallendes Gelächter die Reaktion sein. Ja, die Namenswahl ist in den meisten Fällen durchaus verzwickt.

Jeder kennt mindestens ein Beispiel aus seinem Bekannten- oder Freundeskreis, bei dem die Namenswahl offenbar in geistiger Umnachtung geschah. Schlimm wird es erst, wenn es die Geber nicht merken, was sie dem Empfänger antun. Es gibt immer wieder Forschungen, die (angeblich) belegen, dass Kevins es nicht unbedingt einfacher haben im Leben. Und das nur weil in den 90er Jahren mal einer mit einem Wolf tanzte.

Oder nur weil der Lieblingsdarsteller aus der Lieblings-Soap soooo niedlich ist, wird es der Nachwuchs nicht automatisch. Was passiert, wenn dieser Lieblingsdarsteller etwas tut, was mit keiner gesunden Lebenseinstellung zu vereinbaren ist? Das Kind rennt dann ein Leben mit diesem Stigma rum.

Auch Sprachmelodie, also die Verbindung von Vor- und Zunamen sollte stimmig sein.

William Wahl hat sich Gedanken zum Thema Namenswahl und -vergabe gemacht. Seine Schlussfolgerungen sind schlüssig und teils bissig. Nichts für Zartbesaitete. Fünfhundert Namen hat er auf Ursprung und Bedeutung untersucht. An dieser Stelle verzichtet man am besten auf irreführende Negativbeispiele, um nicht den einen oder anderen zu verprellen. Denn nur weil einer Menno heißt, ist er nicht gleich quengelig oder eine Mischung aus Mensch und Benno (in Anlehnung an Mel Brooks‘ „Spaceballs“, in dem es einen Möter – halb Mensch, halb Köter – gibt). Menno kommt aus dem Ostfriesischen. Apropos ostfriesisch: Dieser Menschenschlag muss in Deutschland oft und gern für do manchen Ulk (nicht Ulf) herhalten. William Wahl hat eine Liste der dämlichsten friesischen Namen erstellt. Lassen Sie es bitte die Ockes und Arfsts Ihrer Umgebung nicht merken, dass sie Bestandteil dieser Liste sind.

„Ernst beiseite!“ ist das Buch, das werdenden Eltern noch zum Glück fehlt. Denn sobald sie einen möglichen Namen für ihren Nachwuchs hier entdecken, wird es knifflig. Die Suche beginnt von vorn und unter ganz anderen Gesichtspunkten. Trotzdem sollte dieses Buch zur Hand genommen werden, um Missverständnisse von vornherein zu minimieren. Liebe werdende Eltern, lasst Euch nicht einschüchtern. Erfolg hängt nicht vom Vornamen ab. Jedoch sind Vorurteile in jeder Gesellschaft vorhanden. Und nicht jeder ungeplante Nachwuchs muss mit höherer Gewalt in Verbindung gebracht werden. Suchen Sie nicht weiter nach Synonymen für „Gottes Geschenk“, und wenn dann nur in fremden Sprachen, die in fernen Ländern und Kontinenten gesprochen werden. Jedes Kind ist kostbar, muss aber nicht gleich Precious (englisch) oder Ivie (edo, Sprache in Nigeria) heißen. Namensvielfalt ist Kulturgut, das man schützen sollte. Und zwar in jeder Hinsicht.

Blätter und ihre Bäume

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Der Herbst ist nicht unbedingt die Jahreszeit, die allein durch das Wetter eine besondere Erwähnung wert ist. Fortlaufend kriecht die feuchte Luft durch jede noch so kleine Pore und Ritze. Die Glück verheißenden Sonnenstrahlen verlieren ihre Kraft. Doch der Herbst hat auch seine angenehmen Reize. Die Blätter verfärben sich in den unterschiedlichsten Nuancen der Natur, fallen von den Bäumen, bedecken das Grau des glitschigen Bodens. Ihre Formen sind so mannigfaltig wie ihre Entdecker. Horden von Kindergruppen tollen im Blätterwirbel umher und sammeln die einstige Baumpracht ein.

