Archiv der Kategorie: aus-erlesen bella

Mailand – Eine literarische Einladung

Mailand - Eine literarische Einladung

Eine Stadt in Worte fassen? Wie soll das gehen? Noch dazu eine Metropole, die einzige Metropole Italiens, wie Herausgeber Henning Klüver meint. Schwierig, schwierig. Sollte man meinen! Denn oft beliebt es doch bei einem „wunderbar, schön, beeindruckend“. Beim Wagenbach-Verlag schlägt man da einfach einen Salto (so nennt sich die Buchreihe mit Büchern, die diesem Vorurteil beeindruckend – da ist es wieder! – entgegenstellen) und beweist auf 144 Seiten das Gegenteil. Knallrot, nicht vor Scham, sondern aus Gründen der Aufmerksamkeit, marktschreien die Autoren der Stadt dem Leser ihre Sichtweise auf ihr Milano um die Augen. Ein Fest für die Phantasie, eine Lehrstunde für Besucher, der Beweis, dass man Städte sehr wohl in lose Korsett der Wörter fassen kann.

Wurde in der Geschichte noch blumig von Mailand geredet, so sind es Dichter wie Dario Fo, immerhin Literatur-Nobelpreisträger, die mit Anekdoten ihrer Stadt ein Denkmal setzen. Er war Teil einer Gruppe, die Mitte des vergangenen Jahrhunderts die Stadt narrten, in dem sie das Gerücht in die Welt setzten Picasso würde nach Mailand kommen. Doch der kam nicht, hatte das auch gar nicht vor. Kurzerhand wurde ein Double engagiert. Helle Aufregung allenthalben. Selbst die Polizei, die die Menschenansammlung auflösen will, gerät in Verzückung als sie vom bevorstehenden Ereignis hört…

Natürlich ist Mailand eine Stadt, die man gesehen haben muss. Auch, weil sie eine Stadt für Flaneure ist. Der, der das behauptet ist Maurizio Cucchi, Mailänder Autor. Er meint, dass sich die Stadt niemandem aufdrängt. Und doch immer präsent ist. Wem sie nicht gefällt, kann das ja gern so halten. Kritik wird hier eh mit einem Schulterzucken hingenommen. Mehr Reaktion sollte man nicht erwarten.

Die in diesem Buch versammelten Autoren vermeiden es wohlwollend die Hotspots der Stadt in den Himmel zu loben. Kommen auch sie nicht ohne Dom und Scala aus, so doch eher im Unterbewusstsein. Das macht wahrscheinlich auch den Charme der Stadt aus: Sie gräbt sich ohne Wunden zu hinterlassen ins Gedächtnis ein. Wie ein Roman, der unauffällig Seite für Seite verschlungen wird, und am Ende wundert man sich, dass man ihn schon ausgelesen hat. Die „Literarische Einladung Mailand“ sollte man nicht ausschlagen. Denn sie ist eine Einladung zum Bummeln, Lernen, Staunen, eine Reisevorbereitung auf höchstem Niveau, Sehnsuchtsauslöser, Träumerei, unterhaltsamer Wegbereiter und –begleiter und ein Erreger persönlichen Jagdtriebes.

Typisch Italienisch

Gaymann_italienisch_U1_Test_9_2_16.indd

Deutsche in Italien – ein Kapitel für sich. Schon „olle Goethe“ pries die einzigartige Landschaft an. Der hatte aber auch nicht so viele Länder, die er bereisen konnte zur Auswahl. Der Cartoonist Peter Gaymann hat sich der Spezies traveller germanicus angenommen und die skurrilsten Typen mit dem Pinsel zu Papier gebracht.

Viele, die nach dem Urlaub an Adria, am Lago oder in den Bergen zurückkommen und sich dieses Buch anschauen, werden so manch einen wiedererkennen. Jeden Tag Tiramisu, weil man es aus der Pizzeria von nebenan bei Ahmed oder Kostas so kennt. Endlich mal so viel Espresso trinken wie man es Italienern gern unterstellt. Oder den Karikaturisten bitten ein Foto von einem zu schießen. Dieses kleine Büchlein nimmt die Eigenarten der unbelehrbaren Touris aufs Korn. Ein köstlicher Spaß!

