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Roter Lavendel

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Côte d’Azur und Provence – zwei Regionen, die immer noch zum Träumen einladen. Ralf Nestmeyer weiß das, weil seine Reisebücher ein unverzichtbares Utensil bei Reisen im Süden Frankreichs sind. Mit „Roter Lavendel“ verlässt er die Sachebene und lässt seiner Phantasie freien Lauf. Lavendel und Provence – das passt. Und wie! Eigentlich soll der Erzähler, ein Fotograf, einen Kalender über das urtypische provenzalische Gewächs realisieren. Ein dankbarer Auftrag, denn er kennt die Provence, hat Freunde dort. Ohne groß nachzudenken, nimmt er den Auftrag an.

Ausgangspunkt ist die wohl schönste Stadt Frankreichs, Avignon mit dem wuchtigen Palais du Pape und den pittoresken Gassen. Wer einmal hier durch die Gassen mit ihren bunten Läden gewandelt ist oder einmal seine Blick vom Turm des Palais‘ über die Rhône schweifen ließ, ist sich sicher, dass es kaum schönere Plätze gibt. Doch für den Erzähler bekommt diese Aussicht einen mysteriösen Anstrich.

Ein älterer Mann, den er aus dem Zug kennt, bittet ihn ein Paket mit für ihn wichtigen Papieren aufzubewahren. Da sich die beiden auf Anhieb sympathisch waren, gibt es keine Frage. Doch als er die Papiere in der Mappe Michel Perras, so der Name des älteren Herren, zurückgeben will, ist der verschwunden. Abgereist. Aus Neugier – die beiden haben sich bereits über die harte Kindheit Perras‘ unterhalten – blättert der Fotograf ein wenig in der Kladde. Darin sind einige Briefe eines Deutschen, der zu Beginn des Zweiten Weltkrieges in Südfrankreich interniert war und fliehen konnte. Gibt es einen Zusammenhang zwischen Perras und den Briefen? Das eigentliche Fotoprojekt rückt immer weiter in den Hintergrund.

Die Zeilen ziehen den Erzähler immer weiter in eines der düstersten Kapitel deutsch-französischer Geschichte. In der in den Briefen erwähnten Ziegelei Les Milles erhält die Geschichte der Briefe neuen Schwung. Dort ist auch ein Gedenkzentrum eingerichtet, in der ein Mann arbeitet dessen Tochter für den Erzähler zu unschätzbarem Wert wird…

Ralf Nestmeyer ist „im Nebenberuf“ Historiker. So erklärt sich auch das enorme Fachwissen, das er hier und da gekonnt einfließen lässt. Schriftsteller wie Thomas Mann und Joseph Roth, der Maler Max Ernst und viele unbenannte deutsche Exilanten fanden im Süden Frankreichs ein Zeitlang eine neue friedvolle Heimat. Als die Nazis mit dem Vichy-Regime eine Übereinkunft trafen, dass Deutsche an Deutschland ausgeliefert werden, waren auch ihre Tage im Sonnenlicht gezählt. Siebzig Jahre nach Kriegsende sind immer noch nicht alle Schicksale belegt und erzählt. Davon handelt auch „Roter Lavendel“. Mit dem Unterschied, dass dieses Buch den Spagat zwischen Historie und Urlaubssehnsucht schafft.

Auf See

Auf See

Mit dreiundvierzig Jahren das Zeitliche zu segnen, ist wahrlich nicht erstrebenswert. Ein dahinsiechender Patient, der in geistiger Umnachtung stirbt, muss, um zufrieden abtreten zu können, einiges erlebt haben. Guy de Maupassant war sicherlich nicht zufrieden als er 1893 zu jung in einer psychiatrischen Klinik bei Paris starb. Aber er hat viel erlebt und es niedergeschrieben. So wie diese Geschichte einer zehntägigen Schifffahrt von Antibes nach Saint Tropez.

