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Europa erlesen – Florenz

Nach Rom ist Florenz sicherlich die Stadt mit der größten Anziehungskraft in Italien. Eine derart prächtige Stadt muss man sich erobern. Von der Piazza Michelangelo hat man sicher den imposantesten Ausblick auf die Stadt, ist aber zu keiner Tageszeit allein und muss die Erhabenheit der Stadt mit allerlei plärrendem Publikum teilen. Und erst in den Straßen und Gassen der Stadt! Kein Quadratmeter, der nicht von Menschen besetzt ist. Keine Ruheort, an dem an sich ein paar Moment Ruhe gönnen kann. Die muss man sich selbst schaffen.

Mit diesem Buch in der Hand – passt in jede noch so kleine Tasche – ist die Ruheoase nur wenige Momente entfernt. Man vergisst den Lärm der Stadt und der durch sie hindurchwalzenden Menschenmassen. Man versinkt in kleinen fiesen Intrigen wie Giovanni Fiorentino, der einen liebestrunkenen Eroberer von seiner Angebeteten angetrieben in ein Fiasko zu stürzen scheint. Sehr zum Leidwesen ihres Gatten…

Florenz ist auch und vor allem die Stadt der Medici. Niccolò Machiavelli war ihr großer Gegenspieler. Ausgerechnet er verhandelte mit den Borgia – die andere Renaissance-Sippe, die mit unerbittlichem Machtdrang aufstieg und sich dort mit noch mehr Gewalt lang, zu lange hielt, um einen drohenden Krieg zu vermeiden. Die Schmeicheleien auf beiden Seiten, aber auch die versteckten Drohungen (heutzutage wird ja gleich offen gedroht und im gleichen Atemzug dementiert) sind eine wahre Pracht, wenn man sich in sie vertieft.

Dieses kleine Lesebüchlein mit Auszügen aus Texten über und aus Florenz ist wie die Stadt selbst eine Zierde. Eine Ruheoase, die einen alles um sich herum verschwinden lassen kann, lässt man sich darauf ein. Ideal, um die Stadt am Arno näher und intensiver kennenzulernen. Und mancherorts erschein die Mysterien der Stadt wie ein offenes Buch vor dem Betrachter. Erholungspause mit Lerneffekt in einem – das gibt’s nicht oft.

Aserbaidschan

Schon mal einen Arm in einen Vulkan getaucht? Oder eine echt nostalgische Eisenbahnreise unternommen, die sich wie eine Zeitreise anfühlt? Oder eine Stadt besucht, die auf wenige Jahre alten Postkarten so gar nichts mehr mit der aktuellen Realität zu tun hat? Lust darauf? Dann ist Aserbaidschan die erste Wahl für den nächsten Urlaub. So weit ist das gar nicht mehr weg. Die paar Stunden Flug – mit einigen Umsteigestopps – sind besser zu verkraften als ein Nonstopflug nach zum Beispiel nach Indonesien.

Drei Autoren haben sich dem nahen Fernreiseziel Aserbaidschan angenommen. Philine von Oppeln, Frank Schüttig und Holger Kretzschmar sind unabhängig voneinander in das Land am Kaspischen Meer gereist und haben mehr als nur meterhohe Kaviartürme gesehen. Aber genossen haben sie diese trotzdem!

Die wohl bekannteste Stadt ist Baku, direkt am Kaspischen Meer. Nicht weil dort vor Jahren der ESC ausgerichtet wurde. Städte am Meer haben immer eine besondere Anziehungskraft. So auch Baku. Schrill glänzende Fassaden an futuristisch anmutenden Wolkenkratzern, gepaart mit ursprünglichen Märkten, auf denen das angeboten wird, was das Land und Meer hergeben. Sprachschwierigkeiten inklusive. Aber wie überall auf der Welt sind die mit einem freundlichen Lächeln, Händen und Füßen schnell aus der Welt geschafft.

Und zum Ausgleich, zur Erholung ab ins Hamam. Doch Vorsicht! Meist ist der Eintritt nur für Männer erlaubt. Frauen haben – zumindest im Ağa Mikayi, im Altstadt-Hamam von Baku nur montags und Freitag Eintritt. Muss man gesehen haben, da es eines der letzten typischen (und vor allem alten) Bäder der Hauptstadt ist. Das ist nur ein Tipp, den man beherzigen sollte, wenn man in Aserbaidschan reist, den man in den zahlreichen gelb unterlegten Artikeln findet. Sie sind das Salz in der Suppe – oder doch der Kaviar auf dem ohnehin schon reich gedeckten Infotisch dieses Reisebandes?!