Peter Gaymann braucht nicht viele Pinselstriche oder Sprechblasen, um den auf den ersten Blick lustigen Begebenheiten den passenden (Schmunzel-) Rahmen zu geben. Tradition und Moderne finden dort zusammen, wo es meist nicht passt. Peinliches Halbwissen sorgt genauso für Erheiterung wie die kleinen Details der Bilder, die man oft erst auf den zweiten Blick entdeckt. Stichwort Socken und Sandalen.

So bierernst der Deutsche oft erscheinen mag: Eigentlich sind alle Touristen auf die eine oder andere Weise eine eigene Gattung, die es wert ist beobachtet zu werden. Peter Gaymann hat Italien schon vor Jahrzehnten zu seiner zweiten Heimat erkoren. Er kennt beide Seiten: Besucher und Besuchte. Schockierende Momente gibt es beiderseits. Es kommt nur darauf an, wie man ihnen begegnet. Am besten mit Humor! Und noch besser: Mit dem Humor von Peter Gaymann. Treffsicher karikiert er Reisende in entspannter Atmosphäre vor dem Rätsel Fremde. Denn nur wer sich unvoreingenommen der Herausforderung stellt, kann und darf Fehler machen. Beim nächsten Mal erinnert er sich und verhält sich anders. Peter Gaymann ist der Glückpilz, der beim ersten Fettnäpfchentreten Block und Pinsel parat hält und den peinlichen, lustigen, immer aber skurrilen Moment festhält.

Die gesammelten Werke der einprägsamen Ereignisse sind in diesem Büchlein festgehalten und lassen bella italia noch einmal hochleben.

Besser als jedes Fotoalbum! Komischer als jede Comedyshow! Nachhaltiger als jedes Pizzawettessen!

Das sizilianische Mädchen

Das sizilianische Mädchen

Diego Galdino ist Barista aus Rom. Da hört man so einige skurrile Geschichten. Da liegt es nah diese zu einem Roman zu verknüpfen. „Das sizilianische Mädchen“ ist so eine Geschichte.

Der Ort Siculiana in Sizilien ist bekannt für ein ganz besonderes Naturschauspiel. Wenn die Schildkröten schlüpfen gibt es ein wildes Gestrampel in feinen Sand. Dann ,wenn die geschlüpften Schildkröten gen Meer streben. Hier ist Lucia aufgewachsen. Wohlbehütet, ohne Sorgen. Weder finanziell noch seelisch. Nonna Marta ist ihre engste Vertraute, Rosario der Mann, den sie einmal heiraten wird. Das steht fest. Auch er aus gutem Hause. Ob arrangiert oder nicht, die Hochzeit wird einmal die ganze Region bewegen.

Doch vorher will Lucia einmal raus aus der gewohnten Umgebung. Raus in die Welt. Rom soll es sein. Und ein Volontariat bei einer Zeitung ist die Fahrkarte in die Freiheit. Voller Neugier und offenen Auges setzt sie behutsam die ersten Schritte in ihr neues, auf drei Monate begrenztes Leben. Die Klatschbasen der Redaktion amüsieren sie mehr als sie sie ernst nimmt. Auch der Chef ist ganz nett. Nur ihren neuen Kollegen lernt sie erst nach einiger Zeit kennen. Clark Kent, heißt er. Wie Superman! Auch dass sie den gleichen Beruf haben – Journalist – verwundert Lucia kaum. Im Gegenteil. Alles passt. Clark ist ein echter Superman. Das muss sie sich eingestehen. Es ist alles so verwirrend, nicht einmal Marta kann sie davon erzählen. Schließlich wartet in der vertrauten Heimat Rosario. Wenn Nonna Marta wüsste… Sie kann Rosario nicht leiden. Beziehungsweise ist sie felsenfest davon überzeugt, dass Lucia einen Besseren verdient hätte. Rosario ist einfach nur langweilig und uninspiriert.

