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Oh! Wandern am Gardasee

Es ist ein wenig frevelhaft, wenn man den Gardasee nur mit Massen, die sich durch die engen Gassen schleppen in Verbindung bringt. Hier im Norden Italiens, wo Berge und Meer eine perfekte Symbiose eingegangen sind, gibt allen Unkenrufen zum Trotz, noch einen oder anderen Ort, an dem man tatsächlich Ruhe genießen kann. Ganz ohne Verkehrslärm, ohne die üblichen Sitzplatzblockierer in Fußballshirts und ohne hektisches Getrappel auf steinigen Pfaden. Man muss allerdings die Füße in die Hand nehmen und so manchen Aufstieg meistern. Als Belohnung winken atemberaubende Aussichten, leckere Mahlzeiten und ewige Erinnerungen.

„Immer diese Aussicht“ ist beispielsweise eine Wanderung überschrieben. So viel Zeit für die lachende Wahrheit muss sein. Und tatsächlich kommt man vor lauter Aussicht auf der Wanderung von Sasso zur Cima Comer kaum vorwärts. Also früh aufstehen und viel Zeit einplanen. Und unterwegs die richtige Abzweigung nehmen. Welche? Autor Peter Righi weiß es ganz genau! Als Belohnung warten ein palazzo con parco und immer wieder Aussicht, Aussicht, Aussicht. 180 Grad, mindestens.

Da fühlt man sich manchmal wie ein Blatt im Wind. Ein Papierblatt. Zumindest, wenn man von Toscolano Maderno nach Gaino wandert. Und zwar durch das Tal der Papiermacher. Exquisite Mitbringsel mit wenig Gewicht inkl.

Oder mal so richtig Geschichte tanken. Dem, der jahrelang Europa auf der Nase herumtanzte selbst mal auf selbiger herumtanzen. Um wen es geht? Na, um Napoleon. Ein ganz besonderer Ort, mit ganz besonderer Geographie. Und Geschichte.

Das „Oh!“ im Titel ist nicht einfach so herausgepurzelt. Es ist eine Buchreihe, die diesen Titel wahrhaft verdient. Natürlich ist der Gardasee eine Top-Destination, unbestritten. Und es gibt unzählige Bücher mit allerlei Geheimtipps. Aber wer per pedes dieses Paradies erkunden will, braucht Erstens keine Gängeli, Zweitens wirklich hilfreiche Tippe, Drittens Kartenmaterial, das aussagekräftig die Route vorgibt, Viertens Standorte zum Innehalten und Fünftens garantiert nicht pfundweise Papier, um von A nach B zu kommen. Oder kurz gesagt „Oh! Wandern am Gardasee“ ist die perfekte Quinte für den neugierigen Wanderer.

Die Welt als Zahl

Na, heute schon addiert, subtrahiert, multipliziert oder gar dividiert? Nein? Aber zumindest doch mit Mathe irgendwas zu tun gehabt. Nein? Wirklich? Fahalsch! Jeder hat heute schon auf sein Smartphone geschaut – das läuft nicht ohne Mathe. Aus dem EINEN Bett gestiegen, sich mit EINER Zahnbürste die – im besten Fall ZWEIUNDDREIßIG Zähne geputzt. Oder sich beim Einkaufen über die ZEHNprozentige Preissteigerung geärgert. Alles Mathe. Es geht nicht ohne. Und der Spruch aus der ACHTEN, das man das alles niemals mehr brauchen wird, ist somit hinfällig. Es geht nicht ohne Mathe, und schon gar nicht ohne Zahlen!