Aserbaidschan ist ohne Zweifel ein Land, das es gilt erkundet zu werden. Fern genug, um richtig abzuschalten. Nah genug, um nicht tagelange Anreisen einzukalkulieren. Es gibt viel zu sehen, wofür man wissenskundige Erzähler braucht. Und vor Ort eine Reiseband, der einem auch die letzte Angst nimmt, in einer scheinbar fremden Welt sich sicher bewegen zu können. Dieser Reiseband erfüllt jeden Wunsch, auch wenn man ihn noch gar nicht kennt.

Usedom und Wollin

Hier wird Europa Wirklichkeit. Wo bis vor wenigen Jahrzehnten Ost auf Ost traf, verbinden sich heute Osten und Westen auf ganz natürliche Weise. Von Peenemünde bis Dziwnów, von Bansin bis Wolin – Usedom hat schon lange fahrt aufgenommen und präsentiert sich wie eh und je als Sehnsuchtsort für alle, die schon viel von der Welt gesehen haben oder denen die Ostsee näher ist als die Karibik.

Usedom und Wollin – hier gibt’s so einiges im Doppelpack. So gibt es die Insel Usedom als auch die „Hauptstadt“ Usedom. An den nördlichen Ufern sonnt man sich an der Ostsee, im Süden an ruhigen Binnengewässern wie dem Stettiner Haff oder dem Achterwasser

Nur die Kaiserbäder, die gibt’s gleich dreimal. Ahlbeck, Bansin und das berühmte Heringsdorf. Ein Spaziergang entlang der eleganten, eindrucksvollen Villen mit Strandblick entlohnt für so manche Zeit im Stau auf dem Weg in die Sonne. Grażyna und Wolfgang Kling sind die stillen Flüsterer im Vordergrund, die dem Leser/Besucher Usedom und Wollin so nahe bringen, dass man sich schon bei Ankunft wie ein Einheimischer fühlt. Dabei achten sie besonders darauf, dass das Gleichgewicht zwischen dem Offensichtlichen und dem teils Verborgenen gewahrt bleibt.

Dieser Reiseband strotzt nur so vor Informationen. Blau unterlegte Infokästen sind die knackigen Antworten auf kurzfristige Fragen. Zahlreiche Karten erleichtern die Orientierung lassen das Handy dort, wo es im Urlaub hingehört, in der Tasche. Die gelb unterlegten Kästen sind unterhaltsame Wissenslückenfüller, die eine kurze (Lese-) Rast zur wissbegierigen Pause wandeln.

Hier ist alles drin, was diese beiden Inseln so unverwechselbar und so begehrt machen. Das begrenzte Übernachtungsangebot – und das ist gut so, denn wenn hier Bettenburgen die Sicht auf den Horizont versperren würden, wäre Usedom mit einem Mal wie leer gefegt – gepaart mit der Einsicht, dass es „gleich um die Ecke“ ein wahrhaftes Paradies gibt, sind das Pfund, mit die Doppelinsel wuchern kann.

Auf Usedom urlauben, hieß schon immer auf der Sonnenseite zu stehen. Ebenso auf Wollin. Ein Grenzübertritt, der sich gar nicht so anfühlt, ist das beste Zeichen für Zusammenhalt. Und so merkt man auch gar nicht, wenn man im nächsten Kapitel des Buches schon wieder in einem anderen Land ist.

Rügen Hiddensee Stralsund

Man muss alle rügen, die nichts an Rügen finden. Denn die größte deutsche (Urlaubs-) Insel ist ein Füllhorn an Attraktionen. Auch, aber  nicht vor allem wegen Caspar David Friedrich, der in den vergangenen Jahren auch international einen Aufschwung genommen hat wie ihn einst nur Andy Warhol vermelden konnte. Friedrich hier, Friedrich da. Alles so romantisch. Rügen ist es auch. Doch nur zu einem gewissen Prozentsatz und gewiss nicht ausschließlich.