Doch wer kann all die Blätter unterscheiden? Was unterscheidet ein Kastanienblatt von einem Blatt der Linde? Auch in Zeiten von Smartphones, Wikipedia und anderen elektronischen Mitteln tut es gut etwas Greifbares in den Händen halten zu können.

„Blätter und ihre Bäume“ ist so etwas Handfestes. Ein Quell des Wissens und des guten Geschmacks. Das geballte Fachwissen wird hier anschaulich dargelegt und breitet sich vor dem neugierigen Leser willenlos aus. Ein Füllhorn an Abbildungen und Karten erlauben es sich einen allumfassenden Überblick über die raschelnden, sich leise im Wind wiegenden und dem Auge schmeichelnden Chlorophyll-Produzenten zu verschaffen. Und alle Blätter werden – und das ist der eigentliche Knüller des Buches – in Originalgröße abgebildet. Zu jedem Blatt gibt es ein kleine Verbreitungskarte, einen kurzen Lebenslauf sowie einen Kurztext zur Herkunft, also dem Baum, von dem es herabfiel. Eine Skizze und der lateinische Name des Baumes trennen tabellarische Einordnung und Text und Abbildung.

Nachdem also die Blättersuche und –Sammlung des Tages abgeschlossen ist, nimmt man sich nun diesen Prachtband zur Hand und legt ihn ehrfürchtig auf den Schoß. Gedankenverloren blättert man ein wenig darin herum. Das ist wichtig, denn so ein Buch nimmt man nicht einfach nur, um Blätter zu bestimmen. „So ein Buch“ ist ein Fest für die Sinne. Mit dem aufgekratzten Nachwuchs im Nacken beginnt nun die Suche nach dem richtigen Namen des erbeuteten Blätterschatzes. Ab hier ist der Leser mit all seinem unvollkommenen Wissen gefragt. Wie gestalte ich die Namenssuche lehrreich und fantasievoll?

Herausgeber Zsolt Debreczy hat mit diesem Werk trotz des gigantischen Umfanges einen kurzweiligen Zeitvertreib geschaffen. Den Machern aus dem Hauptverlag gebührt der volle Dank, dass „es so etwas noch gibt“. Die edle Aufmachung und das zusammengetragene Fachwissen tragen dazu bei unsere Natur mit andern Augen zu sehen und das in Kindertagen erlernte Wissen zu vertiefen oder – wie in den meisten Fällen – wieder aufzufrischen. Ein ideales Geschenk, das so manchen Gabentisch gut stehen wird.

Bäume und Sträucher des Waldes

Bäume und Sträucher des Waldes

Ein hinterhältiger Mörder wurde aufgrund eines Ulmenblattes entlarvt. Denn in seinem Mantel hatte sich ein Blatt des Laubbaumes verfangen. Klingt spannend. Noch spannender wäre es allerdings, wenn man nun wüsste wie so ein schwer belastendes Indiz – in diesem Falle ein Ulmenblatt – aussieht. Hätte man doch nur in der Schule im Biologieunterricht besser aufgepasst! Nun weiß keiner mehr wie so ein Blatt aussieht. Und der Krimi bleibt fad und die Beweise im Grauen.

Nun ist die fiktive Geschichte eines Mörders, der sich wegen eines im Mantel verfangenen Ulmenblattes selbst verrät nicht der Antrieb Gottfried Amanns gewesen dieses Buch zu schreiben. Aber es könnte so gewesen sein.