Nicht nur die Sicht auf die Dinge des Lebens – de Maupassant war zu diesem Zeitpunkt (1887) schon noch (!) bei bester Gesundheit, auch die Beschreibungen des Gesehenen machen „Auf See“ zu einem unverzichtbaren Werk, das sich am besten an den Stränden der Côte d’Azur genießen lässt.

Vorbei an den schneebedeckten Wogen aus Granit, wie er poetisch die Alpen nennt, schippern er und zwei Begleiter südwestlich an der azurblauen Küste entlang. Beim Anblick von so viel Erhabenheit schwelgen viele in Erinnerungen. Guy de Maupassant auch. Er denkt an Paganini. Der sollte nach seinem Tod von seinem Sohn nach Genua gebracht werden. Wegen der Cholera verwehrte man ihm aber in allen Häfen die Anlandung. Er Jahre später wurde der Leichnam von einer kleinen Insel nach Parma gebracht. So düstere Gedanken in solch farbenfroher Umgebung. Im Anhang erfährt der Leser, dass diese Geschichte komplett erfunden ist.

In Cannes lockert sich die Stimmung des Autors. Er lästert im Stile einer Klatschbase über die hier versammelten Fürsten, für die es nur eines zu geben scheint: Sich im Kreise Ihresgleichen sonnen zu können.

Im Leben Guy de Maupassants geht es auf und ab. Wie das Schiff, auf dem er sich befindet, geht es mit ihm Auf und Ab. Manchmal merkt er gar nicht mehr, dass er überhaupt schreibt. Je öfter er an Land geht desto näher ist er an den Menschen. Zwischen Mistral und wogender See philosophiert er über die Mentalität der Franzosen.

Auf See ist Guy de Maupassant ganz er selbst, nicht immer bei sich, doch stets der wortgewaltige Schriftsteller. „Auf See“ ist keine bloße Reisebeschreibung, das war nie sein Ding. Dennoch gelingt es ihm die Schönheit der Côte d’Azur in kraftvolle Worte zu kleiden und den Leser in Urlaubsstimmung hineingleiten zu lassen.

Der Anhang des Buches gibt Aufschluss über die Intentionen der Reise und die Quellen der soeben gelesenen Zeilen. Guy de Maupassant war ein Lebemann mit allen Konsequenzen. Dieses Buch gehört in die Hand an den Stränden der Côte, mit allen Konsequenzen.

Fabelhaft französisch

Fabelhaft Französisch

Schaufensterbummel. In Lille die köstlichen kleinen Dessert-Törtchen mit Früchten, die so überschwänglich die Auslagen zieren. In Lyon die Gaumenfreuden verheißenden Aushänge der Gourmet-Tempel. Einfache und schmackhafte Galette in Rennes. Wer Frankreich besucht, kommt an den lukullischen Kostbarkeiten nicht vorbei. Frankreich und Haute cuisine sind für viele Reisende ein und dasselbe. Aber wer kann schon jeden Tag die verzückendsten Speisen zu sich nehmen? Oder gar ganze Menüs?

Apropos Menüs. Food-Fotografin Kathrin Koschitzki hat Küchenchefin Cathleen Clarity über die Schulter und in die Töpfe geschaut. Ein Dutzend Menüs haben die beiden kreiert und in Szene gesetzt. Beim ersten Durchblättern weiß man gar nicht warum einem das Wasser so fontänenartig im Munde zusammenläuft. Sind es die Bilder oder die „Objekte“.

