Archiv der Kategorie: aus-erlesen bella

Lesereise Amalfi / Cilento

Lesereise Amalfi Cilento

Das nostalgische Italienbild in unseren Köpfen haben wir einem einzigen Küstenstreifen zu verdanken: Der Amalfi-Küste. Die tosende See, die Gicht, die gegen die schroffen Felsen klatscht, die märchenhaften Villen mit Meerzugang. Cilento hingegen – nur wenige Kilometer südlich – ist weitgehend unbekannt. Hier sind Naturliebhaber an der richtigen Stelle. Die „Lesereise Amalfi / Cilento“ nimmt den Leser mit auf eine Reise zwischen Postkartenidylle und unbezahlbarer „silenzio assoluto“.

Im Cinquecento durch die Gassen, ein gelato schlecken – hier lässt es sich leben. Hier ist man dem Himmel so nah wie nirgends sonst. Das weiß auch einer der Wegbegleiter der Autorin.

Gennaro Pisacane, der Präsident der Hotelvereinigung lernt sie die praktische Engstirnigkeit kennen. An der Amalfiküste könnte schon längst ein schicker Yachthafen stehen. Aber die Investoren kamen aus Neapel. Das bedeutet meist Mafia bzw. Camorra. Und die würde sich dann krakenmäßig ausbreiten. Da bleibt man liebr unter sich. Wird ein Hotel verkauft, dann nur an Leute aus der Umgebung. Das hält zum einen die Preise stabil (und die sind teilweise so gesalzen, dass so manche Sardelle wie eine fade Nudel daherkommt) und bewahrt den Charme der Region. Zum Beispiel werden die hier angebauten Zitronen heute für 50 Cent an di Händler verkauft, vor dreißig Jahren waren es 500 Lire. Was in etwas auf dasselbe hinausläuft. Tradition wird großgeschrieben.

In Lauro findet man eine Gelateria namens „Norge“ und eine Pizzeria, die auf den klangvollen Namen „Nobile“ hört. Beides Überbleibsel bzw. Ehrerbietungen an Umberto Nobile, der 1926 als erster Mensch den Nordpol sah, leider nicht erreichte. Er hat auch hier seine Spuren hinterlassen.

Geschichte, Tradition, umwerfende Naturschauspiele (sommerliche Sonnenuntergänge auf den Hügeln des Cilento lassen einen an den lieben Gott glauben) und eine gesunde, regionale – und dazu noch leckere – Küche verwandeln den Cilento und die Amalfiküste 365 Tage im Jahre in einen Garten Eden. Italien wie es in der Vorstellung erscheint, nimmt hier Form und Gestalt an.

Dieses Buch kann man – auch wenn es nur 132 Seiten stark ist – nicht in einem Rutsch lesen. Immer wieder muss man es absetzen und tief durchatmen. Mit völliger Hingabe verbreitet Barbara Schaefer ein Gusto von Entspannung, manchmal kommt sogar ein wenig Neid auf. Hier irgendwo müssen die Wurzeln des Paradieses liegen.

INFO: Mehr zum Cilento finden Sie unter www.cilentomania.it.

Die Straßen um Pisa

Die Straßen um Pisa

Pisa ohne den schiefen Turm? Unvorstellbar! Jährlich bestaunen hunderttausende Besucher den Trotz der Physik. So far, so good. Die Autorin Tania Blixen – weltweit eher für ihre Geschichten in wärmeren Gefilden bekannt – haben es die Straßen um Pisa angetan.

Graf Augustus von Schimmelmann verbringt die schönsten Tage des Jahres in der Toskana, in Pisa. Fast schon bestätigt sie mit ihrem Buchtitel das Klischee, dass es außer dem schiefen Turm ja eh nichts weiter zu sehen gibt. Was natürlich nicht stimmt! Doch der Graf erkundet, getrieben von Unruh und Neugier, das Umland auf fast kindliche Weise. Er spricht auch schon mal eine Dame mit „verehrter Herr“ an. Die Affäre mit einer älteren Dame von Rang hingegen meistert er souverän.