Ian Stewart sieht das genauso. Aber ist Mathematiker – der muss das sagen. Seine Verständnis von der Welt der zahlen, der Zahlen in der Welt geht aber viel weiter als der Benzinpreisvergleich per App. Zum Beispiel beim immer wieder heiß diskutierten Thema Organspende. Was hat das denn mit Zahlen zu tun? Nun, zum Ersten müssen die Werte stimmen. Also, passen das zu spendende Organ und der Empfänger überhaupt zusammen. Zugegeben, kein einfaches Thema. Ian Stewart schafft es aber fast spielerisch die komplexe Rechenaufgabe sehr gut darzustellen und vor allem zu vermitteln. Denn es spielen vielmehr Faktoren eine Rolle als man gemeinhin annimmt. Selbst Mathemuffel werden staunen wie einfach derartige Rechen“Spiele“ sein können…

Schon mal was von secp256k1 gehört? Nicht? Aber die Schlussfolgerung daraus ist in aller Munde. Es geht um Kryptowährung bzw. seine Verschlüsselung. Die Datenkrake, die in unser Portemonnaie greift, um es in zu verschlingen. Reich wird man mit dem Wissen darum allein noch nicht. Aber das Verständnis um die Sensibilität wird geschärft. Und vielleicht die Angst ein wenig … geschürt, gemindert … das muss jeder für sich selbst herausfinden.

Ganz egal wie scharf oder lasch man die Zahlen der Welt sieht – und das hat nun wirklich nichts mit der Unschärfetheorie von Heisenberg (nicht der aus „Breaking Bad“, sondern dem Wissenschaftler, der schon mit 25 Jahren in Leipzig als Professor für theoretische Physik lehrte) – mit jeder Seite, die man umblättert, die man mit wachsender Begeisterung liest, werden Zahlen zu einem sichtbaren Teil unseres Lebens. Zumindest für die, die es sich nie vorstellen konnten. Die, die schon immer von Zahlen begeistert waren, sich der Realität nie verschlossen haben, spenden symbolisch anhaltenden Applaus.

Ian Stewart hat die Zahlen nicht neu erfunden. Sein Verdienst ist es ihnen einen Raum zu geben, in dem man sich wie selbstverständlich bewegen kann.

Das kann immer noch in Wien passieren

Als Wien-Tourist kann man es nur schwer vorstellen, dass hier so etwas wie Alltag einkehrt. Alle paar Meter gibt es etwas zu entdecken, dass es so eben nur hier gibt. Mit großen Augen marschiert man an beeindruckender Architektur vorbei, schaut hier und da mal rein, überblickt von so manchem Hügel die Metropole, berauscht sich in einem der zahlreichen Museen und lässt es sich im Café gutgehen.

Der alltägliche Schmäh ist da nur ein Beiwerk, das man erst bei genauerem Hinhören zu verstehen weiß. Es sind jedoch die Alltagsgeschichten wie in diesem Buch, die den Wien-Touristen vom Wienexperten unterscheidet. Wer also dem Schlangestehen am Café Central oder (noch schlimmer, weil länger) am Sacher nichts mehr abgewinnen kann, wem das Belvedere schon näher ist als die heimische Umgebung, der wird den Wienern mit Genuss aufs Maul schauen. Und wenn’s nicht allzu wianerisch wird, versteht man es … zumindest akustisch. Inhaltlich wird’s da schon ein wenig verzwickter. Doch es gibt Abhilfe.

„Das kann immer noch in Wien passieren“ ist die Allzweckwaffe im Wunderschönfinden des Alltagssingsangs in der Donaumetropole! Denn nicht alles, was so melodisch ans Ohr geflogen kommt, ist mit Liebreiz und Wohlwollen behaftet. Es sind schon deftige Abreibungen, die man allerorten vernehmen kann. Das beginnt bei der familiären Aufarbeitung der eigenen Geschichte derjenigen, die nicht fliehen mussten. Was den Autor dieser Anekdote dazu veranlasst zu bemerken, dass sein Gegenüber zumindest dafür verantwortlich ist, dass seine Familie fliehen musste, wenn sie denn konnte. Starker Tobak, wenn so ein Dialog „zwischen Tür und Angel“ stattfindet.

Diese Alltagsgeschichten sind gespickt mit Perfidität, laissez-faire und einer ordentlichen Portion Schärfe und Wortwitz. Oberflächlich eine schonungslose Abrechnung mit der hauptstädterischen Arroganz gegenüber allen von außerhalb. Doch in der Tiefe liegt der wahre Schatz dieses Buches vergraben.