Wer Rügen sagt, meint vor allem Erholung im engsten Wortsinne. Tief einatmen, und wieder ausatmen. Die Meeresbrise aufsaugen. Kraft tanken. Denn wer Rügen erkunden will, braucht Ausdauer. Und einen kenntnisreichen Tippgeber. So wie Peter Höh es ist. Sein Rügen-Reiseband ist ein gigantisches Kleinod und eine Schatztruhe an Erkundungen. Das reicht vom Besuch der ersten Gorch Fock in Stralsund, was geographisch noch nicht zu Rügen zählt. Aber ohne Stralsund und Brücke und damit verbundenen Wartezeiten ist Rügen nur eine Insel. Und es endet noch lange nicht an den Kreidefelsen (Hallo, Caspar David Friedrich!). Und einfach nur faul am Strand von Glowe rumliegen, ist auch nicht Rügen total. Ein Kurkonzert in Binz? Reicht auch noch nicht für das Komplettpaket Rügen. Ja, was ist es nun das Komplettpaket Rügen?

Knapp dreihundertfünfzig Seiten, 30 Ortspläne, Routenvorschläge, auch fürs reisen mit Kindern oder auf dem Drahtesel, über einhundert Fotos – kurzum: Dieser Reiseband ist das Komplettpaket Rügen.

Wer hier so manchen Sommerurlaub in der Kindheit verbrachte und schon seit Jahren nicht mehr hier war, der erlebt schon beim ersten Durchblättern sein blaues Wunder. Und das hat erstmal gar nichts mit der Farbe der Ostsee zu tun. Es ist der blaue Himmel, im Zusammenspiel mit eben dieser Ostsee und dem unfassbar umfangreichen Angebot, was man hier erleben kann. Schlösser wie das Jagdschloss Granitz, wo Kinder im Nu zu Schlossherren mutieren oder versteckte Ruheoasen wie … nein, die muss man schon selbst suchen und für sich behalten (einige verrät der Autor dann aber doch) bis hin zu empfehlenswerten Orten, die alle Sinne inklusive Magenknurren bestens bedienen.

Die kaum zahlbaren Tipps für allerlei Machenswerte für groß und Klein nicht gespickt mit Öffnungszeiten, Eintrittsgeldern und den obligatorischen Nennungen der Homepage, wo man die letzten offenen Fragen beantwortet bekommt. Dieses Buch bietet mehr Rügen als jede Internetsuche!

Historische Fälschungen

Fake News – ach, wie schön man das herausbrüllen kann … egal, ob es stimmt oder nicht. Und wenn es dann doch einmal stimmt, will’s keiner hören. Weil die Theorien, die längst widerlegt sind, so herrlich ins Bild passen, das man sich selbst erschaffen hat. Es ist schon ein Kreuz mit der Wahrheit. Emanuela Lucchetti hat sich vier exemplarische Fake News vorgenommen und in ihrem Essay unter die Lupe genommen.

Sie beginnt mit der Konstantinischen Schenkung, die schlussendlich den Machtbereich der Katholischen Kirche bis heute prägt. Hier stimmt nichts. Die Wortwahl hätte schon früher auffallen müssen, ist es aber nicht. Die erste Aufarbeitung wurde nur im evangelischen Umfeld verbreitet – sehr ungünstig, wenn man nur die Gegner mit der Wahrheit versorgt. Vertrauen sieht anders aus.

„Die Protokolle der Waisen von Zion“ sind ein anderes Kaliber. Sie dienen – trotz aller Widerlegungen und Beweise, dass der russische Geheimdienst sie verfasste und verbreitete – mit mehr als willigen Helfern) bis heute als religiös erachtetes Pamphlet für die jüdische Weltverschwörung. Und somit als Legitimation Juden generell skeptisch entgegenzutreten und legitimiert jeden Angriff auf sie. In der aktuellen Situation, in der sich der israelische Präsident Netanjahu selbst wie ein blindwütiger Hund, der gegen alles beißt, was ihm in den Weg kommt, kein Grund sie weiter zu verfemen. Ein Graus für jeden, der halbwegs geradeaus denken kann!

