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Lesereise Baskenland

Lesereise Baskenland

Das wohl schwerste Buch für Georges Hausemer. Auf der einen Seite möchte er gern seine innige Zuneigung zum Baskenland nach außen tragen, auf der anderen Seite weiß er aber auch, dass zu viel Werbung auch zu viel Gleichschaltung, Massentourismus und Identitätsverlust mit sich bringen. Am Ende des Buches drückt er die Daumen, dass Donostia, so der baskische Name von San Sebastian, nicht den Zuschlag für den Titel „Europäische Kulturhauptstadt 2016“ erhält. Nun, der Wunsch ging nicht in Erfüllung. Zusammen mit dem polnischen Wrocław ist San Sebastian dieses Jahr die Kulturhochburg Europas.

Nichts desto trotz sollte man dieses Buch lesen, wenn man sich entschließt Bilbao, San Sebastian, die baskische Küche, Pelota, Baskenmützen, Guggenheim und so manch anderes typisch Baskisches zu besuchen. Denn Georges Hausemer kennt das Baskenland, nennt Donostia seine Lieblingsstadt und hat hier mehr als einmal die schönste Zeit des Jahres verbracht (und im eigenen Verlag einen Stadtreiseband veröffentlicht).

Bis vor wenigen Jahren war das Baskenland das Stiefkind der iberischen Halbinsel. Es war zwar da, man kannte es, aber besuchen? Nee, da gab es schönere, entwickeltere Orte. Hier rauchten die Schornsteine, regnete es ununterbrochen, alles irgendwie unfreundlich. Das Wetter konnte selbst der Zahn der Zeit nicht ändern, aber den Rest schon. Bilbao war eine der Städte, die man nicht freiwillig besucht hätte. Überall Industrie, nichts Freundliches – um es übertrieben auszudrücken. Dann kam die Idee eines Museums. Nicht irgendeines Museums. Guggenheim wollte hier eine Dependance eröffnen. Und Frank O. Gehry sollte es bauen. Und er tat es. Eine Augenweide, ein Traum aus Betan, Glas, Titan. Aber auch mit Effekt? Jährlich pilgern eine Million Menschen ins Museum, anfangs ging man von knapp der Hälfte aus. Mission erfüllt. Tausende Arbeitsplätze wurden dadurch geschaffen. Die Umgebung angepasst, die Schornsteine erfolgreich zum Rauchverzicht aufgefordert. Bilbao kann sich nun sehen lassen.

Georges Hausemer blüht richtig auf, wenn er von den Männerkochclubs, den

Txokos erzählt. Oder von der friesischen Übernahme einer Insel. Oder von den Spielarten des pelota, des baskischen Nationalsport. Oder, oder, oder. Künstler, Köche, Bauern – die Menschen im Baskenland sind scheu, wenn man neu und neugierig ist. Politik ist kein gutes Thema, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Aber wenn sie sich einmal öffnen – und Georges Hausemer ist einer der wenigen Privilegierten, den sie sich mitteilen – sprudelt ihr Stolz auf ihre Kultur über. Dem Leser wird das Auge übergehen, wenn er dieses Buch liest. Näher als Andalusien oder Madrid, traditionsbewusst und voller Dinge, die es noch zu erkunden gilt. Aber alles mit Vorsicht! Damit dieses Buch nicht so schnell an Aktualität verliert.

Peter Falk oder Die Kunst, Columbo zu sein

Die Kunst Columbo zu sein

Peter Falk war ein Schauspieler, der unersetzlich war. Las und liest man in der Fernsehzeitschrift, dass ein Film mit ihm läuft, kann man ruhigen Gewissens einschalten. Sein Columbo läuft bis heute noch im deutschen Fernsehen. Auch wer alle Folgen schon einmal gesehen hat, schaut sie sich immer wieder gern an. Kein anderer hätte den zähen, enervierenden Ermittler spielen können. Doch Peter Falk war mehr als Columbo.

Bevor er am 20. Februar 1968 das erste Mal Columbo verkörpert, hat er schon zwei Oscar-Nominierungen und einen Emmy-Award erhalten. Gern wird er als Bösewicht – wohl auch wegen seines Glasauges, das er mit drei Jahren bekommen hat – besetzt. Doch das reicht ihm nicht. Er hat sich noch nie und wird sich nur einmal in eine Rolle zwängen lassen. Und ist und bleibt Columbo.