Nun fällt es nicht schwer zwölf Menüs zusammenzustellen. Aber sie unter einem Thema zusammenzufassen, so dass jeder Gast meint zu wissen, was auf ihn zukommt, um dann doch überrascht zu werden, bedarf schon einiger Kreativität. Und spürt man mit jeder Seite. Es sind nicht einfach “nur“ Geburtstagsmenüs, die den Leser überzeugen, es sind vom „Frühlingslunch mit der Familie“ über Lunch für Teenager“ und „Dinner am Samstagabend – Erntedank“ bis hin zu „Fleisch wie im Sternerestaurant“, die die Augen satt werden lassen. Und erst das Nachkochen! Nur ein Beispiel: Im „Lunch für Teenager“ – der wohl am schwierigsten zufrieden zu stellenden Gästegruppe gibt es Hähnchenköfte mit hausemachter Sauce Tatar in warmem Pitabrot, danach Süßkartoffelspalten mit Krukuma, Caesar Salad mit krossen Knoblauchcroûtons, Bio-Karottensalat mit gerösteten Haselnüssen, Orangen und haselnussvinaigrette. Zum Dessert Mango-Litschi-Smoothie und Jumbo Chocolate Cookies. Klingt doch besser als Hähnchen-Döner mit Pommes, Grünzeug und Nüssen mit Saft und Kuchen zum Nachtisch, oder?! Jedes einzelne Rezept wird haargenau (das einzige Haar) beschrieben, so dass auch Anfänger kein Problem haben ihre Liebsten köstlich zu verwöhnen. Die zweihundert Abbildungen zeigen wie es auszusehen hat. Doch selbst, wenn die Bilder im Buch mal besser aussehen sollten als die Ergebnisse aus Topf, Pfanne und Backofen: Wichtig ist doch, dass die Rezepte gelingen. Mit den Anleitungen aus diesem Buch – kein Problem. Bon appetit!

Hôtel du Nord

Hotel du Nord

Das Hôtel du Nord gab es wirklich. In Paris. Am Quai de Jemmapes. X. Arrondissement. Am Canal Saint-Martin. Gar nicht so weit vom Friedhof Père-Lachaise entfernt, auf dem so viele Berühmtheiten ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Promis verirrten sich nur selten ins Hôtel du Nord in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts als Emile und Louise Lecouvreur das Wohnhotel übernehmen.

Renée ist die erste Angestellte der Lecouvreurs. Eigentlich wohnt sie hier, zusammen mit Pierre. Das naive Landei und der zupackende Arbeiter. Als die Liebe verfolgen ist, drängt er sie zur Arbeitssuche. Louise gibt ihr ihren ersten Job. Hilfe haben die neuen Pächter dringend nötig, denn das Hotel ist in einem nicht gerade gastfreundlichen Zustand. Die Vorgänger hatten mehr Spaß daran mit der Nachbarschaft zu feiern als das Haus auf Vordermann zu bringen.

Das Geschäft läuft gut, Renovierungen können ins Auge gefasst werden. Die Kundschaft aus Müllleuten, Gepäckträgern und Arbeiterinnen der Lederfabrik ist nicht vermögend, doch trinkfest. Ein bisschen grob, zu grob für Emile. Aber der Kunde ist König. Selbst, wenn die betrunkene Gästeschar zu unchristlichen Zeiten Einlass begehrt, murrt Emile nur leise vor sich hin. Nur gelegentlich bekommt ein Säufer seinen Unmut zu spüren.

Die Tage, Monate und Jahre gehen dahin. Gäste kommen, Gäste gehen. Mal sind sie ideale Gäste, ruhig, zuvorkommend, zurückhaltend. Mal sind sie Aufrührer, Stänkerer und Prostituierte. Die Lecouvreurs bereuen ihre mutige Entscheidung das Hôtel du Nord gepachtet zu haben nicht.

Die Geschichten der Bewohner des Hotels sind mitten aus dem Leben gegriffen. Es sind keine Schicksale, die die Seiten der Regenbogenpresse füllen, dennoch sind sie nicht alltäglich. Die Besonderheit liegt in der Tatsache, dass sie jedem hätten passieren können, aber nur im Hôtel du Nord erstrahlen sie in einem besonderen Glanz.

Der Autor Eugène Dabit kennt das Hotel genau. 1923 haben es seine Eltern übernommen. Ab und zu arbeitete er dort. Als Nachtwächter hatte er viel Zeit die Menschen im Hotel zu beobachten. 1929 erschien „Hôtel du Nord“ zum ersten Mal und wurde auf Anhieb ein Erfolg (wie der Film neun Jahre später). Nun ist es in der Neuübersetzung von Julia Schoch noch einmal veröffentlicht worden, und es hat nichts von seiner Strahlkraft verloren.