Nicht alles, was scharfkantig ist, verletzt. Als Trostpflaster kann man dieses Buch ebenso verstehen. Denn wird vorbereitet ist, entgeht so manchen Verbalscharmützel. Zartbesaitete können in Wien schnell unter die Räder kommen, wenn sie sich nicht bewusst sind, dass nicht alles so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird. Und in Wien kocht man sehr heiß – also verbal. Als Zusatzlektüre für den einen oder anderen Reiseband ist dieses kleine Büchlein, das sich mit Macht gegen übertriebene Korrektheit wehrt, unverzichtbar. Und mit diesem Buch in der Hand, am richtigen Ort kommt man garantiert mit echten Wianern ganz schnell ins Gespräch.

Wie man die lebenswerteste Stadt der Welt überlebt

Eigentlich kann man es kaum noch hören: Wien ist die lebenswerteste Stadt der Welt! Und dann ist man da und sagt: „Ja, stimmt!“. In fast jeder Hinsicht. Ein geballtes Inferno an Museen, prächtige Straßen, eine funktionierende Infrastruktur. Ein lebenswerter Ort, ein Ort, an dem man nur die Ohren offenhalten muss, um dem Schmäh die Schärfe zu nehmen. So wie Andreas Rainer, ein Alltagspoet – der Alltagspoet. Er schnappt an der Tramhaltestelle, an der Ampel, im Café (wo sonst?!) was auf und verarbeitet es ruck zuck zu einem poetischen Pamphlet, das Kopfnicken und „Echt jetzt?“ zugleich hervorruft.

Diese kleinen Sticheleien gegen das lupenreine Image der Stadt sind mehr als nur eine kleine Brise Würze. Sie erzählen von dem, was dem Touristen verborgen bleibt. Es sei denn man kommt tatsächlich mit einem Herrn Ober ins „Gespräch“… Ihn heranwinken bringt nichts.

Andreas Rainer findet seine Geschichten auf der Straße. Da streiten sich Bauarbeiter und Polizei wer hier Vorrecht genießt. Oder es hagelt Beschwerden über die Arbeit – woanders ist auch nicht schlechter.

Dieses kleine Büchlein nimmt ein wenig die Schwere vom Titel „Liebenswerteste Stadt der Welt“. Hier leben auch nur Menschen, die allerdings mit einer ordentlichen Portion Schmäh dem Alltag die Stirn bieten. Derber Humor und Eleganz schließen sich also doch nicht komplett aus.

Und es gibt echte (Über-) Lebenshilfe für Wien. Wenn man einem Lehrer glauben darf, dann sollte man es tunlichst vermeiden psychisch Labile in der U-Bahn anzustarren. Das ist nicht nur Schulklassen zu empfehlen. Denn der Wiener steht über allen anderen Österreichern – was sicher nicht zu verallgemeinern ist, aber warum soll man sich als Gscherter zu erkennen geben (und den Unmut der Wianer sich zuziehen) – und das lässt er ganz gern auch mal sein Gegenüber spüren (schön mal verdutzt aus der Wäsche geschaut, wenn einem „a Sackerl“ angeboten wurde?).

Es gibt auch andere Städte, die für ihren Humor bekannt sind. Berlin zum Beispiel. Doch während man an der Spree mit der Dampframme zurechtgestutzt wird, wird man an der Donau sanft mit dem Hammer gestreichelt. Wien-Liebe to go steht wie ein Label auf dem Cover. Und so sollte man dieses Büchlein auch annehmen. Nicht zwingend am Graben sich auf einer Bank das Buch laut vorlesen. Auch nicht auf den Stufen der Albertina sich lauthals über (letztendlich sich selbst) lachen. Jedoch auf einer Bank leise vor sich hinschmunzeln während man darin blättert, sollte erlaubt sein. Und vielleicht trifft man auf diesem Weg genau den einen Wiener, der mit einem über diese „G’schichten“ bei einer Tschick lachen kann. Einen Versuch ist es allemal wert!