Lucia nimmt ihr Herz in die Hand und reist nach Sizilien. Nach Siculiana. Zu Rosario. Um ihm zu sagen, dass ihre Zukunft nicht die seine sein kann. Und Clark? Der bleibt zu Hause in Rom. Hält die Füße still. Nur kein Aufsehen erregen. Lucia will und muss das allein durchziehen. Doch die Sehnsucht überwiegt und Clark versucht Lucia anzurufen. Nichts! Keine Reaktion. Kein Lebenszeichen! Also bleibt Clark nur eine Möglichkeit: Selbst in die Höhle des Löwen zu reisen. Mit einer Notlüge kann er sich sogar bei Nonna Marta einnisten. Was ihn allerdings in den nächsten Tagen und Wochen entgegen schwappt, ist mehr als nur das liebliche Planschen der Babyschildkröten. Es ist ein ausgewachsener Skandal, in dem er und Lucia immer mehr zu den Hauptakteuren werden…

Diego Galdino schafft es schon nach wenigen Seiten den Leser für seine handelnden Personen zu begeistern. „Eine Herz und eine Krone“ trifft auf lebendige Urlaubsatmosphäre, so dass man sich schon nach kurzer Zeit im warmen Sand an Siziliens Küste wähnt.

Florenz & Chianti mit Siena und San Gimignano

Florenz und ChiantiWillkommen bei „Was bin ich!“ – dem heiteren Destinationsraten aus der ersten Reihe der Reisebücher! Welches Schweinderl hätten’s denn gern? Das Rote oder das Weiße? Das Rote, bitteschön. Machen Sie bitte noch eine typische Handbewegung. Die Handflächen sind aneinander gepresst, öffnen sich nun gleichzeitig im gleichen Winkel.

Der Guido fängt an: Gehe ich recht in der Annahme, dass Sie eine Region im südlichen Europa sind? Ja. Griechenland? Nein! Kloing, schon wandert das erste Fünf-Euro-Stück ins Schweinderl. Und weiter geht’s mit der Marianne. Sind Sie in Italien beheimatet? Ja! Mmmh, da gibt es ja viele schöne Regionen. Ich selbst bin ja gern am Gardasee. Sind Sie der Gardasee? Nein! Und wieder scheppert‘s im Schweinderl. Hans: Das macht es jetzt auch nicht einfacher für mich. Marianne, Du hast recht, Italien ist voller schöner Regionen, in denen man erstklassig urlauben kann. Muss ich weit fahren, um Sie zu besuchen? Bitte nur Fragen, die man mit Ja oder Nein beantworten kann! Entschuldigung, ich bin schon fast im Urlaub. Also gut, sind Sie Sizilien? Nein! Kloing! Annette, bitte! Ich war ja schon oft in Italien. Und in München, wo ich arbeite und wohne, fühlt man sich ja besonders im Sommer wie im Land von Vino und Pasta. Meine Lieblingsregion ist ja die Toskana. Florenz mit seiner reichhaltigen Renaissance-Kultur, den Uffizien, Siena mit dem historischen Palio, der exzellente Chianti und San Gimignano mit dem Palazzo del Podestá. Ich riskiere es jetzt einmal: Sind sie die Toskana? Ein leichtes Kopf-Hin-Und-Her-Bewegen. Jjjjjein! Ja wie jetzt? Ja oder Nein. Der Spielleiter gibt schlussendlich nach und bejaht. Es ist zwar die Toskana, jedoch ein Reiseband über Florenz und Chianti sowie Siena und San Gimignano.

Und im Schweinderl sind genau die 16,90 Euro für dieses Buch.

Wie immer stellt sich nun der Gast genauer vor: Ich bin das jüngste Kind der Italienreisebände aus dem Hause Michael Müller, und der Chef selbst hat mich erschaffen. Nach langer Recherche bringe ich 252 Seiten mit 107 Farbfotos in die Regale. Mein Anliegen ist es die Essenz der Toskana, ja vielleicht Italiens unters Volk zu bringen. Dabei verzichte ich – sehr zum Wohlgefallen vieler Kunden des Verlages – auf die üblichen (verdächtigen) Schemata wie zum Beispiel ellenlange Beiträge zur Renaissance und den ohnehin offensichtlichen Hotspots. Vielmehr hat mein schreibender Vater sein Augenmerk auf die unzähligen Sinnesschmeicheleien abseits der ausgetretenen Pfade gelegt. Er mag’s gern bunt – das sieht man schon am regenbogenfarbenen Buchrücken und den schon erwähnten 107 Farbfotos. Außerdem hat er kleine gelbe Infokästen, in denen die Leser und garantiert baldigen Besucher der Region kleine Anekdoten und Trivia finden. Da steht das, was sonst nirgendwo steht. Wenn man vor Ort kann man so immer etwas mehr erfahren und wissen als die Anderen, die sich genauso erschöpft ob der Pracht der Region kurz niederlassen.