Graf Augustus ist nicht unbedingt ein Mann von Welt. Gedankenverloren träumt er sich zurück in die Zeit, in der er als Student das sorgenfreie Leben genießen durfte. So sitzt er auch über einen Brief an einen ehemaligen Kommilitonen. Doch der Schluss will nicht recht gelingen. Er sucht Zerstreuung auf offenen und verschlungenen Wegen.

Märchenhaft mutet die pisanische Toskana an. Durchgehende Pferde, ein Duell und elegant perückte Damen kreuzen nicht nur seine Wege, sondern auch seine Gedanken. Hier und Her gerissen vom Ränkespiel der Beteiligten erkennt er langsam, wer eine Rolle spielt, und wer nicht.

Drei Wochen Pisa – für heutige Begriffe eine Ewigkeit – bereiten ihm nach anfänglichem Zögern immer mehr Freude. Sein Herz erwacht und öffnet ihm die Augen. Vorbei die Melancholie, herbei mit dem Abenteuer.

Tania Blixens Geschichte besticht durch eine präzise Sprache und verführt den Leser zum Träumen. Träumen und Toskana, das gehört einfach zusammen. Wenn man nicht gerade in einer Warteschlange an einem der zahlreichen Souvenirstände stehen muss.

„Die Straßen um Pisa“ sind Bestandteil der 1934 erschienenen „Seven Gothic Tales“. Sie bilden in der dänischen Originalausgabe den Auftakt. In dieser – im typischen wagenbach’schen Rot gehaltenen – Urlaubsbuchausgabe werden dem Leser die Poesie Tania Blixens und die romantische Sicht der Toskana als Appetithäppchen angeboten. Der Zauber der Toskana wird von der unvergleichlichen Schreibweise Tania Blixens vereinnahmt. Die ideale Urlaubseinstimmung! Wenn es denn noch eine braucht.

Lesereise Emilia Romagna

Lesereise Emilia Romagna

Emilia Romagna – das klingt verheißungsvoll wie der Name einer schönen Unbekannten. Eine Unbekannte, die kochen kann. Mmmmh leckere Pasta mit ragú, dass wir als Bolognesesauce kennen – die aber in Wahrheit nichts mit der ragú zu tun hat, rein geschmacklich. Und die man niemals zu Spaghetti isst! Die dünnen Nudelchen können die Sauce doch gar nicht erfassen. Jetzt muss aber mal ein Machtwort gesprochen werden.

Und sie ist eine gebildete Unbekannte. Die älteste Universität des Westens befindet sich hier. Aus roten Ziegeln gemauert steht sie fett und gelehrt da. Allesamt Attribute für Uni und Stadt. Umgeben von unendlichen Alleen flaniert man durch die Stadt, die Düfte der Küchen dauerhaft im Gepäck. Hier lehrte unter anderem auch Umberto Eco, der Autor von „Der Name der Rose“ und „Das Foucaultsche Pendel“.

Die Emilia Romagna ist auch eine Cineastin. In Brescello schluegn sich einst ein katholischer Priest und ein kommunistischer Bürgermeister gegenseitig die Köpfe ein und treiben so manch derben Spaß mit dem jeweils Anderen. Klar, die Rede ist von Don Camillo und Peppone. Fnf Filme wurden in den 50er und 60er Jahren hier gedreht, ein Museum mit allerlei Film-Memorabilia erinnert daran.

Im wohl berühmtesten Ort der Emilia Romagna wurde einer der berühmtesten Regisseure der Welt geboren: Frederico Fellini.

Und die schöne Unbekannte ist auch eine Auto-Närrin. Maranello und Modena – allein der Klang dieser beiden Städte lässt das Herze eines jeden Auto-Ästheten höher schlagen. Denn hier stehen die Schmieden von Ferrari und Maserati. Der Dreizack von Maserati stammt übrigens aus Bologna. Das Teufelswerkzeug – samt Teufel – ziert hier einen Brunnen.