Marcitero

Wer bisher Sizilien als Land seiner träume erachtete, der war noch nie in Marcitero. Marcio – verdorben, faulend – schwingt im Namen mit. Und eigentlich heißt das Dorf mit den nicht einmal einhundert Einwohner anders. Alle von außerhalb nennen es so. Und die Einwohner von Marcitero haben es aus Trotz einfach übernommen.

Auch trägt hier niemand seinen eingetragenen Namen. Alle rufen sich nur bei Spitznamen. Und die sind weiß Gott nicht freundlich gemeint. Fast die Hälfte der Einwohner trägt die Spuren der Raufereien wie eine Monstranz vor sich her. Die Obrigkeit traut sich nicht ins Dorf. Und Nordkoreas Diktator würde man hier mit allen Ehren begrüßen. Frauen sind … na ja, was soll man sagen … Objekte. Mehr nicht. Und wer abzuhauen versucht, der bekommt den starken Arm der Starrköpfe zu spüren. Wer aus der Stadt kommt, ist ein Intellektueller. Und solche Leute mag man hier nicht. Straßen fegen? Bene, aber danach wird sie sofort wieder so richtig eingesaut. Der Nachbar hat einen neuen Zaun – rumms, eingetreten. In Marcitero hält der gute Ton ein ausgiebiges Mittagsschläfchen.

Ausgerechnet hierhin hat es den Erzähler verschlagen. Er bleibt trotzdem. Alles an diesem Ort ist abstoßend. Selbst der Wein. Der schmeckt wie Essig. So mag man hier seinen vino! Nino Vetri setzt diesem fiktiven Ort ein Denkmal für die Ewigkeit. Die Landschaft ist karg, aber ansehnlich. Wenn die Bewohner von Marcitero das ändern könnten, sie täten es. Garantiert! Warum also bleibt man an einem Ort, der so gar nichts Freundliches an sich und schon gar nicht in sich hat? Selbst der Erzähler weiß es nicht.

Immer tiefer taucht er in diese seltsame Gesellschaft ein. Sitzt mit den Einheimischen am Tisch, trinkt den ungenießbaren Wein – würde er Bier trinken, würde man ihm das Gesicht derart verzerren, dass man meint er stamme von hier. Er nimmt an einer Beerdigung teil, wo es auch nicht gerade respektvoll zugeht.

„Marcitero“ als Sinnbild für die sizilianische Kultur zu nehmen, wäre zu viel des Guten. Das überlässt man lieber Michele Corleone in „Der Pate III“. Doch so weit ist man hier gar nicht von der Wahrheit entfernt. Man liebt und hasst seine Heimat gleichermaßen. Den Nachbarn muss man hassen. Das war schon immer so. Das Dorf dezimiert sich selbst. Das ist gut so in den Augen der Einwohner von Marcitero. Andererseits – mit wem soll man sich dann am Abend besaufen und die Fäuste fliegen lassen? Ach, es ist ein Jammer, dass Marcitero fiktiv ist. Oder doch nicht?

Bulgarien

Bulgariens touristische Tradition reicht weiter zurück als man vielleicht vermuten mag. Für den einen Teil Deutschlands war es eines der Top-Traumziele. Nach der Wende geriet es fast über Nacht in Vergessenheit. Doch seit einiger Zeit mausert sich das Land am Schwarzen Meer wieder zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz für die Nachbarländer. Die Infrastruktur erstärkt und verstärkt das Interesse an Bulgarien. Es ist die Wiedergeburt eines der abwechslungsreichsten Länder Europas.

Und wenn man als Erster mit dabei ist, kann man den Aufschwung nutzen und Veränderungen am besten wahrnehmen. Autor Jens Alexis gehört sicher zu denen, die mit Fug und Recht behaupten können Erster zu sein. Und vor allem viel-, weit- und ausgiebig gereist zu sein. Vom Goldstrand bis in die Höhen der Karpaten und des Balkan, von urbanen Einkaufsmagistralen bis in die entlegensten Bergdörfer – zu Fuß, schwimmend auf der Donau, (auto-)mobil oder mit dem Rad. Als Autor eines Reisebandes ist man ja geradezu verpflichtet all das auszuprobieren … und Jens Alexis macht es auch. Wie selbstverständlich führt den Leser durch ein Land, das seine Schätze jedem offenbart, der sich offen dafür zeigt. Doch Eile ist geboten! Denn immer mehr Gäste strömen ins Land.