Ich bin ein Sammelsurium an Informationen und echten Tipps für Jedermann, Neun Touren biete ich im Inneren an. Egal ob meine Leser gern essen, sich an Kultur nicht sattsehen können oder einfach nur Italien in seiner schönsten Form erleben wollen – wer mich im Reisegepäck hat, findet sich zurecht.

Gebrauchsanweisung für Rom

Gebrauchsanweisung für Rom_2

Rome – the place to be. Rom, die Stadt der Plätze, an denen man gewesen sein muss, an denen das Leben, das römische Leben spielt. Autorin Birgit Schönau begibt sich mit und für den Leser auf eine aufregende Schnitzeljagd durch die Ewige Stadt. Sie hüpft von Platz zu Platz und gibt mehr als nur ihre Eindrücke wieder. Sie erklärt, warum nie seine Faszination verloren hat und sie auch niemals verlieren kann.

Die Neuauflage des Buches hält zahlreiche neue Kapitel und Anekdoten parat, die den Gebrauchenden, den Reisenden, den Staunenden immer wieder überraschen werden. Wie zum Beispiel die Reportage über die Piazza Vittorio Emanuele. Hier, wo die Welt aufeinander trifft, miteinander lebt, leidet, feiert, so das skurrilste Kaufhaus der Stadt steht. Im MAS können sich Chirurgen einkleiden, Militaria- und Papst-Andenken-Sammler ihr El Dorado finden, Schnäppchenjäger sich austoben. Ganz Rom und seine Besucher werden hier fündig.

Mit Leichtigkeit setzt Birgit Schönau ihrer Stadt – denn seit Jahren wohnt sie hier, an immer wieder neuen Orten – ein leicht verdauliches Denkmal. Sie verzichtet auf das „Da müssen Sie hin“ und „Wer das nicht gesehen hat, kennt Rom nicht wirklich“, nein, sie gibt Rom ein anderes, freundliches, offenes, licht durchflutetes Gesicht. Keine hektische Betriebsamkeit, die jedem Gast die Lust an der Erkundung der jahrtausendealten Stadt nimmt. Mit einem Lächeln im Gesicht schreibt sie Anekdoten nieder, die dem Leser ein ebenso breites Grinsen ins Gesicht zaubern werden.

Diese Gebrauchsanweisung ist für Neuankömmlinge genauso erkenntnisreich wie für erfahrene Hasen. Letztere benötigen nur dieses Buch. Wer Rom noch nie gesehen hat, sollte diese Gebrauchsanweisung gleich neben den Reiseführer liegen haben. Denn wo Reiseleiter ihre Ausführungen beenden müssen, weil der Platz nicht mehr ausreicht, platziert Birgit Schönau ihre Geschichten. Man sollte sich die Zeit nehmen und kurz innehalten, ein bisschen lesen und die Piazza, an der man gerade rastet mit den Augen der Autorin sehen. Vieles erstrahlt nun im neuen, anderen Licht. Rom wirkt bunter, froher, familiärer, wenn man die kurzen Abschnitte aus diesem Buch immer und immer wieder liest. Fast konnte man meinen selbst ein Römer zu sein.

Die Neuauflage besticht durch den Abwechslungsreichtum der Autorin bei der Auswahl ihrer Texte und die Vielfalt der Themen. Von Fußball über Küchendüfte bis zu unverwechselbaren Klängen der Straßen und Plätze. Rom ohne Gebrauchsanweisung zu erkunden – kann man tun. Aber sollte man nie behaupten Rom wirklich zu kennen.

Romeo und Julia

Romeo und Julia

Montague und Capulet. Wer zu den Einen gehört, darf sich nicht mit den Anderen verbünden. Die beiden Familien hassen sich bis ins Mark. Doch das ist Romeo (Montague) und Julia (Capulet) egal. Ihre Liebe zueinander ist stärker als jede Fehde. Aber nicht stärker als der Tod. Verona im ausgehenden 16. Jahrhundert ist der Tatort der berühmtesten Tragödie der Literatur. Heute ein Tummelplatz für alle, die dem Mythos auf der Spur sein wollen.

