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Skandale in Berlin

Skandale in Berlin

Skandale und Berlin. Das passt, wenn man sich die aktuellen Ereignisse um den Flughafen betrachtet. Doch Skandale und (und in) Berlin sind keine Erfindung der Gegenwart. Regina Stürickow reist zusammen mit dem bis ans Ende des 19. Jahrhunderts. Schon damals erschreckten underschütterten Skandale die Hauptstadt.

Und zum Beginn gleich eine saftiger Aufreger: Sex im Königshaus! Doch nicht Wilhelm II. und seine Angetraute sind darin verwickelt – naja irgendwie schon, aber erst im Nachgang, also zumindest er, der Kaiser – sondern seine Entourage, der Adel, die Schmeißfliegen, die sich gern im Glanze des Staatsoberhauptes sonnen. In diesem Falle muss es wohl eher heißen: Sich im Glanze des Kaisers suhlen. Es ist Januar im Jahre 1891. Der Grunewald ist schneebedeckt. Er ist der einzig Jungfräuliche in dieser Geschichte. Über ein Dutzend Männer und Frauen treffen sich zu einer, heute würde man Party sagen. Es wird königlich gespeist. Man ist gesättigt und doch noch hungrig. Der Magen ist gefüllt, das Blut in Wallung, und schon ist man in einer wüsten Orgie. Wer mit wem, wie oft, warum, in welcher Konstellation – das war, ist und bleibt verborgen. Doch dass es stattgefunden hat, daran wird jeder einzelne bald und eindringlich erinnert. Denn schon kurze Zeit später tauchen Briefe auch. Briefe an die Teilnehmer. Wer ist denn nun der Übeltäter? Oder ist es eine Übeltäterin. Charlotte von Hohenau soll angeblich hinter den Briefen stecken. Wenn das rauskommt! Oh je. Doch eine weitere Charlotte, die Schwägerin des Kaisers, hat ihre Finger im Spiel. Ihr ist das (liebs-)tolle Leben ihrer Namensvetterin ein Dorn im Auge. Auch der Zeremonienmeister des Hofes von Kotze – wie er wohl die ganze Sache empfindet? – ist verdächtig. Und wird auch angeklagt. Aber freigesprochen. Es kommt zum ersten Duell. Später folgen weitere. Wenn man ihm etwas anhaben will, ist nun der Zeitpunkt gekommen ihm einen Strick zu drehen. Denn Duelle sind verboten. Doch der Kaiser wiegelt ab. Von Kotze wird zwar nicht verurteilt, doch all seiner Ämter enthoben. Außer Spesen nichts gewesen? Nicht ganz. Die Beteiligten, ob nun bekannt oder nicht, haben einen der ersten Skandale produziert. Dank der Skandalpresse – warum verwendet man dieses eindeutige Wort heute eigentlich nicht mehr? Regenbogenpresse klingt so harmlos! – werden auch die Berliner darüber mehr oder weniger detailreich informiert. Heute würde so ein Skandal nur noch zum Schmunzeln taugen. ’Ne Orgie bei Hofe – na und! Lass sie doch!

Und weiter geht der wilde Ritt durch die Geschichte(n) Berlins. Friedrich Ebert in Badehose, Unterschlagungen und Erpressung – alles Histörchen, die heute in Vergessenheit geraten sind und erst durch dieses Buch wieder ans Tageslicht geholt werden. Und einige kommt einem seltsam bekannt vor: Wetten, Bauskandale … Berlin ist halt immer für einen Skandal gut!

„Skandale in Berlin“ ist das Schwesterbuch von „Verbrechen in Berlin“, beide aus der Feder von Regina Stürickow. Mit akribischer Recherche und einer ordentlichen Portion Neugier ist sie den Skandalen, die Berlin und oft darüber hinaus erregten. Sie skizziert die Gesellschaft der Zeit und zeigt somit dem Leser die Parallelen zur Gegenwart auf. Vieles hat sich seit den ersten Skandalen geändert, so manches ist auch heute noch für einen Skandal zu gebrauchen.

Prag

Prag MM-City

Literatur aus Prag – da klingelt bei vielen das Kafka-Glöckchen: Alles irgendwie ein bisschen verschroben, verwirrend, Nichts für Mal-Eben-Zwischendurch-Ein-Paar-Zeilen-Lesen.