Den Mantel hat er übrigens selbst eingeführt. Die Schuhe auch. Der Erfolg von Columbo überrascht alle. Die Einschaltquoten steigen von Folge zu Folge. Columbo / Peter Falk wird zu einer Institution. Er kassiert eine großartige Gage, die selbst die der Gaststars übersteigt. Größen wie John Cassavetes, Ray Milland oder Leonard Nimoy geben sich die Klinke in die Hand, um sich von Columbo überführen zu lassen.

Zwischen den Drehs – acht Folgen gehören zu einer Staffel – ist Peter Falk nicht tatenlos. Er dreht Filme, die er als Columbo niemals drehen könnte. Die Figuren und auch die Machart der Filme stärken seinen Ruf als eigenwilligen und zielstrebigen Filmmenschen.

Uwe Killing hat sich als Thema einen dankbaren und umfangreichen Schauspieler ausgesucht. Die Sympathiewerte eines Peter Falk werden nur von wenigen Berühmtheiten annähernd erreicht. Die unglaubliche Fülle an Anekdoten, die der Autor in diesem Buch zusammengetragen hat, erfreut das Herz eines jeden Columbo-Fans. Er verzichtet wohlwollend auf das bloße Aufzählen der Filme. Vielmehr schafft er es nur durch Erwähnen der Titel und Schauspieler und Regisseure die Ehrfurcht vor dem großen Peter Falk zu verstärken. Wer Peter Falk bisher nur als Columbo kannte (welch Frevel), ist von nun an eine Fan des gesamten Lebenswerkes sein, das in der Rolle des Applebaum in „Checking out“ fulminant Parallelen zwischen Schauspieler und Charakter aufweist.

Das unbekannte Leben des kunstinnigen Peter Falk spielt in diesem Buch die gleiche Rolle wie das Öffentliche, auf der Leinwand Ausgelebte. Dieses Buch gehört zur Pflichtlektüre für alle diejenigen, die Film als mehr als nur Berieselung ansehen. Anfangs war Peter Falk ein Schauspieler, der mit jemandem spielen durfte. Mit Columbo war er es, mit dem sich die Kollegen brüsteten spielen zu dürfen.

Stern von Algier

Stern von Algier

Die Zukunft sieht nicht rosig aus, die Gegenwart ist trist. Doch Moussa lässt sich nicht beirren. Er wird der neue Michael Jackson. In einem Land wie Algerien, irgendwann in den 90er Jahren, ein schönes Ziel. Eine Notwendigkeit. Denn ohne Ziel ist man in diesem Land verlassen.

Kablyischer Chanson nennt sich die Musikrichtung, benannt nach der Gegend, aus der er kommt. An der Wand das große Idol, in der Tasche der Walkman. Sind die Batterien leer, verzichtet Moussa auf vieles. Hauptsache das teil dudelt. Auf dem Schwarzmarkt kosten Batterien oft das Zehnfache des normalen Preises. Aber es gibt dort welche. Musik ist sein Leben, sein Traum.

Und es scheint auch wirklich voranzugehen. Er hat Auftritte, bekommt Zeit in einem Aufnahmestudio, Plakate für Konzerte werden gedruckt. Aber es gibt auch die Schattenseiten. Seine Freundin verlässt ihn, seine Freunde sind ihm fremd geworden. Alles ist ihm fremd. Islamisten stehen an allen Ecken. Das Land steckt in einer Krise. Korruption und Machtverlust bestimmen die Gazetten.

Der große Traum rückt immer weiter in den Hintergrund – Moussa wird immer unzufriedener. Die Aufnahmen geraten nicht so wie er dachte. Als sein Lied im Radio gespielt wird – gebannt hockt er sich vor den Empfänger – erkennt er sein eigenes Lied nicht wieder. Völlig entstellt! Er stellt die Verantwortlichen zu Rede, sie ihn im Regen stehen. Die Wut kocht in ihm hoch. Bis… , ja bis es eskaliert!