„Romeo und Julia“ als Schulstoff – ein schwieriges Unterfangen für Lehrer. Den Jungens ist es zu kitschig, sie genieren sich. Die Mädchen sind genervt vom albernen Getue der Jungens.

Ein Erzähler führt durch das Stück, das mit den wichtigsten Stellen des Stückes auf dieser CD dem Hörer nahegebracht wird. Die Inszenierung ist so offen und allgemein verständlich wie geheim die Beziehung von Romeo und Julia. Junge Schauspieler besetzen die Rollen und geben dem Stück den modernen Rahmen, den es verdient. Wer bei Quizshows immer die Augen verdreht, wenn die Fragen sich um die Tragödie drehen, wird ab sofort mit einem Lächeln diese beantworten können. Denn „Romeo und Julia“ ist kein Hexenwerk, kein verzwicktes Konstrukt, das nur Theaterleute verstehen. Es ist der Beginn des modernen Theaters. Und nicht wenige Liebesgeschichten haben dieses Schicksal als Basis.

La bohème

La Bohème

Bohème – wie wundervoll altertümlich, vertraut und melancholisch das klingt. Die Betroffenen selbst könnten sich auch ein anderes Leben vorstellen. Rodolfo und Marcelo geht es nicht anders. Arme Künstler, das sind sie. Glücklich? Naja, zeitweise sind sie es. Immer dann, wenn Brennholz da ist. Oder, wenn das Magenknurren wieder einmal gestillt werden kann. Oder, wenn sie mit ihren Liebsten beisammen sind. Doch das Schicksal meint es nicht gut mit ihnen und den auserwählten Damen. Hinzu kommen noch Stolz, falsch verstandene Fürsorge und Eifersucht. Giacomo Puccini verzaubert mit seiner Oper jeden Besucher. Zu Beginn des Jahres 2010 wurde die Oper unter die Top Ten der besten Opern gewählt. Wer den Einstieg ins Opernfach sucht, kommt an „La Bohème“ nicht vorbei. Die gängigen Melodien sind auch für ungeübte Ohren ein Wohlklang.

Und für kleine Opernfreunde und –einsteiger ist diese CD ein wahres Goldstück. Denn zwischen den Gesangspassagen erklären die Darsteller, was nun kommen wird. Kein Lehrerunterton, vielmehr gesprochene Passagen, die das Kommende (wer spricht schon perfekt Opernitalienisch?!) erläutern. Denn gerade Opernneulinge – egal welchen Alters – können sich an den Arien und Melodien erfreuen, der Handlung jedoch kaum folgen. Werdas immer noch als Ausrede benutzt sich Opern zu verweigern, bekommt mit dieser CD ein stimmungsvolles Gegenargument.

Alessandro und Assunta

Alessandro und Assunta

Eine echte Eisenbahnerdynastie, die Familie Asor Rosa. Nur Alberto schlägt ein wenig aus der Art, er ist Autor. Und nun schreibt er die Familiengeschichte nieder. Und so ganz nebenbei auch die Geschichte Italiens, zumindest einen Teil davon.

Alessandros Verwandte wandern teilweise aus. Nach Amerika. Aus Enrico wird Henry, und bleibt es. Er selbst gehört in die Reihe seiner Familie, die sich bei aller Verbunden- und Zerrissenheit, die durch einen einzigen Punkt für Immer und Ewig miteinander verwoben sind: Das A am Anfang des Namens. Alessandro. Es scheint fast logisch, dass er sich Assunta zur Frau nimmt. Sie stammt aus der Gegend um Ancona (!). Dort war Alessandro einst stationiert. Damals, als er im Krieg kämpfen musste. Beziehungsweise kommandieren. Beides behagte ihm nur theoretisch, praktisch widersprach es seiner Natur.

Nachdem die Kanonen ruhen, trifft er endlich Assunta. Die Frau, die sein Leben bereichern wird. Er findet rasch eine Anstellung bei der Staatlichen Bahngesellschaft und engagiert sich bei den Sozialisten und der Gewerkschaft. Als die Faschisten die Macht übernehmen, ahnen er und seine Frau die drohende Gefahr. Doch auch dieses düstere Kapitel übersteht die Familie.

