Die ligurische Küste besticht durch ihre elegante Küstenführung und die sofort daran anschließenden schroffen Bergformationen, die einen Ausstieg aus dem Meer nicht den sofortigen Aufstieg an Land zulassen. Hier muss man sich bewegen, Hakenschlagen, um ans Ziel zu gelangen.
Auch muss man sich nicht lange mühen, um die Stadt aufsaugen zu können, sofern man sich dieses kleinen Büchleins herzlichst annimmt. Genua kann nicht wie beispielsweise Florenz auf eine Galerie großer Namen, die die Geschicke der Stadt leiteten und bis heute zum Strahlen bringen, verlassen. Die Stadt will erobert werden. Und sie wurde erobert. Christoph Kolumbus verließ sie, um die Welt zu erkunden. Heinrich Heine und Charles Dickens – zum Beispiel – kamen zu ihr, um ihre Reize zu entdecken. Wortreich, gewandt wie ein eleganter Luchs, schlichen sie durch die Häuserschluchten, erklommen Hügel und waren ergriffen von der Weitsichtigkeit der Stadt. Das alles ist anderthalb Jahrhundert bis zweihundert Jahre her. Und noch immer kann man der Faszination der Dichter etwas abgewinnen und zustimmend nicken, wenn ergriffen und charmant von Genua schwärmen. Selbst Karl May war hier – oder doch nicht. Bei ihm weiß man ja nie so genau…
Der Weltreisenden Alma Karlin sieht die große Stadt schon etwas nüchterner. Sie hat die Welt gesehen, wird sie noch bereisen als sie Genua besucht. Ein bisschen mehr Farbe hätte ihr Urteil üppiger ausfallen lassen. Die Suche nach einer passenden Unterkunft hat auch nicht dazu beigetragen Genua als Sehnsuchtsort einzuordnen.
Dieses kleine Büchlein ist unverzichtbar beim nächsten Genua-Besuch. Die gesamte Bandbreite von Ui bis Pfui wird in den Texten über die Stadt abgebildet. Wahrlich hat sich Genua verändert. Als Stadt am Meer unterliegt sie zwangsläufig Veränderungen. Und wie damals – zu Zeiten von Heine, aber auch Alma Karlin – gibt es Ecken, die nicht zwingend vorzeigbar sind. Ebenso die Plätze und Orte, die einem den Atem stocken lassen.
Fakt ist, dass „Europa erlesen – Genua“ ein fester Reisegepäckbestandteil sein sollte, will man Genua auf den Grund und nicht auf den Leim gehen.
