So ein bisschen Glück. Nur ein kleines Stück vom großen Kuchen Glück. Das ist doch nicht zu viel verlangt. Aber wie soll man da rankommen? Wenn die Tischkante so hoch liegt?
Der tunesische Autor hatte jahrelang eine Kolumne zu diesem Thema geschrieben. Voltaires Einsicht, jetzt glücklich zu sein, weil es besser für die Gesundheit ist, hat er zu seinem Lebensmotto erhoben. Und so entstanden diese kurzen Glückmomente bzw. Anleitungen zum Glücklichsein. Es sind 52, jede Woche eine. Zum ersten Mal in deutscher Sprache.
Und so beginnt man jede Woche oder beschließt jede Woche – zur Handhabung gibt Memmi keine Anleitung – mit einem kurzen Text, der sich exzellent zum Nachdenken, zum Nachahmen und schlussendlich zum Glücklichsein einlädt. Man braucht nicht viel, um die Texte zu verstehen oder in die Tat umzusetzen. Ein kleines bisschen Mut. Ein Fitzelchen Überwindung, um eventuelle Scheu oder Vorurteile über Bord zu werfen.
Krankhafte Sparsamkeit hat er – nicht allein, und schon gar nicht als Erster – als das erkannt, was nicht glücklich macht. Und damit meint er nicht in erster Linie die Anhäufung und Verteidigung von materiellen Werten. Sparsamkeit als Enge oder selbst auferlegter Zwang, der der Freiheit die Luft zu Atmen nimmt. Wer zu viel würzt, darf das. Aber ebenso darf er sich hinterher nicht beschweren, dass der Hals kratzt. Eigentlich ganz einfach.
Manchmal, vielleicht sogar oft braucht man den Blick von außen oder den sinnbildlichen Tritt ins den hintern, um sich seiner eigenen – GUTEN – Gedanken bewusst zu werden. Denn der Mensch ist – bis auf einige Ausnahmen – nicht ausnahmslos schlecht. Man muss ihn ur kitzeln, damit er sich daran erinnert.
Und Albert Memmi ist ein wahrer Kitzler. Er kitzelt das Gute aus dem unerschöpflichen Wissen der Menschheit heraus und schreibt in kurzen Abhandlungen effektreiche Mutmacher. Es sind keine komplett neuen Erkenntnisse, die in „Das kleine Glück“ für jedermann nachlesbar sind. Es sind geraffte Einsichten, die jeden Leser einmal pro Woche dazu bringen, sich selbst auf die Probe zu stellen. Das tut nicht weh – im Gegenteil. Es hilft sich dem Glück näher zu fühlen.
