Manches im Leben muss man planen. Zum Beispiel muss man als Meisterdiebin die Gewohnheiten derer, die man erleichtern will, mehr als ganz gut kennen.
Manches im Leben kann man planen. Das hängt immer von der Situation ab, in der man sich gerade befindet. Oft spielen eigene Befindlichkeiten die größte Rolle dabei.
Manches im Leben kann man einfach nicht planen. Die passieren einfach. Ein Stupser in die richtige Richtung, zur richtigen Zeit. Dann flutscht es.
Grace ist eigentlich gar nichts Grace. Früher hieß sie mal Anita. Als Waise hatte sie kaum Wurzeln. Freunde ja. Adam zum Beispiel. Er wurde ihr Compagnon – sie drehten so manches Ding schon zusammen. Aber mehr war da nicht. So großartig Grave – bleiben wir doch bei dem Namen, sie tut es schließlich auch, weil es so passt und sich gut merken lässt und sie sich einfach gut damit fühlt und und und – im Beruf ist, so einsam ist sie auch. Die Geldvorräte waren schon mal größer. Doch das Feuer wieder mal zuzuschlagen, lodert derzeit noch. Mehr aber auch nicht. Ein Jobangebot kommt ihr da wie gerufen – so was kann man nicht planen.
Elin Mandel sucht dringend jemanden für ihren Laden. Jemand, der mobil ist, sich mit der teils antiken Ware auskennt und überhaupt zuverlässig ist. Die eierlegende Wollmilchsau ist Grave nun wirklich nicht. Aber momentan die Idealbesetzung. Und sie könnte sogar in einer Einliegerwohnung, die Elin spartanisch eingerichtet hat, einziehen. Noch so ein Zufall, den man nicht planen kann. Grave ist ziemlich happy. Etwas zu tun, gesicherter Tagesablauf. Und vor allem Schutz!
Ja, Grace muss sich in Acht nehmen. Da sind dunkle Gesellen, die ihr auf den Versen sind. Einmal nicht aufgepasst und das ganze schöne (und einsame) Leben ist vorbei. Und für Elin ist Grace fast schon der Jackpot. Denn auch sie braucht Ruhe. Denn ihr Leben ist bei Weitem nicht so geregelt und „normal“ wie es sein sollte und könnte…
Garry Disher lässt unter der Sonne Südaustraliens, in Adelaide, zwei Frauen aufeinandertreffen, denen es im Traum nicht einfallen würde sich zu suchen. So verscheiden sie zu sein scheinen, so eng werden sie zusammenwachsen, um ihrem Leben die entscheidende Wendung zu geben. Wenn es doch nur so einfach wäre!
Die gerissene Grace würde sich auch als Ermittlerin eignen. Kaum ein Krimiautor hat so viele Krimireihen im petto wie Garry Disher, fast alle Spürnasen mit dem einen oder anderen Problemchen, das sie mit sich herumschleppen. Wie schon Wyatt Earp als gewissenhafter Krimineller mit eigener Krimireihe – nicht zu verwechseln mit dem Westernhelden – macht Disher eine Kriminelle zur Protagonistin seines Werkes. Ein Charakter, dem man als Leser eigentlich nur Gutes wünscht. Eigentlich!
