Kosmo

Wissenschaftliche Berichte sind in ihrer Natur nüchtern und sachlich verfasst. Sie wie einen Roman zu lesen, ist sehr mühsam, wenig ratsam und deswegen ab und an irgendwie auch enttäuschend. Und langatmig.

Chave hat so einen Bericht verfasst. Sie weiß, dass er durchaus Längen enthält. Das war ihr aber egal. Denn das, was sie zu berichten weiß (also in einem Bericht verfasst und nicht beabsichtigt als Roman zu veröffentlichen), ist derart verworren, seltsam und lässt sie hier und da in Weltenabdriften, die sie bisher nicht kannte. „Kosmo“, das Insekt auf dem Cover – das muss ein wissenschaftlicher Roman über … nee, nee, nee – so fangen wir gar nicht erst an.

Kosmo ist eine Stadt im Süden. Im Süden Griechenlands. Und Chave arbeitet für ein Institut (bzw. sie arbeitete, denn zu ihrem Bericht reicht sie zusätzlich auch noch ihre Kündigung ein). Ein Institut für enzyklopädische Erinnerungsuniversen. Sie sortiert menschliche Gedanken- und Gefühlshaushalte. Wow! Das muss man erstmal sacken lassen.

Nun hat sie einen besonders kniffligen Fall auf dem Tisch. Denn die Urheberin einer Audiodatei, ein Fitzelchen Leben, Erinnerung ist mit einem Mal nicht mehr auffindbar. Chave muss aber ihre Arbeit machen. Und … reist ins Jahr 2048. Nach … Kosmo. Wäre das auch geklärt. Es hat nichts mit Luftfahrt oder dergleichen zu tun und schon gar nichts mit Insekten. Oder doch?! „Kosmo“ ist also ein absurder (im besten Wortsinne) Science-fiction-Roman, der im Stile einer wissenschaftlichen Abhandlung geschrieben ist. Eine Mixtur, die einzigartig ist. Und die anfangs etwas schwerfällig nur den wahrhaft Interessierten anspricht. Denn zunächst muss die Szenerie, die Vorgehensweise dargestellt werden.

Sobald die eigentliche Reise – ins Jahr 2048 – beginnt, wird es aber schlagartig spannend. Nichts ist wie es scheint. Und wie auf einem schlechten (oder guten – je nachdem) Trip wird Chaves Welt gehörig durcheinander gewirbelt. Das muss man allerdings selbst erlesen. Nur so viel: Wer auf Monster oder ähnliche Gestalten hofft, braucht viel Phantasie, um sie zu erkennen. Es gibt sie. Aber nicht im eigentlichen Sinne wie in Abenteuerfilmen der Sechsziger- und Siebzigerjahre, in denen der muskelbepackte Held gegen übergroße Kreaturen kämpft.

Isabella Breier gelingt es spielerisch den Leser unnachgiebig in eine Welt zu ziehen, die bisher niemand erforscht hat. Traumwelten, utopische Szenarien, die auf einmal gar nicht mehr so utopisch klingen und das alles in einer Sprachvielfalt, die ihresgleichen sucht.