Literatur aus Prag – da klingelt bei erfahrenen Reisenden das Michael-Müller-Glöckchen: Klare gegliedert, immer wieder ein paar „bunte“ (im doppelten Sinne – bunte Meldungen bzw. Hinweise, die farbig unterlegt sind) eingestreute Anekdoten, die, wenn man vor Ort ist mit einem Schmunzeln goutiert. Schließlich ist man der Einzige, der sie kennt, weil man eben einen Reiseband aus dem Michael-Müller-Verlag besitzt und gelesen hat. Selbst Einheimischen kann man mit der einen oder anderen Geschichte noch etwas erzählen.

Michael Bussmann und Gabriele Tröger erweisen auch dem großen Meister – Franz Kafka – ihre Ehre, doch nicht indem sie ihren Reiseband als Rätsel anlegen, sondern als wiederkehrenden Part in ihren zahlreichen Spaziergängen durch die Stadt an der Moldau, die sie so kenntnis- und detailreich beschreiben. Prag ist wohl die Hauptstadt der ehemaligen östlichen Hemisphäre, so es sie denn jemals gab oder noch gibt, die am häufigsten von Deutschland aus besucht wurde und wird. Sie ist das Synonym für Tschechien. Die Architektur der Stadt und der teils noch vorhandene rustikale Charme der Jazzkeller, die knatternde U-Bahn-Ansage, dass man jetzt den Hauptbahnhof erreicht („Hlavní nádraži“) sind die prägendsten, im Unterbewusstsein abgespeicherten Eindrücke von Prag. Oder ist es das süffige Bier, das man mit ein „bisschen fester Nahrung“ zu sich nimmt, das Pistazien-Eis am Rathaus schleckt, um dem mittäglichen Figurenspiel zu folgen, gefolgt vom Gewühl in der Masse im Goldenen Gässchen? Egal, wie man Prag wahrnimmt – es war, ist und wird immer eine pulsierende Metropole bleiben.

Apropos touristische Highlights, die „man gesehen haben muss“. Klar, Altstädter Ring, Hradschin und Karlsbrücke gehören zu Prag wie Bier mit Knedlíčky und Braten. Doch Praha nur darauf zu reduzieren wäre ein Frevel, den der Golem postwendend „korrigieren würde“. Denn der Golem wurde der Legende nach von Rabbi Löw in Prag gestaltet und zum Leben erweckt. Babelsberg und Hollywood haben ihm dann später für ein breites Publikum mit allerlei Tricks lebendig gemacht. Und wenn wir schon bei jüdischen Legenden sind, das Jüdische Viertel mit dem leider viel zu oft maßlos überlaufenen Friedhof, lädt trotz aller Massen zum Verweilen und zum Verschnaufen ein. Gleich am Rathaus vorbei, die Kutschen rechts liegen lassen (für einen Fotostopp reicht’s gerade noch, höflich mal nachfragen, ob man mit den Pferden oder in der Kutsche ein schnelles Bild machen darf lohnt sich), halb links halten und schon ist man in einer anderen Welt. Wenn Schulklassen unterwegs sind, wird’s naturgemäß etwas lauter. Doch das Erinnerungszentrum sorgt schon für eine angemessene Lautstärke. Wem’s trotzdem zu laut ist, der kommt eben später noch einmal vorbei. Sollte man auch.

Eine Millionenstadt wie Prag birgt natürlich eine Menge Schätze in sich. Doch die Prager verstehen es die wahren Schätze zu behüten und nicht so stark nach außen zu tragen wie die Offensichtlichen: Das Brauhaus U flekú war schon vor Jahrzehnten die personifizierte Wiedervereinigung. Hier feierten in entspannter Atmosphäre Bielefelder und Münchner mit Leipzigern und Rostockern… Lokalkolorit ist heute hier nur noch sehr wörtlich zu nehmen. Einheimische sind in der Minderheit, dafür ist der Bierpreis hier doppelt so hoch. Da geht man lieber ins Containall. Hier stehen zwei Container. In dem einen wird ausgeschenkt, was man im anderen wieder entsorgen kann. Ist urig und typisch Prag.