Die Emilia Romagna ist keine Unbekannte … mehr, wenn man Stefanie Bisping 132 Seiten lang gefolgt ist. Sie lässt sich einfangen vom Reiz der Region und fängt den Leser mit Sprachbilder und Wortgewalt ein, so dass es kein Entrinnen gibt. Strandspaziergänge, aber bitte nicht während der Hochsaison, laden zum Träumen ein. Genauso wie ausgedehnte Wanderungen durch die prächtige Natur. Lukullische Abstecher, die allenthalben zur Rast einladen. Berauschende Architektur und Geschichte, wo man hinschaut. Gute Reise!

Ehrenwerte Leute

20_Fava_Leute.indd

Wenn einer einem dumm kommt, dann setzt es was. Für viele ein willkommener Anlass sich wie die Axt im Walde zu benehmen. Elena ist da anders. Sie ist Lehrerin. Und sie hat eine Stelle in einem sizilianischen Bergdorf angenommen. Fans dieses Plots wissen jetzt worum es geht: Omerta, das Gesetz des Schweigens. Elena ist sieht sich auf raffinierte Weise diesem Gesetz ausgesetzt. Jeder, der ihr nicht wohlgesonnen ist, stirbt. Nicht eines natürlichen Todes! Sie ist verzweifelt. Niemand kann ihr helfen. Denn niemand traut sich etwas zu sagen. Zu groß die Angst der Nächste zu sein.

Im Strudel der Gefühle schwankt die junge Frau zwischen Abkehr und Aufgabe und Trotz und Widerstand. Montenero Valdemone – mit ein bisschen Italienischkenntnissen kommt man dem Geheimnis dieses Ortes auf die Schliche. Monte – Berg, nero – schwarz, Val – das Tal, demone – der Teufel. Alles hier ist anders. Die Kinder schmutzig und ungebildet. Die Männer, besonders einer, aufdringlich. Doch sie scheint willkommen. Ein eigentümlicher Anwalt, der älter aussieht als er anscheinend ist, bietet ihr eine sehr hübsche Bleibe an. Ein Kollege hilft ihr sich einzugewöhnen. Alles doch nicht so schlimm?

Der aufdringliche Typ, der keine Gelegenheit ausließ Elena bei ihrer Ankunft zu „umschmeicheln“, wird tags darauf erschossen mit einer Blume im Mund für alle sichtbar auf dem Marktplatz drapiert. Jeder weiß um die Symbolik der Blume. Doch damit nicht genug. Auf einmal ist Elena eine geachtete Frau. Sie wird gegrüßt, man wünscht ihr alles Gute für den Tag. Nur die Polizei ist misstrauisch. Die muss doch was mit den Toten zu tun haben!

Mario Puzo und sein Pate haben wenig zu tun mit den „ehrenwerten Leuten“ des Giuseppe Fava. Bei Puzo haben sie ein Gesicht, eine Geschichte. Favas Mafiosi sind unerkannt. Von Opfern und Jägern gleichermaßen. Die zelluliodselige Verfremdung, die zum Mythos Mafia mehr beigetragen hat, als Regisseur Francis Ford Coppola es wollte, ist eine perfide Gesellschaft, die bei Giuseppe Fava Konturen bekommt. Mehr leider nicht. Aber der Mythos bekommt Kratzer, wird entthront, wird fratzenartig verzerrt. Die Opfer sprechen und klagen ihr Leid. Wie soll man sich wehren, wenn es keiner hören will? Ein Opfer, dem kein Haar gekrümmt wird, ist das überhaupt ein Opfer? Misstrauen macht sich breit.