Aziz Chouaki schreibt in „Stern von Algier“ von einem Mann, der sein Leben selbst in die Hand genommen hat. Doch auf dem nach oben, in ein besseres, hoffnungsvolles Leben, muss er steinige Treppen überwinden. Immer wieder stolpert er von einem Reinfall in den nächsten. Der trostlose Alltag ist noch zu stemmen. Genug Übung hat Moussa schließlich. Doch, wenn es um seine Träume geht, entwickelt er ungeahnte Kräfte. Leider nicht immer zu seinem Besten. Gitarren statt Knarren könnte der Untertitel sein. Ein frommer Wunsch, der dem Schicksal des jungen Musikers als Leitbild dient, und schlussendlich nicht als Enttäuschung für ihn parat hält.

Kleine Stadtgeschichte Zürichs

Kleine Stadtgeschichte Zürichs

Zürich, die elegante Stadt an der Limmat, am idyllischen See. Wer dort weilt, holt sich was weg. Und zwar eine geballte Ladung Eindrücke und Geschichte. Bei so viel Finanzgebaren vergisst man schnell, dass schon vor Jahrtauenden hier die ersten Siedler ihre Zelte aufstellten, die Kelten und die Römer Kastelle errichteten und die Stadt zu einem wichtigen Handelsort machten.

Thomas Lau gibt in seiner „Kleinen Geschichte Zürichs“ mehr als einen kleinen Einblick in die Vergangenheit der Stadt. Wer Zürich außerhalb von Reiseführern erkunden will, findet in diesem Buch den idealen Reiseguide, der kenntnis- und detailreich zu berichten weiß.

Immer wieder lockern kleine Anekdoten das Geschichtsbuch auf, um den Leser nicht mit Zahlen und Ereignissen zu überfrachten. Das Buch liest man nicht in einem Ritt durch. Auch zweihundert Seiten können eine Unmenge an Fakten aufweisen. Stück für Stück, Jahrhundert für Jahrhundert, nähert man sich dem Zürich wie man es heute kennt. Auf den Spuren von Dichtern und Gelehrten wandelt der Leser durch die heimliche Hauptstadt der Schweiz. Vorbei an historischen Gebäuden, die noch immer ihre Wirkung nach außen tragen. Hier wurde Dada „erfunden“, Revolutionen ersonnen, Nobelpreisträger geformt.

Dieses Buch ist eine echte Bereicherung für jedes Reisegepäck. Thomas Lau lässt die Persönlichkeiten, die diese Stadt prägten zu Wort kommen und gibt ihnen den Freiraum Andere (Leser) in ihren Bann zu ziehen. Einst galt sie als Hauptstadt des Exils: Lenin, die Manns, James Joyce (der hier auch begraben ist, auf dem Friedhof Fluntern) lebten und wirkten hier.

Wer Zürich schon kennt, wird es nie leid es zu besuchen. Doch so, wie in diesem Buch beschrieben, hat man Zürich noch nicht gesehen. Der Begriff Historie wird mit diesem Buch im Speziellen und der Reihe im Allgemeinen auf eine höhere Stufe gehoben. Man muss ja nicht gleich den gesamten Urlaub auf den Spuren der Vergangenheit verbringen. Aber ein Tag, ein paar Stunden, dafür allemal Zeit und die Stadt gibt es auch her. Stadtrundgänge wird man vergebens suchen. So viel Individualismus muss sein, das erhöht den Forscherdrang. Auch wenn das Ergebnis dank des Buches schon feststeht, wird man jeden Schritt, den man diesem Buch folgt genießen und keinen einzigen bereuen.

Lion Feuchtwanger

Lion Feuchtwanger

Lion Feuchtwanger zu fassen, ist leicht. Seine Bücher verkaufen sich noch immer, wurden in dutzende Sprachen übersetzt. Er selbst sah sich nicht im Zwiespalt zwischen religiösen Traditionen und Weltoffenheit. Genau das war sein Antrieb. Wer die Werke Lion Feuchtwangers liest, bekommt einen Einblick in sein Leben und den Lauf er Welt.