Dieser Reisebegleiter muss mit – egal wie. Knapp dreihundert Seiten, vollgestopft mit dem Prager Leben. Wer das Gewicht reduzieren will, kann sich – Achtung jetzt kommt’s! – kostenlos das Buch aufs Smartphone laden. Einfach den QR-Code scannen und dem in der ersten Umschlagseite angezeigten Code eingeben und schon ist man Prag-Reisender mit Spezialkenntnissen. Ob als Familie, als Single oder in der Gruppe. Ob als Kulturschnüffler, Feierbiest oder Spaziergänger. Ob als Architekturliebhaber, Leckermäulchen oder Geschichtsfanatiker. Prag zeigt gern was es hat. Oft muss man suchen, um das Richtige zu finden. Oft werden einem Sachen als Geheimtipp  angeboten, die eh auf der Hand liegen. Ob man dieses Buch in gedruckter oder digitaler Form nutzt, ist jedem selbst überlassen. Prag sich selbst überlassen, wäre unklug. Besser man hält sich an jemanden, der sich damit auskennt. Und das sind zweifelsohne Michael Bussmann und Gabriele Tröger. Schon beim ersten Durchblättern kann man eine erste Route ohne Probleme zusammenstellen. Mit allem Drum und Dran: Vom Aha-Erlebnis für die Augen – Architektur, auch verborgene Objekte – über die notwendige Wegzehrung – Bier gilt als Grundnahrungsmittel, der Braten als Beiwerk – und Museumsbesuche, Spaziergänge und Ratsmöglichkeiten bis hin zum chilligen Ausklang eines erlebnisreichen Tages – bei Gegrilltem und wie soll es anders sein Bier.

Man weiß gar nicht wo man zuerst hinschauen soll, ins Buch oder auf Prag. Im Zweifelsfall natürlich immer auf das Original…

Gebrauchsanweisung für Zürich

Gebrauchsanweisung für Zürich

Den Ruf als teuerste Stadt der Welt hat Zürich verloren. Den Ruf als eine der schönsten, lebenswertesten nicht. Wie auch, wenn es solche Bücher über die Stadt gibt?! Milena Moser ist hier geboren und aufgewachsen. Mittlerweile liegt ihr Lebensmittelpunkt woanders, doch immer wieder zieht es sie für mehrere Wochen in ihr Zürich zurück. Es ist dann jedes Mal wie der Besuch bei Tante Turica. Allgemein ist Zürich wie Tante Turica, so der alte Name der Stadt.

Und nun darf sich der Leser zurücklehnen und den Besuchen bei der Tante lauschen. Hinhören, ausgiebig schwelgen, vom Reisefieber gepackt werden ausdrücklich erwünscht. Jeder einzelnen Zeile merkt man die Liebe der Autorin zu ihrer Heimatstadt an. Dabei sieht sie aber nicht nur die Dinge, die „man gesehen haben muss“, immer noch kritisch, mit den Augen einer Außenstehenden mit Insiderwissen verführt sie den Leser Zürich zu entdecken.

Klar, Zürich ist teuer. Doch muss man ja nicht immer gleich einen Schtutz oder mehrere rausblasen, um eine Stadt zu genießen. Schtutz sagen die Einheimischen zu ihrer Währung. Wer Fränkli sagt, gibt sofort seine Herkunft preis. Milena Mosers Reise beginnt am Bahnhof. Wie in vielen Großstädten der Sammelpunkt für alle, die irgendwie irgendwelchen Träumen nachhängen. Ein Sammelbecken der Nonkonformierten. Über die Bahnhofstraße, dem Konsum-Mekka, gelangt sie zum See, dem Herzen der Stadt. Und damit ist die Stadt schon erstklassig beschrieben. Hier liegt das komplette Spektrum der Träume auf engstem Raum.