Das Hôtel du Nord ist heute noch an gleicher Stelle, allerdings als Cafè und Restaurant.

Paris Skyline in 3D

ParisAnderthalb Meter Paris – wie soll das denn gehen? Ganz einfach. Vorsichtig das Leporello (upps, jetzt ist es raus – das Geheimnis und auch das Leporello). Aufklappen und noch einmal die schönste Zeit des Jahres Revue passieren lassen. Noch einmal in 3D am Eiffelturm, an Notre Dame, dem Musée d’Orsay vorbeischlendern und das Erlebte noch einmal erleben. „Weißt Du noch?“ wird zur häufig gestellten Frage. Nicht antworten! Schauen, gucken, betrachten, schwelgen, erinnern.

Heirate nie in Monte Carlo

Heirate nie in Monte Carlo

Es ist die große Liebe zwischen Cary und Bertrand. Da liegt der Entschluss zu heiraten ziemlich nah. Irgendwo auf dem Land, beschaulich. Bournemouth wäre ideal. Da muss man nicht viel planen. Alles wäre so einfach. Wenn da nicht der „Gam“ wäre, der Große Alte Mann. Er residiert in der Zehn. Alle kennen ihn, bis auf Bertrand. Das Zahlengenie weiß nur, dass der Gam einflussreich ist. Und wer ihm in die Quere kommt, bereut das, früher oder später. Jedenfalls wird Bertrand zu GAM bestellt. Mit schlotternden Knien fährt er hinauf, zur Zehn. Er weiß nicht, was er von der Ein- bzw. Vorladung zu halten hat. So kurz vor der Hochzeit mit Cary. Ach, seine geliebte Cary!

Der Gam hat Probleme mit der Buchhaltung. Es fehlt was. Ein kleiner Betrag, der jedoch fehlt. Bertrand hilft ihm zu verstehen, fast scheint es ihm als kommen sie ins Schwatzen. Am Ende der Unterredung hat Bertrand die Angst vor dem Gam verloren, das Problem mit den Zahlen zumindest erfasst und eine Hochzeitsreise nach Monte Carlo in der Tasche. Nicht mit Bournemouth! Sondern Monte Carlo, der Hauptstadt des Glücks(spiels). So knieschlotternd er in die Zehn ging, so leichtfüßig verlässt er das seltsame Büro des noch seltsameren Gam. Ist das eben wirklich passiert? Er, der kleine Angestellte aus dem Erdgeschosse wird von ihm, dem Gam, aus der achten Etage zu einem Urlaub in Monte Carlo mit anschließendem Bootsausflug nach Portofino und Ischia eingeladen? Scheint so!

Die Freude könnte nicht größer sein. Bertrand und Cary genießen die letzten Tage in Monte Carlo ohne Trauschein. Am Dreißigsten kommt der Gam, als Trauzeuge, und am Ende des Tages sind sie Mann und Frau. Scheint so! Denn der Gam, und vor allem sein Geld – er hat die beiden schließlich eingeladen – sind nicht da. Beim Roulette verliert Bertrand fast das letzte Geld. Aus dem mondänen Urlaub wird nun doch nur ein schmalhansige Aufenthalt. Vom Gam ist nichts zu sehen. Die Abneigung gegen den aus der Zehn wächst wieder an.

Pech im Spiel, Glück in der Liebe. Glück im Spiel, Pech in der Liebe. In welche Richtung wird das Pendel ausschlagen? Graham Greene, dem Meister des Versteckspiels bereitet es eine diebische Freude seinem Helden auf der Achterbahn der Gefühle so manchem Schrecken einzujagen. Cary ist das leichtfüßige Gegenteil vom analytischen Bertrand. Wenn er gewinnt, blüht er im Zahlenspiel auf. Verliert er, ist sie sein Fels in der Brandung, die gegen den Abgrund prallt. Ein echtes Kleinod aus der Feder eines großen Verwirrspielers.