Wer denkt, die weibliche Hauptfigur bewegt sich zwischen Carbonara und „Dio mio“ irrt. Vielmehr jongliert Alberto Asor-Rosa zwischen Palindrom und liebevoll erzählter Familiengeschichte. Alessandro und Assunta sind seine Eltern. Einfache Menschen mit Träumen, erfülltem Leben und den ganz normalen Sorgen. Der Autor kleidet seine Familiengeschichte in ein außergewöhnliches Gewand: Das des Jahres. Jeder Monat ein Abschnitt des Lebens und der Familie und der Zufälle. Nach dem Dezember kommt nichts mehr. Außer Bilanz zu ziehen.

Weniger emotional als rational folgt Alberto Asor Rosa den Spuren seiner Familie. Das Buch kann man auf verschiedene Arten lesen. Zum Einen eine Familiengeschichte, die fast ein ganzes Jahrhundert umspannt. Zum Anderen die Geschichte Italiens anhand der Asor Rosas. Beide Sichtweisen sind auf ihre Weise spannend und interessant zu lesen. Keine Gefühlsduselei, keine überflüssigen und abgedroschenen Floskeln, vielmehr eine Abrechnung mit der eigenen Vergangenheit.

Mondo Veneziano

Mondo veneziano

Jeder, der außerhalb(!) einer Touristengruppe Venedig für sich entdeckt, hat unweigerlich das Gefühl ein Buch z schreiben. Und so verwundert es nicht, dass es über die Lagunenstadt – neben Paris und Rom – die meisten gedruckten Reiseimpressionen gibt. Von grandiosen Bildbänden wie „City impressions Venedig“ über Reisebände wie „MM City Venedig“ bis hin zu historischen Aufarbeitungen wie „Venedig erobert die Welt“.

Heidrun Reinhard hat die Herausforderung angenommen und ein weiteres Buch dieser prachtvollen Reihe hinzugefügt. Und das mit Erfolg! Denn „Mondo Veneziano“ gehört wie die eingangs erwähnten Bücher ebenso zur Pflichtlektüre eines Jeden, der Venedig auf eigene Faust und mit fundiertem Wissen erkunden will. Sie nimmt den Leser mit auf eine Reise vorbei an den Palästen der Stadt. Übrigens erkennt man Touristen und Gäste daran, dass sie die Häuser der Stadt, von den Einheimischen meist nur „Ca‘“ genannt, auch wirklich als Paläste bezeichnen.

„Menschen und Paläste am Canale Grande“ lautet der Untertitel des Buches. Die Paläste, oder „Ca‘“, sind hinlänglich bekannt bzw. für jedermann leicht zu erreichen. Man kennt sie aus Reportagen, aus Büchern und vom Vorbeigondeln. Dass sie Geschichte in sich bergen, ist auch jedem klar, der sich nur ein wenig mit der Geschichte der Serenissima beschäftigt hat. Doch welche Geschichten sich darin zutrugen, wer sie erbaute, wer wem an die Wäsche wollte, das sind die Geheimnisse, die in diesem Buch so eindrucksvoll und lebendig beschrieben werden.

Die alte Dogenmacht Venedig war im Mittelalter ein ernst zu nehmender Handelsriese. Ein global player, der überall auf der Welt seine Finger im Spiel hatte. Von Konstantinopel über die Adria gehörte mehr als nur der Mittelmeerraum zum Einzugsgebiet der venezianischen Handelshäuser. Auch die Deutschen hatten hier eine Niederlassung, ein deutsches Haus, in dem täglich so viel umgesetzt wurde wie ein durchschnittlicher venezianischer Mittelständler sonst in einem Jahr verdiente. Hier wurde kaum produziert, dafür aber umso mehr ge- und verkauft. Die Dogen und auch der zehnköpfige Rat der Stadt, die Regierung, ließen sich ihre erbaulichen Ideen etwas kosten. Als Tourist kann man heute nur noch die Pracht der Stadt vor fünf-, sechs-, siebenhundert Jahren erahnen. Aber das reicht schon, um sich verzaubern zu lassen.

Dass Venedig nicht nur glorreiche Zeiten erlebte, zeigt Heidrun Reinhard, die die Stadt als ihre zweite Heimat bezeichnen darf, in der zweiten Hälfte des Buches. Denn an die Spitze gelangen, ist bei Weitem einfacher als diese zu behaupten. Als Konstantinopel in die Hände der Araber fiel, schwanden auch der Ruhm und der Einfluss Venedigs. Bis die Intelektuellen und Künstler Venedig wiederentdeckten. Verdi, Wagner, Thomas Mann – sie alle setzten der Lagunenstadt ein weiteres Denkmal. Die Venezianer sind ja in Sachen Denkmäler setzen nicht so spendabel.