Für die meisten sind die Lügen, die zum Irakkrieg führten – und somit Tausende in den Tod schickten, Familien zerstörten, Kulturerbe für immer auslöschten – noch gut in Erinnerung. Colin Powell hielt bei einer Rede vor der UNO ein Röhrchen in die Luft, das den Beweis lieferte, dass der irakische Präsident Saddam Hussein massenhaft Vernichtungswaffen parathält. Ausgedachter Unsinn, um ans Öl zu kommen – zugegeben eine einfacher Sichtweise, doch näher an der Wahrheit als das Powells Röhrchen in der UNO.

Wo Krieg ist, stirbt zu erst die Wahrheit. Das erkannte schon Winston Churchill. Und je einfacher die Lüge, desto einfacher ist ihre Verbreitung. In Mittagspausen, auf Schulhöfen, beim Plausch mit Bekannten und Freunden – sie sind überall. Kleine, fiese Lügen, die man ohne groß nachzudenken weiterreichen kann. Und man immer ein bejahendes Kopfschütteln erntet. Man selbst weiß ja wie der Hase läuft. Und die Studierten mit all ihren Theorien, die kein Mensch versteht, können noch so sehr argumentieren: Ich habe recht! Die in diesem Buch vorgestellten Lügen – und nichts anders sind sie!, basta! – sind keine neuen Erkenntnisse. Dass sie komprimiert noch einmal so eindrücklich dargestellt werden – mit aktuellem Bezug – ist das Verdienst des Werkes. Lesen, nachdenken, handeln!

Rigaer Freiheit

Riga Anfang des Jahrtausends. Das Land, Lettland, wird bald schon zur EU und zur NATO dazugehören. Die nächste große Umwälzung. Für einen Studenten wie den Erzähler zählen diese Dinge erstmal nur am Rande. Er kann es kaum glauben, dass er an der Kunstakademie angenommen wurde. Sein neues Leben erfährt eine für ihn viel wichtigere Umwälzung. Und es ist noch nicht vorbei mit den Veränderungen. Denn er erbt. Nicht unerheblich. Er erbt ein Haus. Ein großes Haus. Ein Mietshaus. An der Freiheitschaussee. Also mittendrin, im Leben. So viel Veränderung muss man erstmal wegstecken. Zusammen mit seiner Omama fährt er zu seinem neuen Besitztum.

Wie alles im Leben so hat auch das Erbe eine zweite Seite. Eine unschöne Seite. Rau, verdorben, echt, aber auch voller Überraschungen. Denn in dem Haus wohnen noch Mieter. Und das schon seit einer gefühlten Ewigkeit. Sie sind dem Haus näher als der neue Eigentümer. Die resolute Omama kennt die Mieter. Sie weiß wer wann wieviel Rente bekommt. Und somit auch pünktlich die Miete zahlen könnte. Könnte, ja. Die Hausgemeinschaft ist ein ziemlich runtergekommener Haufen unzuverlässiger Mieter.

Sie wissen wie man mit dem Vermieter umgeht. Als neuer Eigentümer steht man da erstmal mit offenem Mund da. Oder lässt alles seinen Lauf gehen. Schließlich ruft die Akademie…

Svens Kuzmins wirft ein fades Licht auf eine fade Situation. Antriebslosigkeit und eine sich rasch wandelnde Gesellschaft sind die Treibfedern dieser „Rigaer Freiheit“. Wo einst der Stolz der Nation – schließlich haben sich die drei baltischen Staaten Estland, Litauen und Lettland beeindruckend friedlich von der Sowjetunion getrennt – mit Blumen im Haar und allerlei Gesang nach Außen getragen wurde, fallen hier und da Horden von brutalen Skinheads über das Land herein. Unzufriedenheit, Abschottung und Resignation machen sich breit, wo einst Hoffnung blühte. Das geerbte Haus wirkt wie ein Symbol dieser neuen sich entwickelnden Gesellschaft.

Im Kleinen schiebt der Erbe den „Roadhouse Blues“, schippert auf dem „Ship of fools“ gen Sonnenaufgang, „Waiting for the sun“: Immer wenn er „Morrisons Hotel“ von den Doors auflegt, fühlt er sich wie in einer eigenen Welt.