Als Leser hat man nun zwei Möglichkeiten: Weiterlesen und sich nach der Stadt verzehren oder Koffer packen, Buch einstecken und ab an die Limmat. Selbst die oft lieblos beschriebene Geschichte einer Stadt, gerät bei Milena Moser zu einer launischen Anekdote. Mit allem, was dazu gehört: Abgeschlagene Köpfe, wehrhafte Ritter und der Wankelmut der Züricher. Ja, die Autorin blickt nicht durch die rosarote Brille auf ihre Geburtsstadt. Als Gast fallen einem nur die Ergebnisse auf. Der steinige Weg mit all seinen Schikanen, Haken und Ösen bleibt den Stadtbewohnern vorbehalten. Das ändert dieses Buch. Erst mal dagegen sein, scheint das Credo der Züricher sein. Dass es dann doch mit dem einen oder anderen Projekt klappt, freut schlussendlich auch die anfänglichen Skeptiker.

Zürich gibt sich nicht gern preis. Jeder Besucher muss für sich selbst entscheiden wie er die Stadt sich aufnehmen lässt. Klischees sind dazu da auf sich aufmerksam zu machen. Bücher wie die „Gebrauchsanweisung für Zürich“ sind dazu da die Seele einer Stadt zu absorbieren und einen Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Es gibt keinen besseren Stadtführer als Milena Moser. Sie verrät nicht nur zwischen den Zeilen, was Zürich so lebenswert macht und wie man es „gebraucht“.

50 Dinge, die ein Wiener getan haben muss

50 Dinge die ein Wiener getan haben muss

Sich einmal so fühlen wie ein Wiener, die Stadt genauso gut kennen wie die Bewohner der Stadt an der Donau. Als Tourist hat man meist nur das im Auge, was Prospekte groß ankündigen: Hofburg, Kunsthistorisches und Stephansdom. Doch selbst die Wiener kennen ihre Stadt meist nicht so gut wie man meint.

Bleiben wir beim allgemein sichtbaren Wahrzeichen der Stadt, dem Steffl, oder Stephansdom. Ein imposantes Gebäude, ohne Zweifel. Von da aus die der Stadt „auf den Kopf spucken“, ist nur wenigen vorbehalten. Arbeitern, die das Dach instandhalten, zum Beispiel. Nicht nur. Denn in den Sommermonaten, samstags, ab 19 Uhr, bei schönem Wetter, kann man den Dachboden besichtigen und … in der Dachrinne „spazieren gehen“. Ja, das geht tatsächlich! Die Rinne ist kein handelsübliches Blech von ein paar Zentimetern Breite, einen halben Meter ist sie breit. Damit nichts passiert, ist sie mit Balustrade umzäunt. Zehn Euro kostet das einzigartige Vergnügen, das selbst nur wenige Wiener überhaupt kennen. Dieser Geheimtipp bildet den Auftakt zu neunundvierzig weiteren Dingen, die man in Wien erleben kann. Egal, ob man nun Einheimischer oder Gast ist. Und was für Wiener gut ist, muss für die Besucher der Stadt ja nicht schlecht sein.

Die Autoren Alexandra Gruber und Marliese Mendel geben dem Begriff „Geheimtipp“ einen ganz besonderen Glanz. Die kokettieren nicht mit dem abgedroschenen Klischee des Geheimtipps, sie zeigen sie auf, führen den Leser an sie heran und können sich der ewigen Dankbarkeit der Leser sicher sein.

Wer durch Wien schlendert – hetzen ist keine gute Idee in einer Stadt, die derart viel Kultur zu bieten hat – hat sie bestimmt schon bemerkt: Die Schlange vor der Staatsoper. Meist schon in den frühen Morgenstunden. Und das fast täglich in der Saison von September bis Juni. Klar, die stehen alle nach Karten an. Und jeder bekommt nur eine. Warum? Sie warten auf Stehplatzkarten. Die kosten nur ein paar Euro und garantieren Operngenuss auf höchstem Niveau. Wer eine Karte ergattert hat, stellt sich gleich in der nächsten Schlange an. Denn es geht bald los.

Unterirdisch, ebenerdig und überirdisch sind die Tipps, die in diesem Buch dem Leser offeriert werden. Selbst bei dem eher nicht so preiswerten Julius Meinl, einem der edelsten Kalorientempel Wiens, kann man sich mit einem nicht ganz so prall gefüllten Geldbeutel kulinarisch verwöhnen lassen.

Ein Teil des Autorenhonorars wird an das unbegleitete Mädchen im Haus Ottakring gespendet, einer Einrichtung für Mädchen im Alter von 14 bis 18 Jahren, die ohne Eltern auf der Flucht waren.