Lesereise Bretagne

Lesereise Bretagne

Die Bretagne passt so gar nicht ins Bild vom eleganten Frankreich. Hier ist alles etwas robuster, ursprünglicher, mythisch. Stefanie Bisping lässt sich von der Idylle einfangen und verführt den Leser zu einer einzigartigen Reise in den Nordwesten Frankreichs.

Der Einstieg gestaltet sich schwierig. Beziehungsweise der Ausstieg. Denn die Landung in Brest findet in Quimper statt. Zu viel Nebel in Brest. Und schon ist man mitten in der Bretagne. Die Meeresnähe sorgt für ein rustikales Klima, trotz Golfstrom. Plamen und sturmgepeitschte Küstenabschnitte müssen sich nicht zwangsläufig ausschließen. Und schon gar nicht hier, am Ende der Welt. Für die Bretonen übrigens der Anfang der Welt. Und schon ist man wieder mittendrin, in der Bretagne.

Nantes, die größte Stadt der Bretagne, war einst eine blühende Handelsmetropole. Hier wurde das Wertvollste auf der Welt „umgeschlagen“: Menschen. Vom Image als einer der größten „Umschlagplätze“ für Sklaven konnte sich die Stad mittlerweile befreien. Vom Schock des Zusammenbruchs der Industrie nur schwer. Seit einem Vierteljahrhundert ist man auf der Suche nach einem Konzept, das nachhaltig Geld in die Kassen von Nantes spült. 2013 war sie die Grüne Hauptstadt Europas. Auf fünfzehn Kilometern kann man hier sinnlich und poetisch die Stadt erkunden. Als Geburtsstadt des Fantasten Jules Verne war es nur ein gedanklicher Katzensprung die riesigen beweglichen Skulpturen in und auf Nantes aufmerksam zu machen. Tonnenschwere Ungetüme, auf denen man die Stadt aus einer bisher unbekannten Methode erkunden kann.

Doch die Bretagne ist mehr als die Hafenstadt Nantes. Pont Aven zum Beispiel ist durch Pal Gauguin weltberühmt geworden. Dieser kleine verschlafen wirkende Ort ist ein wahres Kleinod. Da reihen sich unzählige Galerien aneinander, geschickt durchbrochen von markanten Cidre-Läden. Idyllische Terrassen laden an sanft plätschernden Kanälen zum Tagebuchschreiben ein. Man sieht förmlich Stefanie Bisping den Stift schwingen. Vor ihr ein Glas Cidre, gerade noch in Sichtweite eine Wassermühle und kleine im Spiel der leichten Wellen sich wogende Boote. Die Luft ist rein, der Wind weht mal schwächer, mal stärker durch das satte Grün der umgebenden Flora.

Alsbald trägt es die Autorin wieder hinaus auf See, in die tosende Brandung des Atlantiks. Wenn sich das Meer zurückzieht, kommt die Zeit des Jagens. Die Jagd nach der Schwertmuschel. Mit einem geübten Jäger kommt sie dem Geheimnis der Jagd auf die Spur.

Selten zuvor wurde die Bretagne so lebensnah und echt dargestellt. Ein echter Reiseband mit Nachahmungscharakter.

Paris

Paris MM City

Stadt des Lichtes, Seine-Metropole, Stadt der Liebe. Paris wird auf unterschiedliche Art und Weise beschrieben. Doch alle Bezeichnungen zeugen von dem unermesslichen Respekt, den Besucher vor dieser Stadt haben. Vor und nach ihrem Besuch.

Paris ist eine Stadt, die man nicht nur einmal besucht. Sie ist die lieb gewonnene Stadt der Freiheit, in der man immer wieder Neues entdeckt. So auch in der bereits neunten Auflage aus dem Michael-Müller-Verlag. Neu ist zum Beispiel auch die kostenlose App zum Buch. So hat man die 288 Seiten bequem auf seinem Smartphone. Wer allerdings nur wischend durch die Stadt läuft erkennt die wahre Schönheit Paris‘ nicht. Auch wer einfach nur so durch Paris läuft, bekommt nur einen Bruchteil von dem mit, was die Stadt ausmacht.