Mal melancholisch, mal absurd witzig – in diesem Spektrum bewegt sich „Rigaer Freiheit“ von Svens Kuzmins. Da, wo die knallharte Realität auf Hoffnungslosigkeit trifft, hinterlässt sie tiefe Risse. Und darin beginnen Pflänzchen zu blühen, die wie dieses Buch wunderbar strahlen.

oh! Verona

Verona war noch nie einfach nur ein Geheimtipp. Mal Julia an die Brust fassen oder sich im antiken Theater ein grandioses Opernerlebnis gönnen, das ist Verona für die meisten. Doch das kann doch nicht alles sein?! Schließlich wollen die über vier Millionen Übernachtungsgäste bestens unterhalten werden.

Und vor allem verköstigt werden. Risotto kommt hier auf den Tisch. Meistens sogar mit Reis aus der direkten Umgebung. Und dann hat man die Qual der Wahl – dabei kann auch dieses Buch nicht helfen. Bei allem anderen ist „Oh! Verona“ die beste, wenn nicht sogar die einzige Wahl. Diese Qual ist dem Veronabesucher also schon einmal genommen.

Als Ausgangspunkt für die meisten Erkundungen bietet sich das antike Amphitheater an. Es liegt zentral und man immer jemanden fragen wie man dorthin kommt, falls man sich einmal im Straßengewirr verlaufen hat. Und das schon seit zweitausend Jahren! Siebenhundert Jahre ist es her, dass Dante Alighieri nach seiner Flucht aus Florenz hier Asyl fand. Und ihm begegnet man auf Schritt und Tritt. Ideal für ein Sammelspiel: Wie oft trifft man Alighieri während eines Spaziergangs in Verona? Kleiner Trick für alle, die gern schlaumeierisch sich einen Vorteil verschaffen wollen: Mal ins Portemonnaie schauen – Dante ist auf den italienischen Zwei-Euro-Münzen.

Überall in der Stadt findet man eingemauerte Löwenmäuler. Die Löwen sind Symbole der Republik Venedig, die hier lange Zeit die Geschicke der Stadt leitete. Wer will kann einen Denunziationszettel einwerfen. Früher konnte man – aber nur mit Unterschrift – so jemanden eines Vergehens bezichtigen ohne ihm gegenübertreten zu müssen. Anonyme Anzeigen wurden vernichtet – für alle Demokratieverteidiger von heute ein gefundenes Fressen…

Von nicht ganz so geheimen Tipps für Spartickets über Familiengrüfte bis hin zu verdammt alten Graffiti hat Autorin Maria Kampp eine Menge Verona-Safari-Tipps zusammengetragen, die Verona zu einem prall gefüllten Erlebnis machen. Ohne dabei die gehypten Hotpsots außeracht zu lassen. Auch hier weiß sie geneigten Besuchern Rat zu geben. Was aber an dieser Stelle geheimbleibt… psst.

Leere Gräber und Göttinen, architektonische Fundstücke und grandiose Aussichten – man muss ein bisschen suchen, um Veronas Schätze zu finden. Oder man wirft einen Blick in diesen exzellenten Reiseband. Auch für unterwegs bestens geeignet.

Venetien

Auf nach V…, äh Venedig? Verona? Vicenza? Oder dann mal was ohne V? Wie wäre es mit Padua, was eigentlich Padova heißt, also doch wieder ein V. Und wenn man diesen Reiseband vor sich aufgeschlagen liegen hat, bildet er auch ein V. Man kommt einfach nicht herum ums V. Kruzrtipp-Gag: das muss man doch glattweg fünf tage bleiben – fünf = in römischen Ziffern V.

Wie man es nun nimmt, Venetien ist mehr als nur Venedig, wobei das Nur ob der Pracht der Lagunenstadt im Nebel des Staunens verblasst. Verona ist nach der Venedig sicher die bekannteste Stadt der Region. Klar, von hier kommen Romeo und Julia. Balkon gucken, Brust anfassen, fertig. Was wäre aber, wenn Romeo und Julia gar nicht aus Verona stammten?! Sondern vielmehr von zwei Burgen, die ganz dicht an V… Vicenza liegen. Unerhört! Hat Shakespeare geschummelt? Ja, die wahren Wurzeln der beiden unglücklich Verliebten liegen in den Bergen bei Vicenza. Montecchio Maggiore sollte man sich merken, wenn man den Massen-Romeo-Und-Julia-Shakespeare-Must-Visit-Pflichtteil erledigt hat. Das ist nur eine Info aus den zahlreichen gelb unterlegten Kästen, die dem Leser, der gern individuelle und wahrhaft authentisch seine Urlaubsregion erkunden will.