CityTrip Danzig

Danzig

Wer Richtung Osten reist, wird jedes Jahr aufs Neue überrascht wie schnell sich Städte und Umland verändern. Danzig war nach der Wende eine der ersten Städte, die man wegen ihrer geografischen Nähe unter die Lupe genommen hat. Hier wurde schon immer Geschichte geschrieben, die über die Grenzen hinaus ihre Wirkung zeigte. Danziger Werft, Westerplatte und der Dom gehören zum festen Programm einer jeden Stadterkundung. Doch darüber hinaus hat die Stadt an der Ostsee noch eine ganze Menge mehr zu bieten. Mehr und Meer!

Der Reiseband beginnt gleich mit den wichtigsten Informationen für alle, die nur mal eben schnell die Stadt besuchen. Drei Tage sind nicht viel für Danzig. Deshalb ist es umso wichtiger nichts auszulassen. Ein farbig unterlegter Kasten zeigt an, was es nur hier und nirgendwo anders gibt. Bernstein ist eines der unerlässlichen Mitbringsel, die ins Reisegepäck gehören. Wer zuvor das Bernsteinobjektiv und den Bernsteinaltar bewundert hat, ist sofort in den Bann gezogen. Wer sich ihm doch entziehen kann, hat dieses Buch auch einige Tipps parat, um echtes Danziger Flair für die Daheimgebliebenen sich einpacken zu lassen. Am bekanntesten dürfte wohl das Danziger Goldwasser sein.

Die Autoren Anna Blixa und Martin Brand machen es dem Neugierigen nicht einfach die Stadt zu erkunden. Soll man als Genießer, als Kauflustiger oder Kunstsinniger Danzig entdecken? Auf jeden Fall ist man gut beraten dieses Buch immer dabei zu haben. Von Tipps für die typisch polnische Einkehr über erholsame grüne Oasen bis hin zur geruhsamen Nacht haben die beiden alles recherchiert, was man benötigt, um in Danzig die schönste Zeit des Jahres zu verbringen, egal wie lange sie nun dauert.

Die Ostseelage bietet es geradezu an, dass man auch auf dem Seeweg die Stadt in den Fokus rückt. Oder sich umgekehrt den Seeblick am frühen Morgen gönnt. Extratipps befinden sich in den einzelnen Kapiteln und sind gelb unterlegt.

Beim ausgiebigen Frühstück (mit Seeblick natürlich, am besten im Restauracja Cała Naprzód, gefunden auf Seite 43) kann man dann im Buch blättern und mit dem beiliegenden herausnehmbaren Stadtplan die Route für den Tag festlegen. Das handliche Buch gehört einfach ins Ausflugsgepäck. Er passt locker in die Gesäßtasche und ist so immer zur Hand. Praktische Tipps und Hinweise auf die Besonderheiten der Stadt lassen es allerdings kaum zu ihn zu verstauen. Es gibt so viel, was es zu entdecken gibt. Die kurzen Texte geben die Richtung vor, schauen muss man schon selber. Und staunen!

Wer doch nicht auf die elektronische Handfessel verzichten will, kann über den abgedruckten QR-Code den Mini-Audiotrainer verwenden, Danzig von oben betrachten, die Routenführung planen und Infos erhalten, die bei Redaktionsschluss noch nicht vorhanden waren.

Tierspuren – Scout Natur

Tierspuren

Da streift man nicht ahnend durchs Grün und plötzlich sind da fremde Spuren. Für Schuhe zu filigran. Für Reifenabdrücke nicht durchgehend genug. Ein Waldbewohner war’s! Doch welcher? Da wäre es nützlich ein kleines handliches Nachschlagewerk zu haben, das die eine oder andere Spur erklären kann. So um die acht mal dreizehn Zentimeter reichen da vollkommen aus, um den Gefährten, der hier vor gar nicht allzu langer Zeit den Weg gekreuzt hat.

Wer vorgesorgt hat, kann jetzt an seinen Gürtel greifen, den Karabiner lösen und „Tierspuren“ aus der Scout-Natur-Reihe zu Rate ziehen. Die einzelnen Blätter sind praktischerweise reiß- und wasserfest und in Spiralbindung zusammengefasst. Ist der Naturbursche identifiziert, verrät der darunter stehende Text etwas mehr zu dem Tier, das man zwar verpasst hat, aber dessen Spuren mal entdeckt hat.