Der weitreichende Arm der Mafia (oder wie auch immer man die ehrenwerten Leute der Insel nennen will) erreichte auch den Autor Giuseppe Fava. In seinem Theater wurde gerade sein Stück „L’ultima violenza“ (wie vielsagend: „Das letzte Verbrechen“) aufgeführt, als sein – lange unbekannter – Mörder zuschlug.

Der Kampf gegen die Mafia ist auch für Leoluca Orlando zur ungeliebten, aber leidenschaftlichen Aufgabe geworden. Der Bürgermeister von Palermo (seit 2012 wieder) manifestiert in seinem Vorwort zu diesem Buch die Notwendigkeit der Mafia den Kampf anzusagen, ihr Paroli zu bieten wo und wann immer man kann. Der Kampf beginnt beim Vorwort und endet noch lange nicht auf der letzten Seite.

Grado – Der nahe Süden zu jeder Jahreszeit

Grado

Idyllisch am adriatischen Meer gelegen, in direkter Nachbarschaft von Aquileia, und nur ein Katzensprung vom hoffnungslos überfüllten Venedig entfernt, da liegt Grado. Nicht einmal 9.000 Menschen dürfen sich Gradeser nennen. Im Sommer ist es voll, voller entspannungssüchtiger, aber auch Abwechslung suchender Menschen. Und Abwechslung gibt es hier wahrlich genug.

Seit über anderthalb Jahrtausenden gibt es die Siedlung in der nördlichen Adria. So mancher Imperator verging sich an der Stadt und hinterließ sein Erbe. Römer, Hunnen, Venezianer – die Liste ließe sich unbestimmt fortsetzen. Für Besucher ein wahrer Forscher-El-Dorado.

Evelyn Rupperti beginnt ihre Liebeserklärung an das einstige Fischerdorf weit in der Geschichte. Damals lag Grado noch zwei Meter höher. Warum? Lesen Sie selbst!

Morgens an den Strand und mittags die Kühle der heiligen Gemäuer suchen. Kirchen gibt es hier zwar nicht wie Sand am Meer, jedoch in doppelter Ausführung. Klingt komisch? Hinfahren! Und diesen Reiseband nicht vergessen! Denn Evelyn Rupperti hat das geschafft, was vorher noch keinem gelungen ist. Ein Reiseband für eine Stadt, die man sonst nur im Vorbeigehen kurz gestreift hätte.

Seit Jahren wirbt die Stadt Grado auf Tourismusmessen mit einbem Füllhorn an Werbemitteln um die Gunst der Besucher. Die verschlägt es jedoch lieber in die schmutzige Lagunenstadt. Und hier so kurz vorm ehemaligen Eisernen Vorhang (der hier gar nicht so eisern war wie andernorts), ist doch eh nichts los. Gedankenspiele, die verbannt gehören. Das beschauliche Fischerdorf hat sich zu einem kulinarischen Geheimtipp gemausert. Wer die Vielfalt liebt, wähnt sich im lukullischen Paradies. Abwechslung ist hier keine hohle Phrase, es ist Standard.

Geschichtliches wie Neues gepaart mit Tipps für Gaumen und Augen, dazu spannungsvolle Bilder: Das ist Grado mit dem untrennbar mit der Stadt verbundenen Reiseband.

Auch wenn Friaul und Grado nicht unbedingt an erster Stelle bei möglichen Italienurlauben stehen, so lohnt sich darüber nachzudenken. Dieses Buch ist mehr als nur eine Entscheidungshilfe für Grado und Friaul. Es ist der Einstieg in einen unvergesslichen Urlaub.