Padua ist nur einen Steinwurf von Vicenza entfernt – so wie Vicenza von Verona. Eine Perle Venetiens. Und as nicht nur, weil auf Instagram eine wahre Flut an chic gestellten Fotos bei strahlendem Sonnenschein der Stadt einen besonderen Glanz verleihen. Während Vicenza als Stadt von Palladio, dem Architekten und Wegbereiter des Klassizismus gilt, ist Padua Giotto-Stadt. Auch er war ein Wegbereiter, für die Renaissance. Ein Wegbereiter für einen Wegbereiter. Padua nennt man auch die bemalte Stadt. Ein gigantischer Freskenzyklus durchzieht die Stadt, nicht unbedingt öffentlich zugänglich, aber dafür gibt es die „padova urbs picta Card“, mit der man zu dem auch noch die öffentlichen Verkehrsmittel kostenlos nutzen kann. Und wenn man einmal dabei ist: Die Universität ist ebenfalls einen Besuch wert. Galileo Galilei hat hier fast zwei Jahrzehnte gelehrt und dabei die Jupitermonde und die Saturnringe entdeckt. So ganz nebenbei hat er die Theorie aufgestellt, dass sich die Erde um die Sonne dreht. Das bekam ihm nicht. Ob man ihn auch im mittlerweile ältesten Sektionssaal der Welt „auseinandergenommen“ hätte?!

Noch ein letzter Satz zum V in Venetien. Vom englischen Kulturkreis ausgehend trat das V seinen Siegeszug als Zeichen für den Sieg (victory, was auch aus dem lateinischen stammt) in die Welt an. Also Zeige- und Mittelfinger gespreizt – Venetien wartet. Und in den verbleibenden acht Fingern hält man dieses Buch.

Zakynthos

Griechenlandurlaub ist fast immer gleichzusetzen mit Inselurlaub. Dabei deckt man unbewusst ein riesiges Areal, das ungefähr mit Rumänien gleichzusetzen ist. Wenn man die Fläche inklusive Wasser betrachtet. Und manch einer kommt ins Schwimmen, wenn er erklären muss, in welchem der vielen Meere er nun gerade urlaubt. Ägäisch, ionisch, kretisch, lybisch – ja, wo sind wir denn nun? Ist vielmals auch egal, Hauptsache Erholung. Unter den Inseln und Inselchen gibt es immer noch und immer wieder versteckte Paradiese, die man erst auf den zweiten oder gar dritten Blick entdeckt. Klar, Santorin, Kreta, Mykonos füllen im Dutzend die Seiten der Prospekte – sofern man dieses noch wälzt. Und irgendwann stößt man auf Zakynthos. Bei alphabetischen Auflistungen folgt eigentlich nur noch Zypern, wenn man im Mittelmeer die Sonne genießen will. Von Zakynthos hört man nichts in den Nachrichten. Allenfalls von Freunden und Kollegen, die dort schon mal waren. Eines ist ihnen allen gemeinsam: Ein Dauergrinsen im Gesicht, weil sie exzellent erholt zurückkehren konnten.

Sabine und Gunther Schwab geht es seit mehreren Jahrzehnten so. Als sie das erste Mal die Insel im ionischen Meer (!) besuchten, kommen sie nicht mehr davon los. Was liegt also näher als gewiefte Sehnsuchtssuchende über „ihre“ Insel einen Reiseband zu verfassen. Mittlerweile gibt es die neunte Auflage. Denn auch Zakynthos verändert sich stetig – meistens zum Besseren.

Wer einmal im Osten der Insel die Black Cave bei Kallithéa besucht hat, fühlt sich komplett wie ein Eroberer, der das Paradies eingenommen hat. Der geschützte Blick aus der relativ kühlen Höhle über die Landschaft bis aufs Meer, ist unbezahlbar. Und wer dort ist, aber nicht weiß wie er zum gleichen Ergebnis kommt, dem geben die Autoren eine Reiseroute an die Hand, die Scheitern unmöglich macht.