Siebenunddreißig solcher Steckbriefe erleichtern die Spurensuche in der näheren Umgebung. Nicht nur im Wald gibt es Tierspuren zu entdecken. Immer öfter trifft man auch in der tierunfreundlichen Stadt das eine oder andere Tier, das man hier gar nicht vermutet.

Die Illustrationen sind so täuschend echt, dass man mit offenem Auge auch das Original sofort wieder erkennt. Genauso wie auch die Unterkunft der abgebildeten Tiere oder etwa eine so genannte Fraßspur wie bei der Feldmaus. Denn auch die gehören zu den besprochenen Spuren, die Tiere hinterlassen und bei Entdeckung für helle Freude sorgen.

Wer sich in den Wald traut, verliert mit dem angehängten Kompass nie die Orientierung.

Weihnachtsgeschenke aus der Küche

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Jedes Jahr dieselbe Frage: Wie beschenke ich meine Liebsten? Es soll was Besonderes sein. Denn die Beschenkten sind es auch. Selber basteln hat immer einen Hauch von „Gewollt und nicht gekonnt“. Was dann? Weihnachten ist auch die Zeit, in der der Backofen in die Knie zu gehen droht. Es ist die Zeit, in der zigfach Weihnachtsbäckereien aus dem Boden sprießen. Sabine Fuchs und Susanne Heindl nehmen denen, die Angst davor haben zu backen, deren Backofen seit Jahren wie geleckt aussieht, weil er maximal zum Pizzabacken benötigt wird. Und deren Herd sonst nur Tütensuppen „kreieren“.

Das „mh“ statt „danke“ weicht von nun an einem „mmmhhh“ wie „Mehr davon, wann ist wieder Weihnachten?“. Bei Rezepten mit so wohlklingenden Namen wie Feuerpflaume, Kumquat-Chutney oder Chili-Parmesan-Plätzchen weiß jeder, dass er mit diesem Buch die richtige Wahl getroffen hat.

Mal ordentlich was Originelles aufs Brot mit Orangenaufstrich mit Kardamom. Oder außergewöhnliche Saucen wie Mangoketchup, Korianderpesto oder eine selbstgemachte Senfsauce. Wer‘s würziger mag, der wird sich sofort daran machen sein eigenes Rosmarin-Salz mit Orangenaroma zusammenzustellen.

Schleckermäulchen können sich kaum noch beherrschen, wenn Fuchsplätzchen in den Ofen geschoben werden oder weiße Kokos-Schokocrossies aufgeschlagen werden. Zum Knabbern gibt’s anschließend Röte-Bete-Chips und Zimt-Apfelscheiben.

Die Küche sieht wie ein Schlachtfeld aus. Mit immer noch höher schlagendem Herz sucht man den passenden Ort für dieses kleine Büchlein, das so Viele glücklich machen wird. Stellt sich noch die Frage: Wie soll man das alles weihnachtlich verpacken? Auch hierfür haben die beiden Autorinnen einiges parat. Am Ende des Buches sind einige Etiketten abgebildet. Kopieren ausdrücklich erwünscht! Nun nur noch ausdrucken, aufkleben und sich ein Lächeln abholen. So einfach geht Freude schenken!

Buchhandlung zum Goldenen Buchstaben

Buchhandlung zum goldenen Buchstaben

Eine Buchhandlung war, ist und – hoffentlich – bleibt ein Ort der Erinnerung und der Fantasie. Es ist der einzige Ort der Welt, an dem man ungestraft Träume kaufen kann. An den meisten dieser Traumverkäufer scheiden sich heutzutage eher die Geister als dass sie sich dort treffen. François Loebs Buchhandlungen in diesem Buch sind zweifelsohne der Sammelpunkt für Feingeister, witzige Geister und geistreiche Individuen.