Er war streitbar – etwa als er eine Lobeshymne auf das stalinistische System schrieb – doch immer annehmbar. Jüdische Geschichte ohne Dogmen nahezubringen – sein eigenes Leben war immer Bestandteil seiner Romane. Lion Feuchtwangers Vater war streng gläubiger Jude. Ein breites bairisch gehörte aber genauso zum guten Ton wie die Einhaltung der Regeln. Schon früh lernte der junge Lion, dass Tradition und Fortschritt einhergehen. Schulisch tat er sich besonders durch seine poetische Ader hervor. Die Abkapselung vom Elternhaus war schwierig und langwierig. Er wohnte bei seinen Eltern um die Ecke und nahm vor allem seine Mahlzeiten bei ihnen ein.

Die aufkommende Naziherrschaft zwingt auch ihn zu flüchten. Da ist er schon ein erfolgreicher Autor, der vielen Revanchisten und Rassisten ein Dorn im Auge ist. Er flieht dorthin, wo es viele seiner Leidensgenossen zog: An die Riviera und später, als auch im sonnigen Süden nicht mehr sicher war, nach Kalifornien. Bert Brecht, Heinrich und Thomas Mann gehörten zum Kreis der Exilanten, die sich regelmäßig trafen und über das Schicksal ihrer Heimat diskutierten.

Wilhelm von Sternburg hat mit seiner Biographie das Leben und Werk Lion Feuchtwangers wieder ins Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit gerückt. Im Sog von allerlei seichter Literatur, die es zugegeben immer gab, aber nur selten zuvor so offen propagiert wurde, erscheint Feuchtwangers Werk wie ein Strahl in dunkler Nacht. Die große Geschichte, die von großen Männern gemacht werden, lernt man aus Geschichtsbüchern. Die wahre Geschichte lernt man von denen, die sie erlebten und „im Kleinen“ gestalteten. Lion Feuchtwanger hat ihnen eine Stimme und Wilhelm von Sternburg hat diesen Stimmen ein Gesicht gegeben. Lion Feuchtwanger hat die Geschichte erlebbar gemacht, in dem er historische Fakten wortgewandt aufs Papier brachte. Sein Biograf bedient sich desselben Stilmittels. Immer wieder lässt er Zitate aus Büchern einfließen, die es dem Leser erlauben Werk und Leben in einzigartiger Form wieder und wieder zu erleben. Eine Weltreise durch die Vergangenheit!

Norderney

Norderney

Es klingt fast schon wie eine Verneinung des Urlaubsziels: Der Norden, nee! Alles, nur das nicht! Norder-Jaa muss es eigentlich heißen! Und Dieter Katz liefert auf einhundertsechzig Seiten immer wieder Argumente die Insel zu besuchen. Ob nun als Pauschalbesucher für zwei Wochen und Immer-Wieder-Gast für ein paar Tage, der auf eigene Faust das Inselleben hautnah spüren will. Alle vereint der Gedanke sich hier zu erholen, Einzigartiges zu erleben und die Leserecherche mit diesem Buch.

Nicht einmal sechstausend Einwohner auf knapp 26 Quadratkilometer. Klingt nicht groß, ist es auch nicht. Klingt nicht so, als ob man hier wochenlang immer wieder etwas Spannendes erleben kann. Falsch! Es geht ja schon auf der Umschlagseite los. „Wussten Sie schon…“ nennt sich die Rubrik, die jedes Buch des Michael-Müller-Verlages stimmungsvoll einläutet. Von Seehunden und Kegelrobben ist da die Rede, Bienenbelegstellen und vom Tee-Pro-Kopf-Verbrauch der Ostfriesen.

Noch nicht abwechslungsreich genug? Wellness (unter anderem gibt es auf Norderney Thalasso-Kurwege), Strandsauna und eine Trinkkurhalle laden zum Verweilen und Erholen ein genauso wie Minigolf, Angeln oder über vierzehn Kilometer feinster Sandstrand. Als Mitbringsel eignen sich zahlreiche Artikel aus dem orangen Gold der Insel, dem Sanddorn. Ob nun als Marmelade oder Likör, als Tee oder Fruchtsaft – wer mit Sanddorn zuhause seine Lieben beglückt, wird Beifall ernten.