Zehn Wanderungen auf der kleinen Insel machen diesen Reiseband zu einem unerlässlichen Begleiter. Antje und Gunther Schwab sind – und das spürt man schon beim Lesen – jeden Meter abgelaufen, um authentisch berichten zu können, worauf man achten muss und was man auf gar keinen Fall verpassen sollte. Ist die reise erstmal gebucht, ist es erste Pflicht dieses Buch eingehend zu studieren. Denn nur faul am Strand liegen, dafür braucht man Zakynthos nicht – auch wenn das hier ebenso erlebnisreich sein kann ist wie eine ausgedehnte Wanderung zwischen knalliger Blütenpracht vorbei an venezianischen Brunnen zu einer Aussicht, die zusätzlich mit einem erstklassigen Mahl gekrönt wird.

Unter den Inseln Griechenlands nimmt Zakynthos eine Ausnahmestellung ein. Und dieser Reiseband strahlt mit der Sonne und den Lesern um die Wette.

Berlin mit der Ringbahn entdecken

Schon mal versucht in Berlin ohne längere Suche einen Parkplatz zu bekommen? Mit viel Glück ist das möglich. Aber eben nicht berechenbar. Und nun will man sich Berlin anschauen. Das Auto steht j.w.d. und man selbst ist damit beschäftigt zuzusehen wie man vorankommt. Erholung sieht anders aus. Dabei ist es doch so einfach. 35 Kilometer in knapp 60 min. Das Zauberwort heißt Ringbahn. Über eineinhalb Jahrhunderte alt, mit Unterbrechungen. Okay, das mit den 60 Minuten ist übertrieben, denn dann sitzt man nur in der S-Bahn und sieht nicht das, was Links und Rechts des Weges zu erkunden ist. Aber es ist möglich.

Dieser Reiseband gehört in jedes Reisegepäck für die Hauptstadt! Einmal im Kreis fahren und die ganze Stadt sehen – das kann man nicht überall. Und vor allem nicht in dem Übermaß. Das geht nur in Berlin!

Das beginnt schon am – nicht originären – Startpunkt. Gesundbrunnen. Dort, wo die Berliner Unterwelten dem Besucher eine Stadt zeigen, die in ihrer Geschichte einiges zu ertragen hatte. Nur zweihundert Meter entfernt. Ebenfalls 200 Meter entfernt: Die Gartenstadt Atlantic. Gleich zu beginn eine Oase der Sinne. Der regierende Oberbürgermeister Eberhard Diepgen wohnte hier. Auch Günther Uecker hatte hier sein Atelier. Am Südkreuz ist es schon gewöhnungsbedürftiger dem Auge „was Schönes zu bieten“. Auf den ersten Blick. Die rote Insel ist mindestens für Hobby-Historiker genauso interessant wie für Eisenbahnfanatiker. Einen erhöhten Platz suchen und schon hat man Fotomotive en masse. Und wer Berliner Geschichte mit Eleganz verbinden will, der sucht die Leberstraße 65. Kurz nach Weihnachten 1901 kam hier der erste und vielleicht einzig wahre Hollywoodstar made in Germany zur Welt: Marlene Dietrich.

Und wir sind immer noch mit der Ringbahn unterwegs. Hopp on hopp off mit den Öffis. Für’n schmalen Taler.

Kirchen, Restaurants, Friedhöfe, Industriedenkmäler, Stadtquartiere – alles nur ein paar Minuten von den Haltpunkten der Ringbahn entfernt. So eine Stadtrundfahrt zieht sich dann gern mal über mehrere Tage. Und immer im Gepäck: Dieser Reiseband. Man muss ja auch nicht nach jedem Abstecher wie ein wilder Stier zur Bahn zurück rennen. Dafür gibt’s den Berlin Marathon…

Wer also Berlin mal janz entspannt jenießn will, der kommt um die Ringbahn nicht herum. Und ebenso ist dann dieser Reiseband unverzichtbar. Jeder Hotspot wird mit Adressangabe, wenn möglich Webadresse, beschrieben, inkl. der Wegstrecke und Laufzeit. Einsteigen, Aussteigen und das Großstadtleben genießen. Manchmal auch wortwörtlich in vollen Zügen…