Schon in der ersten Kurzgeschichte wird man in der Zeit zurückversetzt. Es gibt einen Informationstresen. Dort stehen die Neugierigen, nicht Kunden, Schlange. Sie wollen sich informieren lassen. Jemand hat eine Frage, sucht nach einem Buch, dessen Titel er noch gar nicht kennt, aber das Thema kann er benennen. Er erhält Auskunft und schaut dann selber, ob das Buch ihm gefällt oder nicht. Klingt nostalgisch, aus ferner Zeit, spielt aber in der Gegenwart. Der Buchhändler als belesenes Orakel für die intimsten Wünsche der Leserschaft. Ganz ohne Bits und Bytes…

Doch auch die Buchstaben selbst, die die Seiten füllen und Leser weltweit in ferne Galaxien entführen, haben so ihre liebe Not. Sie haben ihre eigene Hackordnung, weiß François Loeb zu berichten. Ein edles E gibt sich beispielsweise nicht mit einem ordinären kleinen C ab. Ein O wird sich niemals mit der Rolle als 0 zufrieden geben. Das Ergebnis dieses Buchstabensalats: Kein Leser kann mehr die sinnstiftende Ordnung des Buches erkennen. Da ist auch der Buchhändler am Ende seines Lateins…

Die kurzen Geschichten lassen den Leser schmunzeln. Bücher als Hauptakteure eines Buches. Sie sind eine der wenigen Konstanten im kulturellen Leben der Menschen. Wer Bücher liebt, wird dieses Buch in Ehren halten. Als Zugabe, als Appetitanreger kann der Leser anderen Bücherfreunden mit der einen oder anderen Geschichte eine Freude machen. Denn einige Geschichten kann man per QR-Code scannen und als pdf-Datei runterladen, verschicken, Freude machen oder einfach immer dabei haben. Die Bücher werden flügge. Kleine Appetitanreger, die den erfreuten Empfänger (und er wird erfreut sein, garantiert) animieren mehr zu fordern.

Egal, ob sich streitende Buchstaben, Garantie einfordernde Kundinnen oder blutbefleckte Seiten: Françios Loeb war selbst Buchhändler. Ob er all das selbst erlebt hat…?

50 Erdschätze, die unsere Welt veränderten

50 Erdschätze, die unsere Welt veränderten

Wenn beim Spazierengehen ein Elternteil tönt: „Lass das liegen! Das ist schmutzig!“, lächelt man über den Entdeckergeist von so manchem Nachwuchs. Er macht das, was schon seit Anbeginn der Menschheit getan wird: Dinge aus dem Boden holen. Sie sichtbar machen. Ihnen einem Zweck zuführen. Eric Chaline hat – nach „50 Tiere, die unsere Welt veränderten“ – sein Augenmerk auf die Erdschätze gerichtet.

Der Einband verrät schon so einiges, was den Leser erwartet: Gold, Schwefel, Bimsstein. Edelmetalle und besonders Edelsteine faszinieren seit jeher die Menschen durch ihre optische Strahlkraft. Ihr materieller Wert ist der Seltenheit und der Schwierigkeiten beim Abbau anhängig. Man stelle sich vor, das statt Schotter und Kies Gold auf den Wegen liegen würde. Kein Mensch würde sich Straßenbelag an den Finger stecken oder in der Bank deponieren.

Es sind nicht nur die seltenen – sehr teuren – Spekulationsobjekte, die unser Leben veränderten und es noch immer tun. Lehm, Kohle und sogar Sand sind elementar wichtig für unseren Alltag. Alles, auf dem wir uns bewegen, mit dem wir tagein, tagaus zu tun haben, kommt irgendwie aus dem Inneren der Erde. Sie traten freiwillig ans Tageslicht oder wurden teils unter schwersten Bedingungen an die Oberfläche befördert.

Eisen ist ein Stoff, der in der jüngeren Vergangenheit so komplex wie etwas anderes genutzt wurde. Veredelt als Edelstahl (wie soll er denn sonst heißen?!) ist er Hauptbestandteil der meisten Küchen. Steakliebhaber schwören auf ihre „Gusseiserne“. Paris ohne Eisen? Unvorstellbar, dass der Eiffelturm aus einem anderen Material gefertigt wäre. Die industrielle Revolution wäre ohne Eisen ein Stürmchen im Wasserglas gewesen. Nein, sie hätte nie stattgefunden.