Apropos Beifall. Ab und zu muss man das Buch doch beiseitelegen. Immer dann, wenn man innerlich in die Hände klatscht und sich freut, dass man dieses Buch gefunden hat. Es ist erstaunlich, dass so eine klein Insel nicht in Füllhorn der Abwechslung umbenannt wird. Und Dieter Katz kann sich feiern lassen, jedes einzelne Element, jeden Diamanten der Erholung und Entspannung gefunden, detailliert niedergeschrieben und handhabbar veröffentlicht zu haben.

Wer Norderney bisher noch nicht kannte, bekommt in diesem Buch mehr als nur einen groben Überblick über die Insel. Es ist schon fast so informativ und erkenntnisreich wie vor Ort zu sein. Wer Norderney schon einmal besucht, wird sich wundern, was alles verpasst hat. Denn wenn das geflügelte Wort vom Geheimtipp auf einen Inselreiseband zutrifft, dann hier.

Als Zugabe zum Buch bzw. als hervorhebenswertes Extra gibt es zwölf Seiten „Norderney mit Kindern“. Und dann wird aus dem stillen Norder-Nee ein fröhlich schallendes Norder-Jaaaaaa…..

Gebrauchsanweisung für Prag und Tschechien

Gebrauchsanweisung für Prag

Oh Du wunderbares Prag! Deine Architektur, Deine Gassen, Deine Boulevards … Deine Touri-Fallen. Prag steckt voller Überraschungen. Wer’s nicht kennt, wird’s nicht glauben. Prag gehört zu den europäischen Hauptstädten, die man nie vergessen wird und immer wieder besucht. Weltoffenheit und längst vergessener Charme treffen hier auf kalkulierte Gastfreundschaft und echte Lebenslust.

Martin Beckers erster Besuch in der Goldenen Stadt wird ihm ewig in Erinnerung bleiben, seine Liebe zu Land und Leuten wird in diesem Buch nur allzu deutlich und beim Leser lange anhalten. Denn seit dem sinngebenden ersten Besuch, der, der so lange in Erinnerung bleibt, dass er das erste Kapitel bestimmt, ist Prag im Speziellen und Tschechien in Allgemeinen zu einer zweiten Heimat geworden. Er bezeichnet sich zwar als ungeprüften Touristenführer, doch die Prüfung zu Selbigem würde er mit Bravour bestehen. Nicht nur weil er sich exzellent auskennt, sondern weil er es versteht die Menschen zu charakterisieren und sich bei seinen Beschreibungen der Stadt und des Landes nicht nur auf die Aneinanderreihung der zahlreichen Sehenswürdigkeiten beschränkt.

Ebenso hat er wenig Berührungsängste mit den geltenden Klischees: Seine Ausführungen zum Bierkonsum und der ausgeprägten Kneipenkultur gehören zum Ehrlichsten und Offensten in Sachen geselligem Beisammenseins. Wer in Zukunft über tschechische Braukunst, Verzehrlust und Gerstensaftkommunardentum schreiben will, muss sich mit Martin Becker messen lassen.

Was viele Leser nicht unbedingt auf dem Schirm haben, ist die Tatsache, dass auch Tschechien ein Staat ist, der aus drei Nationalitäten zusammengesetzt wurde: Böhmen, Mähren und Schlesier. Die Sticheleien – und mehr sind es letztendlich glücklicherweise nicht – zeigen sich vor allem, wenn Böhmen und Mähren aufeinandertreffen bzw. wie es einmal Martin Becker ging, man meint, dass es gar keine Unterschiede gibt. In Brno (Mähren) eckte er ziemlich an als er die Sehnsucht der Brünner nach Prag mit denen der Leipziger nach Berlin verglich. Schlussendlich ging alles gut und der Applaus nach der Lesung war ihm sicher. Doch diese kleine Anekdote zeigt deutlich die Befindlichkeiten im Land.

Tschechien und Prag sind immer eine Reise wert. So phrasenhaft dieser Ausspruch klingt, so wahr ist er und so sehr zeigt er die Notwendigkeit nach einem Buch wie diesem. Als Zusatzlektüre zu einem Reiseband gehört die „Gebrauchsanweisung für Prag und Tschechien“ ebenso ins Reisegepäck wie Neugier und Weltoffenheit.