Immer wieder – und das schon beim bloßen Durchblättern – staunt wie vielfältig die Möglichkeiten vor Ort sind. Versteckte Bergklöster sind hier mindestens genauso normal wie endlose Sandstrände. Und wer nach dem Durchblättern sich die Zeit nimmt und den Reiseband wie einen Roman liest, der wird ziemlich schnell gepackt vom Reisefieber, weil er immer wieder neuen Entdeckungen vorgestellt wird. Zeugnisse, die vor zweieinhalbtausend Jahren ihren Ursprung hatten wie die Festung Shumen im gleichnamigen Nationalpark sind ebenso sehenswert wie Dzhumaya-Moschee in Plovdiv.

Wer sich bisher noch nie bis selten mit Bulgarien beschäftigt hat, macht große Augen bis hin zu Freudensprüngen, wenn man sich Seite für Seite in den Südosten Europas hineinliest. Die zahlreichen Karten und die unzähligen Fotos vermitteln zusammen mit den eingehenden Texten einen umfassenden Gesamteindruck eines Landes, das sich nur allzu gern touristisch erobern lässt.

Nordspanien

Durch den Norden den Süden im Süden genießen. Klingt konfus. Wird aber nachvollziehbar, wenn man diesen Reiseband liest. Der Süden, das ist Meer, Sonne, Genuss, Erholung. So soll es sein, so ist es auch. Und Spanien, als Synonym für den Süden kann darüber hinaus noch mit dem eigenen Norden punkten.

Vor allem, wenn man sich lukullisch „weiterbilden“ will. San Sebastian, das Baskenland im Allgemeinen, ist eine Hochburg der genussreichen Küche. Die Kochclubs der Stadt, in der schon die Sisi viele ihrer Sommerfrischen verbrachte, sind mehr als nur ein Experimentierfeld des Bauchstreichelns.

Nordspanien – das ist auch der Jakobsweg, das letzte Teilstück. Das ist auch Rioja – eine Region, die dem Wein ihren Namen gibt. Das ist Bilbao mit dem Guggenheim-Museum – ikonisches Highlight und Must-Do in der Baskenmetropole, die in den vergangenen zwei Jahrzehnt wie kaum eine andere Stadt ihr Aussehen (zum Besseren) verändert hat. Und sonst?

Dafür nimmt sich Autor Thomas Schröder knapp sechshundert Seiten Platz. So erfährt man von abgelegenen Orten, die tatsächlich noch so etwas wie Geheimtippcharakter in sich bergen. Wie Laxe, ein kleiner galizischer Ort mit einem reizvollen weißen Dünenstrand. Hier rollt man nicht den üblichen roten Teppich für die Gäste aus, die Landschaft ist einladend genug. Ein bisschen muss man sich selbst einbringen, um Laxe zu finden, aber das Ergebnis entschädigt wohl für so manches Links-Und-Rechts-Schauen.

Auch die weniger bekannte Region Kantabrien sollte man im Vorfeld im Buch schon einmal besuchen. Über fast alle Grenzen hinweg ist der Santander. Dass hinter der Marke eine zauberhafte Stadt steht, die nach einem verheerenden Brand vor achtzig Jahren wieder komplett aufgebaut wurde, wissen nur wenige. Heute strahlt sie mit der Sonne um die Wette und bietet weitaus mehr als einladende Strände. Die Architektur lädt zum Bummeln ein, das Kunstmuseum ist ein Augenschmaus, innen wie außen.

Nordspanien mausert sich zu einer Region, die immer mehr Gäste anzieht. Hier ist es nicht ganz so heiß wie in Andalusien, kulturell muss man sich hier hinter keiner anderen spanischen Region verstecken. Der Terror der ETA, was sicherlich viele Gäste viele Jahre lang abgeschreckt hat hier die schönste Zeit des Jahres zu verbringen, ist vorbei. Asturien, Galicien, Baskenland, Kantabrien, Navarra, La Rioja und Kastilien sind auch dank dieses Reisebandes immer öfter mehr als nur erfragenswerte Antworten in diversen Quizshows, sondern liebevoll ans Herz gelegte Reiseziele.