Weinführer Friaul

Layout 1

„Angeklagter erheben Sie sich. Bitte nennen Sie Ihren vollständigen Namen!“ „Verächter, Vorname: Wein“. „Nun, Herr Weinverächter, Ihnen wird vorgeworfen dem wohl geistreichsten Getränk des Friaul im Nordosten Italiens anhaltend und stoisch den Rücken gekehrt zu haben. Sie können sich nun dazu äußern.“

„Woher hätte ich denn wissen sollen, dass es im Friaul so hervorragende Weine und Weingüter gibt, die von Herzblut beseelten Winzern betrieben werden? Alle meine hier vorgeworfenen Verfehlungen geschahen vor dem Februar 2014. Erst seit diesem Zeitpunkt ist einem breiten Publikum doch erst bekannt, dass es einen derartigen Weinführer gibt. Bis dahin kannte ich beispielsweise Roberto Snidracig aus Vencò Sant’Elena gar nicht. Und schon gar nicht seinen Rosemblanc DOC Collio. Woher sollte ich also wissen, wo im Friaul die besten Weine angebaut werden, wo ich – gleich wie prall gefüllt mein Geldbeutel ist – einkehren, mich am Rebsaft laben und dazu noch eine nährende Mahlzeit zu mir nehmen kann? Herr Richter, ich bin unschuldig. Und ich gelobe von nun Besserung. Denn nun habe ich das richtige Werkzeug in der Hand.“

Im Laufe der Verhandlung kommen die einzelnen DOC-Weinanbaugebiete des Friaul zu Worte: Colli Orientali del Friuli, Collio, Isonzo, Friuli Carso, Aquileia, Annia, Latisana und Grave. Jedes präsentiert sich im besten Lichte und lässt Richter, Anklage, Verteidigung und Publikum das Wasser im Munde zusammenlaufen. Die ersten Zuschauer verlassen hastig den Gerichtssaal, um ihre sieben Sachen zu packen. Sie leiden an akutem Reisefiber, gepaart mit dem unstillbaren Durst nach Malvasia-Spumante, dem Ristorante Enoteca Bidin und nach gepflegter Weinkultur zwischen Alpenausläufern und dem Mittelmeer.

Doch der „Weinführer Friaul“ ist mehr als nur ein Wegweiser. Er ist vor allem ein Ratgeber, der Fachbegriffe dem Laien näherbringt, der Augen und Gaumen schärft für die feinen Unterschiede, um die guten von den sehr guten Weinen unterscheiden zu können. Und er ist ein Rebsorten-Lexikon. Kurzum: Das Buch, das man braucht, wenn man das Friaul geistreich und mit wehender Zunge erfahren will. In diesem Sinne: Freispruch für alle, die bis jetzt noch nicht ihren Weinkeller mit Souvenirs aus dem Friaul geschmückt haben. Aber. Von nun an gibt es keine Ausreden mehr.

Sizilien Wanderführer

Sizilien_MM-Wandern.indd

Ein Wanderbuch mit Wanderrouten durch Sizilien erstellen – ein Kinderspiel. Mag sein, einen nützlichen Wanderband zu erstellen, der Sizilien in seiner gesamten Pracht ablichtet, das bedarf schon eines Peter Amann. Sage und schreibe 35 Touren hat er in diesem Buch zusammengestellt. Über 360 Kilometer Wanderrouten, das ist ein Kilometer pro Kalendertag. Oder aller 1,7725 Kilometer eine Seite im Buch. Doch Sizilien anhand von Zahlen zu vermitteln, wäre verschwendete Liebesmüh. Sizilien muss man leben, atmen, sehen, lesen. Wandern!

Die unterschiedlich langen Touren haben auch unterschiedliche Schwierigkeitsgrade. Für jeden ist etwas vorbei. Ob nun nur ein paar Kilometer rund um den Burg Francavilla, hindurch einen Naturlehrpfad oder der fast zehnmal so lange Gewaltmarsch der höchsten Kategorie von Ganivecchio auf den Cozzo Regiovanni im Inneren Siziliens. Hier führt der Weg vorbei an ehemaligen Gutshöfen, über Zäune und durch Hecken.

Egal, ob geübter Wanderer mit Hightechausrüstung oder gelegentlicher Wandervogel. In diesem Wanderbuch findet jeder seine Strecke. Hinauf die Lavapisten zum Ätna oder auf alten Hirten- und Pilgerwegen in und um Palermo.