Gottfried Amanns Taschenbildbuch wurde für aktuelle und zukünftige Forstwirtschaftsstudenten und Bewahrer des Waldes konzipiert. Sie sollten auf unkonventionelle Art und Weise wissenschaftliches Arbeiten praxisnah zusammengefasst in den Händen halten können. Der Kunstmaler Paul Richter hat jedem einzelnen Blatt, jeder einzelnen Nadel, jeder einzelnen Frucht seine uneingeschränkte Hingabe geschenkt. Und das sieht man: Ein Naturbuch, das einen (Ver-)Erbcharakter in sich trägt. Zusammen mit Freunden und der Familie wird jede Pirsch im Wald, im Park auf Wissen und Auen zu einer Safari durch die bunte Vielfalt unserer heimischen Natur. Die Querverweise an den Abbildungen führen zu den Blättern, Blüten und Früchten der Pflanzen. Zahlreiche Tafeln verweisen auf die Keimlinge und Zweige im Winter. Und am Ende des Tages kann man auch die genaue Gattung und Art der Ulme, die den Mörder verraten hat, bestimmen. „Bäume  und Sträucher des Waldes“ – ein Buch, das Generationen begeisterte, noch immer in Form und Funktion ein Vorreiter ist und auch in Zukunft eindrucksvoll Wissen vermitteln wird.

Vögel des Waldes

Vögel des Waldes

Gleich zu Beginn die Frage: Für wen ist dieses Buch gemacht worden? Für jeden, der die abgebildeten Vögel auf dem Titelbild nicht benennen kann. Ein Uhu oder eine Eule, rechts unten. Und einer der Vögel links unten, die mit den roten federn am Bauch, einer davon ist ein Rotkehlchen. Und ein Specht ist zu sehen. Und der Gelbe ist ein Pirol. So weit, so gut. Schon bei der spärlichen Aufzählung fällt auf, dass es gar nicht so einfach ist Vögel zu unterscheiden. Uhu oder Eule – was ist es denn? Und welcher Vogel mit dem roten Bäuchlein ist denn nun das Rotkehlchen? Der mit dem Irokesenhaarschnitt ist ein Wiedehopf – den sieht man nur ganz selten, aber man erkennt ihn sofort. Aber, dass er zu den Rackenvögeln gehört, das wissen nur Eingeweihte.

Gottfried Amann hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Waldbewohner den Stadtbewohnern näher zu bringen. Mit pedantischer Akribie listet er nicht nur auf, sondern erklärt die Eigenheiten der gefiederten Flatterbande. Höhepunkt des Buches ist der Bildabschnitt in der Mitte des erstklassigen Nachschlagebandes. Paul Richter und Rolf Witschel zeichneten die Vögel derart naturgetreu, dass man meint sie flögen einem gleich entgegen. Jedes noch so kleine Federchen wird sichtbar. Auch die Gelege, die Nester und Eier vermitteln ein exaktes Abbild von Mutter Naturs fliegenden Geschöpfen. Ein Buch, das man mit in den Wald nehmen kann,, ja sogar muss. Denn wenn einem ein Vogel über den Weg läuft, den man noch nie gesehen hat, wird die menschliche Neugier geweckt. Und nichts ist schlimmer, als wenn diese Neugier nicht befriedigt werden kann. Ein Nachschlagebuch, das Wissen vermittelt und zugleich unterhaltsam auf Artenschutz im Speziellen und Naturschutz im Allgemeinen hinweist. Der robuste Einband schließt einen Praxistest von vornherein überhaupt nicht aus. Im Gegenteil. Selbst nach mehrjährigem Gebrauch – und sorgsamen Umgang – wird dieses Buch viele Jahre Freude und Wissen vermitteln. Ob man das Buch als Bilderbuch sich aus dem Regal greift oder als Nachschlagewerk zu nutzen weiß, eines steht fest: Es war, ist und bleibt ein besonderes Buch, das sich ideal als Geschenk eignet, das Groß und Klein immer wieder begeistern wird und das in jeden Bücherschrank gehört.

Bäume bestimmen

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Wenn der Winter sein weißes Kleid in den Schrank der Vergessenheit hängt, blüht es allenthalben. Alles, was klein und unerfahren ist, verzückt von jeher den Menschen. Auch Bäume haben im Frühstadium, also in ihrer Blütezeit, ihren Reiz. Die Sonnenstrahlen kitzeln die Spaziergänger, Vogelgezwitscher erfreut die vom Winter Geplagten. Da liegt es nahe der Natur einmal etwas mehr auf die Pelle zu rücken.