Styleguide Amsterdam

Styleguide Amsterdam

Quizfrage: Welche Stadt passt nicht in diese Aufstellung? New York – Paris – Rom – Amsterdam. Letztere, in ihr werden keine Trends kreiert, möchte man fast meinen. Doch die Antwort ist falsch! Die Trends werden nur nicht publik gemacht bzw. legt man darauf in Amsterdam keinen gesteigerten Wert. Denn dass Amsterdam hip und trendy ist, beweisen eindeutig die Besucherzahlen. Die holländische Hauptstadt ist wohl die coolste in Westeuropa. Hier werden die Trends gemacht, die weltweit unterschwellig gar nicht als solche wahrgenommen werden. Das wurde es höchste Zeit einen coolen, hippen Reiseband herauszubringen.

„Eat – shop – love it“ – Untertitel und Aufforderung zugleich. Doch zuvor: Lesen und fühlen. Ja, fühlen! Der im wahrsten Sinne einprägsame Einband, der das Grachtenwirrwarr plastisch darstellt, nimmt es vorweg: Hier hält man einen besonderen Reiseband in den Händen. National Geographic, das Magazin, das in jedem noch so bekannten Platz der Welt das Besondere zu entdecken in der Lage ist, zeichnet für die Reihe Styleguide verantwortlich.

Autorin Monique van den Heuvel ist die Stilberaterin in Sachen Coolness, nouvel cuisine á la Amsterdam. Gleich zu Beginn gibt sie dem wissbegierigen Leser – und die Neugier lässt bis zum Schluss nicht einmal nach – ihre Tipps für einen 24-Stunden-Tag in Amsterdam mit auf den Weg. Ob man nun auf ihren Pfaden wandeln will oder doch den einen oder anderen Tipp den ihren vorzieht, bleibt jedem selbst überlassen.

Handgemachte, dadurch einzigartige Mitbringsel für die, die „nur“ das Buch lesen durften, außergewöhnliche Restauranttipps, Schnäppchenmode aus so ziemlich jeder Epoche – Amsterdam ist für den modernen Reisenden eine echte Herausforderung und eine goldige Fundgrube. Viele der in diesem Buch vorgestellten Läden, Bars und Hotels stehen in keinem Prospekt des Tourismusbüros. Es sind also echte Geheimtipps, die selbst die Amsterdamer kaum kennen. Oder besser gesagt, die nur die hippen und coolen Amsterdamer kennen. Wenn man so will, ist dieses Buch der gedruckte Beweis, dass Integration, und sei es auch nur für einen Kurztrip, möglich ist. Die Integrationsbeauftragte für das lebensfrohe Reisegrüppchen moderner, neugieriger Amsterdam-Besucher ist die Autorin selbst. Sie interviewt die kreativen Köpfe und fördert so das Geheimnis der trendigen Hauptstadt der Niederlande zu Tage.

Einen Haken hat das Buch: Wer sich nur an dieses Buch hält, könnte Gefahr laufen sich eine Unterkühlung zuzuziehen. So cool, so umfassend, so anschaulich bebildert war Amsterdam noch nie!

Schicksalsorte der Deutschen

Schicksalsorte der Deutschen

Beim Lesen des Titels hat jeder seine eigene Meinung und eigenen Vorstellungen. Auf Anhieb kann man sicher ein oder zwei Hände voll Orte nennen, die in der Geschichte Deutschlands, der Deutschen eine entscheidende Rolle spielten. Aber fünfundfünfzig? Da braucht man schon ein paar Stunden zum Nachdenken. Und genau so lange dauert es auch das Buch zu lesen. Vorteil Buch: Hier wird auch gleich noch das entsprechende Basis- und Hintergrundwissen vermittelt.

Bei oberflächlicher Betrachtung des Umschlages kann manches erahnt werden: Ein kräftiger Kerl mit Flügeln an der Kopfbedeckung auf ‘nem Pferd, in schwarz-weiß, ist wohl schon etwas älter. Schlachtengetümmel, in Farbe. Eine Kirche, in die die Massen geordnet einziehen, sehr feierlich. Ein Haus mit beleuchteten Balkons. Und – das erkennt jeder sofort – das Brandenburger Tor. Von oben, links hinten fotografiert, sieht man auch nicht allzu oft. Jetzt geht das Rätselraten los. Es bleibt einem nichts anderes übrig: Man muss das Buch aufschlagen. Und schon ist es passiert! Man blättert, liest ein paar Zeilen und kommt nicht mehr los.