Ralf Nestmeyer weiß da Rat. Auf den vierzehn Touren durch Paris (eine davon führt ins Umland, ins unumgängliche und unvergessliche Versailles) kommt man aus dem Staunen nicht mehr raus. Man muss nur richtig lesen und die Augen vom Display nehmen… Selbst beim Spaziergang Nummer Zwei (Centre Pompidou und Louvre, die man ja kennen sollte, da sich in kaum einer Reportage über Paris fehlen) gibt es noch Dinge, die man so noch nicht erfahren hat. Man passiert hierbei auch das Rathaus. Davor wurde im Jahr 1757 Francois-Robert Damiens hingerichtet. Er wollte Ludwig XV. erdolchen. Das misslang gründlich. Genauso wie die Hinrichtung. Nachzulesen im gelb unterlegten Infokasten. Und von denen gibt es viele in diesem Buch.

Für Traditionalisten gibt es in der hinteren Umschlagseite einen herausnehmbaren Stadtplan. Der ist handlich zusammengefaltet, das Buch passt in jede Tasche. Dort gehört es auch hin. Nur ab und zu sollte man sich auf eine der vielen Parkbänke niederlassen, um die nächsten Schritte zu planen. Paris zu erobern ist mit diesem Buch ein Leichtes. Einfach nur zu flanieren, ist die Basis einer jeden Paris-Stippvisite. Als Zugabe,. Als das unausweichliche Bonbon, gibt Ralf Nestmeyer Ratschläge zum Streckenverlauf. Er verrät, wo man am besten einkehrt. Und er zeigt die versteckten Beautés der Stadt auf.

Paris im Doppeldeckerbus in wenigen Stunden? Das ist machbar. ABER: Paris erleben, das geht nur mit der richtigen Hilfestellung und in mehreren Tagen. Und die plant man am besten mit diesem Reiseband.

Limousin – Auvergne

Limousin Auvergne

Limousin – klingt irgendwie französisch. Unseren nächsten Nachbarn kennen viel nur als Heimstätte der Mona Lisa, des Eiffelturms und der guten Küche. Die einzelnen Regionen können nicht alle benennen. So war und ist es nicht verwunderlich, dass sich ausgerechnet der Michael-Müller-Verlag nicht nehmen ließ die Vorreiterrolle auf dem Gebiet der Reisebücher für diese Region einzunehmen.

Die Region Limousin liegt in der Mitte Frankreichs am nordwestlichen Ende des Zentralmassivs. Die berühmteste oder bekannteste Stadt ist Limoges. So viel sollte man wissen, wenn man dieses Buch liest. Ja, man kann dieses Buch lesen. Es ist nicht nur ein Reiseband, der einem die Reize des Limousin näherbringt, es ist eine Verführung zwischen zwei Buchdeckeln. Eine zweigeteilte. Denn auch die Auvergne – östlich des Limousin, also mitten im Zentralmassiv – wird in diesem Buch vorgestellt. Ach, was heißt vorgestellt: Sie wird heiß und innig beworben. Wer dieses Buch gelesen hat, kennt nur noch zwei Reiseziele: Limousin und Auvergne.

Severine Weber und Martin Müller sind mit den beiden Regionen verwachsen. So viel Wissen häuft man nicht an, in dem man Reportagen schaut oder Bücher liest. Für dieses Wissen muss man schon dorthin reisen. Und zwar mehrmals. Das grüne Herz Frankreichs ist ihre Passion. Und das merkt man deutlich ab der ersten Zeile. Es gehört zum guten Ton beim Michael-Müller-Verlag, dass die Autoren ihre Bücher mit einer Anekdote eröffnen. Severine Weber und Martin Müller hat es die Aussicht von den Felsen oberhalb der Creuse angetan. Sie zu beschreiben, ist den Autoren überlassen. Sie nachzuempfinden gehört ab sofort zu den Aufgaben der Leser.