Liparische Inseln

Inseln haben ihre eigene Faszination. Egal wie man steht, der Horizont ist immer das Wasser. Ein kleiner Kosmos, der auf dem Wasser treibt. Bei Inselgruppen kann es jedoch schon mal passieren, dass schnell das „Kennste-Eine-Kennste-Alle“-Gefühl aufkommt. Doch es gibt Ausnahmen. Wie die Liparischen Inseln.

Urgewaltig aus dem Leib der Erde wuchtig emporgestiegen, sind sie die Schönheitsflecken im Gesicht des Mittelmeeres. Feurig-brodelnd wie Stromboli. Wohlduftend und lieblich, so dass der Geldadel keine andere Wahl, um sich hier, auf Panarea niederzulassen. Exquisite Genusskultur auf Salina. Scharfe Einsichten auf Lipari. Jedes Vorurteil, ob des Namens bestätigend wie auf Vulcano. Entschleunigen auf Alicudi oder einfach nur in der Vergangenheit graben auf Filicudi. Sieben Inseln – sieben unterschiedliche Erlebniswelten. Auch wenn der Horizont …

Thomas Schröder widmet sich jeder dieser einzigartigen Inseln mit Hingabe. Schnell bekommt das das Gefühl hier zuhause sein zu können. Der Horizont als Limit? Nein, als Startpunkt für die nächsten Abenteuer! Immer wieder tauchen neue Abenteuer auf, die man unbedingt erleben muss. Ob nun zu Fuß rund um die Insel, was auf den Kleineren wie Alicudi und Filicudi deutlich weniger Zeit in Anspruch nimmt als auf Lipari. Oder mit dem Boot einmal einer der Inseln umrunden. Bergklettern. Ein Tipp im Voraus: Wer Inselhopping betreiben will, sollte Vulcano ans Ende seiner Reise setzen. Oder ganz sicher sein, dass am nächsten Ort rund um die Uhr eine Waschmaschine zur Verfügung steht. Denn hier brodelt nicht nur die Erde und dampft es an vielen Stellen, hier steigt einem unvermeidbar Schwefelgeruch nicht nur in die Nase, sondern vor allem in die Klamotten. Die Folgen kann man sich selber ausmalen.

Die Liparische Inseln sind das Zuckerli auf einer Reise durch den Süden Italiens. Kleinode im Meer, die sich bewusst auf Besucher einrichten und doch eine gehörige Portion Eigenwilligkeit in sich tragen. Und immer die Anreise berücksichtigen – auch dafür ist dieses Buch der ideale Unterstützer.

Ein Buch – sieben Inseln, alles drin, mehr braucht man nicht. Für schönes Wetter ist hier eh gesorgt. Die Reisevorbereitungen werden mit diesem Buch ein Klacks. Dann kann’s ja losgehen. Nicht vergessen: Die farbigen Kästen im Buch sind das Salz in der Inselsuppe und erleichtern hier und das sicher den Gesprächseinstieg. Denn so mancher Insulaner wird über das ausgeprägte Wissen der Gäste ins Staunen geraten… Garantiert!

Costiera amalfitana – Geschichte einer Landschaft

Eigentlich würde man die Region an der Küste bei Amalfi gar nicht erforschen. Zu steile Felsen, kaum Wege und Straßen. Und vor zweihundert Jahren gab’s nicht mal Übernachtungsmöglichkeiten. Olle Goethe hat deswegen diesen Landstrich mehr oder weniger mit Missachtung gestraft. Ha! Der arme Tropf! Reist nach Italien und schaut sich nicht einmal die Amalfiküste an! Das ist ja wie … Paris ohne Eiffelturm, San Francisco ohne zerrissene Jeans oder Barcelona ohne Tapas.