Wer das Wandern zum Anlass nimmt, sich ein wenig Technikspielzeug zu leisten, der bekommt in der ersten Umschlagseite einen Code, mit dem er über die Verlagshomepage die Touren direkt auf sein GPS-Gerät downloaden kann.

Ob man Sizilien als die schönste Insel der Welt wieder und wieder erobern oder wie eine Spezialeinheit aus der Zukunft „Kilometer schrubben“ will, wer dieses Wanderbuch im Rucksack, in der Tasche oder in der Hand hat, wird die Insel oft von einer anderen Seite kennenlernen. Jede Routenbeschreibung enthält Tipps zur Rast und besonderen Aussichtspunkten. Jede Route wird durch eine eigens für diese Route angefertigte Karte und durch ein Höhenprofil vervollständigt. So ist man generell auf der Höhe der Zeit.

Wandern ohne dieses Buch ist möglich. Aber – und das ist garantiert – dann erlebt man eben auch nur halb so viel. Und Sizilien ist es mehr als wert komplett erforscht zu werden.

Kochbox Pasta

Pasta

Egal, wo auf der Welt. Die Frage nach dem Lieblingsessen kennt nur eine Antwort: Pasta, Nudeln, Spaghetti! Basta! So verschieden die Welt, so verschieden auch die Spielarten der Nudel. Tagliatelle, Penne, Farfalle, Fusilli, Bucatini. Als Auflauf oder mit leckerer Bolognese-Soße. In jedem Kochbuch steht mindestens immer ein Rezept zur chinesisch-italienischen Spezialität. Um die ganze Vielfalt der Gerichte zu erfassen, benötigt man also mehrere Kochbücher. Da biegen sich die Balken. Und zwar die des Bücherregals. Die Zeiten sind vorbei. Diese Kochbox bietet 39 essentielle Rezepte rund um die Nudel. Scharf, puristisch, groß, klein – alles in dieser Box, mit 14 mla 7,5 mal 2,5 Zentimeter auf nun wirklich jedem Bücherregal Platz finden wird. Obwohl sie den nicht braucht. Denn sie wird immer in Benutzung sein…

Auf kulinarischer Wanderschaft zwischen Paris und Neapel

Auf kulinarischer Wanderschaft zwischen Paris und Neapel

„Guten Abend, meine sehr verehrten Damen und Herren. Ich begrüße Sie aufs Herzlichste zu unserem Slow-Dating-Abend der Genüsse. Und wie ich sehen kann, hat sich da auch schon ein besonderes Paar getroffen. Darf ich Sie um Ihren Namen bitten, Madame“. „Mademoiselle, s‘il vous plâit. Ich bin Cuisine, Haute Cuisine“. “Merci. Und der Herr?“. „Signor Cucina, Bella Cucina“. „Meine Damen und Herren, das verspricht ein aufregender lukullischer Abend zu werden.“

Der Mann, der die beiden offensichtlich schon ins Gespräch vertieften Teilnehmer dieses Slow-Dating-Abends vorstellt ist Lorenzo Morelli. Er hat die beiden auf seiner Reise von Paris nach Neapel aufgesammelt und versammelt sie nun in seinem 256 Seiten starken Poesiealbum der Gaumenfreuden.

Den ganzen Abend fachsimpeln die beiden Küchen über ihre Erfahrungen. Sie, wie sie ganz behutsam ihre Foie gras vorbereitet. Er wie er aufwändig die Calamares für seine Calamares Reellenos a la Romesco öffnet und putzt.

Sie schwärmt von ihren gebratenen Artischocke mit Speck, Oliven, Weißwein und Tomaten – er schnalzt mit der Zunge beim Pesto di basilico.