Die Region Limousin und Auvergne ist ein Wanderparadies. Schwindelerregende Höhenzüge, traumhafte- meist exzellent ausgeschilderte – Pfade, und atemberaubende Visionen gehören hier zum Alltag. Neben den exakt beschriebenen Routen halten die beiden nicht mit ihrem Wissen, den kleinen Geschichten von und über Menschen und ihre Schicksale hinterm Berg. Diese kleinen Anekdoten – farbig hinterlegt – lockern den Lesefluss ein wenig auf. Und sie machen Appetit auf mehr. Mehr Abenteuer, mehr Geschichtsunterricht par excellence, mehr Auvergne, mehr Limousin.

Man muss nicht immer gleich ein Experte werden, wenn man ein Land oder eine Region besucht. Doch dieses Mal ist es unumgänglich ein gewiefter Reisender zu werden. In Anlehnung an die aktuellen Geschehnisse bleibt nur ein Fazit für den Leser dieses neuen Reisebandes:

Je suis Limousin – Auvergne.

Tödlicher Verrat

Tödlicher Verrat Kopie

Einmal Südfrankreich – eine Traumreise. Auch für Isabell Bergmann? Eher ein Albtraum! Sie war schon oft hier. Zusammen mit ihrem Mann. Bis vor fünf Jahren. Damals verschwand Thomas unter bisher ungeklärten Umständen. Die will Isabell nun klären.

Zusammen mit ihrer besten Freundin Katja macht sich Isabell auf die Suche nach ihrem Thomas. Doch schon unterwegs flammen erste Zweifel auf. Ist Thomas einem Verbrechen zum Opfer gefallen oder hat er sich einfach abgesetzt? Ist Thomas wirklich die große Liebe gewesen?

Das traumhafte Wetter, die einzigartige Landschaft des Languedoc und die Aussicht auf Antworten lassen die beiden Frauen die erste Zeit ihrer Reise genießen. Als Isabell zur Polizei geht, um sich nach Fortschritten bei den Ermittlungen zu erkundigen, ist die gute Laune dahin. Officier Pascal Lefèbre soll ihr Auskunft geben können. Pascal, ausgerechnet Pascal. Der Typ, der ihr vor Jahren das Herz gebrochen hat, als er sie unwirsch und abrupt verließ. Isabell, ausgerechnet Isabell kommt in sein Büro, um sich Jahre nach dem Verschwinden ihres Ehemanns nach Neuigkeiten zu erkundigen. Pascal und Isabell sind mit der neuen Situation überfordert. Isabell hat Katja, um sich auszusprechen. Pascal hat Elaine, seine Schwester zu Besuch. Denn auch er lebt mittlerweile allein.

Die anfängliche Antipathie weicht zunehmend den wieder erstarkenden Gefühlen für einander. Je mehr sich herauszustellen scheint, dass der vermisste bzw. verschwundene Thomas (Isabell vermisst ihn schon lange nicht mehr) der Serienmörder, der Prostituierte bestialisch quält und umbringt, ist, desto mehr gehen Pascal und Isabell auf einander zu.

Silke Ziegler mischt in ihrem Erstlingsroman eine rührende Liebesgeschichte mit einem widerlichen Verbrechen. Sie wirft dem Leser anfangs nur Bruchstücke vor. Während des Lesens funken die Synapsen wüste Konstruktionen: Wer ist der Killer? Wie konnte Thomas so etwas tun? Was verheimlicht Isabell?

Die einzelnen Zeitabschnitte der Geschichte ergeben nach und nach ein exaktes Bild der Realität. Und für den Schluss hat sich die Autorin etwas ganz Besonderes aufgehoben – der Täter verlässt seine Deckung. Isabell ist in Gefahr! Wer wen verraten hat, und inwiefern dieser Verrat tödlich ist, wird dem Leser erst klar, wenn die letzte Seite gelesen ist. Einziges Manko dieses über fünfhundert Seiten starken Krimis ist die Tatsache, dass man ihn nicht zur Seite legen kann. Man muss ihn ohne Abzusetzen lesen.