„Mondo Veneziano“ ein Buch für alle, die Venedig nicht nur als Tages- oder gar nur Stundenausflug erleben wollen. Schon vor dem Besuch weiß man – gefühlt – mehr als so mancher Einheimischer. Vor Ort ist man der kundige Betrachter, der sich von keinem Reiseleiter etwas vormachen lässt. In Erinnerungen schwelgend nimmt man dieses Buch immer wieder gern zur Hand und stimmt Seite für Seite kopfnickend zu: Venedig ist mehr als nur eine Reise wert!

Lesereise Apulien

Lesereise Apulien

Deutschen Sprichworten mangelt es häufig nicht an Doppeldeutigkeiten bzw. doppelten Bedeutungen. Wer als in einen Haufen tritt, hat nicht nur buchstäblich die „… am Hacken“, sondern auch – so will es die Tradition – Glück. Wenn Letzteres stimmt, muss Apulien bzw. müssen die Menschen in Apulien die Glücklichsten der Welt sein. Denn sie leben am Stiefelhacken Italiens. Eine Milchmädchenrechnung, zugegeben. Doch Stephanie Bisping hält diesen Mythos mit ihrer „Lesereise Apulien“ aufrecht und befeuert ihn noch zusätzlich.

Einzigartige Natur, stets sonniges Wetter, freundliche Menschen und eine verwöhnende Küche – als Tourist wähnt man sich hier den Garten Eden. Stephanie Bisping ist angetan von Apulien. Beim Leser dauert es noch ein wenig – erst alle Seiten lesen. Das Ergebnis ist dasselbe. Liebe geht durch den Magen. Auch und besonders die zu Apulien. Gleich mehrere Kapitel widmen sich der den angebauten Produkten. Olivenbäume werden über hundert Jahre alt. Sie sind oftmals der Familienschatz, der das Überleben von Generationen sichert. Und somit sind sie auch das Objekt der Begierde von denen, die sie so sehr begehren. Olivenbaumklau – ein Straftat, die man hierzulande nicht kennt.

Wenn Stephanie Bisping von Kochkursen, unter anderem für Kinder, spricht, schwingt immer eine Spur Sehnsucht mit. Orecchiette, die kleinen Öhrchennudeln oder eine andere Pasta, Pizza – damit kann man immer punkten. Für die Erwachsenen schwärmt die Autorin von Oliven und Mozzarella oder erzählt die Geschichte eines Fischers, der heute nur noch zum Vergnügen aufs offene Meer hinaus fährt, um aus Spaß an der Freude zu fischen. Er hat Viele und Vieles kommen und vor allem gehen sehen. Sein Arbeitsalltag war hart und ehrlich. Kein technischer Schnickschnack half ihm den Fang einzufahren. Beobachtungen, Traditionen und Erfahrungen halfen ihm seinen Unterhalt zu bestreiten. Heute sind die Meere fast leergefischt.

Weltweiten Ruf erlangten die Trulli von Apulien. Diese eigenartigen Zipfelmützen-Häuschen, die ganze Landstriche ihren unverwechselbaren Glanz verleihen. Die schlichte Bauweise hat ihren Grund. Sobald der Steuereintreiber kam, wurde ein Stein entfernt, das Haus fiel in sich zusammen und schon war der Steuereintreiber überzeugt, dass hier nichts zu holen ist. Heute gehören sie zum UNESCFO-Weltkulturerbe.

Lesend die Welt erobern, ist das Anliegen der Lesereise-Reihe. Stephanie Bisping hat bisher einige Bücher dazu beigetragen. Estland, die Normandie und Bretagne, die Emilia-Romagna, die Malediven und nun der glücklichste Süden der Welt, Apulien. Ihre leidenschaftlichen Reportagen sind das Salz in der Reisesuppe eines jeden Lesers. Einziges Haar in der Suppe: Man kann sie nicht einfach durchlesen: Immer wieder muss man absetzen und seinen eigenen Träumen Platz einräumen. Das ist durchaus zu verschmerzen. Oder?!