Das wird ihr Sommer! Anna ist vierzehn (im italienischen Original ist die Vierzehn, die Autorin bat darum in der deutschen Übersetzung ihr Alter anzupassen) und verbringt ihr Leben in einem Nonneninternat. Doch nun stehen Papa und ihr Bruder vor dem Tor und holen sie ab. Savoia, Badeort vor den Toren Roms ist das Ziel ihrer Träume.
Papa ist ganz aufgekratzt. Denn auch die zweite Mama wird da sein. Was Annuccia, wie sie liebevoll auch genannt wird, und ihren Bruder nicht gerade in Verzückung geraten lässt. Denn die zweite Mama ist streng, hart, fast schon gefühllos. So kommt es den beiden Teenagern vor.
Ab und an dröhnen über ihren Köpfen die Kampfgeschwader der Alliierten, es ist Sommer 1943 und in der Welt herrscht Krieg. Lapidare Wünsche verpuffen in der Gischt des rauschenden Meeres. Nicht unentdeckt bleiben die gierigen Blicke der Männer – jedweden Alters. Anna sieht sich in einem Spießrutenlauf wieder, dem sie nicht entkommen kann. Anzügliche Bemerkungen wischt sie beiseite. Das Antatschen ist bedeutend unangenehmer. Sie weiß sich aber nicht zu wehren.
Sie ist in erster Linie froh dem strengen Reglement und Regiment der Nonnen für eine zeitlich begrenzte Weile entkommen zu sein. Es gibt Eis, Papa ist liebevoll, ihr Bruder ist immer an ihrer Seite. Selbst der Krieg um sie herum scheint für die Ferienzeit zu pausieren. Anna ist hungrig. Hungrig nach dem Leben. Das Kind Anna war einmal. Ohne es laut auszusprechen, beginnt Anna sich wie eine Frau benehmen zu wollen. Sie weiß gar nicht, was das bedeutet. Umso bedeutsamer ist es auf eigenen Beinen die ersten wackligen Schritte zu unternehmen.
Doch so mancher Erwachsener (maskulin) sieht in ihr mehr … als das junge Mädchen, das die Welt erkunden will. Und sei diese Welt am Strand von Savoia auch schon geographisch am Ende…
Dacia Maraini legte mit „Tage im August“ ein furioses Debüt hin. 1962 war das. Seitdem ist mehr als ein halbes Jahrhundert vergangen. Viel Zeit für Veränderungen. Begriffe wie Emanzipation und Selbstverwirklichung sind in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen. Die Thematik ist immer noch eine Problematik. Zu junge Mädchen, zu alte Männer, zu viel von all dem, was nicht gut ist im Miteinander. Und das ist nur die Oberfläche, an der dieser Roman zuerst kratzt und im Laufe immer tiefer in Fleisch ritzt. Ferragosto, spiaggia vacanza, gelato, dolce vita – si!, mehr davon. Für Annuccia, wird es ein Sommer, der sie prägen wird.
Dacia Maraini verarbeitet in diesem Roman einen Teil ihrer eigenen Jugend, ihrer Erfahrungen im heimischen Palermo und am Badeort Mondello. Da sie während des Schreibens in Rom lebte, verfrachtete sie die Handlung in die Nähe der Hauptstadt. Was allerdings für die Geschichte an sich keine Rolle spielt. Bis heute ist „Tage im August“ aktuell und immer wieder lesenswert.