Zuerst sucht man natürlich nach der Auflösung der Titelrätsel. Brandenburger Tor ist klar: Mauerfall. Die Balkons gehören zum Bauhaus in Dessau. Die Kirche ist die Paulskirche in Frankfurt, wo 1848 erstmals ein deutsches Parlament tagte. Das Schlachtengetümmel gehört zur Tannenberg-Schlacht, in dem im Sommer 1410 der Deutsche Orden eine vernichtende Niederlage hinnehmen musste. Und der wohlgenährte Herr mit den Flügeln am Helm ist Arminius, wie man sich ihn im 19. Jahrhundert vorgestellt hat. Rätsel gelöst, aber noch immer warten fünfzig Schicksale auf ihre Entdeckung.

Schon allein die kleine Auswahl des Bilderrätsels vom Cover zeigt, dass es in diesem Buch nicht nur um Schlachten und Kriege geht. Friedliche Revolutionen auf politischer Seite stehen kulturellen Neuerungen wie dem Bauhaus gegenüber. Die Völkerschlacht bei Leipzig der ersten deutschen Eisenbahnfahrt zwischen Nürnberg und Fürth. Oder die Schlacht von Verdun dem Wunder von Bern.

Jedem Ort, an dem deutsche Geschichte geschrieben wurde oder Deutsche Geschichte schrieben, und diese bis heute nachhallt, geben die Macher des Buches den passenden Rahmen und füllen die vorhandenen Wissenslücken. „Schicksalsorte der Deutschen“ ist ein Lese- und Bilderbuch, das man gern immer wieder zur Hand nimmt. Stück für Stück nähert man sich der Geschichte und sieht die Gegenwart mit anderen, wissenden, Augen. Ansprechend gestaltet und informativ – das beste Argument, um dem staubtrockenen Geschichtsunterricht Lernfreude entgegenzusetzen.

Könnten Sie Deutsche(r) werden?

Könnten Sie Deutscher werden

Das brisanteste Spiel des Winters! Der deutsche Einbürgerungstest als Spiel. 300 Fragen, die jedem, der die deutsche Staatsbürgerschaft erlangen will, begegnen können. Denn aus diesen 300 Fragen werden jeweils 33 Fragen ausgesucht, von denen 17 richtig beantwortet werden müssen. Hinzu kommen noch zehn Fragen, die von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sind. Für jemanden, für den Deutsch eine Fremdsprache ist nicht die leichteste Art sich zurecht zu finden. Doch auch so mancher Einheimischer kommt bei der einen oder anderen Frage ins Grübeln. Garantiert!

Und wie im richtigen Leben gibt es auch auf dem kreisrunden Spielfeld kleine Stolperfallen. Wer durch Würfeln auf dem „Reisefeld“ (Nachbarn sind kurzfristig verreist und Sie haben keine Visum) oder auf dem „Zu-Spät-Feld“ landet (zu spät zum Einbürgerungstest erschienen), muss eine Runde aussetzen. Wer jedoch auf dem „Bonusfeld“ oder dem „Nachbarschaftsfeld“ Quartier bezieht, darf zwei Fragen beantworten bzw. seinen Nachbarn befragen. Wer zuerst – wieder wie im richtigen Leben – 17 Spielkarten auf seinem Stapel hat, darf sich als Gewinner bezeichnen, sprich hat den Einbürgerungstest bestanden.

Schon beim ersten Durchschauen der Karten merkt man, dass es gar nicht so leicht ist sich mit deutscher Kultur, deutschen Gepflogenheiten und Regeln und Rechten auszukennen. Als „gelernter Deutscher“ sollten die Fragen eigentlich kein Problem sein. Doch die Realität sieht anders aus. Die Fragen reichen von Geschichtswissen über den strukturellen Aufbau der Bundesrepublik bis zu Fragen des Grundgesetzes.