Der Abend entwickelt sich zu einem romantischen Dinner in der Kachelatmosphäre der Küchen zwischen Seine und Golf von Neapel. Die Gespräche drehen sich nur um eines: Genießen mit allen Sinnen. Ob Fischsuppe aus der Provence oder Profumo die Mare, ob Sugo con Involtini die Lardo oder Gratin Dauphinois, ob Confit ou confiture des Figues oder Tiramisu – jeder der beiden Verliebten bringt sich in Stellung, um sich im besten Lichte erscheinen zu lassen. Mittlerweile haben sich schon die anderen Gäste im Lokal nach den beiden umgedreht und lassen ihr Essen Essen sein. Zu intensiv ist die Unterhaltung, der Schlagabtausch der beiden hemmungslosen Alphatiere der Kochtöpfe.

„Auf kulinarischer Wanderschaft zwischen Paris und Neapel“ ist kein Kochbuch wie jedes andere. Kleine Anekdoten geben den Weg frei zum Herd. Lorenzo Morelli hat wohl den schönsten Beruf der Welt: Er reist zu Freunden, geht in die Küche, hebt den Deckel und atmet tief ein. Nach dem Essen, lässt er den Leser an seinem Erlebten teilhaben. So sind wir nur in erster Linie Zuschauer. Ganz dicht gefolgt vom Genießen. Denn die Rezepte sind mit relativ geringem Aufwand nachzukochen.

Wer meint, seinen Partner anhand der Vorliebe für die eine oder andere europäische Küche erwählen zu können, dem sei hier gesagt, dass nur die Liaison aus Beiden eine perfekte Tafel, eine perfekte Beziehung, ein perfektes Mahl ausmacht.

Gondola

Gondola

Sie kann auch anders: Donna Leon leistet sich immer mal wieder einen Ausflug weg von ihrem Commissario Brunetti. Doch keine Angst: So weit geht die Reise auch wieder nicht. Zumindest geografisch. Donna Leon bleibt in ihrem geliebten Venedig. Nur eben halt ohne Guido.

„Gondola“ ist eine Liebeserklärung an DAS Symbol Venedigs. Denn auch der moderne, in der Informationsgesellschaft angekommene Mensch sieht Venedig nicht nur als von Touristen überlaufenen, mit Kitsch vollgepackten, regelmäßig vom Aqua Alta heimgesuchten Ort, sondern wünscht sich in dieser romantischen Stadt eine Fahrt mit der Gondel. Vorbei an prächtigen Palästen, an liebevoll verzierten Häusern, unter erhabenen Brücken hindurch, an schwungvollen Plätzen vorübergleiten. Dazu ein echtes venezianisches Lied auf den Lippen des Chauffeurs. Ein Klischee? Oft, aber nicht immer.

Donna Leon geht der Geschichte der Gondel auf den Grund. Faktenfest und phantasiereich – so wie in ihren weltbekannten Brunetti-Romanen nimmt sie den Leser an die Hand und führt ihn durch die Jahrhunderte alte Tradition dieser etwas windschief in den Wogen der Lagune reitenden schwarzen Pfeile.

Das Büchlein ist angereichert mit aussagekräftigen Gemälden zum Thema. Gondeln so weit das Auge reicht. Mal überdacht, mal in historischen Szenen, mal in gefährlicher Brandung.

Als kleines Zuckerli liegt dem Buch eine CD mit venezianischen Gondelliedern bei. Eingespielt auf Donna Leons Wunsch vom Ensemble „Il Pomo d’Oro“. Und selbst auf dem Silberling gibt es noch eine hochkarätige Zugabe: Cecilia Bartoli. Die Freundin Donna Leons, die sie schon zu ihrem letzten Roman „Himmlische Juwelen“ inspirierte, steuert den letzten Titel der CD bei.

Eine höflichere Aufforderung die Lagunenstadt zu besuchen, gab es noch nie. Donna Leon schafft es wieder einmal der Stadt ein literarisches Denkmal zu setzen.