Mit Kindern die Natur entdecken, ist eine sinnvolle Lebensaufgabe. Den neugierigen Fragen des wissbegierigen Nachwuchses eine Antwort geben zu können eine zu höchst befriedigende Sache. Dass das nicht ganz ohne Hilfsmittel geschehen kann, liegt auf der Hand. Denn wer kann schon auf jede Frage eine passende Antwort geben.

Zumindest bei der Frage „Welcher Baum ist das?“ gibt es nun Abhilfe. Die Autorin Rita Lüder wird mit ihrem Buch „Bäume bestimmen“ zur unabdingbaren Souffleuse in Sachen Bäumen. Vier Arten gibt sie vor, um Bäume zu bestimmen: Nach Blatt-, nach Blüten- und Fruchtmerkmalen sowie nach Winterknospen. Klingt auf den ersten Blick nach einer  nüchternen Lernaufgabe. Ist es aber nicht. Schon nach wenigen Seiten wird klar, dass hier ein Profi am Werk ist, der aus seiner Leidenschaft einen Beruf geformt hat. Die Vorgehensweise, um einen Baum zu erfassen und bezeichnen zu können, wird mit jedem Beispiel logischer, und schon bald wird man selbst zum Baum(er)kenner.

Dieses Buch komplett durchzulesen und darauf zu hoffen, dass man es nie mehr braucht, ist ein Trugschluss. Dieses Buch wird man immer wieder zur Hand nehmen, wenn es raus in die Natur geht. Eine Birke von einer Eiche zu unterscheiden, ist einfach. Doch schon bei der Bestimmung einzelner Weidenarten wird es knifflig. Als „Naturführer für alle Jahreszeiten“ ist dieser Band in seiner robusten Aufmachung ein unentbehrlicher Wegweiser durch die sanft im Wind wiegenden Riesen, die es uns erlauben in freier Wildbahn Pilze zu finden, ein schattiges Plätzchen bieten oder ideale Verstecke beim Spielen zu bieten. Mit über eintausend Abbildungen auf knapp 300 Seiten bietet das Buch genügend Lernpotenzial und jede Menge Unterhaltung für alle Altersklassen. Als Anschaubuch für die kleinsten bis hin zum Nachschlagewerk für Fortgeschrittene.

Die Kröte, der Marabut und der Storch und andere Geschichten aus der Savanne

Die Kröte, der Marabut und der Storch

Jeder Kontinent, jedes Land, jede Region … jedes Volk hat seine eigene Sicht auf die Dinge, die uns umtreiben. Untrügliches Merkmal dafür sind Märchen, Sagen und Fabeln. Sie vermitteln dem Leser immer einen anderen Blick auf das Leben. Denn Werte und deren Beurteilung sind glücklicherweise noch nicht der Globalisierung anheimgefallen. „Die Kröte, der Marabut und der Storch“ aus dem Peter-Hammer-Verlag ist ein hervorragendes Beispiel dafür, dass Menschen sich unterschiedlich entwickeln, die gleichen moralischen Grundsätze entwickeln und sich doch ihre Herangehensweisen an Probleme voneinander unterscheiden.

Amadou Hampâté Bâ hat Märchen aus Westafrika zusammengetragen, die nun zum ersten Mal in einer Auswahl in Deutschland erhältlich sind. Sie spielen oft im Land der Fulbe, einem Volk, das sich in Westafrika in Mali, Ghana, Nigeria, Kamerun und der Elfenbeinküste angesiedelt hat. So manche Fabel ist in Themenauswahl und Ausführung vielen einheimischen Fabeln und Märchen verwandt. Nur die Auswahl der Tiere ist eine andere und verleiht den Worten die gewisse Exotik.

Eine Hyäne wird übermütig im Angesicht des vermeintlich toten Königs der Savanne. Die beschimpft und erhebt sich über ihn bis dem der Kragen platzt, und er für die Hyäne völlig überraschend aus seinem Schlaf erwacht. Es kommt zum Kampf, in dem die Hyäne eine niederschmetternde Niederlage erfährt. Und als wäre da nicht genug, wird ihre Prahlerei vom „Großen Kampf“ von einem Hasen ad absurdum geführt.