Dieter Richter – so steht es im Pressetext zum Buch – hat diese Region studiert. Ja, studiert. Die Amalfiküste – wenn man Traumjob googelt, muss das wohl dabei rauskommen.

Nun ja, es gibt viele Orte und Regionen, wo Italien am italienischsten ist. Meist hängt diese Bewertung vom eigenen gusto und Wissensstand ab. Und die costiera amalfitana ist sicherlich von Italienern überflutet, aber eben auch von so manchen sehnsüchtig nach Italien hechelnden Fremden, der, wenn er denn einmal einen Sitzplatz im ristorante am Meer ergattert hat, diesen nicht mehr hergeben will. Und somit zwar die Aussicht genießen kann, aber eben auch den Rest (die größere „Hälfte“) verpassen wird.

Dieses Wissensvakuum wird durch dieses kleine rote Büchlein gehörig mit Fakten, Analysen, Deutungen in hingebungsvollen Worten gefüllt, doch selber anschauen ist um Einiges mehr wert. So unwirtlich diese Gegend erscheinen mag – stramme Waden sind das Mindeste, was man erhält, nimmt man die Fußwege der Region – so sehr beeindrucket sie von jeher ihre Besucher. Hier versteckten sich Piraten, hier entstand die älteste Seerepublik Italiens, hier berauschten sich Künstler an ihrer Schönheit.

Eine Rundreise mit Dieter Richter ist ein Wissensflash der obersten Kategorie. Es gibt wohl kaum einer Zeile auf dieser Welt, die der Autor nicht vorher gelesen hat, um seinem Kompendium die nötige Fülle verleihen zu können. Von der regionalen Küche über römische Villen (und ihre durchaus pikanten bis geheimnisvollen Geschichten) bis hin zum touristischen Overkill der Gegenwart lässt er keinen Aspekt einer „natürlichen Entwicklung“ der costiera amalfitana aus.

Wer die Amalfiküste besucht, muss sich im Klaren sein, dass er niemals, oder nur sehr selten, allein sein wird. Man muss die Stille wirklich suchen – dafür gibt es Reisebände. Wer die Region verstehen, sie mit allen Sinnen aufsaugen will, der kommt um dieses Buch nicht herum. Das Standardwerk über eine der schönsten Landschaften der Erde!

Ein schwarzer Flügel in Florenz

Was für eine Reise! Ulrike Rauh ist einmal mehr in ihrem geliebten Italien. Und wie immer, wenn sie „nur“ mit Gepäck unterwegs ist, reist sie niemals allein. Ihre Neugier treibt sie förmlich in die Arme von Menschen und Kultur. Und was wäre Italien ohne Musik?!

Immer wieder lässt sie sich von Tönen, Harmonien, Melodien verführen innezuhalten oder vom eingeschlagenen abzuschweifen. Und immer trifft sie die richtigen Entscheidungen. In Florenz hat sie sich für zwei Monate eine Unterkunft gesucht, um einen Sprachkurs zu belegen. Doch schon der schwarze Flügel im Appartement der Gastgeberin weist ihr den Weg für die kommende Zeit.

Es sind die kleinen Geschichten in diesem außergewöhnlichen – ja fast schon einzigartigen – Reisebericht, die das Lesen zu einem rasanten Vergnügen machen.

Ulrike Rauh ist bei ihren Erkundungen bei so mancher Berühmtheit zu Gast. Sie lauscht den großen ihrer Zunft und entdeckt dabei so manches Talent. Was alle Geschichten vereint, ist die Tatsache, dass Musik ein verbindendes Element ist. Wer Musik liebt, kommt sich schnell einander nahe. Das spürt man in jedem Satz, den die Autorin dem Leser zwanglos anbietet. Man schwebt zwischen Dur und Moll, gleitet über die Tastatur der Klaviere und sie lernt dabei noch so manches neue Instrument kennen. Von einem Lyra-Klavier hatte sie noch nie gehört.

Die Leichtigkeit der Texte ist die Partitur, die Ulrike Rauh in wohlklingende Wort verwandelt. Auf Reisen kann dieses Büchlein der Trompetenstoß zum Eintauchen in die Welt der Musik sein.