„50 Erdschätze, die unsere Welt veränderten“ ist ein Aufmerksammacherbuch. Viele Stoffe, Metalle, Dinge nehmen wir als gegeben hin und sind erstaunt, wenn wir darüber nachdenken, wie viel in den vergangenen Jahrtausenden schon geschaffen wurde. Wenn man dann noch einen Schritt weitergeht, kann man sich zusammenreimen, dass noch lange nicht alles erforscht ist und es noch jede Menge gibt, was in der Erde schlummert und darauf wartet an der Oberfläche für Veränderungen zu sorgen. Dieses Buch ist eine weitere Entdeckung. Es liest spannend wie ein Krimi, ist lehrreich wie ein guter Lehrer und exzellent illustriert.

Die schönsten Weihnachtsbräuche

Die schönsten Weihnachtsbräuche

Eine neue Spielekonsole, das neueste Smartphone, elektronische Gadgets – Weihnachten wirft seine Schatten voraus. Immer ausgefallener – meint so mancher – sind die Wünsche, die es zu erfüllen gibt. Doch eines bleibt: Die Tradition Weihnachten zu feiern. Die Rituale hat jede Familie selbst erarbeitet. Und die bleiben! Trotz aller Neuerungen.

Da ist der kinderaugenverzückende Adventskalender. Vierundzwanzig Mal Spannung und unbändige Freude. Manch einer kann davon auch als Erwachsener nicht ablassen. Besonders, wenn die Oma diesen so liebevoll gestaltet hat. Adventskränze spenden nicht nur ein heimeliges Licht und Wärme, sie sind die Vorboten des Festes schlechthin. Oder das alljährliche Weihnachtsbaumschmücken, was wohl nur in Comedysendungen im Chaos endet.

Achtzehn Bräuche werden in diesem Buch vorgestellt. Viele kennt man und zelebriert sie auf eigene Art. Doch einige sind den meisten unbekannt. Wie der blühende Barbarazweig. Am 4. Dezember schneidet man Kirschzweige vom Baum und stellt sie in eine Vase. Blühen sie bis Weihnachten, hält das Glück ein Jahr an. Der 4. Dezember ist der Namenstag der Heiligen Barbara, die für ihren Glauben in den Kerker gesteckt wurde. Am Tag ihrer Hinrichtung blühte der Zweig.

Einen Tag später werden die Schuhe geputzt, damit am Sechsten der Nikolaus seine Geschenke darin ablegt. Wiederum eine Woche später, am 13., feiert man vor allem noch in Schweden und anderen skandinavischen Ländern das Lucia-Fest. Lucia lebte um 300 herum in Italien und besuchte an diesem Tag die Verfolgten Christen. Heute schreitet ein weißgewandetes Mädchen mit einem Kerzenkranz auf dem Kopf vor einer Gruppe Kinder und singt Weihnachtslieder.

Auch das Schlendern über Weihnachtsmärkte ist ein Brauch. Was man bei so manchem Besucher, der kurz vor Feierabend fröhlich lallend noch einen „lühwei .. en“ bestellt, nicht vermuten sollte. Diese Märkte sind seit dem 14. Jahrhundert Tradition und mittlerweile ein fester Bestandteil im Tourismusprogramm vieler Städte.

Fast in Vergessenheit geraten, ist die Weihnachtspost. Als Marketinggag wird jedes Jahr das Weihnachtsmanndorf in Finnland von einer Papierwelle erfasst. Doch nur handschriftliche Post erreicht den Weihnachtsmann und erst dann erfüllen sich die Wünsche…

Nicht zuletzt gibt es den Glück verheißenden Brauch des Küssens unterm Mistelzweig. Ursprünglich in Großbritannien verbreitet, findet er auch im Rest der Welt immer mehr Anhänger. Woran das wohl liegt?

Dieses kleine Büchlein regt an Weihnachten immer weiter mit Bräuchen zu verschönern. Es ist das Fest mit den meisten Traditionen. Ein echtes Erinnerungsstück, das allein schon seine nostalgische Aufmachung Erinnerungen jedes Jahr auf Neue zu entdecken. Die ganzseitigen Abbildungen werfen den Blick zurück an eine Zeit, in der man – je nach Alter – bei Oma oder Uroma auf dem Schoß saß und leckere Plätzchen naschte. Sie war es auch, die mit dem Adventskalender Weihnachten schmackhaft machte …