Die Märchen zeichnen sich durch eine klare Sprache aus, die uns Lesern einen Teil der afrikanischen Kultur näherbringen. Moral ist grenzübergreifend. Abwertende Bemerkungen gegenüber andersartigen sind hier wie da verpönt und werden sofort bestraft. Die Legenden der Fulbe werden in einer blumigen Sprache dargeboten, die es einem schwer macht sich ihrem Zauber zu entziehen.

Wer seinen Kindern oder sich selbst einmal andere Geschichten als die von verirrten Geschwisterpaaren oder vergifteten Prinzessinnen oder unbequem platzierten Königskindern vorlesen will, kommt an Amadou Hampâté Bâs Märchensammlung nicht vorbei. Neunzehn Geschichten sind in diesem liebevoll gestalteten Buch zusammengefasst. Juliane Steinbach verleiht den einzelnen Geschichten mit eindrucksvollen Zeichnungen ihren besonderen Charakter.

High heels mit acht, Diät mit neun?

High heels mit acht

„Die Medien sind schuld! Die leben uns etwas vor, was falsch ist.“ – Ein viel zitiertes Vorurteil und gern genommene Ausrede, wenn der eigene Nachwuchs sich lieber an Heidi Klum und Konsorten, statt an den vorgelebten Werten orientiert. Ist das Kind erstmal in den Brunnen gefallen, ist das Geschrei groß.

Natürlich werden wir tagtäglich mit perfekt inszenierten optischen Reizen konfrontiert. Und natürlich auch noch niemals zuvor ins solch einer Konzentration. Aber Einflüsse von außerhalb gab es schon immer und wird es auch immer geben. Sie in Maßen aufzunehmen und den Verlockungen zu widerstehen, darin liegt eine der Hauptaufgabe der Kindererziehung.

Tanith Carey will mit ihrem Buch vor den Gefahren von Castingshows und ihren einhergehenden Auswüchsen schützen. Sie verteufelt die Medien nicht, die sind ein Bestandteil des heutigen Lebens geworden. Der viel zitierte Sozialdarwinismus, wie der gern von Bohlen und anderen modernen Kunstegomanen ins Lächerliche verkehrt wird, hinterlässt Spuren bei den Zuschauern. Einige können damit umgehen, andere stürzen in eine tiefe Krise. Die Auswirkungen von falschen Idolen und Vorbildern treten heutzutage häufiger und intensiver zutage.

Eltern sind stolz auf ihren Nachwuchs. So soll es sein – darin gibt es nichts zu rütteln. Die Kleine hübsch rauszuputzen – auch normal. Doch dieses Herausputzen birgt Tücken, ja sogar sehr gefährliche Fallen. Mit Klamotten und Make up kann man körperliche Makel übermalen. Die Industrie gibt jede Menge Tipps an die Hand. Die Realität wird mit Stoff und Stöffchen karikiert und in den Hintergrund gedrängt. Die äußere Hülle zählt. Der Mensch darin kommt sowieso irgendwann zum Vorschein. Da hat man aber sein Ziel schon erreicht. Erst einmal mit dem Äußeren glänzen, der Rest kommt von ganz allein.

Es gab Zeiten, da musste man erst einmal überzeugen bevor man sich „herausputzen“ konnte. Die Reihenfolge des Erfolges hat sich gewandelt. Wie also schützt man seinen Nachwuchs vor diesem Wandel? Radikalkur oder aufmerksames Beobachten und Handeln? Soziale Kompetenzen stärken und den eigenen Stil fördern – das sind nur zwei wichtige Aspekte die die Autorin Tanith Carey ins Schlachtfeld der Erziehung führt.

„High heels mit acht, Diät mit neun?“ ist ein informativer und hilfreicher Ratgeber, der mit seinen schlichten Argumenten die Augen öffnet und falschen Propheten das Handwerk legt.